Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section/Supplement

Heft 26 des Voigtländischen Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke
Supplementteil der Section Voigtländischer Kreis
Inhaltsverzeichniss


Album
der
Schlösser und Rittergüter
im
Königreiche Sachsen.




Voigtländischer Kreis.
Supplementband
von
Albert Schiffner.




Leipzig,
Druck von Sturm u. Koppe (A. Dennhardt) in Leipzig.

[1] Auerbach (obern und untern Theils). Seite 83 des Albums. Die Stadt hat 1858, dafern die Mittheilung in der Leipziger Zeitung nicht etwa einen Druckfehler enthält, nur 326 Häuser, aber 3986 Seelen begriffen. Hiernach würde in den letzten 3 Jahren die Seelenzahl zwar um 44 gewachsen, die der Häuser hingegen um 21 geringer geworden sein. – 1779 gab es zuerst 312 Wohnparteien, 1801 in 265 Häusern 1700 Consumenten, 1834 aber in 295 Häusern 2985 Seelen.

Aeltere Nachrichten schreiben den Ort Vrbach, Uwerbach, Urpach. Jedenfalls hat das „Ur“ oder „Auer“ hier ähnliche Bedeutung, wie in Auerhahn, Auerochs, etc. Nicht unbedenklich darf man die letzte Sylbe „bach“ für ein Flüsschen nehmen, weil man dann annehmen müsste, die Gölzsch habe früher einen deutschen Namen gehabt und ihn gegen diesen ihren serbischen Namen vertauscht. Daher nahmen Manche den Ortsnamen nicht für einen deutschen, sondern für einen germanisirten slawischen, in welchem das „bach“ richtiger „bog“ (Gott) lauten würde. Sei dem nun, wie ihm wolle: es kann mindestens die im Album erwähnte Thor-Inschrift nicht als Gegenbeweiss dienen; denn in der Kritik vor- und aufgebrauchter Etymologien war das Mittelalter bekanntlich aller Bedenken frei.

Was aber das Gold betrifft, welches man früher in den Sylben „Auer“ finden wollte, so erwähnt Büchner in seinen Dissertationen über die Schätze des Voigtlandes allerdings eines hier gefundenen Erzes welches bei ihm minera auri nigricans cum miculis tenuibus flavescentibus, ein schwärzliches Golderz mit zarten gelblichen Blättchen heisst. Nur lässt sich nicht sagen, ob der Triebelbach oder die Göltzsch es der Elster zugebracht. Der Italiener Sebastian Verso sagt in seinem Büchlein über das Fichtelgebirge: unter den voigtländischen Gold-Flitschen seien die sehr biegsamen pechschwarzen die besten, und unter den weissen Quärzen enthalte der sogen. „Schlicht“, d. h. jener mit blauen Adern, am häufigsten Gold. Ebenso habe man am sichersten Goldkörner unterhalb der Wehre gefunden.

Hinsichtlich des vom Album angegebenen „Volkswitzes“ dürfte doch eine Berechnung nicht überflüssig sein. Unter einer Stecknadel (Werthes) verstand man sonst 1/12 Pfennig, und so würden 3024 Stecknadeln, also auch 3024 Stämme und Stämmchen auf 1 Gülden gekommen sein. Nimmt man nun das verkaufte Holz (welches nicht nur bis zur Mulde reichte, sondern auch noch das linke Wilzsch-Ufer bedeckte) zu 30000 Ackern an, so würden für jeden Stamm 9 Quadratellen Raumes da gewesen sein, was unter Berücksichtigung des jungen Anwuchses minder undenkbar wird, als der erste Anblick es erwarten lässt. – Es befasst übrigens der heutige Auerbacher Forstbezirk (welchem der Oberforstmeister und Flossoberaufseher Hanns August Karl v. Kirchbach vorsteht) in seinen 14 Forstreviren beziehentlich theils mehr, theils weniger, als die damals (hauptsächlich von der minorennen Gölzscher Herrschaft) verkauften Auerbacher Wälder, nämlich einerseits alle Staatswälder des Voigtlandes, der Aemter Werdau und Zwickau, andrerseits aber nicht mehr jene in den Aemtern Eibenstock, Schnee- und Kirchberg. Der Kammerjunker v. Kirchbach selbst bewohnt Auerbach, der Forstinspector des Auerbacher Oberforstes dagegen Tannenbergsthal; Auerbach selbst beherbergt keinen Förster.

Die Stadt ist jetzt auch Sitz eines zum Eibenstocker Bezirksgericht ressortirenden Amtes, demnach nicht mehr in das Amt Plauen bezirkt. Dieses Amt begriff 1858 in der Stadt und in den 18 Landgemeinden 18474 Seelen, und beschäftigt ausser dem Amtmann, 4 Actuarien, 1 Rendanten, 1 Controleur und 3 Expedienten. Gewissermassen ist es das etwas erweiterte königliche Gericht, welches, nachdem die 6 Auerbacher Rittergüter sich sowohl der Commun-, als ihrer Specialgerichtsbarkeit begeben, am 3. Februar 1842 eröffnet wurde. Bis dahin bildeten die hiesigen Commungerichte eine einzige Erscheinung in der Sphäre der sächsischen Patrimonialjustiz. Es hatten nämlich wegen der sonderbaren Zertheilung der meisten Orte der alten Herrschaft Auerbach die behufs der Erbtheilungen aus derselben nach und nach hervorgegangenen Rittergüter sich hinsichtlich der Criminalrechtspflege zu einem einzigen Gericht verbunden, welches seinen Sitz in Auerbach und hinsichtlich der Erbgerichte nur wenige, desto mehr Untergebene aber hinsichtlich der Obergerichte hatte. Diese 9 Rittergüter sind: a) Auerbach obern Theils, b) Sorga, mit a verbunden, c) Auerbach untern Theils, d) Auerbach mit Hohengrün, e) Rützengrün, f) Rothenkirchen, mit e verbunden, g) Niederauerbach, h) Gölzsch untern und i) Gölzsch obern Theils; die 3 letzteren jedoch haben an den Commungerichten nie Theil genommen, sondern die Obergerichte gleichfalls, wie die Erbgerichte, einzeln für sich geübt.

Noch bestehen in Auerbach das bis zum 31. Mai 1859 in Voigtsberg gewesene Rentamt, ein Postamt, eine Posthalterei, ein nach Plauen ressortirendes Untersteueramt, ein Chausseehaus, eine königliche Pechniederlage etc. Seit 1838 ist hier ein Superintendent, dessen Ephorie 1847 noch durch Zuziehung der Pfarreien Lengenfeld, Waldkirchen und Irfersgrün erweitert wurde.

Wenn nun das Album anderwärts die zur Kirche im Rittergutsorte gepfarrten Dörfer nennt, so mag dieses auch hier stattfinden. Sie sind Beerheide, Brunn, Hauptbrunn, Hinterhain, Crinitzleithen, Schnarrtann mit Laubberg und dem Hahnenhaus, Sorga, Dressels-, Hohen-, Mühl-, Reben-, Reibolds-, Vogels-, Werns-, Rützen- und Rempesgrün nebst den Lohhäusern; hierzu kommen noch die zur Auerbacher Waldgemeinde gehörigen Oertchen Georgengrün und Zöbisch, ein Theil von Reimtengrün (vergl. Treuen) und die Scheibe, welche einige Auerbachische, in Westen isolirte Stadtgüter begreift. Wernesgrün hat einen eignen Betsaal, und bis 1838 war Rautenkranz ein Filial von Auerbach, dessen Pfarrsprengel daher bis dicht an Böhmen reichte und 3 Dutzend Orte enthielt. Noch früher gehörten sogar Schönheide, Stützengrün und Rothenkirchen als Filiale dazu. – Die frühere „Auerbacher Waldgemeinde“ zerfällt jetzt in die Tannebergsthalische und die Rautenkranz-Morgenröthische. – Die beiden geistlichen und 5 Schulstellen vergiebt das Ministerium, nachdem die beiden Herrschaften bis 1838 die Collatur gemeinsam geübt. Es giebt übrigens auch eine Sonntags- und eine confirmirte Privatschulanstalt. – Bürgermeister ist zur Zeit der Advocat Bornemann. Dem Stadtrath gehören nur die Verwaltungs- und Polizeigegenstände. Friedensrichter für den Amtsbezirk sind jetzt die beiden Gutsherrn in Rodewisch und der Forstinspector zu Tannenbergsthal. Die Sicherheitspolizei übt das Gerichtsamt ausschliesslich. Früher gab es hier auch ein Flössamt.

Auerbach liegt 2¼ Meile ostnordöstlich von Plauen, 3½ Stunde von Reichenbach, Zwickau, Kirchberg und Eibenstock, ¾ Stunde nordöstlich von Falkenstein und 1¼ ostsüdöstlich von Treuen, an den Strassen von Plauen nach Eibenstock, von Reichenbach und Lengenfeld nach Böhmen, von Oelsnitz nach Schneeberg. Es steigt vom rechten Ufer der nordwärts fliessenden Gölzsch auf den Gebirgshang hinan, etwa von 1330 bis zu 1500 Fuss über dem Meere. Lohrmann fand die obere Brücke 1371, Wiemann aber die östlich oberhalb des Marktes stehende Kirche nur 1417 Fuss hoch. Im Verhältniss zu dieser Höhe ist die Lage rauh; auch erscheint der Boden sehr steinig. Die im Mittel 1548 Fuss hohe, also um mehr als 400 Fuss variirende Flur raint links der Gölzsch mit Falkenstein, Reimten- und Rebesgrün, rechts mit Sorga, Brunn und Rempesgrün, in der Tiefe südlich mit Crinitzleithen und nördlich mit Rodewisch. Das Thal ist sowohl ober- als unterhalb der Stadt anmuthiger, als bei dieser selbst, wo es einen kalten und kahlen Anstrich zeigt.

Für den Bestand der Burg können wir statt des Jahres 1000 uns wohl mit 6 bis 7 Jahrhunderten begnügen, indem ein Beweis für höheres Alter durchaus fehlt, man müsste denn in die Dohnaische Mythologie zurückgehen wollen. Ob der im Album erwähnte Konrad v. Auerbach hierher oder nach Auerbach bei Zwickau gehöre, ist sehr fraglich, und der rheinpfalzgräfliche Besitz betrifft sicherlich nicht unser, sondern das oberpfälzische Auerbach, Stammort jenes Heinrich Stromeier, welcher Leipzig den „Auerbachs Hof“ gab. Es soll aber hiermit nicht etwa Karl IV. Besitz unsres Auerbachs (s. das Album) bestritten sein.

Der schnelle Besitzeswechsel in den J. 1483 bis 1499 zwingt zur Annahme einer Verpfändung, die durch mehre Hände gegangen; solche Fälle haben die Specialgeschichte überhaupt häufig getäuscht. Um die Persöhnlichkeit des Pancratius Schenk (s. Album, Mitte der 2ten Sp.) fragt es sich desto gewisser, als eines Theils Pankraz in Böhmen, unfern Zittau, ein Dohnaischer Ort gewesen, andern Theils der unter den Dohnaischen beliebte Name Zdenko auch in Schenk corrumpirt vorkommt, wie sich denn wirklich eine Nachricht von 1482 so ausdrückt: „Herr Schenke und Herr Hanns v. Dohna.“

Das die Würde eines Burggrafen zu Meissen 1426 an den Kurfürsten gediehen, ist irrig; allerdings wollte er sie sich zueignen, was aber der Kaiser nicht zugeben konnte, da man nach der im 14. Jahrh. erfundenen Landeshoheit zwar allenfalls die Besitzungen der meissnischen Burggrafen hätte so beurtheilen können, als müssten sie nun den Markgrafen zufallen, – dieses aber keine Anwendung auf das Burggrafenthum an sich litt, welches nicht minder ein directes Reichslehn war, wie das Markgrafenthum selbst.

Das S. 84, Z. 7 erwähnte Schönau ist Oberschönau bei Freiberg. Bauerwald als Gut ist uns völlig unbekannt; aber eine bedeutende Höhe dieses Namens giebt es an der sächsischen Gränze oberhalb des böhmischen Ortes Hanspach. Sahlik ist nicht etwa Saaleck bei der Rudelsburg, sondern Saalig bei Adorf. Wiesenburg (S. 84. Z. 13 v. u.) ist selbstverständlich falsch; ob aber diese Margaretha eine Wiesenbach oder eine Planitz gewesen, fragt sich.

Christian Ludwig Edler v. d. Planitz besass ausser Auerbach auch Lengenfeld, Grüna, Sorga, Weissensand und Plohn. In Auerbach erbte [2] 1737 sein 5ter Sohn, der braunschweigische Kammerrath, das Untergut, sowie auch Mylau und Hohengrün, die der Vater gleichfalls hinterlassen. Herr Heinrich v. Bünau ist mindestens 1854 nicht Freiherr gewesen.

Zu dem obern oder jetzt v. Bünauischen Gute gehören Theile von Eich (9 Häuser im J. 1854), von Beerhaide (5 Häuser dieses Ortes, der wohl richtiger mit dem slawischen Namen Berreuth, Baireuth oder Baruth genannt wird,) von Rebesgrün 6 Häuser. Nach Angabe des statistischen Vereines hätte hinsichtlich der Erbgerichte Hauptbrunn ungetheilt dazu gehört. Ein Dorf Oberauerbach (S. 84, Sp. 2, Z. 5) giebt es nicht; vielleicht ist damit irgend ein etwas isolirter Stadttheil gemeint, wie die Scheibe und der Anger solche sind? – Das unter Hahngrün gemeinte Hohengrün (s. diesen Artikel) ist vielmehr zwischen dem obern Gute Auerbach und dem Gute „Auerbach mit Hohengrün“ getheilt. Reiboldsgrün ist kein Dorf, gehört auch nicht zu Auerbach. – Als Zubehör des obern Gutes fehlen im Album noch Theile von Schnarrtann, Wiedenberg, Vogels- und Dresselsgrün.

Das untere Gut hatte 1834 in Eich (wo die starke Biering’sche Pech- und Russfabrik besteht) 10, in Rebesgrün 16 Häuser; und in Rempesgrün scheint es blos lehnbetheiligt zu sein. Vogelsgrün ist sehr zertheilt, und an Mühlgrün ist auch Sorga lehnbetheiligt. Die untere Herrschaft hatte die Chaussee nach Falkenstein zwar angelegt; verfallen aber verkaufte sie dieselbe an den Staat, ohne doch gleichzeitig ihre Chausseegeldeinahme aufzuheben; daher haben 1832 zwei Einnahmen allhier bestanden.

Die alte Herrschaft Auerbach, eine der umfassendsten im heutigen Sachsen, begriff ausser den erwähnten 9 Rittergütern, denen man auch noch Röthenbach beifügen könnte, auch Schönhaide, Stützengrün, Hundshübel, Neustädtel, die Orte der Auerbacher Waldgemeinde, und wahrscheinlich auch die Hälfte des Raumes, den jetzt die Stadt Schneeberg bedeckt, während die andere Hälfte Hartensteinisch gewesen. Jetzt noch bestehend, würde sie an 40000 Seelen befassen. Ihre ältestbekannten Herren waren die Grafen v. Eberstein zu Plauen; denn in ihrem an Heinrich d. Langen, den Plauischen Voigt, gediehenen Nachlasse findet man auch das Heimfalls-Anrecht auf Plauen und Auerbach. Dass nun während dieses Ebersteinischen Besitzes schon Auerbach markgräflich-meissnisches Lehn gewesen, lässt sich, ohne dem Genius jener Zeit in die Augen zu schlagen, schwerlich annehmen; wenn daher 1382 die Vögte mit Auerbach als einem Markgrafenlehen speciell an Wilhelm d. Einäugigen gewiesen wurden, so mussten wohl erst sie selbst es den Markgrafen zu Lehn aufgetragen haben. An wen aber die Ebersteiner Auerbach versetzt gehabt, ist unbekannt. Wir unsres Ortes denken an eine Linie der Dohnaischen Burggrafen (welche 1422 auch wieder Auerbach sicherlich besassen,) weil 1308 ein Heinrich v. Uronburg oder Vronburg mit einem Grafensteinischen Burggrafen von Dohna verengt in Zittau’s Geschichte auftritt. Dieses Uronburg halten wir für die Burg von Auerbach. Die Besitzer für eine Dohnaische Seitenlinie, den Besitzwechsel im 14. Jahrhundert nur für den der Verpfändung (seiten der Ebersteiner Grafen und der Vögte) an die Dohnaischen, an Markgraf Wilhelm, an die Herren v. Weida etc. Wir wollen jedoch mit dieser Hypothese nicht eben anderen Ansichten in den Weg treten, namentlich wenn Jemand die Vronburg auf den gleichfalls in Auerbachs Gegend (jenseits Reimtengrün) emporsteigenden hohen Frohnberg suchen wollte, dessen hybrider Name (von Bron, die Waffe, hergeleitet) entweder auf eine Burgstätte oder auf ein Schlachtfeld deutet. Uebrigens taucht noch die Frage auf, ob nicht 1402 ein Theil der aus Dohna verdrängten Burggrafenfamilie sollte hierher – wie die übrigen nach Grafenstein in Böhmen – gezogen sein? Denn Burggraf Friedrich zu Auerbach war es, der 1423 dagegen (vergebens) protestirte, als der Kurfürst Dohna auf 3 Jahre an Apitz (Albert) von Karras verpfändete.

Greifen wir wieder in frühere Zeit zurück, so finden wir, dass 1357 Heinrich der zweite Reuss bei seinem Tauschvertrage mit dem Markgrafen sich den Erbanspruch auf Auerbach vorbehielt. Hierbei kann wohl nur an das Recht der Wiedereinlösung beim etwaigen Aussterben der Plauisch-vögtischen Linie gedacht werden. – Auch 1445 fand eine Verpfändung Auerbachs statt, welche jedoch nicht das Dominium utile, sondern nur das D. directum betraf: nämlich seiten des Kurfürsten an seinen tapfern Bruder Wilhelm v. Thüringen. Und auch hierbei ist nur an eine Zwischenlehnhoheit zu denken; denn nach Ausweis des Egerischen Vertrages gehörte die oberste dem böhmischen König, und blieb diesem auch bis 1779. Woher dieses Verhältniss komme, ist nicht bekannt; am passendsten aber geht man wohl auf die Urkunde von 1213 zurück, so dass Auerbach unter Mylau mit begriffen gewesen wäre.

Zwischen den Dohnaischen und den Planitzischen Besitz Auerbachs fällt nun der v. Reudnitzische, v. Wolfframsdorffische und v. Herms- oder Hermannsgrünische, worüber jedoch näheres fehlt. Dagegen ist aus neuester Zeit noch zu bemerken, dass sich 1776 als Besitzer die Brüder Gottlob Heinrich und Karl Rudolf Gottfried E. v. d. Planitz finden. 1819 hatten das untere Gut der Kammerjunker Karl Friedrich Fürchtegott, Karl Dietrich Ehregott und Karl Ludwig Gotthelf, das obere der Rittmeister Ludwig allein, nachdem früher der Hauptmann Friedrich Franz August sein Genoss gewesen. Von des Rittmeisters Söhnen, dem Oberlieutenant und dem Forstmeister, hat dieses obere Gut 1839 Herr Heinrich v. Bünau gekauft, und zwar mit Sorga, welches als damit combinirt gelten kann. An sich soll das obere Gut 1844 nur noch 683/5 Acker Landes besessen haben, das untere hingegen 2293/10 Acker. Dieses letztere hatten bis 1844 gemeinsam Karl Dietrich Ehregott und der Lieutenant Karl Ludwig Gotthelf, welcher es 1844 allein übernahm. Früher findet man die Brüder Bernhard, Otto und Robert, unsers Wissens Söhne des Kammerjunkers Karl Friedrich Füchtegott (s. ob.) als Besitzer eines Drittels vom untern Gute, welches seit 1852 Herrn Ernst Ludewig Robert E. v. d. Planitz gehört. – Nachholendlich bemerken wir, dass, als am 26. Mai 1747 der erwähnte langjährige Besitzer Christian Ludwig verschieden, zunächst sein ältester Sohn Karl Christian August die Verwaltung aller 8 hinterlassenen Rittergüter übernahm.

Die beiden Güter haben mit Einschluss der Güter Sorga und Rützengrün 1801 der Consumenten 6501 angegeben. Das untere trägt 4186, das obere an sich 20783/7, mit Sorga zusammen aber 6064 Steuer-Einheiten. Sie erscheinen demnach nur als kärgliche Reste der alten Herrschaft. Beide sind noch jetzt Mannlehn, und beide verloren 1857 durch den Brand ihre – jedoch kaum schlossmässig erscheinenden – Schlösser. Das obere steht am östlichen oder höchsten Rande des Ortes, und wird durch eine Chaussee (Allee zugleich) mit Sorga verbunden. Das untere steht minder hoch, südöstlich über der Stadt, auf der durch Einfall eines Bächleins in die Gölzsch sich vorgebirgsartig bildenden Höhe, deren äusserster Vorsprung die Reste der Burg bedecken. Diese gehören aber nicht den Herrschaften, sondern einem Kaufmanne Kessel. Dem runden, hohen, mit 6 Ellen starker Mauer begabten, unten eingangslos (nach Art des 12. und 13. Jahrhunderts) angelegten Thurme, welchen des Felses Kegelspitze trägt, hat man einen Ueberbau gegeben, nämlich ein Lusthaus oder Beveldere, woselbst Concerte stattfinden. Dieses herrliche Plätzchen, welches selbst Leipzigs Thürme zeigt, soll gegen 150 Ellen (??) über der nahen Gölzsch erhaben sein. Den Thurm umfassen in minderer Höhe niedrige Baureste und ein terrassirter Theil des Berges ist gartenähnlich verschönt. Von jedem Besucher musste anfangs eine kleine Gabe zur Sammlung für ein, Waisen- und Arbeitshaus gereicht werden. Da jedoch der so humane Begründer nicht den damaligen Freiheitsschwindel theilte, so war man ihm feind, brauchte den sonderbaren Vorwand, das Lusthaus drohe der Stadt Feuersgefahr, und vereitelte die wohlthätige Absicht. Indessen war diese dennoch der Grund zu dem später hier entstandenen „Rettungshause Bethanien.“ Dabei bleibt es allerdings auch unleugbar, dass Blitze häufig den Burgthurm getroffen haben. – Uebrigens hat aber auch das untere Gut selbst einen hübschen terrassirten Garten mit Gewächshaus etc. Sein Schlösschen zeigte auf jeder der 4 Seiten 7 Fenster. – Beide Güter geniessen, vom Verkaufe des Auerbacher Hauptwaldes an den Fiscus her, starke Holzdeputate. Ausser der Collatur zu Auerbach selbst (s. ob.) hatten sie früher auch jene zu Rodewisch, Rothenkirchen und Schönheide; nach Rützengrün bringt hierbei das Album irrig einen Pfarrer.

Der alten Herrschaft müssen wir nochmals gedenken. Sie wurde von den Herrschaften und Gütern Mylau, Schönfels, Wiesenburg, Hartenstein mit Wildenfels, Schwarzenberg, Heinrichsgrün, Graslitz (diese 3 in Böhmen) Falkenstein und Treuen begränzt, erlitt aber in ihrer Ausdehnung durch des Hauptwaldes Verkauf am 23. December 1563 eine gewaltige Schmälerung. Sein Drittel an diesen Waldungen (jedoch mit Abzug des eignen und seiner Unterthanen jährlichen Bedarfes) hatte nebst Neustädtel und Bärenwalde Balthasar Friedrich v. d. Planitz auf Gölzsch schon früher um 5000 m. Fl. an den Kurfürsten August versetzt, war jedoch über einer Abänderung dieser Verpfändung in einen Erbkauf gestorben. Hierbei hatte er 30000 m. Fl. Kaufpreis verlangt, den aber der Kurfürst zu hoch fand; jetzt würde man recht gern das 6-, ja achtfache geben. Nun verkauften daher die Oheime, als Vormünder der verwaisten Söhne, um diesen das verschuldete Gut Gölzsch selbst[WS 1] zu erhalten, dem Kurfürsten um 28300 m. Fl. baar, jährlich 400 Klaftern Brennholz, 60 Bau-, 10 Schindel-, 20 Bret- und 30 Röhrstämme, folgende Orte und Bodenstücke mit aller Gerichtsbarkeit: 1) Schönheide mit seinen 49 Gehöften (jetzt sind der Häuser fast zehnfach so viele!) dem Vorwerk und dem Hause oder Herrenhaus, so dass man dieses Gut auch als ein Rittergut heutiger Weise betrachten könnte; dieses stand jedoch nicht etwa auf der Stätte des jetzt zum Hammerwerke gehörigen „Vorwerkes“ (nicht also auf der südlichen Anhöhe über’m Niederdorfe) sondern nächst der Kirche. 2) Stützengrün mit der Schäferei, der Brauerei und 36 Gehöften; 3) ganz Neustädtel, welches bis dahin getheilt zu Gölzsch und zu Trünzig gehört hatte, und auf dessen ursprünglicher Flur auch ein Theil von Schneeberg steht, welches jedoch die v. d. Planitz nichts weiter anging; wohl aber hatten sie von jeder Zeche auf Neustädtler Flur 4 Erbkuxe, nämlich je einen für die Specialgüter Auerbach, Gölzsch, Wiesenburg und Trünzig, und der Verkauf schloss je einen derselben mit ein; 4) die Collatur bei den Kirchen zu Obercrinitz und Griesbach; 5) die Mulden- u. a. Bachfischerei in der Eibenstocker Gegend; 6) ebenda das Flössrecht, und zwar auch am rechten Muldenufer, also auf Schwarzenberger Boden; 7) als Hauptgegenstand: alle Hauptwälder und Vorhölzer zwischen der Schwarzburgischen (d. h. Schwarzenbergischen und also damals kurfürstlichen), Schlickischen (d. h. Heinrichsgrünischen,) Auerbachischen (d. h. Planitzischen, soweit sie nicht mit verkauft wurden) u. a. anstossender Nachbarn Gehölzen und Gütern, (wobei besonders an Mylau, Reichenbach, Treuen und Falkenstein zu denken ist,) soweit sie nach Gölzsch gehörig. Es ist hier nicht zu übersehen, dass eine frühere Erbtheilung die Planitzischen Güter in 4 Hauptpartien getrennt hatte: die Auerbachische, die Gölzische (diese beiden enthielten das wesentliche der alten Auerbachischen Herrschaft, davon aber auch einiges Zubehör, z. B. halb Neustädtel, zur 4ten Portion ausgleichungshalber geschlagen worden,) die Wiesenburgische und die Trünzig’sche. In diesen verkauften Wäldern könnten, sagt die Urkunde (s. Arndt’s Archiv der sächs. Geschichte, II, S. 367 f.) jährlich gegen 15 Sechszig (also 900 Tonnen) Pech gemacht werden, wozu noch das Zinspech komme; 8) Die gesammte Jagd in dem der Commun Auerbach gehörigen „Taubberg,“ wofür aber offenbar an den Laubberg bei Schnarrtann zu denken ist; 9) die halbe Bergnutzung von allen niederen Metallen (die andere Hälfte gehörte nämlich dem damals noch minorennen Georg v. d. Planitz auf Auerbach); 10) die Nutzung von den Schmelz- und Saigerhütten; [3] 11) zwanzig Gülden Zins von einem Schneeberger für die in die Wilzsch fallenden Nix- und Fichtseifen (ist insofern sehr interessant, als somit auf dem höchsten Eibenstocker Gebirge nicht die Mulde, sondern die Wilzsch zwischen den Herrschaften Auerbach und Schwarzenberg die Gränze gebildet hat); endlich 12) die hohe Jagd nicht nur auf dem ganzen Gölscher Gebiete, sondern auch auf den Achtenauer, Bärenwalder und Gauerschen Fluren. Letztere waren eine Wüstmark am heutigen Filzteiche bei Zschorlau. Bei Achtenau aber ist wohl nicht an die Achte bei Beermsgrün sondern eher an Verschreibung für Lichtenau zu denken, da dieses mit der Wüstung Gauern rainte. Der Besitzungen Uebergabe und die Bezahlung sollten am 3. Januar 1564 geschehen. Unter den Bürgen erscheint auch Hanns Friedrich v. d. Planitz auf Planitz, ingleichen ein Rudolf als Bruder des verstorbenen Balthasar Friedrich. Dieser Kaufbrief ist für des Erzgebirgs Specialgeschichte zu wichtig, als dass wir des vorstehenden Auszuges daraus uns hätten enthalten können. Das ihm noch beigefügte Prototoll über die Grenzbegehung der verkauften Länderei ist zwar gleichfalls interessant, leidet jedoch keinen Auszug. Dass nach heutigen Verhältnissen sowohl der Kaufsubstanz, als des Geldwerthes, der Preis hätte können zwischen 1/2 und 1 Million schweben, lässt sich nicht bezweifeln; aber vor 300 Jahren dachte man fast mehr noch an das zu siedende Pech, als an das zu schlagende Holz, dessen hohen Werth für die Staatswirthschaft erst die umsichtigen Kurfürsten-Brüder Moriz und August durchschaueten.

Die Auerbacher Herrschaft erwarb 1652 und durch Bestätigung 1658 auch die Erblehnung mit dem Gottesberger Zinnbau.

Zu den Bränden im Orte (s. Album, zu Ende des Artikels) gehören noch jene vom 19. Juni 1626, welcher nur 16 Häuser unversehrt liess, und von 1825, wo ein Blitz deren 15 zerstörte. 1834 verbrannten 146 Häuser, wobei Kirche und Rathhaus, Pfarr- und Schulgebäude; am 5. Juli 1857 aber – wo Anlegung obwaltet – 40 starkbewohnte Häuser, darunter beide Schlösser.

Die Ortsflur begreift, ohne die Rittergüter, 6822/9 Acker, und raint mit Rebes- und Mühlgrün, Beerhaide und Sorga. Das am 29. September 1856 eröffnete Rettungshaus für verwahrlosete Kinder (Bethanien genannt, obwohl dieses eigentlich ein Lazareth bedeutet) steht in der Rebesbrunner Flur, wie denn all jene Fluren auch Auerbachische Flurstücke umschliessen. – Das Gewerbe des Ortes ist mannichfaltig und mässig lohnend, dieser daher meist wohlgebaut. Aber Markt und Gassen sind fast durchaus stark abhängig. Abgesondert stehen auch noch die Schäferei Hain, die schöne, grosse, 3 Etagen hohe Hertel’sche Papiermühle und die Ziegelei an der Gölzsch unterhalb –, die schon 1814 im Betrieb gewesene Spinnmühle oberhalb der Stadt, das Gut Scheibe nebst einigen Häusern auf dem hohen Abhange der Kohlung an der Lengenfelder Strasse, die Staudenhäuser an der obern Gölzsch, das Gasthaus Augustusruhe (früher die dürre Henne genant) an der Strasse nach Falkenstein. Die Pottaschsiederei geniesst seiten der Regierung ermässigte Holzpreise. Die Staudenmühle ist herrschaftlich, oder giebt vielmehr Erbpacht ins Oberschloss.

Im J. 1823 wurde von den 4 Zechen nur Frisch Glück noch wirklich gebaut. Gold hat man bei keinem der Versuchsbaue, wohl aber manchmal im Flusssande gefunden. Die Goldwäscherei kann aber nie ergiebig gewesen sein, obwohl der Ort sich mit dem Prädicate einer „alten Goldwäschstadt“ schmeichelt. Die Zeche Irrgarten lieferte ausserordentlich reichen Blutstein, der daher so schwer wog, dass man Gold darin glaubte; man empfahl ihn eifrig gegen Blutsturz.

Zu den beiden Schulen kommen noch die vom Staat unterstützte starke Sonntagsschule und Neidhardts höhere Sammelschule. – Der 1832 von der „Harmonie“ gestifteten allgemeinen Sparkasse ward 1847 landesherrliche Bestätigung, und es nehmen auch Falkenstein und 9 Dorfgemeinden daran Theil. – Augenblicklich denkt man daran, Gasbeleuchtung einzuführen. – Das Rathhaus, dessen Thurm einigermassen ein gothisches Aussehen zeigt, hat 1851 die Stadtcommun nebst dessen Gastgerechtsame wieder an sich zurückgekauft. Das Schiesshaus dagegen ist Privatgut. Der Staudenhammer, der sonst oberhalb der Stadt im Betriebe gewesen, wurde von Beyer & Müller zu der schon erwähnten Spinnerei umgeschaffen. Westlich von ihr thront auf dem Gebirge der aus gelbbraunen Thonschiefer bestehende Bendelstein, welchen man nicht mit dem Wendelsteine (dem Wienersteine jenseits Falkenstein) verwechseln möge. – Nicht fern oberhalb der Staudenmühle empfängt die Gölzsch das Goldbächlein; da nun oberhalb dessen Mündung noch nie Gold in der Gölzsch gefunden worden, so glaubt man, dass unter den Hohn- und Rempesgrüner Fluren der goldführende Quarz zu suchen wäre.

Wird sich nicht eine Actiengesellschaft dafür bilden?

In des Oberschlosses Nähe hat die Harmonie ihr schönes Local. Lustorte sind Mühl-, Werns- u. a. Grüne, davon die hiesige Gegend so wimmelt, wie manche andere von hain, stedt, dorf etc.

Die am 1. December 1839 neu geweihete, grosse, schöne, helle, im Innern gothisch decorirte Kirche hat einen zwar ein wenig plumpen, übrigens aber an den Hamburger Michaels- und den Netzschkauer Thurm erinnernden, gegen 100 Ellen hohen Thurm, und besitzt in ihrer Jehmlichschen Orgel ein wahres Meisterwerk, erhielt auch 1850 ein schönes Altarblatt von Peschel in Dresden, Christi Grablegung: zum Theil als Geschenk des Kunstvereines. Die Collatur kam 1848 von den hiesigen Rützengrüner und Sorgaischen Herrschaften an die Commun, von dieser später an das Ministerium.

Bergen, (S. 179 d. A.) auch Unterbergen und im Lehnhofe „Bergen mit Trieb“ genannt, weil Trieb, ein ursprüngliches Sonderlehn, später zu Bergen geschlagen worden ist. Noch früher ist aber Bergen selbst nur ein Vorwerk der Herrschaft Falkenstein gewesen. Es liegt nordöstlich von Oelsnitz, westlich von Falkenstein, 21/2 Stunde nordwestlich von Schöneck, zwischen Trieb, Mechel- und Poppengrün. In Südosten ragt der Marien- und entfernter der Pfaffenstein vor der Egerleithe, einem grossen Waldstück, dessen Name auf eine Holzmark zu deuten scheint. In Südwest ist der Streuberg, in Westen der Wennickel (?), in Nordwesten der Harzberg. Die mittle Seehöhe der Flur beträgt 1520 Fuss, und das Klima ist schon etwas rauh, der Boden auch zu steinig. Eine Parcelle der Flur gehört nach Mechelgrün.

Das stark bevölkerte Dorf hat sich 1834 bis 1858 von 107 zu 119 Häusern, von 682 zu 936 Seelen verstärkt. Ebenso ging Trieb, ebenfalls an dem darnach genannten Flüsschen tiefer in Nordosten gelegen, von 54 auf 64 Häuser, von 301 auf 368 Seelen hinauf. Dieser Ort, nach Bergen gepfarrt, hat mit Schönau vereint eine besondere Schule bei welcher – wie bei der Kirche und Schule in Bergen – der jedesmalige Senior des Trützschlerischen Geschlechtes die Collatur übt. Trieb ist unter das Amt (mit 9 kleinen Gütern), die Rittergüter Dorfstatt (3 Nummern), Untermechelgrün, Bergen, Oberlauterbach und Falkenstein-Mühlberg vertheilt.

In Bergen selbst gehören Kirche, Pfarre, Schule und noch 9 Häuser, deren 2 auf der Jahnsgrün (wohl einer wieder angebauten Wüstung?) stehen, nicht unter das Rittergut, sondern zur Falkensteiner Collatur, also dem jedesmaligen Trützschlerischen Senior. Auch soll Oberlauterbach lehnbetheiligt hier sein, wie hinwiederum Bergen in Gansgrün, das aber hierbei wohl nur mit Jahnsgrün verwechselt wurde, welches nordwestlich vom Hauptdorfe am Harzberge liegt. Oberhalb des Dorfes ist an der Trieb das Beiörtchen Steinicht, und in Westen am Streuberge das Oertchen Streit- oder Streuberg. 1849 begriff das aus einer herrschaftlichen Schäferei hervorgegangene Steinicht 6, Jahnsgrün 3 und Streuberg 7 Häuser. Nach einer Nachricht soll auch das bei Pillmannsgrün gelegne „Jägerswald untern oder Mechelgrüner Theiles“ sich zur Bergener Commun halten. (??)

Das nach früherer Verfassung neuschriftsässig und landtagsfähig, aber 1801 noch amtsässig gewesene Rittergut gehörte 1428 als ein voigtländisches Lehn unter dem Namen pergen dem Albert Rabe: zu einer Zeit also, wo das Geschlecht v. Berge Syrau u. a. Güter besass; dies entschuldigt wohl die Vermuthung einer Stammverwandtschaft beider Geschlechter. Die Burg Rabe muss übrigens nahe bei Bergen, südlich über Mechelgrün, gestanden haben, wo ein Waldstück noch jetzt so heisst. 1583 war Hanns Georg Thoss Besitzer; 1670 Heinrich Wilhelm und 1753 der S. Weimarische Lieutenant Ludwig Wilhelm Trützschler; 1819 Johann Gottlieb Förster, welcher 1851 seine (volle) Gerichtsbarkeit an das Amt Plauen kommen liess; 1855 kam diese aber an das Gericht zu Falkenstein. 1853 übernahm den Besitz Herr Franz Förster. – Das Gut gab 1801 nur 442 Consumenten an. Bei der ersten Zutheilung der Steuereinheiten erhielt es deren 2882.

Der S. 180 erwähnte Eisenhammer ist unzweifelhaft, da Schenks Karte ihn angezeichnet hat. – Der Name der Trieb ist nicht deutsch, sondern bezieht sich nach dem Slawischen auf den Waldreichthum der Gegend; der Fluss wurde offenbar nach dem Orte genannt.

Die hiesigen und Trieber Granitbrüche standen besonders 1847 und 1848 in starkem Betriebe für die Gölzsch- und Elsterthal-Ueberbrückungen. Die Expedition dafür war in Schönau. An die Brüche war behufs ihrer nachhaltigen Benutzung vom Fiscus viel gewendet worden; je tiefer man aber ins Gestein drang, desto unbauwürdiger offenbarte es sich.

Bösenbrunn, (S. 127 d. A.) dessen Name jedenfalls mit jenem des nahen Schönbrunn zusammenhängt, was im Album übersehen worden raint mit jenem Orte, mit Planschwitz, Dröda, Triebel, Triebelbach oder Fuchspöhl, und mit Lauterbach; seine Flur milder gelegen, als die Schönbrunnische, liegt auch im Mittel um 99 Fuss tiefer, nämlich nur 1417 Fuss hoch. Im Süden sind der Pfaffenberg u. a. Höhen nahe. Der Ortsname verlangt doch immer eine factische Ursache; sollten nicht etwa Eisenquellen, die dem Vieh „die Kränke“ (wie der Erzgebirger spricht) gebracht, ehemals hier geflossen, nun aber durch süsses Wasser unkenntlich geworden sein? Wir geben diess nur hypothetisch.

Der Ort zählte 1834 in 76 Häusern 386 –, 1858 in 87 H. 517 Seelen; hierbei sind jedoch Untertriebelbach oder Fuchspöhl mit der Fuchsmühle, die 6 Culmhäuser bei Dröda (aus denen Leonhardi ein Dorf Collm gemacht,) und die grüne Tanne nebst noch 2 Häusern beim Bergwerk eingerechnet. Obertriebelbach dagegen gehört nicht hierher; vergl. Lauterbach. Von Obertriebel unterlagen 1834 dem Bösenbrunner Gerichte 4 und von Untertriebel 28 Häuser. Dagegen haben an Bösenbrunn selbst das Oelsnitzer Amt und das Rittergut Planschwitz einigen Antheil; das Huthaus unterlag sonst erbgerichtlich dem Schneeberger Bergamte, obergerichtlich dem Amte Voigtsberg. – 1801 gab der Rittergutssprengel 438 Consumenten an.

Das Gut, der mittlern Werthklasse beizuzählen, versteuert 4522¾ Einheiten, erscheint 1819 als ein altschriftsässiges und somit landtagsfähiges, und behielt seine (volle) Gerichtsbarkeit bis zum 15. April 1856.

Dass auch die voigtländischen Tettau (s. S. 127, Sp. 2, Z. 5) Edle (nobiles) gewesen, ist völlig zu bezweifeln; nur der böhmische Zweig war in einigen seiner Glieder Herrenstandes. – Positz und Oppurg (ebenda Z. 6 v. u.) liegen bei Neustadt an der Orla. – Für Fletscher setze man Fletcher, welcher englischer Name ein Pfeilschneider bedeudet. – Dass der Gutsherr Collator der Pfarrstelle, ist zwar richtig; er wechselt jedoch in des Rechtes Ausübung mit dem Plauischen Oberpfarrer, als dem Nachfolger der Deutschordenscomthure, wegen der gleich grossen Rechte der Schwesterkirche zu Dröda, wo auch jetzt der Pfarrer wohnen soll. Nicht minder wechselt der Gutsherr in Verleihung der Untertriebler Schule mit dasigem Pfarrer. Bei hiesiger Schule dagegen gehört die Collatur ihm allein. – Hierher gepfarrt sind die Culmhäuser, die grüne Tanne, der Klingerstein und das (von Untertriebel wohl zu unterscheidende) [4] Oertchen Untertriebelbach, das ausser der Fuchsmühle noch 5 Häuser enthält. – Der vom Album gerühmte Cantor Gemeinhardt lebte 1744 bis 1821 und sein Nachfolger Groh amtirt noch jetzt in Untertriebel. – Seit 1857 ist der Pfarrer nicht mehr zugleich Schullehrer, dies Amt erhielt ein Dietz aus Theuma. – Bösenbrunn ist bis 1614 ein Oelsnitzer Filial gewesen, zinste auch dortigem Kirchner noch vor Kurzem einiges Getreide. – Zur Restauration der Kirche (S. 128, Sp. 1 zu Ende) opferte besonders reichlich der Gutsherr Schaumburg. – Die Tribel quillt nicht südwestlich von Adolf, sondern 21/4 Stunde westlich davon, im Schirndinger (nicht Schirnin Walde).

Das Rittergut besass 1715 der Marschcommissar Adam Ulrich v. Neidberg auf Planschwitz, 1757 der Kammerjunker v. Brandenstein auf Sachsgrün und auf Zürchau bei Altenburg. 1739 und 1750 findet man hier die Trützschler. Unter den Seidel war hier der erste Christian Gottlob und Johann Gottlieb erwarb 1805 auch Neundorf bei Plauen.

Herr Johann Karl Friedrich Wauer übernahm das Mannlehn Bösenbrunn 1842, und hat es noch jetzt. – 1819 besas August Ferdinand Wilhelm Seydel (denn so schrieb sich dieser) zugleich Troschenreuth. – Das Gut hat Lehnunterthanen auch noch in Lauterbach, Schönbrunn und Burckhardsgrün. – Die Schäferei steht beim Klingersteinhause.

Den ganzen Ort liess Holki am 11. August 1632 verbrennen. Im J. 1851 kam hier der sonderbare Fall vor, dass ein 9jähriger Knabe sich als lebensmüde erhenkte.

Bobenneukirchen (S. 157 d. A.) ist selbstverständlich nicht nach einer Göttin Baba, sondern entweder nach einem Manne Babo (Poppo) oder aber nach der Stadt Bamberg (Babenberg) unmittelbar, also nach Kaiser Heinrichs I. Schwester Baba mittelbarerweise genannt. Letztere nämlich begründete und benannte Bam- oder Babenberg, unter dessen Bisthum unser Ort bis 1525 gestanden. Man fand aber den Vorsatz Baben- oder Boben nöthig zum Unterschiede von dem in die Regensburger Diöcese gehörigen Markarukirchen. Auch der Mannsname Babo kommt in dieser Gegend mit historischer Sicherheit vor; so besass z. E. Babo von Sparneck 1298 Müncheberg in Bayern. – In der 6ten Textzeile ist für „Baben neun Kirchen“ zu setzen: Baben neuen Kirchen; und in der letzten Zeile ist „Grottensee“ eine falsche Schreibung; denn nach Analogie solcher heiliger Tümpel bei Crottendorf, Eibenstock etc. beruht der Name auf dem des Götzen Krodo.

Der Ort, früher ein Marktflecken, liegt 31/2 Stunde südwestlich von Plauen, 1 Stunde von der bayrischen Gränze, 23/4 Stunde nordöstlich von Hof, am Fusse des Gränzgebirges; die Kirche fand Wiemann 1393 Fuss hoch, also 167 Fuss unterhalb der Mittelhöhe der überaus stark variirenden Flur, welche zum Theil schon ziemlich rauh liegt. In Südwesten steigt der Kegelberg an. Der von Ottengrün kommende Bach fliesst nordwärts weiter. In der Flur hat man sonst auf Schiefer gebaut.

Die Beiörtchen zugerechnet, enthielt 1834 der Ort 666 Seelen in 138 Häusern, deren 4 mit voller Gerichtsbarkeit dem Amte Voigtsberg und eben so viele eben so dem Gute Posek unterlagen; letzterer Theil befasste das einzige sächsische Haus in dem übrigens bayrischen Oertchen Zeche. Im Reste von Bobenneukirchen gehörten dem Amte die Obergerichte, hingegen erbgerichtlich 35 Häuser unter das hiesige, 84 unter das Drödaische und 11 unter das Pirker Rittergut. Seit dem Mai 1856 aber hat das Amt durchaus die volle Gerichtsbarkeit. Uebrigens ist auch in die obige – obwohl ofizielle – Angabe der Vertheilung des Dorfes starkes Misstrauen zu setzen, indem eine andere Angabe, gleichfalls im J. 1834, dem hiesigen Gute 84, dem Pirkischen 47, dem Posekischen 15, dem Drödaischen nur 5, endlich dem Amte 4 Häuser beischreibt. Hiermit stimmt auch eine Nachricht vom J. 1643, wornach Türbel (jetzt also Pirk) 35 Güter und 7 andere Häuser, ausserdem noch 12 Lehnunterthanen hier gehabt. Dieser Pirkische Antheil befasst mit die Nebenörtchen Weidig, Einsiedel und Weissenstein, der Posekische aber das Waisenhaus; die 8 Häuser des Pfaffenberges unterliegen hiesiger Herrschaft. – 1858 dagegen gab es 157 Häuser und 995 Bewohner.

Das hiesige Gut ist durch Avulsionen so abgeschwächt worden, dass es nur noch 5385/9 Einheiten versteuert, und 1859 um 12000 Thlr. ausgeboten wurde. 1542 hatte es Hanns v. Reitzenstein, 1770 der preussische Hauptmann v. Olsen, 1804 ein Herr Spiess; 1849 kam es vom Major Christian Friedrich Spiess als ein Allodialgut an die Canzellistin Domsch in Dresden; bald nachher hatten ein Neumann und Domsch es gemeinsam, davon jedoch letzterer 1854 seinen Antheil an Johann Samuel Heinrich Hänsel vertauschte; 1854 aber schon trat den Besitz Herr Rudolf v. Kryger an, welcher Dresden bewohnt; im Album ist er irrig v. Krüger geschrieben. – Obwohl das Gut, welches 1801 erst 290 Consumenten angab, nach früherer Verfassung neuschriftsässig war, so entbehrte es doch der Landtagsfähigkeit.

Die Parochie ist zugleich der Schulbezirk. Das Oertchen Höfel oder Höffchen hat ausser der Mühle noch 5 Häuser, und gehört dem Antheile der hiesigen Herrschaft zu. Bobenneukirchen ist der Sitz eines Schullehrervereines, und 1835 wurde auch eine Sonntagsschule eröffnet. – – Die im 2ten Alinea des Artikels angedeutete Urkunde von 1206 gehört zu den sehr verdächtigen; einen Auszug daraus gab Schultes im Directe dipl. II, S. 445.

Breitenfeld (S. 169 d. A.) liegt 31/2 Stunde südöstlich von Oelsnitz, an der von da über Markneukirchen und Landwüst nach Böhmen gehenden ältern Strasse, in waldiger Gegend, von der im Album erwähnten Markneukirchner Platte geschieden durch das Thal des Perlmuscheln herbergenden Ebersbaches. – Der Name kann freilich so wenig, als jener des Leipziger Breitenfeldes, auf einem Treffen beruhen; aber nach dem, was unter Wohlhausen zu sagen sein wird, scheint ein solches zufällig doch auch hier vorgekommen zu sein.

Das früher neuschriftsässig, dabei jedoch nicht landtagsfähig gewesene Rittergut gab, mit seinem Antheile an Siebenbrunn (der Ebersbachmühle und noch 1 Hause) 1801 nur 250 Consumenten an. Besitzer waren 1428 Hanns Wiedersberger oder v. Wirsberg, ein voigtischer Vasall, 1470 Eberhardt v. Uttenhof, der wegen des Zehnten mit der Wohlbacher Kirche prozessirte, und 1797 der baireuthische Kammerherr Philipp August v. Schirnding. – Für Minkwitz (S. 170) setze man: Heinrich Eduard Minckwitz. – Schon 1844 hatte Jani seine (volle) Gerichtsbarkeit an die Regierung ab- und diese sie 1853 dem Gerichte Markneukirchen übergeben. Jani bauete auch die Brauerei neu auf. Das Gut, belastet mit 36943/4 Steuersimplen, gehört an Stärke zu den mittleren, und hat auch eine Ziegelei.

Den Amtmann Jani findet man schon 1832 als Besitzer, obwohl Becker 1833 noch der Beliehene, die Wittwe Rudert aber 1835 Mitbesitzerin war. Bei den ersteren der constitutionellen Landtage sass August Jani in der II. Kammer. Opitz auf Netzschkau kaufte Breitenfeld 1849 im Vereine mit Porst (wie mehrere andere Güter), und vom Dr. Minckwitz kaufte es Herr Hermann Schuster. Jetzt sollen die Gutsfelder fast insgesammt unter die Dörfler vertheilt sein.

Deren waren 1834 in 41 Häuser 351, 1858 in 51 Häusern nur 305, was sich schwer reimt; zurückgegangen ist indessen die Seelenzahl wirklich in der letztern Zeit. Zur Gemeinde hält sich das in Süden sehr nahe Bornitzgrün mit 117 Seelen: nicht zu verwechseln mit Wernitzgrün bei Erlbach. 1852 waren in der Gemeinde 6 Instrumentmacher. – Die Flur hat die mittle Seehöhe von 1865 Fuss, und Lohrmann fand das Herrenhaus 1902, die Höhe des Schönek-Markneukirchener Weges 1937 Fuss hoch.

Hinsichtlich des Baues der Kirche zu Markneukirchen ist noch zu bemerken, dass ihn der geachtete alte Maurermeister Herold zu Greitz geführt und 1851 mit Ruhm vollendet hat.

Brotenfeld (S. 175 d. A.) auf Schenks Karte Brodenfeld, liegt in mässig-fruchtbarer Hügelgegend so, dass es mit Tirschen- und Zaulsdorf, Hartmannsgrün, Tirpersdorf, Getten- und Arnoldsgrün raint, rechts vom Görnitzbache. Die Flur hat 1540 Fuss mittler Höhe.

Schillbachisch ist seit 1856 das Gut nicht mehr, nachdem Frau Emma Ida Rosalie Ihle, geb. Rudert, es geerbt hat. Da es nur 33822/3 Einheiten versteuert, lässt sich an 600 Acker nicht denken; es muss hier entweder die ganze Ortsflur gemeint sein, oder ein Druckfehler obwalten. Seine volle Gerichtsbarkeit behielt dieses, ehemals blos amtsässige daher der Landtagsfähigkeit vor 1832 entbehrende, Allodialgut bis zum 16. Juli 1856, wo sie dem Gerichte Schönek zufiel. Einige Flurtheile lehnten dem Amte Voigtsberg und seit dem 12. Septbr. 1856 dem Schönecker Gerichte.

Der im Album angeführte Candidat G. F. Schillbach hatte die Lehn 1837 erhalten; 1856 dagegen starb als Besitzerin Fräulein Julia Mathilde Schillbach. Aus früherer Zeit nennen wir noch den 1736 verstorbenen Schönburgischen Regierungsdirector Johann Ernst v. d. Laage, 1753 einen v. Feilitzsch, 1804 einen v. Trützschler. 1857 hat das Gut der Schafzucht entsagt.

Brunn (S. 191 d. A.) ist wohl nach dem hier quellenden, übrigens aber greitzischen Bache genannt, so dass es der Deutung durch das slawische Bron, Waffe, nicht bedarf. Es liegt 21/4 Stunde von Werdau südsüdwestlich, 31/4 Stunde westsüdwestlich von Zwickau, 1/2 Stunde südlich von Reuth und 1 Stunde nordöstlich von Friesen: also nahe zwei Gütern, mit denen Brunn in enger wirthschaftlicher Verbindung steht. Denn gilt diess jetzt vorzugsweise von Reuth, so hatten doch auch seit Jahrhunderten Friesen und Brunn gleiche Besitzer: früher die Bose, später die Metzsch.

Wie als nördlichster Ort des voigtländischen Kreises, so ist Brunn auch durch eine Windmühle ausgezeichnet, als durch eine Seltenheit im Voigtlande. Diese steht im Süden, oberhalb des quadrirten ansehnlichen Herrenhofes, auf dem Nordwesthange des wenig steilen Höhenrückens, der die Flussgebiete der Mulde und Elster scheidet. Die von der Eisenbahn durchzogene Flur raint mit Friesen, Reichenbach, Schönbach und Reuth in Sachsen, mit Gottesgrün und Schönefeld im Reussischen. Eine Häusergruppe steht abgesondert am Friesener Wege, soll aber keinen bestimmten Sondernamen haben. Brunn ist 1834 bis 1858 zwar nur von 40 auf 41 Häuser, aber von 249 auf 303 Seelen angewachsen, und hiernach die 140 gegen Ende des Artikels zu corrigiren.

Nicht die Herrschaft Mylau selbst, sondern nur die Hoheit darüber war ein Gegenstand der Urkunde von 1212 oder vielmehr 1113; auch gab es 1223; noch nicht Grafen Reuss, viel weniger jemals Grafen von Reuss.

Dem Gute wurden am 24. November 1741 die Prärogativen der Altschriftsässig- und Landtagsfähigkeit zu Theil, und es behielt seine (volle) Gerichtsbarkeit bis zum 2. Juni 1856. Diese betraf ausser Brunn auch die kleinere Hälfte von Oberreichenbach, 13 Häuser in Unter- und eines in Oberheinsdorf; 1801 gab der – aus der Mylau-Reichenbacher Herrschaft hervorgegangene – Gutssprengel 426 Consumenten an.

Chrieschwitz (S. 137 d. A.) Dieser Name, der s. v. a. Kreuzdorf bedeutet, dürfte uns für des Ortes Ursprung in das 11te oder 12te Jahrhundert verweisen, als in eine Zeit, wo die slawische Sprache noch beim Volke vorherrschte, dieses aber doch schon den Christenglauben nährte. [5] Schriftliche Nachrichten freilich darf man aus der ganzen vorhussitischen Zeit hier nicht verlangen.

Chrieschwitz liegt nordöstlich von Plauen, an der alten oder Reichsstrasse nach Reichenbach und am Friesenbache, unfern des rechten Elsterufers, rainend mit Möschwitz, Kleinfriesen und Reusa. Die Flur liegt im Mittel nur 14 Fuss unterhalb der Plauischen, nämlich 1100 Fuss überm Meere. In Nordosten erhebt sich der Zannen- oder hohe Berg. 31/7 Acker der Flur, mit nur 19 Steuereinheiten, gehören der Stadt Plauen, und lehnbetheiligt ist hier auch das Rittergut Reusa. Früher hat man hier eine Kupferzeche gebaut: „Gottes bescheertes Glück.“ Man findet hier Amianth.

Das Elsterthal zieht sich unterhalb Chrieschwitz schnell zusammen zu einem theilweis felsigen, engen, romantischen Wald- und Wiesengrunde; vergl. hierbei Liebau.

Das Dorf zählte 1834 in 61 Häusern 354, 1858 in 66 Häusern 514 Seelen. Es wählt sich seinen Schullehrer in Vereinigung mit dem Gutsherrn. Wenn auf seinem Plane von dem Treffen bei Plauen das Theatrum Europaeum Chrieschwitz eine Kirche giebt, so kann dies nur ein Versehen des Vorzeichners gewesen sein.

Zur grössern Hälfte unterlag das Dorf schon früher dem Amte, welchem auch die volle Gerichtsbarkeit des Rittergutes über den Rest im October 1855 zufiel.

Mit 4 hiesigen Gütern hat der Graf Albert v. Eberstein sogleich 1122 seine neue Pfarrei Plauen dotirt, welche jedoch später jenes Besitzthum wieder verlor. – Das seit 1837 den 3 Gebrüdern Walther gehörige Mannlehn-Rittergut versteuert nur 24821/5 Einheiten, gab auch 1801 (incl. eines Möschwitzer Hauses) nur 142 Unterthanen an, ist also schwach; wenn es – demnach – aus den 3 Rittergütern zusammengeflossen, welche 1428 Hermann Coppe, Friedrich Welckel und Hanns v. Magwitz hier besassen, so muss es hinwiederum später den Anbauern sehr viel von seiner Flur abgetreten haben. 1487 hatte es ein anderer Hanns v. Machwitz, 1742 ein Major v. Winckelmann, 1793 noch dessen Nachkömmling, und 1817 Johann Heinrich Fiedler, welcher wegen dieses neuschriftsässigen Gutes den Landtag besuchte.

Christgrün, (S. 145 d. A.) 1570 auch Chrisgrun geschrieben, liegt westlich unterhalb des sogenannten kalten Feldes, auf welchem in des Forsthauses Nähe der Ruppertsgrüner Forellenbach entspringt, und 11/4 Stunde südwestlich von Netzschkau. Die nicht stark variirende Flur, im Mittel 1324 Fuss erhaben, raint mit Reinhardsgrün, Limbach, Lohsa, Herlas- und Ruppertsgrün, und begreift in Nordnordosten auch die Wüstmark Poseck oder die Posseke. In Osten ist eine unbewohnte Windmühle; in Nordost und Süden stehen isolirte Ziegeleien. Einige Häuser stehen unter dem Namen Klein-Christgrün weit in Westen entfernt, nahe nördlich bei Ruppertsgrün, am Forellenbache, der hier die Ruppertsgrüner Kleppermühle treibt. Noch entlegener in Westen ist die Schäferei. Dieses Beiörtchen Kleinchristgrün scheint einen Theil der (übrigens Ruppertsgrüner) Wüstmark Orbes zu bedecken, und hat in Südwesten den Wachhübel, in Nordwesten das Orbesholz. – Beim Hauptdorfe dagegen, das in Westen mit dem schönen, grossen, regelmässig angelegten Rittergute schliesst, steigen südwestlich der Schäferberg, nordwestlich die Höhe des Grünhofes mit dem Pinzig an: ein Name, den ebenfalls anderwärts noch bestehende Orte führen. In der Flur ist das Rittergut Pöhl lehnbetheiligt.

Dem Gute ist unterm 24. November 1741 die Altschriftsässigkeit und Landtagsfähigkeit bestätigt worden. In der Wirthschaft ist es jetzt mit Ruppertsgrün combinirt, und beide Güter zusammen versteuern 6512 Wertheinheiten, bilden daher schon eine bedeutende Besitzung. Die Gerichtsbarkeit in des Gutes Zubehör kam am 18. April an das K. Gericht (jetzige Amt) Elsterberg; 1801 gab der Sprengel 856 Consumenten an. Das Dorf aber zählte 1834 und 1858 nur resp. 137 Seelen in 22 – und 146 in 23 Häusern.

Das Gut besass 1570 jener Rudolf v. Bünau auf Elsterberg, der 1554 bis 1574 als Vormund seines Stiefsohnes Hanns Balthasar Edlen Sacks auch die Mühltrofer Herrschaft verwaltete, und 1582 Mitglied der Landes-Kirchenvisitation war. – 1694 starb als Besitzer der Hofrath und Meissner Amtshauptmann Leonhard v. Milckau auf Altschönfels. Hiernach können die Trützschler Christgrün nur wenige Jahre besessen haben.

Ueber die Vorfahren des Freiherrn E. W. H. v. Hünefeld findet man näheres in Richters Schrift über Mühltrof, S. 94 f., so wie in unserm Artikel über Limbach. Hierher gehört kürzlich nur Folgendes. Der 1661 in Frankfurt geborene Freiherr Friedrich Ludwig, S. Gothaischer Flössen-Oberinspector, machte sich los von seinen zahlreich erworbenen dortigen Rittergütern, und kaufte ohne Zweifel von den Gebrüdern v. Marschall, die es mindestens 1713 besassen – Christgrün sammt den Antheilen an Limbach, Herlasgrün und dem Ottengute, so wie mit der Bünau-Mühle an der Gölzsch, wo nun die (anfangs Petzoldische) Spinnerei ist; der Kaufbrief ist vom 30. Januar 1721. Er setzte sich hier zur Ruhe, und starb am 31. August 1724. Gemeinsam nun wirthschafteten seine Söhne Christoph Friedrich, k. k. Hauptmann, und Karl Ludwig. Erstere beerbte am 8. November 1763 sein Sohn Ehrenfried Lebrecht Friedrich. Dieser hinterliess am 8. Mai 1782 den erst am 17. Februar 1771 geborenen, im Album als Begründer der Stiftung besprochnen Sohn, welcher am 21. April 1809 Mühltrof kaufte, es bezog, für einen kargen Hagestolz galt, aber das Geld vielmehr behufs der, nun seinem Geschlecht sehr wohlthätigen, reichen Stiftung sammelte. Nachdem er 1820 Mühltrof verkaufte bezog er wieder Christgrün, und starb am 4. Januar 1827. Seine Gruft im Schlossgarten hatte er selbst sich bauen lassen, und diese ist eben die im Album erwähnte Capelle, in welcher der Limbacher Pfarrer alljährlich am 6. Januar Nachmitags eine Gedächtnissrede hält.

Des ersten hiesigen Hühnefeldes jüngerer Sohn Karl Ludwig er hielt von seiner Gemahlin, geb. v. Reiboldt aus Schwand, einen Sohn Philipp Ferdinand, welcher daher 1760 Christgrün zur Hälfte erbte. Er hatte Eine v. Bomsdorf auf Ruppertsgrün, und starb am 23. Januar 1826. Seine Gutshälfte muss er aber früher schon an seinen Cousin verkauft haben; denn sein Sohn, der Gardehauptmann Karl August Ferdinand, hat sie nie bekommen; dieser soll als Major v. d. A. in Reichenbach gestorben sein.

Die Stiftung, bei welcher auch allemal ein Jurist als Unteradministrator, verwaltete bis 1843 der Amtshauptmann Heinrich Leopold v. Beust auf Neuensalza.

Das mit Brauerei und Brennerei, mit Schäferei, Ziegelei und ziemlicher Holzung versehene Rittergut hat, Ruppertsgrün eingerechnet, g. 500 Acker Pachtland. Ueber den hiesigen Antheil an Limbach s. den Artikel von dasigem Rittergute, welches jedoch mit Christgrün in keiner Verbindung steht, und jetzt vielmehr der Fürstin Clementine v. Schönburg gehört.

Bestände wirklich hier eine Schule, so wäre dem kirchlich-statistischen Handbuche ein arges Versehen vorzuwerfen; aber nach diesem ist Christgrün nach Ruppertsgrün geschult. – Im Dorfe sind 13 Begüterte. Auch gehören zum Gute 2 Häuser in Neudörfel. Die Bünaumühle gehört nicht mehr zur Stiftung, sondern als Privatgut einem Zürbig; sie hat 3 Gänge, 1 Säge, einige Wirthschaft und Holzung. An die Eisenbahnunternehmung hat der Ort für etwa 1600 Thlr. Landes verkauft.

Coschütz, (S. 46 d. A.) auch Koschütz, theilt diesen Namen mit 1 Dorfe bei Dresden, bei welchem eine vorzüglich merkwürdige Burgstätte vorkommt. Der Name wird sehr verschieden erklärt: im Album, als laute er Chodschitz oder Choditz, zu welcher Annahme wir doch schwerlich Befugniss haben, und welcher auch die gleichfalls vorkommende Schreibung kosthwitz (zu deutsch: Knochendorf) zuwiderläuft. – „Grafen“ v. Schönburg gab es in der hier gemeinten Zeit nicht. – Die Ganstmühle heisst auch Gans-, d. h. Jahnsmühle, so wie Oetzsch- oder Oelschmühle, wobei sie vielleicht diejenige Wüstmark uns nennt, auf welcher das Oertchen Feldwiese verstreut liegt; sie wird 1/4 Stunde südlich von Coschütz von einem Nebenbächlein der Elster getrieben. – Das Dorf liegt hoch, frei, und durch schöne Aussichten angenehm, 1/2 Stündchen östlich von Elsterberg, am östlichen Abhang der Burgleithe. Seine Flur übersteigt jene von Elsterberg an mittler Seehöhe, die hier 1311 Fuss beträgt, um 344 Fuss, und raint ausser dem noch mit Scholas, Losa, Brockau, Kleingera, und dem reussischen Orte Sachswitz. Hierbei wolle man noch Thürnhof vergleichen.

Coschütz an sich zählte 1831 nur 6 Häuser mit 45 Seelen, 1858 aber mit Feldwiese, das jetzt nicht mehr als ein eigenes Dörfchen gilt, 29 Häuser mit 200 Bewohnern. Das Anwachsen von 19 auf 28 Häuser, von 122 auf 200 Seelen bleibt aber dennoch ein starkes. Zur Gemeinde hält sich der aus dem Rittergute und 2 Häusern bestehende Thürnhof. In Losa hat die Coschützer Herrschaft die Gemeindeobrigkeit und einen Antheil mit 12 Häusern, von Kleingera 4 Häuser, von Brockau die kleinere Hälfte; 1801 befasste der Sprengel 219 Consumenten; die Gerichtsbarkeit des sonst altschriftsässigen und landtagsfähigen Gutes kam am 10. October 1855 zunächst an das Gericht und später an das Amt Elsterberg.

Coschütz darf nicht mit den zu Elsterberg selbst gehörigen „Häusern auf dem Coschützberge“ vermengt werden. – In der Elster hat man einst von hier aus auch Gold-Seiferei betrieben, und da ist nun Büchners u. a. früherer Schriftsteller Ansicht interessant, dass seit dem starken Holzflössen sich im Flussande kein Gold mehr bilden wolle.

Zu Ende der ersten Spalte S. 47 ist statt „Fürst Heinrich Reuss V.“ zu setzen: Heinrich V. Reuss älterer Linie. – Schon 1301 findet sich ein Heinrich v. kozciz als Zeuge zu Jena, und 1317 Jan v. Kuschewitz als reussischer Vasall. Die von Coschütz dürften den Herren v. Colditz stammverwand gewesen sein; denn 1378 sass auf Gozsitz einer von Colditz, auf dessen Todesfall der Naumburger Bischoff Witigo II. v. Wolfframsdorff die Erbfolge den Herren Friedrich und Veit v. Schönburg zusagte, soweit nämlich die Colditzischen Güter Stiftslehn waren. So scheint denn Coschütz damals sogar ein Schönburgisches Subfendum gewesen zu sein, welches den Bischof zum Oberlehnsherrn hatte. – Dem Geschlechte v. Coschütz selbst scheinen zu nächst die v. Gehoven gefolgt zu sein; 1474 nämlich besass das Gut Friedrich v. Gehoven auf Zöwicker unfern Freiburg in Thüringen. – 1749 war es einem v. Romanus (Römer?) auf Muckershausen bei Leipzig. – Uebrigens war unter den Bose nicht der reiche Oberste Karl der erste Besitzer von Coschütz, das schon 1614 dessen älterem Bruder, dem Major Julius Cäsar Bose, gehört hat.

Derjenige Adler, der Coschütz 1809 besass, erstand damals bei der Subhastation auch Mühltrof, trat es jedoch auf der Stelle um 5000 Thaler theurer an den Freiherrn Hünnefeld ab. – 1819 war Johann Gottlob Adler Besitzer. Später erscheinen mehrere Adler als gemeinsame Besitzer; so Julius (1833), bis Christian Ferdinand 1842 es zum Alleinbesitze erwarb. Als nun 1855 dieser verstorben, erbte es mit der Erblehns-Qualität Herr Ferdinand Oskar Adler, der auch Thürnhof und Kleingera besitzt, die nahe genug beisammen liegen, um gemeinsam bewirthschaftet zu werden.

Im Namen Coschütz selbst liegt es dass ehemals eine Burg hier gewesen, davon auch wohl der Name der Burgleithe (nicht also von Elsterberg) herkommt.

[6] Die in Norden sich verbreitende Sose hat man, da es viele so benamte Orte in Sachsen & Böhmen giebt, für eine Holz- od. Wüstmark zu nehmen. Sie enthält ein interessantes Lager bunten Grauwackensandsteins, das auch den nahen Kühberg erfüllt. Uebrigens aber unterzieht gewöhnliche Grauwacke die hiesige und Kleingeraische Flur.

Dobeneck (S. 28. d. A.) würde in seinem Namen nach b ein r bedürfen, um auf dobry (gut) bezogen zu werden; vielmehr kommt er von Dub, die Eiche. Leicht könnte demnach hier ein den Slawen heiliger Eichenhain gewesen sein. – Das 1 Stündchen nordwestlich unterhalb Oelsnitz gelegene Dörfchen hatte 1858 nur 95 Bewohner, und seine beschränkte Flur die mittle Seehöhe von 1254 Fuss; sie ist ziemlich coupirt, raint mit Taltitz, und liegt mehr mild als rauh.

Das „Elbufer“ (Z. 13. v. u.) wird Jeder ohnehin in Elsterufer umgewandelt haben. – Bei der „Ansässigkeit in Bayern“ (Z. 10 v. u.) ist namentlich an das 1 Meile nordwestlich von Hof gelegene Schloss Brandenstein zu denken; es giebt aber auch in Preussen einen General v. Dobeneck. – Das S. 29, Sp. 2 vorkommende Gottmanns- oder Gottesgrün liegt in der Herrschaft Asch, Frössen oder Fröhsen aber im Schleitzischen, westlich jenseits Gefell und Hirschberg; Reichenfels bildet nebst andern Gütern eine reussische Propre-Herrschaft, in welcher das S. 29. genannte Weissendorf nun als ein Kammergut liegt.

Blintendorf kam 1815 von Sachsen nebst Gefell an Preussen. Neuberg liegt nahe bei Bad Elster, doch im Aschischen, ist also böhmisch. Sparneck mit Waldstein und Müncheberg ist bairisch, unterlag aber früher der Lehnhoheit der Vögte, welche daher 1298 mit derjenigen Hälfte des Gutes, die sie zuvor dem Babo v. Sparneck abgekauft, den Ulrich Sack beliehen. – Eine Helena v. Dobeneck war die letzte Aebtissin des Saalburgischen Kreuzklosters, und Otilie vicarirte für dieselbe.

1753 gehörte Dobeneck dem Advocaten Dr. Wilhelm Heinrich Hickmann.

Dorfstadt (S. 78 d. A) ist im Album mit 1200 Einw. viel zu wichtig dargestellt, da es 1753 erst 25, 1834 auch nur 62 Häuser mit 493 – 1858 74 Häuser mit 627 Seelen zählt. Eine Viertelstunde ist es nicht an seinem untern Ende, sondern in seiner, Mitte von Falkenstein – und ebenda 1 Stunde von Auerbach und 11/2 Stunde von Treuen entfernt. Auch richtet es sich in der obern Hälfte mehr ost- als nordwärts. Das hier fliessende Treuensche Wasser quillt in Grünbach, auf dem westlichen tiefen Abhange des Wiener Steines, der zwar eine sehr reiche, aber nicht eben sehr schöne Aussicht bietet, da die Nähe ein ziemlich kahles und tristes Aussehen hat.

Ob der Name des Dorfes deutsch oder slawisch, ist nicht völlig sicher zu beantworten; denn da im böhmischen Kreise Klattau mitten unter anderen czechischen Orten auch ein Dorstatt liegt, so könnte wohl eine Corruption zu Dorfstadt hier vorliegen; doch soll dieses nicht für Behauptung gelten. Ist aber der Name wirklich deutsch, darin sehen wir unseres Ortes darin nichts anderes, als wenn er Alt- oder Aldenfalkenstein lautete, d. h. der Ort für die Falkensteiner Alden oder Burgfröhner; es wäre dann, wie mit dem „Stadtdorfe“ bei Mittweida.

