Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Schwand

Textdaten
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Autor: O. M.
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Titel: Schwand
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aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 43–46
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 066.jpg
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Schwand.


Schwand ist eines der grössten Dörfer des Voigtlandes und liegt am Abhange eines Berges. Bei seiner sehr regelmässigen Bauart gleicht der Ort in der Ferne einem Städtchen wozu die hübschen, zum Theil sogar stattlichen Gebäude nicht wenig beitragen. Ungefähr eine Stunde westlich von Schwand zieht sich die Dresden-Plauen-Hofer Chaussee hin, welche freilich seit Entstehung der Sächsisch-Bairischen Eisenbahn unendlich viel von ihrer frühern Frequenz verloren hat. Die nächsten Städte, Plauen, Oelsnitz, Hof, Gefell und Tanna sind sämmtlich von Schwand drei Stunden entlegen, doch tragen sie nicht wenig zur Gewerbsthätigkeit der Einwohnerschaft bei, die aus ungefähr fünfhundert Köpfen besteht. Schwand, dessen gesammte Fluren einen Flächeninhalt von 1193 Ackern 295 Quadratruthen betragen, zählt im Ganzen 80 Feuerstätten, und zwar 35 Güter und und 43 Häuslerwohnungen, welche trotz der verschiedenen Unterthanenverhältnisse ihrer Besitzer nur zu einer Gemeinde gehören. Die Bewohner Schwands sind grösstentheils Maurer und Zimmerleute, die im Sommer in den nahen Städten Arbeit finden, ja selbst zu gleichem Zweck nach Leipzig, Dresden und Berlin wandern, mit dem beginnenden [44] Winter aber in die Heimath zurückkehren, um ihre Ersparnisse der Familie zu bringen. Die Frauen beschäftigen sich hauptsächlich mit Weissnähen, und so kommt es, dass Handarbeiter und Dienstboten hier nur schwer zu erlangen sind und sehr gut gelohnt werden müssen. Der grössere Theil des Dorfes steht unter dem hiesigen Rittergute, der andere Theil unter dem Rittergute Geilsdorf; zwei Häuser gehören zu Chröstau, Kirche, Pfarre und Schule nebst zwei Bauergütern aber in das Justizamt Plauen. – Schwand ist ein uralter Ort. Die Sorben, welche nach den Nariskern das Voigtland bewohnten und den grössten Theil der hiesigen Ortschaften, darunter auch Schwand, gründeten, waren ein Stamm des grossen Slavenvolkes, welches zwischen dem sechsten und zehnten Jahrhundert fast das halbe Europa bevölkerte. Sie gehörten zu dem Stamme der Russen oder Reussen und bildeten unter diesen den Zweigstamm der Tzschoren- oder Tzschorbe-Rewczen oder Schwarzrussen, welchen Namen die Deutschen in Sorben verwandelten. Beweis davon liefern die alten sorbischen Ansiedlungen Reussa (Rewcza) und Rewczig (Reussig) bei Plauen, Rewstw (Reust) im Ronneburgischen, der Retzschbach bei Saalburg und das Dorf Röppisch, sowie auch der Name Greiz, ursprünglich Grewz oder Grouz nichts anderes als Reussengau bedeuten soll. Die Sorben waren ein für damalige Zeiten sehr cultivirtes Volk, das sich nicht nur mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigte, sondern auch Künste und Handel pflegte, wofür die in jener Zeit stattfindende Entstehung der Stadt Zwickau spricht, deren sorbischer Name einen Markt- oder Handelsplatz bedeutet. Besonders geschickt waren die Sorben in der Anfertigung vortrefflicher Leinwand, auch kannten sie die Malerei, Bildhauerei und Giesskunst, wovon viele ausgegrabene Alterthümer zeugen. Sie verstanden ebenso die Kunst Münzen zu prägen, trieben Bergbau und gewannen durch Waschen Goldkörner (aus der Göltzsch, auch besassen sie ein Salzwerk bei dem Dorfe Altensalz. Ein solches Volk konnte natürlich nicht, wie die Narisker, ein Nomadenleben führen, und da ihm ein geselliges Beisammenleben nothwendig war, so entstanden auf der Stelle finsterer Waldungen und schilfbedeckter Niederungen eine Unzahl kleiner Dörfer und Höfe, die fast durchgängig, zum Theil als bedeutende Städte und Rittergüter, dem Namen nach jetzt noch vorhanden sind.

