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aus Pöhl und Helmsgrün zu den Waffen und überfielen die blutdürstigen plünderungssüchtigen Gäste in dem Augenblicke, wo sie in das Rittergut eindrangen. Die Hussiten wehrten sich mit der Tapferkeit alter eisenfester Soldaten, aber ehe eine halbe Stunde vergangen war, lagen sie sämmtlich todt darniedergestreckt und wurden in einem nahen Busche verscharrt. Obgleich das Hussitenheer nur zwei Stunden entfernt lagerte blieb dieser Act der Nothwehr doch ungerächt und die Bauern durften sich ihres Sieges freuen.

Auch im dreissigjährigen Kriege diente der Wachthübel als Beobachtungspunkt und scheint sogar zu militärischen Zwecken benutzt worden zu sein, indem man auf seinem Rücken noch Spuren eines Erdaufwurfs, wahrscheinlich einer Verschanzung, bemerkt. Uebrigens geniesst man von hier eine herrliche Fernsicht, wobei das alte Schloss Voigtsberg, die Städte Oelsnitz, Schöneck und andere vorzüglich in die Augen fallen; am Horizonte aber erheben sich die Höhen des Fichtelgebirges. –


O. M.     




Coschütz.

Nahe bei Elsterberg liegt das Rittergut Coschütz, welches fast lediglich aus herrschaftlichen Gebäuden besteht, bei dem sich acht Häuser mit etwa sechszig Einwohnern befinden. Es gehören dazu die Ganstmühle, eine Schäferei, eine Ziegelei und Antheile der Dörfer Losa, Brockau und Kleingera mit zusammen ungefähr dreihundertfünfzig Unterthanen.

Coschütz dankt seine Entstehung den Sorben, und ist somit ein uralter Ort. Der Name bedeutet soviel als „Niederlassung des Wanderers“. In den ersten Jahrhunderten nach der Unterjochung des Slavenvolkes hauste auf Coschütz das adlige Geschlecht derer von Coziz, die später auch in den Schönburgischen Landen ansässig waren und bei den Grafen in hohem Ansehen standen, doch gehörte das Gut im vierzehnten Jahrhundert den Herren von Elsterberg, die es bis zum sogenannten „Voigtländischen Kriege“ besassen. Die drei Sächsischen Fürsten Friedrich der Strenge, Wilhelm und Balthasar, welche damals die Meissnisch-Thüringischen Länder gemeinschaftlich beherrschten, hatten zugleich mit Kaiser Karl IV. Ansprüche an die Voigte von Plauen, namentlich die Reuss-Plauensche Linie, erhoben, die grössten Theils gänzlich unerwiesen und ungerecht waren, da man hier aber eine treffliche Gelegenheit fand die emporstrebenden Voigte zu demüthigen, so traf der Kaiser mit Markgraf Friedrich dem Strengen auf der Lausitzer Grenze persönlich zusammen, um über die Mittel zur Unterdrückung der Reusse zu berathen. Es wurden alte vergessene Dinge hervorgesucht, von denen man wusste, dass die Reusse ausser Stande waren, darüber Aufschlüsse zu geben, namentlich in Bezug auf die ehemalige Vormundschaft und Regentschaft Heinrichs des Kleinen in Meissen und Thüringen. Heinrich der Kleine war todt und sein Sohn Friedrich sollte über des Vaters Thun Aufschlüsse geben, man wusste indessen recht gut, dass ihm dieses unmöglich war, und die kaiserlichen und markgräflichen Quittungen, welche er vorzeigte, erklärte man für ungültig. Meissen schuldete dem Reuss seit 1332 eine Summe von 2500 Schock Groschen, wofür ihm die Schlösser Auma, Triptis und Ziegenrück verpfändet waren, jetzt verlangten die Markgrafen die Schlösser zurück und stellten auch noch lehnsherrliche Ansprüche auf die Reussischen Besitzungen, welche sie, wie die der Herren auf Elsterberg, Weida und Gera von sich abhängig machen wollten.

Friedrich von Plauen sah kein anderes Mittel seinem Untergange vorzubeugen, als den mächtigen Feinden mit Waffengewalt entgegenzutreten, und das war es, was man wünschte, denn nun trat auch der Kaiser offen gegen den Reuss auf mit der Beschuldigung dass er den Adel aufhetze und feindlich gegen das Oberhaupt des Reiches gesinnt sei. Ohne sie vor ein Reichsgericht zu stellen, erklärte Karl die Plauen beider Linien und ihre treuen Anhänger, die von Elsterberg, in die Acht, und bald zog ein Böhmisches Heer in Verbindung mit den Söldnern der Reichsstädte Erfurt, Nordhausen und Mühlhausen heran, befehligt von den Markgrafen von Meissen. Die Reusse von Gera und Weida erklärten jetzt schleunig ihre Neutralität und bald sah sich Friedrich mit dem Plauen älterer Linie und dem von Elsterberg, dem mächtigen Feinde gegenüber allein. In kurzer Zeit waren alle Güter der Verbündeten im Besitze der Markgrafen. Ein Haufe Böhmischer und Reichsstädtischer Kriegsleute belagerte unter der Anführung eines Grafen von Hohenstein das Schloss Elsterberg, welches der junge Busso von Elsterberg mit einer tapfern Besatzung ritterlich vertheidigte. Erst nach langer Gegenwehr wurde die Burg erstürmt, Busso nebst zwölf Edelleuten gefangen und nach dem Marktplatze des Städtchen Elsterberg geführt, wo man ihnen, als der Acht Verfallenen, ohne Weiteres die Köpfe abschlug. Das Schloss brannte man nieder. In Folge der vielfachen Greuelthaten, welche das Exekutionsheer verübte, ergaben sich auch bald die übrigen Reussischen Städte und Schlösser, darunter Voigtsberg mit Oelsnitz. Nach langen Verhandlungen wurde die Fehde durch einen Frieden geendigt der zur völligen Zufriedenheit des Kaisers und der Markgrafen ausfiel, indem er dem ritterlichen Reuss den grössten Theil seiner Besitzungen und Hoheitsrechte kostete.

Mit den übrigen Elsterbergischen Besitzungen fiel nach der Hinrichtung des Ritters Busso auch Coschütz als offnes Lehn an Meissen, doch finden wir, nachdem das Schloss Elsterberg sich wieder aus der Asche erhoben hatte, bald darauf abermals einen Sprössling des Hauses Lobdaburg in deren Besitz.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 46. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/70&oldid=2951514 (Version vom 10.11.2016)