In Westen verbreiteten sich die Schwarten-, Strubel- und Stauden-Aecker: erstere südlich, letztere südöstlich unterhalb des hohen und sehr umfassenden Frohnberges. Alle diese Namen scheinen auf Wüstungen zu deuten, und auf diese Aecker hat man die herrschaftliche Schäferei-Irrgang gebaut. Dagegen gehört das sogen. Vorwerk im Niederdorf nicht zum Rittergute, sondern – nachdem es 1851 mit seinen 1021/4 Ackern Landes und 1182 Steuereinheiten vom Rittergute Sorga abgetrennt worden – der Wittwe des Friedrich Wilhelm Edlen v. d. Planitz. – Der Frohnberg zeigt, wie die Dörfer Frohna bei Chemnitz etc., entschieden einen slawischen Namen, bezüglich auf Bron, Waffen. Indessen lebt auch nicht einmal in der Volks[...] e Burg hier, so dass wohl eher an ein uraltes Schlachtfeld zu denken sein dürfte. Stauda ist ein Dorfname, der die Staudenäcker deuten hilft. - Der Fluren Dorfstadt sind zwei; davon hat die des Dorfes und der herrschaftlichen Oekonomie nur 1648, die Waldflur hingegen 2142 Fuss mittle Seehöhe: letztere enthält ausser dem hiesigen herrschaftlichen Antheile an den „hohen Walden“ der alten Falkensteiner Herrschaft, davon das Rittergut Dorfstadt ein abgelöster Theil ist, auch das Dorf Muldenberg, sowie Theile des Mulden-Flüsschens und der beiden aus ihm in die Göltzsch geführten Flössgräben. Die Dorfflur raint auch noch mit Neustadt, Reimten- und Schreiersgrün. Ihren Schullehrer wählt sich die Gemeinde. Nächstdem giebt es, da Fabriksthätigkeit die Jugend in der Woche viel beschäftigt, auch eine Sonntagsschule. – Einzeln steht auf herrschaftlichem Boden der polnische Michel, ein Wirthshaus.

Das am obern oder südwestlichen Ende des Ortes stehende Rittergut hat ein thurmloses, doch nicht geringes Schloss, mässig grosse, aber gute Gebäude, versteuert 5899 Einheiten, gab am 5. October 1855 seine Gerichtsbarkeit an die Regierung ab, und gehörte Hanns Julius Ferdinand v. Trützschler an, welcher in diesem Jahre mit Tode abging und Friedensrichter war für den Falkensteiner Amtsbezirk und Vorsitzender bei dem in (oder bei) Reichenbach sich versammelnden landwirthschaftlichen Specialvereine. Dieser verdiente Herr ist auch unter den ersten Mitgliedern der zweiten Ständekammer gewesen.

Noch finden wir als Besitzer 1608 Georg Albrecht Trützschler auf Werda und Falkenstein, und den 1759 verstorbenen August Wilibald. Der Falkensteiner Familie von Trützschler gehörte Dorfstadt zu keiner Zeit.

Im Orte selbst unterlagen 1834 dem Gute nur 8 Häuser, indem derselbe mehr nach Falkenstein, Mühlberg, Oberlauterbach, unter die Falkensteiner Majoritäts-Collatur, nach Auerbach und unter das Falkensteiner Amt gehört. Dagegen hat das Gut etwa 3/5 von Schreiersgrün, welches dem Treuenschen – und 2 Häuser in Reimtengrün, welche dem Auerbacher Amte zugefallen; übrigens noch etwa 1/4 von Werda, den Siehdichfür oder den hintern Theil von Grünbach, 3 Häuser in Trieb, einige in Neustadt, gegen 50 Häuser in Falkenstein (unter diesen ist das Gerichtshaus), Unterneudorf ohne die beiden Falkensteiner Unterthanen, endlich Muldenberg.

Dieses Zubehör gab zwar 1801 nur 727 Consumenten an, enthält aber jetzt sicherlich 1200 Seelen. Das herrschaftliche frühere Vorwerk in dem nach Werda gepfarrten Neu- oder Neundof ist schon längst in 2 (Erb-??) Pachtgüter getheilt. – Mit Ausnahme des hiesigen Rittergutstheiles hat Dorfstadt übrigens schon am 2. April 1855 dem königlichen Gerichte Falkenstein gänzlich unterlegen. Von Reimtengrün sondert es der bedeutende Herrenteich. – Das Gut soll auch an Siebenhitz lehnbetheiligt sein.

Dröda (S. 41 d. A) früher auch officiell Trödau und in mehreren mittelalterlichen Nachrichten wirklich „die Oede“[1] genannt, scheint demnach allerdings auf der Wüstung eines Gutes oder Ortes zu stehen, dessen Namen verloren gegangen. Oder wäre vielleicht der Gang der Etymologie umzukehren? wäre vielleicht Dröda (entsprechend Trotha bei Halle) der ursprüngliche und als ein sorbischer sehr alte Name, der in jener Zeit, die überhaupt bei ihrer Urkunde der slavischen Sprachen alles nach einem deutschen Anklange (oder Ahnklange) zu deuten pflegte, durch die Oede (in „der Oede“, zusammengezogen „in Dröde“) verdeutscht werden sollte? – Schenks Karte schreibt den Ort gar Dröckau.

Die Flur, im Mittel 1434 Fuss hoch und also schon einigermassen rauh gelegen, raint auch noch mit Zöbern. Vom Dorfe gehört 1 Halbhüfner unter das Rittergut Türbel, und die Obergerichtsbarkeit über das Ganze hat von jeher das Amt Voigtsberg geübt, wie denn das Gut auch als ein amtsässiges nicht landtagsfähig war. Das Dorf hatte 1753 erst 22, 1834 aber 46 Häuser und 238 –, 1858 dagegen 290 Seelen. Nächstdem hat das Rittergut noch Antheil an Bobenneukirchen (das Haus Weissenstein, die Wehrmühle und noch 3 Häuser, also keineswegs deren 84, wie das Ortsverzeichniss sagt), an Burkhartsgrün (1 Haus) an Dechengrün (2 H.), an Obertriebel (2 H., nicht 10, wie das Ortsverzeichniss angab,) an Untertriebel (16 H.) und 1 Haus in Thiergarten; ausserdem in Blosenberg u. a. O. einige Lehrleute. Nach Leonhardi hätte gleichwohl 1805 der Sprengel nur 223 Consumenten angegeben. Die Gerichtsbarkeit wurde am 26. April 1856 abgegeben.

In Nordosten erhebt sich der Kulm, und auf dem südwärts an steigenden weissen Berge hat man mehrmals alte Waffen ausgeackert; vielleicht geschah hier ein übrigens unbekannter Kampf mit marodirenden Hussiten.

Was den im Album besprochenen Process betrifft, so muss es auffallen, dass K. Georg in die Entscheidung der Magdeburger Schöppen eingewilligt, da doch Dröda nothwendig im Sprengel des Kadener Schöppenstuhles gelegen haben muss. Vielleicht wollte er aber sich dem Hause Wettin gefällig zeigen.

Die S. 42 erwähnten böhmischen Herrschaften Petschau, Königswarth und Neuhartenstein liegen im bisherigen Kreise Elbogen. Petschau mit Gabhorn war von den Riesenbergen an die Grafen zu Gleichen, im 15. Jahrhundert aber an Heinrich v. Plauen gediehen. Von dessen burggräflich-meissnischen Nachkommen kam Petschau an die Herren Pflug zu Rabenstein, und jetzt besitzt es der Herzog von Beaufort-Spontini; Gabhorn hingegen hatten die Herren Colonna v. Vels bis 1622 wo es einer geb. Herrin v. Schönburg, der Frau Anna Barbara Kolon v. Vels, als einer Evangelischen confiscirt wurde. Königswarth soll vor den meissnischen Burggrafen mit Petzschau gleiche Besitzer gehabt haben, und war auch Pflügisch, bis es 1547 Herrn Kaspar confiscirt wurde. Nachmals kam es von den Herren v. Swamberg an die v. Zedtwitz, und allbekanntlich hinterliess es 1859 der ehemalige Premierminister Fürst Metternich seinem Sohne F. Richard, damals noch Gesandter zu Dresden. Neu-Hartenstein endlich, welches man um so sorgfältiger von Hartenstein in Sachsen zu unterscheiden hat, als es eine Zeit hindurch ebenfalls Schönburgisch gewesen, ist nun eine Burgruine auf dem Hungerberge bei Buchau, und die Herrschaft daher keine andere als die Buchauische, welche jedoch jetzt ein Haupttheil der von Neubergischen Herrschaft Giesshübel oder Kyssibl, südöstlich von Karlsbad, bildet. Auch Buchau und Engelhaus gehörten anfänglich den Riesenbergen; aber an Heinrich v. Plauen kam Buchau (ohne Engelhaus) 1442 von einem Herrn Matthias Schlik.

Was S. 42, Sp. 1, von des Burggrafen Heinrich Gefangenschaft (nach Limmers Vorangange) erzählt wird, ist hinsichtlich ihrer Dauer nicht richtig, da die Gefangennehmung erst 1473 geschehen, folglich die Gefangenschaft nicht 10, sondern nur 3 Jahre andauerte. Limmer erzählt sie aber auch nicht nur unvollständig, sondern deutet sie auch – wie Märker in seinem Burggrafenthum Meissen dargethan - irrig. Denn sie geschah nicht auf Befehl der Herzöge, sondern in einer Privatfehde des Burggrafen mit dem in der Schellenberg-Frauensteiner Gegend begüterten Hans Weickhart, welche die Herzöge benutzten, um den Burggrafen in recht sichern Gewahrsam, sich selbst aber auf einige Jahre Ruhe zu schaffen, indem sie jenen auf dem Schellenberge (jetzt Augustusburg) bewachen liessen, und die Freiheit ihm dann nur unter harten, ihnen auch allerdings wenig Ehre bringenden Bedingungen gaben.

[7] Bei den S. 43 besprochenen kirchlichen Verhältnissen fehlt der Umstand, dass Dröda und Bösenbrunn als combinirte Pfarreien Sorores sind, wesshalb denn auch die Collatur zwischen dem Plauischen Oberpfarrer als Nachfolger der Ordenscomthure (er ist auch Superintendent) und dem Bösenbrunner Gutsherrn (jetzt Herrn Johann Karl Friedrich Wauer) abwechselt. So auch bewohnt der Pfarrer anjetzt unsres Wissens nicht Bösenbrunn, sondern Dröda. Das 24 Acker befassende Pfarrholz sollen 1506 zwei Fräulein v. Tettau gewidmet haben.

Das nicht beträchtliche Gut versteuert 2420 Einheiten, und ist bei Canzler und bei Leonhardi unter den amtsässigen aufgeführt, war auch 1819 nicht landtagsfähig; es ist daher kaum glaublich, dass Dröda, wie das Album angiebt, 1660 die Schriftsässigkeit erworben haben sollte. 1576 hat Jobst Heinrich v. Watzdorf Dröda gegen das untere Rittergut zu Syrau vertauscht. Der im Album genannte Oberstlieuteuant v. Reitzenstein besass auch das nun bayrische Gut Hohendorf; das zugleich erwähnte Brix ist nicht etwa die böhmische Stadt Brüx, sondern ein nahes Gut in Bayern, das auf Landkarten Brex geschrieben ist.

Ebmath (S. 65 d. A.) hat man noch vor 100 Jahren häufig Ebnath geschrieben, zum Erweise, dass dieser deutsche Name derselbe sei mit Ebenheit bei Pirna, am Königstein und am Lilienstein. Genau eben so nennen Urkunden Ebmet bei Falkenau in Böhmen auch Ebenet, Ebenot.

Der Ort gehört unter die höchsten des Voigtlandes, da Wiemann im Gasthause 1918 Fuss Seehöhe gefunden; die mittle Flurhöhe beträgt gleichfalls 1860 Fuss. – Ebmath zählte 1834 in 36 Häusern 266 -, 1858 in 41 Häusern 328 Bewohner. Diese unterliegen, nachdem das früher schriftsässig (aber nicht landtagsfähig gewesene) Gut am 30. April seine (volle) Gerichtsbarkeit abgegeben, nun dem Amte Oelsnitz. Dem mit Sachsgrün noch immer combinirten Gute hat das Bauergut Nr. 25 nur mit Ober-, hingegen mit Erbgerichten dem Rittergute Eichigt zugehört. Die durchführende Strasse von Oelsnitz nach Asch ist seit 1851 chaussirt, und es giebt daran ein nach Eibenstock ressortirendes Nebenzollamt. Das Grenzbächlein heisst hier die Rugitz, offenbar auf einen eingegangenen Ort deutend, möge dieser nun sächsisch oder aschisch gewesen sein. Vermöge der internationalen Zollordnungen besitzt der Gasthof Niederlags- und Vorladungs-Recht.

Auf S. 65. wolle man Z. 2 v. u. für Naundorf setzen „Neundorf“.

Das Gut gehörte 1542 dem (desshalb 1 Ritterpferd stellenden) Kunz Rabensteiner auf Ottengrün. – Den in Album erwähnten Alexander v. Eichicht nennt eine Nachricht von 1559 Alexander von Eicheln; sein Gut Langenberg war nicht etwa jenes bei Ronneburg, sondern das heutige Förstel bei Elterlein. – Jetzt und schon längst hat das hiesige Rittergut weder Gebäude, noch Feld. – Um das J. 1580 war es (s. S. 97 des Albums) v. Reiboldtisch.

Elster, (S. 70 d. A.) der jetzt so besprochene Bade-Ort, welchen Albinus vor 300 Jahren als ein „Städlein“ aufführte, und wo die sogenannte „kleine Elster“ den Namen der Elster (schlechthin) annimmt, liegt im nunmehrigen Amtsbezirke Adorf. 2 Meilen nordnordwestlich von Eger und 11/2 vom böhmischen Heilorte Franzensbad, keineswegs aber 2000 Fuss, sondern hinsichtlich der Kirche nur 1542 nach Wiemann oder 1576 Fuss nach Lohrmann über der Nordsee. Letzterer fand die Elster zunächst dem Bade 110 Fuss, Wiewann die Hauptquelle nur 77 Fuss unterhalb der Kirche. Die Flur, im Mittel 1595 Fuss hoch, begreift zugleich die Beiörtchen Reuth und Bärenloh. 2000 Fuss hoch aber dürften etwa die Quellen der Elster liegen, wenn man der Höhe des Capellberges (s. unter Schönberg) und daran gedenkt, dass Lohrmann die Elster zu Niederreuth im Aschischen 1658 und auf der Gränze 1504 Fuss hoch gefunden. Als Hauptquelle der Elster betrachtet man den „Elsterbrunn“, nahe nördlich beim Dorfe Steingrün auf der bömischen Herrschaft Hasslau, jedoch auf Aschischen Boden, im Tannichtholze.

Jedenfalls beruht der Name auf dem slavischen Namen der Erle (Olsa,) wie denn die grössere (schwarze, ehemals heilige) Elster, welche Markneukirchen durchfliesst, auch der Erlbach heisst. Wie Böhnisch in seiner überhaupt von phantastischen Irrthümern strotzenden Schrift über Camenz darauf verfallen, im Namen Elstra die Bedeutung eines heilenden Wassers zu finden, vermögen wir nicht zu ergründen. Die früheren Dichter gaben dem Flusse gern den latinisirenden Namen Aliso; gangbarer aber ist die Form Elystra.

An 200 Häuser, wie das Album annimmt, hat die Gemeinde Elster nie gezählt, vielmehr selbst nach dem starken neuern Anbau 1858 erst 189 mit 1437 Seelen, davon auf Bärenloh resp. 25 und 170 kommen 1834 aber hatte Elster selbst nur 671 Seelen in 78 Häusern, Bärenloh 116 in 21; hierzu kamen 5 Häuser in Kessel, 4 in Christiansreuth und die 19 „oberen und unteren Reuthhäuser“ oder der Ort Reuth. Dem Rittergute unterliegen nächstdem noch 2/3 von Gürth (der Rest dem Amte), etwa 3/7 von Raum (übrigens 1/3 dem Amte, 3 Häuser dem Gute Mühlhausen, der Rest dem Diakon zu Markneukirchen), ganz Kleedorf mit seinen 4 Häusern, endlich 1/4 von Landwüst, welches mit einem kleinere Theile nach Mühlhausen, übrigens unter das Amt gehört. – Der Elster’sche Gerichtssprengel hatte 1801 erst 600 Consumenten. Ob die hiesige Glashütte wieder in Betrieb gekommen, ist uns zur Zeit unbekannt. Zu Reuth gehört auch die Einöde Schwarzenbrunn. In Elster selbst unterlagen von 78 Häusern 1834 dem Amte 17, beide Mühlen aber dem Rittergute. Die meist geschmackvollen Logir- u. a. Häuser bei den Hauptquellen werden auch der neue Anbau genannt.

Zur Zeit ist die Kirche in einem sehr geringen Zustande, der sich jedoch allmälich bessern wird. Einen Anfang hierzu bildet das schöne Taufbecken, welches, gegossen zu Lauchhammer, der Cabinetsminister Graf Detlev v. Einsiedel 1858 hierher widmete. – Sonst hatte das Dorf eine Communalgarde, hauptsächlich wegen so dichter Lage an der Gränze. Jetzt giebt es eine Postexpedition, ein zu Eibenstock ressortirendes Nebenzollamt, eine Apotheke, eine selbständige Weberinnung, und wegen des von der Regierung übernommenen „Mineralbades Elster“ (wie es officiell heisst) haben ein Badecommissar (jetzt Oberlieutenant v. Paschwitz), ein königl. Bade- und Brunnenarzt (Dr. Robert Flechsig auf Freiberg), ein Badverwalter, ein Maschinenmeister, ein Bademeister, ein Kunstgärtner etc. hier ihre Anstellung durch das Ministerium des Innern.

Hinsichtlich des frühern Ressortverhältnisses dieses Gutssprengels zur Herrschaft Asch, ziehen wir aus der 1785 erschienenen Schaller’schen Topographie von Böhmen die auch von Fabri in das neue geogr. Magazin (V, S. 190) aufgenommenen Worte an: „Im Reichscanzleistyl sowohl, als auch in dem 1775 den 10. März den (nämlich Aschischen) Lehnbesitzern von Zedtwitz mitgetheilten Decret wird es (nämlich das Ascher Gebiet) das im Egerischen Bezirke liegende Ascher Gericht genannt. Asch giebt zwar dem ganzen Bezirke den Namen; die Herrschaften aber werden nach ihren Stammhäusern Neuberg, Krugsreut, Schönbach, Sorg, Asch, Elster genannt, welches letztere ein in Kursachsen am Ascher Gerichte angelegenes kursächsisches Rittergut ist, und von den Besitzern des Ascher Gerichts von uralten Zeiten her in Besitz gehalten wird.“

1661 erscheint Erdmann v. Zedtwitz als Besitzer. – Insofern aber Elsters Besitz Jahrhunderte hindurch mit dem von Neuberg – sonst Neidberg – im Aschischen verbunden gewesen, wird es wahrscheinlich, dass das Gut Elster ursprünglich nur ein Avulsum der Neidberger Herrschaft gewesen, in deren Geschichte jedoch einzugehen hier kaum mehr der Ort sein dürfte.

Nachdem das Gut 1849 seine Gerichtsbarkeit der Regierung überlassen, ist Elster ein Adorfischer Amtsort. Obwohl der vormalige Besitzer Pentzel (nicht Penzel) erst 1855 gestorben, hatten es doch schon 1845 die heutigen Besitzer, unter denen der Canzleidirector Karl Christoph Schmidt, Ritter des Verdienstordens, nun das Prädicat eines Geheimregierungsrathes führt, auch in der Brandversicherungscommission 2ter Rath, sowie seit 1858 Director der Forst- und Jagd- Wittwen- und Waisen-Versorgungscasse ist. Wogegen sein Genoss der Rentamtmann Ernst Brunner, unseres Wissens Elster bewohnt.

Auf S. 71 setze man Z. 9 für „erhielt“ vielmehr „hielt“, und Z. 12 nehme man nicht so, als habe der Adorfer Stadtrath die Collatur zu Elster erlangt: vielmehr erhielt er die des Adorfer Diaconates. Solang der Diakon zugleich Elster versah, wurde somit den Elsterischen allerdings ihr Prediger vom Rathe gegeben; diese sogenannte Collatur endete aber ohne weiteres, sobald 1851 Herr Gustav Kuhn aus Dresden als Pfarrer hier eingesetzt wurde; somit ist die Collatur in den Händen des Cultministerii. So ist es auch mit dem Cantorate, welches bis 1851 der Adorfer Diakon vergab. – Z. 15 soll es heissen: „seit dem Jahre 1581“ – 1858 hatten Mühlhausen 430, Raum 391, Sohl 583, Arnsgrün 225, Gürth 128, diese zusammen also 1757 Seelen, so dass die Totalsumme in den sächsischen Orten 3194 war. Hierzu aber kommt noch das böhmische Dorf Grün, welches 1846 610 Seelen enthielt; unter ihnen nur wenige (nach Niklasberg bei Asch gepfarrte) Katholiken. Man hat also jetzt der Elsterischen Pfarrkinder 3800 anzunehmen. Zweimal jährlich hat der Pfarrer in der Rauner Capelle zu predigen.

Das Rittergut zeichnet sich nicht eben durch starke Oekonomie aus, versteuert aber doch wegen der ansehnlichen Holzungen 7112 Einheiten. Es besitzt ein Schäfereivorwerk, und stellte 1542, wo Haus v. Zedtwitz es nebst Landwüst und Raum besass, 2 Ritterpferde.

Doctor Leisner (nicht Leissner, wie S. 71 steht) schrieb sein 1669 schon gedrucktes Büchlein nicht erst 1699; auch schrieb er nicht Säuerling, sondern durchweg Sauerling. Dem Augustusbrunnen giebt er das Prädicat eines guten „Räschers“. – Der Juchheh (S. 72, Z. 2) ist nicht sächsisch, sondern böhmisch. – 1848 gab es hier auch ein seltnes Jubiläum, nämlich für den Ortsrichter Stöss. – Bei der „Sicherheit“ (Z. 19) ist doch der Lage an der Gränze zu gedenken, und man darf sich auch nicht wundern, wenn die „Wohlfeilheit“ nach gerade schwindet.

Bisher das Album begleitend, fügen wir fortan noch einiges hinzu. Den aus Westen her der Elster zufallenden Wolfsbach nimmt Trommer für die Mülwe der allbekannten Plauischen Urkunde von 1123. – In Südwest steigt der zum Theil böhmische Wolfsberg, in Nordost der Brunnen- (sonst Galgen) berg an. – Die Pfarrei unterliegt dem Markneukirchener Ephorus, und zur Schule gehören noch Heissenstein, Reuth, Glashütte, Kessel und Bärenloh. Die wenigen Katholiken sind zwar nach Zwickau gepfarrt, besuchen aber meist die Niklasberger Kirche, dicht bei Asch. – Im Zollamtsgebäude befindet sich auch seit kurzem ein östreichisches (doch nach Grün benanntes) Nebenzollamt.

Unter den, 1846 auch vom König Friedrich August gekosteten Quellen ist zuerst der unterhalb des Dorfes gelegne Augustusbrunnen näher zu besprechen. Professor Lampadius fand 1799 im Pfunde seines Wassers 25 Gran schwefelsauern, 131/2 Gran salzsauern und 5 Gran kohlensauern Natrons, 1 Gran kohlensauern Eisens, 11/4 Gran kohlensauern Kalks, 1/2 Gran kohlensauern Talkes, 3/4 Gran Kieselerde, überhaupt also 47 Gran fester Bestandtheile, sowie in 1000 Cubikzoll Wassers 763 Cubikzoll kohlensauern Gases. Prüfungen nahmen dann auch 1812 und 1819 der Apotheker Bienert, 1832 Seybold vor, nach dem 1818 ein Anfang zur Wiederbenutzung geschehen. Aber die frühere Benutzung ist schon sehr alt, überstieg – wie Leisner sagt – 1669 schon das Menschen-Gedenken, wie man denn auch zum berauschenden Trinken damals das Wasser stark nach Adorf holte. [8] Der Auftrag zur Prüfung desselben kam Leisnern von der Sachsen-Altenburgischen Herzogin Magdalena Sibylla, Schwester des Kurfürsten Johann Georg II. und zwar durch deren Leibarzt Dr. Glass. Es erhellt, da die Herzogin am 6. Januar 1668 gestorben, hierbei von selbst, dass Leisner, der in seinem Büchlein ihrer noch wie lebend erwähnt, dieses lang vor dem Abdrucke verfasst haben müsse.

Da nun Leisners Werkchen nur noch in 3 Exemplaren vorhanden sein soll, und doch „sehr curieux zu lesen“ ist, so wird man einigen daraus hier ein Plätzchen gönnen. Leisner fand im Wasser einen Eisenschlich, Vitriol, ein ganz süsses volatilisches und ein fixes krystallinisches Salz. Das Eisen erscheine ganz wie beim Egerischen Sauerling (dem jetzigen Franzensbrunnen). Die angenehme Schärfe des Wassers beweise den Vitriolgehalt. Das volatilische Salz sei das „grösseste Geheimniss in der Natur“, und heisse in Hauptmanns Wolkensteinischem Wasserschatze emetisches oder Natur-Salz, das krystallinische hingegen Erd- oder Centralsalz. Das volatilische sei jedoch mehr ein Spiritus, als ein Corporalsalz, und habe seinen Ursprung von Sonne, Mond und Sternen; es beherrsche den ganzen Luftkreis, und sei daher in seinem Anfange aërisch und unsichtbar, aber in allen Ecken und Winkeln der Welt zu finden etc. Kurz, wir finden hier, ohne den Namen, eine der frühesten Erwähnung der Kohlensäure. Man nenne es auch den Spiritus mundi universalis. Den Gegensatz dazu bilde das Erdsalz; beide vereint aber, wie in Elster, ergäben das „harmonische“ Salz. (Möge dieses dem so trefflich gedeihenden Heilorte immer bleiben!) Nun nennt Leisner auch als den ersten wahren Erforscher der Mineralwässer (hinsichtlich des Herganges ihrer Mineralisirung) den Heinrich v. Rochas, Generalbergverwalter Heinrichs IV. von Frankreich, der desshalb sogar habe Berge durchgraben lassen. Doch Leisnern noch weiter zu folgen, könnte leicht auch zu weit führen.

Trotz Leisner’s ernstlichen Bemühungen konnte Elster doch nicht mit Schlad (wie man damals die Egerischen Quellen oder das heutige Franzensbad nach dem nächsten Dorfe nannte) wetteifern; es ging so völlig ein, dass die so wichtigen dortigen Mineralquellen dem grössern Publicum ganz fremd wurden. Engelhardts Geographie nennt den Ort Elster gar nicht, und Leonhardi erwähnt dabei mindestens nicht der Quellen. Ja selbst das, was der Berghauptmann Freiesleben 1839 im 10. Hefte seines oryktographischen Magazines S. 112 und 113 über Elster beigebracht, ist höchst dürftig, und giebt nicht einmal Lampadius’ Befund, bemerkt aber den Tonschiefer als hiesige Gebirgsart. (Auch fehlt daselbst Schwarzbrunn, dessen Namen auf einer Mineralquelle beruhen soll, und Erlbachs Salzquelle ist kaum erwähnt.) Der erste Aufsatz, der die Elsterischen Sauerquellen wieder anführte, ist der vom Schreiber dieses 1822 für das Lexikon von Sachsen gefertigte Artikel „Sachsen, das Königreich“, welcher überhaupt seit des Landes leidiger Zerreissung dessen erste geographisch-statistische Darstellung wieder ist. (Man sehe das Lex., Bd. 9, S. 667.) Sechs Jahre später gab ich ein Mehreres über die Quellen in meinen Supplementen zum Lexikon (s. Bd. 15, S. 605), habe auch um jene Zeit deren Benutzung in mehreren Aufsätzen, z. E. in der Abendzeitung, dringend empfohlen, jedoch bei meiner (namentlich 1858 mir klar gemachten) Unbedeutendheit natürlich ohne allen Erfolg, den dagegen Dr. Flechsigs mit neuer Prüfung des Wassers unterstützte Empfehlung gewann. Nach jener enthalten die im Album unter Nr. 1 bis 5 aufgeführten Brunnen von 4,661 bis zu 48,851 Gran Glaubersalz, von 282 bis 350 ‰ eines Grans Eisenoxyduls, und von 163/5 bis zu 282/5 Cubikzoll freier Kohlensäure im Apothekerpfunde Wassers. Dagegen geht nach Tromsdorf und Berzelius in den 5 älteren Franzensbader Quellen das Glaubersalz von 21,116 bis zu 26,92 Gran, das Eisenoxydul von 70 bis zu 328 ‰ eines Grans, die Kohlensäure von 268/9 bis zu 401/20 Cubikzoll. Demnach sind die zu Elster aus Glimmerschiefer (nicht aus Thonschiefer) brechenden Quellen reicher an Eisen- und Salzgehalt, aber ärmer an Kohlensäure, als die Schlader oder Franzensbader, mit denen man sie, als ebenfalls alkalisch-salinisches Eisenwasser, gern vergleicht. – Eine höchst genaue Prüfung nahm 1845 Professor Werner vor, und fand in 10 Millionen Gewichtstheilen Wassers aus dem Neu- oder Königsbrunnen 36010 Gewichtstheile schwefelsauern Natrons, 15681 Chlornatrion, 4979 kohlensaures Natron, 41 kohlensaures Lithion, 1910 kohlensauren strontianhaltigen Kalk, 950 kohlensaure Kalkerde, 440 kohlensaures Eisenoxydul, 13 Theile Manganoxydul, 41 basisch-phosphorsauern Kalk, 15 dergleichen Thonerde, 640 Theile Kieselerde, 14762 Theile oder 289300 Cubikzoll freier Kohlensäure, auch Spuren von Brom, Kieselfluorcalcium, Quellsäure, Quellsalzsäure und Kali. Er prüfte auch eben so genau das Wasser des etwas eisenreichern, besonders aber viel natronreichern Augustusbrunnens und der Augenquelle, dafür wir jedoch hier den Raum sparen. Aus allen drei Quellen hat das Wasser 8 Grad R. Wärme, und das Gewicht übertrifft nach Werner jenes des destillirten Wassers beim Neubrunnen um 485, beim Augustusbrunnen oder der Salzquelle um 368, bei der Augenquelle um 412 Hunderttausendtheilchen. Diese 3 Brunnen liegen nahe beisammen am Brunnen- (sonst Galgen-)Berge. Den Augustusbrunnen, womit die Augenquelle verbunden worden, nennt man auch die Trinkquelle oder den Marienbrunnen, den Neubrunnen auch Sprudel, Königsbrunnen, Gasquelle. Man entdeckte letztern 1839 im Flussbette, wesshalb man nun der Elster einen etwas veränderten Lauf gab.

Eine schon 1835 unterm Adorfer Bürgermeister Todt zusammengetretene Actiengesellschaft für Benutzung der Quellen, die Anfangs bis zu 36000, 1848 aber bis zu 60000 Thlr. aufzuwenden beschloss, kaufte 1846 die die Brunnen umgebenden Grundstücke, wurde von Regierung und Ständen unterstützt, und liess nun den damaligen Koboltinspector Schmiedel, jetzt Bergmeister zu Zauckerode, die Grabung und Fassung der Quellen besorgen. Nun zog auch Dr. Flechsig aus Oelsnitz als Badearzt hierher. Ein interimistisches Badehaus mit nur 7 Clausets wurde noch 1846 vollendet, und erhielt zur Wassererwärmung einen Dampfapparat von R. Hartmann in Chemnitz. 1847 fasste man 6 schwache Quelladern zu einem Ausguss zusammen, legte eine Wandelbahn an (welche eine recht anmuthige Thalsicht gewährt) und bereitete die Moorschlammbenutzung vor. In dieser Zeit machte auch Professor Kersten die Ansicht geltend, die Schiffner schon früher in seinen Schriften geäussert: dass die Elsterischen und Schladischen Quellen nur Ausflüsse eines und desselben Reservoirs im Gebirgs-Innern seien. 1847 kam auch noch ein Kunstgezeug zur Hebung des Badwassers zustande, und man schied das wilde Wasser glücklich ab, worauf man des guten täglich g. 80000 Kannen hatte; hierzu kam noch die alte Bad- oder Moritzquelle. Ein Unfall traf 1859 am 26 August: ein Wolkenbruch, der viele Gäste verscheuchte. Denn auch die hörenswerthen Concerte der trefflichen Geiger Christoph und Arno Hilf, Schüler Davids in Leipzig, von denen ersterer eben jetzt die Musikdirection auf der Brühl’schen Terrasse in Dresden übernimmt, konnten die ängstlichen Gäste nicht halten. Diese Concerte am Brunnen geschehen täglich früh und wöchentlich 3mal auch Nachmittags. – 1847 senkte man auch für den Hauptbrunnen einen 22 Ellen tiefen Schacht, mit 2 Streken begabt, hinab, und gewann seitdem täglich Wassers genug für 600 Bäder. Dieses prüfte auch 1848 Dr. Flechsig wieder sehr genau, und fand im Pfunde gegen 655/3 gran fixer Bestandtheile, nämlich für 100000 Pf. Wassers 3622821 Gran Glaubersalz, 113255 Gran Kochsalz, 29342 Gran Chlorkalium, 1072757 Gran Sodasalz, 52125 Gran kohlensauern Lithions, 257216 Gran kohlensauern Kalks, 260156 Gran kohlensaurer Bittererde, 14704 Gran kohlensauern Manganoxyduls, 46783 Gr. Spatheisen, 48315 Gran Kieselsäure. Der Lithiongehalt, mit welchem Elster Eger aussticht, gilt für besonders heilsam. Die Fassung ist so sicher, dass sie hierin keiner andern auf Erden nachsteht. Den Schwefelbrunnen hat man damals verschüttet, die uralte Moritzquelle aber durch tieferes Bohren 1855 sehr wasserreich gemacht.

Die feierliche Weihe der Anstalt geschah am 25. Juni 1848, in welchem Jahre man auch das blos budenähnliche alte Badhaus abtrug. Die alljährliche Eröffnung des Bades setzte man aber auch in die Mitte des Maies. Im nächsten Jahre, wo für arme Badgaste die Johannastiftung zu Stande kam, waren schon zu gleicher Zeit 160 Genesung Suchende hier; überhaupt aber erschien 326, und in den folgenden Jahren resp. 378, 404, 599, 760, g. 809 im J. 1854, wobei 142 Dresdener, 120 Leipziger, 1 Norweger, 2 Russen, 1 Nordamerikaner, überhaupt 145 Nichtsachsen; 1856 gab es 940, 1857 1158, 1858 zwar nur 1156 Gäste, welche Zahl aber bei damaliger Abnahme in allen Bädern als starker Zuwachs gelten musste. 1859 kamen in 785 Parteien 1001 Brunnengäste hierher, und haben mehr als 25000 Bäder genommen. Darunter waren sonderbarerweise nur 8 reussische, aber 204 preussische und 8 russische Unterthanen. Das Augustusstift nahm 59 Arme auf. Das Johannistift reicht Hilfe nur in Geld. 1857 waren darunter 19 Nichtdeutsche und es wurden unter 25333 Bädern 3229 Moorschlammbäder genommen, sowie 1858 unter 27021 sogar 3597. – Doch zurück zu des Bades Geschichte!

Im Jahre 1850 verlegte man das Flussbette, und 1851 entdeckte man im vorigen Bette die Salzquelle (s. das Album), brachte auch das schöne Badhaus mit dem Cursaal und grossartiger Restauration zu Stande. Damals stiftete auch der Geheimregierungsrath und Amtshauptmann Dr. Braun eine zweite Anstalt für arme Brunnengäste (wozu er selbst 2100 Thlr. beitrug) unter dem Namen der Augustusstiftung, bei welcher 1854 die Regierung 2 Alumnate übernahm. Das Badhaus erhielt 28 Clausets mit 12 Wannen, 12 Clausets für Moorbäder, und eine Douche; später hat man die Zahl der Clausets auf 50 gebracht.

Nachdem nun die Regierung das Ganze übernommen, erfolgten zu möglichster Hebung der so wohl gedeihenden Anstalt seiten der Stände immer stärkere Verwilligungen, und im Mai 1852 wurde die „königliche Badeinspection“ eröffnet, sowie für die Saison eine Poststelle. Damals zählte man gegen 200 Fremdenzimmer in den – theilweis erst hierzu und meist recht geschmackvoll gebauten – Privathäusern. Die Curtaxe und die Bäderbezahlung halten einen billigen Mittelpreis ein. Von den 4 Gasthäusern galt damals der Wettiner Hof für das wichtigste. Viele der Privathauser tragen, nach löblicher Weise älterer Bäder, gleichfalls Eigennamen, z. E. der Apollo (mit 20 Fremdenzimmern), die Morgenröthe, das Bergschlösschen (dessen Restauration eine treffliche Aussicht gewährt,) das dem Badeplatz gegenüber stehende Schweizerhaus, die Jahreszeiten etc. Dank verdient die Fürsorge, welche auch der Gutsherr Schmidt (s. ob.) dem Bade stets gewährt hat. Sein Herr Genoss Brunner nahm die Badhauswirthschaft in Pacht, und erweiterte sie. Bis zu Anfang des J. 1855 hatte die Regierung auf Elster 94369 Thlr. verwendet, und von den noch begehrten 38500 Thlr. bewilligten die Stände 22000 Thlr. Man beabsichtigte namentlich die nun vollendete zweite Colonnade (bei der Salzquelle) mit Verkaufhallen und des Badehauses Erweiterung. Auch machte man schöne Punkte in der Umgegend zugänglicher, z. B. die Schwedenschanze mit trefflicher Aussicht. Auch besteht ein Actienverein zur Verschönerung der Umgegend mit Comités in Dresden und Leipzigs, und 1855 bildete sich hier eine geschlossene Gesellschaft, deren Name Hialari sogleich zeigt, dass sie die Steifheit der Classicität ausschliesst. Auch wurde 1855 eine wohlthätige Speiseanstalt eröffnet. Bei der Braun’schen Stiftung (s. ob.) gebüren hinsichtlich der Collatur 8 Freistellen dem hochverdienten Stifter selbst, 2 dem Ministerium des Innern, 2 der Orts-Herrschaft, 1 dem Plauischen und 1 dem Adorfer Stadtrathe. 1856 beherbergte sie [9] in den 14 Zimmern ihres Hauses 63, 1857 aber 48 Dürftige gratis.

Von der ständischen Bewilligung 1855 wurden 9500 Thlr. für die 2te Wendelbahn und für 2 Trinkhallen bestimmt. Auch legte nun der Kunstgärtner Seidel einen Park mit Wasserpartien zwischen dem Apollo und dem Wettiner Hofe an, und die Postexpedition ist nun in dem damals erbauten grossen Hôtel zum deutschen Hause. 1857 baute man ein zweites Landhaus mit 24 Clausets. In den beiden letzten Jahren erhielten die Salz- und Johannisquellen steinerne Fassung. Die kürzlich vollendete Collonade hat auch beide Quellen einerseits, und andrerseits die Moritzquelle. Auch wurden 1859 das Gewächshaus und die Gärtnerwohnung fertig. Seit 1853 giebt es eine Buchdruckerei im Dorfe.

Mitten in der 114 Ellen langen und 10 Ellen breiten ältern Wandelbahn giessen – in der Trinkhalle – die wichtigsten Quellen aus: die Königs-, Marien- und Albertsbrunnen.

Durch die kräftige Fassung der nur zum Baden bestimmten Johannisquelle ist ihr der frühere Schwefelwasserstoff-Gehalt entzogen. An unauflösslichen Salzen steht sie nur der Moritzquelle nach, an kohlensaurem Eisen aber der Albertquelle gleich.

Ein Trinkbassin hat zur Zeit erst die Salzquelle.

Des Wassers Heilkraft hat sich besonders gegen Nervenschwäche, Gicht und Rheuma, Schwäche der Harnwerkzeuge und des weiblichen Systems, Unterleibsbeschwerden, hartnäckigen Ausschlag, Skropheln und Rhachitis, Kolik und Magenkrampf; habituellen Katarrh, Brustschleimfluss, krankhaftes Fettwerden etc. bewährt. – 1858 bewilligten die Stände abermals 17000 Thlr. für Elster, so dass nun die Gesammtsumme auf 152869 Thlr. stieg.

In der Saison, d. h. bis an den 1. October, wird die Polizei vom königlichen Beamten, übrigens vom Amte Adorf geübt.

Kleinere Ausflüge machen die Gäste besonders nach Grün in Böhmen, nach dem anmuthig gelegenen Mühlhausen (wo auf der „Mühlhäuser Höhe“ die Carolaruhe eine treffliche Thalsicht nach Norden gewährt,) auf die Arnsgrüner, die Alberts- u. a. Höhen, zum Tempelchen des Friedensteines, zum herrschaftlichen Forsthaus, zur Grünischen Drathmühle etc.; grössere nach Neuberg, auf den Plattenberg in Böhmen (der weit nach Osten sehen lässt), auch wohl nach Franzesbad, Eger mit dem räthselhaften Kammerbühl, nach Seeberg und Asch.

Gleich der Gegend mit Eger und Schönberg unterliegt auch Elster unter Sachsens Orten mit am meisten dem Erdbeben. Arg werden besonders die Stösse im September 1711 und im November 1770 geschildert. – Am 4. Juli 1859 richtete der Hagel arge Verwirrung an.

Das bisherige Restaurationsgebäude Belle-vue hat 1859 der Candidat Meissner erkauft, und am 5. August aus Mosel sein Lehrinstitut dahin verlegt.

Da nun aber auch romantische Seelen hier nicht ausbleiben, so wollen wir diesen zur Freude die glückliche Entdeckung mittheilen, die vor 3 Jahrhunderten schon der bekannte Zwickauer Bürgermeister Erasmus Stella gemacht. Er wollte nämlich als Ahnherr der (ebenfalls nur fabelhaften Tochter Karls d. Grossen) Swanhilde einen „Alestor" gefunden haben, der Elster – wie Swanhilde später Zwickau – angelegt und nach sich benannt. Welch ein herrlicher Name in eine Novelle: Alestor!

Elsterberg. (S. 17 d. A.) Die Burg an und für sich heisst in den Urkunden auch Elsterberg.

Auf dieser Burg nun beruht das alte und eigentliche, aber längst schon der Oeconomie entbehrende Hauptgut, aus welchem, gleich mehreren anderen auch ein zweites, in Elsterberg selbst unter dem Namen des Frankenhofs befindliches Rittergut ausgeschieden, jetzt jedoch mit dem Burggute im Besitze wieder vereinigt ist.

Dieser Frankenhof hat nun zwar noch seine Hoferöde, aber eben so wenig als das Hauptgut eine eigentliche Oeconomie, da die Fluren unter die Stadtbewohner vertheilt sind: Nur gewisse Grundstücke sind bei beiden Gütern reservirt und mit 1524 Steuer-Einheiten belegt.

Auch mag der Frankenhof wohl noch für das Haus mit einiger Wirthschaft begabt sein.

Die bedeutende Menge der Unterthanen die Erbpächte u. s. w. gewähren indessen eine beträchtliche Einnahme. Beide Güter sind Mannlehn und sollen auch längst wie ein Lehn (unter dem Namen „Elsterberg und Frankenhof“) von der Curie verliehen werden.

Im Jahre 1853 kamen sie an Gottfried Julius Zeidler; im selben Jahre aber auch an Christian Friedrich Adler auf Coschütz und nach dessen Tode 1855 an Herrn Ferdinand Oskar Adler, welcher auch Collator der 3 Geistlichen, 5 Schul und 3 Kirchendienststellen in Elsterberg ist; ihm gehören zugleich die nahen Rittergüter Coschüz und Thürnhof, Kleingera, so dass er von eher alten Herrschaft Elsterberg die stärkere Hälfte wieder zusammengebracht hat und dass seine 5 Güter gleichsam ein sehr bedeutendes Gut mit 1337861/2 Steuereinheiten bilden.

Sonach versteht es sich von selbst, dass Elsterberg nicht mehr zur Hühnefeldschen Stiftung gehört.

Die Burgruine hatte schon 1851 Herr Opitz auf Netzschkau, welchen die Lust beseelte, die Burg wieder einigermassen herzustellen und zu erhalten, namentlich ihrem hohen der Stadt zugekehrten Flügel oder dem alten freiherrlichen Palaste ein Dach und den Thurmresten eine Art von Vervollständigung zu geben: Es ist jedoch die Ausführung unterblieben.

Die Mauern sind bis zu 6 Eilen stark und würden noch hohes Oberwerk treulich und sicher tragen.

Der Schlossberg wurde früher von der Stadt durch eine grössere künstliche Vertiefung geschieden als jetzt.

Elsterberg, dessen ehemahlige Herrschaft zwar längs dem Elsterthale sich aus Südsüdwest nach Nordnordost ziemlich lang ausdehnte, aber bei ihrer Schmalheit kaum über 1 Quadratmeile befasst haben kann, wie denn auch die Herrschaften Greiz und Mylau in Norden und Osten, die Güter Döhlau in Nordwesten und Liebau in Südosten sie sehr beengten ist jetzt der Sitz eines Königl. Gerichtsamtes, an dessen Spitze der frühere Justitiar in Elsterberg, Herr Franz Steinhäuser aus Plauen steht. Diesem Gerichtsamte sind 836 Häuser mit 9 Gemeinden (20 Orten) und 6976 Seelen einverleibt. Bis 1853 unterlag der Ort mit beiderlei Gerichtsbarkeit den freiherrlich von Hühnefeldschen Stiftungsgerichten, jedoch mit Ausnahme einiger Unterthanen von Thürnhof.

Von sämmtlichen Elsterberger Unterthanen gehörten aber hinwiederum Pansdorf, Theile der Gippe sammt der Franzmühle, am Gröschnizberg und an der Stadt selbst zum Frankenhof, der bei weitem grössere Theil aber, sowie ein Gut der Gippe, 1 auf dem Wischlos, 2 Häuser des Gröschnitzberges, aber gerichtlich auch das Gotteshausgut in dem übrigens zum Greizer Gebiete gehörenden Dorfe Sachswiz, zum Berggute.

Der Gröschnizberg ist der sächsische Antheil an dem im Südwesten liegenden Greizer Dorfe Sachswiz.

Die Stadt liegt der Reussischen Grenze nach den meisten Richtungen hinaus sehr nahe, eine schwache Meile südwestlich von Greiz, und westlich von Reichenbach, 11/2 nördlich von Reichenbach, 11/2 nördlich von Plauen, 3/4 Meilen von den grossen Eisenbahnbrücken über die Gölzsch und Elster, an der Greiz, Plauischen Chaussee, zu welcher die Anhöhe, auf der die Stadt sich hinaufzieht südostwärts zuletzt felsig herabstürzt.

Die Flur zugleich Gippe begreifend, hat im Mittel 967 Fuss, also ziemlich dieselbe Seehöhe mit der Burg.

Dagegen erreicht der Brauerstein gleichfalls am linken Ufer, 1002 Fuss, und noch weit höher sind die eigentlichen Berge, welche den Elsterberger Kessel einfassen, namentlich in Osten die Burgleithe bei Coschüz und in Süden der Hain bei Scholas.

Das westliche Gebirge zwischen der Triebitzsch oder Weida und der Tremniz oder Gössenbach ist zwar coupirter, aber niedriger als jenes des rechten Ufers.

Die Gegend wird als eine der reizendsten in Sachsen, unter dem Namen der „voigtländischen Schweiz,“ seit einigen Jahren zur Lust auch aus Leipzig und andern fernen Orten besucht.

Tiefer im Norden, bei Nosswiz in Sachsen und bei Döhlau im Reussischen, hat das Thal mehr einen freundlichen, – höher in Süden dagegen, von Gippe bis zur bekannten malerischen Burgruine Liebau, einen erhaben, schönen, dabei düstern Charakter der sehr mächtig an den, von den Dresdnern so gern besuchten Rabenauer-Grund erinnert.

Vorzüglich betrifft dies das Steinicht d. i. den 1/4 Meile langen Durchbruch der Elster durch das Grünsteinschiefergebirge, wo von den über 100 Ellen hohen, waldigen, sehr steilen Bergwänden die Klippen nicht blos in abenteuerlichen Gestalten drohend über dem Kopfe des Wanderers hangen, sondern auch so vielfältig herabgestürzt sind, dass man an einigen Stellen verzweifeln möchte, einen Weg durch die Felsblöcke zu finden, über welche auch der Fluss mit mächtigen Rauschen überall herabstürzt.

Mehrere kurze Schluchten zerreissen das Gebirge zu beiden Seiten, besonders aber das des linken oder reussischen Ufers.

Das zwar tiefe, aber breite und schöne lichte Kesselthal, in welchem die Stadt selbst mit ihren meist kleinen niedlichen hier und da ärmlichen Häusern liegt, hat einen freundlichen ansprechenden und dennoch grossartigen Charakter.

Elsterberg zählte 1779 erst 630 über 10jährige, aber 1802 in 234 Häusern überhaupt 1395 Consumenten, 1834 in 278 Häusern 2320 – und 1858 in 301 Häusern 3361 Seelen, deren Anzahl demnach wie überhaupt im nördlichen Voigtlande, mit dem Fabrikgewerbe gleichmässig stark angewachsen ist. Als Commungut ist die Kaisersleithe zu nennen, ein Holz mit einem Steinbruche.

Im Nordwesten sind die Vorhöhen des „alten Hauses“ was auf eine Burg rathen lässt, deren Alter noch jenes der Elsterburg übertraf.

Ueber diese Vorhöhen hinaus verbreitet sich, fast bis nach Nosswiz hin die Wessniz, eine Wüstemark.

Eine Postexpedition wurde 1855, die Botenpost zum Herlasgrüner Bahnhofe 1858 eröffnet: am 17. Januar 1853 aber das eigne Haus für die „Kinder-Rettungsanstalt“ errichtet.

Was nun das Album über die Herren von Elsterberg sagt, lassen wir in seinem Werthe, und bemerken nur, unabhängig davon, noch kürzlich Folgendes. Den S. 18 erwähnten „Ritter Rayner“ nennen Andere vielmehr Hoyer. Ihn beerbten die Brüder Hermann und Hartmann III. Diese werden urkundlich zwar nur „edle Herren“ titulirt, müssen aber dennoch gräflichen Standes gewesen sein, da sie in einer Zeugen-Reihe selbst dem meissnischen Burggrafen voranstehen. 1309 bezeugte Busso (Buz, Burkhard, Borsso) v. Elsterberg eine Urkunde in Meissen. – Den Zusammenhang mit der Herrschaft Luditz im böhmischen Kreise Elnbogen erklärt man verschieden: entweder durch Kauf (wie denn Sommer Bd 15. S. 196 seines Werkes über Böhmen glatthin sagt, Hanns Borsso v. Riesenberg habe Luditz 1415 an Herrn Heinrich v. Elsterberg auf Plan verkauft,) oder aber durch Erbschaft, indem der Elsterberger des Riesenbergers Schwester zur Frau, diese aber Luditz zur Hälfte besessen gehabt, wozu dann nach Hannsens Tode der Elsterberger auch noch die andere Hälfte hinzugekauft habe. Der Alesch v. Zeeberg aber, der 1427 als Besitzer von Luditz vorkommt, ist niemand anders. als Herr Albert v. Elsterberg; denn die Zee- oder Seeberger [10] (bei Eger) machten mit den Elsterbergern ein Geschlecht aus, obwohl sich nicht bestimmen lässt, ob nur als eine Linie oder als zwei Linien des Lobdeburger Stammes. – Nachdem nun 1422 die Hussiten Luditz erobert, bekam 1434 Jakob v. Wresowec und daher auch 1467 dessen Sohn Hanns diese Herrschaft. Dieser Hanns aber, der auch noch die grosse Herrschaft Theusing besass, schrieb sich auch Johann v. Elsterberg. Möge diess nun immerhin blos auf einem Erbanspruch oder auf einer Verpfändung beruhen, so lässt dennoch ein verwandschaftlicher Zusammenhang zwischen den Lobdeburgern auf Elsterberg und den Wrschowetzen zweiter Dynastie sich nicht verkennen. Oder wären diese späteren Werssowetze vielleicht gar eine nach Böhmen übergesiedelte Lobdeburger Linie, dann wäre das in ihnen den Historikern aufgegebene Räthsel gelöst. Ob aber Johanns Sohn und Enkel, beide Hanns v. Wrssowec genannt (der erstere fiel 1526 bei Mohacs, der andere verkaufte Luditz 1535 an den Plauischen Herrn und meissnischen Burggrafen Heinrich V.) sich auch v. Elsterberg geschrieben, ist uns unbekannt. Als mit Heinrich VII. die Plauischen Fürsten ausstarben, kam 1572 Luditz an den Hassensteiner Freiherrn Hanns v. Lobkowitz, 1575 aber durch Kauf an einen Kokorzowa, bei dessen gräflichen Nachkommen es noch ist.

Die Seeberger Linie der Lobdeburger (welche unwidersprechlich und doch noch in keiner Schrift genannt ist) hatte in Böhmen ausser Seeberg selbst (welches man nicht mit jenem bei Kaaden verwechseln darf, das im frühern Mittelalter den Schönburgischen Herren gehörte) auch Plan und Michelsberg: eine grosse Besitzung im Pilsener Kreise; diese hatte z. B. der 1466 gestorbene Bohuslaw v. Zeeberg, dessen Wittwe Margaretha (gestorben 1473) als eine geborene v. Kunstadt u. Podiebrad – wo nicht eine Tante der Sidonia v. Sachsen, doch eine nahe Verwandte des Herzogs Albert gewesen. Nachdem Bohuslaws Sohn Bathko (wahrscheinlich s. v. a. Botho?) 1499 gestorben, hätten nun Seeberg und Plan an Victorinus v. Zeeberg auf Thein fallen sollen; aber dieser selbst starb bald nachher, und so belieh der Kaiser mit Plan 1500 den Grafen Schlik v. Bassano (Passaun) und Weisskirchen. – Aus dieser Zeeberger Familie ruhen viele Glieder in der Stiftskirche zu Tepl. – Ob nun Kaspar Schlik auf Schöneck, welcher 1445 in Elsterbergs Besitze gewesen, es als Pfandherr oder als Mittel-(Zwischen) Lehrherr gehabt. bleibt dunkel. – Bei Limmer (II. S. 49 der Geschichte des Voigtlandes) kommt unterm Jahre 1349 ein Konrad v. Elsterwerd vor, der wohl vielmehr ein Elsterberg gewesen. Ein Heinrich v. Elsterberg hauste 1389 auf der jetzt gräflich sternbergischen Burg Brezina unfern Pilsen. – Bemerkenswerth ist noch, dass die Fräulein aus der Elsterberger Familie sich nicht von Elsterberg, sondern v. Lobdeburg schrieben: so Cordula, des meissnischen Burggrafen Heinrich II. Gemahlin. – Plan erscheint in Elsterbergischen Händen erst seit 1400; früher war es denen v. Dobrohost. Ein Elsterberg hat damals das dasige Schloss neu gebaut. 1382 hatte das Geschlecht auch Falkenstein, und kam damit zur Landesportion Wilhelms des Einäugigen.

Das Aussterben der Herren v. Elsterberg pflegt man in die Zeit zu setzen, wo man Elsterberg selbst in anderen Händen findet; dies erscheint aber irrig, sobald man – was doch unabweislich – mit ihnen die Herren von Seeberg identificirt. Auch Seeberg jedoch hatten sie nicht mehr bei ihrem letzten Erlöschen; denn diese Hauptburg, deren Stätte zur Lust von den Franzensbrunner und Elster’schen Badegästen häufig besucht wird, gehörte schon 1434 dem berühmten Oberstcanzler Kaspar Schlik, kam 1662 an die Grafen Nostiz und 1703 von einem Gerhard Jaque an die Stadt Eger.

Zu warnen ist noch vor der Einmischung jenes Albert von Seeberg, der 1289 böhmischer Reichsmarschall und Burggraf zu Kaaden war, auch 1292 sich Albrecht v. Schebrak (d. h. von Bettlern, dem bekannten bömisch-königlichen Lustschlosse) schrieb. Denn dieser hatte nicht nur vielmehr Seeberg bei Kaaden, sondern scheint auch, da er sich nach Buch bei Leisnig begraben liess, vielmehr nach seiner Geburt ein Glied des burggräflichen Leisniger Stammes gewesen zu sein, das mit den Lobdeburgern nicht verwand gewesen. Dieses Kaadener Seeberg nahm Friedrich v. Schönburg 1423 zugleich mit Merane zu Lehn, wodurch er zugleich Herr von Kaaden ward. In dieser Auffassung des Sachverhaltes und des Unterschiedes zwischen beiden Seebergen darf uns nicht der – wenngleich an sich auffallende – Umstand stören, dass 1467 einige Orte der Elsterberg benachbarten Herrschaft Mylau an den Schöppenstuhl zu Kaaden gewiesen worden sind.

Hinsichtlich der Lobdeburger ist zu bemerken, dass S. 17, Z. 13 v. u. es statt 956 heissen muss „959.“ Damals nämlich belieh König Otto den Herrmann v. Lobedaburg mit Ahuse und Westheim, deren der Truhendinger Graf Ernst sich verlustig gemacht hatte. Die in der osterländischen und thüringischen Geschichte so viel genannte Lobedaburg beweist noch heute ihre bömische Bauweise, die man auch an Rochsburg, Gnandstein u. s. w. findet: die höchste Partie des Baues nämlich wurde dabei in die tieferen gleichsam (ganz oder halb) eingeschachtelt. Da die Lobdeburg 1448 einem Hans v. Berga gehörte, so gewinnt allerdings Märkers Hypothese den Anschein der Richtigkeit, dass unter denen von Berga hier und anderwärts (z. B. auch in Purschenstein) die Herren von Lobdeburg-Burgau zu verstehen seien; überwiegend bleiben jedoch immerhin die Gründe, welche für das bömische Geschlecht der Berken sprechen.

Mit Recht betrachtet das Album als ersten hiesigen Bünau jenen Günther, dessen Vater Rudolf auf Droyssig, nach Königs Versicherung die lückenlose Bünauische Geschlechtsfolge eröffnet. Lässt aber das Album auf Günther allhier 2 Heinriche folgen, so geht es von König ab, welcher Günthers Sohn ebenfalls Günther nennt. Dieser hat nach König auch Thürnhof und Kummer- oder Kammerberg gehabt, welches ein Gut im Greizischen gewesen. König aber hat hier zwei Zeitalter zusammen verwechselt, indem zwar ein Elsterbergischer Günther einen gleichnamigen Vater und jene beiden Nebengüter gehabt, aber erst 1573 bis 1615 gelebt hat. Von beiden Heinrich (des Album) starb der Vater 1446, und der Sohn, ein Kreishauptmann, besass auch Schlöben, und ist wohl identisch mit dem 1470 gestorbenen. Ein hiesiger Günther begleitete den Herzog Heinrich nach Jerusalem und nach Compostella, wo er zum Ritter geschlagen wurde. Manche halten ihn für denselben, der 1518 das Sambiensische Stipendium der Bünau’s gestiftet, und der damals nicht blos Domherr zu Merseburg und Administrator des Droyssiger Tempelhofes gewesen, sondern auch noch Bischof von Samland (in Ostpreussen) war. Denn dieser Bischof soll, nach König, bis zu seiner Dignität wirklich Elsterberg besessen haben. Der Appellationsrath und voigtländische Hauptmann Rudolf hatte 1627 ausser Elsterberg auch Flössberg.

Bei Erwähnung der Bünau’s können wir uns eines wiederholten Zurückgehens nach Plan nicht erwehren. Fast könnte ein blos und rein zufälliges Zusammentreffen des Umstandes, dass das dem Wettiner Hause heimgefallene Elsterberg denen von Bünau verliehen wurde, mit dem folgenden für unglaublich gelten. In der Planer Herrschaft nämlich, welche – wie erwähnt – in den Elsterberger Händen lang gewesen, lag ein Dorf Bona oder Buna, jezt Punau oder Punnau geschrieben, welches die Besitzer 1363 nebst dasiger Burg an das Stift Tepl verkauften. Von diesen Besitzern schrieb der Eine zwar sich Beneda v. Wolfstein, der andere aber Stupto v. Bonytnow, worin sich der Name Bünau unschwer erkennen lassen würde.

Sollte nicht bei dem undurchdringlichen Dunkel, worein die Bünauische Herkunft sich nun einmal gehüllt hat, auch die Hypothese erlaubt sein, dass etwa ein jüngerer Sohn aus dieser böhmischen Burg Bünau sich sehr zeitig schon ins Osterland oder nach Thüringen gewendet? Hierbei würde aber der Verdacht uns leid thun, als wollen wir die böhmische (Blankenstein-Tetschener) Linie der Bünau’s mit jenem Buna vereinbaren; denn diese Linie ist wohl bekanntlich aus Obersachsen erst nach Böhmen eingewandert.

Was das Album über die Elsterbergischen Bünau anführt, kann noch aus dem Artikel über Thürnhhof (ein Gut, das nebst Syrau, Reinsdorf, Cunsdorf, Kleingera, Coschütz, Nosswitz, Cossengrün etc. aus der alten Herrschaft Elsterberg hervorgegangen) vervollständigt werden. Der S. 19, Z. 8 v. u. erwähnte Kreissteuereinnehmer Rudolf besass 1760 zugleich Christgrün. – Wenn 1742 ein Daniel Sigmund v. Koseritz auf Elsterberg sich insolvent erklärte, so ist an das zweite hiesige Gut zu denken. Beide aber besass 1817 der damals auf dem Landtag erschienene Oberstlieutenant Heinrich Adolf v. Beust, sowie seit 1830 der Kammerjunker Gustav v. Beust die Lehn für die (unter anderen Gütern zu besprechende) Hühnefeldische Stiftung trug.

Die 7185/9 Acker befassende Flur von Elsterberg steuert nach 23347 Einheiten, und umschliesst noch den obern Brand, ein zum Rittergut Cunsdorf gehöriges Holzstück. – Das neue Rathhaus macht der Stadt alle Ehre, und 1850 wurde die steinerne Brücke vollendet. Von der Stadtmauer, welche auch die Burg mit einfasste und Elsterberg zu einer respectablen Festung gemacht haben soll, giebt es noch einige Reste.

Beide Güter haben zwar eigentlich zusammen 209,36 Acker Landes, das aber, wie gesagt, meist ver-(erb ?)pachtet ist. Denn auch den Frankenhof baute man nach dem Hauptbrande vom 30. Mai 1840 nicht als Wirthschaftshof, sondern bloss als ein Gerichtshaus wieder auf. Jener Brand betraf in 110 Wohnhäusern etc. 219 Familien, und zwar die ganze Innenstadt; der im Album bemerkte am 12. März 1838 aber nur 31 Scheunen.

Unter den Gewerben thut die Tischlerei sich hervor. Eine Webschule für arme Knaben eröffnete man 1828, verwandelte sie 1829 in eine Strohflechtschule, und vereinigte damit 1831 eine Stroh-Nähanstalt. Der Nutzen davon zeigte sich aber als sehr gering, und man liess die ganze Anstalt eingehen; 1852 führte daher das „industrielle Sachsen“ hier keinen Verleger für Strohwaare an.

Der Pastor allhier war früher Erbgerichtsherr über das Sachswitzer Gotteshausgut und über den grösseren Theil von Pfaffengrün mit 15 Gütern und 13 Häusern. Der erste evangelische Pfarrer, Paul Lindemann, war früher Heinrichs d. Frommen Hofprediger und in Freiberg ein Hauptförderer der Reformation gewesen. Vor ihm scheinen Altenburgische Augustiner den Gottesdienst allhier besorgt zu haben.

Erlbach untern und obern Theils, nebst Eubabrunn. (S. 166 d. A.) Von diesen 3 Gütern wird Obererlbach officiell nicht ein Ritter-, sondern ein Erblehngut genannt. Eubabrunn hat im Album (S. 183) einen besondern Artikel erhalten, wesshalb hier nur beiläufig – Zusammenhangs und der Vollständigkeit halber – davon zu sprechen sein wird.

Die östlich von Erlbach auf der Landesgränze hochragenden Berge heissen nach ihrer hiesigen Ansicht, die Kegelberge oder der vordere und hintere Kegel. Der im Süden ansteigende Galgenberg muss nach diesem Namen einst das Hochgericht der Herrschaft (Mark-) Neukirchen getragen haben. Auch der Berg in Norden (ohne bestimmten Namen) ist von bedeutender Höhe.

Wiemann fand die Kirche nur 1572, Lohrmann dagegen den Bach bei derselben 1593 Fuss hoch, und man darf sich wohl wundern, wenn dieses so ohne Ueberschwemmung abgeht. Jedenfalls aber geht die Ortsflur mindestens bis zu 1500 Fuss herab; wenn demnach ihre mittle Höhe zu 1819 Fuss angegeben wird, so muss sie auch bis mindestens 2150 Fuss und also um fast 700 Fuss variiren.

[11] Von den im Album genannten Städten liegen Adorf und Markneukirchen westlich, Schöneck nordnordwestlich, Graslitz ostnordöstlich und Schönbach südöstlich. Die v. Starkische Herrschaft Schönbach ist böhmischerseits die Nachbarin durch ihre Orte Ursprung, Stein- und Waltersgrün; sächsischerseits raint Erlbach mit Gopplasgrün, Wohlhausen, Markneukirchen und Eubabrunn. – Der Erlbach entquillt dem Schönwerder Berge in Böhmen, 1 Stunde ostnordöstlich von Erlbach, kommt unter dem Namen des langen Baches sehr bald nach Sachsen, speisst hier die Flössteiche, heisst daher nun auch der Flössbach, dann das Landsgemeinder Wasser, später der Erlbach, auch der Schwarzbach, endlich das (Mark-) Neukirchen oder Schwarzwasser, auch die schwarze Elster; überdiess gilt er für dasselbe Wasser, das in der Urkunde von 1122 (über die Gränzen der Parochie Plauen) die heilige Elster heist. Also neun Namen für einen blosen starken Bach! In Adorf, wo er sich mit der (weissen oder kleinen) Elster verbindet, übertrifft er diese an Stärke. Er treibt oberhalb Erlbach die Kegelmühle, unterhalb eine der beiden hiesigen Papiermühlen.

In Erlbach unterlagen 1834 von 114 Häusern 39 mit 247 Seelen (hierbei 1 Halb-, 11 Viertelhüfner und 1 Mühle) dem obern, 75 mit 475 Seelen (hierbei 2 Hüfner, 6 Halb- und 10 Viertelhüfner nebst 1 Mühle) dem untern Gute; letzterm auch Kirche, Pfarre und Schule mit ausschliesslicher Collatur. – 1858 gab es überhaupt 137 Häuser mit 1051 Seelen. – In den Antheil des obern Gutes ist Kegel eingerechnet, ein Beiörtchen, welches 1852 17 Häuser begriff, die sich auf dem Abhange des (ganz sächsichen) vordern Kegelberges verstreuen. Der hintere oder nordöstliche Kegelberg ist theilweiss böhmisch. – Nach den früheren Gutsherren v. Beulwitz ist ein bedeutender Theil der grossen hiesigen Waldungen an der Gränze, jenseits der Flössteiche, der Beulwitzhau genannt. Der Tossenhau hat gleichen Grund des Namens, und bildet, wie der im Dorfe quellende Salzbrunnen, ein eigenes, mit dem untern Gute verbundenes Canzelleilehn.

Beide Rittergüter waren, wie auch Eubabrunn, nach früherer Verfassung schriftsässig, und hatten die volle Gerichtsbarkeit bis 1849, wo dann Erlbach unter das Amt Adorf, so wie 1853 unter das Gericht und spätere Amt Markneukirchen kam. Das obere nur neuschriftsässige und der Landtagsfähigkeit entbehrende Gut besitzt noch etwa 2/3 von Gopplasgrün (welches im Album Goblosgrün genannt ist), und davon der Rest dem jedesmaligen Diakon zu Markneukirchen zusteht,) gab aber 1801 dennoch nur 263 Consumenten an. Dasselbe kam von einem Peter, der es 1845 gekauft, an Karl Ferdinand Schiffner in Neuschönau bei Zittau, der es aber aus Noth 1854 an Herrn Johann Burkhardt verkaufte.

Mit dem sonst altschriftsässig und somit landtagsfähig gewesenen Gute Erlbach untern Theils ist das in gleichem Verhältniss gestandene Rittergut Eubabrunn so genau verbunden, dass Viele es nur für dessen Vorwerk hielten. In ihrer Vereinigung und mit 87031/5 Einheiten Besteuerung bilden diese Güter eine Besitzung vom ersten Range, welche Herr Stadtrath und Friedensrichter Karl August Funck (im Staatshandbuche Funk geschrieben) noch sehr ameliorisirt hat; er kaufte sie 1855 mit Allodialqualität.

Die vereinigten Güter gehörten dem 1669 gestorbenen Altenburger Landeshauptmanne Hanns Wolf Thoss v. Erlbach; dann folgten Adam Friedrich v. Beulwitz, 1731 dessen gleichnamiger Enkel, auf diesen Christian Alexander, und 1806 der Kammerherr v. Beulwitz. 1819 war ein Alexander August, 1833 der Rittmeister August Alexander Wilhelm Besitzer, der damals Ersatzmann in der II. Kammer war und das Gut 1848 noch hatte. Zwischen die beiden Adam Friedrich ist noch Alexander Christian einzuschalten. 1852 erkaufte die Güter ein Herr Meister, welcher deren Allodification erlangte. Die Erlbacher Beulwitze hatten ihre Erbgruft zu Markneukirchen.

Gehen wir aber in das Mittelalter zurück, so war das obere Gut damals nur das Schäfereivorwerk des untern, welches nebst Breitenfeld und Eubabrunn 1542 dem Wolf Joachim und dem Albert Thoss gehörte; diese stellten deshalb 4 Ritterpferde; 1583 hatten Sebald Thoss und seine Brüder Erlbach und Wohlbach, ihr Vetter Hanns aber Eubabrunn; 1604 verkaufte der Erlbacher Kaspar Breitenfeld; Adam Friedrich Thoss, Rath des Freiherrn v. Bodenhausen auf Mühltrof, besass auch das jetzt bayrische Rittergut Brix bei Hof. – Auf S. 166, Sp. 2, ist das „von“ vor Thoss zu streichen. Was in der Mitte 2ter Spalte S. 167 vorkommt, ist nur des Verfassers Gedanke, da Erlbach gar nicht mit Wintersreuth in Gemeinschaft gestanden haben kann; vergl. das Suppl. zu Elster. Eben so wenig beweisen Schnitzbilder das hohe Alter einer Kirche. – Das zu Anfang von S. 168 erwähnte Vorgebirg mit dem Gottesacker gestaltet sich durch das aus Norden kommende Eidenloh-Bächlein, dessen Name auf eine Holzmark zu schliessen wohl erlaubt? – In Eubabrunn (Z. 10) ist keine Schule. – Die vorletzte Zeile des Artikels ist so zu verstehen, dass die Wernitzgrüner viel Geigenwirbel drechseln. – Unterhalb Erlbach führt das Wasser Perlmuscheln.

Wenn der Salzbrunnen als ein besonderes Lehn gereicht wird, so hat dieses einen geschichtlichen Grund, indem wirklich ehemals eine kleine Saline hier bestanden. Albinus schreibt S. 182 seiner Bergchronik, man habe „etliche Jahre über einen Salzbrunn gearbeitet“; Fritsch spricht von einem „Leckerwerk“ (d. h. Gradirhause) das um das Jahr 1636 im Gange gewesen. Wahrscheinlich ging das Werk im 30jährigen Kriege ein, wiewohl auch wieder 1643 und 1650 neue Versuche erwähnt werden. Ein späterer geschah 1700, und man gewälttigte den verfallenen Brunnenschacht 32 Ellen tief; aber wegen Uneinigkeit unter den Actionären gab man 1702 den Bau wieder auf. 1715 finden wir eine schriftliche Bemerkung: bei heiterem Himmel lasse sich die abgelaufne Sole im Bache mit den Augen unterscheiden. Der in den Thonschiefer getriebene Schacht wird auf kaum 60 Ellen Tiefe geschätzt.

