Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Unterlosa

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Unterlosa
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aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 195–196
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 294.jpg
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Unterlosa


liegt 11/4 Stunde südlich von Plauen, 1 Stunde nordwestlich von Oelsnitz, am südlichen Fusse des Mohnberges und am Anfang des Taltitzer Baches (richtiger wohl Eyditzbach), in einer nicht unangenehmen Gegend, wo sich im Nord und West das Streit-, Koch- und Fuchsholz, südlich das Huthölzchen verbreiten. Nordöstlich ist Oberlosa nahe, wohin Unterlosa gepfarrt ist und weiter nach Süden steigt der Oberloser Kulm empor.

Vor den Zeiten der Reformation mag wohl Oberlosa und Unterlosa ein Ganzes gewesen sein, was um so mehr anzunehmen ist, da die bekannten Besitzer von Oberlosa sich auch erst aus der Zeit der Reformation datiren.

Nach der Reformation finden wir im Besitze von Unterlosa das alte berühmte Geschlecht derer von Tettau, welche es bis nach dem 30jährigen Kriege behauptet, und auch Planschwitz, Bösenbrunn, Dobeneck, Taltitz, Stöckigt und Oberlosa besessen haben. Erst im Jahre 1650 kam Unterlosa in andere Hände und zwar in die der berühmten alten Familie des Voigtlands, in die der Herren von Thoss.

Im 18. Jahrhundert acquirirte die ebenfalls im Voigtlande nicht unbekannte Neumärker’sche Familie das Gut, von welcher es an die Familie Geigenmüller kam.

Vom Vater erbte es dessen Sohn, Herr Carl Ferdinand Geigenmüller, welcher sehr frühzeitig verstarb und es seinen beiden unmündigen Töchtern hinterliess. Während deren Vormundschaft wurde solches an den Sohn des frühern Amtssekretair Weiss auf Döhlau, an Herrn Ferdinand Weiss verkauft, welcher es dermalen noch besitzt.

Das Herrenhaus ist nicht prächtig zu nennen, aber bequem und comfortabel eingerichtet. Die zum Gute gehörigen Felder und Wiesen sind ergiebig und fruchtbar, die Holzungen in guter Pflege und werden solche in einigen Jahren wieder einen schönen Ertrag gewähren.

Das Areal des Dorfes sammt Rittergut beträgt 1243 Acker 10 Ruth. mit 17,365 Thlr. Steuereinheiten.

Die Bevölkerung besteht in 360 Seelen, welche in 54 Feuerstätten vertheilt sind.

Zum Rittergute gehört eine schöne Schäferei und eine gute Brauerei.

Gerichtsuntergebene hatte es bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation in dem nahen frühern Amtsdorfe Messbach.

In der Nähe des Dorfes ist eine Waldung, die in einer alten Urkunde das Schwarzholz genannt wird, welche aber auf alle Fälle das sogenannte Oberlosaer Schwarzholz ist. Diese Waldung gehörte mit 20 Ackern dem Comthurhofe des deutschen Ordens zu Plauen.

Von Plauen aus führt ein angenehmer Weg über Reinsdorf nach Unterlosa und während der Sommermonate wurde dieser Weg sehr häufig von vielen angesehenen Familien zu Spaziergängen früher benutzt, da im Dorfe Unterlosa selbst noch mehrere angesehene Familien in herrschaftlich eingerichteten Häusern wohnten, wie z. B. die Schuster’sche Familie, von dem der frühere Apotheker Schuster als Landtagsabgeordneter in Sachsen bekannt geworden ist, so auch die Schmidt’sche und die Schicksche Familie.

[196] Alle besassen nebenbei grosse Bauernhöfe, zu denen ergiebige Grundstücke gehörten.

Unterlosa liegt desshalb sehr angenehm, da nach Oberlosa, wo die frequente Strasse von Oelsnitz nach Plauen durchführt nur 1/4 Stunde Entfernung ist und in Oberlosa ein gut eingerichteter Gasthof sich befindet, wo die Bekannten und Freunde der Nachbarschaft stets einen schönen Vereinigungspunkt haben.

Auch Taltitz liegt nicht weit davon entfernt und zwischen Plauen und Oelsnitz liegt es in der Mitte.

Auch Unterlosa hat daher eine gute Absatzquelle bezüglich seiner Naturalien nach Plauen und Oelsnitz.

Ja es wird von Getreide, von Kartoffeln, von Milch und Sahne sogar bedeutende Quantitäten aus den beiden Städten, selbst im Dorfe und im Rittergute abgeholt.

Das Rittergut selbst ist nicht so gross, wie zu Oberlosa, hat aber bessere Felder und Wiesen und in Holzungen steht es dem Rittergute Oberlosa nicht nach. Uebertroffen wird Oberlosa an dem Bau der guten Getreidesorten; vorzüglich ist der Roggen, welcher in Unterlosa gebaut wird, von vorzüglicher Güte.

Ausgezeichnet und berühmt aber in der ganzen Umgegend ist der Ort durch seine schönen, grossen Teiche, worinnen ausgezeichnete grosse Voigtländische Karpfen gezogen werden, die an Geschmack und Güte alle andern übertreffen und den böhmischen in keiner Weise nachstehen.

Der frühere Gutsbesitzer Schick in Unterlosa verstand es vorzüglich Schleien und Spiegelkarpfen zu ziehen, wovon man in den niederen Gegenden keinen Begriff hat. Wenigstens geht dies daraus hervor, wenn man die Köchinnen auf dem Leipziger Markte einkaufen sieht und alle Mal von dem Fischhändler einen kleinschuppigen Karpfen verlangen hört, die im Voigtlande Niemand speist und blos unter dem Namen Schneiderkarpfen bekannt sind.

Die schulpflichtigen Kinder von Unterlosa gehen nach Oberlosa in die Schule, an welcher ein guter Lehrer angestellt ist, wie wir dies schon näher bei der Beschreibung von Oberlosa erwähnt haben.

In der Nähe dieses Ortes, mehr aber nach Oberlosa zu, befinden sich mehrere Gebirgshöhen, z. B. der sogenannte Kemmlerberg, von wo aus man eine reizende Aussicht auf Plauen und in das Elsterthal geniesst, so wie man auf der andern Seite in weiter Ferne Schöneck und die nach Böhmen hin sich ziehenden Gebirge erblickt.

An der Kirche zu Oberlosa, welche bekanntlich Filial von der Kirche zu Plauen ist, predigt der zweite Landdiaconus wechselsweise einen Sonntag und Festtag um den andern.

Unter diesen Predigern ist vorzüglich hier noch M. Georg Samuel Dörffel zu erwähnen und von diesem ein kurzer Nachtrag, welcher eigentlich in die Beschreibung von Oberlosa gehört, hier mitzubringen.

Derselbe hat in der gelehrten Welt einen Namen erworben. Im Jahre 1681 schrieb er eine Disertation de cometa. Veranlasst durch den grossen Kometen des Jahres 1680 stellte er schon vor Newton die Hypothese auf, dass die Bahn jedes Kometen eine Parabel sei, deren Brennpunkt in das Centrum der Sonne falle. Das Verdienst, welches er sich durch diese Idee erwarb, wurde aber erst in der Mitte des vorigen Jahrhunderts anerkannt, wie dies besonders von dem grossen Küstner gesehen. Später hat der unermüdete Mondbeobachter Schröter in Lilienthal Dörffels Andenken dadurch geehrt, dass er ein neuentdecktes Gebirge im Mond nach seinem Namen, den Dörffelsberg nannte.

M. G.