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gemeinten Zeit noch kein „von“ vor ihrem Namen geführt. – 1801 hat das Gut (ohne Voigtsgrün, aber mit seinem Drittel von Pechtelsgrün) 432 Consumenten angegeben. Das übrigens zu Plohn gehörige Pechtelsgrün hatte 1858 in 56 Häusern 302 Bewohner, welche starke Pechsiederei treiben. 4 Grundstücke seiner Flur lehnen Herrn v. Metzsch wegen der Reichenbacher Commende.

Kauschwitz (S. 142 d. A.) hat seinen Namen offenbar von dem slawischen Worte für dampfen, rauchen, und könnte also durch Branddorf übersetzt und so gedeutet werden, dass man für dessen Anlage ein Stück Urwaldes hinweggebrannt –, oder auch so, dass man es auf einer Brandstätte angelegt habe; letzternfalls müsste zuvor ein Ort andern Namens da gestanden haben. – Das Dorf enthielt 1834 in 62 Häusern 346 –, 1858 zwar in 65 Häusern 391 Seelen, war aber doch in letzter Zeit etwas zurückgegangen; es raint mit Zwoschwitz, Schneckengrün, Syrau, Jössnitz und einigen Plauischen Stadtgütern; seine nur mässig tragbare Flur hat zur mittlen Seehöhe 1383 Fuss, übersteigt also die Plauische um 131 Ellen.

Das Rittergut gab 1801 in seinem Sprengel, über den es die volle Gerichtsbarkeit bis in den Mai 1856 behielt, erst 309 Consumenten an; 134 gehörten dazu in Steinsdorf, Syrau und Zwoschwitz je 1 Haus, eben so in Mehltheuer und Drochaus, dagegen 4 in Hundsgrün, 2 in Oberpirk (wofür im Album wiederholendlich Oberzirk steht) und 53 in Kauschwitz selbst. Woher diese sonderbare Zersplitterung der 8 Orte gekommen, ist unbekannt.

Das Gilt steuert nach 33584/5 Einheiten, eingerechnet den nordöstlich am Holze vor Jössnitz gelegenen Thannhof.

Selbstverständlich ist S. 143, Z. 3. das 5te Jahrhundert zurückzuweisen, und Z. 9 ist bei dem Worte „Vorwerke“ daran zu denken, dass das so übersetzte Wort im Mittelalter auch dasselbe bezeichnete, was später ein amtsässiges Rittergut hiess. – Z. 15 ist die Jahrzahl 1515 falsch, indem Johann Friedrich erst 1503 geboren war. Unter „Henos“ hat man sich „Hannus“ zu denken, welchen Namen manche über die Grammatik erhabene Edelleute der Vorzeit aus Hanns oder Johannes gebildet haben. – Z. 3 v. u. wolle man die Worte „in Lehn“ streichen.

1317 erscheint Jan v. Kuschewitz als Vasall des Plauischen Voigtes. – Wer derjenige Eberhard v. Kauswitz gewesen, der 1374 als ein „Herr“ vorkommt, ist unbekannt. Sollte er nicht vielleicht das Haupt in einer Elsterbergischen Nebenlinie der Lobdeburger Dynastie gewesen und somit auch die oben berührte Zersplitterung vieler Orte zu erklären sein? Das Geschlecht v. Kuschwitz hat man besonders von dem v. Kaschwitzischen in der Gegend von Gera zu unterscheiden. – 1428 war das Gut getheilt, so dass sowohl Hanns Rössnicz, als Niklas Beler (d. h. Nicolaus v. Pöhl) Besitzer waren.

Das nach sonstiger Verfassung altschriftsässig und landtagsfähig gewesene Rittergut ist längst allodificirt, besitzt die Collatur bei der Kauschwitz-Zwoschwitzer Schule, und kam 1857 gegen eine Summe an Herrn Ludwig Schäffer. Es gehörte vor 320 Jahren derjenigen v. Tettauischen Linie, welche ausser Syrau auch Schillbach, Mechelgrün und Neuensalz besass. – 1576 hatte Kauschwitz Jobst Heinrich von Watzdorf auf Jössnitz, Röttis und Syrau; 1725 der Appellationsrath v. Watzdorf, dessen Erben es aber veräusserten. Unter diese gehörte der Oberhofrichter zu Leipzig, welchen P. Richter in seinem Buche über Mühltrof ziemlich schwarz malt.