Die Religion der Sorben trug den allgemeinen Charakter des Heidenthums indem sie die göttliche Vorsehung unter dem Bilde einer despotischen Regierung vorstellte. Wohl glaubten die Sorben an einen einzigen Gott, der Himmel und Erde beherrsche, aber neben ihm verehrten sie auch noch eine Anzahl untergeordneter göttlicher Wesen, die aus dem grossen Gott, dem Urprincipe alles Lebens, gleichsam als dessen Söhne, Töchter und Enkel hervorgegangen wären je nach ihrem Range dem Urwesen näher oder entfernter ständen, und seinen Befehlen nachkommen müssten. Allen diesen Göttern bauten sie Tempel oder weihten ihnen Haine wo zu öffentlicher Anbetung und Verehrung sie sich zu versammeln pflegten. Dem Allvater der Götter und Menschen nannten die Sorben Swantowith und ihm verdankt das Dorf Schwand seinen Namen. Hier stand einst im dunklen Haine der Tempel des allgewaltigen Gottes, hier beteten Tausende zu dem mächtigen Wesen in dessen Händen das Geschick der Völker lag, hier sassen die Götter zu Gericht und opferten in heiliger Stille dem Bilde des grossen Gottes. – So blieb es bis zum zehnten Jahrhundert, wo das Banner mit dem Kreuze über die Grenze des Voigtlandes herüberflatterte und das harmlose Sorbenvolk mit Feuer und Schwert zur Annahme des Christenthums gezwungen wurde. Unter der Axt christlicher Kriegsleute stürzten die tausendjährigen Bäume zusammen, deren Aeste das Bild Swantowiths dem Ungeweihten verbargen, die Altäre mit den Bildsäulen der Götter loderten in Flammen auf und mit Thränen des Grimmes und der Wehmuth schleppte der besiegte Sorbe, getrieben von der Peitsche seiner Ueberwinder, Holz und Steine nach der Stätte, die seinem Volke seit Jahrhunderten heilig war, um dort dem von ihm unbekannten und gehassten Gekreuzigten einen Tempel zu bauen. Mit Swantowith, der auch Thor, Jodwt und Zdwt genannt wurde, sanken auch sein Feind und Widersacher Tzschornebog oder der schwarze Gott nebst den vornehmsten Untergöttern Radegast, Flyns, auch Feiltzsch genannt, Triglaf, Zuttibur, Prove der Gott des Ackerbaues, Porevit der Schützer des Handels und Gewerbsfleises und Liko der freundlich lächelnde Gott der Liebe.

