Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Reussa

Textdaten
<<< >>>
Autor: S.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Reussa
Untertitel:
aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 39–40
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: SLUB DresdenCommons
Kurzbeschreibung:
{{{SONSTIGES}}}
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[Ξ]
Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 059.jpg
[39]
Reussa.


Das Rittergut Reussa liegt dicht an der Stadt Plauen. Zu ihm gehören ausser dem Dorfe Reussa vier Häuser, die Sorge genannt, ein Theil von Tauschwitz, die Teichmühle, Theile von Gross- und Kleinfriesen, Neuensalza, Schloditz, Theuma und Voigtsgrün, das Dorf Dürrgrün und die Rangmühle mit zusammen etwa fünfhundert Einwohnern.

Wann Reussa gegründet wurde ist nicht bekannt, doch war es bereits im dreizehnten Jahrhundert vorhanden und auf dem Schlosse sassen Edelleute, welche bei den mächtigen Grafen von Eberstein zur Lehn gingen. Als die deutschen Ordensritter mit Bewilligung des Grafen von Eberstein, 1214 auf schlaue Art in den Besitz der Kirche und Seelsorge im Eberstein’schen Gebiet gelangt waren und ihre energische Wirksamkeit für die völlige Ausrottung des slavischen Heidenthums und die allgemeine Einführung der Christuslehre begann, entstanden eine ziemliche Anzahl christlicher Gotteshäuser, welche der sehr bald zu Ansehn und Reichthum gelangte Deutschherrenorden angemessen dotirte. Zu diesen ursprünglich kleinen und unansehnlichen Capellen gehörte auch ein Kirchlein zu Reussa, welches, jetzt gänzlich verfallen, später nur als Begräbnisskapelle benutzt und von einem Caplan der Hauptkirche zu Plauen versehen wurde.

Als Besitzer Reussas kommt urkundlich zuerst Herman von Rabe vor, der 1382 zu Mühldorf bei einer Schenkung zu frommen Zwecken als Zeuge gegenwärtig war. Hans von Rabe auf Reussa gehörte nebst einer Anzahl benachbarter Edelleute zu der tapferen Besatzung des Plauenschen Schlosses Hradschin, welche allen Stürmen der fanatischen Hussiten erfolgreichen Widerstand entgegensetzte. Aber das Schloss barg einen Verräther. Der Ritter von Ratschauer, welcher die Besatzung kommandirte, liess sich durch das Anerbieten einer grossen Summe Geldes bestimmen dem ergrimmten Feinde das Thor des Hradschin zu öffnen, und am Morgen des Peter-Paultages 1430 drangen die Hussiten in das Schloss. Die ganze zweitausend Mann starke Besatzung wurde niedergehauen, unter den ersten Opfern der Hussitischen Wuth befand sich jedoch auch der verrätherische Commandant, dem ein Anführer des Feindes unter der Wölbung des Thores mit einem Streitkolben das Haupt zerschmetterte. Nachdem die Besatzung ermordet war demolirten die Hussiten das Schloss und zogen mit unermesslicher Beute beladen über Oelsnitz nach Hof, beide Städte gleichfalls dem Verderben opfernd, und alsdann nach Franken und Baiern. Die Edelleute, welche im Hradschin zu Plauen ihren Tod fanden waren Otto von Röder auf Rodersdorf, Conrad von Röder auf Leubnitz, Conrad von Röder auf Pöhl, Hans von Rabe auf Reussa, die Bruder Hans und Jahn von Magwitz, Hans von Possegk, Wilhelm von Milaw, Herrmann von Kopp, Hans von Pöllnitz, Heinz Rumpf von Mossbach und Conrad von Mölsdorf.

Im Jahre 1465 wird Heinz Rabe auf Reussa (Rewsza) genannt. Er schenkte dem Kloster Kronschwitz die Lehn über einen Bauerhof zu Grossfriesen und dessen jährliche Zinsen von drei Hühnern und zwei Scheffeln Hafer, damit solches „di fromen Junkfrawen czum ermelten Convent vmb Gots wilen mit jenigen gebett vor mein arm sel vnd czu troste vnd Erkikung meiner eldern und nachkommen selen bass vormerken. Dess sein geczewgen di erbarn mannen Bartel von Reynstorf; Dittrich von Langenhessen mein schweher; Melchier von Salcze dem Nawen vndt der wirdige Er Erhardt pfarher czu Theyman“. Sein Tod erfolgte um das Jahr 1480 denn zu dieser Zeit empfing die Lehn über Reussa, Schneckengrün und Schloditz Hans von Rabe, des alten Heinz Rabe auf Rewsza Sohn. Das Todesjahr dieses Besitzers von Reussa ist nicht bekannt. Vielleicht lebte er noch im Jahre 1545, wo zur Zeit eines Hans von Rabe nahe bei Reussa die adeligen Junker Volkmar von Rüther, Thomas Joachim von Zedtlitz, Walther von der Mosel, Hans von Trützschler und Adam von Röder auf der Strasse angefallen und niedergeschossen wurden. Die Mörder sowie die Veranlassung zu dieser Blutthat giebt das gleichzeitig geschriebene Manuscript, dem wir dieses Ereigniss nacherzählen, nicht an. Heinrich von Rabe auf Reussa lebte 1577 und Christian von Rabe 1603. Er scheint der letzte Besitzer Reussas aus der Familie von Rabe gewesen zu sein, denn von 1639 bis 1648 gehörte das Gut Christian von Winkelmann, bei dessen Familie es sich noch 1692 befand. Zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts gehörte Reussa dem Oesterreichischen General-Feldmarschall-Lieutenant Heinrich Ferdinand von Müffling, auch Weiss genannt, der auch Oberlossa besass, das prächtige Schloss zu Reussa an der Stelle des alten, noch von dem Rabe’s erbauten burgartigen Gebäudes aufführen, und eine neue Begräbnisskapelle errichten liess. Er fand am 28. August 1737 seinen Tod in Ungarn bei einem Gefecht gegen die Türken.

Zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts hob sich ganz besonders der Flor der Plauenschen Musselin-Manufacturen, wodurch einzelne Kaufleute zu grossen Reichthümern gelangten und bald die um Plauen gelegenen grösseren Rittergitter an sich kauften. So erwarb Imanuel Haussner Neudorf mit Strassberg; Friedrich Haussner Kauschwitz, Eichhorn, Libau, Hartenstein, Oberlossa; Gottlob Schmidt Schneckengrün und Untermarxgrün und Johann Christian Merz das Schloss und Gut Reussa. Merz liess in dem Schlosse eine Spinnmaschine errichten. – Nach Merz besass Reussa der Kaufmann Schmidt; der jetzige Eigenthümer ist Herr Dr. L. Schneider zu Plauen.

Was Reussas Schicksale anbetrifft so theilte es dieselben fast immer mit dem nahegelegenen Plauen, und wurde, wie dieses auch 1430, von den Hussiten eingeäschert. Als im Jahre 1524 der thüringische Bauernaufstand losbrach, verbreitete sich derselbe auch über das Voigtland und furchtbar war die Rache, welche für den erlittenen Druck die aufgeregten Bauern an ihren Grundherren ausübten. Güter und Schlösser, Klöster und Kirchen brannten sie nieder, der Adel, ohne Rücksicht auf Alter oder Geschlecht wurde ermordet oder scheusslich misshandelt, die Mönche starben unter den schrecklichsten Qualen und mit den Nonnen trieben die rohen Rebellen den schändlichsten Muthwillen. Der in Plauens Umgegend wohnende Adel floh erschrocken hinter die festen Mauern der Stadt, bald aber war dieselbe von Bauernhaufen umzingelt, welche die nahen Edelhofe anzündeten und einen Angriff auf Plauen [40] versuchten, der indessen misslang. Die Aufrührer begannen nunmehr die Stadt zu blokiren, wobei sie auch das von der Stadt etwas abgelegene Schloss Dobenau zerstörten, welches dem deutschen Orden gehörte. Namentlich zeichneten sich durch ihre Wuth die Bauern von Theuma, Oberlossa and Unterlossa aus, deren Dörfer unter dem deutschen Orden standen, und noch nach Jahrhunderten hörte man im Voigtlande um einen grossen Lärm zu bezeichnen das Sprichwort: „es ist Theuma und Lossa auf!“ Theuma verlor als Strafe für den Aufruhr seine früher besessene Marktgerechtigkeit. – Als die empörten Bauern endlich Truppen anrücken sahen zogen sie sich von Plauens Mauern zurück, wurden aber bei Possig eingeholt und angegriffen wobei 7000 ihren Tod fanden. Die Schlacht bei Frankenhausen und Thomas Münzers Gefangenschaft machten dem Bauernkriege ein Ende, nachdem einige Hunderttausende dieser Elenden unter den Händen der Kriegsleute oder auf dem Schaffot gestorben waren. – Auch der dreissigjährige Krieg lastete hart auf hiesiger Gegend. Da die Städte des Voigtlandes nur mit schwachen Besatzungen unter dem Namen Defensionern versehen waren und deshalb dem Feinde keinen erheblichen Widerstand entgegen zu setzen vermochten, so wurden sie fast immer eine leichte Beute des Feindes. Fürchterlich hauste in Plauen und dessen Umgegend der berüchtigte kaiserliche Generallieutnant Holke, welcher die nahen Dörfer ausplündern und fast gänzlich verwüsten liess. Fast noch unmenschlicher betrugen sich 1640 die Schweden. Auch der Napoleonische Krieg hat viel Elend über hiesige Gegend gebracht. Die Pest herrschte hier in den Jahren 1575, 1582, 1631, 1632, 1644 und 1682.

S.