Die 6 Häuser auf der sogenannten Schützenwiese unterliegen der Syrauer Herrschaft; ebenso 1 Halb- und 1 Viertelhüfner dem Amte Plauen. Das hiesige Rittergut hat Lehnleute in Syrau, wie hinwiederum das Syrauische in Kauschwitz. Gerichtlich gehören jetzt die meisten der hiesigen Herrschaft unterthänigen Ortstheile unter das Amt Elsterberg. – Kauschwitz hat für den Bau der nahen Eisenbahn um etwa 3500 Thlr. Landes verkauft. – Am Tannhofe sind jetzt schon einige Häuser angesetzt, und es bereitet sich hier ein neues Dorf vor. Nahe dabei steigt die Platte an, welche weiterhin 1444 Fuss Seehöhe erreicht. – Das Rittergut, welches auch Ziegel- und Kalköfen hat, litt 1834 sehr durch denselben Wolkenbruch, der für Plauen so verderblich ward; dabei bildete sich eine Wasserhose, welche hier ein 15 Ellen tiefes Loch ausgewirbelt hat.

Zu Anfang der 2ten Spalte auf S. 144 setze man: „v. Wietersheim. Die daselbst erwähnte Holzmühle unterliegt dem Rittergute. In diesem ist 1759 der K. Hausminister und Generaladjutant Karl Friedrich Ludwig von Watzdorf geboren worden, der 1841 als Generallieutenant gestorben. – Hinsichtlich des Namens ist nachholendlich zu erwähnen, dass man ihn auch von den slawischen Worten für den Buchweitzen und für ein Versteck hergeleitet hat; aber ersterer wird vielleicht nie hier gebaut worden sein, und der Ort liegt nicht versteckt.

Kemnitz (S. 118 d. A.) bedeutet nach dem Slavischen s. v. a. Steinbach, und es mag auch wohl in dem (1 Stunde westsüdwestlich von hier am Misslareuther Galgenpöhl quellenden) Kemnitzbache ursprünglich nicht an Steinen gefehlt haben, bis man sie unterhalb des Dorfes zum Behuf des Flössens möglichst entfernte.

Kemnitz liegt 3 Stunden westlich von Oelsnitz; die ihm nächsten Städte aber sind das preussische Gefell, 11/2 Stunde in Westen, und das reussische Tanna, 2 Stunden im Nordwesten. Alle mit Kemnitz rainende Orte: Gutenfürst, Grobau, Reinhardswalde, Dehles, Schwand und Krebes, unterliegen zwar gleichfalls dem Amte Plauen – gleichwohl sind die bayrischen, reuss-schleizischen und preussischen Grenzen in der Nähe. – Wiemann giebt der Kirche 1554 Fuss Höhe; die Eisenbahn erreicht dagegen in südlicher Nahe, an der bayrischen Grenze, 1697 Fuss, wobei wir 1367 Fuss über der Connewitzer Bahnbrücke meinen. Die mittle Flurhöhe beträgt 1595 Fuss, unter bedeutender Variation und theilweis ziemlich rauher Lage; dagegen geniesst man schöner Fernsichten. Wird jedoch in dieser Beziehung vom Album das Fichtelgebirge erwähnt, so ist wohl nicht das – vermöge des Schneeberges und Ochsenkopfes ohnediess schon angedeutete fränkische, sondern das Wiesenthaler Gebirge gemeint, wo man auf dem böhmischen Keil- und den sächsischen Fichtelbergen den Kandelhof, aber auch über das Misslareuther Gebirge hinweg noch den Kulm u. a. Höhen des Lobensteiner Saalwaldes sieht.