Wer das erste Schloss zu Schwand erbaute ist nicht bekannt, jedenfalls that es ein Edelmann des siegreichen Heeres, dem der Kaiser als Lohn für bewiesene Tapferkeit einen Distrikt des eroberten Landes mit einer Anzahl Sorbischer Sklaven schenkte, deren erste Arbeit darin bestand, dem Grundherrn eine feste Burg zu bauen, damit er sie um desto besser im Zaume halten konnte. Gar hart aber war das Loos der unglücklichen Sorben, die als sogenannte „Hörige“ dem Edelmann als Eigenthum zugezählt wurden, jedoch waren viele Sorbische Häuptlinge so klug gewesen beim Herannahen des Feindes mit diesem gemeinschaftliche Sache zu machen und bei der Besiegung des eignen Volkes hülfreiche Hand zu leisten, wofür man sie im Besitz ihres Eigenthums liess und ihnen nach Annahme des Christenthums gleiche Rechte mit den Edlen deutscher Abkunft bewilligte. Die Hörigen waren vollständig der Willkühr ihrer Herren preisgegeben, die nicht nur das eigne Feld von den Unglücklichen bestellen und aberndten liessen, sondern auch einen Theil des Ertrags der ihnen überlassenen Aecker oder sonstigen landwirthschaftlichen Producte beanspruchten, und dabei über Leib und Leben der armen Leute gebieten konnten. So war es sehr natürlich dass die Sorben verschiedene Male sich mit Gewalt von den angelegten Fesseln befreien wollten, aber alle Anstrengungen blieben vergeblich, und die misslungenen Befreiungsversuche verschlimmertni ihr Sklaventhum nur um so mehr. Erst als einige Generationen abgestorben waren, vergassen die Sorben die einstige Macht ihrer Väter und fügten sich dergestalt Deutscher Sitte, dass ihre Nationalität gar bald im Deutschthum völlig unterging.

Der erste Besitzer von Schwand, welchen eine Urkunde nennt, ist Conrad von Geilsdorf, dem auch Tirbel und Pirk gehörte, welcher im Jahre 1373 den Verkaufsbrief Heinrichs des Rothen von Plauen über Hof an den Burggrafen Friedrich von Nürnberg als Zeuge unterschrieb. Heinrich von Geilsdorf besass das Gut im Jahre 1402 und Kunz von Geilsdorf 1438. Jahn von Geilsdorf auf Schwand gehörte zu den Edelleuten, welche sich wegen der Willkührherrschaft des Burggrafen zu Meissen und Herrn zu Plauen, Heinrichs II. gegen diesen auflehnten, und seinen Sturz befördern halfen. John von Geilsdorf starb um das Jahr 1480 und sein Sohn Johann von Geilsdorf besass Schwand noch 1510, wo er eine zwischen Veit von Röder und Ludwig [45] von Sparneck abgeschlossene Verkaufsurkunde über eine Waldung unterzeichnete. Das Jahr seines Todes ist unbekannt, er war indessen der letzte Herr von Geilsdorf auf Schwand, das er seinem Vetter, Urban von Feilitzsch, und zwar noch während seiner Lebenszeit überliess. Dieser Urban von Feilitzsch vermählte sich mit Catharine von der Planitz und starb erst 1580 hundert Jahre alt auf seinem Schlosse Kürbitz. Nach ihm besass Schwand Christoph von Feilitzsch, Urbans Sohn, vermählt mit Marie von Zedtwitz auf Neuberg und gestorben am 25. April 1606. Von seinen vier Söhnen erhielt Schwand Hans Sigismund von Feilitzsch, gestorben 1632, und nach ihm kam das Gut an Urban Caspar von Feilitzsch, seinen Neffen der 1689 mit Tode abging. Ernst Christoph von Feilitzsch lieh im Jahre 1706 seinem Bruder Daniel 12000 Gulden widerkäuflich auf das Gut Schwand. Dieser war der letzte Feilitzsch auf Schwand, nach ihm gehörte das Gut dem Grafen Johann Ernst von Tettenbach, Freiherrn und Bannerherrn zu Gannewitz, der auch Geilsdorf, Tirbel und Pirk besass 1783 starb und die Voigtländische Linie der Grafen von Tettenbach beschloss, nachdem sein einziger Sohn und Enkel sich aus dem Lande gewendet hatten. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts kam Schwand, das 1755 schriftsässig wurde, an die Familie von Beulwitz, 1769 gehörte es dem Kammerjunker Heinrich Erdmann von Beulwitz, später dem Lieutenant Ferdinand Carl Wilhelm von Beulwitz. Der jetzige Besitzer ist Herr Oberlieutenant Philipp von Beulwitz.