Acht oder noch mehr Häuser des Ortes gehören unter das Rittergut Wohlhausen. Das 1/4 Stunde südwestlich gelegne Oertchen hält sich zur Erlbacher Commun, in welcher immer g. 10 Instrument-, einige Saiten- und 4 bis 6 Geigenbogenmacher sind. – Das obere Rittergut verlor 1820 einen Theil seines Herrenhauses durch Mordbrenner; es wurde 1854 auf 37312 Thlr. geschätzt. – Bemerkung verdienen der Jaspis und der dunkelschwarze Alaunschiefer dieser Gegend. – Dem S. 167 erwähnten hohen Steine in Böhmen giebt Lohrmann 2382 Fuss Seehöhe, also 451 Ellen über dem Bache bei der Erlbacher Kirche. Die ihn krönende 40 Ellen hohe Quarzfels-Klippe lässt ihn sehr weit erkennen, und fällt auf dem Fichtelgebirge stark in die Augen; sie ähnelt einer gewaltigen Burgruine. Der Berg selbst besteht aus Thonschiefer.

Eubabrunn. (S. 183 d. A.) Das Dorf begriff 1834 in 20 Häusern 129 –, 1858 in 26 H. 189 Seelen, ist nach Erlbach gepfarrt und nach Wernitzgrün geschult, hält sich zum Heimathsbezirke Erlbach, und verstreut sich meist am Hain- oder Hennebach, der von der Landesgränze aus nordwärts nach Erlbach hinabrinnt. Das Rittergut dagegen steht nebst noch 2 Gütchen weiter in Westen, auf bedeutender Höhe. Die stark variirende Flur, im Mittel 1889 Fuss hoch, raint mit Waltersgrün in der böhmischen Herrschaft Schönbach, mit dem sehr rauh gelegenen Wernitz- (nicht Warnitz-) grün, mit Erlbach und Markneukirchen. – S. 184, Z. 10, soll es statt 1575 heissen 1525, und in der letzten Spalte statt „das Geigenwirbeln, Drechseln“ vielmehr: „das Geigenwirbel-Drechseln.“ – Dass die Thoss vom Dorfe Thossen gestammt, ist zu bezweifeln, weil dann das Mittelalter sie würde von Thossen oder doch von Thoss geschrieben haben; die Sache ist wohl umzudrehen. Wir suchen auch den Stammort, gestützt auf das Thossengehau bei Eubabrunn, vielmehr in Markneukirchen, welches, bevor es nach einem Kirchenbau den heutigen Namen erhalten, als eine uralte herrschaftliche Hauptstadt sicherlich schon einen (andern) Namen gehabt haben wird. Niklas Thoss verkaufte 1405 sein bedeutendes Gut Neukirchen an dasige Commun, welche damit unter andern auch die Frühmesse und den Katharinen-Altar dotirte, was Wilhelm d. Einäugige v. Colditz aus bestätigte. Es gab aber noch nie ein zweites Allod in der Stadt, welches Eckart v. Falkenstein 1412 demselben Altar (also dem nachmaligen Diaconat) eignete. Hierzu kam 1426 noch das Vorwerk zu Schönlind. – Wann Eubabrunn mit Erlbach verbunden worden, ist uns unbekannt; aber 1754 war es mit Sicherheit schon so.

Falkenstein. (S. 73 d. A.) Dass dieser Ort, dem die schreckliche Feuersbrunst am 12. August 1859 auf geraume Zeit den emsigsten Fabrikfleiss in letzterer Zeit errungenen mässigen Wohlstand geraubt hat, als Stadt allgemein anerkannt wird, ist noch nicht lang her; noch 1804 prädicirt Leonhardi ihn blos als „Pfarrkirchdorf oder Bergflecken.“ Das meist nur geringe Aussehen des vielfach nur beschindelten und leicht gebauten Ortes aber wird in dessen höheren Theile jener traurige Brand vortheilhaft verändern. Uebrigens haben unter die 170 ruinirten Häuser auch die ansehnlicheren Gebäude der Kirche und Pfarre, des Schlosses und überhaupt des Rittergutes gehört, wogegen beide Schulhäuser und das Gerichtshaus gerettet wurden.

Mit 300 Häusern und 3000 Einwohnern giebt das Album die Stadt zu gering an. Zwar zählte man 1801 erst 231 Häuser mit 1100 Consumenten, 1834 aber mit Einschluss Mühlbergs (davon ein besonderer Artikel handelt) schon 344 Häuser mit 2915 – und 1858 367 Häuser mit 4165 Seelen. 1834 haben 45 Häuser, wobei das Rath- oder nunmehrige Gerichtshaus, dem Rittergute Dorfstadt, 2 Halbhufengüter und 24 Häuser dem damaligen Gerichte Ellefeld unterlegen, so dass sie unmittelbar königliche Unterthanen beherbergten; der Rest war Trützschlerisch theils wegen hiesiger Majoritäts- oder sogen. Collaturgerichte, theils wegen der Rittergüter Oberlauterbach und Falkenstein mit Mühlberg. Namentlich unterliegen der Oberlauterbacher Herrschaft die südlich vom Orte gelegnen einzelnen Häuser des Lohberges, wobei auch eine Russfabrik. Die erst im 19. Jahrhundert nach Auerbach bin angesetzten Häuser nennt man die Neustadt.

Mit Ausnahme des Dorfstädter Antheiles kam der Ort sogleich am 2. April 1855 unter das damals hier errichtete königliche Gericht, welches später zu einem Amte erweitert wurde. Dieses ressortirt zum Bezirksgerichte Plauen, beschäftigt ausser dem Amtmanne nur 2 Actuarien, 1 Rendanten, 1 Controlleur und 1 Expedienten, und enthielt 1858 in der Stadt und in 16 Landgemeinden 13455 Seelen. Es übt auch (mit Hilfe des hiesigen Gens’darmes) die Sicherheitspolizei; übrigens aber gehören Polizei und Verwaltung dem Bürgermeister und Stadtrathe.

Die Collatur der beiden Geistlichen-, der Kirchdiener und der 4 Schulstellen steht nicht dem Rittergutsherrn als solchem, sondern (wie auch in Werda und Bergen) dem jedesmaligen Aeltesten Derer von Trützschler allhier und zu Dorfstadt (früher auch zu Ellefeld und zu Oberlauterbach) als dem Patron und Nutzniesser der Collatur zu. Dies aber (Aelstester) ist jetzt allerdings der hiesige Gutsherr, der S. Gothaische Geheimrath (ausser Diensten) und Kammerherr Franz Adolf Trützschler v. Falkenstein, welcher jedoch weder hier, noch in Oberlauterbach, sondern auf seinem dritten Rittergute, Heerda im Gothaischen wohnt.

Als Canzlei-Lehn hat das hiesige Rittergut mit Zubehör die Benennung „Falkenstein mit Mühlberg und Oberlauterbach, nebst den hohen Walden, den Unterthanen zu Grünbach und Wünne.“ Hiernach scheinen auch Grünbach und Winn einmal ein besonders Ritterlehne [12] gebildet zu haben. Vor 480 Jahren erscheint das Gut unter dem Namen „Walkenstein in der Plawischen Art gelegen.“ Und da auch fast alle ältere Nachrichten es Valkenstein schreiben, so wird man versucht, den Namen der alten Burg nicht vom Vogel Falke, sondern (wie den Falken- oder Valtenberg unfern Stolpen, Wolkenstein, Wolkenburg, Polkenberg, Wolkwitz etc.) vom slawischen Mannesnamen Wolk, Bolko, Balko, abzuleiten.

Aus der uralten Herrschaft oder dem Hauptgute Falkenstein, mit welchem bei der Wettiner Landestheilung 1382 die (aus dem gräflich Lobdeburgischen Geschlecht stammenden) Herren v. Elsterberg speciell Vasallen des meissnischen Markgrafen Wilhelms d. Einäugigen wurden, sind durch Erbtheilungen die Güter Falkenstein obern Theils, Falkenstein untern Theils, Mühlberg (diese drei sind nun wieder verbunden,) Ellefeld (welches jedoch als Kammergut zuletzt zerschlagen worden und eingegangen ist,) Werda, Dorfstadt und Oberlauterbach – vielleicht auch noch Winn und Wiesel- oder Wenzelsburg? – hervorgegangen. Genau aber so, wie bei der Zerschlagung der Herrschaft Auerbach verfuhr man auch hier, insofern man fasst von jedem der Herrschaftsorte einen Antheil jedem (fast jedem?) der Rittergüter zutheilte. Diesem Uebelstande hat mindestens doch in gerichtlicher Beziehung die Gegenwart abgeholfen. Erhöhet wird er aber noch durch die „Collatur,“ d. h. durch das Patronatsverhältniss des jedesmaligen ältesten Trützschler zu vielen Ortstheilen, für die er, nachdem das Geschlecht die geistlichen Besitzungen an sich genommen, zugleich wie der Herr eines – jedoch der Grundstücke entbehrenden Rittergutes erscheint, – und in denen ihm bis 1855 auch volle Gerichtsbarkeit zustand. Diese Collatur begreift ausser dem Antheile an der Stadt noch Theile von Ellefeld (1834 57 Häusser), Bergen (10 H.), Kottengrün (9 H.), Neustadt (2 H.), Reimtengrün (3 H.) und Dorfstadt (1800 13 Häusser), so dass man der Unterthanen 8-900 rechnen kann. 1819 war Patron der Collatur der Rittmeister Heinrich August Trützschler, welcher sein Hammergut Schmalzgrube bei Annaberg bewohnte. – Das eigentliche Rittergut dagegen, besteuert mit 79361/2 Einheiten, besitzt ausser dem weit-grössten Stadttheile noch Mühlberg, Friedrichsgrün, Mühlleithen, Boda und Wieselburg, sowie Theile von Ellefeld (1834 19 Häuser,) Werda (26 H.), Trieb, Reimtengrün, Schreiersgrün, endlich Neustadt zum grössten Theile. Davon sind Mühlleiten und Winzelburg wegen ihrer Entlegenheit nach Klingenthal einbezirkt worden.

Wiemann fand die Stadtkirche 1751, Lohrmann (jedenfalls zu niedrig) nur 1694, und Ersterer die „weisse Mühle,“ ein schönes Gebäude an der Gölzsch, 1622 Fuss überm Meere; somit steht die Kirche gegen 74 Ellen überm Flüsschen. Die mittlere Seehöhe der Ortsflur beträgt nur 1754, wogegen die 3 herrschaftlichen Forstreviere resp. 1753, 2130 und 2638 Fuss Seehöhe haben. Das 2te umschliesst zugleich das Dorf Friedrichsgrün, das 3te Boda, Winzelburg und Mühlleithen. Sonach gehört diese 3te Waldflur zu den höchsten und rauhesten im Lande, wie denn auch darin der Gipfel des Kieles oder Keilberges ragt, welchen Lohrmann zwar nur 2942 Fuss hoch –, aber nach Wiemannischen nahen Messungen zu niedrig gefunden. Sicherer sagt man, er überrage die Falkensteiner (21/2 Stunde entfernte) Kirche um 1248 Fuss oder 713 Ellen. Gewissermassen gehört dem Kiel auch der um 1/2 Stunde nähere Schneckenstein zu, welchem (s. das Album) Wiemann 2689 Fuss beischreibt; Lohrmann mass nicht den vorspringenden Felsen, sondern die Bergkoppe oberhalb desselben, und hätte sie sollen höher als 2699 Fuss finden. Dass die Klippe auf v. Charpentiers mineralogischer Karte von Sachsen nur 1579 Fuss über Wittenberg erhalten, ist blosser Stichfehler. – Die Topasen findet man nicht, wie das Album erwarten lassen könnte, im Berge, sondern nur in einem Theile der 70 Ellen hohen Klippe, welche eigentlich der Schneckenstein heisst. Dieser Theil besteht aus Topasfels, einer bisher auf Erden noch nirgends weiter gefundenen Gebirgsart, welche aus Quarz, Topas (theils derb, theils krystallinisch) und Schörl besteht, weshalb Einige sie als blosse Modification des Schörlschiefers betrachten. Ein „Homo malae notae“, wie Büchner in seiner Dissertation über die voigtländischen Edelsteine 1743 sich ausdrückte hat des Schneckensteines Topasenreichthum 1727 entdeckt und mit vielem Gewinn anfangs heimlich ausgebeutet. Bald aber beschlich ihn die Furcht, es könne einst Jemand ihm hierher nachgehen, und so entdeckte er dem König August selbst den Fundort, den nun Trützschler dem König abtreten musste. Man baute nun dort ein (längst wieder verschwundenes) Haus beim Felsen unter dem Namen des Königsthrones (nicht, wie im Album steht, der Königskrone) und gewann lange Zeit hindurch nicht blos einzelne Krystalle, sondern auch Prachtstufen, deren eine von mehreren Centnern in das Edelsteincabinet kam. – Doch aus jener einöden Ferne wieder nach Falkenstein zurück!

Unter der S. 73. erwähnten Hauptstrasse kann wohl nur jene gemeint sein, welche von Eibenstock über Auerbach und Falkenstein nach Oelsnitz führt. – Die dort erwähnte Klippenreihe (eine dieser Klippen trug den Wart- und Verliessthurm der Burg Falkenstein selbst) läuft nicht, wie das Album angiebt, nach Nordnordwest, sondern nach Nordnordost, und wie sie in Norden auf der Kohlung 1/3 Stunde von Auerbach endet, so beginnt sie im Süden mit ihrer höchsten, weit sichtbaren durch ihre Fernsicht berühmten Partie, dem Wendel-, Wänzel- oder Winnersteine (s. u. im Alb. fälschlich Wimmerstein genannt). Diese mächtige, dreifache, schöne Felsengruppe, welche v. Bose (wohl nach einer spätern Lohrmannischen Angabe??) 2278, Wiemann 2230, Lohrmann (zuerst?) 2289 Fuss Seehöhe, also 340 E. Erhebung über die Falkensteiner Kirche beischreibt (nach Wiemann wären es nur 280 E.) krönt eine zwar nur flach ansteigende, aber umfangreiche Anhöhe, auf deren tieferen nordwestlichem Abhange Winn mit der Schäferei, in Norden Lohberg (s. ob.), im Süden Vorder- und Hintergrünbach liegen. Am merkwürdigsten ist der Winner Stein dadurch, dass – mindestens doch nach gemeinsamer Annahme der voigtländischen Historiker – die westfählische Vehme oder Fehme heimlich hier waltete, trotz der kaiserlich bestätigten Exemtion Böhmens und seiner Lehnherrschaften vom Vehmgerichtszwange. Noch im 18. Jahrhundert droheten über einer höhlenartigen Spalte des Felsens die grausigen Embleme der Fehme. Sollten nun gleichwohl diese trüglich gewesen sein, so würde man etwa annehmen müssen, es habe ein mittelalterlicher „Karl Winter,“ am wahrscheinlichsten dann der Zwickauische Bürgermeister Stühler, genannt Erasmus Stella, hier eine Betrügerei gegen die geschichtforschende Nachwelt verübt, wie bei Weissbach unfern Wildenfels, wo Stühler selbst einen Adelung getäuscht hat, und in Stenn bei Zwickau. Ist dagegen die Sache an sich richtig, dann war im heutigen Sachsen der Winner Stein der einzige Sitz eines Fehmgerichtes. Denn was Karl Winter über ein „Vehmgericht“ unterhalb der Bastei in der sächsischen Schweiz in das Publikum gebracht, das wirft der Geschichtskundige zu Winters schönen Erdichtungen. – Am Schiefer des Winnersteines findet man eine dem Orleans ähnliche, färbende, aber nicht benutzte Flechte.

Dass die Burg Falkenstein in ihrer Gesammtheit sollte auf der Klippe im Hausgarten des Rittergutes gestanden haben, verneint der geringe Raum; es galt ohne Zweifel, wie in Schöneck, nur vom Wartthurme. Das 1859 mit verbrannte Schloss war vor 140 Jahren gebaut, auch seitdem wieder einmal erneuet, und kein majestätisches, aber ein schönes Gebäude.

Zur ersten Spalte auf S. 74 ist zu bemerken, dass der „Stallmeisterberg“ genau genommen keine Häusergruppe trägt; denn der Juchheh steht auf der Mühleithe, und Hannaloh auf dem Röhrhübel. Man setze auch Z. 22 statt „weiter“ vielmehr „weit.“ – Dorfstadt beginnt nicht nordwestlich, sondern westlich der Stadt, jenseits des „Schlossraumes,“ einer Holzung.

Unter Denen v. Valkenstein erscheint 1317 Konrad als Vasall des Plauischen Voigtes Heinrich des Langen, Arnold 1327 als voigtischer Ritter; Heinrich war 1279 Canzler des Markgrafen Dietrich zu Landsberg, Sohnes Heinrichs des Erlauchten; Eckhart hatte bis 1412 Theil am Besitze Markneukirchens, und noch 1542 besassen Arnold und Christoph Magwitz und Brotenfeld. Dass dieses Geschlecht mit dem Trützschlerischen sollte identisch gewesen sein, wird dadurch höchst unwahrscheinlich, das der v. Elsterbergische Besitz Falkensteins zwischen den Falkensteinischen und Trützschlerischen fällt; letzterer muss jedoch immer auch über 400 Jahre zählen. Bedauerlich ist dieses so ansehnlichen Geschlechtes dunkle Herkunft; bis zu deren besserer Aufhellung erlaube man uns die Meinung, dass ihr Stammgut Russdorf bei Werdau und Blankenhain gewesen; denn beide Namen, Trützschler und Russdorf (wo noch Reste der Burg sich zeigen) führen zurück auf den Namen Rudolf. Wie in andere Familiennamen, die nach ihrer Formirung das „von“ nicht vertragen, ist es auch in den der Trützschler erst im 18. Jahrhundert gekommen. Man findet die ersten Trützschler zu Crimmitzschau, Glauchau, Zwickau.

Am hiesigen Bergamte (S. 75 des Album) hatte der Landesherr auch schon vor 1816 Theil, und eben deshalb hiess es ein Communbergamt. Man darf es aber nicht etwa mit der voigtländischen Abtheilung des frühern Bergamtes Schneeberg vermengen. Es hatte zuletzt Gerichtsbefohlene nur noch im Huthause bei Gottesberg.

Für „das Jagdgefolge“ ist zu setzen: „die Jagdfolge“; diese ist nämlich der Zwang der Unterthanen, bei der Jagd zu helfen. – In Z. 16 und 17 (S. 75) ist ein Wiederspruch durch den Satzfehler 1632 statt 1362 gekommen. – Stifter der Collatur war Pfarrer Konrad Trützschler. – Zur Plauischen Ephorie gehört Falkenstein schon seit 1838 nicht mehr, sondern zur Auerbachischen. Der Schullehrer sind in den beiden Schulhäusern 4, und es giebt auch eine Sonntagsschule. – Von Reimtengrün sind kleine Theile auch nach Treuen und Auerbach gepfarrt. Noch jetzt versieht ein Vicar das Diakonat. – Unter den Nahrungszweigen des Ortes hat man den Bergbau zu streichen. Einen drolligen Anstrich hat es, wenn Marbach in seinem Büchlein über Schöneck den Flor Falkensteins von seinem Handel mit Malz und Pech herleitete; erfreulich aber ist es, wenn daselbst (also schon 1730) die gute Trützlerische Waldwirthschaft hervorgehoben wird.

Das Rittergut besitzt einige Pachthäuser, eine Pechhütte, Torfbrüche etc. in den überaus weit umher verstreueten Dörfern Friedrichsgrün und Hammerbrück, wo dagegen die Glas- und Vitriolhütten nicht gedeihen wollten. Die Spacialbeleihung mit dem Bergzehnten von gesammten niedern Metallen geht bis 1594 zurück. In der Ortsflur liegen u. a. die Holzungen des Wiener Steins, des Lohberges und der Vergnügung; ungleich wichtiger aber ist jenseits der weissen Gölzsch der südöstlich von Falkenstein weithin sich verbreitende grüne Wald, mit welchem die officiell so genannten „hohen Walde“ beginnen, die man überhaupt auch die Falkensteiner Wälder nennt, obwohl sie zum Theil auch zu den Gütern Dorfstadt, Oberlauterbach etc. gehören.

Falkenstein war 1459 und bis zum Teschener Frieden 1779 ein böhmisches Haupt- (geschichtlich-richtig ein böhmisches Reichsachter) lehn. – Leonhardi giebt dem Gute auch Antheil an Unterlauterbach, was aber wohl nur von Lehnleuten gilt.

Besitzer war 1817 und 1821 der Hauptmann Christian Gottlob Trützschler, später der am 31. Juli 1831 als 80jähriger Greis verstorbene hochverdiente S. Altenburgische Canzler und Geheimerathspräsident Friedrich Karl Adam, welcher zuletzt quiescirt hier wohnte. Er war am 2. Januar 1751 in Culmitzsch bei Weida geboren, und hatte die [13] Grosskreuze des sächsischen Verdienst- und des Falkenordens. – Der eben so würdige heutige Besitzer hatte das Gut bis 1837 gemeinsam mit seinem Bruder. Traurige Erfahrung traf ihn, den treuen Vasallen und Verehrer seiner Fürsten, durch den Tod seines sehr fähigen und vielversprechenden Sohnes dessen Schicksal im Jahre 1849 zu bekannt ist, um weiterer Besprechung zu bedürfen. Derselbe würde bei längerem Leben einst der Majorats-Erbe geworden sein.

Die Ortsflur begreift mit einer von der Dorfstädtischen umschlossenen Parzelle 18085/9 Acker. Die Brauerei ist Commun und das Schiesshaus Privatgut. Der Postverwalter ist zugleich Steuerreceptor. Früher unterhielt das Rittergut einen von der Herrschaft gewählten Postboten: eine in Sachsen wohl nirgends weiter vorgekommene Befugniss. – Die Stadt nimmt Antheil an der Auerbacher Sparcasse. – Unter den Fabrik-Handlungen zeichnet besonders die Weidenmüllerische – welche augenblicklich des Brandes halber in Auerbach geführt wird – sich aus.

Zu Falkensteins sehr mannichfachen Fabricaten gehört auch der Damast.

Der hier horizontal geschichtete gelbblaue Thonschiefer wirkt stark auf die Magnetnadel, ohne doch durch seine Bestandtheile dies zu erklären. Es mag also wohl die Erklärung in demselben Naturereignisse zu suchen sein, bei welchem die schon erwähnte Klippenreihe sich bildete. Seine eingemengten Quarzgänge enthalten einen dunkelgrünen Chlorit, wie jene bei Remsa. – Von der Burg waren schon 1730 kaum mehr Spuren vorhanden.

Freiberg obern Theils. (S. 47 d. A.) Es erscheint am gerathensten, die beiden Rittergüter daselbst zugleich zu ergänzen; das obere ist S. 77 des Album behandelt. Freiberg, im nunmehrigen Amtsbezirke Adorf 1/2 Stündchen nordwestlich von der Stadt gelegen, ist 1834 bis 1858 nur von 53 auf 36 Häuser, von 252 auf 286 Seelen angewachsen. Mit diesem bilden die 133 in Weidigt Eine Gemeinde, welcher auch die Collatur bei der Schule zusteht. Unterhalb der Höhe, an welche das Dorf sich lehnt, fliesst im Süden der mit Perlmuscheln besetzte Weidenbach, dessen zweiter Name „Totterweinbach“ wohl auf einer Wüstung beruhen mag, die vielleicht in der nahen böhmischen Herrschaft Asch zu suchen ist; Schenks Karte nennt ihn den „todten Weinbach.“

Von den sonstigen drei Rittergütern sind schon längst das mittlere und untere zu Einem Gehöfte verbunden, diese waren nach früherer Verfassung neuschriftsässig. Geraume Zeit hindurch sind alle 3 Lehne in Einer Hand gewesen.

Dass Hagdorf und Haindorf verschiedene Orte gewesen, lässt sich dem Album ohne urkundlichen Beweis schwerlich glauben, da doch Hag und Hain dasselbe Wort sind. – Z. 5 v. u. wolle man für Grafen setzen: „Burggrafen“; denn als solcher galt er mehr, wie als Graf v. Hartenstein, welches er ohnediess nicht factisch besass. – Auffallend ist (zu Anfang der 48. S.) der Name Pigkler, indem er an das fränkische Reichsgrafen- und jetzt zum Theil preussisch-fürstliche Geschlecht v. Pückler mahnt. Kaspar von Kaufungen war kein voigtländischer, sondern ein pleissnischer und vielleicht auch Schönburgischer Vasall. – Auf S. 77, Sp. 2, Z. 5 ist das Wort „Königlich“ zu streichen.

Die nach dem Walde hin ansteigende „Freiberger Höhe“ fand Wiemann 1780 Fuss hoch, also 28 Fuss höher, als Lohrmann. Beträgt nun die mittle Höhe der Flur 1628 Fuss, so mag sie bis zu etwa 1470 Fuss herabgehen; jedenfalls aber ist das Klima ziemlich rauh, schon durch die Nähe des Hochgebirges. Die Schäferei steht nach Wiemann 1718 Fuss hoch.

Das zuletzt Herrn Herrmann Frick gehörige obere Gut, welches v. Pegauisch auch noch 1753 gewesen, und dessen Besitzer Robert Friedrich August v. Petrikoswsky 1858 als Friedensrichter im Adorfer Amtsbezirke vorkommt, ist so abgeschwächt worden, dass es nur 778 Einheiten versteuert; das untere dagegen hat deren 2713 bei etwa 200 Ackern Pachtlandes, Ziegelei, Brennerei und meist neuen Wirthschaftsgebäuden. Zum obern gehören auch nur 5 Häuser, der Rest des Dorfes zum untern Gute, und jenes hatte sonst nur die Erbgerichtsbarkeit; beide aber gaben die Gerichte am 22. October 1855 ab. Im Jahre 1801 gaben sie resp. 82 und 251 Consumenten an. In Weidigt hat das untere Gut nur 3 Häuser, aber die Gemeindeobrigkeit; der Rest ist dem obern Gute. Dagegen hat das untere Antheil an Gettengrün (1834 5 Häuser), an Rebersreuth (den Gasthof und noch 5 Häuser) und 4 Häuser in Oberbergen; endlich die Freiberger Hassen- oder Muldenmühle, deren Name vielleicht durch Corruption aus „Mülvenmühle“ entstanden ist. Leonhardi machte aus Weidigt ein besonderes, schriftsässiges, in’s Amt Plauen bezirktes Lehn; letzterer Umstand ist aber doch kaum glaublich, und vielleicht dachte er hierbei an das Weidicht bei Netzschkau.

Heinrich Gentzsch auf Freiberg und Magwitz war 1660 bis 1696 Amtshauptmann zu Voigtsberg. In den noch früheren Jahrhunderten stellten dagegen wegen des nur amtsässigen Gutes Freiberg die Thosse 1 Ritterpferd, und noch 1616 hatte es Wolf Adam Thoss auf Bergen. 1738 war Albert auf Wiedersberg und Troschenreuth Besitzer und 1779 starb als solcher der Oberstlieutenant Karl Erdmann v. Hayn. 1819 hatten es die Brüder August Wilhelm Philipp, Franz Ferdinand und Ludwig Wilhelm Herrmann v. Gössnitz, nebst ihrer Schwester, der Frau Henriette Auguste Erdmuthe v. Steindel. Der jüngste Bruder war beim Landtage 1817 im weitern Ausschusse und starb 1835 als Hauptmann. 1838 erbten das untere Gut als ein Mann- und Weiberlehn die Frauen v. Petrikowsky und v. Eberhard. 1842 boten die Brüder Robert Wilhelm Theodor und Ottomar Friedrich Ludwig v. Petrikowsky es vergebens aus, wobei der Werth auf 32798 Thlr. ermittelt worden; 1843 nahm es der Major Wilhelm August Ludwig in Lehn; 1844 aber hatte Robert es allein, und verkaufte es 1850 an seine Tochter, Gattin des Dr. Flechsig. Später erscheint als Besitzer Ottomar Friedrich August v. Petrikowsky, Amtmann zu Sebnitz, seit 1859 zu Werdau.

Freiberg untern Theils. (S. 77 d. A.) ist in den Supplementen zu S. 47. oder zum Gute Freiberg obern Theils schon mit berücksichtigt worden.

Friesen (S. 11 d. A.) Das Gut Friesen war früher blos ein Nebengut von Reichenbach und hatte nach früherer Verfassung kein selbsständiges Lehen und keine Landtagsfähigkeit. Eine Zeit lang war es auch Vorwerk von Mylau, wie dies auch bei der Beschreibung des letzteren Ortes noch besonders erwähnt werden wird.

Das Gut hat trefflich eingerichtete Wirthschaft, einen starken Stapel holländischen Rindviehs und eine starke Pflanzung von Ahornstämmen, wofür der Herr Besitzer 1837 eine besondere Prämie erhielt. Ausserdem besteht eine grosse Dampfbrennerei und Ziegelei. Von Bedeutung ist ausserdem noch die Mastung.

Schloss und Park sind meist bekannt und ausgezeichnet und wurde 1846 vom verstorbenen König Friedrich August mit seinem Besuche beehrt.

Die Gölzschhäuser und die Pamlersmühle zwischen Lengefeld und Waldkirchen sind zwar Zubehör des Gutes, aber nicht des Ortes Friesen, indem sie vielmehr als No. 60 bis 66 zu Oberheinsdorf geschrieben sind, obwohl sie weit davon entfernt liegen. Unter ihnen ist, ausser der Petzoldschen Fabrik, auch das herrschaftliche Gütchen oder Vorwerk Reihe- oder Kälberhaus.

Die Flur von Friesen, welche in Nordwesten ein bunter Grauwackensandstein meist aber ein viele Grünstein-Portiecher enthaltenden Tonschiefer unterzieht, raint mit Cunsdorf, Reichenbach, Obermylau und Stadt Mylau, so wie mit den reussischen Orten Kahmer, Schönfeld und Walthersdorf. Auf dem „Segen Gottes“ baut man, doch ohne frohe Aussicht.

Die Eisenbahn trifft zwar auch diese Flur, mehr jedoch die nach Reichenbach gehörige Wüstung Ruppelta.

Die Flur hat 1189 Fuss zu mittler Seehöhe bei geringer Variation.

An der Grenze in Norden erhebt sich der dürre Berg und der Mühlberg ist schon Reussenland.

In eine der beiden vom Friesenbache getriebenen Mühlen bestand 1852 bis 1858 die Kammgarnspinnerei von Reyer und Schädlich die aber auch für ihre 910 Feinschindeln noch eine Dampfmaschine von 10 Pferde (also 60 Centner) Kraft hatte.

Eine zweite Spinnerei ist unterhalb Friesen da, wo der Bach selbst die Landesgrenze zu bilden beginnt. Es ist eine bedeutende Wollspinnerei mit 2200 Feinspindeln.

Dieses Dorf, welches vom Jahre 1834 bis 1858 von 17 auf 19 Häuser, von 114 auf 191 Bewohner gewachsen ist liegt 11/4 Stunde von Greiz, dieser wahrhaft paradisisch gelegenen Residenz der Fürsten Reuss älterer Linie.

Gansgrün, (S. 149 d. A.) ursprünglich Johannsgrün; die heutige Schreibung entkeimte der Neigung des Obergebirgs und Voigtlandes, das Jot wie ein G auszusprechen, im Gegensatze zu dem bekannten Fehler des Berliners.

Gansgrün liegt nur 11/2 Stunde nordöstlich von Plauen, von Altensalza schief gegenüber, an und über dem rechten Trieb-Ufer, auch mit Helmsgrün, Thossfell und Pöhl rainend. Die nicht bedeutende Flur hat 1253 Fuss mittler Seehöhe. Isolirt stehen 2 Häuser, darunter die Gansmühle in Westen, die Pechhütte in Nordwest.

Zu Anfange der 2ten Spalte ist zu bemerken, dass die v. Röder, auch jetzt noch blühen, nur nicht im sächsischen Voigtlande. Erbaulich klang ihre frühere Familiensage, Kaiser Heinrich I. habe dem Stammvater Hannibal Reinhard Röder das Adelsdiplom in einem goldenen Becher überreicht.

Als Gutsherr fehlt im Album für das Jahr 1428 Konrad Molsdorfer, den man vielleicht auf Mühltrof beziehen, und wegen dessen man den Besitz der Marianer nicht eben gar früh annehmen darf. Die jetzige Besitzerin – seit 1836 – ist Frau Theresia Maria Arnold, geb. Nicolai. – Das allodiale neuschriftsässig gewesene Gut behielt seine Erbgerichtsbarkeit über die kleinere Hälfte des Ortes (denn über 3 Begüterte und 3 Häusler gehörte sie nebst der ganzen Obergerichtsbarkeit dem Amte Plauen von jeher) bis in den Mai 1856. Ausserdem hatten auch die Thossfeller und Pöhl-Helmsgrüner Gerichte schwache Antheile. 1834 zählte der Ort in 36 Häusern 213 –, 1858 in nur 35 H. 245 Seelen, und der Gutssprengel gab 1801 nebst einem Viertel von Möschwitz 122 Consumenten an. – Nach Obigem ist S. 150, in Z. 19, das Wort „selbstständiger“ zu streichen, und Z. 22 wolle man für Blankenhain setzen: Blankenstein an der Saale. – Das Rittergut Bergen hat hier blosse Lehnleute. – In der Mitte der 2ten Spalte ist die Stadt Treuen gemeint.

Dass das Gut nicht altschriftsässig gewesen, erklärt sich wohl nur durch den Ordensbesitz, indem es, versehen mit einer Burg, offenbar den alt-selbständigen Gütern des Voigtlandes beigehören musste. Dagegen besass es längst die Landtagsfähigkeit, welche der Kammerherr und Verdienstordensritter Karl Gustav v. Beust 1817 benutzte, wobei er in den weitern Ausschuss kam. 1838 hatte das Gut Freiherr Bernhardt v. Beust, verkaufte es auch an Keller erst 1850. – Die Lehnhoheit haben 1327 die Plauischen Vögte der Krone Böhmen aufgetragen. Vom Reste der Burg, einem geringen Herrenhause, enthält Limmers Geschichte des Voigtlandes (bei S. 418) eine geringe Abbildung. – 1855 versteuerte das Gut seine 263 Acker Landes nach 3227 Einheiten, [14] wurde nur auf 43600 Thlr. geschätzt, jedoch von der Wittwe Keller – ihren Kindern zu Gunsten – um 45000 Thlr. angenommen, aber auch sogleich wieder öffentlich ausgeboten.

Göltzsch obern und untern Theils und Niederauerbach. (S. 107 d. A.) Diese 3 Güter, davon zwar Untergölzsch nur den kleinern, die beiden übrigen aber den mittleren beizurechnen sind, bilden mit den ihnen unterliegenden, nahen, zusammenhangenden Häusern den grossen Ort (Marktflecken oder nach dem Sprachgebrauche auch nur das „Dorf“) Rodewisch, dessen Namen Manche für deutsch nahmen, auf eine Goldwäsche oder Seifnerei – davon sich jedoch keine Spur nachweisen lässt – an der Gölzsch bezogen, und daher Rothewisch geschrieben verlangten.

Weit wahrscheinlicher aber ist er slawisch, sollte entweder Rodewitz (d. h. Burgdorf) oder Randwitz (d. h. Erzdorf) heissen, und kam ursprünglich wohl nur dem nicht an der Gölzsch, sondern an dem Wernsbache gelegnen Hauptheile des Ortes zu. Denn der andere, in süd-nördlicher Richtung an der Gölzsch hinab sich 2/3 Stunde lang ausdehnende Haupttheil, der am obern Ende das Rittergut Ober-, in der Mitte Untergölzsch, und nicht weit oberhalb des niedern Endes Niederauerbach enthält, scheint nur allmälig auf dem Boden dieser 3 Güter angesetzt zu sein. Noch jetzt nennt man den Theil an der Wernesbach, welcher 1/3 Stunde lang aus Osten her auf den Gölzschtheil stösst, insonderheit Rodewisch, so dass selbst die Vertheidiger der Deutschheit des Namens die „rothe Goldwäsche“ wenigstens nicht an der Gölzsch, sondern nur am Nebenbache suchen dürften.

Die Wässer vereinigen sich dem erhöhet überm linken Gölzschufer stehenden Gute Untergölzsch östlich gegenüber, und von da aus fliesst die Gölzsch mehr nordwest- als nordwärts. Einzelgebäude giebt es am Wernsbache selbst noch 1/2 Stunde östlich von diesem Punkte. Obergölzsch aber liegt 1/4 Stunde nördlich unterhalb der allgemeinen Amtsstadt Auerbach, wogegen von den Walz- und Drahthütten des mit dem Rittergute Niederauerbach verbundenen Messingwerkes, mit denen der Ort in Norden schliesst, Lengenfeld nur noch 3/4 St. nordnordwestlich entfernt liegt. Hier steigt in Nordost der hohe Knoch (Knochen, d. h. dürrer klippenreicher Berg) an.

Die beiden genannten Städte verbindet die längs der Gölzsch sich fortziehende Chaussee; diese kreuzt in Untergölzsch eine andere, welche dann längs dem Wernesbache hinaufzieht. Auf der durch beide Wässer sich gestaltenden Gebirgsecke (also rechts der Gölzsch, aber links vom Wernsbache) steht 5/8 Stunde von Auerbach und 11/2 östlich von Treuen die ansehnliche Kirche, deren uns nicht näher bekannte Seehöhe zu etwa 1350 Fuss anzunehmen steht. Die mittle Höhe der sehr ausgebreiteten Fluren fand man zu 1455 Fuss. Sie mag von etwa 1200 bis an 1700 Fuss variiren, indem Wiemann im Messingwerke 1238 Fuss gefunden hat. Die waldreiche Flur raint mit allen 3 genannten Städten, mit Sorga, Eich, Grün, Wernes- und Rützengrün.

Von 1834 bis 1858 wuchs Rodewisch von 363 auf 389 Häuser, von 2643 auf 3225 Seelen; 1852 aber gab es 400 Hausnummern. Untergölzsch gab seine volle Gerichtsbarkeit vorläufig 1849, definitiv 1851, Niederauerbach am 26. October 1855, Obergölzsch am 2. Juli 1856 an die Regierung, welche sie dem damaligen königlichen Gerichte in Auerbach zuwies.

Zu dem geschlossenen, die beiden Thäler in 3 Flügeln erfüllenden Orte gehören mehrere, unter besonderen Namen auf den Höhen verstreuete Häusergruppen und Einöden: links der Gölzsch die 3 Schäfereien der Herrschaften, rechts aber Rebesbrunn nächst der alten Schneeberger Strasse, Georgengrün (welches Schenk’s Karte Gürngrün schreibt) nördlich von der Wernsbach, Zeidelweide nordöstlich von Niederauerbach, aber zum Gute Obergölzsch gehörig. Nahe bei der Zeidelweide steht auch das unter 5 Viertelhüfner zertheilte Gut Ludwigsburg, welches nach Untergölzsch gehört, wie denn überhaupt die 3 Gutssprengel hier und da in einander greifen. Die letzten Häuser am Wernsbache heissen der Otterzipfel. Erhaben stehen in Nordwest die Drescherhäuser, an der Gölzsch aber das untere Pochwerk, und jenseits desselben noch die Wollspinnerei, so dass diese näher an Grün, als an Niederauerbach liegt.

Hat Rodewisch nach Verhältniss auch nicht viele Fabriken, so arbeitet es doch sehr fleissig und allgemein für die Fabrikshandlungen in Eibenstock, Schneeberg und den 3 nächsten Städten, ingleichen im Messingwerke, in den beiden Papier- und den – jedoch geringeren – Spinnmühlen, im Wald und beim Flössen, beim Russ- und Pechbereiten; es wird viel ausgenähet, auch noch etwas geklöppelt. 1830 aber war bei der drückenden Noth Rodewisch einer der unruhigsten Orte des Landes.

Von den 1794 Consumenten, welche die 3 Güter 1801 angaben, kamen 559 auf Ober-, 571 auf Untergölzsch, 661 auf Niederauerbach. Sie bewohnten jedoch nicht insgesammt Rodewisch, sondern zum Theil auch die zugehörigen Mulden-Orte zwischen Rautenkranz und Tannenbergsthal: das Bretmühlen- und Muldenhammerrevier, das hohe Haus und Jägersgrün. Diesen District hat nämlich (vgl. das Suppl. zu Auerbach) die Gölzscher Herrschaft sich vorbehalten, als sie an den Kurfürsten ihre Hauptwälder nebst Schönhaide, Stützengrün, Neustädtel, dem Terrain des heutigen Hundshübel und des Filzteiches verkaufte. – Das erwähnte Beiörtchen Georgengrün hat Leonhardi (Bd. 3. S. 432) mit dem Dörfchen Georgengrün zwischen Rautenkranz und Auerbach vermengt; auch fehlt es im Ortsverzeichniss von Sachsen. Das Album nennt S. 108. Gölzsch eine Herrschaft; aber es lag vielmehr in der Herrschaft Auerbach. Eben da wolle man das „von“ vor Reuss streichen.

Der Name Rodewisch, wenn er – nach aller Wahrscheinlichkeit – slawisch ist, nöthigt uns zur Annahme einer Burg, wenn sie auch nur ein „Vorbuwen“ der Auerbachischen gewesen. Man kann sie auf den Stätten der Kirche oder aber des Rittergutes Untergölzsch suchen, davon Obergölzsch und Niederauerbach anfangs wohl nur Vorwerke gewesen. – Der im Album erwähnte „Diener“ des Dohnaischen Burggrafen war der „Reisige“ (Adjutant) Matthias Daubennest.

Das Obergölzscher Herrenhaus hat zwar (s. Album, S. 108, Z. 1. v. u.) Schlossrecht, aber nicht das Aussehen eines Schlosses, und steht (nebst der fast anstossenden obern Papiermühle) in des Thales Tiefe, rechts vom Flüsschen, bei der Mündung des von Sorge kommenden Baches. – Zeidelweide dürfte, wie Zeidler bei Tharandt, seinen Namen allerdings von der Sommerfütterung haben, zu welcher die Zeidler ihre Bienen in hiesige Wälder brachten.

Da von den 3 Gütern Obergölzsch 45883/5, Untergölsch nur 2018, Niederauerbach 6143/7 Einheiten versteuern, deren Totale also nur 12750 beträgt, so kann man – abgesehen vom Messingwerke – den Gesammtwerth wohl kaum zu Million Thlr. anschlagen; wäre aber der Verkauf von 1563 unterblieben und die Waldung sorgsam bewirthschaftet worden, so würde jetzt eine Million kaum langen, die Güter auszukaufen. – Wie die Ortsflur eine Rebesgrünische Parzelle umschliesst, so hat Obergölzsch wiederum eine Parzelle in Schnarrtanner Flur.

Die Collatur wird seit 1848 nicht mehr von den Auerbacher Herrschaften, sondern vom. Cultusministerium geübt. Die Orgel lieferten Jehmlich und Sohn in Zwickau. Die 1854 gebaute untere Schule steht in Niederauerbach. Einen besondern Pfarrer erhielt Rodewisch erst 1706. Die Prärogativen alter Schriftsassen, namentlich die individuelle Landtagsfähigkeit, haben die 3 Güter erst am 24. November 1741 erlangt.

In eine nähere Besprechung des Messingwerkes einzugehen, hat das Album wohl mit Recht vermieden; näheres findet man darüber in den Erdbeschreibungen Sachsens von Engelhardt (III, S. 116–124) und Leonhardi (III. S. 432–434), folglich auch im Lexikon von Sachsen (VII, S. 181 f.) – Wohl aber sind dem, was das Album über Rodewisch im Allgemeinen und über die Rittergüter im Besondern gesagt, noch einige Notizen beizugeben.

Hanns Heinrich E. v. d. Planitz auf Obergölzsch (dessen Gehöfte noch jetzt der alte Wallgraben umgiebt) wurde am 9. November 1584 bei einer v. Schaurodtischen Hochzeit in Zwickau von Martin Römer tödtlich verwundet. – Dem 1680 verstorbenen Kammerjunker und Rittmeister Joachim Friedrich v. Beust folgte sein gleichnamiger Sohn; da nun aber ein Joachim Friedrich v. Beust auch wieder 1771 nach langem Besitze gestorben, so scheint dieser dänische Geheimerath des ersten Jochim Friedrichs Enkel gewesen zu sein.

Ausser der oben erwähnten Weissbachischen Papiermühle steht noch die Döhler’sche unfern des Gehöftes von Untergölzsch. Noch ist der Bleiche und Appreturanstalt der Gebrüder Müller (in Lengenfeld,) der Spinnereien von Heberer, von Kölbel, von Illing, von Meissner - wobei zugleich eine Tuchfabrik –, des Keilig’schen Geschäftes in Weiss- und Strumpfwaaren zu gedenken. Das bisherige Möckel’sche Gut in Obergölzsch, zugleich Spinnerei, wurde 1859 auf 11159 Thlr. geschätzt.

Mit dem Rittergute Niederauerbach, jede welches ein schönes 15 Fenster breites Herrnhaus und auf der Höhe in Südwesten seine Schäferei hat, ist das zugleich besessene Messingwerk völlig verbaut. Dasselbe hat auch seine eigne Fabrikschule. Unterhalb desselben, eine gute Strecke weit, bleibt in dem Flusse kein Fisch, und noch weniger kommen Perlmuscheln hier fort. –

Für die gesammten Besitzer des Werkes und Gutes trägt immer ein Hauptgewerke die Lehn, und sie ging von denen v. Mangoldt um’s J. 1750 auf den Hofrath Zeuner in Leipzig über. 1844 übernahm die Lehn über den Hofrath-Wenck’schen Antheil ein Herr Haase; andere Antheile waren den Frauen Dr. Schreber und Dr. Döring; der Hauptgewerke aber ist schon lang der Kammerherr v. Burkersroda in Thüringen, wie auch schon 1819 ein Amtshauptmann v. Buckersroda dieses gewesen. – 1827 waren Mittheilhaber die Schmidt, die Müller und die Sonnenschmidt, wozu 1830 noch die Wenck kamen. Der, welcher die Eisenhütte in ein Messingwerk umschuf, war Peter Ficker, und 1639 besass es jener Hofrath Dr. Georg Abel Ficker, der 1650 mit einem Fräulein Felgenhauer Riesa erheirathete, und dem ein Dr. Conradin Ficker im Besitze des Messingwerkes vorhergegangen sein soll. Mit diesem sind jene zu Ellefeld an der rothen Gölzsch und oberhalb Rautenkranz an der Mulde wie Filialanstalten verbunden. Berühmt ist das Werk besonders durch seinen Drath, von dem man 1 Pfund fast bis zur Länge einer Viertelstunde auszieht, so dass sich mit 340 Ctrn. dieser dünsten Sorte die ganze Erde umspannen liesse. Der Absatz soll gegen den Anfang des Jahrhunderts verglichen, abgenommen haben; vor 30 Jahren rechnete man gegen 600 Ctr. Tafelmessing, 200 Ctr. Draht, etc., 1818 aber soll man nur 750 Ctr. Draht, 500 Ctr. Tafeln und 50 Ctr. Bruch verkauft haben. Damals arbeiteten hier 100 Menschen. – Das Rittergut hat Brauerei, an der Chaussee ein Gasthaus (das frühere Verzinnhaus) und in der Schnarrtanner Flur 2 Parzellen.

Untergölzsch kaufte 1856 Herr Karl Rother, nun Friedensrichter im Auerbacher Bezirke; ob identisch mit dem Inhaber der berühmten Rother’schen Fixbleiche und Appreturanstalt, welche am 2. November 1854 ein Brand nebst aller Maschinerie verzehrt hat, ist uns zur Zeit unbekannt. – Dieses Mannlehngut hatten 1850 zum Theil der Lieutenant Karl Albrecht Eugen und Karl Julius Richard, die Söhne des Majors Karl Julius Gottlob Edlen v. d. Planitz, welcher diesen Theil 1847 von seinem Vater Karl Gustav Victor geerbt, ihn jedoch 1848 an seinen Oheim Karl Friedrich August verkauft hatte, welcher aber bald nachher starb, und somit den Antheil den obgenannten Grossneffen hinterliess. 1851 findet man als Besitzer den erwähnten Karl Julius Richardt nebst einem Karl Arthur August, der vom Hauptmann [15] Karl Friedrich August die andere Gutshälfte geerbt hatte. – 1839 ist auch ein Appellationsrath v. d. Planitz Mitbesitzer gewesen; ob vielleicht identisch mit dem jetzigen Geh. Finanzrathe Karl Friedrich Günther E. v. d. Planitz ?? – Die unbeträchtliche Gutswirthschaft betrifft nur noch 63 Acker Feld und 45 Acker Grasland.

Derjenige Herr Hermann Adler, welcher 1844 das Mannlehn Obergölzsch ausschliesslich übernommen, auch Friedensrichter geworden, starb 1859; er hatte nebst Franz Adler gemeinsam den Besitz 1836 vom Vater geerbt.

Die schreckliche Fluth der Gölzsch im August 1858 zerstörte in Rodewisch 7 Brücken. – Nächst beim Messingwerke quillt ein Mineralbrunnen, welchen auch der Salzfactor Steimbeck mit dem Gedanken an ein Bad 1727 muthete. Das Wasser, etwas minder kalt, als die übrigen nahen Quellen, setzt Eisenocher ab, und schmeckt nach Vitriol, ist jedoch nie ernstlich benutzt worden. – Der Thonschiefer enthält hier edlen Serpentin oder Ophit und in seinen Quarzenstern auch Strahlstein.

Gutenfürst (S. 27 d. A.) hätte man nach heutiger Orthographie richtiger Gutenfirst zu schreiben, da man die Bergrücken nicht mehr Fürsten, sondern Firsten nennt. Es gilt hier also gleiches mit den verschiedenen Fürstenbergen im Erzgebirge, z. E. bei Kirchberg, Grünhain, Wiesenthal, deren gewöhnliche Schreibung zum Theil zur Ableitung von Fürsten (Principibus) verleitet hat. Das „Guten“ erklärt man wohl am besten durch Jutta (Judith,) welches der Montane wie Gutta ausspricht.

Zu den im Album genannten Nachbarorten kommen noch Gerbersreuth im Reussischen, Hartmanns- und Münchenreuth in Bayern.

Gutenfürst liegt 13/4 Meilen südwestlich von Plauen, 11/4 Meile nördlich von Hof, 1/2 Meile östlich von Hirschberg. Die Eisenbahn hat in ihrem tiefen Durchstiche auf hiesiger Flur 1753 Fuss Seehöhe, womit wir 1423 Fuss über der Pleisse vor Connewitz meinen; die mittle Seehöhe der Flur beträgt 1710 Fuss. – Von 1834 bis 1858 wuchs der Ort von 34 auf 40 Häuser, von 219 auf nur 237 Seelen. Das Rittergut gab 1801 in seinem Zubehör 191 Consumenten an, und dieses begreift noch ein Haus in Krebes, eines in Stöckigt, die untere (Ulrichs-) Mühle in Kemnitz, und einen geringen Antheil an Grobau welches auch S. 28, Z. 1 statt Grabau zu setzen ist. Nur in Gutenfürst selbst aber hatte das Gut die volle Gerichtsbarkeit, welche im October 1855 auf das Amt überging. Als amtsässig entbehrte es der Landtagsfähigkeit, wogegen 1847 der heutige Besitzer Kammerdeputirter gewesen. – Ueber einige Flurstücke gehört die Lehn dem Staate, der auch die Haltstelle an der Eisenbahn besitzt. Das Rittergut (welches auch Brauerei treibt) hat zur Bahn für etwa 1850, der ganze Ort aber für mehr als 3200 Thlr. Boden verkauft. – Dass die Ziegelhüttenhäuser bei Ruppertsgrün hierher gehören, ist wohl ein Irrthum. Was es mit hiesiger Fürstenstube für Bewandniss habe, ist uns unbekannt; hätte vielleicht einst ein Kurfürst hier gejagt? – Zu den hiesigen Feilitzschen gehören auch Reimbold[VL 1] vor 530 – und der unter Heinersgrün genannte kaiserliche Obermarschall vor 300 Jahren.

Heinersgrün, auch Heynersgrün, (S. 21. d. A.) unterliegt nun dem Gerichtsamte Oelsnitz, hatte 1834 in 61 Häusern 309 – 1858 aber in nur 60 H. 367 Seelen, deren Zahl zuletzt etwas zurückgegangen, und liegt 3 Stunden westlich von Oelsnitz, 21/4 nordöstlich von Hof, an dem nahe in Osten die Feile erreichenden Holzbächel, und am nördlichen Fusse der ansehnlichen Blosenberger Höhe. Die Flur trägt auch den auf Schenk’s Karte noch nicht vorkommenden Nebenort Marxgrün, und hat die mittle Seehöhe von 1591 Fuss, also um 114 Fuss minderer Höhe, als die Blosenbergische. Die Clarencapelle fand Wiemann 1678 Fuss hoch. Das nächste bayrische Dorf Trogen wird im Album Trögen genannt. Auch das daselbst erwähnte Rittergut Zedtwitz liegt in Bayern.

Als langjähriger Besitzer starb 1830 der bayrische Kämmerer Lazarus Heinrich Georg v. Feilitzsch; seines Neufolgers und des nun mehrigen Besitzers Gemahlin, Amalia Natalia Ernestine Christiane, geb. v. Wölker, besitzt das untere Gut zu Liebschütz bei Ziegenrück.

Heinersgrün selbst gehört nicht völlig zum Rittergute, da 3 Häuser (jedenfalls als einstiges Besitzthum des Deutschordens) beim Plauischen Rathe zu Lehn gehen. Oessa oder die Esse sind 2 in Westen abgelegene Häuser: ein anderes isolirtes Haus heisst Wolfstaude. Jenseits der Feile, welche die Hammermühle treibt, verbreitet sich das Feileholz, welches man auf einen eingegangenen Ort bezieht, der vielleicht für Feilitzsch in Bayern der Mutter-, dann also für die v. Feilitzsch der erste Stammort gewesen. – Von Rammoldsreuth gehören hierher 6, von Zettelsgrün 3 Häuser, wogegen an den übrigen im Album genannten 4 Orten Heinrichsgrün blos lehnbetheiligt ist. Dagegen war noch Blosenberg zu nennen, wo ausser dem herrschaftlichen Vorwerke auch noch 1 Haus dem Rittergute unterliegt. Das bei Heinersgrün eingerechnete Marxgrün bildet nun ein Dörfchen von 7 Häusern. Esse würde man wohl am richtigsten Esche nennen: mehrere böhmische Orte heissen so. – Den Lehrer in Heinersgrün wählt die Herrschaft.

Der Ort hat ursprünglich nicht zum Voigt-, sondern zum Regnitzlande gehört, kam aber zugleich mit Blosenberg, Ebersberg und Hartmannsreuth durch den Bobenneukirchner Vertrag zum Voigtland: anfangs zwar ohne die Obergerichtsbarkeit, welche aber das Rittergut nachträglich erlangte. Lehnleute hat dasselbe auch noch in Ruderitz, Ottengrün und Grosszöbern. Seine Gerichtsbarkeit aber gab es zunächst für das Voigtsberger Amt – am 22. April 1856 ab.

Leonhardi stellt das Gut unter die neuen Schriftsassen; aber die Rolle der landtagsfähigen Rittergüter vom J. 1819 bezeichnet es als altschriftsässig; 1562 dagegen war es nur amtsässig, und die v. Feilitzsch (Christoph und Hanns) ställten dafür 3 Ritterpferde. – Das Gut hat bedeutende Holzen, eine Ziegelei. und mit dem Vorwerke Blosenberg 6120 Steuereinheiten, deren 210 in den Plauischen Bezirk gehören.

Als Besitzer ist noch zu nennen der 1732 gestorbene Major von Pöllnitz.

Irfersgrün (S. 103 d. A.) liegt von Auerbach nur 21/2, dagegen von Kirchberg 13/4 Stunden entfernt, in einer ausserhalb der bedeutenden Waldungen kahlen und nur sanft wogenden Gegend; rauher, als dieses die mittle Flurhöhe von 1356 Fuss erwarten lassen sollte. Die Kirche fand Wiemann nur 1283 Fuss hoch. Die auch eine Hirschfelder Parzelle umfassende Flur raint mit Hirschfeld und Waldkirchen, mit Bechlers-, Stangen-, Voigts- und Hauptmannsgrün.

Den Namen bezieht das Album richtig aus Ehrenfried, und schon 1349 erscheint er mit der Schreibung Erefridersgrune; da er aber selbst 1271 noch, wo der Ort als ein Reichenbachisches Filial vorkommt, Ernphornsgrune lautet, so lässt sich nicht bezweifeln, dass man auch den Namen Ehrenfried nur durch die Verderbung des altdeutschen Namens Aribo, Erwin oder Erbo (Erbe) gebildet hat. Irfersgrün hat somit denselben Etymos, wie Erfurt, Erfenschlag u. Erbisdorf.

Unter den im Album genannten Besitzern hatte v. Lichtenhain 1753 auch Draschwitz bei Zeitz, und v. Carlowitz war Major.

Das früher altschriftsässige und landtagsfähige Rittergut ist noch jetzt ein Mannlehn, und wird von den Ortsbewohnern noch häufig der „Schlosshof“ genannt, obwohl das jetzige, zwar gefällige, aber kleine Herrnhaus keineswegs ein schlossmässiges Aussehen hat, auch sein Vorplatz, der es von der umfangreichen Hofröde einigermassen scheidet, mehr eine blosse Terrasse[WS 2], als einen Hof darstellt.

Die Pfarrei Irfersgrün unterliegt nicht der Plauischen, sondern der Auerbacher Ephorie. Das Dorf treibt, wie Voigtsgrün, starkes Waldgewerbe, darunter auch Pechsiederei, und ist 1834 bis 1858 von 103 zu 112 Häusern, von 547 zu 738 Seelen angewachsen. Einige Flurstücke lehnen dem Rittergute Neuschönfels, ohne Zweifel als früheres Zubehör des zu Hirschfeld gewesenen Rittergutes. – Auf mehreren Punkten gräbt man Torf, besonders lebhaft aber 1/3 Stunde westlich vom obern Theile des fast 1/2 Stunde langen Ortes, im Burkhardswalde. Der am Rummelsberge in Norden sich verbreitende grosse Waldteich gehört nicht in die hiesige, sondern in die Voigtsgrüner Flur; noch grösser ist der am Wege nach Auerbach gelegene Hauptteich. – Südlich vom Orte verstreuen sich noch weithin die wenigen Höllhäuser. – Im Walde an der Lengenfelder Chaussee bricht man Granit, der sich durch seine grossen Feldspathwürfel auszeichnet, und mitunter die sogenannten „Irfersgrüner Diamanten“ (sehr klare Bergkrystallchen) enthält.

Selbst in ihrer Verbindung machen die mit 27062/3 Steuereinheiten belegten Güter Irfersgrün und Voigtsgrün kaum ein Mittelgut aus. Sie haben aber eine nutzbare Wirthschaft, bekannt durch das als Samen sehr gesuchte böhmische Wald- oder Propstei-Korn. – Das nunmehr sehr kleine Beigut Voigtsgrün war ehehin wohl ein Vasallengut der Schönfelser Herrschaft, wie das nahe Hirschfeld im Kirchberger Amtsbezirke. Wir fügen dem, was das Album schon über dieses Voigtsgrün beigebracht, noch Folgendes bei. Grösser, als die Wolfspfütze. ist das nach Rottmannsdorf hin in Norden sich verbreitende Holz, der Münch genannt, welches wohl leichter eine Holzmark München sein könnte, als auf ein Kloster zu beziehen ist, da ein solches, das nicht eines Bettlerordens gewesen, weit und breit hier gefehlt hat. Die Voigtsgrüner Flur wird, gleich der Irfersgrünischen, durch zahlreiche Granitblöcke geschmälert. Sie hat nach Fallou nur gegen 1350, nach der Vermessung aber 1391 Fuss mittler Seehöhe. In Südost scheidet ein Bächlein das Dorf und den Teich vom Thiergarten: einem umzäumten Lustwäldchen mit hohem Laub und Nadelholze. Das Dorf enthielt 1834 in 25 Häusern 166 –, 1858 in 27 Häusern 198 Seelen, die seit dem 15. Mai 1856 dem Gerichtsamte Kirchberg unterliegen. Das von der Strasse durchzogene kleine hübsche Vorwerk, welches zugleich Jäger- und Schenkhaus ist, war ehemals wirklich ein selbstständiges Rittergut, und zeigt auch noch den Rest eines uralten burgartigen Herrenhauses, das jedoch wohl mehr eine blose Kemnate, als ein eigentliches Schloss, gewesen. Die beiden hohen Mauern desselben gewähren einen malerischen Anblick. Die Lehncurie behandelt auch jetzt noch Voigtsgrün wie ein besonderes Ritterlehn; Landtagsfähigkeit aber hatte es mindestens 1817 nicht mehr. – Entfernt im Westen stehen auf der Hochebene 2 Häuser, davon das Herrschaftliche sogen. Drescherhaus ehemals ein Forst- und Schenkhaus war. In Nordosten sieht man an der Strasse nach Planitz ein trauriges Denkmal. Es gilt einem noch jungen Manne, Christian Friedrich Meyer, schon Vater von 6 Kindern, der am 20. November 1842 (nach den Worten der Inschrift) hier „meuchlerisch erschossen“ worden. Weiter in Norden steht am Mönch die herrschaftliche Ziegelei, weit in Süden aber einsam im Walde am Au- oder Quirlbache die Lochmühle. Die Namen der verschiedenen Streithölzer und des Königsholzes bezieht die Sage auf die heidnischen Serben, die von den Deutschen hier noch endlich besiegt worden seien.

Der im Album erwähnte Cölestin soll in den Drusenräumen eines quarzigen Hornsteinfelsens (so drückt sich v. Leonhard aus, wahrscheinlich in Urkunde der hiesigen Gegend-Gestaltung) vorkommen. Auch giebt es hier glimmerigen verhärteten Talk.

Nach lrfersgrün rückkehrend, begegnen wir zuerst dem v. Arnim’schen Gütertausche. Welches Wölkau hierbei gemeint sei, ist uns unbekannt; Bücher erwähnen dessen nicht, wohl aber, dass Neusorge nicht mit in den Haupttausch gehörte, vielmehr besonders an den Kammerherrn Wolf Christoph v. Arnim gegen seinen besondern Antheil an Pretzsch vertauscht worden ist. – Die Löser haben zu der hier [16] gemeinten Zeit noch kein „von“ vor ihrem Namen geführt. – 1801 hat das Gut (ohne Voigtsgrün, aber mit seinem Drittel von Pechtelsgrün) 432 Consumenten angegeben. Das übrigens zu Plohn gehörige Pechtelsgrün hatte 1858 in 56 Häusern 302 Bewohner, welche starke Pechsiederei treiben. 4 Grundstücke seiner Flur lehnen Herrn v. Metzsch wegen der Reichenbacher Commende.

Kauschwitz (S. 142 d. A.) hat seinen Namen offenbar von dem slawischen Worte für dampfen, rauchen, und könnte also durch Branddorf übersetzt und so gedeutet werden, dass man für dessen Anlage ein Stück Urwaldes hinweggebrannt –, oder auch so, dass man es auf einer Brandstätte angelegt habe; letzternfalls müsste zuvor ein Ort andern Namens da gestanden haben. – Das Dorf enthielt 1834 in 62 Häusern 346 –, 1858 zwar in 65 Häusern 391 Seelen, war aber doch in letzter Zeit etwas zurückgegangen; es raint mit Zwoschwitz, Schneckengrün, Syrau, Jössnitz und einigen Plauischen Stadtgütern; seine nur mässig tragbare Flur hat zur mittlen Seehöhe 1383 Fuss, übersteigt also die Plauische um 131 Ellen.

Das Rittergut gab 1801 in seinem Sprengel, über den es die volle Gerichtsbarkeit bis in den Mai 1856 behielt, erst 309 Consumenten an; 134 gehörten dazu in Steinsdorf, Syrau und Zwoschwitz je 1 Haus, eben so in Mehltheuer und Drochaus, dagegen 4 in Hundsgrün, 2 in Oberpirk (wofür im Album wiederholendlich Oberzirk steht) und 53 in Kauschwitz selbst. Woher diese sonderbare Zersplitterung der 8 Orte gekommen, ist unbekannt.

Das Gilt steuert nach 33584/5 Einheiten, eingerechnet den nordöstlich am Holze vor Jössnitz gelegenen Thannhof.

Selbstverständlich ist S. 143, Z. 3. das 5te Jahrhundert zurückzuweisen, und Z. 9 ist bei dem Worte „Vorwerke“ daran zu denken, dass das so übersetzte Wort im Mittelalter auch dasselbe bezeichnete, was später ein amtsässiges Rittergut hiess. – Z. 15 ist die Jahrzahl 1515 falsch, indem Johann Friedrich erst 1503 geboren war. Unter „Henos“ hat man sich „Hannus“ zu denken, welchen Namen manche über die Grammatik erhabene Edelleute der Vorzeit aus Hanns oder Johannes gebildet haben. – Z. 3 v. u. wolle man die Worte „in Lehn“ streichen.

1317 erscheint Jan v. Kuschewitz als Vasall des Plauischen Voigtes. – Wer derjenige Eberhard v. Kauswitz gewesen, der 1374 als ein „Herr“ vorkommt, ist unbekannt. Sollte er nicht vielleicht das Haupt in einer Elsterbergischen Nebenlinie der Lobdeburger Dynastie gewesen und somit auch die oben berührte Zersplitterung vieler Orte zu erklären sein? Das Geschlecht v. Kuschwitz hat man besonders von dem v. Kaschwitzischen in der Gegend von Gera zu unterscheiden. – 1428 war das Gut getheilt, so dass sowohl Hanns Rössnicz, als Niklas Beler (d. h. Nicolaus v. Pöhl) Besitzer waren.

Das nach sonstiger Verfassung altschriftsässig und landtagsfähig gewesene Rittergut ist längst allodificirt, besitzt die Collatur bei der Kauschwitz-Zwoschwitzer Schule, und kam 1857 gegen eine Summe an Herrn Ludwig Schäffer. Es gehörte vor 320 Jahren derjenigen v. Tettauischen Linie, welche ausser Syrau auch Schillbach, Mechelgrün und Neuensalz besass. – 1576 hatte Kauschwitz Jobst Heinrich von Watzdorf auf Jössnitz, Röttis und Syrau; 1725 der Appellationsrath v. Watzdorf, dessen Erben es aber veräusserten. Unter diese gehörte der Oberhofrichter zu Leipzig, welchen P. Richter in seinem Buche über Mühltrof ziemlich schwarz malt.

Die 6 Häuser auf der sogenannten Schützenwiese unterliegen der Syrauer Herrschaft; ebenso 1 Halb- und 1 Viertelhüfner dem Amte Plauen. Das hiesige Rittergut hat Lehnleute in Syrau, wie hinwiederum das Syrauische in Kauschwitz. Gerichtlich gehören jetzt die meisten der hiesigen Herrschaft unterthänigen Ortstheile unter das Amt Elsterberg. – Kauschwitz hat für den Bau der nahen Eisenbahn um etwa 3500 Thlr. Landes verkauft. – Am Tannhofe sind jetzt schon einige Häuser angesetzt, und es bereitet sich hier ein neues Dorf vor. Nahe dabei steigt die Platte an, welche weiterhin 1444 Fuss Seehöhe erreicht. – Das Rittergut, welches auch Ziegel- und Kalköfen hat, litt 1834 sehr durch denselben Wolkenbruch, der für Plauen so verderblich ward; dabei bildete sich eine Wasserhose, welche hier ein 15 Ellen tiefes Loch ausgewirbelt hat.

Zu Anfang der 2ten Spalte auf S. 144 setze man: „v. Wietersheim. Die daselbst erwähnte Holzmühle unterliegt dem Rittergute. In diesem ist 1759 der K. Hausminister und Generaladjutant Karl Friedrich Ludwig von Watzdorf geboren worden, der 1841 als Generallieutenant gestorben. – Hinsichtlich des Namens ist nachholendlich zu erwähnen, dass man ihn auch von den slawischen Worten für den Buchweitzen und für ein Versteck hergeleitet hat; aber ersterer wird vielleicht nie hier gebaut worden sein, und der Ort liegt nicht versteckt.

Kemnitz (S. 118 d. A.) bedeutet nach dem Slavischen s. v. a. Steinbach, und es mag auch wohl in dem (1 Stunde westsüdwestlich von hier am Misslareuther Galgenpöhl quellenden) Kemnitzbache ursprünglich nicht an Steinen gefehlt haben, bis man sie unterhalb des Dorfes zum Behuf des Flössens möglichst entfernte.

Kemnitz liegt 3 Stunden westlich von Oelsnitz; die ihm nächsten Städte aber sind das preussische Gefell, 11/2 Stunde in Westen, und das reussische Tanna, 2 Stunden im Nordwesten. Alle mit Kemnitz rainende Orte: Gutenfürst, Grobau, Reinhardswalde, Dehles, Schwand und Krebes, unterliegen zwar gleichfalls dem Amte Plauen – gleichwohl sind die bayrischen, reuss-schleizischen und preussischen Grenzen in der Nähe. – Wiemann giebt der Kirche 1554 Fuss Höhe; die Eisenbahn erreicht dagegen in südlicher Nahe, an der bayrischen Grenze, 1697 Fuss, wobei wir 1367 Fuss über der Connewitzer Bahnbrücke meinen. Die mittle Flurhöhe beträgt 1595 Fuss, unter bedeutender Variation und theilweis ziemlich rauher Lage; dagegen geniesst man schöner Fernsichten. Wird jedoch in dieser Beziehung vom Album das Fichtelgebirge erwähnt, so ist wohl nicht das – vermöge des Schneeberges und Ochsenkopfes ohnediess schon angedeutete fränkische, sondern das Wiesenthaler Gebirge gemeint, wo man auf dem böhmischen Keil- und den sächsischen Fichtelbergen den Kandelhof, aber auch über das Misslareuther Gebirge hinweg noch den Kulm u. a. Höhen des Lobensteiner Saalwaldes sieht.

Der zu Geilsdorf gehörige Kandelhof wurde unter diesem Gute schon besprochen; eben so Burgstein, dem jedoch hier noch einige Worte mögen gegönnt werden. Das Oertchen begreift nebst der von der Kemnitz getriebenen Kien- oder Kühnmühle 6 zu Ruderitz catastrirte Nummern, und liegt auf einer Höhe, Schwand schief gegenüber, südöstlich unterhalb Kemnitz.

Kemnitz zählte 1834 30, 1858 31 Häuser, damals 166, jetzt 182 Seelen, wie denn überhaupt dieser Theil des Voigtlandes hinsichtlich der Bevölkerung die meiste Stabilität in Sachsen aufstellt. Es ist jetzt nicht mehr nach Krebes, sondern (wie Reinhardswalde) nach Dehles geschult; dagegen blieb Gutenfürst bei der Krebeser Schule.

Das Rittergut steuert nebst seinem besondern Schäfereihofe nach 40421/7 Einheiten, hat zwar 3597/12 Acker (meist kargen) Bodens, wurde aber 1854 nur auf 24066 Thlr. taxirt, und gehört somit keineswegs zu den Mittelgütern. Bis in den October 1855 besass es die Erbgerichte (denn die Obergerichte hatte das Amt) über 3/4 von Kemnitz selbst (denn etwa 1/4 gehört zu Gutenfürst,) über sein eignes kleines Vorwerk in Dehles, über 3 Güter und 1 Häusler daselbst, über 2 Güter in Reinhardswalde und 1 in Ruderitz, zusammen 1801 über 142 Consumenten. Lehnweise kommen hierzu noch Flurtheile zu Messbach, Kürbitz und Kröstau. Das Gut entbehrte früher als amtsässig der Landtagsfähigkeit, hat die Allodialqualität, und gehört seit 1855 dem (nicht königl. sächs.) Kammerherrn Ernst Heinrich Georg v. Feilitzsch.

Eine interessante Frage für des Gutes Geschichte betrifft jenes „Gut Caminice in Sachsen,“ welches der Bamberger Bischof Otto von Andechs 1135 dem von der Henneberger Gräfin Luitgarde gestifteten Mönchskloster Vessra bei Suhl schenkte. Dass „Sachsen“ in der Urkunde das ganze Land jenseits der Süd- und Nordgermanien scheidenden Gebirge bedeute und also auch das Voigtland begreife, darüber kann kein Zweifel obwalten. Nun nennt die Urkunde zwar auch 2 thüringische Orte: Lützkendorf bei Mücheln, und Kirchscheidungen; aber in dortiger Gegend findet sich weder ein Dorf, noch eine Wüstung Kemnitz. Wohl aber lag das voigtländische Kemnitz sowohl den Andechser Gütern in Franken nahe, als auch in der Bamberger Kirchenprovinz. Daher dachte schon Schultes im diplomatischen Directorium an dieses Gut, welches diesenfalls das zuerst geschichtlich vorkommende im sächsischen Voigtlande, ja eines der ersten in Sachsen überhaupt sein würde. Es würde aber zugleich folgen, dasselbe habe anfangs dem tirolischen Hause Andechs zugestanden. Hätte daher der gerechte Spott noch so häufig die getroffen, welche den nun sächsischen Ort Merane mit Meran in Tirol in Ein Besitzverhältniss bringen wollten, so hätte die Andechser Dynastie doch mindestens einen nun sächsischen Ort wirklich besessen. Kemnitz hat schon 1428 ein Hinz Tenner besessen indem derselbe wegen „der kempnicz“ ein Plauischer Vasall heisst. Diesen Tenner darf man auch wohl unbedenklich für einen Feilitzsch auf Tanna halten, da der Heinersgrüner Reinhold v. Feilitzsch 1330 Kemnitz besessen hat.

Diesen Besitz schreibt das Richter’sche Buch über Mühltroff auch dem 1779 verstorbenen Karl Erdmann v. Kospoth zu, ohne sich über das (uns schwer begreifliche) Nähere auszusprechen. Jedenfalls muss dieser (wohl in das Jahr 1769 fallende?) Besitz ein sehr kurzer gewesen sein. – Eine Hälfte des Gutes hat 1835 Philipp August Heinrich v. Beulwitz zu Lehn erhalten.

Kleingera (S. 66 d. A.) wird auch Kleingerau oder Kleingörau geschrieben, daher eine Möglichkeit sich aufthut, dass der Name der Stadt Gera kein deutscher, sondern auf das slawische Gora, Hora, Berg, zu beziehen sei. Es liegt eine volle Stunde von Greiz, 1/8 von der Grenze und 3/4 Stunde westlich von Netzschkau, zwar an einem Greiz-Plauischen Richtwege, aber von der Chaussee weit entfernt. Dagegen ist nahe in Norden die Elsterberg-Netzschkauer Chaussee welche das Gebirge der Sose (in Süden) von dem des Pfannenstiels (im Norden) scheidet. Der Ort an sich lehnt sich an den tiefen westlichen Abhang der Platte; entfernter steigt im Südwesten, jenseits der Sose (einer offenbaren Holzmark) die Burgleithe an. Die im Mittel 1183 Fuss hohe Flur, welche zugleich die Oertchen Pfannenstiel und Reuth befasst, raint mit den greizer Orten Sachswitz und Döhlau, mit Coschütz und Thürnhof, mit Brockau und Netzschkau, und hat tragbare Felder. An sich enthielt 1834 der Ort in 23 Häusern 138 Seelen, hierbei 8 Halb- und 3 Viertelhüfner; einer der letztern und ausserdem 3 Häuser unterlagen der Coschützer, der Rest der hiesigen[WS 3] Herrschaft. Damals waren in Reuth 8 Häuser mit 40 –, in Pfannenstiel 2 Gütchen mit 11 Seelen wegen deren man das Ende des Artikels im Album vergleiche. Die vereinte Gemeinde aber zahlte 1858 in 35 Häusern 242 Bewohner.

Das Rittergut hat seine Schäferei in Reuth, und besitzt noch Tremnitz, Scholas ohne die 3 Ruppertsgrüner Unterthanen, und in Nosswitz 2 Dreiviertelgüter; 1801 gab es 319 Consumenten an. Es versteuert seine ansehnliche und wohlbestellte Wirthschaft mit auffallend grossem Gehöfte nach 46101/4 Einheiten. Die Ziegelei steht nördlich vom Dorfe, unfern der Elster. Am Pechofen müssen wir anjetzt zweifeln.

Statt „Kunthen“ lese man „Kunthe;“ denn auch andere Nachrichten [17] aus jener Zeit nennen den bei Leipzig stark begüterten Ritter Albert Knut oder Knaut, nach dessen Geschlecht auch Knauthhain, Knautkleeberg und Knautnaundorf genannt sind. Statt Waldsburg lese man Walsburg (an der Saale) und nehme es mit dem 9ten Jahrhundert nicht gar genau, beziehe auch den Johann v. Nuchenhowe (S. 67, Sp. 2, Z. 8) nicht etwa auf die Stadt Naunhof, sondern auf Neunhofen bei Neustadt an der Orla.

Der im Album erwähnte Oberhofmarschall Heinrich v. Bünau starb 1684. – 1821 kaufte Johann Gottlieb Golle auf Kleingera auch Neundorf. – Der heutige Besitzer, Herr Döhler, hat 1843 und 1851 die zweite Ständekammer besucht, und nimmt Theil bei der Revision der allgemeinen voigtlandischen Kreiskasse. Der Gerichtsbarkeit entsagte er am 16. October 1855; sie fiel dem K. Gericht zu Elsterherg und später dasigem Amte zu.

Um die voigtländische Landwirthschaft hat dieser Herr so grosse Verdienste, dass ihn seit 1852 der Albrechtsorden schmückt; 1856 erwarb er sich bei einer Ausstellung zu Paris mit seinem voigtländischen (aber wohl aber mit Allgauern gekreuzten ??) Vieh die goldne Medaille. Auch die Dampfbrennerei ist bedeutend. Des Gutes Neubau geschah nach dem Brande 1552. Die Reuther Schieferbrüche sind nicht herrschaftlich.

Kloschwitz. (S. 123 d. A.) Den Sinn dieses Namens sollte die vorgesetzte Präposition ka oder k nur vervollständigen; übrigens ist er kein andrer, als der von Loschwitz, über welchen freilich viel Streit ist. Das Dörfchen Loschwitz bei Leitmeritz nennen die Czechen Lowcôkowice, als sei der Name mit Lobkowitz einerlei.

Kloschwitz liegt 11/4 Stunde südwestlich von seiner Amtsstadt Plauen, zwischen Strassberg, Kröstau, Rodersdorf und Kobitzschwalde. Die Mühle steht am Rosenbach, nicht – wie auf Schenks Karte – am Goldbache. Die Flur übersteigt mit ihrer mittlen Seehöhe von 1281 Fuss die plauische um 129 Fuss. Das Dorf hatte eben sowohl 1858, als 1834, 308 Seelen damals in 47, jetzt in 49 Häusern. Einige Grundstücke lehnen dem Gute Schwand und dem Rathe zu Plauen. Der Leubnitzer Antheil am Orte bildete sich dadurch, dass Martin Röder die Mühle, 5 Güter etc. an Veit Röder (Heinrichs Vater) veräusserte.

Kloschwitz ist nicht erst im 15. Jahrhundert zum Rittergute geworden, da es schon als ein solches 1370 Ritter Moriz v. Feilitzsch besessen. 1428 hatte es Hanns von Raschau, 1521 Veit Röder. – Z. 6 v. u. muss so gemeint sein, es sei Philipp der erste hiesige Reiboldt gewesen; denn das Geschlecht ist weit älter. In der nächsten Zeile soll es statt „fürstlich“ heissen: markgräflich. – Zu Anfang von S. 124 ist „1725“ allenfalls ein Druckfehler für 1715; indessen findet man doch auch, Hanns Erdmann v. Reiboldt habe 1722 das Gut an seinen Vetter, den Kammerjunker und Oberforstmeister Hanns, gegen Reinsdorf vertauscht.

Für Naundorf soll es Nauendorff heissen. – Friedrich August Coder kaufte Kloschwitz erst 1850, und zwar als ein Alodium; Julius Herrmann Hager aber 1855. – Das Gut welches, seine Gerichtsbarkeit bis in den Mai 1856 behielt, hat 3707 Einheiten zu versteuern, gute Wirthschaft, Dampfbrennerei und Schäferei, gehört jedoch kaum in die Mittelklasse an Stärke, gab 1811 nur 175 Consumenten an, und war bis 1833 nicht landtagsfähig. Wegen der bis zur Reformation bestandenen Collaturverhältnisse gab es bisher 9 Gülden dem Plauischen Oberpfarrer (der zugleich Superintendent ist) und 9 Thlr. in das Amt, hat auch 2 Scheffel Korn an dasiges Ordenshaus, 11/2 Scheffel dem hiesigen Pfarrer, 6 Metzen Korn und 11/2 Metze Erbsen dem Schulmeister zu entrichten. – Bis 1833 war die Mühle herrschaftlich. Das Gut verzehrte mit der Brand am 26. August 1612, der überhaupt nur 2 Häuser des Ortes stehen liess.

Die hiesige Linie der Beulwitze besass auch Erlbach; s. dieses. Der S. 124, Sp. 1 erwähnte Christian August war nur 2 Jahre zuvor noch sächsischer Amtshauptmann gewesen. 1831 und 1833 fanden wir auch einen „Rittmeister Friedrich Ludwig v. Nauendorff auf Kloschwitz,“ wahrscheinlich doch nur als Lehnträger?

Der im Album nach Verdienst gewürdigte Pastor Karl Friedrich Grundmann war 1793 in einer armen Webersfamilie, aber gleichsam wie zum Lehrer geboren, was er denn auch in Pirna noch vor dem Bezuge eines Gymnasiums gewesen. Allhier nahm er erst 1827 einen Hilfslehrer an; später, wo sein Institut bis über 90 Zöglinge hatte, unterrichteten auch 7 Candidaten, 2 Schullehrer und ein Musicus hier. Zum grossen Plauischen Turnfeste 1842 zogen von hier 70 Zöglinge. Grundmann starb am 15. December 1850. Näheres über das vortreffliche Institut findet man im 1847er Jahrgang des Dresdner Tageblattes, No. 286, sowie 1850, No, 171. Für das Voigtland lässt sich das Kühn’sche Institut zu Oelsnitz und bald wohl auch das Meissnerische in Elster als einigermassen Ersatz gebend betrachten. Die umfassenden Institutsgebäude allhier haben den frühere Erbgerichtsgasthof absorbirt, und en[t]halten einen bedeutenden Saal.

Kröstau, (S. 101 d. A.) in Urkunden Crostein, Croestein etc., hat seinen slawischen Namen nach dem des Gestrüppes oder Dorngebüsches, in 26 Häusern 161 Seelen (1858 genau gleiche Zahlen mit 1834, was schwerlich weiter in Sachsen vorkommen dürfte!), raint ausser Kloschwitz und Strassberg auch mit Steins, Weischlitz und Rodersdorf, und hat für seine, nicht beträchtliche mässig-gute Flur die mittle Seehöhe von 1221 Fuss. Früher unterlag es obergerichtlich dem Amte Plauen, welchem auch 3 Güter und 2 Häusler erbgerichtlich unterlagen, wie 1 Hüfner dem Plauischen Stadtrathe. Ferner hatte das Gut Kürbitz über 2 Häuser die volle Gerichtsbarkeit, und des Ortes Rest gehörte erbgerichtlich zum hiesigen Rittergute, welches 1801 nur 113 Consumenten in seinem Sprengel angab, trotz seiner (Neu-) Schriftsässigkeit nicht landtagsfähig war, und im October 1855 seiner Gerichtsbarkeit entsagte. Diese begriff auch 2 Häuser in Schwand. In der Kröstauer Flur dagegen war das Gut Kemnitz lehnbetheiligt.

Das Rittergut versteuert 2899 Einheiten, ist demnach nur mässigen Werthes, hat aber eine angenehme und vortheilhafte Lage, eine besondere (doch nah gelegne) Schäferei, und einen eignen Revierjäger. – Das im Album erwähnte Deichsel- oder Deistelhaus steht 1/3 Stunde von hier süswestlich, östlich bei Steins. – 1428 erscheinen Engelhardt Kukhahn, Johann Roder (d. h. Röder) und Hanns v. Pünczendorf als die gemeinsamen Besitzer; Eberhardt Röder (s. Album) hatte es 1521. – Wolf Dietrich v. Posseck war mit unter denen, welche den letzten Eichelbert-Trützschler 1622 beerbten; vergl. Christgrün. – Vor dem heutigen Besitzer hatte (z. B. 1831) die Frau Major Kasten das Gut. Herr Heinrich Ludolf Kasten, seit 1852 Ritter des Albrechtsordens, ist mehrmals in der 2ten Ständekammer Secretair gewesen, und für den Plauischen Amtsbezirk einer der Friedensrichter.

Kürbitz. (S. 121 d. A.) Zur Deutung dieses slawischen Namens bieten sich zwar auch krbec, der Heerd, das czechische kur, der Rauch und der Buschdampf, sowie kurche, der serbische Schicksals-Gott dar; da er jedoch auch unter der Schreibung Korbitzs vorkommt, so ist wohl an den (bleibenden) Sitz eines Suppans oder Bezirksrichters zu denken: nur freilich nicht, wie das Album will, schon im 6ten Jahrhundert. Was dasselbe „adelige Freihöfe“ nennt, sind die mittelalterlichen Allodien oder späteren amtsässigen Rittergüter. Kürbitz aber war nach früherer Verfassung altschriftsässig, landtagsfähig, und im Besitze der vollen Gerichtsbarkeit, die es im Mai 1856 abgab. Ausser Kürbitz (wo auch das Amt und die Güter Kemnitz und Dröda Lehnleute haben) betraf sie noch 2 Unterthanen in Kröstau. Im Sprengel zählte man 1801 323 Consumenten, im Orte 1834 58 –, 1858 aber 59 Häuser mit resp. 353 und 403 Seelen, nachdem deren Zahl im letzten Trienium zurückgegangen.

Das Dorf liegt am rechten Elsterufer nahe unterhalb Weischlitz, und raint auch mit Strassberg, Thiergarten, Messbach und Taltitz. Die ausgebreitete Flur hat 1230 Fuss mittler Höhe, also 78 Fuss mehr, als die Flur von Plauen. Im Süden hat sie den Weischlitzer Kossberg, in Osten den Pinzenpöhl. Die Elster ist hier an 1100 Fuss hoch.

Zu Herren erhebt das Album die v. Kürbitz irrig. Bruno v. Cürbitz erscheint 1225 als Zeuge in einer Bischöflich-Naumburgischen Urkunde. – Von den beiden Rittergütern allhier war 1428 eines dem Peter Schlegeler, das andere dem Wilhelm v. Kospoth; den 3ten Antheil des Ortes aber hatte Hanns v. Magwitz ohne ein essentielles Gut. Damals galt die Schreibart „die kurwicz“ oder „die kürawicz.“ Von den jetzt bayrischen Gütern des Urban Heinrich v. Feilitzsch gehören Förbau und Schwarzbach schon längst den Fürsten Schönburg. Jobst oder Hiob v. Feilitzsch hat zwar 14 Feldzüge gegen die Heiden getheilt, aber dennoch 92 Jahre erreicht; sein Denkmal allhier zeigt sein kräftiges Portrait. Sein Sohn Moritz, der auch Kloschwitz besessen, erwarb sich am heiligen Grabe gleichfalls den Ritterstand, und starb ebenfalls sehr bejahrt erst 1370. Alles dieses gilt auch von dessen erst 1449 verstorbenen Sohne Eberhardt auf Kürbitz, Tobertitz und Unterlauterbach, und von Jobst, welcher Friedrich d. Weissen in den Orient begleitete, ausser Kürbitz und Tohertitz auch Treuen besass, und 1511 starb. Diese 4 Gutsherren sind nicht nur in ihrer ununterbrochenen Folge als Ritter vom H. Grabe, sondern auch als Männer von hohem Alter, gewiss einzig in Sachsens Specialgeschichte; statt der jetzigen 34 Jahre, dauerte bei ihnen ein Menschenalter 60 Jahre. Nahe stehen hierin ihnen wohl nur die v. Hartitzsch auf Dorfchemnitz. Jobsts 3ter Sohn und Erbe Urban lebte gleichfalls volle 100 Jahre, 1480 bis 1580, wie sein Denkmal in der Kirche besagt. Er hat vom Johann v. Geilsdorf auch Schwand geerbt, und seine Gemahlin war Katharina v. d. Planitz. Wahrscheinlich war derjenige Heinrich, dem Kürbitz 1526 gehörte, sein älterer, aber zeitig verstorbener Bruder gewesen. Sein Sohn Rudolf Levin konnte selbstverständlich ihn nicht lang, nur bis 1590, überleben; da folgte diesem Urban Kaspar, im Album Urban Heinrich genannt. Dieser brandenburg-bayreuthische Geheimerath, Canzler und Lehnrichter wirkte thätigst zum Abschlusse des westphälischen Friedens, erneute die Kirchen zu Kürbitz, Förbau und Schwarzenbach, erwarb seinen 6 Gütern (nämlich ohne Kürbitz, welches Mannlehn blieb) die Allodialqualität, wodurch sie später dem v. Steinischen Geschlechte zufielen, und starb am 17. September 1649 allhier mit dem Rufe hoher Gelehrsamkeit und reicher Verdienste um ganz Deutschland. In der Kirche (der er auch mehrere schöne niederländische Gemälde verehrt hatte) wurde ihm daher noch 1693 ein kostbares Denkmal errichtet. – Unter den späteren Besitzern nennen wir noch 1753 den Gardemajor Heinrich Ernst Ehrenreich v. Feilitzsch.

Das Rittergut hat bedeutende und stark rentirende Wirthschaft, meist mässig-gutes Feld, treffliche Wiesen, und 6588 Steuereinheiten; auch Lehnleute in Rodau, Weischlitz und Thiergarten. Die Summe von 110 Gülden, die es dem Pfarrer für Benutzung des grössten Theiles der alten Pfarrfelder zahlt, klingt zwar für diesen lockend, hat aber wegen des steten Abnehmens des Silberwerthes, wie alle Fixationen, die Pfarrstelle stark deteriorirt. Ueber das Kirchliche s. noch S. 69 des Album. Dem Ordenscomthur zu Plauen hatte die Kirche (z. E. 1503) 12 Gülden Absenzgelder zu zahlen, welche dem thüringischen Landcomthur zukamen. – S. 122, Sp. 1, Z. 4 v. u. setze man abermals Urban Kaspar statt „Urban Heinrich.“ Den Sp. 2 vorkommenden Biebel-Titel wird ohnehin Jeder berichtigen. – Sonst baute man die Eisenzeche „Willkommen,“ die zugleich einen plastischen Thon ergab.

[18] Lauterbach. (S. 64 d. A.) Die dasigen beiden Rittergüter, obwohl jetzt in einer Hand, bilden dennoch nicht ein einziges Gut, da jedes noch seine besondere Besteuerung hat: das obere nach 1541, das untere nach 2030 Einheiten. Ebenso hat jedes seine Unterthanen absonderlich, und vom Dorfe unterliegt etwa 1/4 dem obern, 1/3 dem untern Gute, der Rest dem Amte Voigtsberg, das auch von jeher die Obergerichte über den ganzen Ort übte. Seit dem Juni 1856 gehört aber die gesammte Gerichtsbarkeit königlichen Gerichten, auch über die Lehnleute der Stadt Oelsnitz und (seit dem 18. Octoher 1855) über die des Rittergutes Schönbrunn.

1834 zählte Lauterbach in 71 Häusern 416 –, 1858 in 81 H. 574 Seelen. Abgesondert stehen die Schaf- und die Kreuzhäuser, Erstere (1834 an der Zahl 8) unterliegen dem untern Rittergute allein, während von den Kreuzhäusern 2 nicht dem obern Gute, sondern dem Staate unmittelbar unterworfen sind. 7 Häuser gehören unter dem Namen Süssebach der Stadt Oelsnitz, und haben ihr eignes Cataster, obwohl ihre Flur von der Lauterbach’schen völlig umschlossen ist. Die Kreuzhäuser haben ihre Namen von einem Crucifix, welches sonst da gestanden, wo sich die Strasse nach Hof und nach Asch trennen. Dass Triebelbach mindestens früher sich zur Lauterbacher Commun gehalten, ist sicher. – Uebrigens gehören auch 2 Häuser in Ober- und 3 in Untertriebel zum obern Rittergute, welches 1801 der Consumenten nur 101, so wie das untere 92 angab. Beide waren bis 1831 nur amtsässig, also nicht landtagsfähig. – Die Schulstelle vergiebt die Gemeinde.

Jedes der beiden Güter versteuerte sonst 1/2 Ritterpferd, und das obere erscheint als das ursprüngliche Gut, davon das untere nur ein Vorwerk bildete. 1542 war Hanns v. Magwitz Besitzer und 1590 verkaufte Asmus v. M. das obere Gut mit Erbgerichten, der Niederjagd und 1/2 Ritterpferde um 4000 m. fl. an die Stadt Oelsnitz, welche nun 1629 – also kurz vor ihrem grossen Unglück – auch das unter Gut nebst Bösenbrunn dem Christoph Karl v. Reitzenstein auf Geilsdorf um 14500 fl. abkaufte. Dieses gehörte noch 1839 dem Friedrich Gottlob Schillbach, wurde 1848 auf 21491 Thlr. taxirt, und 1850 als ein Mannlehn von Herrn August Julius v. Rab oder Raab in Lehn genommen. – Das obere Gut hat jetzt nur noch 69 Acker Landes und wurde 1853 von Herrn Falk öffentlich ausgeboten. –

Leubnitz (S. 23 d. A.) heisst verdeutscht „Tiefenbach,“ könnte aber wohl auch ursprünglich Leipnitz, d. h. Lindenbach, gelautet haben, wofür indessen das Wappen keinen Beweis ergiebt, da die sprechenden Wappen sehr häufig auf falschen Namensdeutungen beruhen. Die 1428 vorkommende Schreibung leubenwicz kann sowohl Wald- als Tiefenheim heissen.

Leubnitz liegt eine Meile von Plauen westlich und von Pausa südlich, 3/4 Meile von der Schleizischen Grenze und von Mühltrof, in nicht unfruchtbarer, aber doch schon etwas rauher Gegend, hinsichtlich der Kirche nach Wiemann 1350 Fuss hoch, wie denn auch die mittle Seehöhe der Flur zu 1385 Fuss gefunden worden. Diese raint mit Rodau, Rössnitz, Schneckengrün, Fasendorf, Drochau und Demeusel. Manche Rittergutsfelder gehen jedoch über die Grenzen der ansehnlichen Ortsflur noch hinaus, namentlich in jene von Meltheuer und Oberpirk hinein. Gleichwohl und trotz seiner starken Holzung (über deren Erwerbung das Nähere unter Mühltrof!) versteuert das Gut nur 6880 Einheiten: zum Erweise verhältnissmässig nicht reichlichen Ertrages. Besitzer ist seit 1858 Herr Hermann Heinrich Alexander v. Kospoth, indem er mit Hermann Heinrich Maximilian sich käuflich abgefunden.

Der ansehnliche Ort zählte 1834 in 103 Häusern erst 555 –, 1858 in nur 102 H. 677 Seelen, und begreift ausser den Teich-, Forst-, weissen und Papiermühlen auch das Haus Espig. Ausserdem unterliegen dem Gute noch die Hälfte von Demeusel, 2/5 von Drochaus (namentlich die meisten Häuser des Geiersberges,) 1 isolirtes Haus von Kauschwitz, und etwa 3/5 von Ober-Pirk. Was die 33/4 Höfe von Kloschwitz (s. S. 123 des Album) betrifft, so sind wohl in der Originalschrift vielmehr 3 Dreiviertelhöfe und also nur 21/4 Hufen gemeint gewesen. Es muss in der nämlichen Zeile auch statt „Zu“ heissen: „Von“ Rodlau gehören.... Der Leubnitzer Antheil an Rodau beträgt etwa 1/3 des Ortes. Der ganze Gutssprengel gab 1801 der Consumenten 1062 an.

In geistlichen Dingen unterlag bis zur Reformation Leubnitz dem thüringischen Deutschordens-Landcomthur, dem daher der Pfarrer 14 Gulden Absenzgeld zu steuern hatte; auch zinste der Ort dem Comthur in Plauen 24 Scheffel Korn. Die Kirche wurde 1517 fertig gebaut und 1824 restaurirt; 1845 erhielt die Mädchenschule ein besonderes Gebäude. Von der Diakonatsstiftung s. man unter Rodau.

Das Dorf hat von der herrschaftlichen Schafhutung sich schon längst befreit. Des Erbkretschams und seiner Brauerei wird schon 1537 gedacht. Dagegen hat das Rittergut starke Dampfbrennerei.

Es versteuerte sonst nicht weniger als 5 Ritterpferde, davon die Ursache uns unbekannt ist, erwarb 1605 die Schriftsässigkeit, Landtagsfähigkeit und Allodialqualität, besass jedoch schon seit dem 27. Juni 1592 die Obergerichte, und trat seine Gerichtsbarkeit am 17. October 1855 ab. Im Mühltrofer Hospital hat es 2 Alumnate zu vergeben.

Mit dem Besitze verknüpfte sonst auch sich jener eines Drittels vom Ratzschauer oder dem Schlosse zu Plauen, und man will daraus auf eine Verbindung des Erbcastellanates mit hiesigem Rittergute schliessen, wobei freilich dessen bedeutende Entfernung von Plauen Zweifel erwecken kann. Mehrere Plauische Hausherren mussten sonst hierher zinsen. Auch sollen gewisse Grundstücken in Tobertitz (wo 5 Güter auch gerichtlich 1592 unter Leubnitz standen,) Kobitzschwalde und Thiergarten Leubnitzer – nach Anderen aber Mühltrofer – Lehn sei.

Als Hildebrand Trützschler 1592 auch Leubnitz muthete, gab es hier 2 Allodien: das obere und niedere Vorwerk. Mitbelehnt war sein Vetter Wolf Wilhelm (der den Beinamen Eichelbert nicht führte,) muss aber nothwendig vor Hildebrand die Welt gesegnet haben – In dem vom Album erwähnten Waldstücke hatten die v. Bodenhausen schon früher die Koppeljagd geübt. Weil aber die Orte Fasendorf, Oberpirk, Drochhaus- und Demeusel dieses Recht anfochten, so kaufte Franz Wilhelm (Wilcka) v. Bodenhausen 1664 das ganze bis dahin kurfürstliche Jagdrecht in den Fluren Rössnitz, Rodersdorf, Thossen, Schönlind, Steins, Tobertitz, Roda und Kornbach, ingleichen die kurfürstliche Koppeljagd bei jenen 4 Dörfchen um 800 Gülden. – Friedrich Heinrich v. Kospoth, ein um seine Unterthanen sehr verdienter Herr, hatte Leubnitz schon 1819, besass auch Rodau, und starb im Januar 1852. Drei Jahre nachher erwarb Bernhard Heinrich Asmus v. Kospoth den Alleinbesitz.

Analektisch sei noch folgendes bemerkt. Die Herrschaft zu Reuth zinst dem hiesigen Pfarrer 1 Scheffel Kornes noch aus jener Zeit her, wo Reuth das Filial von Leubnitz war. Den von Rodau kommenden Röhr- oder Ruhrbach nennt man auch den Kirchhofsbach, den von Fasendorf herabfliesenden aber den Rosenbach. Eine nordwärts abgelegene Häusergruppe heisst Siebenhitz, scheint also auf der alten Leubnitzer Sebnitz oder Gerichtsstätte begonnen zu haben. Jenseits derselben steht das Espig-, richtiger Aespighaus.

Magwitz, (S. 129 d. A.) welcher Name s. v. a. Mohndorf, bedeutet, ist im Mittelalter auch Machwitz, Mochwitz geschrieben worden, welches eher auf den serbischen Mannsnamen Mokko zurückführt, und liegt 11/8 Stunde nordwestlich von Oelsnitz, 13/4 südlich von Plauen, schief gegenüber von Taltitz in stark-coupirter romantisch-schöner Gegend, rainend mit Dobeneck, Türbel und Planschwitz. Des letzteren Flur beengt sehr die hiesige, welche von mittler Güte ist, und im Mittel 33 Fuss unter der städtischen, nämlich 1333 Fuss hoch liegt.

Herren v. Magwitz und eine Herrschaft Plauschwitz (s. Album) gab es nie. Unter denen v. Magwitz aber besass 1143 Heinrich die nahe Burg Stein; 1278 erscheint ein Sixtus, 1380 ein Konrad; 1542 hatten Sigmund Wiedersberg, Friedrich Troschenreuth und das Schönbrunner Vorwerk, Hanns Lauterbach, und Judith hatte ihrem Gemahl Albrecht v. Tettau (auf Mechelgrün und Schillbach) Neuensalz, Marieney, Ober- und Unterlosa zugebracht. Das Geschlecht gehörte demnach vor 350 Jahren zu den stark begüterten. Magwitz selbst aber gehörte ihm schon 1542 nicht mehr, sondern Arnold und Christoph v. Falkenstein auf Brotenfeld. – Sonderbarerweise machen einige sonst nicht zu verachtende Schriftsteller „Magwitz“ auch zu einem Taufnamen, irre geleitet vom Fabulanten Rüxner, in dessen Turnirbuch im 12. Jahrh. ein Magwitz v. Schönburg vorkommt; vielleicht meinte er einen „v. Magwitz auf Schönbrunn?“ – Dem Christoph Heinrich v. Reitzenstein, welcher 1635 bis 1706 lebte, scheint seine Wittwe im Besitze gefolgt zu sein; ihr Sohn Carl Leopold verwaltete das Gut, und schenkte 1721 der Oelsnitzer Hauptkirche ihren Taufengel. Den Reitzensteinen sind die Trützschler vorhergegangen, und 1612 erscheint ein Rudolf v. Falkenstein hier. Dagegen hatte das Gut 1749 und 1755 Johann Carl Erdmann v. Kospoth, seit 1804 ein Gräf (jedoch nicht als der erste aus dieser Familie) und 1858 dessen 5 Enkel, wie denn auch 1831 einen Theil des Gutes Alwin Hermann Gräf auf Wiedersberg zu Lehn erhalten. – Das Gut versteuert 3771 Werth-Einheiten.

Rosenthal, welches zwar nahe nordwestlich bei Magwitz, aber am rechten Elsterufer liegt, begreift ausser dem Gasthofe bei der Chauseebrücke nur noch 1 Haus, und wird mit zu Göswein gerechnet, das sich jedoch jetzt mit zur Magwitzer Commun hält. Dasselbe gilt auch von den wenigen Häusern, welche etwas entlegener Magwitz nordwärts gegenüber stehen und Siebenhitz genannt werden: also mit einem im Voigt- und im Egerlande gar häufig vorkommenden Namen der handgreiflich auch mit der Stadt Sebnitz, mit Seebenisch bei Leipzig, ja selbst mit Siebeneichen bei Meissen identisch erscheint, und einen Platz bezeichnet, wo sonst das Blutgericht ausgeübt wurde oder ein Hochgericht gestanden hat. Hieraus darf man folgern, dass Magwitz zu den ursprünglichen Rittergütern dieser Pflege gehört und von jeher die volle Gerichtsbarkeit besessen hat, die es am 18. April 1856 an die Regierung abgegeben. Gleichwohl fehlt das Gut in der 1819 gefertigten Rolle der landtagsfähigen Güter. – Es gab 1801 nur 111 Consumenten an; 1834 aber hatten die verbundenen Oertchen in 25 Häusern 129, 1858 in 28 H. 200 Seelen. – Lehnbetheiligt ist hier auch der Oelsnitzer Stadtrath.

Vor 80–90 Jahren hat man hier die Zeche Joseph auf Kupfer und Kobolt gebaut. Auch finden sich im hiesigen marmorartigen Kalkstein die meisten der unter Planschwitz genannten Petrofacte.

Soviel nun noch das nahe zwischen Magwitz und Siebenhitz gelegene Oertchen Göswein oder Gösswein – im Album jedesmal Gosswein oder Goswein geschrieben – betrifft, so fehlt noch die Hauptsache für die Gutsherrschaft, nämlich das – freilich nur mässige - dasige Vorwerk, angebaut auf der Stätte eines einstigen stattlichen, aber 1429 von den Hussiten zerstörten Dorfes, ohne Zweifel auch mit eignem Rittergute, nach welchem ein Adelsgeschlecht sich geschrieben. Hanns und Wenzel Gosswein besassen 1358 das böhmische, aber der sächsischen Grenze unfern Brambach sehr nahe gelegene Gut Liebenstein, dessen Burg sie damals erneueten, nachdem das Stift Waldsassen, welchen sie seit 1298 gehörte, dieselbe hatte in Verfall kommen lassen. Aber 1381 schon hatten die Gössweiner Liebenstein nicht mehr, indem es der Landgraf v. Leuchtenberg-Hals erworben. – Unseres Wissens enthält das nach Plauschwitz gepfarrte und geschulte Oertchen [19] jetzt nur 6 Häuser. Der Name kommt von dem slawischen Worte für eine Durchfahrt oder einen Furth.

Mechelgrün. (S. 49 d. A.) Ob der Name dieses im Plauischen Amtsbezirke mitten zwischen Plauen und Falkenstein (daher 11/2 Stunde von jedem) gelegnen Ortes besser von Michael oder von Mechthilde (Mathilde) abzuleiten, bleibt fraglich um so mehr, als der gemeine Mann ihn Michelsgrün ausspricht. Die im Mittel 1413 Fuss hohe Flur raint (s. Album) auch noch mit Bergen und Zschockau. Zwischen ersterem und Lottengrün verbreitet sich der Rabenwald, und da aus demselben der hiesige Bach kommt, nennt man diesen auch den Rabenbach. Hierin liegt zugleich eine Andeutung für den muthmasslichen Ursprung des in der Gegend sonst so begütert gewesenen Geschlechtes v. Rabe. Oberreits Karte nennt freilich den Wald vielmehr das Raubensholz, als beruhe der Name auf einem Raubschlosse: vielleicht in Folge der Neigung des gemeinen Mannes, auf Stätten längst eingegangener Rittersitze zunächst allemal an Raubritter zu denken. Der Rabenbach verstärkt bei Altensalz nach 5/4 stündigem Laufe die Trieb und ist im untern Theile nicht ohne Perlmuscheln. Von einer andern wahrscheinlichen Holzmark haben die Oelschteiche den Namen, die gleichfalls in Südosten dem Dorfe näher liegen. Noch näher ist das Streitholz.

Das Schloss Mechthilgrün besassen 1438 gemeinsam Albert und Jan Rabe, 10 Jahre früher aber Friedrich.

Der Sp. 2, Z. 3 vorkommende Anshelm v. Tettau war Berghauptmann zu Schneeberg. Zu den Mitbesitzern der hiesigen Güter hat auch der 1555 verstorbene Ritter Haubold Anselm auf Dröda und Ottengrün gehört. Das obere Gut besass 1754 und 1762 Christian Erdmann Trützschler, 1819 der minorenne Adolf Friedrich Adler. Schon diesem gleichzeitig hatte Friedrich Wilhelm Uebrig das untere Gut, wie 1753 dieses der Trützschlerische Senior, August Wilibald auf Dorfstadt und Oberlauterbach, gehabt hatte.

Das obere Gut nahm in Folge eines Kaufes 1857 Emil Ottomar Uebrig in Lehn; anjetzt sind die Güter demnach nicht mehr völlig verbundene. In ihrem Verbande waren sie eine Grundbesitzung von Rang, da sie 8661 Steuereinheiten trugen, davon 3889 auf das obere und 4172 auf das untere Gut kamen. 1801 gab das obere 313, das untere 534 Consumenten an. Das obere hatte den weit grössern Theil von Mechelgrün selbst, die Mittelmühle in Zschockau, etwa 1/3 von Grossfriesen, einige Häuser (wobei die neue Mühle) in Theuma, in Drossdorf und Lottengrün, auch Lehnleute in Kleinfriesen; das untere Gut hingegen ausser dem Hauptdorfe das Beiörtchen Neuhaus nebst Harzhaus bei Bergen, das Jägerhaus unterhalb des Rabenwaldes, den Rest von Zschockkau, einem Theil von Kottengrün mit Garküche und Uebermass, die kleinere Hälfte von Grossfriesen, endlich einige Häuser in Drossdorf und in Tirpersdorf.

Jedes der beiden Güter hat eine Schäferei, und beide behielten ihre volle Gerichtsbarkeit bis in den Mai 1856. Das obere Gut ist Erblehn, das untere Mann- und Weiberlehn. Letzteres betreibt auch stark die Pechsiederei nebst Terpentinölbereitung.

Auf S. 50, Sp. 1, Z. 13 ist unter „Lehn“ jedenfalls Leihe zwischen Weissenfels und Mücheln gemeint. – Die auf der Schenkischen Karte noch vorkommende „alte Mauer,“ nordöstlich vom Dorfe, scheint der Sage von einem hiesigen Mönchsklösterchen desto mehr Gewicht zu geben. Jedenfalls hat dieses nur kurze Zeit bis zur Reformation bestanden, und 1537 wird als Magister novitiorum daselbst jener sehr gelehrte Mag. Nikolas Winterstein genannt, welcher als Pfarrer das Hospital zu Langenhessen errichtete, und 1560 daselbst starb. Diese Nachricht ist aber das einzig Sichere, was man vom Kloster Mechelgrün (das in allen Klöster-Verzeichnissen fehlt) weiss.

Möschwitz. (S. 139 d. A.) Dieser Name möge nun nach dem Serbischen entweder mit einer feuchten (seichten) Lage oder (wie Preusker meint) doch „Mosch’ns Dorf“ gedeutet werden, so erscheint die gleichfalls vorkommende Schreibart Meschwitz falsch. Der Ort ist im Besitze sehr getheilt; 1849 gehörten von den 41 Häusern 4 unter das Amt Plauen, 11 erbgerichtlich (denn die Obergerichte standen jenen gleichfalls zu) unter das hiesige und 1 unter das Chrieschwitzer Rittergut; übrigens mit voller Gerichtsbarkeit 11 unter das Gansgrüner, 6 unter das Ruppertsgrüner Gut, 8 endlich unter die verbundenen Güter Pöhl und Helmsgrün. – 1834 gab es 34, 1858 aber 44 Häuser, damals mit 231, jetzt mit 271 Seelen. – Die holzreiche Flur, im Mittel 1212 Fuss hoch gelegen, raint mit Pöhl, Altensalz, Voigtsgrün und Chrieschwitz. – Im October 1855 hat die Exception hinsichtlich der Erbgerichtsbarkeit (s. ob.) ihre Kraft verloren, und seit dem Mai 1856 ist das ganze Dorf dem Amte unterworfen. Es begreift auch eine (nicht herrschaftliche) Ziegelei, und jetzt wohnt hier ein Amtsrichter. – Das im Album erwähnte Lochhaus gehört nicht etwa hierher, sondern nach Röttis.

Das Rittergut war nach früherer Verfassung nur amtsässig und daher nicht landtagsfähig. 1428 hatte es ein Konrad Mossdorfer. 1846 nahm es mit Allodialqualität Johann Gottfried Opitz, 1847 Traugott Lebrecht Ketzel, und 1853 der jetzige Herr Ketzel in Lehn. – – Von den Röderschen Gütern, welche das Album S. 139 nennt, liegt Lewitz im Weimarischen, Cossengrün im Reuss-Greizischen.

Mühltroff, (S. 111 d. A.) auch wohl Mühltruff und Mühltrof, ist die officielle Schreibart für das Gut und die Stadt, welche das Album in des Artikels Ueberschrift und noch abwechselnd sonst Mühldorff geschrieben: jedenfalls um sogleich dahin zu deuten, dass der Name eigentlich Mühldorf lauten sollte. Es ist hierbei nur zu merken, dass diese Schreibung (Mühldroff) eben so wenig, wie die von Mürldorf und Mohldorf, jemals in Gebrauch gekommen; wohl aber gilt dieses von Mueldorf und Moldorf; auch kommen Meuledrof, Milesdorf, Mylssdorf vor. Die Verwandlung der Endung „dorf“ in trup, trog, truff, findet sich auch bei Dresden (so Weisstrop, Wilsdruff) und fast durchgehends im Schleswig’schen.

Mühltroff liegt 13/4 Meilen nordwestlich von Plauen, 31/4 M. nördlich von Hof, 12/3 M. südlich von Zeulenroda und 3/4 M. südwestlich von Pausa, in etwas rauher und holzreicher Gebirgsgegend, unfern der Leipzig–Hofer Eisenbahn und an der Plauen–Schleizer Strasse. Die im Mittel 1508 Fuss hohe Flur, in sich selbst bis zu etwa 250 Ellen variirend, raint mit den Dörfern Langenbuch, Schönberg, Korn-, Langen- und Ransbach, und wird weithin von der Wiesenthal genetzt, der die geognostische Karte von Sachsen hier 1470 Fuss beischreibt; diess würde freilich, da Wiemann die Kirche nur 1470 Fuss hoch gefunden, ohne eine grosse Ueberschwemmung nicht abgehen können. Im Osten steigt der Beerhübel um 139 Ellen über das Flüsschen an; in Norden ragt der Wild-, in Westen der Schenkenberg, in Südwest der Hangpöhl. Der im Album bemerkte „See“ ist längst trocken gelegt, und statt „dichten Felsen“ soll es wohl heissen: „niedrigen Felsen“; denn wirklich übersteigt des Schlosses Niveau nicht stark die Sohle des Thales.

Unter dem König Podiebrad (Sp. 1, Mitte) ist König Georg, Herr von Kunstadt und Podiebrad, gemeint. Und Z. 3 v. u. ist das „von“ vor dem Namen Sack zu streichen; denn dieses (seit 1437 Herren-) Geschlecht hat sich nie mit „von,“ wohl aber seit jener Zeit stets „Edle“ Säcke geschrieben. Es ist daher in Sp. 2, Z. 7, für „der Herren von Säcke“ zu setzen: der Edlen Säcke. – Zur 3ten Zeile: der Burggraf erhielt den voigtländischen Kreis nicht vom Kaiser Karl, sondern von dessen Bruder, dem böhmischen König Ferdinand, an welchen dieses Land 1546 vom geächteten und somit der Leben verlustigen Kurfürsten als apertes Lehn zurückgefallen. Die Albertiner erlangten aber 1547 die Mitbelehnschaft, später auf rechtlichste Weise den Erbbesitz, wie sie auch 1568 schon durch Vertrag das Voigtland unterpfändlich genommen.

Den Säcken gehörte die Herrschaft Mühltrof auch schon vor 1437, jedoch nur unterpfändlich; Ulrich Sack galt desshalb auch nur für deren Voigt im Dienste Friedrichs des Einfältigen. Er gewann aber 1436 nebst seinem Bruder den erblichen Vollbesitz unter der Bedingung, die Burg für die Wettiner offen zu halten, d. h. ihnen eine Mittelhoheit (da Mühltrof ein böhmisches Reichs-Achterlehn bleiben musste) zugestehen. Auch blieben die ritterlichen Vasallen der Herrschaft zu Thierbach, Pirk, Ransbach etc. landgräfliche Vasallen; die Besatzung zu beköstigen, blieb Sache der Markgrafen.

Dass Mühltrof ursprünglich eine selbständige Reichsherrschaft gebildet – wozu allerdings mehr gehörte, als jetzt zu einem Rittegute – ist unzweifelhaft. Für die ersten Besitzer gelten die Grafen v. Lobdeburg Arnshaugkischer Linie. Als aber Graf Otto erblos starb, fielen den geraischen Voigten Schleiz und Burg, den Plauischen Mühltrof zu. Mit urkundlicher Sicherheit besass jedoch 1342 Voigt Heinrich V. es nur als ein böhmisches Reichsachterlehn, wozu es vielleicht schon 1213 durch die bekannte kaiserliche Schenkung an den König Przemyslaw Ottakar geworden; denn dass die Schenkungsurkunde nicht alle Gegenstände nennt, welchen sie gilt, ist handgreiflich. Das Jahr der vögtischen Erwerbung ist unbekannt; auch darf nicht übergangen werden, dass nach einer – nicht ganz unverdächtigen – Bürgeler Klosterurkunde 1329 schon die Wettiner eine Zwischenlehnhoheit besessen hätten. Sicher dagegen ist es, dass zur Vertauschung Mühltrof’s u. a. Herrschaften an das Haus Wettin die Vögte durch den sogen. voigtländischen Krieg genöthigt wurden; man feierte daher am 1. November 1857 allhier den halbtausendjährigen Bestand des Verhältnisses zu diesem hohen Hause. – Die Burg, als solche, erscheint in beglaubigter Geschichte erst seit 1342; ihre Herleitung von K. Heinrich I. erscheint demnach als ein kühner Griff mancher Historiker. Als Castellan finden wir 1393 Hanns v. d. Heyde, als Amtmann 1404 Matthias Walmann.

Unter den Säcken sind als Besitzer bekannt: die Brüder Ulrich und Nikol; 1485 Ritter Ulrich; dessen Sohn Albrecht (der 1485 schon majorem gewesen), Kaspar (gestorben 1536) und Hanns (gest. 1546); Balthasar (lebte 15.6–1552); Hanns Balthasar (geboren 1551, Regierender daher erst seit 1576, und erblos gestorben am 27. März 1591.) Obiger Hanns besass auch Schönbrunn und Zöbern; seine erste Gemahlin war die Wittwe eines Ulrich Sack die zweite aber Brigitta v. Metzsch aus Schönfeld bei Greiz. Balthasars Wittwe, Katharina v. Bünau aus Droyssig, ehelichte nachmals Rudolf v. Bünau auf Elsterberg und Christgrün. Die Frauen des Hanns Balthasar waren Anna v. Einsiedel (gestorben am 17. November 1582) und Margaretha v. Waldenfels aus Thierbach im Regnitzlande, welche 1595 Vollrad v. Watzdorf auf Reuth heirathete.

Für Krockendorf (Sp. 2, Z. 13) setze man Krackendorf. Auch dürfen Z. 19 v. u. nach Reuss und nach Schönburg die Kommata, um den Sinn festzustellen, nicht fehlen.

Melchior v. Bodenhausen (Z. 17 v. u.) hatte zum Vater den Wilka oder Wilcke (d. h. Wilhelm) v. Bodenhausen auf Arn- und Gleichenstein, Almen und Brackenberg in Hessen, zur Mutter Walpurgis v. Meschede aus Almen. Er war zu Arnstein am 1. August 1558 geboren, kämpfte unter Don Juan d’Austra, und heirathete 1589 die Tochter des hessischen Erbkämmerers und Geheimerathes v. Berlepsch. – Leutenberg (nicht Lautenberg, wie das Album schrieb) bildet jetzt ein Aemtchen zwischen den Meiningischen, Ziegenrückischen und Lobensteinischen. Die 3/4 der Herrschaft Blankenhain gehörten [20] ihm nur durch eine Verpfändung, in welche später ein Mandelsloh eintrat.

Die Z. 3 v. u. genannte Magdalena Agnes war eben darum, weil sie aus Friedland gestammmt, nicht eine v. Rheden, sondern eine Tochter des Freiherrn v. Rädern. In der Mühltrofer Neustadt errichtete Franz Wilka eine Strumpfmanufactur, damals einen Gegenstand allgemeiner Bewunderung. Weil jedoch Gamaliel Lammas und die übrigen französischen Vorgesetzten die Herrschaft sehr bevortheilten, liess Franz Wilka das Werk wieder eingehen. Von seinem Reichthume zeugt sein Darbieten eines ganzen Dragonerregimentes den Kaiser 1655; etwas ähnliches sah man von einem Bodenhausen 1813 in Leipzig, der, um in den „Banner“ als Gemeiner einzutreten, mit 3 prachtvollen Pferden dahin kam. Franz Wilka erhielt 1669 vom Kaiser das Prädicat „Wohlgeboren,“ obwohl sein Vater nur zum simpeln Adel gehört hatte; jetzt macht jeder Handwerksmeister darauf Anspruch. Als Hofräthe dienten ihm Rudolf Ernst v. d. Mosel auf Schönberg bei Glauchau (wo damals ein Rittergut gewesen) und auf Podelwitz bei Altenberg, Adam Friedrich Thoss auf Erlbach, Dr. Johann Friedrich Schweser, Barthold Murhard u. A. – Er unterhielt eine 50 Mann starke Dragoner-Leibgarde, die sich gegen die „Schanze“ (wie noch jetzt ein Theil der Neustadt heisst) üben musste; jetzt ist sie ein Freiplatz zwischen dem Wirthschaftshofe und der Pfarre. Als Pagen dienten ihm Christoph Heinrich v. Raab auf Tirpersdorf, Hanns Heinrich v. d. Mosel u. a. m. Er hat auch hier das Lehngeld fixirt, und 1663 die Frohnen, abgesehen von den Bärenjagden, in eine Geldabgabe verwandelt.

Melchior Otto (S. 114) hatte zur Gemahlin eine Enkelin des Grafen v. Callenberg und Tochter des k. polnischen Kammerherrn, des Reichsfreiherrn Georg v. Reisewitz, der am 13. Januar 1696 in Mühltrof beerdigt wurde. Die Wittwe Reisewitz, als des Schwiegersohns Hauptgläubigerin, überkam nun die Administration der verschuldeten Herrschaft. Denn Melchior Otto hatte trotz all seiner gelehrten Bildung sich alchymistischer Träumerei ergeben und für gehofftes Gold das vorhandene geopfert, übrigens auch des Vaters luxuriösen Hofstaat beibehalten. Er lebte 1652–1732, und ihm folgte sein, 1694 in Dresden geborner und gleichfalls sehr gelehrter Sohn Otto Georg, der mit den Gläubigern einen ehrenvollen Accord schloss. Für die Erbfolge im Besitze der Herrschaft hatte nämlich seine Gemahlin Charlotte Eleonora 1756 schon ihm 52000 Thlr. ausgezahlt; als er daher am 16. September 1764 entschlafen, übernahm die Wittwe (sie lebte 1706–1774) den Besitz; mit ihr erlosch die Mühltrofische Linie der Bodenhausen, und ihr folgte hier ihr Schwiegersohn Karl Erdmann v. Kospoth, der auch Schillbach bei Schöneck, Frankendorf, Oschitz und Zollgrün bei Schleitz besass; dagegen übernahm Leubnitz ihre Tochter Ottonie Eleonora, welcher dann ihr Sohn, der Rittmeister Heinrich Wilhelm v. Kospoth gefolgt ist.

Hinsichtlich derer v. Kospoth kann bemerkt werden, dass Justus v. K. vor nun 200 Jahren nach Schlesien übergesiedelt, dass August d. Starke dessen Söhne Karl Christian u. Joachim Wenzel 1711 als Reichsvicar zu (jedoch nicht erblichen) Grafen erhoben, und dass der Rittmeister Karl Christian August 1776 den preussischen Grafenstand, sowie das starke Majoratsgut Briesen erworben hat, welches jetzt Graf August Karl besitzt. – Der hier in Betracht kommende Karl Erdmann aber, aus der Frankendorfischen Hauptlinie, hinterliess am 6. August 1779 seinen 5 Kindern 5 Güter: Mühltrof und Kemnitz in Sachsen, Göttendorf, Frankendorf und Oschitz. Von seinen Söhnen ward Heinrich Wilhelm preussischer Rittmeister, Karl Alexander dort gleichfalls Kammerherr; Mühltrof aber übernahm als ältester der preuss. Kammerherr, Maître des plaisirs und Magdeburgischer Domherr Otto Karl Hermann, geboren am 25. October 1753, und vermählt 1776 mit Christiane Wilhelmine, Tochter des Kreishauptmanns v. Schönberg auf Börnichen etc. bei Oederan. Dieser sehr musikalische, besonders meisterhaft geigende Kospoth gehörte bei den Hofconcerten der Könige Friedrich II. und Friedrich Wilhelm zu den steten Theilnehmern, half auch beiden beim Componiren, setzte selbst recht achtbare Sachen, und galt für einen unübertrefflichen Gesellschafter, während seine Mutter Mühltrof verwaltete. Sie kaufte es auch am 13. November 1782 ihm und hinsichtlich des Successionsrechtes den jüngere Söhnen um 99000 Thlr. ab, starb aber selbst am 24. December 1785, worauf Otto hierher zog und am 16. October 1789 in den alleinigen Besitz trat, den er durch Berg- und Hüttenbau zu heben beschloss; doch sein Alaunwerk zu Ranspach hat nie Gewinn gebracht; eben so wenig der Lämmerhügel mit seinem Silberbau.

Begann nun schon hiermit der Graf (denn dazu erhob ihn Kurfürst Friedrich August als Reichsvicar, wahrscheinlich am 6. Juli 1791) seine Geldversplitterung, und setzte er sie durch den „guten Tag“ und durch übertriebene Liberalität fort, so war es doch besonders die Alchymie, welche, (s. unt.) seine Vermögensumstände sehr derangirte.

Der erwähnte „gute Tag“ war ein im italienischen Style gebautes, ansehnliches Sommerpalais, umgeben von 4 gleichartigen Pavillons und freien schönen Garten- oder Parkanlagen etc. Hier wurden in dem prächtigen, mit einer Kuppel überwölbten Mittelsalon Freiconcerte für des Städtchens Honorationen gegeben.

Schade, dass diese schöne Anlage auf dem Lämmerhügel nach des Grafen traurigem Ende nicht unterhalten, vielmehr 1817 abgetragen worden ist. Sie soll gegen 70000 Thlr. gekostet und zu Sachsens interessantesten Parkanlagen gezählt haben.

Der Graf, dessen Gemahlin Luise v. Sichart aus Schnarrchenreuth in Franken war, wurde von seinen Unterthanen so geliebt, dass bei einer Geldbedrängniss 4 seiner Dörfer freiwillig ihn mit der Gesammtsumme von 16835 Thlr. beschenkten: ein Fall, der im Lande fast einzig dasteht. Dagegen wurde er aber auch, namentlich mittelst seines Bestrebens, den Schleier der Isis zu heben, vielfach gemissbraucht und verdächtig, selbst denuncirt, und nicht überall erkennt man die Grenze seines Ernstes und Scherzes in dieser Beziehung. Zuletzt kam es zur Administration des Gutes, welche ein Commerzienrath Werner führte; ein Verkauf um 294000 Thlr. an den Premierlieutenant Heinrich Friedrich v. Holleufer auf Salsitz bei Zeiz war schon so weit gediehen, dass dieser nebst seinem Bruder, dem Merseburger Domherrn, das Schloss Mültrof bezog, als man wieder uneinig ward. Nun kam es 1809 zur Subhastation, wobei der Coschützer Adler Besitzer ward, aber auch auf der Stelle die Herrschaft mit 5000 Thlr. Profit an den Freiherrn Ehrenfried Wilhelm Heinrich v. Hünefeld auf Christgrün abtrat.

Zu seinem nachmaligen Schaden hatte aber der Graf sich freie Wohnung im Schlosse vorbehalten; denn als dieses am 23. Juni 1817, bis wohin der Graf 8 Jahre hindurch ein überaus ärmliches Leben geführt, in Brand gerieth, war er, im Wahne, das Feuer besprechen zu können, nicht aus dem Schlosse zu bringen. Zuletzt noch bemerkte man, wie er sich aus dem Fenster stürzen wollte, als eben der Thurm über ihm zusammenbrach. Manche glaubten indessen, der Tod sei ihm willkommen gewesen, indem er nicht länger seinem Geschlechte habe zur Last leben wollen. Als 33 Jahre nachher seine Wittwe in Dresden starb, wurde in einem Blatte ihr irrig der Mitbesitz von Mühltrof beigeschrieben; vielmehr gehörte dieses seit 1809 dem Freiherrn v. Hünefeld auf Christgrün, dessen Ahnen im 16. Jahrhundert das hessische Städtchen Hünfeld besessen haben, seit dem 17ten aber auch in Obersachsen gefunden werden. Zuerst wohl der in den Reichsfreiherrnstand erhobene kursächsische Geheime- und Reichshofrath Nicolaus Christoph auf Altenberga etc. im Altenburgischen. Dessen Sohn, der gothaische Dragonerhauptmann und Flöss-Oberinspector Friedrich Ludwig, veräusserte 1695 die väterlichen Güter, sowie 1708 Uhlstedt, 1721 auch Lindenkreuz und Silbitz (jetzt resp. weimarisch und preussisch, vor 1815 aber sächsisch) und kaufte am 30. Juni 1721 Christgrün, Limbach und Ruppersgrün. Im September 1724 hinterliess er zwei Söhne, Christoph Friedrich und Karl Ludwig, welche unter Christgrün besprochen wurden. Des erstern Enkel nun ist eben jener (am 17. Februar 1771 in Christgrün geborene) Ehrenfried Wilhelm Heinrich, der am 21. März 1809 Mühltrof in Lehn nahm. Von diesem kaufte es 1820 der Müller Christian Friedrich Benold in Bitterfeld, dessen Schwiegersohn des Verkäufers Pachter bis dahin gewesen, da er aber bald in solche Lehngelder- und Mehlrechts-Streitigkeiten gerieth, dass er am 21. Februar 1822 das Gut mit Schaden, nämlich um nicht mehr als 141500 Thlr. an den Grafen Christian Gottlieb v. Hohenthal-Hohenpriessnitz verkaufte. Indessen hat der Baron Hünefeld Christgrün bezogen, wo er höchst einfach lebte, desto mehr aber für die grossartige Familienstiftung sammelte, von welcher unter Christgrün und Limbach gehandelt worden; er starb daselbst am 4. Januar 1827.

Ueber das Hohenthalische Geschlecht ist in mehreren Artikeln des Albums so viel gesagt worden, dass hier nur wenig hinzuzufügen sein wird. Mühltrofs Käufer hatte zu seines Grossvaters Grossvater jenen in Cönnern 1663 gebornen Leipziger Banquier Peter Hohmann, der durch seine Söhne der Ahnherr des so berühmten Geschlechtes geworden. Unter diesen wurde Peter 1717 zum Freiherrn v. Hohenthal erhoben, und lebte noch 15 Jahre; einer seiner Söhne, Christian Gottlieb, welcher 1701–1763 lebte, stiftete die jüngere oder Dölkauer Linie; von dessen Sohne, dem Kammerdirector Johann Jakob, welcher den Grafenstand gewann und 1761–1802 lebte, war unser Christian Gottlieb ein jüngerer Sohn, geboren 1775, nachmals Domherr und preussischer Kammerrath. Seine gewaltigen Güter zerfielen nach ihrer Qualität in 2 Classen; denn Mühltrof, Löbnitz mit Nöthnitz bei Pegau, Rittmitz mit Schlagwitz bei Döbeln, die beiden Güter Friessnitz in dem seit 1815 nach Weimar gehörigen Neustädtischen Kreise, Struth und Niedespöllnitz eben da, endlich Reinstedt im Altenburgischen, hatte er als Inhaber des (von ihm selbst stark vermehrten) Familien-Fideicommisses; hingegen als frei verfügbares Eigenthum die 4 sogenannten Muldengüter: Hohenpriesnitz, Gruhna, Priestäblich und Niederglaucha unterhalb Eilenburg, Crostewitz mit Sestowitz und Göhren bei Leipzig, endlich 30000 Thlr. eisernen Capitals auf Wartenburg bei Wittenberg. Seine Gemahlin Elisabeth gehörte in das gräflich v. d. Schulenburgische Geschlecht. Das Paar hat es nun zwar an grosser Wohlthätigkeit nicht fehlen lassen; indessen bleibt es doch auch hierbei räthselhaft, wie 1827 eine Insolvenz hat eintreten können, welche die Familie dadurch zu heben suchte, dass des Grafen Neffen Karl Friedrich Anton und Karl Adolf (welche – weil sein Sohn Friedrich Moritz 1824 gestorben – im Fideicommiss nochfolgen mussten) dem Oheim 1832 die Muldengüter unter Uebernahme seiner Schulden abkauften. Crostewitz hatte er ohnediess schon veräussert. Er starb daher am 18. September 1833 ohne sonderlichen Reichthum.

Graf Karl Fiedrich Anton fand sich nun mit seinem Bruder dahin ab, dass er – ohnediess schon Besitzer von Püchau etc. – die 4 Muldengüter und Mühltrof ausschliesslich übernahm. Mit jenem hatte er (der am 6. November 1803 in Merseburg geboren war) seinen Vater am 27. März 1826 beerbt. Seine Güter waren nach vollendetem Arrangement folgende: das Majorat Wartenburg, das Fideïcommiss Püchau bei Wurzen, Kaina bei Zeitz, Kleindölzig bei Leipzig, die Herrschaften Lauenstein und Mühltrof, Löbnitz etc. bei Pegau, Rittmitz etc. bei Döbeln, Weissenborn bei Freiberg, Struth, Niederpöllnitz mit den Vollinghaus’schen Lehnstücken, beide Friesnitzer Güter, endlich die 4 alten Muldengüter. Nachdem ihm schon 1836 die erst 26jährige Gemahlin (seit 1819) Hedwig Walpurgis, Tochter des Grafen Leopold [21] Gotthard v. Schaffgotsch-Kynast, durch den Tod entrissen, ehelichte er 1838 die Gräfin Emilie v. Gneisenau, welche 1855 als Oberhofmeisterin zu Weimar gestorben. Der Graf nämlich, obwohl sächsischer Kammerherr seit 1846 und Mitglied der ersten Kammer, war doch – unzufrieden mit den damaligen Massregeln der Regierung – nach Weimar, wo er am Hofe Obermundschenk 1851 geworden, fortgezogen. Nachdem er noch im October 1852 die Gerichtsbarkeit zu Mühltrof der Regierung überlassen, entschlief er in Hohenpriesnitz am nächsten 11. December, beweint von allen, die ihm näher standen. Von seinen beiden Söhnen übernahm Graf Karl Friedrich Moriz (aus 2ter Ehe) die 4 Muldengüter, wogegen der in Dresden am 21. Juni 1830 geborene Graf Karl Julius Leopold als Majorats- und Fideicommisserbe auch Mühltrof bekam; er verliess sofort den Dienst als preussischer Husarenlieutenant, und ward 1855 sächsischer Kammerherr. Bisher hat er von seiner Gemahlin Auguste Isidora v. Wuthenau (seit 1853 und 1856) die Söhne Karl Xaver Maximilian und Karl Rudolf Eugen. Er ist auch Ehrenritter des preussischen Johanniterordens.

Der zu Ende der ersten Spalte auf S. 114 erwähnte Graf Peter Alfred besass früher die Standesherrschaft Königsbrück. – Der S. 114, Z. 11 vorkommende „Justizbeamte“ Otto Leonhard Heubner, als einer der Triumvirn 1849 zum Tode verurtheilt, wurde vom K. Friedrich August zu 20jährigem Zuchthause, vom K. Johann 1859 zur Freiheit begnadigt. Seine in Waldheim geschriebenen Gedichte sind bekannt, erhaben und frei.

Mühltrof zählte 1779 erst 210 Wohnparteien und 1802 in 169 Häusern 1129 Consumenten, 1834 aber in 175 Häusern 1509 – und 1858 in 193 H. 1887 Seelen. Vereinzelt stehen das Vorwerk Schafhof, das Vorwerk Wildhaus (Wildenberg oder der wilde Berg,) welches ursprünglich nur ein Forsthaus gewesn sein soll, das Lusthaus Luisium, das Schiesshaus, die Fällmeisterei, 2 Mühlen etc. Ohne den hiesigen Antheil an Schönberg enthielt 1858 der Gutssprengel 3744 Seelen. Statt des vorletzten Alinea des Artikels schlagen wir folgendes vor: „Zubehör des Gutes sind, ausser der Stadt, die Dörfer Drösswein, Langenbach, Langenbuch, Ranspach mit dem Hüttenhause (der einstigen Alaunhütte,) Thierbach, Wallengrün, endlich 3 Güter und 1 oder einige Häuser in Schönberg, welches übrigens zu Leubnitz und Rodau, sowie unter das Amt gehört, und wo die Obergerichte stets landesherrlich gewesen. Denn diesen Theil Schönbergs haben erst später die Edlen Säcke zu Mühltrof hinzugekauft. Dasselbe galt zwar auch Antheilen an Pöllwitz (im Reussischen) und Ebersgrün, welche aber wieder davon abgekommen. – Die Herrschaft übt die Collatur auch in Langenbach, Langenbuch und Thierbach mit Rannsbach, zusammen über 4 geistliche und 7 Schulstellen. – Einigen Antheil an der Gerichtsbarkeit hatte in der Stadt, namentlich im Lehn- und Hypothekenwesen, der Stadtrath; seit 1849 aber hat man nicht wieder einen Stadtrichter gewählt; der letzte war zugleich Bürgermeister; aber auch diese Stelle ist jetzt offen.

Die Ortsflur, viel Waldung befassend, ist über 1/4 Quadratmeile, nämlich 25703/4 Acker gross. Hiervon gehören der Herrschaft 41/2 Acker Hofräume und Gärten, 2581/2 Acker Feld, 203 Acker Wiesen, 8094/5 Acker Holz, 1251/4 Acker Hutung, an 36 Acker Teiche, zusammen aber 14375/9 Acker; das Pachtland gab eine Annonce zu 812 magdeburger Morgen an. Noch kommen hierzu 2944/15 Acker Holz in der Flur Drösswein, und auf allen 1732 Ackern nur mässig guten Bodens ruhen auch wirklich nur 12489 Steuereinheiten. Unter dem Humus lagert Grauwacke. – Die gesammte (noch übrige) Herrschaft befasst 81534/11 Acker, gegen 0,82 Quadratmeile. – Die herrschaftliche Schäferei steht nordwestlich vom Orte, an der Schleitzer Strasse, unweit des Luisiums, die Ziegelei aber in Westen. Das Gut hat starke Dampfbrennerei. Die Frohnen und Schaftrift wurden im ganzen Sprengel 1837 abgelöst, auch 1842 das öffentliche Gerichtsverfahren beliebt, die Sparkasse errichtet, ein neues Statut aufgestellt, eifrig geturnt, und eine Anleihe für den Schulbau eröffnet. 1847 wurde die Poststelle eröffnet, und 1848 kamen die ehemaligen Viehmärkte wieder in Gang. Beim Jubelfeste 1857 eröffnete man eine Sammlung zum Bau des noch fehlenden Kirchthurmes.

Nicht ohne Grund spricht die Sage von einem hinter der Kirche gewesenen Franciskanerklösterchen, dessen Rest später als Gerichtshaus diente. – Der hiesige Pfarrer hatte sonst nicht nur Lehnleute, sondern auch Gerichtsunterthanen in den Reuss-Schleizischen Dörfern Arnsgrün, Mielesdorf, Büna und Görschnitz; ja, 1857 noch die Erbgerichte über ein Gut in Mielesdorf, welcher Name uns in der That so erklingt, als bedeute er dasselbe mit Alt-Mühltrof, d. h. den Ort für die Mühltrofer Alden oder Burgfröhner. – Bis zur Reformation gehörte die Collatur dem Schleitzer Deutschordenscomthur, und damals soll die Kirche blos eine Schlosscapelle gewesen sein. Noch erhält der Pfarrer aus der Schleizer Kämmerei jährlich 13 Gülden; unter denen v. Bodenhausen hatte er das Prädicat als Hofprediger. Der Cantor erhält sein Fixum theils von den Mühltrofer und Leubnitzer Herrschaften, theils aus den Langen- und Thierbacher Kirchkassen. – Die eigentliche Stadtkirche liess 1648 Franz Wilhelm v. Bodenhausen unter dem Versprechen eines Neubaues rasiren, welcher aber ausblieb. Seitdem geschah der Gottesdienst in der 1588 erweiterten Schlosscapelle, welche 1606 und wieder 1753 einen neuen Thurm erhielt, auch vor 160 Jahren verlängert wurde. Ein Tunnel verband sie mit dem (hypothetischen) Kloster. Ihren kunstreichen Schreinaltar verzehrte der Brand am 22. Juli 1817, welcher ausser dem, zwar nicht hoch stehenden, wohl aber auffallend hoch gebauten Schlosse, indem er es erniedrigte, auch die Kirche und noch 11 Häuser betraf. Der Schlossthurm glich bis dahin den alten runden Thürmen zu Kohren u. a. aus dem früheren Mittelalter; Restaurationen erhielt er 1719 und 1753. – Die mitten in der Stadt stehende Herrnmühle ist schon längst Privatgut. Die Bessermühle liegt entfernt und recht anmuthig am südwestlichen Fusse des Wernitz-Hügels, in dessen Namen eine Wüstmark sich zu verkünden scheint. Es dürften auch früher 2 Dörfer Namens Thierbach hier gewesen sein; denn der grosse Thierbacher Teich kann seinen Namen schwerlich nach dem 3/4 Stunde davon entlegnen heutigen Thierbach haben. – Mühltrof selbst wollen Manche auch im Namen der „Weller von Molsdorf“ erkennen, da diese Familie im Voigtlande begütert gewesen; so kommen 1428 zwei Konrad Molsdorfer vor: auf Gansgüin und auf Möschwitz.

Zu den bekannteren Söhnen der Stadt gehören der 1754 als Gymnasialprofessor zu Gera gestorbene starke Philolog Johann Christoph Macher oder Majer; der einst sehr beliebte Componist Christian August Gabler in Leipzig, Reval und Gotha; der 1857 in Cincinnati gestorbene Theodor Dietzsch, Mitglied des Frankfurter und des Stuttgarter Parlamentes.

Mühlhausen. (S. 171 d. A.) S. unsere Nachträge an anderm Orte. Hier ist nun noch zu bemerken, dass Sp. 2, Z. 2, statt „Fölmstrei“ zu lesen ist „Fällmeisterei“; dass die Gemeinde auch die 4 Häuser Jüdenloh und die beiden Häuser Höllkruken begreift; endlich das in der Kirche zu Landwüst das wunderthätige Marienbild noch vor 100 Jahren, jedoch versteckt, vorhanden gewesen.

Mylau (S. 9b d. A.) vom Bache an der Milen so genannt, liegt ein Stündchen westlich von Reichenbach, 1/3 Stunde von der Landesgrenze und 11/2 Stunde von Greiz auch kaum 1/2 Stunde östlich von Netzschkau in sehr bergiger nicht aber rauher Gegend, wie denn die mittlere Flurhöhe nur 1045 Fuss beträgt, dem höchsten Flurpunkt dürfte aber 1230 Fuss beizumessen sein. Diese fällt jedenfalls auf den Abhang des in Westen ansteigenden hohen nakten Myhlbergs, dessen Thonschiefer stark zu Tage ausliegt, so das er dem Feldbau vieles Land vorenthält.

Der Burg lassen sich am wahrscheinlichsten von 1070 bis 1090 Fuss beimessen.

Dieses stattliche Bauwerk des Alterthums gehört zu den interessantesten und baugeschichtlich lehrreichsten des Landes.

Der gegen 70 Ellen hohe Schlossberg steigt südlich aus dem hier engen Göltschgrunde, fast mit der Steilheit einer Felswand an, ist aber übrigens theils minder steil, theils weniger hoch, so dass seine sehr niedrige Vorstufe in Westen noch die Kirche und den engen Markt des Städtchens trägt. Auf dem nördlichen Abhange stehen alte ehrwürdige Linden. Von beiden schmalen Seiten der Burg zeigt die westliche an den Ecken 2 vierkantige Thürme deren einer die Rüstkammer und in dieser 2 Feldschlangen enthält. Sie verbindet ein kurzer, hoher, nach alter Art kostbarer Flügel, welchen jedenfalls der Kaiser bewohnte.

Die nördliche Längenseite der Burg besteht wesentlich aus einem jetzt dachlosen Corridorgebäude mit Wirthschaftsräumen und dem Burgthore.

Die an diese stossende Kapelle hat in den Hof heraus blos ein sehr grosses Spitzbogenfenster, nordwärts aber (also nach aussen) für den Altar eine Ausbauchung, wie man solche auch am Wolkenburger Schlosse bemerkt. Diese nördliche Längenseite schliesst mit dem runden Burgverliesse und Wachthurme, welcher jedenfalls Karls IV. Zeitalter weit übersteigt und in welchen man zwar von unten gelangen kann, aber – wie in Wolkenburg – durch eine Thüre, die offenbar erst neuerer Zeit ihre Entstehung[WS 4] dankt.

Die südliche Längenseite besteht hauptsächlich ausser einigen (auch die schmale Ostseite bildenden) Wirthschaftsgebäuden, aus einem langen Flügel, der gleich dem Palaste 3 Etagen hat und offenbar zum kaiserlichen Neubau gehörte.

Der Hof zerfällt sehr auffallend in Hälften, obwohl nicht ein eigentliches Gebäude ihn theilt, blos ein grosser Thorweg. Die niedere, grössere und besonders weit breitere Westhälfte war ursprünglich wohl der Vorhof mit den Wirthschaftsgebäuden, wurde aber vom Kaiser zur Hauptpartie erhoben, denn augenfällig muss die, um einige Ellen erhöhete, hintere enge Hälfte der ursprüngliche Burghof gewesen sein.