Die Kirche zu Schwand soll in frühester Zeit eine Kapelle der unweit entfernten jetzt zum Rittergute Geilsdorf gehörigen Wallfahrtskirche Burgstein gewesen sein, deren Ruinen, ihrer schönen altgothischen Bauart und herrlichen Lage wegen sehr häufig besucht werden. Die Kirche zum Burgstein kommt bereits im fünfzehnten Jahrhundert vor, nirgends aber geschieht einer in ihrer Nähe gestandenen Burg Erwähnung, weshalb diese Behauptung in den Bereich der Volkssagen gehört. In einem Lehnbriefe vom Churfürsten Friedrich und Herzog Johann (1515) an Nikol Sack auf Geilsdorf, wird des Burgsteins nur als eines Kirchlehns mit seinen Gütern gedacht, er war der Maria gewidmet und ein Filial von Krebes. Im Jahre 1489 hatte der Bischof von Bamberg die Absicht den Burgstein zur Pfarrkirche zu erheben und dem Herrn von Sack auf Geilsdorf das Patronat darüber zu verleihen, auf Bitten des Pfarrers zu Krebes, Hans Seitzens, aber und durch Mitwirkung der fürstlichen Brüder Friedrich und Sigismund von Brandenburg-Culmbach unterblieb es. Später jedoch kam der Burgstein dennoch von Krebes ab und als Filial nach Geilsdorf, wie solches die Visitationsacten von 1546 beweisen, wo es von der Pfarre zu Geilsdorf heisst: „sie hat einzukommen zweiunddreissig Gulden von der Kirche zu Burgstein“. Ferner wird in den Acten gesagt: „Und da diesem Pfarrer von dem Markgräflichen Pfaffenscheffel keine Hilf geschieht, so soll die Pfarre abgehen. Gutenfürst gegen Misslareuth, Krebes und Kemnitz vererbet, verkeuft oder ausgethan, und dem Pfarrer zu Schwand die Nutzung davon gegeben werden. Dagegen soll derselbe Pfarrer zu Schwand ein Pferdlein halten und dieselben Dörfer mit allem Gottesrecht versorgen. So ist auch mit Heintzen von Feilitzsch (auf Kemnitz) verschafft, dass er dieser Pfarr die wüste Herberg und den alten Hoff zu Kemnitz die ehevor zu der Pfarr Krebes gehört, unverhindert folgen lassen wollte.

Für obige Behauptung, dass die Kirche zu Schwand vormals eine Kapelle gewesen sei, spricht die Bauart derselben, indem der vordere Theil, in welchem sich Kanzel, Altar und Chor befinden, vom Schiffe der Kirche durch einen gewölbten Bogen getrennt ist, und auch der Baustyl des letztern deutlich wahrnehmen lässt, dass die einstige Capelle durch einen Anbau, wahrscheinlich bei Einführung der Reformation, vergrössert ward. Das Innere des Gotteshauses ist zwar für die zahlreiche Gemeinde ziemlich beschränkt, jedoch freundlich und hell. Der Altar ist mit alten Holzschnitzereien geziert, wobei ein Marienbild mit dem Christuskinde, daneben zwei Bischöfe mit Hirtenstäben, und darunter Christus mit den zwölf Aposteln. Vor dem Altar befinden sich einige Grüfte, worin vormalige Rittergutsbesitzer und deren Angehörige begraben liegen, doch sind die Steinplatten, welche sie decken, dergestalt abgetreten, dass man keine Inschrift erkennen kann; nur einer ist wohlerhalten, unter dem ein Herr von Feilitzsch ruht. Das Erbbegräbniss der Familie Beulwitz befindet sich unter der herrschaftlichen Capelle.