So breitet sich ein Burgbau unsern Augen dar, wie die meisten böhmischen Burgen, auch wie Greiz, Rochsburg, u. s. w. ihn zeigen: dass nämlich selbst dann, wenn Feinde schon in den Burghöfen waren, doch im obersten Schlosstheile noch Gegenwehr möglich blieb.

Das Ganze umläuft, wie zu Liebau, in grösserer Tiefe eine Ringmauer, die ziemlich nicht mehr in ihrer ganzen Höhe durchweg steht. Wer diese Gegend bereist, versäume nicht den Schlossberg zu besteigen.

Nach dem Tode des Greizer Voigt Heinrich im Jahre 1240 hat dessen Sohn Greiz und Mylau an den nachmaligen Pleissner Landes-Regenten, den Plauischen Voigt Heinrich verkauft; auf die Reussen ist aber diese Besitzung zur Verleihung nie übergegangen, überhaupt kann man nicht von Voigten von Reuss reden.

Die Herren von Milan waren ursprünglich nicht beliehene Besitzer, sondern nur erbliche Castellane der Burg.

Wir finden z. B. aus diesem Geschlechte 1222 einen Heinrich, 1250 Kunermund (welcher Cunsdorf angelegt haben soll) 1278 Herrmann, 1289 Wenzel, 1296 Leuthold, 1322 Fritz, 1327 Ritter Konrad, 1374 Markward, Panner des Bisthums Naumburg. Dieses Geschlecht ist aber wohl von denen von Mühlen zu unterscheiden, deren letzter, August Wilhelm um die Zeit der Leipziger Schlacht in sehr hohen Alter als Cadett gestorben ist.

[22] Die herrschaftliche Oeconomie ist längst schon in das Vorwerk Obermylau verlegt, dessen grosse schöne Gebäude auf dem hohen Platteau nächst der Eisenbahn die Gegend sehr zieren.

Dabei befindet sich ein Dörfchen mit 17 Häusern und hier wohnt der Gutsherr.

Zubehör des Ritterguts sind noch Schönbrunn, ein Drittel von Waldkirchen, diejenige Hälfte von Schneidenbach, über welche sonst das Ordensgericht zu Reichenbach die freiwillige Gerichtsbarkeit übte, die kleinere Hälfte von Rotzschau, 5 Nummern in Lambzig, 2 in Ober- und 3 in Unterheinsdorf. Der 1737 gestorbene Christian Ludwig E. v. d. Planitz besass ausser Mylau auch Lengefeld, Grün, Weissensand, Plohn, Auerbach untern Theils, Sorga und Hohengrün. Es fehlte ihm demnach zur alten Herrschaft Mylau wesentlich nur noch Reichenbach und Netzschkau.

Die Stadt Mylau, welche in der Tiefe den ganzen Schlossberg wie einen Kranz umzieht, erfreute sich früher vieler vom Kaiser Karl IV. verliehenen Privilegien.

So gewährte er dem Orte mit Schöneck gleiche Steuerfreiheit. Daher gab die Stadt bis in unsere Zeiten herab nur die zur Landsteuer (16 Pfennige vom Schock) später hinzugefügte Schocksteuer und dieselbe Accise, hatte auch im Frieden Quartier-Freiheit und erhielt 70 Klaftern Flossholz um geringen Preis. Vom Kaiser schrieb sich auch die frühere Observanz her, dass vor Sonnenaufgang am Ostermorgen, wenn der Gerichtsherr anwesend war, der Bürgermeister diesen im Schlosse besuchte, sein Gewehr abdrückte, einen funkel neuen Groschen auf den Tisch legte, und ohne ein Wort zu sprechen wieder fortging. Hiernach kommt man zu der Ueberzeugung die Commungrundstücke seien Sonnenlehn gewesen.

Die städtische Flur begreift nur 2584/9 Acker und trägt am Wege zum Reichenbacher Bahnhofe den neuen Gasthof zum deutschen Haus, der uns an den Deutschorden erinnert.

Unterhalb der Stadt grenzt das grosse Gebäude der Spinnerei, welche auf Baumwollengarn bis 1836 die stärkste in Sachsen war.

Ihr Begründer Bruckner beschäftigte 1801 bei 24704 Feinspindeln 427 Menschen. Zu gleichem Behufe hatte er 1808 auch den vordern oder westlichen Theil des Schlosses gepachtet und mit 42 Feinspinnwagen erfüllt.

Für die Vorspinnerei erkaufte er die Walkmühle und dann baute er seit 1811 jenes 112 Ellen breite, 4 Etagen hohe Riesengebäude für 80 Spinnwagen, dabei ein Schulhaus, die Krempelei, die Schlosserei so dass er jährlich 1/5 Million Pfd. Garn liefern konnte. Aber schon 1836 hatte er nur noch 16032 Feinspindeln im Umgange und jetzt besteht das theils vom Flusse, theils mit Dampf betriebene Werk nicht mehr.

Der um Stadt und Gegend hochverdiente Gotthelf August Brückner, welcher auch schon 1821 Bobbinetstühle aus England nach Sachsen überbrachte, starb in Mylau im Mai 1857.

Dagegen aber gab es schon 1846 in und bei der Stadt 5 kleinere Wollspinnereien; 1851 lieferten die beiden Schillbachischen Jacob und Paul, Schreiterer, Kupfer und Cyriak Kammgarn; später haben Kretzschmar und Schmidt (welche 1855 abbrannten) Reissmann und Träger, Feller und Merkel, Forberg und Jahn dergleichen etablirt; aber mehrere Spinnereien sind auch wieder entschlafen. So auch ward das Trieb- und Druck-Etablissement von Beaumont und Hense 1859 insolvent, ist aber wieder zu einer Handdruckerei von einem Berliner in Angriff genommen, und das Missgeschick von Reichenbachs Fabricken hat auch auf Mylau traurig eingewirkt.

Dagegen hat das starke Banquiergeschäft von Robert Georgi, einst Finanzminister jetzt Mitglied der II. Ständekammer und des königl. Stadtgerichtshofs, auch Comthur des Albrechtsordens, anerkannt als einen der intelligentesten Kaufleute Deutschlands sich in allen Zeiten blühend erhalten. Der am 22. Nov. 1855 eröffneten Kinder-Rettungs- und Erziehungs-Anstalt schenkte er ein eignes Gebäude.

Die Bevölkerung der Stadt Mylau ist in den letzten 3 Jahren um 12 Procent gestiegen, wovon eine Folge das schnell angewachsene Fabrikwesen und die im Norden befindliche Eisenbahn ist. Mylau zählt in 311 Häusern 3729 Seelen. –

Netzschkau. (S. 120 d. A.) Das Genadissawa der Alten, welches die schönburgischen Herren Friedrich M. auf Crimmitzchau und Friedrich V. auf Glauchau 1324 dem deutschen Orden zu Reichenbach verkauften, so genannt vom slawischen Namen eines Adlerhorstes.

Das Gut hat sein grosses Hauptgehöfte am nördlichen Rande des Ortes: dessen Südseite bildet meist das Schloss, welches wohl nicht eine Burg genannt werden kann: vielmehr stellt es sich nur wie den Palast einer Burg aus dem spätern Mittelalter dar, so dass es an den alten Theil des Schlosses Hinter-Glauchau erinnert. Seine zahlreichen Ziergiebel gleichen jenem der Leubnitzer Kirche bei Dresden, welcher vor 400 Jahren errichtet worden. An das sehr breite Hauptgebäude stossen gleichfalls 3 Etagen hoch 2 kurze Flügel davon der südwestliche die 1629 eingebaute Schlosskirche enthält, worinnen wegen Baufälligkeit schon seit 1814 nicht mehr Gottesdienst gehalten wird.

Das vor dem heutigen Schlosse auch eine wirkliche Burg hier gewesen, beweisst der niedrige Rest eines jener bekannten runden Verliessthürme, worinnen später Archiv und Gefängnisse und ein Salon angebracht worden sind.

In das Schloss wurde aus Schönfels die sonst berühmt gewesene Sammlung Bose’scher Portraits gebracht und noch heute findet man hier alte Waffen und andere Anticoglien.

Früher hatte das Gut auch ein Vorwerk in Foschenroda, wegen dessen es noch bis in die neueste Zeit dem Mylauer Pfarrer Decem zu geben hatte.

In der Mylauer Herrschaft ist aber Netzschkau nicht blos ein Vorwerk oder Nebengut gewesen, was man schon daraus abnehmen kann, dass auf der hiesigen Burg ein eigner Untervoigt, Heinrich Panriss gesessen hat und im 15. Jahrhundert und zwar 1492 besass es Kaspar Metzsch und Hiob Metzsch verkaufte es 1579 an die von Reibold.

Die übrigen Besitzer sind im Album richtig benannt. Nur von den letztern Besitzern des Gutes fehlen zwei: denn von der verwittw. Gräfin Schulenburg kam es zunächst an einen Doctor Agal, der es noch 1846 als Mannlehn besass, damals aber verkaufte derselbe es an Franz Moritz Bruckner und erst von diesem gelangte es an Herrn Opitz der es der heutigen Besitzerin, der Fürstin Maria Clementine v. Schönburg, Gemahlin des Erlauchten Grafen Heinrich v. Schönburg-Rochsburg, Schwester des 1859 vorstorbenen Fürsten Otto Victor abtrat. –

Des Ritterguts 3 Oeconomien sind nach 7576 Einheiten besteuert. Eine derselben ist das, eigentlich als selbstständiges Rittergut zu betrachtende Vorwerk in Limbach; die zweite ist der Schwarzhammer, ein gleichfalls ursprünglich selbstständiges Canzleilehn und anfangs ein vollständiges Eisenhüttenwerk, jetzt ein kleines Vorwerksgut nebst herrschaftlicher Mühle, 1/2 Stunde nordwestlich von Netzschkau, am linken Gölzschufer und unterhalb des Salige (eine alte wüste Mark) romantisch gelegen.

Die Gölzsch begrenzt hier die Flur gegen jene des hochgelegenen Greizer Ortes Reinsdorf, dessen stattliche Kirche die Gegend schmückt. Die Herrschaft besitzt auch den alten Gasthof zu Netzschkau sowie Brauerei, Ziegelei und grosse Holzungen.

Mit Ausnahme zweier Häuser, welche dem deutschen Hause zu Reichenbach erbgerichtlich unterworfen waren, unterlag die Stadt dem hiesigen Rittergute. Hierzu kommen Foschenroda. und Buchwald, Theile von Brockau (8 Nummern) von Lambzig (ebenfalls 8) von Rotzschau (die grössere Hälfte) von Waldkirchen (etwa ein Drittel) und hinsichtlich der Lehn ein Theil von Mylau. Die Prärogative alter Schriftsassen erhielt das Gut 1741 zugesprochen, die 3 verbundenen Güter haben aber die Allodialqualität.

Von der Eisenbahn bezog das Gut 2083 Thlr. Entschädigung, ein Theil des Ortes 4600 Thlr. Einem Theile des letztern hat der starke Brand am 2. September 1850 ein neues schöneres Ansehen gegeben.

Bergbau treibt die sächsische Eisenhüttengesellschaft auf „Rogners Hoffnung“ unweit der Cementmühle, die unterhalb der Ueberbrückung an der Gölzsch steht. Bei der Ueberbrückung sind unter mehreren Häusern auch die Eichmühle und eine Restauration.

Die berühmte Gölzschthalbrücke verleiht viel Interessantes. Ein Blick von ihrer Mitte herab ins untere Gölzschthal ergötzt fast eben so sehr, als jener im Elsterthale.

Von dem 137 Ellen 5 Zoll den Flusspiegel überragenden, 1013 Ellen langen Riesenbau der Brücke selbst zu sprechen, verbiedet des Gegenstandes Reichhaltigkeit, es möge hier genügen, dass vom tiefsten Grunde an gerechnet der Bau sogar 1621/2 Elle erreicht, also mit dem Dresdner Kreuzkirchthurme wetteifert; dass er seinen grossartigsten Anblick von den Greizer Höhen bei Reinsdorf uns gewährt. Hinsichtlich der Höhe wird dieser Brücke künftig am nächsten die Tarnbrücke bei Moissac in Frankreich kommen, welche 75 Meters hoch wird; dann folgt jene zu Freyburg in der Schweiz. Die Niagarabrücke vor dem Falle ist zwar bis zum Flussbette von gleicher Höhe mit der Gölzschbrücke, hat aber weder so tiefen Grund, noch so viel Höhe oberhalb des Wasserspiegels.

Der Ort, welchem 1492 von K. Friedrich III. Stadtrecht ertheilt wurde, zählte 1834 in 170 Häusern 1594 Consumenten, jetzt hat derselbe 233 Häuser mit 2760 Einwohnern: Deren Zahl ist nicht blos vermöge der Eisenbahn, sondern zugleich durch das Fabrikwesen so gewaltig angewachsen. Doch ist der Wohlstand hierbei nicht gross, noch weniger sicher geworden.

Die Häuser von No. 201 bis 207 stehen nicht in Netzschkau selbst, sondern in Lauschgrün. Ausser der Ziegelei stehen auch vereinzelt die Dotzauersche Papiermühle und Ketzels-Mühle bei der Ueberbrückung.

Die Spinnerei von Ludwig und Zimmermann ward kürzlich insolvent. Im Jahre 1831 wurde eine Ausnäheschule, am 1. Januar 1857 eine Postexpedition eröffnet.

Neuensalz. (S. 7 d. A.) Im 15. und 16. Jahrhundert gab es hier 2 Rittrgüter, davon 1428 das eine „Hans Rabe zum Salze“ das andere Wilhelm von Tettau besass. Dem Sebald v. Tettau kaufte 1583 eins dieser Güter Joachim v. Tettau ab, und auf Bernhard v. Tettau folgte Konrad Vollrath v. Watzdorf, welcher es 1633 besass.

Die hiesige Linie derer v. Tettau besass 1542 ausser[WS 5] Neuensalz auch Syrau, Kauschwitz, Mechelgrün und Schillbach: überhaupt aber hatte der voigtländische Zweig ausser der Herrschaft Schwarzenberg mit dem Nebengute Breitenbrunn, auch Arnoldsgrün, Bösenbrun, Bergen, Eschenbach, Marieney, Ober- und Unterlosa, Planschwitz, Schönbrunn, auch im Meissnischen Reinhardtsgrimma, Heidenau und Mügeln bei Pirna. –

[23] Der böhmische Hauptzweig aber, genannt, „von Chiniz und Tettau“ wurde 1316 in den Herrenstand erhoben und König Georgs Bestätigungsbrief von 1459 bemerkt, die Tettauer seien ohnedies ursprünglich Reichsfreie gewesen.

Nach Einigen geht die sichere Abstammung im Geschlechte hinauf bis zum Böhmen Albrecht v. Tettau und Chiniz. Einer von dessen Söhnen nämlich Hans ging nach Preussen, wo die Linie einheimisch wurde. Hansens Urenkels Urenkel Julius Ernst war der allberühmte Siegesgenosse Marlborough’s, dem Manches zugeschrieben worden ist, was eigentlich Tettaus Verdienst war.

Ebenfalls nach Preussen zog auch Hansens Bruder Ehrhardt, dessen Sohn Apel aber ins Voigtland kam und sich mit Syrau und Kauschwitz ansässig machte. Von dessen Söhnen stiftete Markward die Syrauische Linie, Wilhelm aber die Schwarzenbergische. Gleichen Namen Wilhelm hatten auch Sohn und Enkel. Letzterer verlies 1524 keinen Sohn und das Pfandgut Schwarzenberg fiel an Wilhelm II. Vettern Albrecht Georg Christoph und Markward auf Mechelgrün als die Söhne des Ritters Anshelm. Albrechts Sohn Christoph hatte Theil an Schwarzenberg, ausserdem aber auch Neuensalz, Marieney, Oberlosa und Schillbach.

Dessen Söhne aber waren die im Album genannten Hanns I. zu Neuensalz und Joachim zu Schillbach.

Hanns II. hatte ausser Neuensalz auch Marieney, zum Sohne einen Balthasar, zum Enkel aber wohl den im Album vorkommenden Sebald. Der Bruder von Apel, Anshelm stiftete die Mechelgrüner Linie.

Ein Zusammenhang dieser Linien nun mit dem jetzt fürstlichen Geschlecht Kinsky ist nicht blos anzunehmen, sondern beruht wohl auf der Burg Wchinitz unfern Lobositz in Böhmen. Leider, dass der Zusammenhang nicht recht bestimmt werden kann, weil die Zerstörung dieser Burg in die bekannte Geschichte der böhmischen Tettauer eine Lücke gebracht hat.

Die früheren Besitzer der Burg Wchinitz werden abwechselnd von Tettau, bald von Chinic bald Chinsky genannt.

Der jetzige Besitzer von Neuensalz Herr Seiler wurde 1851 in die zweite Kammer gewählt, ist ritterschaftlicher Inspector der von Osterschen Waisenstiftung und Director der voigtländischen allgemeinen Kreiskasse. Der Ort hat jetzt 72 Häuser, in welchem 511 Seelen leben. Die Flur raint mit Zobes, Gospersgrün und Gansgrün. Ihre mittle Höhe beträgt 1260 Fuss; der Boden ist zwar ziemlich uneben, aber mässig fruchtbar. Den Bach an der Chausseebrücke fand Lohrmann 1155 Fuss hoch, somit würde die Seehöhe der Flur überhaupt von 1150 bis zu 1830 Fuss gehen und letztere Zahl etwa den in Westen ansteigenden sogenannten „hohen Berg“ betreffen.

Nördlich dem Dorfe gegenüber steht in ziemlicher Höhe das Vorwerk Waschleithen oder Sorga und mit diesem hat das Gut 5873 Steuereinheiten, ist demnach den Mittelgütern beizuzählen. Dazu gehören ausser Neuensalz selbst (wo aber auch der Stadtrath zu Plauen und das Rittergut Reusa Lehnleute haben,) Antheile an Zobes (14 H.) an Altensalz (7 H.) an Altmannsgrün (9 H.) und an Grossfriesen (3 H.) nebst einigen Lehnunterthanen in Siebenhitz.

Nosswitz (S. 56 d. A.) dürfte seinen slawischen Namen, der jetzt offciell auch Noswitz lautet, von jenen der Nacht (noz) haben, da es zur Zeit seiner Anlage allerdings eine ziemlich versteckte und düstere Lage haben musste. Nicht allein in Osten vermöge der Elster ist die reussische Grenze sehr nahe, sondern auch in Norden, wo zunächst die reussische Wüstmark Buckau sich verbreitet, während die in Südwest eine bedeutende Höhe bedeckende Wüstmark Wesnitz nebst dem kalten Felde hierher gehört. Aber auch diese Wüstung wird in Westen nur durch die Tremnitz oder den Gösenbach von der reussischen Flur Hohndorf geschieden. Daher sind die sächsischen Orte, mit denen Nosswitz raint, nur Elsterberg. in Süden und Tremnitz in Westnordwesten. Die südlichste Partie der Nosswitzer Flur, welche 1132 Fuss zur mittlern Seehöhe und ziemlich gutes Land hat, heisst das Röthel; dieser Name scheint Deminutivum von Rod oder Hrod, eine Burg, eben so zu sein, wie Rödgen und Bürgel, wofür denn auch die Gestaltung der Höhe, auf deren tiefem Abhange das Gut steht, sprechen würde. Das Dorf enthielt 1834 in seinen 24 Häusern 131, 1858 aber 171 Seelen; 1801 hatte es ohne die beiden Dreiviertelhufengüter, die dem Rittergute Kleingerau unterliegen, 104 Consumenten.

Das nur mit 24021/2 Einheiten besteuerte, aber nutzbare und sehr angenehm gelegene Allodial-Rittergut hat schöne Gebäude, welche gleichsam wie ein Schmuckkästchen dastehen, vergleichbar im kleinen dem schönen Gute Thossfell; namentlich zeichnet das Herrenhaus sich aus. Die Chaussee nach dem nur 11/4 Stunde in Nordost entlegnen Greiz befördert des Gutes Viehnutzung. Gärten und sehr alte Laubbäume umgeben das gänzlich mit Schiefer gedeckte Gehöfte; gute Wiesen verbreiten sich bis zur Elster hin, und die Gegend gehört zu den anmuthigsten im Lande. Auch hier noch kommen einzeln im Flusse Perlmuscheln vor.

Das nach früherer Verfassung altschriftsässige und landtagsfähige Gut ist aus der gräflich Lobdeburgischen Herrschaft Elsterberg hervorgegangen: ursprünglich wohl nur als eines ihrer Vorwerke, daraus sich ein zuletzt losgetrenntes Lehngut bildete. Wahrscheinlich nannten davon sich die v. Nosswitz, von denen Georg 1651 Oberhofrichter zu Leipzig war; indessen bleibt dieses so unsicher, dass man nicht einmal angeben kann, wann jenes Geschlecht hier gesessen haben könnte. 1819 hatte das Gut Frau Josephe Friederike Wilhelmine v. Metzsch, und 1843 übernahm es der F. R.-Greizische Geheim-Cabinetsrath Heinrich Anton v. Grün, welcher 1852 seine volle Gerichtsbarkeit über den Ort an das damalige K. Gericht Elsterberg abgab; jetzt unterliegt dem Amte auch der Kleingerauische Antheil.

Vor einer Reihe von Jahren fanden wir des Gutes Grundstücke so angegeben: 11/2 Acker Gärten, 21 Acker Wiesen, 8 Acker Hutung, 541/4 Acker Feld und einiges Holz; hierbei 22 Kühe, 60 Schafe, Branntweinbrennerei, und die in Norden gelegene Ziegel- und Kalkrennerei. Die Mühle, mit 4 Gängen, ist früher ebenfalls herrschaftlich gewesen.

Oberlauterbach (S. 111 d. A.) liegt – nicht völlig zusammenhängend – südöstlich bei Unterlauterbach, und zwar an einem nordwärts zur Trieb gehenden Bächlein, jedoch nicht längs demselben, sondern bei weiter Verstreuung dennoch in die Runde gebaut, 1 Stunde westnordwestlich von Falkenstein und 11/2 westsüdwestlich von Auerbach. Es kreuzen hier die Strassen von Auerbach nach Plauen und von Schöneck nach Treuen. Die im Mittel 1433 Fuss hohe Flur, mit Dorfstadt, Trieb und Schönau rainend, ist sehr steinig, und den Ertrag schmälert noch das etwas rauhe Klima.

Das Rittergut, ehedem nur ein Vorwerk der Herrschaft Falkenstein, steht an des Dorfes Westende, und versteuert, so weit es an der Ortsflur betheiligt ist, nur 47124/11 Einheiten. Hierzu aber kommt bedeutende und seinen Werth stark erhöhende Waldung, welche für sich allein wieder 2 Fluren oder Forstreviere bildet. Von diesen hat die nähere, welche das südlich vom Winnersteine bei Falkenstein liegende Dorf Grünbach mit einschliesst, 2166 Fuss –, die entferntere mit dem Muldendorfe Hammerbrück 2137 Fuss mittle Höhe.

Die früheren Besitzer Falkensteins besprachen wir in unserm Nachtrage zu diesem Hauptgute. Wiederholen aber müssen wir hier, dass die mittelalterlichen Trützschler keineswegs das „von“ in ihrem Namen führten, wie denn dieser keineswegs ein Ortsname, sondern nur ein abgeleiteter Familienname ist. Der Geschlechtssenior August Wilibald auf Oberlauterbach, Dorfstadt und Mechelgrün verschmähte noch 1753 das „von“. Hat man früher das Rittergütchen Elzenberg bei Glauchau auch „den Tritzschler“ genannt, so geschah es nur desshalb, weil es ehedem Trützschlerisch gewesen. Ebenso ist es mit dem Tritzschlerwalde unfern Zwickau (bei Niederhohndorf,) wo Manche irrig eine Burgstätte Trützschler suchten. Die ersten Nachrichten erwähnen der Trützschler wohl als der Erbcastellane zu Crimitzschau (jetzt Schweinsburg genannt). Und selbst der im Album angezogene Hildebrand heisst nirgends etwa „Eichelberg von Trützschler“, sondern „von Eichelberg genannt Trützschler“ oder „Trützschler v. Eichelberg“, oder „Eichelbert Trützschler“.

Die Mitglieder der im Album (S. 111, Sp. 1) erwähnten Liga von 1445 waren die Bischöfe von Meissen, Merseburg und Naumburg, nämlich Johann IV. aus dem Schweidnitzer Patriciergeschlechte Hofmann, Johann II. aus der Familie Bose, und Peter der Stammelnde, ein Schleinitz. Der Ausdruck „zum Bergen“ heisst wohl nichts andres, als „im Augustinerkloster auf dem Berge vor Altenburg“. Zum Herrenstande gehörten übrigens auch die Säcke und die v. Dohna.

Dem Hildebrand Eichelbert folgte als Oberlauterbachs Besitzer zunächst Moriz Trützschler. – 1823 ist als Mitbesitzer der Hauptmann Christian Gottlob gestorben.– Nicht Karl Adolf, sondern Franz Adolf finden wir den Geheimerath geschrieben; er ist nämlich jetzt dieses für den Herzog zu S. Coburg und Gotha, auch Präsident, und bewohnt, sein Gut Heerda bei Ohrdruf. Der Gerichtsbarkeit allhier entsagte er am 2. April 1854.

Das Dorf, 1753 erst mit 19 Häusern, hatte 1834 deren 48 mit 315 – und 1858 deren 53 mit 388 Seelen. Von den zugehörigen Ortstheilen begreift jener an Falkenstein zugleich mit die Häuser des Lohberges, der Grünbachische (1834) 46 Häuser oder die grössere Hälfte des Dorfes, der Schreiersgrüner (die Falkensteiner Häuser eingerechnet) etwa 1/3 des Ortes, der Werdaische 5 Nummern. Für Grumbach, ein Druckfehler, ist Grünbach zu lesen. Bergen, Kotten- und Lottengrün gehören hierher nur wegen der Lehnbarkeit einiger Flurstücke.

Die sonstige Schäferei Irrgang steht 1/2 Stunde östlich von Oberlauterbach, jenseits des Rammelberges, nächst der Auerbach-Plauenschen Strasse. Juchhöh liegt auf der Mühlleithe, am Falkenstein-Hammerbrücker Wege. Das Waldhaus Salzbach fehlt auf allen bisherigen Karten. – Was das Album Sandstein nennt, ist vielmehr Granit, und lieferte die Quader für die Eisenbahnbrücken über die Gölzsch und die Elster. – Das Wort „eingegangen“ (Z. 8 v. unten) betrifft nur Friedrichsgrün; denn die Falkensteiner Schmelzhütte ruhte schon im vorigen Jahrhundert.

Der S. 112 besprochene Winnerstein, genannt nach der unterhalb seiner Westseite stehenden Falkensteiner Schäferei Winn, heisst zwar wirklich auch Wendelstein (vielleicht nach der Wendeltreppe, die in seiner Höhlung ehedem auf den Gipfel geführt,) nicht aber Bendelstein; diess ist vielmehr der Name jener Klippe, welche das Gebirge mitten zwischen Auerbach und Dorfstadt überragt. Der Winnerstein besteht auch nicht aus Felsgruppen, sondern aus einer einzigen Gruppe. Ueber die Vehme selbst sprachen wir unter Falkenstein. – Auch der Plural „Kammertücher“ ist mit dem Singular zu vertauschen, da Kammertuch ein Stoff (nicht ein Tuch) ist.

Oberlosa, (S. 89 d. A.) auch Oberlossa, ist nach seiner ursprünglich sehr waldigen Lage genannt. Das Dorf wuchs 1834 bis 1858 nur wenig an: von 67 zu 70 Häusern, von 375 zu 495, Seelen [24] welche, nachdem die Herrschaft im October 1855 ihre volle Gerichtsbarkeit abgetreten, dem Amte Plauen unterliegen. Die mit Reinsdorf, Brand, Stöckigt, beiden Marxgrün, Unterlosa und Messbach rainende Flur hat die mittlere Seehöhe von 1448 Fuss, guten Boden, angenehme und durch die nur 3/4stündige Entfernung Plauens erspriessliche Lage. Die Kirche fand Wiemann 1416 Fuss hoch. In dieser predigt als Landdiakon nun Herr Schöpf. Die Collatur der Schulstelle ist herrschaftlich.

Bei seiner bedeutenden Oekonomie hat das Gut 68201/3 Einheiten zu versteuern: 412 in Oelsnitz und 64081/3 in Plauen. Als die Erben des im Januar 1855 verstorbenen Ferdinand Hartenstein es ausboten, wurde es auf 94555 Thlr. geschätzt, und hatte 3292/3 Acker Feld, 923/4 Acker gute Wiesen, 31/3 Acker Garten, 85/8 Acker Teiche, 341/5 Acker Hutung und 168 Acker Holz, auch wohlgehaltene Gebäude. Die Taxation von 1819 hatte dagegen nur 78550 Thlr. ausgewiesen. Somit mag wohl jener Fabrikherr Hartenstein (welcher auch 1837 in der 2ten Ständekammer gesessen) das Gut sehr gebessert haben. Noch im Herbst 1847 war damit Christian August Hartenstein beliehen. – Mit Sicherheit haben vor denen v. Tettau die Säcke Oberlosa besessen; doch lässt die Zeit sich nicht bestimmen. 1719, wo ein grosser Brand das Rittergut mit ruinirte, soll auch das im Album erwähnte Freigut noch ein (2tes) Rittergut gewesen sein. Bis 1819 hatte das Gut ein Fräulein Ida Rosalie Sophia v. Müffling, genannt Weiss. –

Der im Album vorkommende Kemlerberg wird auf Karten auch der Wachhübel genannt, und an seiner Nordostseite steht die zu Reusa gehörige Kemlerschäferei; Lohrmann fand ihn 1580 Fuss hoch, also 336 Ellen über die Elster zu Plauen erhaben. Im hiesigen Grünstein hat man zuweilen Katzenaugen gefunden und als Juwelen verarbeitet.

Nach früherer Verfassung war das Gut zwar nur neuschriftsässig, aber dennoch landtagsfähig. Von Stöckigt gehören dazu die Ferbismühle und der kleine Brand oder die Brandhäuser. Es soll auch in Görnitzer Flur lehnbetheiligt sein. Im Jahre 1801 gab es 283 Consumenten an.

Oberweischlitz (S. 133 d. A.) wird zum Theil bei den Ergänzungen zu Unterweischlitz mit berücksichtigt. Es liegt 13/4 Stunden von Plauen und Oelsnitz resp. südwestlich und nordwestlich, auf beiden Elsterufern. in schöner, mässig fruchtbarer, coupirter Gegend, rainend mit Geilsdorf, Taltitz, Türbel, Pirk und Unterweischlitz. Die Flur begreift auch das in Südost nahe und am rechten Ufer gelegene Oertchen Rosenberg (s. diesen Artikel) und hat nur 1261 Fuss mittler Seehöhe. Unter den Anhöhen zeichnet sich im Südwest der Geilsdorfer Galgenberg, im Südost der Birkenpöhl oder Birkpöhl aus. Die ganze Gemeinde befasste 1858 in 43 Häusern 265 Seelen, deren 77 in den 10 Häusern zu Rosenberg lebten. Es scheint aber das Rittergut auch Antheil an Unterweischlitz zu haben, da 1834 sein Sprengel 53 Häuser (worunter 7 Bauergüter) begriffen hat; von diesen waren jedoch auch 3 in Grosszöbern und 1 in Berglas. Der Consumenten gab 1801 der Sprengel 193 an. Lehnleute hat das Gut in Geilsdorf, während an hiesiger Flur Pirk, Schwand und Kürbitz lehnbetheiligt sind.

Die im Album angegebenen 853 Acker und 9830 Steuer-Einheiten betreffen die ganze Ortsflur; denn die combinirten Rittergüter Oberweischlitz und Rosenberg versteuern nur 6684 Einheiten, wobei sie gleichwohl schon eine werthvolle Besitzung darstellen. Auch rühmt man deren gute Wirthschaft, die Schäferei und besonders die Rindviehzucht. 1854 nahm die Güter Herr Ludolf Herrmann Kasten in Lehn; vorher war 1832 Frau Finanzcommissar Kasten Besitzerin gewesen, 1632 hat hiesiger Wolf Dietrich v. Posseck von seinem Oheim Trützschler v. Eichelberg auch Christ- und Schneckengrün geerbt; ihm folgte Wolf Albrecht v. Posseck.

Auf S. 134 ist bei der „Elsterüberbrückung" selbstverständlich nicht jene für die Eisenbahn gemeint, sondern die hiesige ansehnliche Chausseebrücke. Das „Klein-Eckhaus“ des Album ist ein Druckfehler und soll Laneckhaus heissen.

Ottengrün (S. 159 d. A.) liegt in der genauen Mitte zwischen Oelsnitz und Hof, doch nicht an der Strasse, südlich vom Kegelberge, nördlich von den Affen- und Pferdebergen, in etwas rauher und wenig fruchtbarer Gegend, wie denn auch die Flur im Mittel 1630 Fuss Seehöhe zeigt. Die Seelenzahl in den 35 Häusern ist in den letzten Jahren auf 170 zurückgegangen. Zum Gute gehören hier 23, in Burckhardsgrün (welches 21 Häuser enthält) 8 Häuser, und es gab 1801 der Consumenten 105 an. Nach früheren Verhältnissen war es, als amtsässig, weder landtagsfähig, noch mit Obergerichten versehen; seine Erbgerichte aber endigten am 23. April 1856. Von des Dorfes Reste unterlagen mit voller Gerichtsbarkeit 4 Häuser dem Amte, 1 dem Pirker, 5 dem Poseker Rittergute; lehnbetheiligt waren auch die Güter Heiners- und Sachsgrün.

In der Reformationszeit gehörte Ottengrün wie ein Nebengut dem Kunz Rabensteiner (Konrad v. Rabenstein) auf Ebmath; 1555 aber starb als Besitzer der Ritter Haubold Anshelm v. Tettau auf Dröda und Mechelgrün. Türbel hatte aber schon damals Antheil nicht nur am Dorfe Ottengrün selbst, sondern auch an den zugehörigen Holzmarken Limmer (deren Namen ein sehr bekannter sächsischer, wegen seiner sonderbaren Grillen und seiner ihn selbst häufig verblendenden Wahrheitsliebe unbegünstigt gebliebener Geschichtschreiber bis in unser Jahrhundert bekannt erhalten). Horchenlohe und Bendling. 1753 hat wieder ein Pöllnitz Ottengrün gehabt, so wie 1814 der Major Spiess auf Bobenneukirchen. – – Der S. 159 erwähnte Pastor Andreas Merz, ein Exsul aus Graslitz auf dem böhmischen Erzgebirge, schrieb sich vielmehr Martius.

Pfaffengrün, (S. 151 d. A.) nun im Amte Treuen, liegt 11/3 Stunde südsüdwestlich von Reichenbach, 1 Stunde von Treuen nordwestlich und von Mylau südsüdöstlich. Den im Südwesten nahen Punkt, wo die neue Chaussee von Treuen zum Herlasgrüner Bahnhofe die Landstrasse kreuzt, fand Lohrmann 1450 – und die von letzterer gestreifte Waldkoppe 1554 Fuss hoch. Ueber die mittle Seehöhe der Flur, 1450 Fuss, erhebt das ansehnliche Gutsgehöft sich nur wenig; es bezeichnet nebst der bewohnten Windmühle das westliche Ende des Ortes, welcher 1834 bis 1858 von 53 auf 60 Häuser, von 302 auf 450 Bewohner, also infolge der Zunahme der nahen Fabrikstädte rasch angewachsen ist. Sie brechen auch zum Theil den hiesigen Thonschiefer, der theilweis selbst zur Dachung taugt. – Die südwestwärts im Walde gelegene Coschütz-Wiese kann wegen allzugrosser Abgelegenheit schwerlich auf das Rittergut Coschütz bezogen werden, sondern deutet wohl eher auf ein eingegangenes zweites Oertchen Coschütz hin. Noch ferner dem Dorfe, ragt in diesem Walde der Gräfenstein, ein Klippenpaar, dessen Namen man entweder auf die Dohnaischen Burggrafen oder auf die gräfliche Linie Lobdeburg-Elsterberg beziehen möge.

Was den Ortsnamen betrifft, so kann (vergl. S. 151) von Mönchen in Gansgrün keine Rede sein: vielmehr bezieht er sich wohl auf das Besitzverhältniss des Elsterberger Oberpfarrers, dessen Dorf-Antheil (1834) 28 Häuser begreift, während nur 21 dem Rittergute unterliegen; bei ersterem Antheile sind 11 Halb- und 2 Viertelhüfner. Vielleicht hiess der Ort anfänglich nur Grün, d. h. ein Anbau im Walde, bis man, gemäss jenem Dotalverhältnisse, zum Unterschiede noch „Pfaffen“ vorsetzte. Die Gerichtsbarkeit über den Pfarrtheil kam 1852, über den Antheil des Gutes (das auch über den Pfarrtheil die Obergerichte hatte), 1853 an das K. Gericht zu Treuen; dagegen behielt das Rittergut Thürnhof seine (im Ortsverzeichniss übersehene) Gerichtsbarkeit über ein gespaltenes Gut allhier bis zum 25. April 1856.

Der heutige Besitzer, Herr Ludwig Ferdinand Schillbach, empfing die Lehn 1832.

Pirk, (S. 52 d. A.) ehemals gewöhnlicher Birck, wird als Lehn jetzt „Türbel und Pirk“ genannt, und liegt doch nicht „an der Westspitze" des Landes, sondern 11/2 Stunde davon entfernt. Und da die Feile hier mehr nord- als ostwärts läuft, so steigt der Eichelberg in Südosten an. Nach heutiger Bezirkung liegt Pirk im Amte Plauen. – Obwohl nun der Verf. des Artikels an dessen Ende jede Zugabe für überflüssig erklärt, so wagt doch Einsender die folgenden, verbunden sogar mit Streichungen. Denn eine solche betrifft sogleich (S. 52, Sp. 1, gegen das Ende) die Vulcanität der Gegend, deren Gerippe doch nur Schiefer und Grünstein bilden.

Das Sacksländchen, welches sich in Mühltrof concentrirte, hat (S. 53, Sp. 1, Z. 12) keineswegs bis nach Pirk gereicht. – Dieser Ort ist 1834 bis 1858, weil Türbel damit völlig vereinigt worden, von 15 auf 26 Häuser, von 124 auf 186 Seelen gestiegen, deren viele für die nahen Fabrikstädte arbeiten. Der Consumenten gab 1801 das Rittergut 621 an. Dasselbe hat noch das zur Bobenneukirchner Gemeinde gehörige, aus 6 Nummern bestehende Oertchen Einsiedel, Theile von Bobenneukirchen (etwa 1/3) und Grosszöbern (etwa 2/5), Berglas ohne 1 zu Weissblitz gehöriges Haus, Kleinzöbern bis auf 1 dem Amt unterliegende Nummer, 1 Haus in Dröda mit 1/2 Hufe und ausserdem 12 Lehnstücke, Weidigt ohne 2 Posekische Unterthanen, in Rammoldsreuth 2 Nummern, in Dechengrün 1, Zettlarsgrün 2, in Engelhardsgrün 3 Häuser, in Ottengrün 1 Gut, sowie die von Bobenneukirchen aus bewirthschafteten 3 Lehnstücken in der Horchenlohe, in Bendling und in Limmer; endlich Lehnstücke zu Dechen- und Engelhardsgrün. Seine Gerichtsbarkeit – in den Antheilen meist nur die Erbgerichte betreffend - behielt das Gut bis in den Mai 1856, wo einige Ortstheile dem Voigtsberger, alles übrige dem Plauischen Amte zugewiesen wurden.

In Pirk selbst und in Tirbel hatte das combinirte Gut auch die Obergerichte. Diese beiden Orte sind zu Einer Gemeinde und Einer Flur verbunden, deren mittlere Seehöhe 1261 Fuss beträgt. – Wenn das Album den Ortsnamen so bespricht, als sollte er eigentlich Berg lauten, so ist zu beachten, dass die Stadt Eger 2 verschiedene Orte der beiden Namen Berg u. Birk besitzt; sollten diese identisch sein, dann würde man den beiden Orten auch sicherlich unterscheidende Beiwörter geben, z. E. Ober- und Unter-, oder Gross- und Klein-. Vielmehr halten wir Birk oder Pirk für slawisch, obwohl wir es nicht zu deuten vermögen. Da das Buchauische Birk in Böhmen auch Pürk geschrieben wird, so dürfte Pürek die Bedeutung von Pürstein theilen, welches eine in die Runde gebaute Burg bedeutet. Pürek wäre allso ein in die Runde oder nach der ächt-serbischen Weise angelegter Ort. Pirken bei Rothenhaus nennen die Czechen Pirkow, und für unser Pirk erscheint 1613 die Schreibung Bergk.

Die Pirk-Türbeler Flur umschliesst nicht nur einige fremde Parzellen, sondern es ist das Gut Taltitz auch darin lehnbetheiligt. Dagegen hat das hiesige Mannlehnrittergut auch noch Lehnleute in Weischlitz und Ruderitz. 1542 werden Pirk und Tirbel blos „Vorwerke“ von Geilsdorf genannt, welche jedoch eigene Ritterpferde zu ställen hatten. 1643 besass sie der Ansbachische Geheimerath Georg Ehrenfried v. Naundorf auf Geilsdorf, Hofrichter zu Jena. – 1832 starb als Besitzer der Advocat Johann Gottlo Hüttner, und 1859 nahm Heinrich Eduard Hüttner die von Wilhelm II. geerbte Hälfte in Lehn.

Diese Familie sagte 1854 sich los von weitern Bau der Zeche Friedrich Wilhelm, die, abgesehen von Gold und Silber, auf alle Mineralien patentirt war. Früher[WS 6] machte diese 1828 wieder aufgenommene [25] Zeche gute Hoffnung auf Kobolt, und man hat eine gute Menge Erzes nach Schneeberg eingesendet, auch 1830 eine Wäsche angelegt; aber die Hoffnung schnitt bald ab. – Der hiesige Grünstein enthält kleine Serpentinlager.

Die im Egerischen Vertrage 1459 sächsischerseits ausdrücklich als böhmisches Hauptlehn anerkannte Burg Therbil ist dies auch bis zum Teschener Frieden 1779 geblieben. Sie gehörte 1459 eigenthümlich dem meissnischen Burggrafen Heinrich v. Plauen. Ihre Stätte ist nächst der Mündung des Triebelbaches, von Pirk aus gerechnet jenseits desselben und folglich noch weiter Jenseits der Feile. Die nur noch niedrigen Mauerreste bezeugen gleichwohl die grosse Ausdehnung der Burg, welche auch von oben her durch doppelte Gräben u. a. Vorfestungswerke sehr gesichert war. In ähnlicher Weise, wie bei der Coschützer Burg unweit Dresden, führte auch hier eine Oeffnung aus dem schönen grossen Keller in das Nebenthal. Auf den Mauerresten steht eine Scheune: man kann daher nicht schlechthin sagen, das Gutsgehöfte bestehe nicht mehr, sondern das Verhältniss gleicht hier jenem von Stein bei Oelsnitz und von Rosenstein bei Dresden. Bewohnt aber ist es nicht mehr, weshalb denn auch in der Zeitschrift des statistischen Bureaus (1859, No. 4) das Sternchen beim Namen Tribel fehlt. 1643 wird Triebel officiell ein Rittersitz mit Schäferei und Mühle, aber ohne Dorf genannt, wogegen man es nun als ein Dorf ohne Rittersitz betrachtet. Die Mühle hat 4 Mahlgänge, 1 Graupengang, Brot- und Oelzeug, und war 1823 um 800 Thlr. verpachtet, mehrt also nicht wenig den Werth des mit 55743/4 Steuereinheiten belegten Doppelgutes. Dieses hat in der Elster das Fischrecht von der Magwitzer Grenze bis zu der vormaligen des Amtes Plauen.

Vor dem Sackischen Besitze hat sich noch Triebel oder Tribel auch ein Adelsgeschlecht geschrieben, aus welchem 1317 ein Eberhard als vögtisch-Plauischer Vasall vorkommt. Die Vögte besassen 1372 die Burg als ein böhmisches Reichsafterlehn. Als Besitzer von Geilsdorf besassen die v. Reitzenstein auch Pirk und Tirbel, und desshalb sei hier gelegentlich bemerkt, dass die Burg Reitzenstein im bayrischen Voigt- oder Regnitzlande nicht gar fern von der Saale zwischen Blankenberg und Brandenstein gestanden hat.

Planschwitz (S. 115 d. A.) heisst ur-, vielleicht nur unkundlich auch Blansswitz, dürfte also gleiche Herleitung leiden mit Belanowitz, dem heutigen Pillnitz. Somit käme der Name vom slawischen Namen der Meisterwurz oder Angelica, Imperatoria Ostenthium, und hätte also auch gleiche Bedeutung mit jenem der Stadt Ostritz.

Hinsichtlich des Ursprunges können wir freilich nicht dem Album bis in das sechste Jahrhundert zurück folgen, finden auch in der Ableitung der „Säcke“ aus Sachswitz nur Hypothese, und streichen das „von“ vor deren Namen. Auch war Planschwitz nie eine Herrschaft und die Säcke nicht wegen dieses, sondern durch Mühltrofs Besitz Herren. Die v. Neidberg schreiben sich jetzt v. Neuberg, nach der in der Ascher Herrschaft gelegenen, von Elster aus jetzt viel besuchten Burg; sie sind noch jetzt in Böhmen stark begütert, und hatten 1679 auch Stein und Dobeneck. – S. 116. Z. 16 v. u. lese man „Dr. Ludwig Schneider“, der auch schon 1838 Besitzer war.

Frühere Zeiten nennen uns als Besitzer auch: 1298 Ulrich Sack; bis 1355 die Plauischen Vögte, welche Planschwitz, ein böhmisches Reichsachterlehn, damals an die Wettiner abtraten; 1542 Thomas Joachim und Hanns Ulrich v. Zedtwitz; 1715 den Marschcommissar Adam Ulrich v. Neidberg auf Bösenbrunn; auch schon 1589 den Georg Wolf v. Tettau, welcher 1 Ritterpferd zu ställen hatte. 1344 hat Ulrich Sack gemeinsam mit den Säcken v. Gatzenhof (zu Oelsnitz) und denen v. Stein die hiesige Pfarrei gestiftet, welches der Plauische Deutschordenscomthur Heinrich v. Kürbitz sanctionirte. Dieser machte Dröda zu einem Planschwitzer Filial, was es aber schon seit der Reformation nicht mehr ist. Gleichwohl ist in beiden Kirchspielen der Plauische Oberpfarrer, als Nachfolger der Ordenscomthure, der Collator. – Hanns Christoph v. Tettau gewann 1583 dem Gute die (mit Stadt Oelsnitz und einigen Taltitzer Bauern getheilte) Koppelfischerei in der „untern Freiheit“, d. h. in der Elster, soweit diese unterhalb Dobeneck und bis zum Pirker Gebiete nach Oelsnitz gehört. – – Das jetzt herrnhauslose Bei-Rittergütchen Stein hat seinen besondern Artikel.

Gösswein (S. 116, Sp. 2) enthält ein herrschaftliches Vorwerk, und hält sich zur Magwitzer Gemeinde. – Die Planschwitzer Ortstheile befassten 1834 in Bösenbrunn 4 Häuser, in Taltitz die Mühle, in Untertriebel (wo die Mühle ehedem ein Planschwitzer Pfarrlehn gewesen) 4 Häuser, und 2 in Obertriebel. – Das Rittergut gab 1801 nur 198 Consumenten an; 1834 aber hatte allein Planschwitz 258 – und 1858 in 44 Häusern 261 Seelen; man kann daher im Sprengel wohl 320 annehmen.

Planschwitz liegt 11/4 Stunde westlich von seiner Amtsstadt Oelsnitz, hinsichtlich der Kirche nach Wiemann 1370 Fuss hoch, wogegen die mittle Seehöhe der verbundenen Fluren Planschwitz und Stein 1383 Fuss beträgt. Das Klima ist nach diesem Verhältniss eher mild, als rauh zu nennen. – Das Pfarrhaus wurde 1748 neu gebaut. Ob die eine der beiden hiesigen Mühlen noch jetzt beim Pfarrer zu Lehn gehe, ist uns unbekannt; 1753 aber war dem also. – Zu Z. 12 auf S. 117 ist zu bemerken, dass Taltitz längst schon seinen eignen Pfarer hatte, bevor Plauschwitz (1343, nicht 1393, wie im Album steht) den seinigen erhielt. Eben da ist statt 30 Thlr. und statt 6 Gr. zu setzen: 30 Gr. und 62/3 Gr. – In Z. 18 wolle man für „Besitzungen“ schreiben „Besetzung“; in der Mitte der 2ten Spalte aber für Ottenhaus „Otterhaus“. Magwitz, dem dieses Otterhaus beigehört hat früher sich zur Planschwitzer Commun gehalten, an deren Flur auch der Oelsnitzer Stadtrath lehnbetheiligt ist.

Der Kirchberg besteht oberwärts aus einem schiefrigen Grünsteintuff, der nebst dem körnigen Kalkstein von hier bis nach Oelsnitz hin der Grauwackenformation zugehört. Die Versteinerungen sind am häufigsten Terebratula prisca, Climenia, mehrere Spiniferen, Orthis rugosa, mehrere Cyathokriuiten, Calamoporen u a. Korallien.

Um der Bergbegnadigung willen nahm man 1834 die alte Dreifaltigkeits-Kupfergrube wieder auf, und vor einigen Jahren machte ein gewisser Kretschmar wieder einen Versuch mit besserm Glücke; seit dem März 1859 hat er sowohl Kupfererz nach Freiberg, als Eisenstein nach Hof verkauft. Wir finden letztern Schwarzeisenstein genannt; vielleicht ist aber Brauneisenstein gemeint. Dadurch, dass man hier Raubbau getrieben, hat sich eine Höhle, die Klunst gebildet. Häufig bildet der hiesige Glaskopf schöne Drusen. Einen grünlichweissen durchscheinenden Kupferschüssigen Spat auf der Weinelsgrube sprach man für Flussspath an, er ist aber nicht cubisch, sondern rhombisch, also wohl eher ein Bitterspat. Ausser dem Gediegen-Kupfer finden sich auch Ziegel-, Pech-, Fahl- und Schlackenerz. – Im Orte besteht eine Cichorienfabrik.

Das Rittergut wurde 1831 mit Stein zusammen auf 57721 Thlr. taxirt, und versteuert 5859 Einheiten. Seine volle Gerichtsbarkeit übergab es am 23. Juli 1856. Planschwitz selbst hat die Erblehn-, Stein hingegen die Allodialqualität. Das oberhalb der Kirche sowohl, als der Steiner Ruine stehende Schlösschen hat kein ungefälliges Aussehen. Man hat in demselben 1770 das sogen. Lissaboner Erdbeben auffallend deutlich gefühlt. Spuren der alten Sackischen Burg fehlen nicht gänzlich. – Planschwitz gehörte nicht zu den Voigtsbergischen, sondern zu den ursprünglich Plauischen Lehen; als daher die Vögte, dem Wunsche des letzten Ebersteiner Grafen gemäss, 1327 dem Böhmenkönige die Lehn antrugen, kam auch Planschwitz unter Böhmens Hoheit. – Zum ersten hiesigen Ulrich Sack ist noch zu bemerken, dass die Plauischen Vögte ihm 1298 diejenige Hälfte der jetzt bayrischen Güter Sparneck, Müncheberg und Waldstein verliehen, welche sie zu diesem Behufe dem Babo v. Sparneck abgekauft hatten. Diess erweckt die Vermuthung, dass die Säcke ein An- oder (richtiger zu schreiben) ein Ahnrecht auf die Ebersteinischen Güter gehabt, welches die Vögte zu beschwichtigen suchen mussten. Es würde dieses einen Fingerzeig über deren Abkunft gehen. – – Sollte der in der 2ten Spalte auf S. 116 genannte „Doctor Erdmann“ nicht vielmehr derjenige Hickmann sein, der in der Reihe der Besitzer dem Album – was sicher ist – fehlt? – Zu Anfang der S. 116 ist noch zu bemerken, dass Christian Friedrich Gottlob Hasse das Gut erst 1831 gemuthet hat.

Plohn (S. 1035[VL 2] d. A.) erscheint schon 1412 unter dem von Plauen schwerlich unterschiedenen Namen Plone, wobei Manche an Plonisch, den slawischen Namen des Quendels, erinnert haben; vergl. jedoch den Artikel Ratschauer. Plohn war 1412 unter jenen voigtländischen Burgen, welche den Markgrafen offen und folglich unter deren Hoheit standen. Es liegt nicht 1/4, sondern 1 ganze Stunde von Auerbach, hinsichtlich der Kirche nach Wiemann 1264, im grössere Rittergutshofe nach v. Dechen 1257 Fuss hoch, und die mittle Flurhöhe fand man zu 1335 Fuss. Diese variirt aber sehr stark. Das Dorf begriff 1834 in 37 Häusern 244, 188 in 43 Häusern 310 Seelen. Es raint besonders mit Abhorn, Röthenbach, Wildenau, Grün und Pechtelsgrün. Die volle Gerichtsbarkeit über den Ort kam seiten beider Rittergüter am 10. April 1856 an das Gericht – nun Amt – Lengenfeld.

Die kleine Baumwollspinnerei unterhalb Plohn betreiben Seiferth u. Comp. – Die Flur, welche auch Parcellen innerhalb jener von Wildenau, Abhorn, Röthenbach und Herlasgrün hat, gehört fast nur den Rittergütern und das Dorf enthält einen einzigen Vollbauer.

Das obere oder südlichere Rittergut versteuert 29231/2, das untere 3027 Einheiten; 1801 gab jenes nur 462, dieses 543 Consumenten an. Dagegen enthielten 1858 die 4 Dörfer Plohn, Abhorn, Röthenbach und Herlasgrün allein 977 Seelen, und hierzu kommen noch etwa zwei Drittheil von Pechtelsgrün, mehr als 100 Seelen in Saupersdorf bei Kirchberg (welcher Antheil eigentlich 2 Canzlei-Nebenlehne der Rittergüter bilden) und die Wildenauer Frohnseite; es sind daher zusammen über 1500 Unterthanen anzunehmen, deren Vertheilung uns jedoch nicht durchweg bekannt ist. Saupersdorf war früher im übrigen ein Wiesenburgisches Amtsdorf, wo aber der Plohner Antheil schriftsässig zum Zwickauer Amte bezirkt war. – Unter einem Dorfe Drogis, welches Leonhardi diesem Zubehör noch beifügt, kann er wohl nur Drochaus meinen, welches jedoch keineswegs hierhergehört.

Die 1650 aus dem einzigen gebildeten beiden Güter stehen dicht beisammen auf einem, zwischen zwei Fliessen gegen den Bach vorspringenden, niedrigen, aber steilen Vorgebirge. Offenbar hat für die Burg, davon der geringe noch übrige Theil dem untern Gute zu Substructionen dient, das nunmehrige obere Gut den Vor- oder Wirthschaftshof gebildet. Die Lage beengt beide Güter stark; hinsichtlich ihrer Wirthschaft aber gelten sie allgemein als Muster. Auch hat der wirthschaftliche Verein; der sich hier schon seit 15 Jahren concentrirt, vieles Gute gewirkt und 1846 eine der ersten „Thierschauen“ im Lande angestellt; der Vorsitzende war bis zu seinem Tode der vielverdiente Christian Gottlob Adler. Seit 1858 liefert das obere Gut, im Besitze grosser Felsenkeller, viel treffliches Lagerbier; jene fassen an 10000 Eimer. Von den beiden Schäfereien steht die eine nahe in Norden, und wir müssen unter der andern dassjenige Gehöfte vermuthen, das [26] zwischen Plohn und Bechlersgrün nicht gar fern von der Lengenfeld-Irfersgrüner Chaussee steht, und das auf Oberreits Karte die Burg heisst, woraus man schliessen könnte, die Plohner Burg habe hier noch ein „Vorbuwen“, wie manche andere, gehabt. – Als man 1804 die Burg in Plohn abtrug, fanden sich Waffen u. s. f.

Unter dem S. 105, Sp. 1 angeführten Meinholm ist wohl jener „Ritter Wilhelm v. Plohn gemeint, der 1243 (nicht 1143) den Präsidenten der vögtischen Regierung darstellte. Hans von Plohn dotirte 1315 die hiesige Kirche, welche 1335 ein Reuss der Reichenbacher Ordenscommende incorporirte.

1858 verkaufte der jubilirte Advocat August Friedrich Adler das obere Gut an Herrn Franz Adler. Jener noch lebende Herr war bisher unter den Ständen des voigtländischen Kreises der Stellvertreter des Vorsitzenden, und erhielt 1857 den Albrechts-Orden; Herr Franz Adler aber ist Friedensrichter im Lengenfelder Bezirke. Uebrigens hat Friedrich 1837 auch in der 2. Ständekammer Herrn Christian Gottlob (s. ob.) vertreten.

Mit dem untern Gute ist als ein zweites Ritterlehn die Freiseite des Dorfes Wildenau verbunden. – Der Besitz des obern verursachte 1770 einen Streit zwischen Karl Christian August E. v. d. Planitz, namens seines Geschlechtes, und den Brüdern v. Metzsch, Christian Erdmann Philipp und Friedrich Gottlob, die den Mitbesitz prätendirten. – Als Besitzer findet sich 1653 im untern Gute Rudolf Wilhelm v. Metzsch, und 1679 starb als Kindbetterin Frau Sidonie Eleonora v. Metzsch, geborene Gräfin v. Concin. 1857 nahm dieses Gut Herr Richard Adler in Lehn.

Der letzte hiesige Metzsch (bis 1800) war Friedrich Gottlob. – Beide Güter hatte schon 1804 Christian Gottlob Adler als Administrator zu verwalten; damals legte er die Gartenterrassen an.

Unter den früheren Besitzern nennen wir noch: 1468 Hanns und Konrad Metzsch auf Mylau; bis 1737 den reichbegüterten Christian Ludwig E. v. d. Planitz (s. unter Auerbach); 1819 als letzten hiesigen Planitz den Geheimfinanzrath Karl Maximilian. 1602 hat der damalige Oberküchenmeister Sebastian v. d. Planitz zu Plohn, nachmals Amtshauptmann zu Zwickau, dem Kurfürsten Reinsdorf bei Plauen abgekauft. Der 1712 gestorbene Johann Heinrich v. d. Planitz auf Auerbach und Sorga hatte als Besitzer Plohns jubilirt; ihm folgte als einziger Güter-Erbe sein zweiter Sohn Christian Ludwig auf Lengenfeld und Hohengrün.

Pöhl, (S. 30 d. A.) urkundlich auch Bel, Bele, Beele, Bechell, Pöhle, d. h. Klarwasser, ist 1834 bis 1858 bedeutend angewachsen, nämlich von 48 zu 55 Häusern und von 371 zu 434 Seelen. Es liegt im Amte Plauen, überm rechten Ufer der Trieb (denn so heisst das Flüsschen), 11/2 Stunde von Plauen nordnordwestlich und von Elsterberg südlich, an der seit 1816 überflüssig gewordenen ältern Zwickau-Plauischen Strasse, in schöner und verhältnissmäsig milder Lage. Aus dem sehr klaren Flüsschen gewinnt man selten auch Perlmuscheln. Es erreicht oberhalb der berühmten Eisenbahnbrücke die Elster nach Lohrmanns wohl zu niedriger Angabe 962 Fuss, während die Flur 1149 Fuss mittlere Seehöhe hat, folglich um mindestens 350 Fuss differirt. Jedenfalls übersteigt der Eisenberg (vergl. das Album) die Seehöhe von 1250 Fuss. Von der Ueberbrückung aus gesehen, gewährt er in der That einen grossartigen Anblick. Auf einer Vorstufe desselben steht ein Belvedere, und der sogenannte „Ochsenstall“ dürfte die Stätte der zur Burg gehörig gewesene Oekonomie angeben. Die Hauptzeche des Berges erhält durch ihre Namen das Andenken der um den obergebirgischen und nordböhmischen Bergbau verdienten Familie Schaller. Vor 3 Dutzend Jahren noch hielt man auch die Zechen Amalie, Rosenkranz, Frisch-auf und Friede Gottes in Frist. Man gräbt vorzüglich nach dem Rotheisenerz; der Mineralog findet aber auch rothen Eisenkiesel, Basaltjaspis, Chalcedon, Asbest und Amianth, Mandelstein etc.

Hinsichtlich des Kalkwerkes ist zu bemerken, dass seine beiden Oefen an der Möschwitzer Flurgrenze auch mit Wohn- und Wirthschaftsgebäuden begabt sind; der wichtige Bruch aber, noch jetzt gewöhnlich der Petzoldische genannt, liegt in ganz anderer Gegend, und wurde 1859 von seiner Besitzerin, Gattin des seit Michaelis 1859 in Dresden engagirten Musikdirektors Hilf, ausgeboten.

Die Eisengieserei, welche im Waffenhammer Günther und Compagnie begründeten, wurde 1832 von Borrmann und Hausner mit einer Stahlfabrik verbunden, gedieh indessen zu wenig. Desshalb brachte Ulbricht 1837 für dieselben eine Actiengesellschaft zusammen. Weil aber diese bald wieder zerfiel, wurde 1843 das Werk ausgeboten. Damals begriff es ausser den Frisch- und Puddelöfen auch in schönen neuen Gebäuden einen Zeughammer und die Stahlfabrik, die indessen schon 1840 ruhete. Nochmals bot man das ganze, unterhalb des Dorfes am Eisenberg etwas abgelegene, durch die stets wasserreiche Trieb begünstigte Werk 1849 aus und ein gewisser Herr Zschock in Plauen kaufte es dem Kaufmann Keller ab, der es aber nicht behaupten konnte. Die Stahlfabrik hatte nicht nur viele Stahlarten (Cement-, Guss-, Meteor- Silber-, Nickelstahle sondern auch allerlei gemeine Stahlwaare zu liefern begonnen; hinsichtlich der Haltbarkeit jedoch fand man sie in Bergwerken gegen den steyrischen Stahl weit zurückstehend. –

Wie früher das Röttiser Lochhaus an der Elster, so gehört noch jetzt zu den hier eingepfarrten Orten (S. 32, Sp. 1 am Ende) auch Helmsgrün. Möschwitz baut sich 1859 eine eigne Schule. - Das Dorf begreift 9 Pferde- und 12 Kuhbauern, auch eine bedeutende Mühle. Seit 1842 concentrirt sich hier ein Gesangverein.

Mit dem Rittergute ist Helmsgrün noch immer gleich einem Vorwerke verbunden, und beide sind mit 10616 Steuereinheiten belegt, davon auf Pöhl 7072 kommen. Der Complex bildet demnach jedenfalls eine Besitzung vom ersten Range. In Pöhl giebt es ein Schloss, starke Brauerei, Dampfbrennerei und durch das ganze Land berühmte Mastung, gute Ziegel- und Kalkbrennerei, edle Schafzucht, zahme und wilde Fischerei etc. Die vereinten Güter haben 320 Acker Feld und 140 Acker Wiesen, und gaben 1801 im Sprengel 784 Consumenten an, davon 487 auf Pöhl kamen. Er begreift ausser Pöhl, Helmsgrün und Rodlera noch Hartmannsgrün und einen Theil von Herlasgrün im Amte Treuen, im Plauischen Bezirke aber Theile von Gansgrün (5 Nummern,) Möschwitz (1 Gut unter Helmsgrün und 6 unter Pöhl,) Losa (4 Güter und 1 Haus,) und Steinsdorf (8 eigentlich zu Helmsgrün gehörige Nummern). Hierzu kommen noch Lehnunterthanen in Neudörfel (3), in Wetzelsgrün, Voigtsgrün, Pfaffenhaus, Christgrün, Wipplas, Ruppertsgrün, Jocketa, und im Schleitzischen Dorfe Leidlitz bei Pausa. Beide Güter waren nach früherer Verfassung altschriftsässig und landtagsfähig. Im Mittelalter aber ruhte auf dem Gute Pöhl die Theilnahme am Plauischen Schloss-Castellanate, wesshalb die Röder ein Burglehnhaus dort besitzen mussten. – Im Schlosse findet man auf einem Bilde eine ganze 1705 hier erlegte Bären-Familie dargestellt.

Unter den Besitzern nennen wir noch 1393 Konrad Peler, welcher auch das Ranspacher Lehngut als Mühltrofischer Vasall besass, und keineswegs zu den Herren, sondern nur zum niedern Adel gehörte; ferner den 1754 gestorbenen S. Weissenfelsischen Geheimerath und Vicecanzler August Ludwig v. Röder, auch auf Helmsgrün und Lewitz, zugleich Kreissteuereinehmer.

Auf den im Album erwähnten Hanns Burkhard v. Bodenhausen folgten 1845 seine Söhne gemeinsam, nämlich der östreichische Lieutenant Hanns Bodo und der sächsische Junker Rudolf Woldemar. Letzterer, nunmehr Oberlieutenant, besitzt 1859 Pöhl, und ist somit auch Kirch- und Schulpatron.

Der letzte hiesige Röder, ein nicht nur gelehrter, sondern auch echt-deutscher Biedermann, legirte für Kirche und Schule eine ansehnliche Summe und 1000 Thlr. für die Armen des Sprengels.

Dass das Rittergut schon 1509 ein zwiefaches gewesen (wie es denn noch jetzt 2 Canzleilehen bildet) zeigt jener Georg v. Naundorf „auf Pöhl“, der damals und also zu einer Zeit erwähnt wird, wo Pöhl notorisch den Rödern gehörte.

Posseck (S. 155 d. A.) findet man bald Poszeck, bald Posseck, bald Posegk geschrieben, und dieser Name wird, wie Positz bei Neustadt, Poszig bei Plauen, Pösig bei Lommatzsch, Böhsig bei Grimma, Bezdez oder die Kloster- und Burgruine auf den bekannten Pösigbergen in Böhmen, sehr verschieden gedeutet; denn man erinnerte an Bohs, der Hollunder, an Bos, das Licht, an Boz, die Ruhe oder Weile, an Bozek, ein Götze, an Buz, Busso oder Boso, wie die Slawen statt Burkhard sagen; auch an Poizniza, wie die Wenden die Pulsnitz als Grenzfluss aussprechen; man meinte nämlich, Orte solcher Namen hätten an alten Gaugrenzen gelegen. Ohne einem Urtheile vorgreifen zu wollen, bemerken wir nur noch, dass die Orte solcher Namen meist uralte Burgen gehabt; nach jener bei Zeitz, auf deren Stätte das Kloster Bosau gekommen, wurde sogar ein Sorbengau genannt. Schaller leitet indessen Pösig u. s. w. von posekat her, so dass es einen Ort bedeute, für dessen Anbau erst der Urwald gelichtet werden musste. Dieses hat allerdings viel für sich. Noch ist bei den Czechen Bussek das Deminutiv von Boguslaw.

Posseck liegt auch von Hof 21/2 Stunde und zwar nach Ostnordost. Die nächste Stadt ist Rehau in Bayern. Der dem „hohen See“ bei Haselbrunn entquellende Bach geht südwärts nach Nentschau in Bayern, um die Regnitz zu verstärken, welche bis dahin Böhmen von Bayern geschieden. – Die Flur zeigt eine mittle Seehöhe von 1824 Fuss, sodass sie zwischen den als rauh-gelegen bekannten Fluren von Gassenreuth und Papstleithen die Mitte hält. Die Kirche fand Wiemann 1723 Fuss hoch. – Die Natur weist das Kirchspill nicht zum Voigt-, sondern zum Regnitzlande.

Poseck an sich, jedoch die isolirte Schäferei und die Ziegelei zugerechnet, zählte 1834 in 85 Häusern 497 –, 1859 in 92 H. 633 Seelen. Zwei etwas abgelegene Häuser nennt man das Birkigt oder die Birkhäuser, auch liegt die Schlittermühle abseits. Die Commun verstärkt sich noch um 37 Häuser und 236 Seelen in Haselrain mit Grünpöhl; auch sollen sich die 8–10 Häuser in Höllensteg dazu halten. Diese u. a. zugehörige Orte waren trotz der Lage von jeher zum Voigtsberger Amte bezirkt. – Nach dem kirchlich-statistischen Handbuche sind die bayrischen Orte Nentschau, Zech und Mittelhammer nicht mehr hierher gepfarrt. 1753 hat Zech erst 12, Mittelhammer 4 Häuser enthalten. – Den brauberechtigten Erbcretscham in Posseck findet man schon 1537 erwähnt.

Unter denen v. Poseck (die so wenig „Herren“ waren, als es nie eine Herrschaft Poseck gegeben) erscheint 1428 Manns als Plauischer Amt(shaupt)mann, somit als Chef der vögtischen Ritterschaft. Er ist derselbe, auf welchen als den verrätherischen Uebergeber des Ratschauers an die Hussiten das Album wiederholt loszieht, während doch diese Annahme keine erwiesene ist; vielmehr ist nur sicher, dass er bei diesem Kampfe mit umgekommen. – 1387 hatte Friedrich v. P. Krispendorf im Schleitzischen, und Nikol war Kämmerer des Schleitzischen Calendes. Noch 1637 finden wir Wolf Albrecht auf Weischlitz. Dagegen ställte Christoph v. Reitzenstein für seine beiden amtsässigen Güter allhier zwei Ritterpferde. Auch wird noch jetzt das Gut als ein gedoppeltes [27] Lehn „Posseck obern und untern Theils“ vergeben. Konrad v. Reitzenstein stiftete die hiesige Pfarrei, indem er den Pfarrer von Regnitz-Losa für den Filialverlust durch das Dorf Haag entschädigte. Derjenige Reitzenstein, der 1679 hier sass, war braunschweigischer Oberstlieutenant. 1722 besass Posseck ein Heinrich v. Zanthier. Dass die ihm gefolgte v. Feilitzschische Linie sollte Clettstädt besessen haben, bezweifeln wir vor der Hand, da nicht bloss Königs Adelshistorie davon kein Wort sagt, sondern auch in der Reihe der Clettstädter Herren kein Feilitzsch vorkommt. – Vom berühmten Hanns Christoph v. Feilitzsch siehe unter Heinersgrün. – Der jetzige Besitzer, Herr Johann Gottfried Döhler, Friedensrichter im Elsterberger Bezirke, trägt seit 1852 den Albrechtsorden, und behielt seine (volle) Gerichtsbarkeit bis in den May 1856. Diese begriff ausser Posseck mit seinen Beiörtchen auch Bock- oder Oberwieden (1834 mit 6 Häusern), 4 Häuser in Bobenneukirchen, 5 in Burkartsgrün, 1 in Blosenberg, 5 in Tiefenbrunn und 5 in Ottengrün. Unter die 4 Bobenneukirchner Häuser ist jedoch das einzige sächsische Haus des übrigens bayrischen Oertchens Zeche mit gezählt. Tiefenbrunn hat an sich selbst nur 15–20 Häuser: die 38 also, welche das statistische Bureau ihm in seiner Zeitschrift beischreibt, nur mit Einschluss gewisser Nebenorte. Im Ortsverzeichniss von Sachsen ist nachzutragen, dass Zech meist bayrisch ist. Leonhardi machte aus Bockwieden oder Weidenhaus irrig zwei Orte. Das Rittergut gab 1801 in seinem Sprengel 853 Consumenten an. Die Prärogativen der Altschriftsässigkeit erhielt es 1763 bestätigt, und den Landtag 1817 konnte somit der Rittmeister Christoph Ernst v. Feilitzsch (er trug die damals für gross geltende Zahl von 3 Orden, und starb 1842) besuchen. – Das Gut versteuert 6737 Einheiten ist längst allodificirt, hält wegen seiner ansehnlichen Holzung einen Revierjäger, und gehörte sowohl 1682, als 1742 einem Georg Christoph, 1775 aber einer Charlotte Sophia v. Reitzenstein, geb. v. Thielau, und 1780 dem erwähnten Hauptmann Christoph Ernst v. Feilitzsch. Es kam 1844 an eine Wittwe v. Feilitzsch und deren 3 Kinder, 1854 aber an den heutigen Besitzer.

Die S. 155 erwähnte Zerstörung des Ortes geschah am 13. April 1641 durch baireuthische Truppen, welche zwischen Posseck und Haselbrunn ihr Rendez-vous hatten, aus Unachtsamkeit. Sie betraf die volle Hälfte des Dorfes nebst Pfarre und Schule, doch nicht den Edelhof. – Neubrambach sind 4 am Schirndingischen Walde angesetzte Häuser, die sich zur Obertriebler Gemeinde halten.

Raschau (S. 163 d. A.) welches genauer nordwestlich unterhalb der Stadt am südlichen Fusse des Galgenberges liegt, lässt sich allenfalls auch mittels der slawischen Wörter für den Frieden (Rosch) und für die Heide (Ros) deuten, besser jedoch das czechische rasycz, abhauen, so dass der Name mit Holzhau, Poseck, Wraz, (im Kaurzimer Kreise) Prossen, Rossau u. s. f. übereinkommt. Die Elster hat hier g. 1150 Fuss Seehöhe; da nun das Mittel der Flur 1288 Fuss betragen soll, so scheinen die zugehörigen Höhepuncte 1400 Fuss mindestens zu erreichen. – Bis in unser Jahrhundert herab rechnete die Lehncurie die zu Einem Gute verbundenen beiden altschriftsässigen Rittergüter allhier nicht zum Voigtsberger, sondern zum Plauischen Amtsbezirke. Ihre (volle) Gerichtsbarkeit aber fiel am 16. October 1855 dem Amte Voigtsberg zu. Wie sie Lehnleute in der Stadtflur, so haben hinwiederum der Oelsnitzer Rath und das Rittergut Untermarxgrün Lehnleute in Raschau.

Ausser den genannten Vorwerken oder Rittergütern ist aber auch noch ein drittes Canzlei Lehngütchen im Orte, welches nicht die Rittergutsqualität besitzt, und vor 20 Jahren einem Roth gehörte. Vielleicht war dieses das ehedem v. Kospothische Gut?

1542 haben erbgerichts- und lehnweis 2 Halbhüfner dem Oberpfarrer –, 1 Gärtner dem Stadtrath und einer dem Johannisaltare zu Oelsnitz unterlegen; auch hatte 1643 über 1 Gut die Türbel’sche Herrschaft die Erbgerichte, und bisher haben beide Stadt-Diakonen einiges Zinskorn hier erhoben. Das (vermuthlich gespaltene) Gut, welches beim Oelsnitzer Oberpfarrer zu Lehn geht, heisst der Bargen.

Niklas v. Raschau erscheint 1357 im Reussischen Gefolge, und der im Album erwähnte Leuther v. Raschouwe kommt schon 1143 vor. – 1592 starb als Besitzer ein damals berühmter Jurist, der quiescirte Plauische Amtmann Joseph Michaelis.

Für Flossa v. Seilbitz setze man „Flessa v. Selbitz.“ Den Beinamen hatte er von dem bekannten bayrischen Stadtflecken, wogegen Flessa auf das egerländische Gut Fleissen bei Brambach zurückführt. Flessa und Kospoth haben für Armuth und Geistlichkeit in Oelsnitz schöne Stiftungen gemacht.

Als Erben des Matthias v. Wallenroth haben David v. Raschau und Hanns Christoph v. Wallenrod die Klostergüter Kronschwitz und Mildenfurth erworben, sie aber 1617 an den Kurfürsten verkauft. Es hat also das v. Raschauische Geschlecht den Verlust seines Stammgutes gar lang überlebt. Uebrigens bergen wir nicht unsere Vermuthung, dass die hiesigen „Vorwerke“ im Mittelalter eben so, wie jene zu Voigtsberg, die Burgmannengüter von Voigtsberg gewesen sein mögen.

Der preussische Geheimrath v. Osten hiess Johann Andreas, war 1704 geboren, und starb allhier am 4. Mai 1763; seine übrigen beiden Güter Hütting und Dürrenthal sind jetzt bayrisch. Für die salzburger Emigranten hat er sehr wohlthätig gewirkt. Sein Denkmal an der Rückwand des Altares zu Oelsnitz lieferte Christoph Langer zu Eger.

Das Rittergut wurde bei der ersten Distribution der Einheiten nur mit 2188 besteuert, ist aber so ameliorisirt, dass es nun auf 191 Ackern Pachtlandes und einiger Holzung deren 2830 trägt. Nicht minder hat das Dorf 1834 bis 1858 von 47 auf 6 Häuser, von 317 zu 517 Seelen sich erhoben, wobei jedoch Bocksthal eingerechnet sein soll, was wir nicht verbürgen können. Der Gutssprengel gab 1801 266 Consumenten an.

Raschau erwarb am 21. November 1741 die Prärogativen der Altschriftsässigkeit, und gewährte bis zuletzt dem Stadtrathe zu Plauen einen Sitz in der allgemeinen Ritterschaft bei Landtagen. Obwohl aber die Landstände-Rolle von 1817 noch ausdrücklich zwei Rittergüter hier aufführt (Raschau untern und obern Theils), so gaben sie dem Rathe doch nur 1 Stimme.

Auf den Raschauer Wiesen musterte 1818 der commandirende General le Coq die aus Frankreich rückkehrenden sächs. Truppen, worauf dann deren neue Organisirung begann. – Holcki verbrannte den Ort am 11. August 1632.

Bei der Schule steht die Collatur der Schulgemeinde, d. h. den Communen Raschau und Untermarxgrün zu. – Von hier ist eigentlich die Perlenzucht in der Elster ausgegangen.

Zu des Artikels Schluss sei noch bemerkt, dass 1858 das Gerichtsamt Oelsnitz in der Stadt und 50 Landgemeinden 2668 Häuser und 20112 Seelen befasste.

Der Ratschin, (S. 85 d. A.) gewöhnlicher doch der Ratschauer genannt, und eigentlich nicht mit t, sondern mit d zu schreiben, ist das ehemals voigtische und später burggräflich meissnische, inzwischen aber auch markgräflich-meissnisch gewesene, zuletzt kurfürstlich sächsische Schloss zu (oder von) Plauen, wo aber, wie auch das Album schon bemerkte, noch ein Schlösschen der Ebersteinischen Grafen unfern der Stadtkirche bestanden, davon Limmer zu S. 278 seines voigtländischen Geschichtswerkes eine Abbildung gegeben hat. Der urkundlich wohl nie vorkommende Name Ratschin erscheint schon – weil das Slawische davor noch ein H oder G verlangt – einigermassen germanisirt, bedeutet auch nicht eine Burg, sondern einen Burgbezirk, wesshalb es denn auch selbst Dörfer dieses Namens giebt (z. E. an der Hirschberg-Schönauer Chaussee in Schlesien) und wesshalb auch eine Gasse zu Sebnitz so heisst: eben, wie man in Dresden, Freiberg, Leipzig etc. Schloss- und Burggassen hat. Nicht minder wird das Prager Schloss (die Wenzelsburg oder schlechthin die Burg) nicht für sich allein, sondern erst mit allen auf dem Schlossberge befindlichen Grundstücken zusammen der Hradschin genannt, während die ursprüngliche Prager Burg (Rechts der Moldau) der Wyssehrad (die hohe Burg), keineswegs aber der Wysseratschin heisst. So nennt man auch zu Hohburg bei Wurzen die Gegend, wo die alte Burg gestanden, den Retschin. – Wir müssen auch bezweifeln, dass plawiu zu deutsch schwimmen heisse; wohl aber heisst Plawa eine Schwemme, Kuhle, ein Wasserkessel. Man könnte übrigens auch an po und Laba, am Hauptflusse, erinnern, wogegen das von Einigen vorgeschlagne plowy, blassgelb, hier nicht passt.

Für Doberau ist Z. 14 zu setzen „Dobenau.“ Hierzu sei die Bemerkung erlaubt, dass eben die Ebersteinische Residenz in Dobenau und die anfängliche vögtische auf Voigtsberg verbieten, dem Ratschauer ein sehr hohes Alter zuzutrauen. Wirklich fanden wir auch bei einem ältern Schriftsteller die Nachricht, er sei zugleich mit der Neustadt angelegt worden; somit würde erst 1276 Voigt Heinrich d. Fromme ihn gebaut haben. Und für diese weit minder alte Zeit spricht wirklich – auch nach Abzug ihrer noch neuere Zuspitzung – die Bauart der drei Schlossthürme, die doch sicherlich nicht zu den neuen Anbauen gehören.

Plauen ist ferner nie Reussisch gewesen; vielmehr war diejenige voigtische Linie, welcher allein Plauen gehörte, die nicht reussische, die des Böhmen oder Heinrichs des Aeltern. – Dass 1564 noch einer „Reichsstrasse“ Erwähnung geschieht, ist nicht zu verwundern, da sie noch jetzt als die sogen. alte Strasse zwischen Plauen und Reichenbach existirt. – Zu Sp. 2: im Mittelalter haben weder die Trützschler, noch die Röder ein „von“ vor ihrem Namen geführt, und konnten dieses auch nicht, da weder Trützschler noch Röder der Name eines Rittergutes ist. – Endlich beweist die urkundliche Datirung 1235 nicht, dass die Plauischen damals schon auf dem Ratschauer residirt hätten; denn damals bewohnten sie vielmehr Voigtsberg. Das hierbei vorkommende Lothra liegt in der reussischen Herrschaft Ebersdorf; und ein Gansdorf zwar bei Saalfeld, nur fragt es sich, ob hier nicht vielmehr an Gattendorf im Regnitzlande zu denken sein sollte?

Zu S. 85, Sp. 2: Ein Priester Czapek führt hierbei die Hussiten an, und der im Radschin gefangen sitzende Herr v. Sternberg scheint identisch mit jenen, welchen Tanner in seinem grossen Werke über dieses Geschlecht Alexius nennt, welcher aber richtiger Alesch (d. h. Albert) hiess. Sicher jedoch kann man hiervon nicht sprechen, weil Tanner dieser Gefangenschaft überhaupt nirgends erwähnt.

S. 86 wolle man (Sp. 2, Z. 12) für „dem 5ten meissnischen Burggrafen Heinrich“ setzen: dem meissnischen Burggrafen Heinrich V. Dieser war auch seit derselben Zeit Reichsfürst, jedoch ohne den Beisatz „v. Plauen“, wie man hier und da findet. Er erhielt übrigens nicht alle böhmische Lehen des Kurfürsten, sondern nur die, welche seinen Vorfahren gehört hatten. – Der zum Schluss angedeutete Comthur zu Plauen hiess nicht Euler, sondern Eulner, ward auch nicht Superintendent, sondern nur Oberpfarrer: erst 1538 erhielt sein Nachfolger auch ersteres Amt. Aber nicht mit diesem, sondern mit dem des Oberpfarrers galt die Nachfolge in den Comthur-Befugnissen für verbunden.

M. Georg Friedrich Samuel Dörfel, geboren in Plauen am 11. October 1613, war bis 1684 hier auch Geistlicher, machte hier seine wichtigsten Beobachtungen 1680, starb aber am 6. August 1688 als Superintendent [28] zu Weida. – Das „Herr“ vor Hoënegg ist nur ein Druckfehler für „Hoë“ v. Hoënegg. Dieser Doctor der Theologie hiess Matthias, war in Wien am 24. Februar (also am Schalttage) 1580 geboren, ward schon 1602 kurfürstlicher Hofprediger und 1694 Superintendent zu Plauen: jedenfalls der jüngste im Lande. Dieses Amt gab er jedoch 1611 auf, und am 4. März 1643 starb er als der erste der sächsischen Oberhofprediger. – Den hier genannten wenigen ausgezeichneten Söhnen der Stadt fügen wir noch bei: die Baumeister Peter und Joachim Marquard, davon Ersterer den Katharinenthurm in Hamburg, Joachim den Schneebergischen und den obern Theil des Zwickauischen gebaut hat; die Musiker Cornel Freund (gestorben 1591 in Zwickau,) Johann Glück (der schon vor 220 Jahren – wie vor 80 J. Joseph Haydn – die 7 Worte Jesu mit vielem Glück in Musik gesetzt hat, und als Diakon zu Schwarzhach bei Hof starb,) den grossen Orgelmeister Johann Christian Barthel (geboren 1776, als Hoforganist zu Altenburg gestorben 1831), den hiesigen Johann Friedrich Finke (geb. 1788) und den Dresdner Organisten Christian Robert Pfretzschner; die Sprachkundigen Ferdinand Gotthelf Hand zu Jena (geb. 1786) und Professor Gustav Hartenstein in Leipzig; den Geheimerath Wehner, Finanzdirector zu Dresden (lebte 1791 bis 1857) und den Geheim-Regierungsrath Dr. Alexander Karl Hermann Braun, mehrmals Präsidenten der 2ten Kammer, auch eine Zeit lang Minister, jetzt Amtshauptmann allhier und besonders um das Voigtland hochverdient. Ferner reihen wir an die Gebrüder Heubner, den Advocat Dieskau und den Stadtrichter Haussner. – Nach Einigen wäre hier auch der seinerzeit ausgezeichnete Dichter Paul Schneevogel geboren, der vor 370 J. unter dem Namen Niavis blühete.

„Graf v. Plauen“ haben ausser dem ersten König Friedrich August sich auch der zweite König dieses Namens und der heutige Kronprinz als incogniti genannt.

Des Radschauers Seehöhe mag 1130 bis 1150 Fuss betragen, da Lohrmann die ihm nahe Elster 974 bis 1011, Wiemann 987 Fuss hoch gefunden. Der Stadtkirche giebt letzterer 1047, die geognostische Karte (mit sonderbarer Abweichung) 1104 Fuss. Beiläufig sei auch bemerkt, dass, wenn man der Connewitzer Eisenbahnbrücke unfern Leipzig 330 Fuss beimisst, der Plauische Bahnhof 1259 Fuss hoch liegt. – Den Schlossberg sondert in Südwest der Syrauer Bach – und zwar kurz vor seiner Mündung – von der viel minder hohen und steilen Anhöhe, auf welcher die Stadt sich hinauf streckt. Ein Drittel des Ratschauers gehört zum Rittergute Leubnitz noch aus jener Zeit her, wo die Röder den hiesigen Erbcastellanat besassen; nur ist zu bemerken, dass wenn die diessfälligen Lehnbriefe vom „alten Schlosse zu Plauen“ sprechen, auch wohl der städtische Palast der Ebersteinischen Grafen gemeint sein kann. Noch jetzt hatten einige Hauswirthe Geld und Licht-Inselt nach Leubnitz zu zinsen; doch könnte nun Ablösung erfolgt sein. – Zu Herren des Schlosses wurden die Herzöge Ernst und Albert 1466 dadurch, dass der böhmische König Georg (v. Kunstadt und Podiebrad) als oberster Lehnberg ihnen auftrug, gegen den Burggrafen Heinrich III. die Acht zu vollstrecken. Allerdings wurde hierbei allerlei Vorwand gebraucht, um den wahren Bewegungsgrund, die Glaubensverschiedenheit, zu verdecken. Die Herzöge besetzten zwar den eroberten Ort, gaben ihn jedoch später, soviel das dominium utile betraf, denn Burggrafen-Stamme zurück. – Was die frühere Erstürmung der Burg durch die Hussiten betrifft, so geschah sie am 25. Januar: ob aber 1430 oder erst 1431, ist nicht völlig gewiss, weil man damals noch häufig das Jahr erst mit Ostern begann. Ueber den Commandanten Georg v. Raschau sind die älteren Nachrichten äusserst abweichend; nach einigen wollte er allerdings capituliren, wusste aber – in Hoffnung auf Entsatz – die Sache so in die Länge zu ziehen, dass Czapek die Geduld verlor und stürmen liess. Somit hatte Georg keineswegs schurkisch gehandelt. Spätere Commandanten waren 1470 Apel v. Tettau, und dann dessen Sohn Markward. – Durch den ungeheuren Brand Plauens am 9. October 1844 ist des Ratschauers Aussehen nicht verändert worden. Er zeigt hauptsächlich 2 ältliche ansehnliche Wohngebäude, die nebst einigen Seitengebäuden einen merklich abhängigen weiten Hof umgehen. Hinter dem obern gethürmten Flügel ist noch ein zweiter Hof mit dem Uhrthurme. An den tiefern Flügel hingegen stösst der jetzt nur noch niedrige und neu-bedachte, sehr dickwändige Verliessthurm, der sichtlich anfangs rund gewesen (wie die übrigen in Sachsen und Böhmen aus dem 12. und 13. Jahrh.), dem man aber später soviel abgenommen, dass er ein Oktogon darstellt. Vielleicht hat man geglaubt, dann das Geschütz darauf richtiger postiren zu können?? – In diesem Schlosse nun residirte in der letzten Zeit seines rastlosen Lebens und Strebens der meissnische Burggraf und böhmische Reichscanzler Heinrich V., als General eben so tapfer, wie als Staatsmann gewand und einflussreich, seit 1548 ein erklärter Reichsfürst, welcher Würde er unendlich mehr werth war, als z. E. ein Wallenstein. Von seinen Söhnen bewohnte zwar Fürst Heinrich VI. das Geraische Schloss Osterstein, Heinrich VII. aber gleichfalls den Radschin, während der Wittwe, einer gebornen Gräfin zu Salm, Luditz in Böhmen zugewiesen war. Als Fürsten des obersächsischen Kreises hatten die Heinriche auf Reichstagen ihren Platz zwischen Anhalt und Henneberg. Ihre voigt- und osterländischen Besitzungen (eingeschlossen die Anwartschaft auf Hof und das ganze Regnitzland, ausgeschlossen dagegen ihre grossen böhmischen Herrschaften) hiessen fortan officiell das Burggrafthum Meissen, obwohl sie ursprünglich dieses nichts angingen. Denn dieses Burggrafthum hatte zur Dotation nur viele einzelne Orte und Rittergutslehne bei Meissen, in gewisser Beziehung auch die Reichsgrafschaft Hartenstein, welche aber der Heinrich’schen Dynastie nie gehörte. Von ihren böhmischen Herrschaften gehört Luditz jetzt dem Grafen Karl v. Kokorzowa, Graslitz einem Grafen Nostiz, Theusing dem Herzog Alfred v. Beaufort-Spontini, Engelhaus mit Giesshübel und Buchau Denen v. Neuberg; Elnbogen aber hatten sie an die Schlick, Grafen v. Bassano und Weisskirchen versetzt. Der gesammte Gütercomplex reichte von Burgk an der Saale und von Gera bis in’s Herz von Böhmen hinein: eines Reichsfürsten wohl würdig. Im Voigtlande besass Heinrich V. ausser dem nachmaligen voigtländischen Kreise noch Schleitz, Lobenstein, Burgk und Saalburg: jetzt der Reussischen Linie der Vögte Heinrich gehörig. – Ein Fürstenthum Plauen aber, das in manchen Schriften vorkommt, hat es (wie besonders Märcker überzeugend dargethan) nie gegeben. – Der 5te Heinrich starb am 19. Mai 1554 vor Plassenburg, und von seinen Söhnen der ältere am 25. December 1568, der jüngere am 22. Januar 1572. Heinrich VI. soll ein sehr ausschweifendes Leben auf dem Ratschauer geführt haben, wesshalb ihn auch seine Gemahlin, die markgräflich Brandenburg-Ansbachische Prinzessin Dorothea Katharina, verliess; als Wittwe residirte sie in Theusing. Des letzten Heinrichs Wittwe aber, die zuvor dasselbe auch für den Anhaltiner Fürsten Karl gewesen, war die hinterpommerische Prinzessin Anna, welche in Schleiz gestorben, wohin auch schon der 5te Heinrich 1560 (von Plauen mit Dobenau) seine Regierung und sein Consistorium verlegt hatte, weil er 1559 die Aemter Plauen und Voigtsberg an den Kurfürsten verpfändet. Als dieser aber 1563 einmal Plauen besuchte und sich hier wie einen Erbherrn huldigen liess: protestirten die Burggrafen, obwohl sie die Pfandsumme zu erstatten zu rechter Zeit nicht vermocht hatten; diese betrug 60000 rheinische Gulden oder 1/8 Million Thaler. Es ist auch der Kurfürst in den unangefochtenen Besitz des voigtländischen Kreises nicht alsbald 1572, sondern erst 1575 gekommen, nachdem die böhmischen Stände ihrer Ansicht, auch jenes Territorium sei böhmisches Lehn, entsagt hatten. So lang dieses nicht geschehen, konnte August die kaiserliche Belehnung nicht erlangen, und ohne jenes Aufgeben würde wohl auch jetzt noch der voigtländische Kreis ein böhmischer sein. Wie aber die böhmischen Stände dazu (gegen ihres Landes Interesse und gegen ihres Königs Wunsch) bewogen worden, ist unbekannt.

Von Plauen lässt sich nicht wohl scheiden ohne Erwähnung der beiden Elstermühlen, weil diese, ursprünglich vom Rittergute Reinsdorf abgelöst, nach früherer Verfassung amtsässige Cancellei-Lehne mit eigner Erbgerichtsbarkeit und folglich den Rittergütern analog waren. Diese Gerichtsbarkeit gab 1839 gleichzeitig Herr Gössel, dem beide Mühlen gehörten, an die Regierung ab.

Reinsdorf (S. 20 d. A.) führt den Beinamen „bei Plauen“ zum Unterschiede von jenem reussischen Dorfe zwischen Greiz und Netzchkau. Es raint mit dem in Norden ihm sehr nahen Reussa, mit Messbach und beiden Losa, und liegt rechts nächst der Strasse nach Oelsnitz, in coupirter, anmuthig abwechselnder Gegend, westlich vom Wachhügel. Ohne eben der Hypothese von einem See in Plauens Gegend zu widersprechen, haben wir nur zu bemerken, dass man dann als dessen zu durchbrechen gewesene Wand nicht die nahen Plauen-Möschwitzer Thonschiefer-, sondern die entfernderen Grünsteinschieferberge zwischen Liebau und Elsterberg betrachten muss; diese sind es auch eben, die man die „voigtländische Schweiz“ nennt.

Die im Mittel 1287 Fuss hohe, eine städtische Parcelle einschliessende Flur von Reinsdorf ist zwar etwas steinig, aber keinesweg untragbar und wohl cultivirt. Das 1822 behufs der Subhastation auf 72865 Thlr. geschätzte Rittergut versteuert 71442/3 Einheiten, hat an Pachtland 205 Acker Feld, 87 Acker meist guter Wiesen, 26 Acker Hutung, 2 Acker Teiche, und noch immer eine starke Schäferei, obwohl am 19. Febr. 1841 beim Brande der in Nordost jenseits der Strasse stehenden Kemmlerschäferei sehr viel Vieh mit verbrannt ist. – Seine Erbgerichtsbarkeit über den Ort, der 1801 erst 123 Consumenten, 1834 in 22 Häusern auch nur 145 –, 1858 aber in 26 Häusern 196 Seelen zählt, gab das Gut im October 1855 ab: die Obergerichte stehen dem Amte von jeher zu, obwohl das Gut altschriftsässig und landtagsfähig war. Es hat Allodialqualität. Dem Gute gehört auch die der Stadt ganz nahe liegende sogenannte Hofwiese. Dagegen hat die Stadtcommun 891/5 Acker mit 520 Einheiten in hiesiger Flur.

Ein Albert von Reinoltsdorf erscheint urkundlich schon 1206 als Domherr zu Naumburg. – Der S. 21 des Album genannte Hanns Christoph v. Reibold, Kammerherr und Obersteuereinnehmer, besass 1666 theils ausschliesslich, theils mit Verwandten gemeinsam Reinsdorf, Gutenfürst, Strassberg, Rössnitz, Kloschwitz, Naundorf und Polenz bei Stolpen. Dass 1819 Georg Friedrich Müller mit R. beliehen war, ist sicher; welcher es vom Lieutenant Tümpling acquirirt hatte, letzterem überkam nach Müllers Verschuldung das Gut wieder, von welchem es an den dermaligen Besitzer fiel. Derselbe ist Mitdirector bei der ritterschaftlichen Kreiscasse. Sein andres Gut Sornau liegt bei Auma im Weimarischen. – 1588 war Reinsdorf ein Domanialvorwerk, welches der Stadtrath zu Plauen um 525 Thlr. in Pacht hatte: und dieses zu einer Zeit, wo das Zubehör stärker war, als jetzt. – Die Häuser des Dorfes stehen auf ursprünglich herrschaftlichem Boden.

Reusa (S. 39. d. A.) in Urkunden Reusza, Reuser, Reisa, Reussa. Irrig wohl blos wurde angenommen, dass der Stammvater der Reussen und Bruder des Voigts Heinrichs des Böhmen seinen Beinamen von der Burg geführt habe, auf deren Stelle später der General von Müffling das heutige Schloss erbaute; Reuss kann nach der Gütertheilung jenem Heinrich gar nicht gehört haben.

[29] Der Ort liegt an der Reichenbacher Chaussee 1/4 Stunde von Plauen, in einer schönen, durch ein Seitenthal, steile Anhöhen und allerle Gehölz abwechselnden Gegend von mehr als mittlerer Fruchtbarkeit. Die Flur hat im Mittel gegen 1270 Fuss Seehöhe.

Das hiesige Gut versteuert 6565 Einheiten, gehört demnach jedenfalls an Werth in die mittlere Classe. Bis vor nicht langer Zeit hatte dasselbe herrlichen alten Kiefern Holzbestand und 150jährige Fichten am Langenberge, rechts am Wege nach Voigtsgrün, sie sind aber gefällt.

Die volle Gerichtsbarkeit des Guts ist im Mai 1856 an die Regierung gekommen und erstreckte sich in Reusa über 43 Häuser mit 366 Seelen, in Sorga über 8 Häuser mit 48 Seelen, in Kleinfriesen über 13 Häuser mit 86 Bewohnern, zusammen reichlich über 600 Seelen, obwohl 1802 nur 382 Consumenten angegeben wurden.

Hierzu kommt noch 1 Haus in Schlodiz worüber das Gut blos die Erb- und ein kleiner Antheil an der Flur Neuensalz, worüber es blos Erbgerichtsbarkeit gehabt hat.

Ein Dorf Dürrgrün, welches im Texte mit erwähnt worden ist, existirt hier nicht, wie Leonhardi auf ein solches verfallen, bleibt ein Räthsel, so wie es unbegreiflich ist, die hiesige Gruftkapelle zu einer Plauischen Filialkirche zu machen.

Das Schloss hat nur 2 Stockwerke aber eine sehr lange Fronte, auf dem Vorsprunge der nördlichen Längeseite ein Uhrthürmchen und eine sehr schöne Aussicht nach der Stadt und dem höheren Gebirge.

Durch seine zahlreichen Fenster (es soll so viel haben, wie Tage im Jahr sind) füllt sehr viel Licht ein, was früher der darinnen betriebenen Baumwollspinnerei zu Statten kam.

Derjenige von Winkelmann, der das Gut bis 1645 lange Zeit besessen hat, war Flossoberaufseher, und Friedrich Ferdinand von Müffling besass es 1776.

Der Kaufmann Schmidt in Plauen war damit nie beliehen, wohl aber dessen Sohn der Förster Schmidt, welcher auch Schneckengrün besass.

Der jetzige Besitzer ist Herr Paul Maximilian Schneider, dessen achtungswürdiger Herr Vater Dr. Ludwig Schneider als Erb- Lehn- und Gerichtsherr von Reusa im Jahre 1858 mit Tode abgegangen ist.

Reuth (S. 5 d. A.) Des Schlosses Besitzer 1411 waren die Brüder Leupoldt, Kunz (Konrad), Dietrich und Burkhardt von Wolfframsdorf, welche daher wohl von dem von Wolffersdorfischen Geschlechte zu unterscheiden sind (S. 5, Sp. 1.)

Vollrad von Watzdorf (S. 5, Sp. 1.) verehelichte sich 1595 mit der Wittwe des letzten Edlen Sack auf Mühltroff, genannt Margarethe aus dem Regnitzländischen Geschlechte von Waldenfels. Der im 18. Jahrhundert zum Besitze von Reuth gelangte Hanns Karl Friedrich von Schönfels war Kammerjunker.

Nach früherer Verfassung war das Gut altschriftsässig und 1817 besuchte der Amtshauptmann Karl Heinrich August von Schönfels als Besitzer von Reuth den Landtag.

Der jetzige Besitzer Herr Friedrich Ernst von Schönfels ist Major von der Armee (a. D.), Comthur II des Verdienstordens und Stellvertreter des Vorsitzenden beim ritterschaftlichen Creditverein. Er übergab die Gerichtsbarkeit von Reuth im Mai 1856 dem Amte Plauen.

In neuerer Zeit hat des Gutes Areal sich bedeutend vermehrt, denn 1834 bot Eduard Heinrich von Schönfels das Gut öffentlich aus mit nur 320 Scheffel (also 160 Ackern) Feldes, 300 Scheffel gut gepflegten Holzes, 113 Tagewerk Wiesen, Torfgräberei, Brauerei, edler Schäferei, wilder und Teich-Fischerei. Die Bestimmung der Wiesen nach Tagewerk stammt aus Bayern, wo das Tagewrk 40000 Quadratfuss hat. In den übrigen Theilen Sachsens ist diese Eintheilung unbekannt.

An die Eisenbahnunternehmung verkaufte der Ort um etwa 6000 Thlr. Landes davon 2026 Thlr. dem Rittergute zufielen.

Anjetzt beträgt dessen Pachtland 170 Acker Feld, 41/3 Acker Teiche, überhaupt 252 Acker, worauf mit Einschluss der Holzung 480 Steuereinheiten ruhen. Bis 1838 hatte das Gut auf vielen Dorffluren die Schaafhut.

Reuth, der Ort, zählte im Jahre 1834 in 54 Häusern 298, 1859 in 58 Häusern 370 Seelen.

Im Gutssprengel, der noch sechs Häuser in Dehles, 5 in Reinhardtswalde, 2 in Drochaus, 2 in Rodau und 4 in Schönlind begreift, wurden 1801 erst 347 Consumenten verzeichnet.

Zum Orte gehört die im Osten abgelegene Budelischmühle sonst Langen- oder Staudenmühle genannt. Die Flur raint mit Tobertitz, Schönlind und Reinhardswalde in Sachsen mit Spilmess und Stelzen in Reuss-Schleiz. Die 1815 an Preussen gekommene Stadt Gefell liegt 13/4 Stunden vom Orte entfernt.

Im Filial Stelzen, welcher Ort bis auf das einzige Haus, den Gasthof, reussisch ist, steht die Collatur der Regierung zu Schleiz zu. Der Reuther Schullehrer aber ist zugleich Kirchendiener in Stelzen, wogegen dieser Ort seinen besondern Lehrer hat.

Ein schönes und vielbesuchtes Fest ward dem Orte am 2. Septbr. 1859 zu Theil durch einen kurzen Aufenthalt des von Hof zurückkehrenden allverehrten Königs Johann, wobei die Feier sich hauptsächlich auf den Bahn- und Schlosshof erstreckte.

Reyssig, (S. 193 d. A.) Reyszig, Reissig, war nach früherer Verfassung zwar (neu-)schriftsässig, aber nicht landtagsfähig. Hinterreissig, welches ausser der Pfaffenmühle blos noch den „Pfaffenbauer“ oder das kleine Vorwerk Pfaffenhaus begreift, gehört nicht zum Rittergute, also auch nicht hierher. Vorderreissig dagegen enthielt 1834 in 11 Häusern 88 –, 1858 in 18 H. 142 Bewohner, die theils in Plauen taglöhnern, theils ausnähen u. s. w., und denen der Gutsherr den Schullehrer bestellt. Ueberhaupt wolle man hier Haselbrunn gleichfalls nachlesen.

Die kahle steinige Flur, in welcher 2791/3 Acker mit 2066 Einheiten der Commun Plauen zustehen, zeigt 1221 Fuss mittler Seehöhe, und raint mit Röttis, Jössnitz, Kauschwitz und Haselbrunn. Die verbundenen Güter Haselbrunn und Reissig, welche auch eine kleine Schäferei besitzen, versteuern 24942/3 Einheiten, und überliessen 1848 ihre (volle) Gerichtsbarkeit der Regierung. Insgemein wird Haselbrunn nur wie ein Vorwerk von Reissig betrachtet. –

Rodau (S. 25 d. A.) an der West-Gränze des (sächsischen) Voigtlandes, nämlich an der reuss-schleizischen, 21/2 Stunde westlich von Plauen, halb so weit südöstlich von Mühltrof, 1 Meile von Tanna und 11/2 von Gefell, in nicht mehr milder Gegend, obwohl die mittle Flurhöhe nur 1390, die der Kirche nach Wiemann 1382 Fuss beträgt.

Den Namen nimmt das Album trotz der slawischen Wortform für einen deutschen; wir können nicht beistimmen, sondern nehmen ihn entweder in dem Sinne von Hrodau, einer Burgstätte, oder leiten ihn von Ruda, so dass dem Boden hier Eisengehalt zugeschrieben würde. Mit der Sage von einem Swantowit-Tempel meint das Album offenbar das im Süden theilweis noch vorhandene Gehölz Roderschwand, welches aber jedenfalls auf eine Wüstmark zu beziehen ist. – Die Flur raint mit Koskau und Stelzen im Reussischen, mit Tobertitz, Rössnitz, Leubnitz und Demeusel in Sachsen.

Das ziemlich lang sich ausspinnende Dorf ist von 1834 bis 1858 nur von 96 zu 101 Häusern, von 558 zu 569 Seelen angewachsen, hat aber freilich in den letzten 3 Jahren um 55 (wohl durch Auswanderung??) abgenommen. Von den Begüterten sind 12 im Leubnitzer Antheil. Der Amtstheil begriff, ohne die 5 Häuschen der Eisenbahnwärter, 1833 34 Nummern und überdiess übte das Amt die Obergerichte über die Leubnitzer und Rodauer Unterthanen. Dagegen hatten Rössnitz und Reuth ihre Antheile, jeden mit 2 Nummern, mit voller Gerichtsbarkeit. Schneckengrün, Wiedersberg und Kürbitz haben hier blos Lehnleute.

Das hiesige Rittergut hatte von Rodau selbst nur etwa ein Viertel (wobei eine Mühle), übrigens Antheil an Schönberg (4 Güter), an Kornbach (1 Halbhüfner und 1 Häusler,) an Tobertitz (1 Gut), und zwar überall nur erbgerichtlich; denn das Gut hatte weder die Schriftsässigkeit, noch die Landtagsfähigkeit; im Mai 1856 gab es die Gerichtsbarkeit ab. Lehnunterthanen hat es noch in Meltheuer. Es versteuert 2263 Einheiten, und soll noch jetzt seine Schäferei unterhalten.

Den im Album erwähnten Zinsverkauf an das bei Zeitz gelegne Kloster Bosau beziehen Andere auf Roda an der Schnauder, oder an Wustroda bei Heuckewalde. Insgemein gelten die Röder für die Fortsetzung des v. Rodaischen Geschlechtes, wie denn auch wirklich Roda 1428 einem Jahn Roder gehörte, und der Ort 1592 unter dem Namen „zum Röde“ vorkommt. Es sei auch wiederholt, dass es Herren von Reuss nie – folglich auch keine Kunigunde von Reussin gegeben eben so wenig kommen Herren v. Reinoldsdorf vor, die vielmehr blos zum niedern Adel gehörten.

Was die Erklärung der Bete (S. 25 zu Ende) betrifft, so stimmt das Wort „freiwillig“ nicht mit dem Thatbestande. Ist doch überhaupt die Ableitung vom Bitten (statt vom Bieten) erst seit 1830 aufgekommen, um das Volk zu animiren. – Das Dobeneckische Gut Schlegel liegt in dem sonst Lobensteinischen. Statt des unerhörten Namens Sprichovsky soll es ohne Zweifel heissen: Swihowsky, welchen Namen ein Zweig der Riesenberge in Böhmen führte.

Als Besitzer finden sich noch 1583 Hanns Wilhelm v. Tettau, 1664 Christian Julius v. d. Planitz, 1766 der Kammerjunker Hanns Karl Friedrich v. Schönfels auf Reuth und Ruppertsgrün, der die Schreibung Rothau für Rodau einzuführen suchte; 1772 dessen Neffe, der Lieutenant August Heinrich, 1799 der Amtshauptmann Karl Heinrich August v. Schönfels; 1858 endlich kaufte das Gut als ein Mannlehn Bernhard Heinrich Asmus v. Kospoth. – Ehemals gab es noch Rittergütchen in dem jetzt Leubnitzischen Antheile, welches im 16. Jahrhundert Hanns Röder auf Demeusel an Veit Röder verkauft, 1592 aber ein Hanns Hammer gehabt hat.

Wir bemerken noch, dass nicht fern im Westen, jedoch meist auf reussischem Boden, die Eisenbahn vorbeizieht; dass Roda bei der Mühltroffer Sparkasse betheiligt, auch Sitz einer Schullehrerconferenz und eines Singvereines ist.

Rodersdorf untern Theils (S. 99 d. A.) haben wir – was uns passender schien – sogleich bei Besprechung des im Album fehlenden Rodersdorf obern Theiles mit vervollständigt, holen aber hier gelegentlich nach, dass 1817 der Amtshauptmann Karl Heinrich August v. Schönfels wegen des neuschriftsässigen untern Gutes den Landtag besucht hat. Das obere Gut, als ein amtssässiges entbehrte damals der Landtagsfähigkeit.

Rosenberg (S. 135 d. A.) gilt zwar bei der Lehncurie nur als ein canzleischriftsässiges „Vorwerk“, stellt sich aber factisch doch als ein Rittergut dar, welches vor einigen Jahren der Kasten’sche Schwiegersohn Herr Ernst Johann Hartung, seit 1854 Lieutenant a. D., abgesondert zu Lehn erhalten; vergl. Oberweischlitz. Das Gut liegt hoch und angenehm überm rechten Flussufer, in der Oberweischlitzer Flur, und das Oertchen hält sich zur Oberweischlitzer Commun, seine Steuereinheiten sind daher dort mit einbegriffen. Nach Leonhardi giebt es hier eine Schäferei und eine Ziegelei. – Ein selbständiges [30] Canzleilehn bildet das Gut längst, ist auch früher ein absonderliches Rittergut gewesen.

Im Album ist S. 136, Sp. 2, statt Körlitz zu setzen: Kürbitz. Der dort bemerkte Brand ist besonders desshalb bedauerlich, weil dabei die reichen wissenschaftlichen Sammlungen und eigenen Manuscripte des Candidaten der Theologie Herrmann mit vernichtet wurden.

Rössnitz, (S. 197 d. A.) so genannt vielleicht von Ross, die Heide liegt 13/4 Stunden von Plauen und Mühltrof, 3 Stunden von Gefell, zwischen Rodersdorf, Tobertitz, Rodau, Leubnitz, Schneckengrün und Kloschwitz. Die Flur, im Mittel 1322 Fuss hoch, umschliesst auch eine Leubnitzer Flurparcelle. Der nach Lohrmann 1595 Fuss erreichende nahe Sandberg scheint kein anderer, als der auf Schenks Karte sogenannte Weinberg; einen Cabinetswein kann er unmöglich getragen haben. Indessen heisst doch jetzt noch ein hierher gehöriges Haus das Weinleithenhaus. Eine in Südwesten erst neuerlich angesetzte Häusergruppe heisst das Eichigt, die Eichigthäusser.

Vom Orte, der 1834 in 49 Häusern 252 –, 1858 in 52 H. 280 Seelen befasste, haben 4 Gütchen von jeher dem Amte, 3 Häusler dem Rittergute Leubnitz zugestanden, der Rest aber hiesigem Gute mit voller Gerichtsbarkeit bis in den Mai 1856. Des Braukretschams allhier (Erbgerichtes) gedenkt schon eine Verordnung von 1537.

Der im Album genannte Philipp v. Reibold besass auch Neundorf. Die Wittwe des Adolf Fürchtegott Adler, die welcher 1838 bis 1852 Besitzer des früheren Mannlehngutes gewesen, hatte es schon mit Allodialqualität. An die Reibolde ist es übrigens vom Deutschorden (dafern er es wirklich besessen) nicht sogleich gekommen: denn 1423 hat Matthias Roder (v. Röder) auch Rössnitz vom Plauischen Voigte zu Lehn gehabt. Sollte dasjenige Rossnitz, das 1661 der (früher aus Böhmen verdrängte) Amtshauptmann und Oberkirchenmeister Rudolf v. Bünau nebst Ottendorf bei Pirna hinterliess, das unsrige sein, dann müsste man auch hier eine Gedoppelheit des Gutes annehmen.

Dieses versteuert 3597 Einheiten, dürfte schon für ein Mittelgut gelten können, gab 1801 erst 343 Consumenten an, hat in Roda 2, in Tobertitz 8, in Kloschwitz 12 Unterthanen (wobei die Schenke, die Schmiede und 8 Begüterte), Lehnleute aber auch in Ruderitz und Reinhardswalde. Es gehört dazu eine Ziegelei. Ueber einige Unterthanen hatte es auch Obergerichtsbarkeit, aber der Landtagsfähigkeit ermangelte der Besitzer als Amtssasse.

Rothenkirchen (S. 199 d. A.) liegt von Plauen vielmehr 61/4, von Lengenfeld 23/8 Stunden, auch von Eibenstock nicht nordöstlich, von Schneeberg nicht südöstlich, sondern südwestlich, und hinsichtlich der Kirche nach Wiemann 1844 Fuss hoch. Da die mittle Seehöhe der Flur 1941 Fuss beträgt, so muss jene weit über 2000, ja über 2100 Fuss ansteigen. Der Kuhberg aber (S. 200) ist nach Wiemann nur 2426, nach Lohrmann 2440 Fuss hoch. Wegen der Bewaldung des Gipfels findet man Punkte zum Genusse der gewaltigen Fernsichten des Berges nur kümmerlich auf dessen Abhängen. Ihn zu umgehen, bedarf es zwar zweier Stunden; aber so gross ist doch seine Ausdehnung nicht, dass auch noch Schönheide sich daran lehnte.

Rothenkirchen, im frühern Amtsbezirke Plauen der östlichste Ort, hat sich 1834 bis 1858 von 1337 zu 1605 Bewohnern erhoben, gab aber damals 1 Haus mehr, als jetzt, nämlich 165 (??) an. Die ihn durchziehende Schneeberg-Auerbacher Strasse grenzt an seinem obern Ende mit jener von Stützengrün nach Rodewisch. Was nun noch südlich oder jenseits der letztern liegt, heisst Schustersreuth, und verkettet sich mit den nach Stützengrün gehörigen Tannhäusern, die auf des Kuhbergs tieferm Abhange stehen. Die schöne Kirche erfuhr, gleich dem Pfarrhause, 1853 durchgehends Renovation. Seit dem Neujahr 1857 besteht hier eine Postexpedition. Von den früheren Russhütten sind 3 im Betriebe.

Die Collatur allhier haben nicht mehr die Auerbacher Gutsherrschaften, sondern seit 1848 das Ministerium; jedoch wählt die Commun sich den untern Lehrer. – – In der 2ten Spalte, Z. 13. setze man für „täglich“ füglich, und S. 200 unten für „Wasserseite“ Wasserscheide.

Zum herrschaftlichen Propergute gehört eigentlich die unterhalb des Dorfes gelegne Hofmühle mit 1/4 Hufe Landes, 3 Gängen, Oel- und Breimühle; sie ist jedoch vererbpachtet. Ueberhaupt begreift das, mit Steuereinheiten eben desshalb nicht belastete Rittergut, ein Mannlehn, jetzt nur noch trockne Renten, wie Zinsen, Pacht- und Lehngelder. Nach früherer Verfassung hatte es seit dem 24. November 1741 alle Prärogativen der alten Schriftsassen, daher Landtagsfähigkeit und volle Gerichtsbarkeit, in welcher Beziehung auf Auerbach zu verweisen ist.

Unter denjenigen Gütern des Voigtlandes, welche nicht vollkommene Rittergüter sind, zeichnen sich besonders die jetzt verbundenen Hammergüter Morgenröthe, Rautenkrauz und Tannebergsthal aus, welche Herrn Lattermann gehören; nicht minder die 4 sogenannten Waldgüter Ober- und Untersachsenberg und die beiden längst combinirten im Amtssitze Klingenthal. Diese zum Theil starken und mit Schlössern versehenen Güter unterlagen aber nach früherer Verfassung der Belastung mit der Land- und Schocksteuer, an deren Statt bei wahren Rittergütern die Ritterpferds- und Donativgelder obwalteten; auch wählen sie Deputirte zum Landtage nicht mit der Ritterschaft des Kreises, sondern mit den Bauergutsbesitzern ihrer Gegend. Uebrigens aber haben sie manche sonst ritterlichen Rechte, z. B. die Lehn- und Ortsobrigkeit, die Collatur etc., und früher auch übten sie, Tannebergsthal abgerechnet, die Erbgerichtsbarkeit, zum Theil über mehr als 1000 Unterthanen. Da nun aber diese Güter keine Abbildung im Album gewonnen, so werden sie auch in unseren Supplementen am füglichsten übergangen.

Röttis (S. 40 d. A.) urkundlich das Rottes, jetzt selbst auch von den Behörden Rettis geschrieben, wird von Roda Eisenerz, abgeleitet, wie denn auch wirklich an der Elster bei Röttis ein Eisenhammer gestanden.

Der Ort liegt 11/3 Stunde nördlich von Plauen an der Eisenbahn und theilweise am alten oder kalten Bache, stark erhöhet über das linke Elsterufer und mit einigen vereinzelten Häusern am Flusse in nur mässig fruchtbarer, aber angenehmer coupirter Gegend, in der Nähe der berühmten erstaunungswürdigen Eisenbahn-Brücke, welche nicht blos 150 Fuss hoch ist, sondern viel mehr 1201/8 Ellen über’m Fluss-Spiegel erreicht. Ihre Seehöhe fand Wiemann zu 1125 den Flussspiegel 916 Fuss; nach der Bahn-Nivellirung soll jedoch die Seehöhe von 1140 Fuss herauskommen.

Die Brücke selbst kommt zwar weder an Länge, noch an Höhe jener über die Gölzsch gleich, aber an Schönheit des Baues und der Lage, ja in malerischer Hinsicht wird letztere in ersterer sogar übertroffen. Sie hat als die 4te oder 5te an Höhe unter allen Brücken auf Erden einen grossen Namen.

Von ihren beiden Etagen hat die 295 Ellen lange untere bis zu 61, die obere 492 Ellen lange aber 59 Ellen Höhe.

Der für den Fluss selbst gelassene Hauptbogen gewahrt einen wahrhaft erhabenen Anblick. Die Brücke, im lichten (gleich der Gölzschbrücke) 14 Ellen breit, wurde nach ihrer eleganten Inschrift (mit dem Motto: Stando distantia jungat) vom 31. Mai 1846 bis zum 15. Juli 1851 gebaut, wozu man 119000 Cubikellen Quader und 111/2 Millionen Ziegel verwendete.

Das Gut hat an seiner Qualität durch die Verbesserungen des derzeitigen Besitzers Herrn Dr. Lorenz sehr gewonnen, obschon es nicht zu den starken Gütern gehört. Durch Verkauf von Boden für 1975 Thlrn. an die Eisenbahn ist es gegen früher noch schwächer geworden. Es versteuert nur noch 10761/2 Einheiten und wurde 1852 nur auf 9050 Thlr. taxirt, wo jedoch die jetzigen schönen Wirthschaftsräume nebst den übrigen Gutsgebäuden noch nicht standen.

Unter den Besitzern des Gutes verdient besondere Erwähnung der vielverdiente und daher als einer der ersten mit dem Civil-Verdienstorden decorirte Kreis-Hauptmann und Obersteuereinnehmer Georg Friedrich von Watzdorf.

Der im Frühjahre 1860 auf Leichnam verstorbene Otto Friedrich Heinrich von Watzdorf wurde von der Kammer 1833 in den Staatsgerichtshof gewählt.

Nach alter Verfassung war das Gut altschriftsässig und landtagsfähig; und bis 1841 ein Mannlehn; später wurde es unter dem Besitze des Herrn Opitz und Zeidler allodificirt.

Das Rittergut wurde im Jahre 1855 mit der Ober- und Erbgerichtsbarkeit an die Regierung abgetreten, Ortsantheile von Reinsdorf und Jössnitz gehörten blos wegen der Lehngerichtsbarkeit hierher.

Die Barthmühle unterlag nie dem hiesigen sondern mehr dem Liebauer Rittergute, gehört aber nebst dem Hammerhause zu hiesiger Commun. Beiden gewähren in dem zwar tiefen aber freundlichen Thale einen sehr lieblichen Anblick von der Eisenbahnbrücke herab.

Die in der Nähe von Röttis liegenden Eisensteingruben sind nicht ohne Bedeutung. Obwohl Herr Lattermann auf Morgenröthe 1852 von der am Eisenberge gelegenen Zeche Saxonia, und vom Graf von Saverne und neue Hoffnung Gottes sich lossagte, so hat doch die sächsische Bergbau- und Eisenhüttengesellschaft seit dem, besonders auf Hans Georg, den Eisenbau eifrig wieder aufgenommen. Von 2 dabei gefundenen räthselhaften Mineralien wird das eine jetzt chemisch in Freiberg untersucht, es mag wohl viel Kobald enthalten, da das Schlemaische Werk es mit 6 Thlrn. pro Centner bezahlt.

Das bei der Beschreibung von Röttis im Hauptbande erwähnte Steinicht kann man noch nicht eigentlich bei der Barthmühle sondern vielmehr erst bei der Rentschmühle beginnen lassen, welches seinen Namen von des in endloser Menge von den Grünsteinfelsen herabgestürzten Steinen und Blöcken erhalten hat, die im tiefen, engen, finstern Waldthale, weiter hinab die Elster zu heftigem Rauschen und mehreren kleinen Wasserfällen zwingen.

Dieses Steinicht wird mit dem Namen der Voigtländischen Schweiz weithin genannt.

Die Ausdehnung dieser sogenannten Voigtländischen Schweiz beträgt eine Stunde Wegs und endet bei der Elsterberger Franzmühle.

Die Gegend selbst wird von Leipzig aus und weiter her, ja sogar von allen hierherkommenden Reisenden aus weiter Ferne stets besucht, wie sie es auch verdient.

In den Sommermonaten wird sie häufig von Plauens Bewohnern besucht, die mittelst der Eisenbahn in einer Viertelstunde in das liebliche Elsterthal gelangen, wo sie gute Bewirthung finden.

Ruppertsgrün, (S. 147 d. A.) auch Ruppersgrün geschrieben, mag schwerlich nach einer Capelle, sondern eher diese um des Ortsnamens nach dem H. Ruppert oder Robert genannt sein. Es liegt nur 21/2 Stunde südsüdwestlich von Greiz, 1 Stunde südsüdöstlich von Elsterberg, so dass es mit Christ- und Herlasgrün, mit Neudörfel, Liebau und Lohsa gränzt. Wiemann giebt der Kirche 1189 Fuss, und die ansehnlich bedeutend variirende Flur hat zur mittlern Höhe 1220 Fuss. Der Kirche nordwestlich sehr nahe, doch etwas tiefer steht das [31] Rittergut mit seinen etwas verstreuten Flügeln. Des Ortes Haupttheil zieht sich aus der Nähe des Forellenbaches (an welchem er auch mit Kleinchristgrün zusammenstöst) südwärts in einer kleinen Schlucht 1/4 Stunde weit ziemlich steil hinauf zu einer Hügelgruppe, hinter welcher die meist ausgetrockneten Lehdenteiche liegen. Weiter in Südosten ist unfern Jocketa der Dobers, ein Holz, dessen slawischer Name auf einen eingegangenen Ort Dobritz schliessen lässt, wie in Nordost das Orbesholz auf ein Orbes: beide mögen von den Hussiten 1429 verwüstet worden sein. Jenseits des Forellenbaches steigt auch ziemlich steil der Frauenpöhl an. – Was noch dem h. Rupertus betrifft, so lebte dieser Stifter und Abt des ersten Cistercienserclosters Cisteaux bei Dijon 1024 bis 1108, und wurde 1222 canonisirt. Die hiesige Kirche, an welcher seit 1368 durch Legat der Edelfrau Agnes v. Elsterberg eine jährliche Spende noch vor 160 Jahren bestanden, erfuhr 1709 durchgreifende Restauration, das Pfarrhaus 1857 einen Neubau. – Durch den Ort ist ehemals die alte Reichsstrasse von Hof nach Zwickau und Altenburg gegangen. – Das vom Album mit Recht beklagte Unglück im J. 1640 verübte der Feldmarschall Mack; aber auch 1632 schon war die hierher gehörige Rentschmühle und namentlich das von Joachim v. Dölau daran gebaute kostbare Herrnhaus von Holki verbrannt worden. Die Mühle selbst mit ihren 7 Gängen galt bis dahin für eine der kunstreichsten im Lande; jetzt hat sie ein steinernes Wehr und nur 4 Gänge. Sonst besass sie den Zwang im Gutssprengel und bis zu 180 Scheffeln auch im Liebauischen, wesshalb in letzterm nie leicht eine Mühle unternommen werden konnte. – Mack verbrannte am 15. April 1640 das feste grosse Schloss im Dorfe mit seiner berühmten Gewehrsammlung, so wie die Kirche zum Theil und neun Bauergüter. Jener Krieg brachte dem Ort 10mal Plünderung.

Zwei Güter desselben mit 1 Hufe unterliegen dem Rittergute Liebau; dagegen hat ausser’m Dorfe das hiesige Gut auch 6 Häuser und die Gemeindeobrigkeit in Neudörfel, 6 in Möschwitz, 1 in Losa und 3 in Scholas; 1801 gab es 333 Consumenten an. Hierzu kommen einige Lehnleute in Jocketa.

In der ersten Sp. auf S. 147 wolle man für Zelba setzen: Sella: dieses liegt nebst Grünewald im Spremberg-Hoyerswerdischen Kreise der preussischen Oberlausitz. – Zeidler (s. Mitte der 2ten Sp.) hat nicht allein, sondern gemeinsam mit Opitz auf Netschkau dieses Allodialrittergut zu Lehn erhalten. – Im Dölauischen Besitze ist einst eine Lücke gewesen; denn am 30. Januar 1721 hat der Freiherr Friedrich Ludwig v. Hühnefeld Ruppertsgrün zusammen mit Christgrün erkauft, vermuthlich aber auch bald wieder zurück verkauft, nämlich an den frühern Verkäufer, den k. k. Kammerrath Adam Friedrich v. Dölau, welcher das Gut 1720 von seinem Bruder Johann Heinrich geerbt hatte. Zur Hühnefeldischen Stiftung kam es erst 1852.

Die v. Dölau besprachen wir schon unter Liebau, fügen aber hier gelegentlich noch einiges bei. Reizend erklingt ihre Familiensage, sie hätten unter’m römischen Prinzen Drusus (vergl. Voigtsberg) so tapfer gefochten, dass dieser sie dafür mit Ruppertsgrün, Unterpöhl und Liebau belohnte. Das geht doch noch weit über den Herzog vom Malakoff’schen Thurm hinaus. In der That aber hat der 1596 gestorbene Sigmund (s. das Album) sich in Frankreich, in Ungarn und vor Gotha sehr hervorgethan. Vom Vater auf Sohn folgten die Dölau auf einander so: Jobst oder Hiob auf Ruppertsgrün und Liebau, Christoph, Friedrich, Joachim auf Pöhl etc., Georg, Georg II., und der erwähnte Sigmund. Jobst mag demnach vor reichlich 500 Jahren geblühet haben. Joachim (s. das Album) lebte 1573 bis 1648, und hatte als fürstlicher Rath jubilirt: Johann Georg war dieses für Kursachsen. Joachim hat schon 1600 Liebau aus der Verpfändung an Kaspar v. Reitzenstein wieder ausgelöst. Dem ersten Johann Georg, der auch Kammerherr und seit 1672 Vicecanzler gewesen, folgte nach König ein gleichnamiger Sohn, den dagegen Andere Gottlob Christian nennen; sei dem, wie ihm wolle, so fehlt er doch im Album, oder doch wahrscheinlicher ist er, der daselbst vorkommende Johann Heinrich, da König ihn als Rath, Vicekreishauptmann, Kreiscommissar, Obersteuereinnehmer und Merseburger Domherrn bezeichnet, ihm auch ausser Ruppertsgrün und Liebau noch Cossengrün im Greizischen beischreibt. – Joachim war mit Zeuge, als Christian II. 1601 die v. Pappenheim mit dem Reichsmarschall-Unteramte belieh; die Urkunde schreibt ihn aber „Joachim v. Dhelaw zu Ruppersrgrohen.“

Das Dorf ist 1834 bis 1858 von 79 zu 87 Häusern, von 498 zu 609 Seelen angewachsen. Das zugehörige „Posthäusel“ steht an der alten Reichsstrasse, nordöstlich von Neudörfel und jenseits jener Ziegelei, welche 1/3 Stunde südöstlich vom Orte liegt, daher am westlichen Fusse der bewaldeten Scheerhübel. Der so romantischen Lage der Rentschmühle, am Eingange des Steinichts, 3000 Schritte westlich von Ruppertsgrün, gedachten wir schon unter Liebau; die dabei stehende Lochschenke gehört schon zu dem greizischen Dorfe Cossengrün, indem die Mühle dicht an der Landesgränze liegt. Das Steinicht aber (s. S. 148, Z. 9) ist keineswegs „auf freundlicher Höhe“, sondern der rege und tiefe, durch seine hohen Felskuppen sehr romantische Grund, in welchem die Elster über zahllos zu ihr herabgestürzte Bänke und Blöcke aus Grünsteinschiefer herbraust, und den Namen der „voigtländischen Schweiz“ veranlasst hat. Der Grund ist düsterer, als der Rabenauische in der Tharandter Gegend, übrigens aber ihm vielfach ähnlich.

S. 148, Z. 3, lese man „Klepper- oder Kläppermühle“. An den daselbst erwähnten Anbau stösst auch Klein-Christgrün; er ist nördlich vom Dorfe, am rechten Ufer des Forellenbaches.

Das Rittergut ist jetzt fast nur wie ein Vorwerk mit Christgrün vereinigt, hat an sich (1852) 141 Acker Feld, 52 Acker Wiesen, 4 Acker Teiche, Brauerei, Ziegelei, Schäferei etc. Letztere steht nebst einer neuen Colonie von Häuslern 1/4 südwestlich und daher näher an Liebau, als an Ruppertsgrün, am nordöstlichen Gehänge des kegeligen Galgenberges?

Zur Mitte der ersten Spalte auf Seite 148 ist zu bemerken, dass, – nach den allgemein giltigen Sprichworte: a potiori fit denominatio – Schiller dasjenige, was hier General Schlange gethan, Bannern fälschlich zugeschrieben hat. Vom Dorfe verbrannten damals 7 Häuser, – Z. 3 und 2 v. u. sind die Worte in anderer selbsverständlicher Weise zu stellen, und zur 2ten Sp. Z. 7 v. u., sei bemerkt, dass das Collaturrecht anjetzt dem Directorium der Stiftung beiwohnt.

Rützengrün (S. 109 d. A.) wird zwar auch Ritzengrün geschrieben, aber mit Unrecht, möge man nun den Namen von einem Heinrich Reuss oder einem Rudolf ableiten wollen. Es liegt nordöstlich von Auerbach an der hier noch verbundenen Strasse nach Kirch- und Schneeberg, am westlichen Fusse des bewaldeten, sehr hohen und weit umfassenden Taubenberges, am Anfange eines Nebenwässerchens des Sorgaischen Baches. Die nicht grosse und auch wenig tragbare Flur hat die Mittelhöhe von 1679 Fuss, die so nahe Auerbachische demnach schon um 131 Fuss überragend; zu ihr gehört eine Parcelle bei Beerheide.

Wie schon unter Auerbach bemerkt, kann dasige Burg nicht schon im 9ten Jahrhundert – wo man noch nach der Römer Weise befestigte – angelegt worden sein; ihr Thurm deutet vielmehr in das 12te oder 13te Jahrhundert. – Für Zenko (S. 110. Z. 7) setze man Zdenko oder Sidonius, und der vermeintliche Pankratz von Schenken ist ein Pankratius Zdenko von Dohna. Auch waren die Wolffersdorffe damals nicht Herrn. – Die letzten hiesigen Planitze waren Bernhard, Otto und Robert; einer derselben war Major. Diesen zuvorgegangen waren der Oberstlieutenaut und der Forstmeister. – Von Günther kam das Gut schon 1854 an Herrn Schreiter. Bis 1847 ist es Mannlehn gewesen. Herr Günther war übrigens auch Mitbesitzer von Drehbach bei Zschopau; allhier aber machte er im Holzhandel grosse Geschäfte. Unter den weit früheren Gutsherren sei noch jener Johann Georg v. d. Planitz genannt, welcher das von seinem Bruder geerbte Gut Auerbach spaltete.

Das Rittergut hat sein ansehnliches Gehöft nun nordwestlichen Ende des Ortes, auf dem tiefern Abhange des Bühels: entfernt ist in Westen die Schäferei, nahe aber in Norden ein Teich. Mit Rothenkirchen zusammen (welches aber jetzt nicht mehr damit verbunden ist) versteuert es 35991/7 Einheiten. Es hat Brauerei, Brennerei und Ziegelei, auch ziemlich Holzung. Ob aber die bei Schnarrtann gelegne Hofmühle noch jetzt der Herrschaft eigenthümlich gehöre, ist uns unbekannt; sie hat ausser 3 Gängen und 1/4 Hufe Landes auch Oel- und Bretzeug. Die Schulstelle wird nicht von der Herrschaft, sondern von der Schulgemeinde Rützengrün mit Sorga vergeben. Zubehör des Gutes sind noch 5 Häuser (nämlich im J. 1834) in Berrheide, 11 in Rebesgrün, der Rempesgrüner Fichtzig, Theile von Brunn, Dresselsgrün, Hinterhain und Schnarrtann, welches ursprünglich wohl den slawischen Namen Schnarden gehabt haben mag. Wir finden auch Reimtengrün erwähnt, was aber wohl blos einen Lehnantheil an der Flur betroffen. – Auch von Rützengrün selbst hat das Gut nur einen Theil, wie Hohengrün, Sorga und beide Auerbacher Güter. Das Dorf zählte 1834 in 62 Häusern 460 –, 1858 in 67 H. 526 Seelen, über welche die Auerbachischen Dommungerichte die Obergerichtsbarkeit übten. – Die hiesigen Schieferbrüche werden insgemein die Auerbachischen genannt. Der dem Wetzschiefer sich nähernde Thonschiefer enthält auch Glorit und edlen Serpentin oder Ophit.

Sachsgrün. (S. 57 d. A.) Für dieses Gut, welches im Besitze längst mit Ebmath verbunden ist, und nach früherer Verfassung altschriftsässig und landtagsfähig war, verlangen – Longolius an der Spitze – mehrere Historiker die Schreibung Sacksgrün, indem es, wo nicht gar das Stammhaus der (nachmals Edlen) Säcke, doch von ihnen angelegt und genannt sein möge. Wie aber dieses sich durchaus nicht darthun lässt, so ist auch der beachtenswerthe Möbius entschieden dagegen, und immer noch mehr, als Sachsgrün, hätte in dieser Beziehung Sachswitz für sich. Unter allen Umständen jedoch ist die Schreibung Sachsengrün zurückzuweisen. – In der Mitte der ersten Sp. im Album wolle man statt Eitel setzen: Eltel.

Von den Z. 6 genannten Beiörtchen hatte 1834 Loddenreuth 11 Häuser, und von 2 solchen ist Hasen- (nicht Hofen-) reuth seitdem auf 4 gekommen. Die ganze Gemeinde aber zählte 1834 in 62 Häusern 342 –, 1854 in 64 H. 374 Seelen, mit Abnahme gegen die vorletzte Zählung. Die im Mittel 1734 Fuss hohe Flur gränzt mit Hartmannsreuth in Bayern, übrigens mit Wiedersberg, Ottengrün, Gassen- und Troschenreuth. Der Kirche giebt Lohrmann (wohl zu niedrig) 1612 Fuss, und dieselbe Seehöhe dem Loddenreuther Egelteich an der Gränze. In Osten steigen die Galgen- und Pferdeberge an, in Norden der Affenberg, der wohl besser Offenberg heisst; nach dem mittelalterlichen Namen Offe. – Der hiesigen Erbkretschamsbrauerei gedenkt schon eine Verordnung von 1537. – Nach dem kirchlich-statistischen Handbuche von Sachsen sind hierher nur noch die sächsischen Orte Lodden- und Hasenreuth, nicht mehr aber die bayrischen gepfarrt, und die Collatur der Pfarrei steht nun jedesmal dem sächsischen Cultministerium zu, bei der Schule dagegen der Herrschaft. Jene Abänderung geschah schon vor 15 Jahren.

Zubehör des Ritterguts – und zwar auch bis zum 30. April 1856 gerichtlich – sind ausser Sachsgrün (auf Schenks Charte Saxgrün) [32] mit Lodden- und Hasenreuth noch 1 Haus in Blosenberg, 2 in Tiefenbrunn selbst und 3, welche das zugehörige Oertchen Thal oder Gräben im Thal bilden; endlich Gassenreuth ohne die beiden nach Posseck gehörigen Häuser. 1801 gab der ganze Sprengel 402 Consumenten an. Hierzu kommen noch einige Lehnleute in Ottengrün.

Das Gut erhielt die Prärogativen der alten Schriftsassen 1741 zugesprochen, und 1817 war Wilhelm Ernst v. Brandenstein desshalb im weitern ritterschaftlichen Ausschuss. – Nach S. 118, Sp. 1 ist, bald nachdem für das Album der Artikel verfasst worden, das alte burgmässige Schloss eingestürzt. – „Herrn von Sack“ (s. Album) hat es nie gegeben, und was den Säcken hier glatthin beigeschrieben wird, entbehrt meist jeden Beweises. Das Schloss, welches wohl erst im 16. Jahrhunderte – da es nicht einmal massiv war – auf die Stätte der ursprünglichen Burg gekommen, stellte sich ziemlich plump und unbedeutend dar; eben so der niedrige, 4seitige, in ein Zeltdach ausgehende Thurm. Die Ringmauer zeigt noch Reste der Basteien. Leider sind die meisten älteren Nachrichten über das Gut bei einem Brande im 30jährigen Kriege verloren gegangen.

Von den gegen das Ende von S. 57 genannten Gütern Ahorn und Kaulsdorf liegt ersteres 3/8 Stunde von Koburg, letzteres an der Saale, unfern Saalfeld. Wilhelm von Streitberg erscheint noch 1634 als Hofrichter, kann also nicht schon 1631 gestorben sein. Einen Reinhold v. Feilitzsch auf Hainersgrün findet man schon vor 530 J. auch allhier; demnach dürfte auch Ritter Vassmann ein Feilitzsch gewesen sein. 1542 ställten wegen Sachsgrün Siegmund und Hans Heinrich v. Feilitzsch 3 Ritterpferde. – Als Güter der Säcke sind ausser Mühltrof und Sachsgrün noch bekannt: in Sachsen Planschwitz, Stein, Geilsdorf, Türbel, Pirk, Schwand und Krebes, in Bayern Müncheberg, Sparneck und Waldstein, in Preussen das bis 1815 sächsisch gewesene Sparnberg.

Das böhmische Geschlecht v. Sachsengrün dürfte hierher zu ziehen sein, theils weil ein zweites Sachsgrün unbekannt ist, theils weil jene Freiherrn den Beinamen Kfeller führen, das Städtchen Gefell aber allerdings nicht weit von Sachsgrün liegt und bis 1815 gleichfalls sächsisch war. Norbert Kfeller Freiherr v. Sachsengrün baute 1762 das Schloss Skreyschow im Berauner Kreise neu, und 1764 die dasige Kirche. Auch haben diesem Geschlechte mehrere Güter im Budweiser Kreise gehört.

Auf S. 58, gegen das Ende, ist statt Mentschau zu setzen: Nentzschau.

Schillbach (S. 87 d. A.) auch Schilbach geschrieben, liegt westsüdwestlich von Schöneck (welches niemals Srenek oder Sherenik geheissen, sondern durch Svenek oder Shevenik allenfalls – jedoch unpassend – könnte gedeutet werden) und schwerlich inner-, sondern wohl nur nahe-ausserhalb der Gränzen, welche die bekannte Urkunde von 1123 der gräflich Ebersteinischen Parochie – hier identisch mit Herrschaft – Plauen oder Dobenau giebt. Südlich 1/3 Stunde von Schillbach, jenseits der Schäferei, steht am Schillbache dicht vor seiner Mündung im anmuthigen tiefen Würschnitz-Grunde die Erlmühle; ein sanfter Gebirgshang trägt die Schäferei. In Nordosten sind jenseits des Wagnerhauses die Birkenhäuser. Starke Holzung säumt die im Mittel 1766 Fuss hoch und somit ziemlich rauh, aber doch gegen Schöneck schon viel milder gelegene, steinige und karge Flur. Jene Waldung endet in Südwest auf dem steilen Brutenberge am Würschnitzgrunde, und umschliesst das Hainfeld; beide Namen deuten vornehmlich dahin, dass hier ein Oertchen eingegangen. Wie die ganze Gegend höchst gebirgig, so variirt auch die weitgedehnte Flur überaus stark: von 1459 Fuss an der Würschnitz bis zu 2063 Fuss oberhalb der Birkenhäuser, und der nur 3/4 Stunde lange Bach hat dennoch über 200 Ellen Gefälle. Der Höhe nach Arnoldsgrün hin giebt Lohrmann 1862, denn sogenannten „grossen Berge“, westlich vom Orte, nur 1671 Fuss.

Die Jahre 1834 bis 1858 sahen Schillbach von 39 zu 51 Häusern, von 285 zu 375 Seelen anwachsen. Diese unterliegen, so lang das Schönecker Gerichtsamt noch nicht eröffnet sein wird, interimistisch jenem zu Markneukirchen; als aber 1849 die Herrschaft ihre (volle) Gerichtsbarkeit abgegeben, kam sie zuerst an das königliche Gericht, das damals in Schöneck bestand. Wir haben aber auch eine öffentliche Nachricht gefunden, welche hiervon gänzlich abweicht, indem es zur Ueberweisung der Unterthanen erst am 16. Juli 1856 wirklich gekommen sei; augenblicklich sind wir ausser Stande, das sichere anzugeben. Nicht minder lauten die Nachrichten über den nicht zum Rittergute gehörigen Dorftheil verschieden. Nach der einen unterlagen 1834 dem Schönecker Gerichte 8 Häuser; die andere giebt von den 7 Wohlbachischen Pfarr-Dotalen obergerichtlich 5 dem Schönecker Stadtrath, und 2 der hiesigen Herrschaft, und die ersteren 5 seien es eben, die erst am 16. Juli 1856 an die Regierung gediehen. – Zur hiesigen Schule hält sich das einzelne, nach Schöneck gehörige „Pfarrgütlein.“

Das ansehnliche Rittergut steht etwas isolirt südlich vom Dorfe, an 2 Teichen, auf flachem Abhange, dem konischen „grossen Berge“ östlich gerade gegenüber. Mit Einschluss des Vorwerkes und der Schäferei, so wie seiner bedeutenden Waldung, versteuert es 144313/8 Einheiten, kann somit schwerlich unter 150000 Thlr. Werthes haben, und gehört unter die stärksten im Kreise. Im 15. Jahrhundert hat es dem Schönecker Pleban den Naturaldreissigsten und statt der Gatterhähne 61/2 Groschen zu entrichten gehabt.

Dem Namen Thoss im Mittelalter darf das „von“ nicht (wie im Album) vorgesetzt werden. Die dort erwähnte, durch die Hussittengräuel 1430 entstandene Wüstmark Haselbrunn verbreitet sich 1/4 bis 1/2 Stunde nördlich der Stadt. Die hier genannten beiden Thosse hatten zwei Schwestern (wahrscheinlich aus derselben Familie) geehelicht, davon Elisabeth dem Peter Thoss Marieney, Margaretha dem Konrad Schillbach zubrachte. Es scheint dieses schon vor das J. 1428 zu fallen. – Der Sp. 2 genannte Christoph v. Tettau besass auch Mechelgrün. 1533 verkauften diejenigen Tettauischen Gebrüder, welche am Pfandbesitze der Herrschaft Schwarzenberg zur Hälfte betheiligt waren, diese an das Haus Wettin. Christoph sass auf Schillbach schon 1542, 1555 jedoch gemeinsam mit seinem Bruder, dem erst etwa 1570 gestorbenen Albert. Das Z. 6 v. u. vorkommende, jetzt gräflich Auerspergische Gut Wallhof in Böhmen liegt unweit des sächsischen Dorfes Landwüst, also nicht sehr fern von Schillbach.