Die Collatur über Kirche und Schule zu Schwand übt das Ministerium des Cultus und öffentlichen Unterrichts aus. Seit den frühesten Zeiten stand die Parochie unter der Ephorie Plauen: denn zu den Kirchenlehen, welche der Orden der Deutschherren in der Nähe dieser Stadt besass, gehörte auch das zu Schwand. Trotzdem aber geht aus dem Kirchenbuche hervor, dass mehrere Pfarrherren und Schulmeister zu Schwand ihre Vokationen vom Superintendenten der Ephorie ausgestellt erhielten, was sich vielleicht nach einer im Voigtsberger Amtsbuche befindlichen Nachricht erklären lässt, in welcher es heisst: die Stifter der Pfarre zu Oelsnitz sind gewesen der lange Voigt und Herr zu Voigtsberg. Diese Pfarre geht bei meinem gnädigsten Herrn zu Lehn, hat fürdes diese der Pfarre Gerechtigkeit Lehn zu leihen, nämlich die Pfarre zu Marieney, die Pfarre zu Arnoldsgrün im Amte Voigtsberg und die Pfarre zu Schwand im Amte Plauen gelegen. – Das Vermögen der Kirche ist sehr gering und die Pfarrholzkasse enthält 120 Thaler, deren Zinsen der Pfarrer bezieht, auch empfängt er aus dem Kirchenärar 9 Thaler 16 Groschen 3 Pfennige als Besoldung. Das Pfarramt gehört zu den geringstbesoldeten des Landes, da es kaum 300 Thaler einträgt, wobei die Nutzung des Pfarrgutes, das achtzehn Acker Flächenraum enthält, hinzugerechnet ist. Der Pfarrwald hält zwei Acker und liefert dem Pastor zwei Klaftern weiches Scheitholz mit Abraum und Stöcken als Deputat. Die Parochie und der Schulbezirk bestehen aus dem Dorfe Schwand, fünf Häusern des in dem wildromantischen Thale des Ruderitzbaches gelegenen Dorfes Ruderitz und dem sogenannten Berghause. Die Schule besuchen ungefähr hundert Kinder.

Zum Schluss erwähnen wir noch den etwa fünf Minuten von Schwand entlegenen Wachthübel, eine Höhe, die ihren Namen im Hussitenkriege empfing. Hier spähten die Einwohner der nahen Ortschaften nach anrückenden feindlichen Schwärmen um ihnen durch Flucht in die Wälder zu entgehen oder wenn die Zahl der Feinde es gestattete ihnen mit gewaffneter Hand entgegen zu treten. So gefährlich ein solcher Angriff auch immer war, und obgleich oft die traurigsten Folgen für das Dorf daraus entstanden, trieben Wuth und Rache die Landleute doch sehr oft zu derartigen Verzweiflungskämpfen. So überfiel im Jahre 1430 eine Streifpatrouille der Hussiten das Dorf Möschwitz, die Einwohner aber hatten bald erkannt, dass dieselbe sehr schwach sei, deshalb griffen sie mit ihren schleunigst herbeigerufenen Nachbarn [46] aus Pöhl und Helmsgrün zu den Waffen und überfielen die blutdürstigen plünderungssüchtigen Gäste in dem Augenblicke, wo sie in das Rittergut eindrangen. Die Hussiten wehrten sich mit der Tapferkeit alter eisenfester Soldaten, aber ehe eine halbe Stunde vergangen war, lagen sie sämmtlich todt darniedergestreckt und wurden in einem nahen Busche verscharrt. Obgleich das Hussitenheer nur zwei Stunden entfernt lagerte blieb dieser Act der Nothwehr doch ungerächt und die Bauern durften sich ihres Sieges freuen.

Auch im dreissigjährigen Kriege diente der Wachthübel als Beobachtungspunkt und scheint sogar zu militärischen Zwecken benutzt worden zu sein, indem man auf seinem Rücken noch Spuren eines Erdaufwurfs, wahrscheinlich einer Verschanzung, bemerkt. Uebrigens geniesst man von hier eine herrliche Fernsicht, wobei das alte Schloss Voigtsberg, die Städte Oelsnitz, Schöneck und andere vorzüglich in die Augen fallen; am Horizonte aber erheben sich die Höhen des Fichtelgebirges. –


O. M.