Da Schillbach schon 1730 (wie noch 1749) dem Voigtsbergischen Amtshauptmann Georg Christoph v. Mangold gehört hat, so scheint es unmittelbar von den Tettau’s an die Mangolde gekommen zu sein, und man hat wohl den Mangoldischen Besitz in zwei Zeiträume zu theilen; denn 1749 erscheint als Besitzer auch jener Karl Erdmann v. Kospoth auf Frankendorf, Zollgrün und Oschitz bei Schleitz, der 1775 auch Mühltrof erwarb. Nur entfernt war diese Kospothische Linie jener verwand, welche (was im Album nachzutragen) im 17. Jahrh. sich nach Schlesien gewendet, und 1776 im Rittmeister Karl Christian August gräflich geworden. Ausser jenen Gütern bei Schleitz hatten die Kospothe auch Schillbach schon einmal 1253, also vor den Thossen besessen; auch wird 1543 ein Karl v. Kospoth „auf Schillbach“ als Genoss der grossen Kirchenvisitation aufgeführt. Wie sich dieses mit dem Tettauischen Besitze vereinigen lasse, wissen wir nicht. Sollte vielleicht auch Schillbach, wie so viele voigtländische Güter, im Mittelalter ein zwiefaches gewesen sein? Denn auf blosser Verpfändung konnte gedachter Kospothischer Besitz kaum beruhen, da man einen unsichern Gutsherrn schwerlich würde mit zur Visitation gezogen haben.

Demjenigen Kammerjunker v. Mangoldt, der Schilbach 1786 besass, ist der Kreishauptmann zunächst vorhergegangen. Der Oberstlieutenant v. Mangoldt starb als Besitzer 1820, so dass er von dem noch lebenden Generallieutenant Hanns Julius August, kommandirendem der sächsischen Reiterei, Ritter vieler Orden, unterschieden werden muss. 1831 besass das Gut der Finanzprocurator Becker in Adorf, einer der ersten Deputirten zur 2ten Ständekammer; 1835 der Steuerprocurator Jani gemeinsam mit der Frau v. d. Lühe. Nicht also vom General v. Mangoldt, sondern von der Jani’schen Familie kam Schillbach 1842 an Herrn Lieutenaut v. d. Lühe, welcher ein Vorstand beim erbländischen ritterschaftlichen Creditverein und Friedensrichter im Schönecker Bezirke ist, auch bei dem schönen Kirchenbau zu Schöneck sich als Bauherr vielen Dank erwarb. – Das Gut ist allodial, und war nach früherer Verfassung zwar (neu-)schriftsässig, aber nicht landtagsfähig. 1801 gab es 536 Consumenten in Schil- und Eschenbach, Arnsgrün und (ganz) Korna an.

Schloditz. (S. 92 d. A.) Die im Album aufgestellte Namensdeutung erscheint wohl zu künstlich-gezwungen. Näher liegen Slode, wie die Slavonier den Teufel nennen, slatky oder schlado, süss, ingleichen die slawischen Wörter für das Gold und für sumpfigen Boden. Schenks Karte schreibt fälschlich Schlatitz. Der Ort liegt zwischen Drossdorf, Theuma, Stöckigt und Obermarxgrün, am Poppenholze, am Wege von Schöneck nach Voigtsberg, und zur Zeit im Oelsnitzer Amtsbezirke. Die Flur wurde im Mittel 1476, das einzelne Wirthshaus zum Juchheh aber von Lohrmann 1649 Fuss hoch gefunden; die erstere bietet also starke Variation dar. Der Ort enthielt 1834 in 25 Häusern 145 –, 1858 aber 172 Seelen. Bei den 4962 Steuereinheiten ist im Album wohl der ganze Ort gemeint; denn das Gut soll deren nur 35981/2 versteuern.

Zu Anfang der 2ten Sp. von S. 92 könnte man meinen, der Superintendent (richtiger: der Plauische Oberpfarrer) vergebe alle Schulstellen in der Parochie; dieses trifft aber nur jene in Theuma selbst übrigens haben die Schulgemeinden (und Schloditz selbst gehört zu Drossdorfischen) die Collatur. Anjetzt heisst der Diakon in Theuma Schwabe, und der Lehrer Sammler.

An Theuma haben beide Mechelgrüner Herrschaften Antheil. Der Schloditzische begreift etwa 15 Häuser, wobei nur 3 Güter. Dagegen hat das Rittergut fast 1/3 von Drossdorf, 2 Güter und 1 Häusler in Obermarxgrün, in Thiergarten nur 1 Haus. Als es am 18. April 1856 seine Gerichtsbarkeit abgab, kamen Schloditz selbst und die Antheile an Drossdorf und Obermarxgrün zum Voigtsberger Amte, der Rest des Gerichtssprengels aber (welcher 1801 nur 164 Consumenten angegeben) nebst den Lehnantheilen an den Fluren Grossfriesen und Tobertitz nach Plauen.

Schon 1480 wurde Hanns v. Rabe (vergl. Mechelgrün) auf Reusa und Schneckengrün auch mit Schloditz belehnt, und 1542 ställt allhier Jobst Rabe, sowie 1665 Friedrich von Rabe, ein Ritterpferd. – Johann Gottlob Golle hat schon 1819 und mindestens noch 183? Schloditz besessen. Es war damals nur neuschriftsässig, aber dennoch landtagsfähig.

Schneckengrün. (S. 188 d. A.) Bei diesem sonderbar klingenden Namen erinnere man sich des böhmischen Dorfe Schnecken unfern Brambach, des dasigen Forsthauses Schnecken in Schneckenwalde, u. a. Gegenstände, welche mit dem Thiergeschlechte der Schnecken sicherlich nichts zu thun haben. Wir unsrerseits halten ihn für slawisch und für etwas corrumpirt, und beziehe ihn, wie Schöneck, auf das Wort, welches eine ursprüngliche Befestigung anzeigte, und woraus auch wohl das deutsche Zaun geformt [33] ist. Es finden auch im Schneckenwalde sich Spuren einer Burg, als deren (wohl letzte?) Besitzer man nur die Flossa oder von Fleissen kennt; und welche leicht der Mutterort von Schöneck gewesen sein dürfte, dahin deutet auch ein Gedicht des vor 350 Jahren berühmten Schneeberger Dichters Niavis oder Schneevogel. – Jedenfalls ist dem ursprünglichen Namen Schneckengrüns gewaltig mitgespielt worden, da man ihn wohl unmöglich in dem schnebes der oft erwähnten Plauischen Gränzurkunde von 1122 verkennen kann, die zwischen schnebes und Syrau die Dobenau fliessen lässt; letztere aber kann eben nur wieder die heutige Syrau-Bach sein. – Dass man den zwar nach Falkenstein gehörigen Topasfelsen den Schneckenstein genannt, mag wohl auf seiner Nähe bei und Richtung nach Schöneck hin beruhen.

Schneckengrün liegt 21/4 Stunde ostsüdöstlich von Mühltrof und südsüdöstlich von Pausa, jenseits des „Forstes“ (einer Hauptholzquelle für Plauen), zwischen Kauschwitz, Fasendorf, Leubnitz, Rössnitz, Kobitzschwalde, Neundorf und Zwoschwitz. Die Flur zeigt bei ziemlicher Variation, die mittle Seehöhe von 1472 Fuss, während das Rittergut von Wiemann 1398 und des Forstes grösste Höhe von Lohrman 1657 Fuss hoch gefunden worden. In Osten steigt der Dietrichsberg an.

Die von Raab waren nicht die ersten bekannten Besitzer, da 1428 schon Martin Roder auf Schneckengrün unter den Vasallen der Plauischen Vögte erscheint; 1480 hatte es dagegen Hanns v. Rabe auf Reusa und Schloditz. So auch hatten die Trützschler es nicht blos bis zu Anfang des 17. Jahrhunderts, da es 1632 erst von dem oftgenannten Obersten Hildebrand Eichelbert Trützschler auf Stein, Christgrün etc. an seinen Schwager Hanns Christoph v. Reichardt auf Steinbrücken bei Neustadt a. O. geerbt. Da aber 1613 zugleich Trützschler und der „junge“ Joachim Daniel Rabe als Besitzer vorkommen, so mag das Gut damals gespalten gewesen sein. – Gottlob Schmidt hat es nicht erst nach, sondern kurz vor 1800 erkauft, und starb 1821, hatte es jedoch nicht bis zum Tode; vielmehr trug 1819 schon Johann Friedrich Christian Schmidt die Lehn. – Nachträglich seien als Besitzer noch 1670 der Merseburger Domherr Johann Friedrich Römer, 1835 Christian Friedrich Adler genannt.

Das nach früherer Verfassung neuschriftsässige und landtagsfähige Erblehn-Rittergut, jetzt der Frau Johanna Friederike Adler verliehen, gab 1801 im Sprengel 255 Consumenten an, seine volle Gerichtsbarkeit schon 1853 ab, hat g. 165 Acker Feld, 73 Acker Wiesen etc., versteuert 41274/5 Einheiten, und gehört also schon den Mittelgütern bei. Es hat eine besondere Schäferei, und betreibt ausser Ziegelei und Dampfbrennerei besonders stark den Erdäpfelbau. Ausser dem Dorfe, das 1834 in 60 Häusern 275 –, 1858 in 68 H. 367 Seelen zahlte, und wozu auch die Paul- oder Peintenmühle gerechnet wird, hat es nur 1 Halbhüfner und 1 Häusler in Kloschwitz zu Unterthanen; denn in Kobitzschwalde, Kornbach, Oberpirk, Rodersdorf und Rodau hatte es nur die Lehnobrigkeit über Flurstücke, wie dagegen hier ein Flurstück nach Neundorf gehört.

Früher war hierselbst eine Schule, dazu auch das Forsthaus Reiboldsruhe sich hielt; jetzt aber ist (was man im kirchlichstatistischen Handbuche nachtragen wolle) Schneckengrün nach Leubnitz auch geschult.

Schönberg (S. 63 d. A.) liegt 1 Meile von Asch und Franzensbrunn, 11/2 von Eger, 2 von Adorf und Markneukirchen, in des Landes äusserster Südspitze, so dass es böhmischerseits mit dem freiherrlich v. Helmfeldischen Gute Altenteich, mit dem Zubehör der Stadt Eger und mit dem v. Wilhelm’schen Gute Wildstein, auch mit der Ascher Herrschaft, in Sachsen mit dem Zubehör von Brambach raint, und sich an den südöstlichen Fuss des im Album angedeuteten Capellberges lehnt. Diesem giebt Wiemann 2331, Lohrmann 2337, Kliemann 2313 Fuss Seehöhe. Letztere Angabe klingt wie die niedrigste, ist aber bei weitem die höchste, sobald man des allen Angaben, denen Prag zu Grunde liegt, nöthigen Complementes gedenkt. Den Capellberg, als einen der höchsten und mit der reichsten Aussicht begabten dieser Gegend, besuchten häufig die Franzensbader und Elster’schen Brunnengäste. Er gehört nicht in die Wasserscheide oder eigentliche Gebirgskette, bildet vielmehr an jenem Gebirgsstocke, der die Erz- und Fichtelgebirge verkettet, in ähnlicher Weise eine (südostwärts) vorspringende Partie, wie daraus (nordwestwärts) der etwas höhere Ascher Hainberg vorspringt. Der Gebirgsstock selbst trägt 3/4 Stunde nordwestlich von Schönberg, auf der Steingrüner Flur in Böhmen und östlich vom Himmelreich, den Elsterbrunnen, die Quelle der kleinen oder weissen Elster. Das Himmelreich aber besteht aus 2 Orten: dem katholischen und dem lutherischen Himmelreiche, so dass hier Jeder „nach seiner Façon selig werden kann.“ Die Natur, wie leicht abzunehmen, hat somit Schönberg (wie die Zwoda-Klingenthaler Partie des Erzgebirgs) nicht nach Sachsen, sondern nach Böhmens Egerlande im alten fränkischen Nordgau gewiesen, wie denn auch der in Süden die Gränze bildende Scheibenbach über Wildstein in den völlig-böhmischen Soser Bach und somit zur Eger kommt. Sein Wasser erreicht folglich die Elbe in Böhmen, während das ihm so nahe quellende Elster-Wasser erst oberhalb Magdeburg sich ihm zugesellt.

Schenks Karte stellt Schönberg als einen Stadtflecken dar; von anderen Dörfern unterscheiden ihn jedoch nur die zu Petri-Pauli und zu Allerheiligen stattfindenden Jahrmärkte. Ob man nun etwa den Capellberg vor dem Capell-Bau den Schönberg und nach ihm den Ort genannt, ist unbekannt aber wahrscheinlich. Die Lage ist eine rauhe, doch keineswegs unschöne, und nur in Norden und Westen gebirgig. Die Kirche steht nach Wiemann 1800 Fuss hoch, also 304 Ellen unterhalb der Walfahrtscapelle. Der Gränz- oder Scheibenbach verlässt Sachsen 1580 Fuss hoch. Von da steigt die Flur, um 364 Ellen variirend, am Capellberge bis zu 2217 Fuss an, so dass ihre mittle Seehöhe 1898 Fuss beträgt. Mit jener Angabe von 1580 Fuss steht aber Wiemann in starkem Widerspruche, wenn er der viel höher oben gelegnen Chausseebrücke nur 1569 Fuss beischreibt.

Schönberg ist 1834 bis 1858 von 64 auf 74 Häuser, von 500 auf nur 546 Seelen angewachsen. Es ist ziemlich eng zusammengebaut. Vereinzelt stehen entfernt in Nordosten die Fällmeisterei, in Osten die Grossteich- und eine Bretmühle bei den übrigens böhmischen Grossteichhäusern, in Süden die Scheibenmühle. Oberreits Karte zeigt in Westen ein nahes böhmisches Dorf Neugrün, welches in Sommers Böhmen fehlt, dafern es nicht etwa identisch mit Neuhimmelreich ist. Zur Schönberger Gemeinde gehören noch die Bären- und die am westlichen Fusse des Capellbergs stehenden Geier- (d. h. Berg-)Häuser.

Dicht zwischen der Kirche und der Adorf-Egerischen Chaussee steht, als das südlichste im Lande, das Rittergut, und zwar nach der Oberreitischen Karte unter 50° 11' 19" Br. und 29° 57' 57" der Länge. Wörtlich jedoch spricht Oberreit sowohl die Breite, als die Länge um 6 Secunden grösser aus, und David fand gar die erstere um 15 Secunden geringer, die Länge aber um 17 Secunden grösser, so dass sich hier eine Messungen-Differenz von 995 Ellen ergiebt. Hallaschka fand den Kirchthurm unter 50° 11' 3" Br. und 29° 58' 131/2 Secunden Länge.

Nebst seinen kleinen Vorwerken zu Hohen- und Bärendorf hat das Gut 423 Acker Pachtlandes, davon 23325/{{{2}}} Acker Feld und ein bedeutendes Theil Teichland sind. Hierzu kommt die ansehnliche, vom Förster in Bärendorf bewirthschaftete Holzung. Das Bärendorfer Vorwerk oder die Sorge liegt fast 1/2 Stunde nordwestlich vom Dorfe, jenseits des Capellberges und der hohen Reuth, also im Elstergebiete, nördlich von Bärendorf, dessen 22 Häuser ziemlich verstreut, die Lochmühle und die Froschschenke (diese hart an der Gränze) isolirt stehen. Noch stärker verstreut sich Hohndorf, welches mit Einschluss der Deck- oder Deckerhäuser 35 Häuser, darunter 2 Mühlen und 1 Bretmühle hat; es liegt fast 3/4 Stunde nördlich von Schönberg, theilweis am Brambache. Das Album spricht nur von einem Deckenhaus; es sind aber der Deckerhäuser 6 oder 7. An der Existenz eines Ortes Zweifelsreuth aber zweifeln wir entschieden: ja, sie ist so zweifelhaft, dass weder Oberreits Karte, noch das Ortsverzeichniss den Namen nennt. Jedenfalls ist er aus dem Leonhardi in das Lexicon von Sachsen und aus diesem in das Album übergegangen. Wohl aber giebt es ein Zweifelsreut in der nahen böhmischen Herrschaft Wallhof, unfern des sächsischen Dorfes Landwüst, und dieses gehört einem Grafen von Auersperg. – Der Schönberger Sprengel gab 1801 nur 545 Consumenten, 1858 aber 1831 Seelen an, welche gerichtlich seit 1849 dem Amte Adorf unterliegen. – Die Pfarrei unterlag nicht dem Zeitzer (Naumburger) Bisthum, sondern – wie andere Egerländische oder ehemals Vohburgische – dem Bisthum Regensburg; die Collatur aber übte, unter des thüringischen Landcomthurs höchster Aufsicht, der Deutschordenscomthur zu Eger. Der Pfarrer hat 10 fl. Absenzgelder zu steuern.

Das Rittergut hat 1726 bis 1750 einer Sequestration unterlegen, und erlangte 1753 erst die Landtagsfähigkeit. 1542 hatte wegen dieses damals amtsässigen Gutes Joseph v. Reitzenstein 1 Ritterpferd zu ställen. 1817 besuchte der Kammerherr und Oberforstmeister Georg Christoph v. Reitzenstein den Landtag, und 1820 starb dessen Wittwe als Besitzerin. 1753 ist der Rittmeister Georg Christoph Besitzer gewesen, und der heutige (seit 1830, s. das Album) ist gleichfalls Rittmeister, jedoch wohl ausser Dienst. 1357 hat das Gut der Voigt Heinrich von Lange besessen. Das Album gedenkt auch unterm J. 1336 eines Gutes Schönberg; dieses ist aber das 1/2 Stunde von Weida im Weimarischen gelegene, und die Kospoth haben das unsrige nie gehabt. Der Irrthum fällt dem Schultes’schen Directorium diplom. (II, 462) zur Last.

Nachträglich noch einiges Oertliche! – Urkundlich erwähnt findet sich 1537 der hiesige „Kretscham“ mit seinem Braurechte.– In Osten verbreitet sich die Wüstmark Odorf (wohl ursprünglich Adorf, d. h. Haindorf?) davon der „lange Odorfteich“ den Namen behalten. Und die Beuth, südlich vom Dorfe, mag wohl ebenfalls eine – freilich kleine – Wüstung sein, da es Orte des Namens Beutha noch heute giebt. In Norden, also nordöstlich vom Capellberge, ragt aus dem Kamme des hier anhebenden Erzgebirges der Buchberg, entfernter in Nordnordost der schon böhmische Knolberg, an welchen sich im Nord der Heng- im Süden der niedrige Hirschberg auf der Gränze anhängt, diesem zu Füssen sind die hierher gehörigen Lobteiche. Alle jene Berge bestehen aus Granit.

Auf der Gränze gab es am 30. April 1809 ein scharfes Scharmützel der Kaiserlichen mit den Sachsen. Dagegen fand im August 1848 auf dem Capellberge die erste der hier angesetzten allmonatlichen Volksversammlungen statt, wobei die Redner zu mehr als 1000 Böhmen, Sachsen und Bayern sprachen.

Schönbrunn, (S. 125 d. A.) so jedenfalls genannt im Gegensatze zu dem in Südwesten ihm nahen Bösenbrunn, raint ausserdem noch mit der 1/2 Stunde in Osten gelegenen Amtsstadt Oelsnitz, mit Planschwitz, Dobeneck und Lauterbach. Hinsichtlich ihrer mittlere Höhe übersteigt die Flur die städtische um 150 Fuss, und es trifft sich sonderbar, dass sie mit Schönbrunn bei Wolkenstein genau gleich, nämlich 1516 Fuss hoch ist, wobei sie von 1400 bis zu 1603 Fuss variirt; letztere Höhe hat die kahle Bergkoppe beim Dorfe. Das Klima ist wegen des ungehemmten Luftzuges etwas rauh.

[34] Das früher amtsässige, daher nicht landtagsfähig gewesene Allodialrittergut besitzen, nachdem Johann David Stengel 1858 gestorben, dessen Wittwe Louise, geb. Schenkel, und ihre 4 Kinder. Ausser diesem ehemals mit 1 Ritterpferde belegten Gute hat es 1542 noch ein (das „untere“) Vorwerk hier gegeben, welches vom Kaspar Grimm an Hanns v. Magwitz gekommen, 1542 aber dem Friedrich v. Magwitz gehörte, wie das Hauptgut dem Hanns Sack auf Mühltrof und Zöbern. Das Gut kam aber nebst Zöbern vom Edlen Hanns Balthasar Sack an den Oelsnitzer Bürgermeister Wolfgang Winkelmann und seinen Sohn Wolf, Amtsschösser zu Ziegenrück, und 1588 vertauschten diese es gegen Unterhermsgrün an den Oelsnitzer Stadtrath, der noch 4550 m. fl. baar zulegte. Damals besass das Gut noch den untern Theil des Fischbaches (Fischwassers? nämlich in der Elster) bis zur Mündung des „Buchwerks“, d. h. des Pochwerksgrabens bei Joseph Miduls Mühle, ingleichen auf 4 Jahre die Nutzung des vordern Theils vom Holze am „hohen Kreuz“ und die Lehn über Olzscha’s Gut allhier, das vielleicht der Rest des untern Vorwerkes gewesen. Das Amt Voigtsberg hatte stets die Obergerichte, und am 23. Juli 1856 erwarb es auch die Erbgerichte. Aus Noth verkaufte der Stadtrath beide Allodien nebst halb Lauterbach 1629 an Christoph Karl v. Reitzenstein; denn auch das untere Gut, welches Georg Wolf v. Tettau früher an Georg von Hoff in Naumburg verkauft, war von dessen Erben an den Stadtrath gediehen. Es ruheten darauf 1 Ritterpferd und 1 Schenkel, also 11/4 Pferd. Zöbern dagegen hatte der Rath früh schon an Philipp und Hanns Groh verkauft. – Als Holki am 11. August 1632, um die Erstürmung von Oelsnitz zu befördern, ganz Schönbrunn einäscherte, verbrannten auch beide Allodien.

Der Ort, auch das isolirte Jägerhaus begreifend, ist 1834 bis 1858 von 58 nur auf 62 Häuser, von 319 auf 374 Seelen angewachsen, und gehört mit Ausnahme der beiden Amtsunterthanen zum Gute, das 1801 168 Consumenten ergab, auch Lehnleute in Lauter- und Triebelhach hat, wie solche hinwiederum in Schönbrunn dem Oelsnitzer Rathe und dem Rittergute Bösenbrunn zustehen. Der hiesige Lehnrichter, Herr Johann Friedrich Schüller, war beim ersten constitutionellen Landtage Mitglied der 2ten Kammer.

Der sonst starke Eisensteinbau ist neuerlich wieder ins Leben getreten, und der Fundgrübner machte 1858 sich dahin verbindlich, der Kainsdorfer Hütte jährlich 300000 Ctr. Stein zu schaffen, sofern eine Eisenbahn in die Oelsnitzer Gegend gebaut würde. Auch hatte schon 1840 der Bau auf dem „Burkhard“ sich einigermassen ermannet. Man findet hier einen Nephrit-ähnlichen Speckstein.

Manche glauben, es sei dieser Ort gemeint, wenn wir lesen, dass „Tuto v. Härtenberg, genannt v. Schönprunn“ 1314 das Gastrum Schönbrunn dem Stifte Waldsassen legirte, sie beriefen sich darauf, dass im nordwestlichen Böhmen, wo doch jetzt Hertenberg liegt, kein Schönbrunn zu finden sei. Diess ist aber ganz irrig; vielmehr war Schönbrunn mit voller Wahrscheinlichkeit der frühere Name desjenigen in der Hertenberger Herrschaft gelegnen Ortes, der unter dem Namen Bleistadt später zur Bergstadt geworden.

Das Gut hat schönen Schwarzholzbestand, und insofern es 41873/7 Einheiten versteuert, dürfte es schon den Mittelgütern beigehören. Die Collatur bei der Schule gehört nicht ihm, sondern der Gemeinde. – Die S. 126, Sp. 2 erwähnte Fuchsmühle gehört nicht nach Schönbrunn, sondern nach Fuchspöhl oder Triebelbach, und für „die Grafschaft Gölsnitzhof“ (auf S. 125) setze man: „den Göllnitzhof.“

Schwand, (S. 43 d. A.) sonst auch Schwandt geschrieben, hat seinen Namen handgreiflich vom slawischen Worte für „heilig“, und hat demnach gleiche Bedeutung mit Schweta, Zwoda, Schwaden in Böhmen, Schweinitz, Schwantewitz u. s. w.; hieraus allein folgt jedoch nicht eben die Verehrung (viel weniger ein Tempel) des Swantowith oder Swantewit.

Es liegt im Plauischen Amtsbezirke, 11/8 Meile südwestlich von der Stadt, schief gegenüber der Ruine Stein. Gefell ist um 1/2 Meile näher, als Hof und Tanna. In westlicher Nähe fliesst die Kemnitz südwärts hinab nach Ruderitz, wo sie auch nach diesem Orte genannt wird. Uebrigens raint die, im Mittel 1609 Fuss hohe (und somit der Kirche gleichkommende) Flur noch mit Dehles, Kemnitz, Geilsdorf, Weischlitz und Steins. In den 78 Häusern wohnten 1834 465, 1858 auch nur 474 Menschen, so dass der Ort eine in Sachsen seltene Stabilität zeigt. Jedes der an diesem betheiligten Rittergüter hatte vor dem Mai 1856 auch die volle Gerichtsbarkeit. Unter die Plattenhäuser gehört das Huthaus der ehemaligen Katharinenzeche, und dieses stand mit Obergerichten dem Amte, mit Erbgerichten dem Bergamt Schneeberg zu; jetzt ist es lediglich eine dem Geilsdorfer Ortstheile beigehörige Bergfreiheit, nördlich von Schwand.

Zu dem, was das Album S. 44 nach Limmer über die „Tzschorbe-Rewczen“ sagt, fehlt es an Bedenklichkeiten nicht; es genüge aber hier die entschiedene Zurückweisung des Retzschbaches bei Saalburg und des Lobensteiner Ortes Röppisch als Beweise für Limmers Hypothese. Es wird auch jeder Leser dem Dictionsfehler S. 44, Sp. 1, Z. 1 v. u. abhelfen, und wissen, woran er mit Thor und Jodutte sei. Höchst fraglich ist auch Flyns als Name für einen der slawischen Abgötter; hier dagegen soll er wohl gar mit dem Feilitzschen Geschlechte in eine verwandschaftliche Verbindung gebracht werden? Wir bezweifeln endlich noch, dass (s. die Mitte von Sp. 2) der Ausdruck „Hörige“ in Obersachsen jemals im Gebrauche gewesen. – Für Gannewitz (S. 45, Sp. 1) lese man Jannowitz. Tettenbachisch war Schwand schon 1724 mit Sicherheit. – Das Rescript, welches dem Gute die Schriftsässigkeit zusprach, ist nicht 1755, sondern schon am 20. October 1749 erlassen, und gab ihm auch die Landtagsfähigkeit. – 1819 gehörte Schwandt dem Johann Heinrich Erdmann v. Beulwitz. Zubehör des mit 3128 Steuereinheiten beschwerten Gutes sind, ausser dem Antheile an Schwand selbst, einige Häuser in Ruderitz, die Ruh- und Plattenhäuser (ohne die Katharina) , 2 in Rodersdorf, je 1 in Dehles, Steins und Unterweischlitz, hinsichtlich der Lehn auch Grundstücke in Kloschwitz, Thossen und Oberweischlitz. In Schwand selbst gehören nach Geilsdorf 26, unter das Amt 6, nach Kröstau 2 Unterthanen, der Rest unter das Gut Schwand, das 1801 in seinem Sprengel 220 Consumenten angab, und bis in den Mai 1856 die Gerichtsbarkeit behielt. – Als betheiligt am Besitze finden sich noch 1583 die Wittwe des Haues Wilhelm v. Geilsdorf und Georg Peter v. Reitzenstein auf Geilsdorf. Wenn aber 1850 ein Graf Schlieben auf Schwandt vorkommt, so deutet dieses auf ein anderes, wahrscheinlich in der Mark liegendes Gut.

Sorga, (S. 54 d. A.) jetzt im Auerbacher Amtsbezirke, wie es denn ursprünglich auch nur eine Sorge (ein Vorwerk) der Herrschaft Auerbach gewesen, liegt kaum 1/3 Stunde von der Stadt, nicht an der Lengefelder Strasse, sondern zwischen jenen nach Schneeberg und Eibenstock. Es verstreut sich auf mehreren Berghängen bis zu dem von Brunn kommenden Mühlbächlein. Dicht östlich bei dem ansehnlichen Rittergutsgehöfte, welches eine Allee mit dem Lusthause vor Auerbach verbindet, steht auch die Schäferei. Das Oertchen, 1834 mit 17 Häusern und 110 –, 1858 mit 19 H. und 135 Seelen, unterlag vor Errichtung des K. Gerichtes Auerbach obergerichtlich dem Auerbacher Commun- und erbgerichtlich dem hiesigen Specialgerichte. Eben so die zugehörigen Dorftheile, nämlich die Hälfte von Eich, einige Häuser in Brunn, in Hinterhain, in Rützengrün, in Schnarrtann, und 40 bis 50 in Rebesgrün. Die im Mittel 1251 Fuss hohe, meist steinige, aber doch nicht geringe Flur hat auch Parcellen innerhalb jener von Brunn und Schnarrtann.

Das Gut, mit 3986 Einheiten besteuert, gehört um so mehr schon zur mittlere Werthklasse, als Auerbach obern Theils noch damit verbunden ist; diese Gesammtbesitzung versteuert 6064 Einheiten, Lehnleute hat Sorga noch in Ellefeld und im untern Theile von Dorfstadt. Es war bis 1851 Mannlehn, hat ein nicht gar grosses, aber schönes Herrnhaus, für seine bedeutende Holzung einen Revierjäger, und wurde zwar 1851 – bis zu welcher Zeit es auch ein kleines Vorwerk in Dorfstadt besass – um der schönen Gebäude willen auf 60000 Thlr. geschätzt, aber 1853 dennoch um nur 32667 Thlr. an den Rittmeister Heinrich v. Bünau verkauft. Damals war es allodificirt, und gehörte der verwittweten Frau v. d. Planitz und ihren beiden unmündigen Söhnen. Es hatte damals 2601/2 Acker Holzes, überhaupt aber 4021/2 Acker mit nur 3589 Einheiten besteuerten Landes, davon Theile innerhalb der Fluren Schnarrtann, Beerheide und Brunn liegen.

Schnarrtann hat urspringlich nicht zur Auerbacher Herrschaft gehört; denn man weiss, dass es 1533 zusammen mit Schwarzenberg von Georg v. Tettau an Johann d. Beständigen gediehen ist. Unbekannt aber ist uns, wann es Auerbachisch geworden.

Die Dohnaischen waren (obwohl man über ihre Abkunft streitet) mindestens sicherlich kein sächsisches Geschlecht. Auch war Georg v. d. Planitz noch nicht ein „Herr“, sondern blos niedern Adels: erst sein Sohn Rudolph wurde vom Kaiser nobilitirt. Unter Schönau (S. 55, Z. 5 und 14) ist Oberschöna bei Freiberg gemeint. Burggrafen von Plauen (Z. 12) hat es nie gegeben, sondern nur meissnische Burggrafen Plauischen Stammes. Eben so wenig damals ein Geschlecht v. Wiesenburg; es scheint also Z. 18 vielmehr eine v. d. Planitz aus Wiesenburg gemeint zu sein. In Z. 11 v. u. setze man Lengenfeld. in Z. 6 v. u. Koseritz. – Der Z. 1 v. u. genannte Hauptmann Karl Gotthold Edler v. d. Planitz starb 1813; der gewesene Kreishauptmann Karl Maximilian Gottfried erst 1845. Im folgenden Jahre aber nahmen der Geheim-Finanzrath Karl Friedrich Günther, Karl Maximilian Ehregott, Karl Ferdinand und Friedrich August die verbundenen Güter in Gesammtlehn. –

Stöckigt, (S. 96 d. A.) Der allerdings wie deutsch lautende Name kann dennoch leicht ein slawischer sein, da im böhmischen Kreise Budweis ein Stocken mitten unter czechischen Ortsnamen liegt: auch sprechen die Deutsch-Böhmen den Flecken Staky an der mährischen Grenze Stöcken aus, und unser Ort selbst heisst 1428 Stockeich.

Die verbundenen Fluren von Stöckigt und Brand, rainend mit Obermarxgrün, Schloditz, Theuma, Tauschwitz, Reinsdorf und Oberlosa, haben 1283 Fuss mittlerer Seehöhe und meist gute Felder. Das Dorf stieg 1834 bis 1858 von 32 zu 39 Häusern, von 172 zu 236 Bewohnern empor; hierzu kommen in Brand, welches sich communweise dazu hält, noch 13 Häuser mit 79 Seelen. Kirche und Schule für diese Gemeinde sind in Oberlosa. Lehnbetheiligt ist in der Flur das Rittergut Reusa. Nach dem Ortsverzeichnisse gehört hierher auch die unterhalb des Dorfes gelegne Ferbis- oder Förbismühle, jedenfalls der Rest eines Dörfchens; ohne Zweifel gehört sie diesem nach zu dem kleinen Antheile, den das Rittergut Oberlosa an Stöckigt hat.

Das hiesige Erblehnrittergut versteuert seine 154 Acker Landes nach 2025 Einheiten, hat eine starke Ziegelei, besass über beinahe den ganzen Ort die Erbgerichtsbarkeit bis in den October 1855, und gehört seit 1857 ausschliesslich Herrn Adolf Eduard Geigenmüller, dessen Familie offenbar nach der Geigenmühle bei Werda benannt worden. Nach dieser Mühle heisst bekanntlich auch der oberste Theil [35] des Trieb-Flüsschens der Geigenbach, und wahrscheinlich beruht der Name auf einem längst eingegangenen Oertchen.

Syrau, (S. 185 d. A.) auch Syra, Syhra, bedarf nicht der so künstlichen Namensdeutung, wie das Album sie giebt, da Syrowo im Serbischen die Aesche heisst. Es wäre doch auch erst zu beweisen, dass die Slawen sollten grösser und stärker gewesen sein, als die Germanen. Ferner kann weder das J. 1446, noch Johann Friedrich richtig sein, wenn der erste hiesige Tettau, Apel oder Albert, um das Jahr 1500 geblühet hat. In der 10ten Zeile der 2ten Spalte wolle man vor Apel das Komma streichen; denn der gemeinte hiess Hanns Apel, d. h. Johann Albert. Vor den Tettau’s aber gehörte „die Syren“ dem Geschlecht „vom Berge“, d. h. von Bergen bei Schöneck, z. E. 1428 dem Hildebrand vom Berge. Andere wollen dieses Geschlecht mit denen v. Berga (Schloss-Berga im Weimarischen) identificiren. Obersyrau (s. das Album. S. 186) hatten die 3 Brüder v. Tettau schon 1555. – Auf der daselbst erwähnten Wüstmark Meltheur steht nun wieder ein Oertchen dieses Namens, dessen Erklärung noch Niemand völlig gelungen. Oesfeld nahm ihn für Rybrid, für zusammengesetzt aus dem slawischen Mel, die Mistel, und dem deutschen Thur, ein Berg oder Bergzug; dann aber würde der Name schwerlich so oft (in Böhmen und 5 Mal in Sachsen, auch in Schlesien etc.) vorkommen. Der Advocat Karl Winter sah darin Melythor, Milythor, lieber Obergott oder Götterpräsident, und meinte, Melibocus (den er für den Brocken nahm) solle dasselbe ausdrücken. Solchen aberwitzigen Mischmasch musste man ihm zu Gute halten. In Sachsen wird Mehltheuer oder Mehltheur auch Malter, in Schlesien Melter ausgesprochen. – Auf S. 286 ist das letzte[WS 7] Wort „verkaufte“ umzuwandeln.

An der Syrauischen Meltheur erreicht die Eisenbahn im Durchstiche 1342 Fuss über der Pleisse vor Connewitz oder 1672 Fuss Seehöhe; dem Forst zwischen Schneckengrün und dem Orte Meltheur giebt Lohnmann bis zu 1657, der Höhe zwischen Meltheur und Syrau Wiemann 1638 Fuss. Letzterer meint hierbei wohl den Lerchenberg an der reussischen Grenze, nordwestlich von Syrau, welcher die Eisenbahn zu ihrem dasigen grossen Umwege nöthigt. Im Norden des Dorfes ist an der Grenze, jenseits der S. 187 besprochnen Lindenkirche und des Ziegenhübels, der Palzschenpöhl: ein Name, der die Annahme eines eingegangnen Dorfes nöthig macht, und von bal, biely, weiss, klar, oder von Pola, Feld, oder von Polziza, die Melde, herkommt. Ein Dorf Palzschen liegt noch bei Lommatzsch, bekannt durch seinen ehemaligen Orakel-See.

Der Kirche zu Syrau giebt Wiemann 1488 Fuss. Die Flur, im Mittel 1458 Fuss hoch, variirt an Höhe stark, und die Gegend ist nicht eben mild, aber schön.

Da die Schenck’sche Karte 3 Rittergüter hier angiebt, so muss von den beiden heutigen Ritterlehnen allhier (dafür jedoch nur noch 1 Gehöfte besteht) vor 140 Jahren das eine zweifach gewesen sein.

Syrau enthielt 1834 in 76 Häusern 450 –, 1858 in 98 H. 640 Seelen. Diese starke Zunahme erklärt sich zum Theil durch die nahe Eisenbahn, an deren Unternehmer der Ort für mehr als 4000 Thlr. Landes verkauft hat. Viele Bewohner arbeiten für die Fabrikshandlungen zu Plauen, Greiz und Zeulenroda. Aus dem dicht unterhalb des Dorfes und folglich des Rittergutes, so wie nördlich des erstern, bricht man viel Schiefer; woraus nicht nur Schreibtafeln, sondern auch – einzig hier in Sachsen – Stifte gefertigt werden.

Frotzschau ist augenblicklich nicht hierher, sondern nach Fröbersgrün im Reussischen gepfarrt; das weitere ist abzuwarten.

Das materiell betrachtet nur noch einfache Rittergut, mittler Stärke, versteuert 42592/5 Einheiten, gab 1801 nur 399 Consumenten an, hat ausser Syrau auch (im Jahre 1834) 15 Unterthanen in Steinsdorf, 6 in Kauschwitz, 6 in Drochaus, auch Lehnleute in Jössnitz, war nach früheren Verhältnissen altschriftsässig und landtagsfähig, und ist längst allodificirt. Man treibt sehr starke Viehmastung und Dampfbrennerei. Seine (volle) Gerichtsbarkeit behielt es bis in den Mai 1856.

Eines der Rittergüter haben vor etwa 110 Jahren die Erben des Friedrich August v. Watzdorf veräussert; diess scheint zwar einer Angabe im Album zu widersprechen; es ist aber eben auch nur Schein. – 1817 erkaufte Syrau Ludwig v. Schäffer, von welchem es erbweise bald an Frau Henriette v. Schäffer gedieh. Als Besitzer starb 1833 Karl Friedrich Wilhelm Alberti; 1837 hatte es Ernst Alberti, und ein anderer Alberti verkaufte es 1852 an Herrn Golle. – Unter die Gerichtsdirectoren gehörte 1819 – wo er Vicestadtvoigt zu Plauen war – der Freiheitsmann Heubner. Auch verdient das überaus schädliche Hagelwetter am 18. Juli 1847 Bemerkung.

Nach Syrau war das – längst abgetragne – nördliche Thor zu Plauen benannt. – In der Flur ist das Amt lehnbetheiligt, und das auf der „Schützenwiese“ stehende Haus unterliegt dem Rittergute Kauschwitz. – In Syrau soll der sogen. Schwedentrunk (das Eingiessen von Mistjauche, um einem die Angabe verborgener Schätze abzuzwingen) zuerst vorgekommen sein, aber keineswegs seiten der Schweden, sondern der Kroaten.

Taltitz (S. 131 d. A.) heisst in Urkunden auch Tallintitz, was sich freilich nicht minder schwer, als die jetzige Benennung, deuten lässt. Die Lage ist sowohl durch des Bodens Güte, als durch die Nähe von 2 Mittelstädten und wegen der durchführenden Oelsnitz-Schleitzer Chaussee eine recht günstige; das nahe schöne Elsterthal mit seinen Burgstätten erhöhet ihren Werth. Den Ort selbst, welcher 1834 in 72 Häusern 422 –, 1858 in 86 H. 562 Bewohner zählte, netzt der Eiditzlohbach, jedenfalls nach einem Loh oder einer bruchigen Wüstung genannt, die sich durch Verwüstung eines Oertchens Eiditz (vermuthlich 1429 durch die Hussiten?) gebildet hat; man sucht dieses Eiditz nordöstlich oberhalb Taltitz. Ob aber dieses Wasser mit dem im Album erwähnten Lachenbache identisch, ist blos vermuthlich.

Die mit Dobeneck, Unterlosa, Messbach und Unterweischlitz rainende, durch die Elster von Plausch- und Magwitz geschiedene Flur liegt im Mittel 1346 Fuss hoch, also 20 Fuss unterhalb der Oelsnitzer, aber 194 Fuss höher, als Plauens Flur. Sie variirt in der Seehöhe bedeutend. Die Kirche fand Wiemann 1253 Fuss hoch. – Ob der in Westen ansteigende Eichelberg jene Burg getragen, davon ein 1632 abgestorbener Zweig der Trützschler (Eichelberg-Trützschler, oder v. Eichelberg, Trützler genannt) sich geschrieben, ist streitig. In Südosten erhebt sich der Geiersberg.

Bis 1506, wo ein Hanns Wiener hier Pleban war, sind Dröda und Planschwitz Filiale von Taltitz gewesen, dessen Pfarrer vor 350 J. an den thüringischen Landcomthur des Deutschordens 6 Gulden Absenzgeld steuern musste.

Das nach früherer Verfassung zwar nur neuschriftsässig, aber doch landtagsfähig gewesene Rittergut versteuert 4248 Einheiten, gehört schon den Mittelgütern bei, und betreibt starke Dampfbrennerei. Die Collatur bei Kirche und Schule gehört nicht mehr der Herrschaft, sondern dem Ministerium. – Von den Häusern des Ortes unterlagen 1822 den Eulensteiner Gerichten 6, den Dobeneckischen 10, den Taltitzischen 55. Bei den 10 Rusticalhufen mit mehr als 300 Ackern (welche indessen meist geringern Bodens sind, als die herrschaftlichen) giebt es 3 magazinfreie. Vor 20 Jahren hielten die vereinigten Güter Taltiz und Dobeneck an 2000 Schafe, und da desshalb und wegen der Koppelhut über 30 Acker unbestellt bleiben mussten, gab es in den Dörfern viel Klage. Diese haben aber seitdem sich merklich aufgeschwungen. Einige Bauern haben in der sogen. „untern Freiheit,“ einem Theile der Elster, mit der Stadt Oelsnitz die Koppelfischerei.

Unter den „Rittern v. Tussel“ meint das Album das Geschlecht Teuffel, daraus Erkel und Jan die Tufele 1428 gemeinsam das eine der beiden hiesigen Rittergüter besassen; das andere hatte Soldan v. Kospoth. Im Album wolle man auch für „Herren v. Thoss“ blos setzen: die Thoss.

Wenn in der bischöflich-naumburgischen Urkunde von 1225 als Zeuge auch ein Konrad v. Dalnitz erscheint, so erlauben alle Umstände nur, an Taltitz zu denken; übrigens aber sucht man das Geschlecht v. Taltitz umsonst. – Im 16ten Jahrhundert hatten die v. Neidberg ausser Taltitz und Eulenstein auch Dobeneck, Lauterbach etc.; 1617 aber gehörte Taltitz dem Georg Peter v. Reitzenstein, und von ihm scheint es an die Thoss, dann aber zum zweitenmal an sein Geschlecht gekommen zu sein; denn Christoph Karl v. R. auf Geilsdorf hatte 1629 auch Taltitz. Ueber die späteren Besitzer finden sich auch Abweichungen von des Albums Nachrichten: erklärbar wohl durch des Gutes jeweilige Spaltung. So soll z. B. der Oberamtmann Groen oder Grain erst 1708 die Ferber’sche Tochter geehelicht haben; dieser findet sich 1723, hingegen 1738 sein Eidam, der Amtmann Hickmann als Besitzer, und diesem folgten 1744 seine Wittwe Christiana Dorothea und deren Schwester Wilhelmine Dorothea Weidlich als die Töchter jenes Groen. Der im Album vorkommende Dr. Hickmann erscheint als Besitzer schon 1758, und Zenker erbte es (wahrscheinlich aber doch nur zur Hälfte?) schon 1774. Dessen Wittwe verkaufte es 1785 an den Freiherrn v. Hacke, dieser 1790. – 1819 hatte es der preussische Hauptmann Karl Ludwig v. Feilitzsch, dem auch Moos in Bayern gehörte; 1823 aber der Kammercommissar Hickmann. – Uebrigens kommen als Besitzer auch im 16. Jahrhundert die Säcke und um’s J. 1600 die v. Tettau vor.

Wie nun in der Taltitzer Flur auch der Oelsnitzer Rath, hinsichtlich der Mühle aber das Rittergut Planschwitz lehnbetheiligt sind, so ist das Gut Taltitz es in Pirk und Messbach. Seine volle Gerichtsbarkeit behielt es bis zum 2. May 1856.

Thosfell. (S. 9 d. A) Es ist noch unermittelt, ob die von Thossenfeld eine Linie der Thossen gewesen und ob die Markneukirchner Thosse Thossfell gegründet haben. Ein Dietrich von Thossfell erscheint zwar 1327, aber derselbe schrieb sich nicht Dietrich von Thosse auf Thossfell, sondern eben nur Dietrich von Thossfell.

Der jetzige Besitzer Major Freiherr von Haussen gehört zu den Revisoren der voigtländischen ritterschaftlichen Kreiscasse und zu dem Vorsitzenden im landwirthschaftlichen Versicherungsverbande zu Leipzig.

Das Gut darf schon denen vom ersten Range beigerechnet werden und hat sich vielfach als ein wahres Muster der Oeconomie bewährt. Es versteuert mit dem besonderen Schäfereigute und dem Mühlengute Hasenmühle zusammen 8078 Einheiten und besitzt ein in der Schönauer Flur stehendes Vorwerk, dessen Namen man vom slawischen Worte der Ulme ableitete.

Der Boden, im Allgemeinen mehr gut als schlecht, ist auf der herrschaftlichen Flur sehr gebessert und häufig sieht man mit Lust auf das dasige Getraide. Das längst allodificirte Gut versteuerte sonst 21/2 Ritterpferd. Es hat sehr edle Schäferei, die volle Jagd, eine starke Dampfspiritusfabrik, bedeutende Mastung, ein ausgezeichnet schönes, 11 Fenster breites und 7 Fenster tiefes Herrenhaus, durchaus Schieferdachung und erscheint in seinem grossen Gehöfte wie, sprichwörtlich zu sprechen – ein wahres Schmuckkästchen. Bei der 1849 nothwendig gewordenen Subhastation wurde es auf 121,538 Thlr. geschätzt. Unterthanen besitzt es ausser Thossfell in Altensalz (8 Häuser), Zobes (3), Schönau, Gospersgrün (14) und Gansgrün (6).

Unterhalb des Ortes an der Trieb stehen die Hammermühle nächst der Stätte eines verschwundenen Eisenhüttenwerkes und tiefer unten [36] die Hasenmühle. Beide sind allodificirte Canzelleilehn und schon im Jahre 1810 wurde aus Letzterer von der Herrschaft eine Spinnerei gebildet und auf Baumwolle angelegt, zuletzt enthielt sie 2 Sätze Spinnwagen auf Streichgarn.

Im Jahre 1847 gehörte diese Spinnerei einem Friedrich Illing, noch 1832 war sie Eigenthum des Herrn von Beust, der sie bei 5480 Spindeln 104 Personen beschäftigte. Die andere hier befindliche Spinnerei ist im Besitze der Gebrüder Trölzsch und diese enthielt 1853 für Kammgarn 2400 Spindeln.

Das Amt Plauen übernahm im Jahre 1856 von dem nach früherer Verfassung nur neuschriftsässigen, aber landtagsfähigen Rittergute die Gerichtsbarkeit.

Thürnhof (S. 140 d. A.) wurde zwar in früheren Jahrhunderten auch Dürrenhof geschrieben, dürfte aber doch wohl am wahrscheinlichsten nach seinem ehemaligen gethürmten Schlosse genannt sein. Es liegt 2 kleine Meilen von Plauen, 2/3 M. südsüdwestlich von Greiz, und bildet mit Coschütz zusammen nicht nur scheinbar einen Ort, sondern auch eine Gemeinde, von deren 32 theilweis auch verstreut liegenden Häusern 3 mit 34 Seelen auf Thürnhof oder den südöstlichen Theil der Hauptmasse kommen. – Der 1/2 Stunde südöstlich von hier ansteigende Kuhberg, jenseits Brockau, erreicht nach Wiemann 1537 Fuss Seehöhe, also 443 Ellen aber der Mündung der Gölzsch, wird im Album irrig zum Vorgebirge zwischen beiden Flüssen gemacht, was vielmehr der Gölzschberg, ein Theil des Pfannenstieles, ist. Den Kuhberg fanden wir mindestens 1851 ganz waldbedeckt, und zweifeln daher auch jetzt an der Fernsicht; wohl aber wird er aus der Ferne vielfältig gesehen. – Die Flur Coschütz mit Thürnhof hat 1311 Fuss mittlerer Höhe, und die Sose – eine aus dem Holze in Nordost ansteigende Höhe, deren Name auf ein eingegangenes Oertchen deutet, und an deren südöstlichem Fusse einsam die Ziegelei steht, fand Wiemann 1468 Fuss hoch. Hiernach könnte man auf eine Höhenvariation von 1150 bis 1156 Fuss in der Flur schliessen. – Thürnhof ist seit 1839 nach Coschütz geschult.

Das allodiale Rittergut behielt seine volle Gerichtsbarkeit bis zum 25. April 1856. Damals kamen die Antheile an Buchwald (9 Häuser) und Pfaffengrün (2 Unterthanen, die aber nach anderer Nachricht nur Lehnleute sein sollen) unter das Treuener, die übrigen unter das Elsterberger Gericht, nämlich (ausser Thürnhof selbst) der sächsische Theil des übrigens greizischen Ortes Görschnitz jenseits der Elster mit 18, und Reinhardsgrün mit 32 Häusern; ferner (1834) 3 Häuser in Rückisch, 2 in Wipplas, 21 in Brockau und 2 in Gippe (was im Ortsverzeichnisse nachzutragen). 1801 hat das Gut 312 Consumenten angegeben. Dass es auch an Elsterberg betheiligt gewesen, ist sicher; wahrscheinlich hat dieses aber nur die Flur betroffen. – Ueber eines der hiesigen Güter zu Görschnitz hat bis 1662 dem Pfarrer zu Mühltrof die Erbgerichtsbarkeit zugestanden; als aber Rudolf v. Bünau diese ansprach, wurde sie ihm aus Furcht vor einem kostspieligen Process sogleich gutwillig überlassen.

Das Gut, ein v. Schlieben’sches Fideicommiss, hat in Buchwald ein kleines Vorwerk, sowie in Reimersgrün das sonst Dillnerische Bauergut, ist aber blos von mittlerm Belange, und versteuert von 140 Ackern mässig-guter Felder, 60 Acker Gärten und Wiesen, 13 Acker Hutland, 11/2 Acker Teichen und ziemlicher Holzung nur 44933/4 Einheiten. – Der S. 141 erwähnte Lieutenant v. Schlieben hiess Georg Ehrenreich Günther, und lebte 1769 bis 1842; ihm folgte Karl Wilhelm nebst seinen Geschwistern. Hiernach ist das zu beurtheilen, was das Album S. 141 zu Ende der ersten Sp. bringt. Auch scheinen zur Mitte der ersten Sp. auf S. 142 einige Bemerkungen nöthig. Der ganze Handel kann nicht erst 1610 geschehen sein, da schon 1415 Luditz von den Riesenbergen an die Elsterberger gediehen ist: wahrscheinlich halb durch Beerbung des Hanns – und halb durch Kauf vom Hanns Borsso v. Riesenberg; denn jede dieser beiden Erwerbungsweisen findet man angegeben. Der Erwerbende aber war Herr Heinrich v. Elsterberg aus dem Lobdeburger Grafenstamme. „Plon“ im Album ist nicht etwa Plohn im Voigtlande, sondern die grosse böhmische Herrschaft Plan. –

Tirpersdorf obern und untern Theils, (S. 181 d. A.) urkundlich auch Tirpisdorf und Tirpensdorf nach einem längst ungangbar gewordenen Mannsnamen genannt, sind 2 sonst blos amtsässig und somit nicht landtagsfähig gewesene, allodiale, zu einer Wirthschaft verbundene Rittergüter. Das 11/2 Stunde nordöstlich von Oelsnitz als seiner Amtsstadt und 13/4 Stunden von Schöneck, an der Oelsnitz-Falkensteiner Strasse gelegene Dorf befasste 1834 in 91 Häusern 505 –, 1858 in 105 H. 699 Seelen, raint mit Brotenfeld, Kotten-, Lodden-, Pillmanns- und Hartmannsgrün, versteuert seine 847 Acker mit 10269 Einheiten, und seine Flur ist im Mittel 1562 Fuss hoch. Die Gerichtsbarkeit ist seit dem 16. April 1856 durchaus königlich. Die Lehnleute des Oelsnitzer Rathes haben ursprünglich der dortigen Nicolaicapelle unterlegen, und dem zweiten Diakon ist sein hiesiges Zinshuhn geblieben. Ueberdies haben 6 Gehöfte 1542 dortigem Marienaltar, 1 Herberge der Stadtkirche, die Mühle dem Stadtrathe ursprünglich gelehnt. Jetzt unterliegen 2 Häuser dem untern Rittergut zu Mechelgrün, etwa 3/10 Ortes der hiesigen Herrschaft, der Rest dem Amte, das auch die Obergerichte von jeher geübt. Das Rittergut hat auch 1 Unterthan in Kottengrün, Lehnleute aber in Werda und Bergen. Dagegen ist Unterlosa hier lehnbetheiligt, und das in Westen nahe Grimmerholz gehört der Stadt Oelsnitz. – Die Schulstelle wird nicht vom Superintendenten vergeben, sondern von hiesger Gemeinde.

1349 haben die Brüder Eberhard, Peter und Kraft v. Mylau 2 Mk. Rente und die Mühle als Markgrafenlehn besessen. 1542 gehörte das Rittergut gemeinsam dem Berthold und Wolf Hurggold, und vor 180 Jahren war der hiesige Christoph Heinrich v. Raab Kammerjunker des Freiherrn v. Bodenhausen auf Mühltrof. 1847 kaufte die vereinigten Güter, welche damals zwar nur 3365 Einheiten versteuerten, aber doch schon eine Besitzung von mittlere Werthe bildeten, der Förster Gottfried auf Untermarxgrün. Das zugehörige kleine Vorwerk Ober-Jägerswald liegt nebst den darauf eingebauten wenigen Häusern entfernt in Nordosten, mitten im Walde, am Pillmansgrün-Bergener Wege. Pillmannsgrün aber ist ursprünglich auch ein, längst mit Tirpersdorf combinirtes und materiell eingegangenes Rittergut und daher noch immer ein besonderes Cancelleilehn; gewissermassen könnte man sogar von dessen materiellen Bestande sprechen, dafern man es sich auf die Stätte von Jägerswald versetzt dächte. Ausser dem ist aber auch jetzt wieder ein „Vorwerk“ in Pillmannsgrün selbst. Jägerswald hält sich zur Pillmansgrüner Commun, die 1858 in 32 Häusern 217 Seelen begriff, nach Werda gepfarrt und nach Kottengrün geschult ist, und deren ziemlich rauh gelegne, mit Werda rainende Flur 1740 Fuss mittle Seehöhe hat. – – Unter dem S. 182 bemerkten Serpentin wolle man den Ophit (edlen Serpentin) verstehen.

Tobertitz (S. 15 d. A.) liegt eine starke Meile westlich von Plauen in einer schon etwas rauhen Gegend zwischen Stelzen, Rodau, Rössnitz, Rodersdorf, Thossen und Reuth. Die wenig coupirte Flur hat 1536 Fuss mittler Seehöhe.

Das Dorf zählte 1858 in 60 Häusern 371 Bewohner.

Des Erbkretschams und seiner Brauerei geschieht schon 1537 Erwähnung.

Sonst übte das Amt Plauen hier die Obergerichte über den ganzen Ort, die Erbgerichte über 7 Güter und 2 Häuser; über 1 Gut hatte diese das Rittergut Rodau über 8 Häuser in Rössnitz, über 5 Nummern in Kloschwitz, über den Rest aber das hiesige Rittergut, dessen Gerichtsbarkeit im Mai 1856 endete. Dieser Rest begriff 1834 36 Nummern, 5 Güter und die Zinsen von einem sechs[t]en haben 1592 dem Gute Leubnitz unterlegen und jetzt soll dieses – wie die Stadt Plauen und das Gut Schloditz – hier lehnbetheiligt sein. Zum hiesigen gehört (bis 1856 nur erbgerichtlich) auch 1 Haus in Hornbach.

Das Rittergut nach früherer Verfassung neuschriftsässig und landtagsfähig, versteuert 3157 Einheiten.

Das im Album S. 16 zu Anfange der 2ten Spalte Erwähnte, scheint die in Nordwesten sich verbreitende Wüstmark Raterschwand zu betreffen und würde deren Namen erklären. Nur aber bedarf das Ganze der Bestätigung.

Der 1819 beliehene Besitzer war der Vater des jetzigen, der Amtshauptmann Karl Heinrich August von Schönfels.

Treuen obern und untern Theils. (S. 79 u. 81 d. A.) Die Stadt, in welcher beide ansehnliche Rittergüter stehen, ist Sitz des neuen und nach ihr genannten Amtes, welches ausserdem 14 Landgemeinden und (1858) überhaupt 10701 Seelen begreift, zu dem Bezirksgerichte Plauen ressortirt, und ausser dem Amtmann 2 Actuarien, 1 Rendanten, 1 Controleur und 8 Expedienten beschäftigt, – Ephorus ist nicht mehr der Plauische, sondern schon seit 1835 der Auerbacher Superintendent. Dem obern Rittergut – von welchem überhaupt das untere, ursprünglich wohl nur ein Vorwerk abgelöst ist – gehört auch ausschliesslich die Collatur der 7 Schulstellen. An Werth dagegen sind beide Güter nicht sehr verschieden; denn wie das obere 6733, so versteuert das untere 62662/3 Einheiten. Vereint würden sie ein Gut von bedeutendem Range bilden.

Den Namen schreiben die Urkunden sehr manichfaltig; Druchen, Trogan, Trewen, Drewen, Thoran etc., ingleichen so, wie das Album es angiebt. Aber auch in dessen Deutung herrscht grosse Verschiedenheit. Hanns Wolf v. Hermannsgrün (im Greizischen) genannt Johannes Cupus, stand hinsichtlich seiner literarischen Entdeckungen eben nicht hoch über einem Erasmus Stella, wesshalb seine Autorität nichts gelten kann; indessen folgt hieraus noch nicht (als Gegentheil) dass Treuen slawisch sein müsse; denn über die Deutung von Tharandts Namen, mit welchem Thoran wohl identisch sein könnte, sind noch heute sehr gelehrte Männer aus einander, und man darf nicht vergessen, dass ein Thorandt auch in den Rheinlanden liegt. Dagegen tönen allerdings Trewen (d. h. Holzheim,) Thoran (d. h. Rasenort) und Trogen (Ort an der Strasse) völlig slawisch. Druchen wollen manche von dem slawischen dru, druin herleiten, welches auf das Abhauen oder Ausrotten geht; diesenfalls würden sonderbarerweise Treuen und Oderwitz nur verschiedene Formen eines und desselben Namens sein. Kühner noch ist die Berufung auf das czechische Wort tuze, fest, unterstützt mit Theussing in Böhmen, welches die Czechen Taurzin aussprechen; hierbei würde Thuran oder Thoran, wie Thorn in Preussen, eine Burg bedeuten.

Der Druckfehler „1723“ (S. 79. Z. 13 v. u.) bedarf wohl keiner Andeutung, eben so wenig, was am Ende dieser Seite unter „Filialen“ gemeint werde, und dass schon längst mehrere Schullehrer hier sind. Zur Schule gehören noch Buch, Mahnbröck, Perlas und die Veitenhäuser. Letztere fehlen im Album unter den Zugepfarrten. Auch ist zu bemerken, dass von Reimtengrün nur ein Theil in hiesige, der Rest theils in die Falkensteiner, theils in die Parochie Auerbach gehört; es gilt für das einzige Dorf Deutschlands, welches sich zu drei verschiedenen Städten für den Gottesdienst hält. – Holzreich erscheint die Treuensche Gegend noch jetzt. Im Osten breitet sich bis Eich und Rebesgrün hin der ansehnliche Schlosswald aus, im Süden die [37] Heide mit dem Hammerholze bis zu den Feldern von Mahnbrück, Schreiers- und Altmannsgrün; im Südwesten das Gehölz des Krahenpöhls bis zur Trieb, deren schöner und breiter, aber zugleich tiefer und sehr einsamer Waldgrund auch einen „Gesundbrunnen“ hier unbenutzt fliessen sieht. Im Westen endlich ist das Thossfeller Holz und im Nordwesten der Treuener Wald, den jedoch der dortige starke Anbau in letzter Zeit merklich zurückgedrängt hat.

Auerbach liegt von Treuen ostsüdöstlich; Falkenstein südöstlich, Netzschkau nordnordwestlich. Die mittle Seehöhe der weit-umfassenden Ortsflur fand sich zu 1414 Fuss. Der Stadtkirche, welche bei Vergleichung mit dem westlichen Stadttheile zwar niedrig, aber doch immer gar hoch gegen das Gottesackerkirchlein (am südlichen Rande des Ortes) steht, giebt Wiemann nur 1264 –, Lohmann 1309 Fuss; wir halten uns lieber an Ersteren. Nicht fern östlich unterhalb der Kirche endigt die Masse der Häuser; vereinzelt aber stehen doch noch manche hier an und über dem Treuenschen Wasser, und darunter sind auch beide Rittergüter, hier die Schlösser genannt. Der starke neue Anbau jedoch hat sich am eifrigsten nordwestwärts gewendet, wo er an der Elsterberger Landstrasse nicht nur das Schiesshaus mit der Stadt verkettet, sondern auch bis zum Treuener Walde und so nahe an Wetzelsgrün reicht, dass Kinder aus Treuen die Schule dieses Dorfes besuchen, weil sie zur Stadtschule fast 1/2 Stunde weit gehen müssten. Diese Colonie liegt, über das Niveau der Kirche (um nicht gar an den Bach zu denken) sehr stark erhaben, und besitzt ein schon rauhes Klima. Die Seehöhe der Stadt lässt sich daher nicht blos auf 12–1300, sondern passender auf 1150 bis 1450 Fuss angeben. – Der kleine Lamnitz-, genauer Lomnitz, vulgo aber Lammsbach deutet wohl unzweifelhaft ein ehemaliges Dorf Lomnitz (d. h. Steinbruchsheim) an. Durch seine Mündung am rechten Ufer des Hauptbaches, und durch des letztern plötzliche Wendung aus westlicher in südliche Richtung, bilden sich zwei nicht hohe, aber steile Bergecken, davon die nordöstliche (am rechten Ufer) das neue grosse Gehöfte des „obern Schlosses“, die viel niedrigere südwestliche (am linken Ufer) das eng’ in einander gebaute, alte „untere Schloss“ trägt, dessen gethürmtes Herrenhaus man mit historischem, aber nicht mit architektonischem Rechte ein Schloss nennen kann, und welches uralte Linden beschatten. Nah’ oberhalb derselben beginnen die Platten- oder Schieferbrüche, deren anstehendes Gestein sich sonderbar und fast säulenartig darstellt.

Eine Vertiefung, sonst jedenfalls als Burggraben tiefer als jetzt, sondert die Höhe des obern Schlosses vom Gebirge, und südwärts fällt der Berg zwar nicht felsig, aber doch sehr steil und leicht zu vertheidigen in den Thalgrund herab. Hier steht auf der Stätte eines Hammerwerkes, unterhalb eines hohen Dammes, eine Mühle nebst Waffenhammer: der grosse Teich aber liegt jetzt unsres Wissens trocken. Das Oberschloss hat seine Schäferei an der Lengenfelder Chaussee, in Eich aber ein (1/3 Stunde entferntes) kleines Vorwerk. Auf der Stätte des Oberschlosses selbst (dessen Herrenhaus keineswegs eine schlossmässige Anlage zeigt) hat nach einigen leisen Spuren und Resten die einst so respectable Burg gestanden. Noch 1367 war diese „des Reussen freies Eigen“, d. h. ein unmittelbares Reichslehn, so gut wie Neuberg, Elsterberg, Mühltrof etc. Damals aber trug Heinrich der Aeltere sie dem Kaiser Karl als dem Böhmen-Könige zu Lehn auf, jedoch unter der Bedingung, dass die Garnison ihn (den Reuss) nichts kosten dürfe. Dieses böhmische Lehnverhältniss konnte auch durch die S. 81 Sp. 2 besprochene Besitzesveränderung nicht alterirt werden; vielmehr blieb Treuen bis zum Teschner Frieden 1779 böhmisches Hauptlehn. 1547 war es unter den Besitzungen, auf welche Kurfürst Moritz zu Gunsten des meissnischen Burggrafen, des Fürsten Heinrich v. Plauen, böhmischen Reichscanzlers, verzichtete; aber schon 1568 fiel es wieder dem Albertinischen Hause zu.

Für seine bedeutende Holzung unterhält das obere Gut einen Förster, und zu vermuthen steht dasselbe auch vom Unterschlosse. Die zahlreichen sogenannten „Rittergutshäuschen“ (s. ob.) sind auf beider Herrschaften Grund und Boden angesetzt, und bilden besonders den schon erwähnten neuen Anbau oder die „neue Welt“. Das Oberschloss nahm 1858 Herr Johann Gottfried Opitz zu Lehn, nachdem er es Herrn Rudolf Erdmann v. Feilitzsch abgekauft; das Unterschloss besitzt Herr Friedrich Wilhelm Adler, Friedensrichter für hiesigen Amtsbezirk.

Als frühere Besitzer des Oberschlosses sind noch 1753 Johann Rudolf, 1837 der Rittmeister Alexander und Jobst v. Feilitzsch zu nennen; von letzterem Brüderpaar lebte Jobst 1798 bis 1842, wo er seinen Sohn Rudolf Erdmann minderjährig hinterliess. Einen Theil des Gutes nahm 1843 die Wittwe Christiane Amalia, geb. Meyer, zu Lehn: denn es war schon Allod geworden. 1818 haben es die Brüder Wilhelm (Oberstlieutenant) und Julius (Lieutenant) gemeinsam besessen. – 1843 soll das Oberschloss nur 220 Acker Pachtland – wobei 158 Acker Feld und 51 Acker trefflicher Wiesen – gehabt, und nur 280 Schafe gehalten haben, was doch aber stark mit dem grossen Gehöfte im Widerspruche erscheinen will. Ist vielleicht ein namhafter Theil des Bodens parcellenweise verpachtet??

Am 1. Januar 1848 vereinigten beide Herrschaften sich zu einer einzigen Gerichtsverwaltung, welcher auch nun vom Stadtrathe die freiwillige Gerichtsbarkeit abgetreten wurde, wogegen dem Bürgermeister und Rathe alle Verwaltungs-, Polizei- und Administrationsjustiz-Sachen zufielen. Am 1. December 1852 aber wurde aus dem herrschaftlichen Gerichte ein königliches gebildet und später zum Bezirksamte erweitert. – Bürgermeister ist jetzt der Fabrikant Morgner.

1801 gab das obere Rittergut erst 1033, das untere 936 Consumenten an, und namentlich hatte die Stadt erst 216 Häuser, deren dagegen 1834 schon 469 mit 3837, 1858 aber 544 mit 5186 Seelen waren. Sie gehört daher zu Sachsens am schnellesten angewachsenen Orten. Im ältern Ortstheile konnte die abhängige und winkelige Bau-Anlage freilich nie verbannt werden; die Häuser selbst aber sind auch hier infolge grosser Brände meist gut, massiv und gefällig gebaut. Sehr abhängig liegt besonders der Markt. An diesem steht nun, 1858 begonnen, die grossartige Schule, zu deren Bau man 17000 Thlr. bestimmte. (Ausserdem giebt es auch eine Sonntagsschule.) Nächstdem sind auch Grimms Haus am Markte und das Amthaus auszeichnungswerth. Den höchsten Punkt der Stadt bezeichnet eine holländische Windmühle. Die 1514 erbaute, grosse helle und freundliche Kirche erhielt 1846 eine geschmackvolle Restauration und Schieferbedachung, zeigt aber noch den alten Thurm, und dieser byzantinische Fenstergewände. Der Decorator war Brauer aus Altenburg. Unter den zugepfarrten Orten fehlen im Album (S. 79 zu Ende) die Loch- und die Veitenhäuser; erstere stehen etwas versteckt links ab von der Plauischen Chaussee; letztere, die sich zur Mahnbrücker Gemeinde halten, jenseits des Hammerholzes, südöstlich vom Treuen. – Der Pleban Rosenfeld (S. 80, Sp. 1) wäre nach Anderen vielmehr evangelisch geworden und Pfarrherr geblieben.

Sonst waren Treuen und Oelsnitz der Welt besonders durch die nach Ost- und Westindien gehenden Pulikat- und Madrastüchel bekannt; seit etwa 8 Jahren aber lassen hier viele Glauchauische und Meranische Fabrik-Handlungen weben, wesshalb von dort mehrere Factore hierher übersiedelten. – Die kleine nette Communbrauerei steht am Wege nach Lengenfeld. – Im Orte wohnt ein Oekonomie-Obercommissar. Der Postverwalter ist zugleich Chausseegeld- und Steuerreceptor. – Da die ganze Stadt durch die Weberei besteht, so kann bei Stockungen dieses Gewerbes hier grose Noth eintreten; 1830 errichtete desshalb der voigtländische Hilfsverein eine Handspinnanstalt, und 1854 eröffnete man eine Speisseanstalt.

Auf S. 80, Z. 8 v. u. setze man für „gegen 1500“ bestimmter 1510; Z. 2 v. u. ist nicht Kurfürst Moritz, sondern Moritz v. Feilitzsch gemeint. In der 2ten Spalte, Z. 6, ist die Zahl 1500 bei weitem zu klein. Von Altmannsgrün gehört etwa 1/3 zum Ober-, 1/5 zum Unterschloss, und der Rest ist theils dem Staate, theils Neuensalzisch. Von Eich hat das obere Gut etwa 1/4, dabei die Mühlhäuser. Von Mahnbrück gehört 1 Haus dem Staate, ein kleiner Antheil nach Zobes der Rest dem Unterschlosse. Mit Mahnbrück bilden Buch, welches ausschliesslich zum Oberschlosse gehört, die Veitenhäuser, deren 2 Falkensteinisch, die übrigen Untertreuenisch sind, und Perlas Eine Gemeinde. Noch unterliegt dem untern Gute die Schreiersgrüner Mühle, und Lehnleute hat es in Willitzgrün und (41/2 Hufen) in Tirschendorf.

Am Schlusse von S. 80 scheint der Artikel einen Witz zu versuchen, der schwerlich hierher gehört; denn gar vielfach hat der Volksmund aus Etzolds...... Esels...... gemacht.

Im 2ten Artikel über Treuen wolle man Sp. 1 statt Rebelsgrün und Reimtersgrün setzen: Rebesgrün und Reimtengrün. – Die Existenz der Burg im 11ten Jahrh. (Z. 7 v. u.) entbehrt jedes Beweises. – Z. 2 v. u. setze man für „Drün“ Druin. - Der „goldne Ritter“ wurde Moritz v. Feilitzsch genannt, weil er ein Eques torquatus oder auratus war. – S. 82, Z. 9, ist Schlackenwerth gemeint. Da jedoch bei Sommer unter Schlackenwerth dieser Wirsbergische Besitz gänzlich fehlt, so mag er nur auf einer Verpfändung beruhet haben. – Der Rothenhof (Z. 11. v. u.) liegt im Coburgischen Amtsbezirke Neustadt. Dagegen scheint Reudnitz nicht in Obersachsen gesucht werden zu dürfen, sondern eins zu sein mit jenem davon Die v. Reudnitz sich geschrieben; von diesen hat ein Glied auch Auerbach im Besitze (doch wohl nur unterpfändlich?) gehabt. Auch Streitau und Töpen sind nicht in sächsischen Landen; dagegen liegt Nimritz (Z. 5 v. u.) bei Zeitz. – Wenn das Album einer ehemaligen Kirche zu den heil. Gehilfen (d. h. zu den 14 Nothhelfern) erwähnt, so meint es wohl die noch jetzt am südlichen Ende des Ortes stehende Gottesacker-Kirche zu S. Hilbert, welchen Heiligen man ihr vielleicht nach der Klangähnlichkeit mit „Gehülfen“ erst später gegeben. – Der Weber sollen 1847 schon gegen 600 mit 400 Gesellen gewesen sein.

Der Brand 1806 betraf 76 Häuser, meist im Haupttheile des Ortes, dabei Kirche, Geistlichen-, Rath- und Schulhäuser. Noch jetzt ist kein Rathhaus mehr vorhanden. Am 3. September 1846 verbrannten 26 Wohnhäuser und 1 Farbe. Beide Brände haben im nämlichen Hause begonnen. Zum grössern Theile erscheint Treuen auch jetzt noch durch unübersetzte Schrothäuser ärmlich, dabei aber doch nett.

Zu den andern Calamitäten des Ortes, gehörten die Unruhen am 17. September 1830 die (mindestens nach Biedermanns Darstellung) der kurz zuvor als Stadtrichter hierher gekommene Advocat Todt (späterhin Bürgermeister zu Adorf, bekannt als beredsames Kammermitglied, zuletzt in Zürich als früherer Geheimeregierungsrath und Triumvir von Sachsen am 10 März 1852, im Exil gestorben) beschwichtigt, wogegen in den Jahren 1845 und 1849 dessen Nachfolger im Amte Herr Bürgermeister Meyer sich eben nicht so thatkräftig bewiesen hat.

Troschenreuth. (Seite 153 d. A.) liegt vielmehr 2 starke Meilen südsüdwestlich von Plauen und 13/4 Stunden nordöstlich von Hof, nicht weit rechts ab von der Strasse nach Leipzig, in bergiger Gegend, nächst dem bayrischen Dorfe Hartmannsreuth. Im Osten sind Lottenreuth und im Norden Wiedersberg nahe. Die Lage ist – bei 1630 Fuss mittler Flurhöhe – rauh, der Boden karg. Die Herleitung der Feile vom Veilchen erscheint uns allzukühn, und des Artikels Schluss dunkel; wahrscheinlich ist daselbst statt „ Troschenreuth“ [38] einmal Zettlarsgrün gemeint –; aber auch ungetheilt haben alle drei Orte nicht 375 Seelen.

Der Seite 153 zu Ende der ersten Spalte erwähnte Doctor Pretschner, ein berühmter Jurist, war kaiserlicher Hofpfalzgraf und Hofrath, der Leipziger Professor Dr. Michael Thomas aber Grossvater des berühmten Christian Thomasius. – Friedrich von Magwitz ställte 1542 wegen des damals nur amtsässigen Gutes 2 Ritterpferde. Wann dasselbe schriftsässig und allodial geworden, ist uns zur Zeit unbekannt. - Der im Album erwähnte Gotthelf Sigmund Albert besass auch Krummenhennersdorf (bei Freiberg) und Wiedersberg. – August Ferdinand Wilhelm Seydel besuchte 1817 den Landtag. Johann Gottlieb Stengel besass das Gut schon 1838. Unter den Besitzern fehlt im Album der unter Heinersgrün besprochene Oberhofmarschall Hanns Christoph v. Feilitzsch. Ob Wiedersberg (S. 154, Z. 2 v. u.) wirklich eine Herrschaft gewesen, ist wohl sehr zweifelhaft.

Holck oder Holke, der sich selbst vielmehr Heinrich Holcki, auch wohl Holka schrieb, starb – in Zwickau inficirt – an der Pest allhier am 30. August, nach A. jedoch in Troschenreuth.

Das Rittergut hat in Zettlarsgrün lediglich das (auf der Schenckischen Karte fehlende) kleine Vorwerk. 1801 gab es in seinem Sprengel 169 Consumenten an. Trotz seiner ausgebreiteten Flur versteuert es doch nur 30741/2 Einheiten. Die von ihm 1851 abgetretene volle Gerichtsbarkeit fiel dem Amte Voigtsberg zu. Das Dorf enthielt mit dem isolirten Gasthaus zur Klippe 1834 152, 1858 aber in 31 Häusern 165 Seelen.

Unterlauterbach. (Seite 177 d. A.) liegt an der Treuen-Falkensteiner Strasse, südlich von jenem, nordwestlich von diesem und von Oberlauterhach. In Nordwesten ragt der ansehnliche Butterberg, in Nord der „grosse Pöhl“, in Nordost der klippenvolle Knock oder Knochen. Die auch mit Schönau, Altmanns- und Reimtengrün rainende, stark an Höhe variirende Flur hat 1337 Fuss mittler Seehöhe. – Das Holz in Osten heist unerklärlicherweise, die Singen. Dass der weiterhin sehr hoch ansteigende Frohnberg (seiner Südseite nach auch der Kirchberg genannt) auf eine Wüstung zurückdeute, wurde schon unter Dorfstadt erwähnt.

Das in des Dorfes Mitte an der Strasse gelegene Mannlehn-Rittergut gab 1801 nur 141 Konsumenten an, und steuert 3399 Einheiten. Im Besitze folgten denen von Hermannsgrün nicht unmittelbar die von Feilitzsch, da 1537 ein Hanns von Magwitz hier vorkommt. Nach Seite 81 des Album scheint Moritz von Feilitzsch das Gut von seinem Bruder Eberhard geerbt zu haben. Es gehört schon seit 1839 nicht mehr einem Adler, sondern einem Herrn Schilbach, von welchem 1852 die (volle) Gerichtsbarkeit an das K. Gericht zu Treuen gekommen.

Das Dorf enthielt 1834 in 25 Häusern 156 –, 1858 in 32 Häusern 197 Seelen. Nach Schönau hin liegen die ansehnlichen Schaf-, schwarzen – und Riedelteiche. Unterlauterbach gehört zu den Orten, wo der Kreishauptmann von Zezschwitz als Vorstand des landwirthschaftlichen Vereins gratis zu benutzende Leseanstalten errichtete. „Der Götze“ (S. 178, Z. 2.) soll heissen: der Götzen.

Unterlosa. (Seite 195 d. A. ) Unterlohsa, urkundlich auch Niederlasan, Niederlassen, hat eben hiernach seinen serbischen Namen vom Les, Wald. Aus dem Namen des dasigen Baches, Eiditzloh, ist auf ein ruinirtes, nahes Oertchen Eiditz zu schliessen, indem Loh häufig s. v. a. Wüstung bedeutet. Auffallend ist des Ortes schnelle Zunahme 1834 bis 1858: von 48 auf 70 Häuser, von 298 auf 495 Seelen. Etwa 1/3 des Dorfes gehörte, nebst der Gemeindeobrigkeit über das Ganze, von jeher dem Amte, und dieser Theil begriff drei Vollbauern und noch 5 Begüterte, der Gutsantheil aber nur 1 Ganz- und 4 Halbhüfner. Ihre mittle Höhe von 1432 Fuss übersteigt die Flur zum Theil noch bedeutend. Von Messbach gehören 1 Hüfner und 1 Häusler unter hiesiges Gut.

Das früher zwar (neu-) schriftsässige, doch nicht landtagsfähige, den Mittelgütern beizuzählende, nach 50521/2 Einheiten steuernde Rittergut gehörte 1428 als ein vögtisches Lehn dem Nicolaus Cröstein (d. h. von Kröstau), zum Theil aber auch dem Martin von Jessnitz, 1555 dem Markward von Tettau auf Oberlosa, später dessen Nachkommen, in des 17ten Jahrhunderts Mitte aber den Thossen, 1742 dem damals gestorbenen Major Georg Karl von Carlowitz, 1827 einem Kretschmar, dann einem Hartenstein, bis 1831 Herr Karl Ferdinand Geigenmüller es zu Lehn nahm. 1839 mutheten die Dietze es noch als ein Mannlehn; seitdem aber erwarb es Allodialqualität. 1839 besass es 190 Acker Feld, 541/2 Acker Wiesen, an 80 Acker Hutung. Das etwas isolirt stehende sogenannte Vorwerk aber ist nicht herrschaftlich, sondern ein bloses ansehnliches Bauern- und Landgut. In der 2ten Spalte auf S. 195 ist statt Schwarzholz zu lesen „Schwanzholz“, d. h. heiliges oder kirchliches Holz, welches dem Planischen Ordenshofe gehörte. Wie das Rittergut Lehnleute in Theuma und Tirpersdorf hat, so gehen in hiesiger Flur hinwiederum Stücke beim Oelsnitzer Stadtrathe zu Lehn.

Am Schlusse des Artikels setze man für „Dörffelsberg“ nur Dörfel, Magister Georg Friedrich Samuel Dörfel, der Theologie Baccalaur starb am 6. August 1688 als Superintendent zu Weida. Er war dem Diakon Friedrich Dörfel zu Plauen am 11. October 1643 geboren, ward dessen Substitut und Amtsfolger, am 1. Advent 1684 aber Superintendent zu Weida. Auf dem Leichensteine heisst er pius, doctus, prudeus rectique tenax: aber der Astronomie geschieht keine Erwähnung, weder dort, noch in Dietmanns Priesterschaft, obwohl diese von Dörfels Vater eine dahin gehörige Anekdote (III, S. 353) mittheilt.

Untermarxgrün. (S. 94 d. A.) Anjetzt im Oelsnitzer Amtsbezirke, liegt von der Stadt vielmehr 1/2 Stunde nach Norden. Im 2ten Alinea meint das Album unter „Vorwerk“ wohl nur eines im heutigen Sinne; das Mittelalter nannte aber Vorwerk (lateinisch Allodium) jedes ritterliche Wirthschaftsgehöfte ohne das „Haus“ (Herrenhaus oder Schloss): es kann demnach Untermarxgrün damals eben so wohl, wie jetzt, ein Rittergut gewesen sein.

In der 10ten Zeile v. u. streiche man das „von“ vor Engelschall. Das obere Gut haben 1523 die Brüder Jakob (ein Geistlicher,) Paul und Wolf, 1533 Paul und Eberhard, 1551 letzterer[WS 8] allein in Lehn genommen. Der Verkauf an die Stadt Oelsnitz geschah vielmehr seiten des Joachim Engelschall am 11. Mai 1587, und zwar um 4100 Gulden. Etwas später kaufte die Stadt auch das untere Gut, verkaufte aber beide 1638, nämlich das obere um 2000 m. fl. an L. Bechstein in Raschau, das untere um 1900 m. fl. an die Erben eines Magister Claus, dem es mit 2000 m. fl. schon verpfändet gewesen; somit erhielten die Erben das Gut und auch noch 100 m. fl. baar. Der in der zweiten Spalte genannte Kaufmann Höfer zu Plauen lebte vielmehr kurz vor 1800. Unter „Lützelburg“ ist das Kammergut Lützelbuch mit seiner ökonomischen Lehranstalt gemeint. Der erwähnte Kretzschmar (Sp. 2, Mitte) hiess – oder heisst? – Friedrich.

Das Allodialrittergut gab im frühern Mittelalter einem Adelsgeschlechte seinen Namen; so erscheinen z. B. 1278 die Brüder Eberhard und Eckbrecht v. Marxgrün. Eines der beiden Güter (sie waren früher als amtsässig nicht landtagsfähig) hat 1720 dem Ellefelder Hammerherrn Johann Christian Seeling gehört. Beide entsagten ihrer Gerichtsbarkeit am 2. November 1855. Diese bezog sich beim obere Gute auf die Ober- und Erbgerichte über 1/4 des Ortes, wie denn auch nach dem Ortsverzeichnisse mit voller Gerichtsbarkeit etwa 1/4 der Oelsnitzer Stadtrath und 1/5 das Rittergut Raschau gehabt, dagegen unterlag etwa 1/3 mit Erbgerichten dem untern Rittergute und obergerichtlich dem Amte Voigtsberg. Dieses untere Gut hat auch Lehnleute in Voigtsberg, und gab 1801 50 –, das obere hingegen (welches man nicht mit Obermarxgrün verwechseln möge) 47 Consumenten an. Wir finden aber noch eine – und, wie es scheint, bessere – Nachricht, nach welcher die Stadt Oelsnitz lediglich lehnbetheiligt allhier gewesen, und in dieser Beziehung ihre Gerichtsbarkeit am 23. Juli 1856 an das Amt abgegeben. Die vereinten Rittergüter haben gute Wirthschaft, besonders starke Mastung, und steuern zusammen nach 4405 Einheiten. Beide Güter hat im Jahre 1853 Julius Gottfried Zeidler gekauft.

Am Johannisberge wird behufs der Düngung viel Kalkstein gebrochen. Dem im Nordwesten nahen Kulm giebt Lohrmann 1626 Fuss Seehöhe; die mittlere der Flur beträgt nur 1431 Fuss.

Wenn dem Dorfe officiell 1834 in 32 Häusern 212 –, 1858 hingegen nur in 20 Häusern 155 Seelen beigeschrieben werden, so erklärt sich diess dadurch, dass 1834 noch die „Raschauer Häuser“ oder Boxthal dazu gerechnet wurden. Jetzt aber bildet Boxthal einen integrirenden Theil von Oelsnitz, und es bedarf wohl nicht erst der Auseinandersetzung, inwiefern hierdurch auch die oben besprochene Vertheilung des Ortes alterirt wird.

Unterneundorf. (S. 97 d. A.) ist, genau genommen, zwar des betreffenden Dorfes, aber nicht des Rittergutes Name, welches vielmehr schlechthin Neundorf heisst.

Die v. Neundorf sind mit Ranspach auch Mühltrofische Vasallen gewesen: so Georg und sein jüngster Sohn Ernst, wogegen der 3te, Marquard, Linda bei Pausa besass, Georg Heinrich im Kriege gegen Frankreich gefallen war, und der älteste, Christoph, Neundorf erbte.

Neundorf mit Strassberg hatten 1842, wo sie öffentlich ausgeboten wurden, 438 Acker meist guten Feldes, 180 Acker fast durchaus vortrefflicher Wiesen, über 8 Acker Gärten, an 30 Acker Trift, 512/3 Acker Teichland, 190 Acker wohlbestandenen Holzes, überhaupt an 900 Acker Landes, starke Dampfbrennerei und berühmte Rindermastung, bedeutende Jagd und wilde Fischerei, zwei Kalk und Ziegelbrennereien, meist schöne neue Gebäude, und namentlich ein ansehnliches Schloss mit trefflicher, bis nach Schöneck reichender Aussicht und dem alten, nicht unwichtigen, Strassberger Archiv. Waren die beiden Güter auch 1820 mit 154,856 Thlr. wohl zu hoch gewürdert worden, so bilden sie doch eine der Hauptbesitzungen im Lande. Sie versteuern 11159 Einheiten. Beide sind Mann- und Weiberlehn, und beide hatten schon früher kraft ihrer Altschriftsässigkeit die Landtagsfähigkeit. Die im October 1855 auf das Amt Plauen übergegangene Gerichtsbarkeit betraf, ausser Unterneundorf nebst den Rittergutshäuslern oder Kleinneundorf, auch Oberneundorf, Kobitzschwalde, Strassberg, 4 Häuser in Haselbrunn und eines in Thiergarten: zusammen 1801 mit 523 Consumenten; diese Zahl ist aber mit dem Anwachsen der Plauischen Fabrication in gleich-starkem Schritte vorwärts gekommen. Lehnweise unterliegt der Herrschaft auch das Erbschenkgut zu Kloschwitz.

Die Flur Ober- und Unterneundorf raint mit Dobenau und Zadera, Zwoschwitz. Schneckengrün, Kobitzschwalde, Klosschwitz und Kröstau; sie übersteigt, bei 1336 Fuss mittler Seehöhe, die Strassbergische um 175 und die Plauische Flur um 184 Fuss. Der von hier zur Elster hinablaufende Grund heisst 1295 urkundlich die Glocke: ein schwer zu deutender Name: sollte er vielleicht blose Verstümmelung von Luka, die Wiese, sein?

Strassberg hat im Album seinen besondern Artikel. S. 98, Sp. 2, Z. 17 v. u. ist das Imperfectum „gehörte“ lediglich auf das Gerichtsverhältniss zu beziehen. Der jetzige Strassberger Pfarrer ist der [39] Plauische Diakon Schöpff. S. 99 ist in Sp. 2. blos Unter-Neundorf gemeint; denn die ganze Gemeinde hat 1858 vielmehr 60 Häuser und 394 Seelen begriffen.

Unterweischlitz, (S. 68 d. A.) besser Weischlitz untern Theils.– Das Dorf hatte 1834 schon 591 –, 1858 aber in 100 Häusern 655 Seelen, nämlich in Oberweischlitz 33 Häuser und 188 –, in Unterw. 67 Häuser und 467 Bewohner, deren Zahl in den letzteren Jahren, wo die Spinnfabrik still stand, merklich abgenommen hat. Zur obern Gemeinde gehört noch Rosenberg, welches im Album (S. 135) einen besondern Artikel erhielt, und 1834 in 9 Häusern 42, 1858 in 10 Häusern 77 Seelen befasste.

Abgesondert liegen das Lanekhaus (dessen Namen man vom slawischen Lan, der Hirsch, ableiten will), die Neumühle, und die sogenannten „Häuser bei Unterweischlitz“. – Dem Amte Plauen haben 1834 3 Güter und 2 Häusler unterlegen, 1 Haus im Unterdorfe aber dem Rittergute Schwand; Lehnleute hat hier auch das Rittergut Magwitz. – Seit 1848 hat Weischlitz eine eigene, im Oberdorfe stehende Schule, und beide Herrschaften üben die Collatur gemeinsam. – Eine Sonderbarkeit ist es, dass die untere Flur mit 1268 Fuss eine höhere Mittelhöhe hat, als die Flur Oberweischlitz mit Rosenberg bei 1261 F.

Der in Urkunden auch weischals lautende Ortsname wird aus dem slawischen wesely anmuthig (gelegen) erklärt, und der Ort ist dessen würdig.

Die im Album erwähnte, grosse, anfänglich freiherrlich v. Sekkendorff’sche, dann Möckel’sche Baumwollenspinnerei, mit einem 5 Etagen hohen riesenhaften Gebäude, gehörte zuletzt den Gebrüdern Lehmann in Chemnitz, wo sie auch eine starke und rentabel gewesene Druckfabrik (die früher Pietzsch- und Müllerische) besassen. Nachdem aber die so reichen Herren durch unbegreifliche Geldverschwendung 1847 insolvent geworden, wurde etwa die Hälfte der 53 Feinspinnwagen, 1850 aber auch der Rest verauctionirt. 1836 waren der Feinspindeln 10352 im Gange, und bis 1850 noch 8580. Das Hauptgebäude hat ein Areal von 1640, das Nebengebäude von 740 Quadratellen.

Der im Album erwähnte Hiob (Jobst) v. Feilitzsch ward 1300 Ritter vom H. Grabe. 1428 war Weischlitz getheilt unter Konrad v. Weischlitz, Hanns v. Weischlitz, Hanns Hardecker, Johann Tristram und Nikol v. der Heide; mit dieser urkundlich-sichern Nachricht ist das im Album aus jener Zeit Bemerkte schwer zu vereinigen. Ein Paul Weisslas vertrat vor reichlich 400 Jahren den Heinrich Reuss zu Greiz als Commandanten auf Voigtsberg. Elisabeth v. Weischlitz war, die letzte Priorissa im Kreutzkloster bei Saalburg, Matthias aber 1522 Thorknecht des meissnischen Bischofs.

Eines der Güter kaufte um das J. 1460 derjenige Apel (d. h. Albert) v. Tettau der 1493 als Schlosshauptmann zu Plauen starb. – Den ersten hiesigen Poseck schreiben andere Nachrichten (so auch S. 99 des Album selbst) vielmehr Wolf Albrecht. Wolf Dietrich hatte ausser Weischlitz auch Rodersdorf und Kröstau und erbte von seinem Oheim Hildebrand Eigelbert Trützschler 1632 Christ- und Schnekengrün – Der Freiherr v. Seckendorff, der 1813 das Gut kaufte war Kammerherr, und starb als Banquier zu Reichenbach. Uebrigens ist den Besitzern noch Karl Friedrich von Görschen einzureihen, welcher 1770 bis 1780 auch Ruppertsgrün (siehe dieses im Album) besessen hat und statt Kosten ist zu lesen „Kasten“.

Das obere Gut ist Mannlehn, und war, gleich dem untern nach früherer Verfassung nur amtsässig, daher nicht landtagsfähig; auch hatte das Amt Plauen über dessen Unterthanen die Obergerichte. 1801 gab es 191 Consumenten an. Bei seiner Besprechung darf nie seine Verbindung mit Rosenberg unbeachtet bleiben; beide Guter versteuern zusammen 6684 Einheiten. Die schöne massive Brücke allda führt die neue Oelsnitz-Schleizer Chaussee über die Elster.

Mit dem untern Gute soll eine Mühle eigenthümlich verbunden sein. Ausser Weischlitz selbst hat es keine Unterthanen: 1801 gab es 212 Consumenten an, und der Einheiten versteuert es 3561/5.

Zum obere Gute gehören ausserhalb des Dorfes das Laneckhaus, 3 Häuser in Grosszöbern, eines in Berglas, und Lehnleute hat es auch in Geilsdorf. – Das „Kleineckhaus“ im Album wolle man streichen, auch die daselbst angegebenen Acker und Steuereinheiten auf die ganzen Ortsfluren, nicht auf die Rittergüter allein beziehen. Aus der „Biebel“ erhellt, dass die Orthographie in Böhmen nicht durchweg mit der sächsischen übereinkommt.

Voigtsberg. (S. 61 d. A.) Das allerdings nicht mit wenigen Zeilen zurückzulegende Supplement zu diesem reichhaltigen Artikel wollen wir in zwei selbständige Hälften trennen, indem wir in der ersten den Verfasser begleiten, in der andern dem Abschnitte noch die nöthig scheinenden Zusätze geben.

Zunächst wolle man den Ausdruck „die Sorbische Stadt Oelsnitz“ nur so deuten: „die von den Sorben gegründete heutige Stadt Oelsnitz“; denn in der serbischen Zeit wird es noch nicht Stadt gewesen sein. Sodann ist die ältere Plauisch-vögtische Linie nicht schon 1298, sondern erst 1426 zur burggräflich-meissnischen (zugleich Hartensteinischen) geworden. Ihren Begründer, Heinrich den Klugen, nannte sein Zeitalter den Böhmen aus ähnlichem Grunde, wie dessen jüngern Bruder den Russen oder Reussen, den Russenen oder Ruzzen. Beide haben mit Sicherheit noch jenen Heinrich von Plauen zum Bruder gehabt, der 1300 daselbst als Prior des Dominicanerklosters starb; nach Limmer aber auch noch einen ältesten, der jedoch zeitig und vor dem gemeinsamen Vater Heinrich gestorben; dieser Vater aber starb erst 1302 als Voigt von Plauen und Landrichter (weltlicher Viceregent) des Pleisnerlandes. Limmer glaubt, der erwähnte älteste Bruder habe auf Voigtsberg residirt, welchenfalls wohl anzunehmen stünde, er habe den Vater, wenn dieser in Altenburg zu thun hatte, im Voigtlande vertreten. Nach unserm Dafürhalten ist es jedoch auch gar nicht undenkbar, dass der Prior eben jener (Limmerische) älteste Bruder gewesen, da in jener Zeit die ältesten Söhne der Familien gern den geistlichen Stand ergriffen, als den damals einträglichsten, geehrtesten und kummerfreiesten.

Sei nun dem, wie ihm wolle: sicher ist es, dass 1302 auf Voigtsberg Heinrich der Böhme (der Kluge) als Regent oder Voigt des Voigtlandes residirend gestorben ist; auch weis man, dass seine Mutter Maria eine Tochter des Böhmen-Herzogs Brezislaw IV. gewesen, und folgert aus dieser Ursache seines Beinamens, sein Bruder Heinrich der Reusse müsse eine andere Mutter gehabt haben, weil sonst der Beiname des Böhmen keine unterscheidende Kraft gehabt hätte. Somit wäre der Reuss ein Sohn der Kunigunde v. Lützelstein gewesen.

Anders urtheilt Richter in seinem 1857 erschienenen Buche über Mühltrof. Der Hofrichter Heinrich habe 3 Söhne weltlichen Standes gehabt: Heinrich den Aeltern oder Klugen (Vater der Heinriche IV. und V., welche Mühltrof besassen), Heinrich den Böhmen oder den Mittlern (welcher ohne Nachkommen geblieben), und Heinrich den Jüngern oder den Reussen, Vater Heinrichs des Langen und Heinrichs des Kurzen, welcher letztere als vormundschaftlicher Regent der meissnischen Lande berühmt ward. Es sei somit Heinrich V. nicht, wie Limmer will, des Langen Sohn, sondern dessen Cousin gewesen. Ist nun aber – nach Majers Chronik der Reussen – der Böhme (der Kluge) schon 1302 gestorben, dann müsste freilich jener Heinrich, der 1303 für seine früher Ebersteinischen Lande die ihn schützende Mittel-Lehnhoheit vor Böhmens Thron nachgesucht und erlangt, des Böhmen Sohn gewesen sein. Da nun aber dieser Heinrich I. auch der Aeltere genannt wurde, so setzt dieses auch einen Bruder voraus, und als diesen denkt Majer sich den Langen, was aber Richter bestreitet. Und jener Heinrich, der, bald als 2ter numerirt, bald gleichfalls der Aeltere genannt, 1349 auch Oelsnitz etc. zu ein böhmischen Reichsachterlehn werden liess, wäre dann nicht ein Sohn, sondern ein Enkel des Böhmen, was auch zur gewöhnlichen Dauer eines Menschenalters viel besser passt.

Von beiden Söhnen dieses Heinrichs II. starb einer 1422 als Hochmeister des Deutschordens in Preussen, wogegen der andere 1426 das durch das Aussiger Blutbad offen gewordene Burggrafthum Meissen erblich vom Kaiser erwarb; dieses hatte bis dahin Jahrhunderte hindurch die gräflich Hartensteinische Linie des Hauses Werben besessen.

Der bisher besprochnen ältern oder Böhmischen Linie der Plauischen Vögte gehörte somit auch derjenige Burggraf Heinrich V. zu, welcher (unterm J. 1547) irrig im Album zu einem Reuss gemacht wird. Richtig macht ihn zwar dieses ferner zu einem böhmischen General; hauptsächlich aber und höchst einflussreich war er als K. Ferdinands oberster Kanzler oder Premierminister für Böhmen, Mähren, Schlesien und die Lausitzen. Dieser 1547 gefürstete Heinrich V. besass viele bedeutende Herrschaften in Böhmen, namentlich in den Kreisen von Ellbogen und Pilsen. Seine Wittwe Margaretha v. Salm überlebte zwar ihre beiden Söhne; aber 1573 erlosch mit ihr die ganze ältere Linie des Plauischen Stammes, wogegen die jüngere oder Reussische noch jetzt blüht. Von Margarethens beiden Söhnen hatte Heinrich VI. eine markgräflich Brandenburg-Ansbachische Prinzessin, der VII. anfänglich eine braunschweigische, dann eine vorpommerische Prinzessin zur Gemahlin.

Was aber den „unmässigen Aufwand“ dieser Brüder betrifft, so haben Majer u. A. m. ganz andere Ansichten, indem die Fürsten, um den von ihrem Vater höchst verworren hinterlassenen Vermögenszustand zu ordnen, sogleich den Prager Hof verlassen, auf ihren Gütern aber sich möglichst eingeschränkt; wenn namentlich der ältere das Ziel gleichwohl nicht erreicht, so liege dieses nur in dessen zeitigem Ableben. Der jüngere regirte nur reichliche 3 Jahre.

Das noch immer burgmässig erscheinende Schloss ragt nordöstlich ziemlich entfernt von der – durch den Total-Brand vom 14. September 1859 so unglücklich gewordene – Stadt Oelsnitz, zu welcher es genau genommen auch zu rechnen wäre, wie z. B. auch Schweinsburg trotz seiner noch grössern Entfernung dennoch aus historischem Grunde das wahre Schloss von Crimmitzschau ist. Weil aber die Häuser, die sich im Laufe der Jahrhunderte auf dem Grund und Boden der Burg und ihrer drei Burglehngüter angebaut haben, zu einem ansehnlichen Dorfe Voigtsberg mit eignen Gemeinderechten erwachsen sind, so wird jetzt auch das Schloss zu diesem Dorfe gerechnet. Vielleicht, dass es hierzu nicht gekommen wäre, hätte schloss Voigtsberg den Namen der Stadt „Oelsnitz“ gleichfalls erhalten.

Das Dorf zählte 1801 534 Consumenten, 1834 in 84 Häusern 780 –, 1858 aber in 98 Häusern 1312 Seelen: eine gewaltige Zunahme, welche sich dadurch erklärt, dass indessen, nämlich 1858, das Schloss eine Filialanstalt des Zwickauischen Land-Zwangs-Arbeitshauses aufgenommen, nachdem man das Justiz- oder nunmehrige (zum Bezirksgericht in Plauen ressortirende) Bezirksamt nach Oelsnitz verlegt hatte; ebenso kam aus des Schlosses Vorhofe 1859 das Rentamt nach Auerbach. Früher haben in demselben auch ein Forstamt und ein Bergamt bestanden: letzteres aber wurde schon längst durch eine Reviers-Delegation des Schneeberger Bergamtes ersetzt, diese aber zuletzt gänzlich nach Schneeberg gezogen, so dass sie nun mit in das Schwarzenberger [40] Bergamt aufgegangen. Das Hauptgeleite, dessen das Album noch erwähnt, besteht schon seit 36 Jahren nicht mehr. (Die eben da vorkommenden Scheffel Aussaat sind nicht etwa Dresdener, sondern alte Oelsnitzer und somit grösere Scheffel. Und zum Ende des Artikels bemerken wir auch sogleich, das der Swantewith nur auf einer Vermuthung des Concipienten beruhet).

Die Höhe, welche das Schloss krönt, haben sonst doppelte Gräben von dem nordwärts noch höher ansteigenden Gebirge gesondert. Den südlichen Fuss netzt das von Hartmannsgrün kommende Bächlein. Dem Thurme giebt das Album ein zu hohes Alter; diese Art runder, röhrenförmiger, unten eingangloser, überaus dickwandiger Thürme (denn hier ist die Mauer 6 Ellen stark), als Verliess und Warte benutzt, gehört dem 12. und 13. Jahrhundert an.

Der deutlich genug seine Bedeutung aussprechende Name der Burg ist dennoch von einigen ältern Schriftstellern sehr falsch ausgelegt worden: bald als Wogastsberg, bald als Boxberg. In letzterer Beziehung berief man sich auf die Herren v. Boxburg, welchen die Wunsiedler Pflege oder das „Böckler Land“ gehört hat. Man weis aus deren Geschichte, dass die drei lüderlichen Brüder Eberhard, Heinrich und Ludwig 1320 oder 1321 Wunsiedel an ihren Landesfürsten, den brandenburgischen Markgrafen Friedrich, verkaufen mussten. Vermöge des Friedens vom J. 1547 blieb Wunsiedel zwar dem Fürsten Heinrich V. v. Plauen, fiel ihm aber überredet vom frühern Amtshauptmann Johann Ochs, sehr bald ab, und musste daher zum zweiten Male erobert werden. 1556 übernahm es der Kaiser selbst, überliess es aber 1557 dem Markgrafen Georg Friedrich.

Eine völlig grundlose Sage machte ehedem den Claudius Drusus Nero, Sohn des Tiberius Nero, und der Livia Drusilla, also Stiefsohn des K. Augustus, zum Erbauer Voigtsbergs, weil er nämlich irgendwo als „Advocatus“ vorkommt, was man mit „Voigt“ für identisch nahm. Wie aber schon letzteres höchst problematisch, so ist das vom tapfern Drusus angeführte Heer des Kaisers Tiberius nie über die Saale herüber gekommen; somit konnte Drusus nicht Voigtsberg bauen, das auch wirklich keine Spur eines römischen Bauwerks zeigt. Peccenstein, der so viele geschichtliche Irrthümer verbreitete, wollte sogar das Jahr der Erbauung – 21 n. Chr. – wissen, und vor dem Eingange der „Fürstenstube“ fand man sonst an der Wand die ziemlich alte lateinische und die jüngere Inschrift:

Castra locans Drusu hic praetorie nomina monti Fecit. Posteritas servat et illa sibi.

Drusus, der edle römisch Voigt,
Erbauet diesen Berg in Noth,
Da er Krieges in Teutschland pflag,
Voigtsherg heist er noch diesen Tag,
Darnach ward auch von ihm genannt
Diese Gegend, und heisst Voigtland.

Infolge dieses Irrthums hat man Voigtsberg lateinisch Mons Drusi, sonst aber Mons Praefe[c]ti, Mons Advocatorum, Castrum Alisonis (d. h. Elsterburg) genannt. Nicht völlig so albern, wohl aber eben so irrig nahm Dresser an, die Römer hätten um das Jahr 300 Advocados, Vögte, hierhergesetzt. Andere nahmen es für jene Wogastiburg, wo die Slawen um das Jahr 930 den Franken eine arge Schlappe beibrachten. 1272 erscheint Voigtsberg unter dem Namen Fautzburg; denn statt Voigt schrieb man auch Faut, wie man hier und da einen Bettelvoigt noch jetzt den Feht nennt. Ist dies aber die erste Nennung der Burg, so ist doch ein Vorkommen derselben viel älter; denn K. Philipp von Schwaben datirte 1199 eine Urkunde „apud Olsniz“, worunter Voigtsberg eben so gemeint ist, wie unter „apud Altenburg“, das Schloss Pleisen. Albinus giebt an: in dortiger Gegend sei es überhaupt gewöhnlich gewesen, die Burgcommandanten Vögte zu nennen, und Planer hält die hiesigen Vögte für die Erbherren dieser Lande. Dies ist jedoch, sobald wir der Ebersteiner Grafen gedenken, unrichtig, man müsste denn in beiderlei Herren (mit Einschluss der Säcke von Gatzenhof) die Linien eines Geschlechtes erkennen wollen, weshalb denn auch die Voigtsberger Vögte das Ebersteiner Geschlecht beerbt hätten. Von letzterer Annahme sind dagegen diejenigen weit entfernt, die – Albert Kranz an der Spitze – Reuss für den Familiennamen halten. der vom Namen der Stadt Greiz herkomme, die anfangs Ruzze, Russe geheissen habe. Man sieht jedoch unerinnert, dass dann die Heinriche nicht würden „Reuss“ oder „der Reusse“ genannt, sondern „von Reuss“ heissen, was doch nie und nirgends im Mittelalter der Fall gewesen.

Das frühere Amt Voigtsberg, eines der grössten im Lande, kam im allgemeinen überein mit den nunmehrigen vier Gerichtsamtsbezirken Oelsnitz, Schöneck, Markneukirchen und Adorf. Es war aber auch hinsichtlich der Zahl seiner unmittelbar-königlichen Unterthanen sehr bedeutend, indem es nicht nur in seinen eignen fast zahllosen Erbgerichts-Ortstheilen, sondern auch über sehr viele Patrimonialgerichts-Unterthanen die Obergerichte übte. Wenn hierüber viele Bücher das Nähere besagen, so erscheint dagegen es nicht überflüssig, des Amtes Stärke im Jahre 1588 aus dem damaligen Aemterverzeichniss anzugeben. Es enthält die eben genannten 4 Städte, 62 Dörfer und Dorftheile mit 1571 Angesessenen, 44 Ritter- und 3 Lehnpferde, das Kammergut Voigtsberg, 4 Teiche und viel wilde Fischerei, starke Waldungen nebst dem Nutzen von der Holzflösse nach Halle (Leipzigs wird hierbei nicht gedacht,) 100 m. fl. Pacht für das Geleite, 7 für die Bretmühle, 620 Dresdener Scheffel Zinsgetreides oder 388 alte Oelsnitzer Scheffel. Damals hatten die Amtsunterthanen nur 118, im 18ten Jahrhundert hingegen 2491/6 Hufen, ohne die 231/6 der Stadt Oelsnitz. In den Amtswäldern gewann man 1818 an Pech 2321/5 Ctr. – 1821 unterlagen dem Amte 15 Dörfer und 42 Dorftheile mit 6953 Consumenten. Einbezirkt waren überdiess 4 Städte, 44 Rittergüter, 27 Wald-, Lehn-‚ Hammer- u. a. Freigüter. Die beiden Amtslandrichter bewohnten damals Voigtsberg und Adorf. – Alles eigentlich Geographische, sowie die Ressort-, Gränz-, Gewerks- u. a. Verhältnisse, die Nachrichten über Perlmuschelhägung, Instrumenten-Fertigung etc. wird man hier nicht suchen. Merkwürdig ist aber noch der Reichthum an Papiermühlen, deren für jede Quadratmeile des Amtes eine vorhanden ist. – Die Statsforsten im frühern Amtsbezirke betrugen 1850 20866 Acker oder 21/10 Quadratmeile. Der Bergbau wird zwar noch hier und da auf Eisenstein, Kupfer, Kobalt und Flösse (d. h. Basalt) getrieben; er ist aber gegen jenen des Mittelalters unbedeutend. Früher gewann man auch Zinn, und 1791 arbeiteten im ganzen Voigtlande auf 18 Gruben 119 Mann; da sie aber nur für 8663 Thlr. Mineralien ausbrachten, so betrug der Aufwand fast das doppelte des Gewinnes. – 1779 fanden sich hier erst 5439 Wohnparteien, 1858 dagegen in den heutigen 4 Amtsbezirken 47757 Seelen, woraus man auf die Fortschritte der Landwirthschaft schliessen möge; hierzu gehört wesentlich die geordnetere Wiesenwässerung, die zwar an sich seit Jahrhunderten schon im sächsischen Gebirge beliebt ist. Des Bodens Unterlage sind Thon und Glimmerschiefer, Granit und Gneus, Grünstein und die Grauwackenformation; in Amte Schöneck giebt es nur Thonschiefer, der auch 1/5 im Amte Markneukirchen, 2/3 im Amte Oelsnitz, sowie in dem meist hierher gehörigen Klingenthaler Bezirke, und fast 1/2 im Amte Adorf ausmacht. Im Klingenthalischen herrscht der Granit zu 2/9 im Adorfischen zu 1/5.

Unter den Amtshauptleuten (anfangs nur Amtleute genannt) finden wir auf Voigtsberg zuerst den Ritter Matthias Schlick v. Lazan zu Elnbogen, Sohn eines Adorfer Erbrichters, später Nachfolger seines Bruders Kasper als Elnbogner Burggraf, als jener Oberstcanzler zu Prag geworden. Beide gelangten in den Herrenstand, und begründeten das später so illustre Geschlecht der Schlicke, Grafen zu Passaun (d. h. Bassano) und Weisskirchen, der Besitzer vieler Herrschaften im westlichen Theile Böhmens. Ferner Konrad von Techau, welcher jedoch wohl eher ein Tettau war. Dann Heinrich Reuss auf Greitz, der jedoch hier einen „Untervoigt“ (den Hanns von Weischlitz) besoldete. Es folgten Hanns v. Obernitz, Hanns v. Wolffersdorf, und 1465 Konrad Metzsch auf Mylau, welcher dann als Rath zum König von Ungarn ging. Nun folgte Hermann v. Weissenbach auf Schönfels, zuvor Amtshauptmann zu Schellenberg und kurfürstlicher Rath, jüngster Sohn des Otto v. W. auf Weissbach und Schönfels, Vater des ersten Erb-Reichsritter in diesem Geschlechte, Otto genannt, des Altenburgischen Amtshauptmanns Wolf auf Altschönfels und des erst 1550 gestorbenen Ritters Hanns auf Crimmitzschau und Thurm: demnach dreier damals berühmter Männer, welche wahrscheinlich im Schlosse Voigtsberg geboren worden. Dann folgte Thimo v. Hermannsgrün auf Thosfell, der Freiher Friedrich v. Reitzenstein auf Blankenberg an der Saale (einem bis 1815 sächsisch gewesenen Gute, endlich als letzter von denen, welche hier (d. h. nicht in Plauen) residirten, Markward von Tettau, dessen nächste Amtsfolger Georg v. d. Planitz, seit 1546 Wolf von Gräfendorf und seit 1551 Jobst v. Zedtwitz gewesen sind. Als Amtsschösser aber (d. h. Justiz-, Verwaltungs- und Rentbeamte) waren hier: zu Metzsches Zeiten der reisige Knecht Hanns Klebsattel, 1527 und 1542 Leonhard Engelschall, 1550 Hanns Postel, 1567 Sebastian Fischer, dann Hanns Zürner, 1625 Thomas Schmidt, bis 1660 Johann Flessa v. Seilbitz (d. h. Fleissen von Selbitz in Bayern) Besitzer von Raschau, und Johann Riedel. Die Reihe der prädicirten Amtleute aber eröffnete Heinrich Gentzsch auf Magwitz und Freiberg.

Die hohe und mittle Jagd hatte im 17. Jahrhundert das Amt der Stadt Oelsnitz gegen die Hälfte der zu erlegenden Hirsche und Rehe, und gegen ein Viertel der Bären und Schweine überlassen.

Selbstverständlich war die Herrschaft Voigtsberg viel kleiner, als das nachmahlige Amt, dem immer mehr kleinere Herrschaften und schriftsässige Güter einbezirkt wurden. Sie kam 1383 bei der Wettinischen Erbtheilung ausschliesslich an Wilhelm den Einäugigen.

Bis 1447 hatte sie später der schon erwähnte Amtshauptmann Schlick von Lasan gegen 3415 rhgfl. (7700) Thlr. im Pfandbesitze.

Die v. Voigtsberg darf man nicht für die Besitzer, sondern nur für die Erbcastellane der Burg halten; so 1302 den Ritter Eberhard v. Voitisberg mit seinen Brüdern Ludwig und Heinrich.

Das Wappen der Herrschaft, ein 3seitiger Schild, zeigte den deutsch-königlichen einköpfigen Adler.

Zur Besitzesgeschichte gehört noch jener Otto v. Bergaw – nach Jahn ein Lobdeburger, besser aber wohl ein Berk von der Duba (jetzt Böhmisch-Aicha genannt) – welcher Voigtsberg in oder doch bald nach der Zeit Heinrich’s des Langen besass, es aber (wie Jahn sich ausdrückt) an König Johann von Böhmen verkaufte, von welchem es dann an die Plauischen Vögte (sc. zurück) kam. Dieser Besitz war nämlich jedenfalls nur eine Verpfändung, und die Urkunde von 1327 sagt auch wirklich, früher sei Otto von Perkaw, jetzt aber Heinrich v. Plauen in die Pfändung eingetreten. Letzterer musste jedoch die Burg dem Konrad v. Milin (s. oben) zur Obhut anvertrauen, bis Böhmen und Meissen wegen der Hoheit über Voigtsberg sich würden verglichen haben. Bei dem (ihnen demnach wohl ungünstigen) Entschied beruhigten die Markgrafen sich nicht, und nun sprach die vögtische Dynastie 1347 kaiserliche Hilfe an. Gleichwohl hing, wie man aus dem Egerischen Vertrage ersieht, die Sache noch lang in der Schwebe bis endlich Herzog Albert 1482 Voigtsberg beim Böhmenkönig Wladislaw [41] zu Lehn nahm, wobei es auch bis 1779 verblieb. Es ging sonach mit Voigtsberg, wie mit Dohna.

Wie aber alles dieses nur das Dominium directum betrifft, so fragt es sich noch über das Dominium utile, den Grundbesitz. Diesen hätten sich nach gewöhnlicher Annahme 1356 die Markgrafen Friedrich und Wilhelm d. Einäugige gleichfalls erobert; jedenfalls ist es sicher, dass Wilhelm ihn 1401 seinem Schwager, dem Nürnberger Burggrafen Friedrich legirte. Dieser hatte nämlich Wilhelms älteste Schwester, die 1375 verstorbene Elisabeth, zur Gemahlin gehabt. Man musste sich daher 1410 mit dessen Sühnen abfinden, um Voigtsberg dennoch in Wettinischen Händen zu behalten. Die Vögte ihrerseits hatten aller Besitzesansprüche an Voigtsberg schon 1482 sich begeben, erlangten es aber 1547 (s. im Album zum zweiten mal, und stellten 1553 die seit ihrem Neubau 1404 schon wieder verfallenen Gebäude nochmals her, so dass noch 1632 die Burg sich als eine respectable Festung mit wohl ausgerüstetem Zeughause erwies. Hier sammelte auch der tapfere Fürst Heinrich V. 1553 die Truppen, mit denen er am 27. September Hof eroberte und 1554 vor Blassenburg rückte, wo er aber am 19. Mai im Orte Steinach starb. – Die Aussenwerke der Burg hatten die Vögte schon 1317 nach der bekannten Fehde um den Fürstenberg bei Wiesenburg rasiren müssen. –

Die Anlage der Burg ist so winkelig, wie das Terrain dieses unvermeidlich machte. Die Zimmer und Fenster sind eben deshalb sehr klein. Es gab nur einen Eingang, und durch die zwiefache Ringmauer bildete sich ein Zwinger mit bedecktem Gange. Eine Zugbrücke brachte aus dem innersten Höfchen in den Vorhof; eine zweite führte zum Palast, nächst einem vierseitigen Gefängnissthürmchen, dem sogenannten Kollmar. Der 66 Ellen tiefe Brennen ist verschüttet. Von den beiden Vorderthürmen steht nur noch einer, und 1834 wurde der Graben ausgeschüttet. 1821 hatte man das Rentamt im Vorhofe renovirt. Der runde Hauptthurm hatte von seiner ursprünglichen Höhe gegen 15 Ellen nach und nach verloren, jene aber 1829 beinahe wieder erhalten, nebst einer Galerie zum Genusse der trefflichen Aussicht. Die Georgencapelle zeigt eine Mischung byzantinischen und gothischen Styles, und diente 1840 als Depositorium, wie die anstossende Fürstenstube als Gerichtszimmer; die Beamten wohnten im alten Palaste. Ausgebrannt ist das Schloss 1638, und seit 1837 hat es neue Schieferbedachung. – Anjetzt betreibt man im Zwangsarbeitshause Cigarren- und Garnfertigung; auch helfen die Detinirten den nahen Landwirthen – zu beiderseitigem Vortheil – fleissig bei der Aerndte etc. - Das Amt ist nicht nur 1400 (an die von Tettau), sondern auch wieder 1660 bis 1780 verpachtet gewesen: namentlich das Kammergut um die Hälfte der gewonnenen Getreide- und Heuärndte. Das Herrenholz erkaufte 1617 die Stadt Oelsnitz um 1915 mfl. nebst dem Lobenstein- und dem untern Görnitzholze. Auch die Voigtsberger Ziegelei gehört der Stadtcommun, und dürfte leider nur zunächst stark beschäftigt sein.

Von den eigenthümlichen Besitzungen der Herrschaft war unter den letzten Heinrichen und dann unterm Kurfürsten August nur noch jenes bedeutende „Vorwerk“ übrig, durch dessen Zerschlagung sich die drei Burggüter gebildet, die jetzt noch die einzigen wirklichen Güter im Orte sind. Darunter ist das v. d. Planitzische trotz seiner nicht unbedeutenden Stärke dennoch kein eigentliches Rittergut. Viele Grundstücke des Vorwerks sind jedoch auch 1567 an die Stadtcommun gediehen, welche aber im 30jährigen Kriege aus Noth sie verkaufen musste. Beim Stadtrath ging auch mindestens noch 1840 eines der Burggüter zu Lehn, und zu diesem gehörte früher die Mühle. Die beiden andern blieben amtsässig. Das 2te hatten 1540 ein Geigenmüller und ein Wurlitzer gemeinsam, jenes dritte aber ein Büchner. Ausser dem Stadtrathe hat auch das Rittergut Obermarxgrün Lehnleute allhier. Die Ortsflur hat die mittle Seehöhe von 1418 Fuss.

Die Collatur bei der Schule gehört der Gemeinde. Von beiden Gasthöfen steht der neue an der Chaussee nach Treuen. Seit etwa 24 Jahren hat der Förster Gottfried im Haine Pflanzgärtchen für hartes Nutzholz angelegt, woran es der Gegend empfindlich fehlt. Im Dorfe wird auch viel für die Oelsnitzer Fabrikhandlungen gewebt, und bis vor Kurzem blühte auch hierselbst das Grohische Geschäft in bunten Baumwollzeugen. – Noch vor 15 Jahren wohnte hier ein Obersteiger, und im Volke lebt die Sage von einer ehemaligen Saline. Auch erwartet man jetzt die Gründung einer starken Lederfabrik.

Weisensand (S. 161 d. A.) ist die officielle Schreibung für das im Album Weissensand geschriebene Dorf und Gut. Es liegt mitten zwischen Treuen und Reichenbach, westlich von Lengenfeld und südöstlich von Mylau, so dass es mit Pfaffen- und Hartmannsgrün, mit Wolfspfütz und Schneidenbach raint. Die Flur zeigt meist nur sanfte Abhänge, ist mässig fruchtbar, und hat 1284 Fuss mittler Seehöhe; das Rittergut fand Wiemann nur 1117 Fuss hoch, woraus eine schon bedeutende Variation in der Flurhöhe sich ergiebt. Die aus Osten kommende Gölzsch wendet sich hier nordwestwärts. Rechts derselben stehen einige Häuser des Ortes, welche auch wohl als ein besondres Dörfchen Kleinweisensand genannt werden. Abgesondert stehen auch in Südwesten eng beisammen die Lerchen- oder Krellenhäuser, weit in Osten aber die Gareis’sche Papiermühle.

Das Gut versteuert 35574/7 Einheiten, gab 1801 201 Consumenten an und hat auch in Wolfspfütz Lehnleute. Sein grosser Stockteich (s. Album) ist nun Wiese. – 1271 gehörte es dem Ritter Hanns v. Göllnitz, der damals der Plauischen Kirche 3 mk. Zinsen allhier verehrte. Später galt es für ein Mylauisches Vorwerk, und zu dieser Zeit war hier eine Reichenbach’sche Filialkirche oder Capelle, wie denn noch jetzt Kleinweisensand nicht mit nach Treuen, sondern nach Reichenbach gepfarrt ist. Als Zubehör Mylau’s (s. dies. Art.) kam das Gut 1577 mit an den Ritter Niklas v. Schönberg jüngern Sohn des Rathes Anton auf Rothschönberg u. Reinsberg. Diesen beerbten als Söhne Niklas und Hanns Dietrich, und letztern wieder als Eidam der Geheimrath und Kammerdirector Dietrich von Werthern, was sich jedoch auf Weisensand nicht mit bezieht. Denn Mylau mit Weisensand hatte speciell Niklas übernommen, und weil dessen gleichnamiger Sohn schon als Knabe gestorben, so fielen beide Güter einem Vetter Hanns Burkhard v. Schönberg zu. – Der im Album Karl II. genannte Bose hies genauer Friedrich Karl. – Seit 1853 besitzt es ausschliesslich und mit Mannlehnqualität Herr Franz Eduard Schillbach, nachdem er den Mitbesitz seinen 3 Brüdern vergütet hat. Das früher neuschriftsässige Gut war auch landtagsfähig, wovon 1817 Christian Ferdinand Schillbach Gebrauch machte. Die Gerichtsbarkeit wurde 1853 an die Regierung abgetreten.

Die nordöstlich von hier häufig ausgepflügten Waffen, Hufeisen etc. wollten zwar Viele auf die letzten Freiheitskämpfe der Serben beziehen; aber die Jahre 1429 und 1430 haben doch wohl mehr für sich. – Die Goldseifnerei in der Gölzsch scheint in Weisensand besonders eifrig betrieben worden zu sein, und der Metzschische Gerichtshalter Dr. Daniel Weissenborn hatte eine ziemliche Sammlung von Göltzsch-Gold.

Die weit unterhalb des Ortes gelegne Schotenmühle ist zwar No. 7 im Ortscataster, gehört aber dennoch, wie das Jägerhaus, in den Ritterguts- und Heimathssprengel von Obermylau; hierher dagegen die Gareisische Kammgarnspinnerei.

Graun führt in seinem Verzeichnisse der Burgstätten Sachsens, dem pirnaischen Mönche folgend, auch eine Weisenburg „bei“ (sollte wohl heissen „zwischen“?) Mylau und Auerbach auf; es scheint also wohl zu Weisensand wirklich eine Mylauische Vor- oder Nebenburg gewesen zu sein.

Werda. (S.189 d. A.) Obwohl es sicher steht, dass dieser slavische Name dieselbe Etymologie mit Berda in Czernagorien, mit Werdau in Sachsen, mit den zahlreichen Wartha, auch wahrscheinlich mit Bardau verlangt, so müssen wir uns doch in dem verwickelten Streite der Geschichtsforscher über dessen Bedeutung neutral erklären.

Der ärmliche und weit-verstreuete Ort liegt in rauher und wie hochgebirgisch gestalteter Gegend, 31/2 Stunde ostsüdöstlich von Plauen, südsüdwestlich von Falkenstein, nach der frühern Geographie unter die Aemter Voigtsberg und Plauen dahin getheilt, dass letzteres allhier mehrere Parcellen im Umfange des erstern hatte: ein Umstand, der im Ortsverzeichnisse von Sachsen unberücksichtigt geblieben. Seit dem 2. April und 18. October 1855 ist dagegen das Falkensteiner (Gericht, nun) Amt für den ganzen Ort die Behörde. Bis dahin war er mit seiner umfassenden Flur gerichtlich vielfach vertheilt. Mit voller Gerichtsbarkeit hatte 1834 der Staat 28, das Rittergut und die Collatur Falkenstein 21, Dorfstadt eben soviele, und Oberlauterbach 5 Nummern; 26 aber unterlagen erbgerichtlich dem hiesigen, früher amtsässig und somit nicht landtagsfähig gewesenen, auch wohl nur aus einem Vorwerke der Falkensteiner Herzschaft gebildeten, schwachen Rittergute, obergerichtlich dagegen dem Amte. 2 Häuser des Dorfstädter Antheils stehen auf dem übrigens nach Kottengrün catastrirten Hupfauf; die 4 Geigenmühl-Häuser oder der Mühlberg gehören zu dem Ritterlehn „Falkenstein mit Mühlberg“, die 3 Jahnmühlhäuser zum Amtstheile. Die Trieb, welche 1/4 Stunde vom Dorfe die Geigenmühle treibt, heisst bis zu ihr die Geigenbach: ein Name, der nebst dem Geigenberge wohl auf einer übrigens völlig unbekannten Wüstmark beruhen mag. Eben so wenig würde eine Burg, wäre sie nach des Ortes Namen hier anzunehmen, eine Geschichte haben. Die Geigenmühle liegt im sonstigen Plauischen Amte, an der Chaussee nach Falkenstein.

Die Flur, deren mittle Höhe 1934 Fuss beträgt, greift in jene von Poppengrün und Korna sonderbar ein, raint auch mit Haselbrunn, Neudorf, Bergen, Pillmannsgrün mit Jägerswald, und culminirt auf dem in Südwest ansteigenden Eim- , Em-, am richtigsten wohl Eibenberge, der die nach Wiemann 1912, nach Lohrman 1918 Fuss hoch stehende Kirche noch mit 174 Fuss übersteigt. Minder hoch ist in Nordnordost der Geigenberg. Zur Kirche ist nur noch Jägerswald gepfarrt.

Werda enthielt 1834 in 86 Häusern 603, 1858 in 117 Häusern 957 Bewohner, welche nebst allerlei Waldgewerben auch stark die Ausnäherei für die Fabrikstädte, ja selbst einige Klöppelei treiben. – 1856 wurde das Pfarrhaus neu gebaut. Auch concentrirt sich hier der „Schöneck-Werdaische Schullehrerverein".

In der ersten Sp. setze man für „Seitewitz“ Seydewitz.

Zu den Besitzern kommen noch: 1542 Christoph Thoss, der wegen Werda und Marieney zusammen nur ein Ritterpferd ställte; 1753 der Oberstlieutenant und Kriegscommissar Friedrich Wilhelm v. d. Heide; endlich schon seit 1852 Johann Gottlieb Stier, dessen Erben das zu 13755 Thlr. geschätzte Gütchen subhastiren liesseen. Dasselbe geschah 1820, nachdem Christian Wilhelm Schimmerling gestorben. Damals eben hatte es die im Album angegebenen 42 Acker Feld, 43 Acker Gräserei und 94 Acker Holz, und wurde auf 18456 Thlr. geschätzt; es ist aber seitdem noch mehr zusammengeschmolzen. Ausser zwei Kottengrüner Häusern soll auch eins in Neudorf dazu gehören, und 1801 gab es 128 Konsumenten an. Früher ist es Mann- und Weiberlehn, aber doch 1852 schon Erbe gewesen.

Wiedersberg (S. 119 d. A.) liegt 1 Meile nordöstlich von Hof, und allerdings anmuthig. Lohrmann fand die Kirche 1453, Wiemann die Burg 1516 Fuss hoch. Da nun die mittle Flurhöhe 1645 Fuss beträgt, so muss die Flur in ihrer Höhe stark, ja bis zu fast 1900 Fuss hinauf variiren, also theilweise schon ziemlich rauh liegen.

[42] Als im sogen. voigtländischen Kriege Voigt Heinrich der Lange gedemüthigt worden, trat er auch die Burg Widirsberg 1357 an die Landgrafen ab, und durch die Ländertheilung 1382 gedieh sie ausschliesslich an Wilhelm den Einäugigen. Jedoch nicht ohne Einspruch der Nürnberger Burggrafen als Herren des Regnitzlandes, deren Ahnspruch daher Wilhelms Erbe, Friedrich der Einfältige, mit einer bedeutenden Summe beschwichtigen musste; denn er richtete sich auch auf Voigtsberg und Adorf. – In welcher Zeit sowohl die v. Grün auf Hofeck bei Hof, als die von Magwitz Wiedersberg erwarben, ist nicht zu ermitteln, sicher aber, dass Siegmund v. Magwitz allhier 2 Ritterpferde zu ställen hatte. Ursprünglich musste die Burg, da sie als munitio vorkommt, eine landesherrliche und nichts weniger als ein Raubnest sein und eben deshalb waren die v. Wiedersberg anfangs wohl blos Erbcastellane; so 1206 Eberhard v. Wiedersperg, Zeuge in einer Bobenneukirchner Urkunde. Vielleicht, dass dessen Name in der nahen Ebersburg fortgelebt hat.

1693 besass das Gut der kurfürstliche Rath Dr. Niklas Pfretzschner. Später hatte es der Rath und Freiberger Bürgermeister Martin Albert auf Krummenhennersdorf und Troschenreuth; alle 3 Güter erbte 1727 der im Album vorkommende Gotthelf Sigmund Albert. Dieser verlor am 4. July 1739 durch ein beispielloses Hagelwetter die ganze Aerndte, und starb 1756. Ob nun aber derjenige Reuss-Geraische Canzler Dr. Johann Alberti, dem Wiedersberg 1641 und noch bei seinem Tode 1680 gehört hat, mit den Albert Eines Geschlechtes gewesen, ist nur wahrscheinlich, nicht sicher. – Die Familie Gräf hat es lang und mindestens schon 1802 besessen; Albinus Hermann Gräf hatte es in den 30er Jahren nebst Magwitz. Obwohl nun 1840 ein Pfarrer Meyer und ein zweiter Meyer das Gut zu Lehn bekommen, so hat es doch noch im nämlichen Jahre schon wieder ein Eduard Friedrich Hermann Gräf besessen, und dieser Familie gehört es noch jetzt.

Obwohl das altschriftsässige Gut landtagsfähig gewesen, so hatte es doch beim Landtage 1817 keine Vertretung, indem eine Frau, Henriette Louise Johanna Meyer, geb. Gräfe, die Herrin war. – Der S. 119, Sp. 2 erwähnte Dr. Lorentz heisst Julius.

Die Feile kommt hierher von Sachsgrün, also aus Südost, und wendet sich hier nordwärts. Ihr Name, offenbar identisch mit den so häufigen Namen Bila, Biela, Pöhl u. s. w. bedeutet ein klares Wasser. Unter Heinersgrün schon äusserten wir die Vermuthung, dass das östlich von diesem Orte am rechten Ufer des Baches sich verbreitende Feileholz wohl möge die uralte Wüstmark von demjenigen Gute sein, von welchem ausgehend die v. Feilitzsch zuerst ihr Stammgut Feilitzsch bei Hof angelegt haben.

Wiedersberg selbst zählte 1834 in 39 Häusern nur 206 –, 1858 in 40 Häusern 49 Bewohner: das Rittergut (welches längst allodificirt ist, und am 3. May 1856 seine (volle) Gerichtsbarkeit abgab) hat 1801 in seinem Sprengel 285 Consumenten gezählt. In diesen gehören 6 Häuser in Blosenberg, 2 in Zettlarsgrün, je eines in Rammoldsreuth und Engelhardsgrün; das in Norden sehr nahe Ebersberg endlich hat 11 Häuser. Dieses Dörfchen, welches sich zur Troschenreuther Gemeinde hält, ist nicht, wie das Ortsverzeichniss sagt, nach dem so entlegnen Marieney zu Rittergut, Pfarrei und Schule gehörig, sondern hierher. Zu der Pfarrei Wiedersberg gehört das neue Heinersgrüner Beiörtchen Marxgrün. Dem Pfarrer gehörten früher Lehn und Erbgerichtsbarkeit über ein hiesiges und 2 Rammoldsreuther Flurstücke.

Wohlhausen (S. 173 d. A.) bekam 1850 seine Gerichtsstelle zu Adorf, 1853 zu Markneukirchen, davon es nur 1/3 Stunde nordöstlich entfernt ist, und wohin das hiesige Bächlein rinnt. Es liegt nicht rechts, sondern weit links vom Ebersbache, in hoher rauher Waldgegend, wie denn die Flur 1853 Fuss mittler Seehöhe zeigt; diese raint mit Gopplas- und Bernitzgrün, Breitenfeld und Erlbach. Sie begreift zugleich das jenseits der Höhe in Nordnordost sehr rauh gelegene, mit der herrschaftlichen Schäferei anhebende Beiörtchen Fribus oder Friebus; ferner die 3 Häuser an dem in Norden ansteigenden Mühlberge, in Südosten die Ziegelei, in Nordwesten die vom Ebersbach getriebene Hirschmühle, und den Bauershof. Letztern Namen gibt jedoch Oberreits Karte nicht einem Gute, sondern einem jenseits Fribus sehr hoch gelegnen Waldstücke. Ist dieses richtig, dann muss mindestens der frühere dasige Bestand eines Gutes angenommen werden. – Die 10 bis 12 Häuser von Fribus wurden auf herrschaftlichem Boden angesetzt. Das der Name mit jenem der schlesischen Stadt Priebus identisch, lässt sich; bei der so häufigen Umwandlung des slavischen B., W. und P. zum F. im Munde der Deutschen, nicht bezweifeln. Dann aber darf man auch nicht wollen Priebus nach dem czechischen Namen der Fähre (prjiwoz) deuten; denn weder bei hiesigem Dörfchen, noch bei der böhmischen Stadt Fribus auf dem Erzgebirge ist an eine Fähre zu denken.

Dem Sp. 2, Z. 6 genannten Georg Wilhelm v. Carlowitz sind die von Gräfendorf vorhergegangen, und die von Schinding 1668 gefolgt, von denen Philipp Sigmund damals auch Wohlbach und Zwota besass, und 1703 als Duellant fiel. 1714 finden wir den Hauptmann Pistoris, 1733 die Wittwe des Querfurtischen Amtshauptmanns v. Römer, 1753 einen von Thoss, später den 1773 gestorbenen Hauptmann Karl August Mirus, bis 1788 die Wittwe Mirus, geb. v. Römer, als Nachfolgerin des Alexander Joachim Römer. Einen Theil des Gutes bekam 1831 Wilhelm Christian von Römer zu Lehn, wie 1859 der Lieutenant Herrmann Alexander, der es nun mit Allodialqualität besitzt.

Wohlhausen mit Fribus ist 1834 bis 1858 von 60 zu 66 Häusern, von 369 zu 415 Seelen angewachsen, hatte deren aber 1855 noch mehr gehabt. Fast die Hälfte derselben unterliegt nicht der Herrschaft, sondern dem Amte. Für erstere bildet Wohlbach ein Beilehn; denn genau genommen ist auch Wohlbach ein – freilich jetzt nur ideales – Rittergut, jedoch mit Ausnahme der 6 Pfarrdotalen, da über diese der Pfarrer die Erb-, die Herrschaft blos die Obergerichte gehabt. Da Wohlbach fast mitten zwischen Schöneck und Markneukirchen ziemlich entfernt von Wohlhausen liegt, so wird es nur um so schwerer zu glauben, dass es (s. A.) auf dessen Boden angebaut worden sein sollte; solchenfalls würde es auch nicht ein besonderes Lehn bilden. Es enthielt 1753 erst 33, 1834 40, 1858 aber 43 Häuser mit nur 241 Seelen, besteht aber meist aus Gütern, und liegt am Eisenbache, in welchem die Perlmuscheln nicht gedeihen. Die beiden Häuser, welche das Zulehn genannt werden, dürfen Reste des ehemals materiellen Ritterguts sein, als dessen Besitzer schon 1311 ein Hanns von Berg, 1608 ein Wolf Christoph Thoss erscheinen. – Von den 6 Unterthanen des Pfarrers sind der Kirche 3 verloren gegangen: er hat aber auch 6 zu Schilbach. – Zur Mitte der ersten Sp. auf S. 174 sei bemerkt, dass der Voigtländer eine Hufe ein Lehn nennt, dass aber die Hufen hier mehr klein als gross zu sein pflegen.

Sowohl Wohlhausen als Wohlbach findet man auch Wahl- oder Wallhausen und Wallbach geschrieben; es scheint demnach die Gegend des zwischen beiden gelegenen Breitenfeld – entgegen der Bemerkung im Album, S. 167 unten – allerdings ein Wahl- oder Walplatz, ein Schlachtfeld gewesen zu sein, was aber freilich nicht mit dem Namen Breitenfeld zusammenhängt. Denken wir hierbei an eine vorhussitische Zeit! denn aus dieser selbst würden Nachrichten nicht fehlen, mindestens doch Hufeisen, Waffenreste etc. ausgegraben werden. Wenn an der Zwota die Czechen mit einem hydrographisch begründeten Rechte bis Schöneck vorgedrungen, so können gar wohl die Serben oder auch noch die Deutschen sich ihrer Angriffe hier zu erwehren gehabt haben.

Bei der Schule zu Wohlhausen gehört die Collatur nicht der Herrschaft, sondern der Gemeinde; ebenso hat die Stadt Markneukirchen hier die wilde Fischerei. Die Sage von einer – auch benutzten – Salzquelle dürfte leicht auf dem Erlbacher Salzbrunnen beruhen. – Am 4. Juni 1843 litt Wohlhausen totalen Hagelschlag.

Das Mann- und Weiberlehnrittergut versteuert (da seine Holzung beträchtlich ist) 4652 Einheiten, und gehört schon zu den Mittelgütern. Wenn es 1801 der Consumenten 476 angab, so waren hierbei 6 Häuser zu Erlbach, das Oertchen Hetzschen oder Hetschen ohne ein nach Ober-Erlbach gehöriges Haus, und Ober-Zwota, welches mit Einschluss des Hammerwerks Zwotenthal in 27 Häusern, jetzt 240 Seelen zählt, dem Amte Klingenthal unterliegt, und an der Zwota 1 Meile nordöstlich von Wohlhausen theils oberhalb Zwota bei Schöneck, theils, zwischen Zwota und Klingenthal liegt. Es ist meist nach Zwota, hinsichtlich des Ober- oder alten Hammers hingegen nach Schöneck gepfarrt, – Hetschen dagegen liegt auf hohem Berghange zwichen Markneukirchen und Eubabrunn.

Geilsdorf. (S. 14 d. A.) 21/2 Stunde von Plauen südwestlich und von Oelsnitz nordwestlich unfern des Kemnitzgrundes; in Süden hat es den Eichelberg, in Nordwesten den Galgenberg. Die mit Weischlitz, Schwand, Ruderiz, Zöbern und Pirk rainende Flur hat bei starker Variation die mittle Seehöhe von 1470 Fuss und das Klima muss man schon eher rauh als mild bezeichnen.

Das Rittergut besassen die Säcke zugleich mit dem Gute in Krebes, sowie Türbel und Pirk, letztere beiden waren zwar ursprünglich selbstständige Güter, wurden aber damals nur wie Vorwerke von Geilsdorf betrachtet. Daher ställte Geilsdorf 1542 für das Amt Voigtsberg 3 Ritterpferde. Im Jahre 1635 besass es Karl von Reitzenstein noch nebst Pirk und Türbel; schon 1629 hatte er auch Taltiz und Wildenau und der tief verschuldeten Stadt Oelsnitz, Schönbrunn und Unterlauterbach abgekauft. Im Anfange des 18. Jahrhunderts war das Gut noch nicht im Besitze der Beulwitze: Von 1724 unterlag es noch für den Grafen von Tettenbach der nothwendigen Sequestration, wie Schwand, Türbel und Pirk. Der Geheimerath Georg Ehrenfried von Naundorf besass auch Türbel und Pirk.

Den Landtag 1817 besuchte als Besitzer von Geilsdorf der Kammer- und Jagdjunker Wilhelm Friedrich Adolph von Naundorf und sein Nachfolger, Christian Ferdinand, seit 1824 Kammerherr, erhielt 1849 den Verdienstorden.

Nach einer frühern Taxation besass das Gut 273 Acker Feldes, 86 Acker meist treffliche Wiesen, 5 Acker Teiche, 14 Acker Hutland, Brauerei mit guten Felskellern und Dampfbrennerei. Es versteuert 7995 Einheiten und gehört somit sicherlich in die Güter von Range, war nach früherer Verfassung altschriftsässig (durch Bestätigung vom 24. Nov. 1741) und landtagsfähig und gab 1801 in seinem Gerichtssprengel 816 Consumenten an. Die theils volle, theils nur erbgerichtliche Gerichtsbarkeit trat es im Mai 1856 an den Staat ab. Hiernächst hatte das Gut in Krebes die Obergerichte durchgängig, die Erbgerichte dagegen nur über 1 Haus; dagegen 11 in Schönlind, 26 in Schwand, 2 in Steins, einen Theil von Grobau und einen von Ruderiz mit Burgstein und der Kuhmühle.

Das Gut hatte seit 1515 und bis in die neueste Zeit die Specialverleihung und den Zehnten von allen unedlen Metallen. Auch war 1823 noch der Friedrich im Umgange, wogegen Karlstein, Simon Petri und Gabriel in Frist lagen.

Die Erblehnqualität hat es bis zum heutigen Tage noch.

Das herrschaftliche Vorwerk Kandelhof liegt jenseits Krebes, 11/4 Stunde von Geilsdorf nächst der bayerischen Grenze in hoher, rauher Gebirgsgegend, wo die Eisenbahn 1757 Fuss erreicht, um dann auf der Grenze selbst als Horizontale 1693 Fuss hoch weiter zu ziehen.

Der Kandelhof raint einerseits mit Gutenfürst und Stöckigt, andererseits mit Heinersgrün und und Rammoldsreuth.

Von seinem gethürmten Gehöfte hat man eine herrliche Fernsicht. Ueber die 1834 neugebaute Kirche und Schule in Geilsdorf übt die Herrschaft das Patronat, welches vor 350 Jahren der thüringische Landcomthur des Deutschordens hatte, dem daher die hiesige Pfarre jährlich 14 fl. Absenzgeld zu senden hatte.


  1. Hierbei darf nicht übersehen werden, dass noch heute 2 Dörfer im nahen Böhmen Ede oder Oed geschrieben werden; eines derselben liegt 1 Meile nordwestlich von Eger, somit nicht eben weit von Dröda.

Anmerkungen der Vorlage

  1. Reimbold; m handschriftlich gestrichen
  2. handschriftlich geändert: 5

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: selbt
  2. Vorlage: Terasse
  3. Vorlage: hiesiegen
  4. Vorlage: Enstehung
  5. Vorlage: auser
  6. Vorlage: Füher
  7. Vorlage: letze
  8. Vorlage: letzerer


Heft 26 des Voigtländischen Kreises Nach oben Inhaltsverzeichniss
{{{ANMERKUNG}}}
  Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.