Der zu Geilsdorf gehörige Kandelhof wurde unter diesem Gute schon besprochen; eben so Burgstein, dem jedoch hier noch einige Worte mögen gegönnt werden. Das Oertchen begreift nebst der von der Kemnitz getriebenen Kien- oder Kühnmühle 6 zu Ruderitz catastrirte Nummern, und liegt auf einer Höhe, Schwand schief gegenüber, südöstlich unterhalb Kemnitz.

Kemnitz zählte 1834 30, 1858 31 Häuser, damals 166, jetzt 182 Seelen, wie denn überhaupt dieser Theil des Voigtlandes hinsichtlich der Bevölkerung die meiste Stabilität in Sachsen aufstellt. Es ist jetzt nicht mehr nach Krebes, sondern (wie Reinhardswalde) nach Dehles geschult; dagegen blieb Gutenfürst bei der Krebeser Schule.

Das Rittergut steuert nebst seinem besondern Schäfereihofe nach 40421/7 Einheiten, hat zwar 3597/12 Acker (meist kargen) Bodens, wurde aber 1854 nur auf 24066 Thlr. taxirt, und gehört somit keineswegs zu den Mittelgütern. Bis in den October 1855 besass es die Erbgerichte (denn die Obergerichte hatte das Amt) über 3/4 von Kemnitz selbst (denn etwa 1/4 gehört zu Gutenfürst,) über sein eignes kleines Vorwerk in Dehles, über 3 Güter und 1 Häusler daselbst, über 2 Güter in Reinhardswalde und 1 in Ruderitz, zusammen 1801 über 142 Consumenten. Lehnweise kommen hierzu noch Flurtheile zu Messbach, Kürbitz und Kröstau. Das Gut entbehrte früher als amtsässig der Landtagsfähigkeit, hat die Allodialqualität, und gehört seit 1855 dem (nicht königl. sächs.) Kammerherrn Ernst Heinrich Georg v. Feilitzsch.

Eine interessante Frage für des Gutes Geschichte betrifft jenes „Gut Caminice in Sachsen,“ welches der Bamberger Bischof Otto von Andechs 1135 dem von der Henneberger Gräfin Luitgarde gestifteten Mönchskloster Vessra bei Suhl schenkte. Dass „Sachsen“ in der Urkunde das ganze Land jenseits der Süd- und Nordgermanien scheidenden Gebirge bedeute und also auch das Voigtland begreife, darüber kann kein Zweifel obwalten. Nun nennt die Urkunde zwar auch 2 thüringische Orte: Lützkendorf bei Mücheln, und Kirchscheidungen; aber in dortiger Gegend findet sich weder ein Dorf, noch eine Wüstung Kemnitz. Wohl aber lag das voigtländische Kemnitz sowohl den Andechser Gütern in Franken nahe, als auch in der Bamberger Kirchenprovinz. Daher dachte schon Schultes im diplomatischen Directorium an dieses Gut, welches diesenfalls das zuerst geschichtlich vorkommende im sächsischen Voigtlande, ja eines der ersten in Sachsen überhaupt sein würde. Es würde aber zugleich folgen, dasselbe habe anfangs dem tirolischen Hause Andechs zugestanden. Hätte daher der gerechte Spott noch so häufig die getroffen, welche den nun sächsischen Ort Merane mit Meran in Tirol in Ein Besitzverhältniss bringen wollten, so hätte die Andechser Dynastie doch mindestens einen nun sächsischen Ort wirklich besessen. Kemnitz hat schon 1428 ein Hinz Tenner besessen indem derselbe wegen „der kempnicz“ ein Plauischer Vasall heisst. Diesen Tenner darf man auch wohl unbedenklich für einen Feilitzsch auf Tanna halten, da der Heinersgrüner Reinhold v. Feilitzsch 1330 Kemnitz besessen hat.

Diesen Besitz schreibt das Richter’sche Buch über Mühltroff auch dem 1779 verstorbenen Karl Erdmann v. Kospoth zu, ohne sich über das (uns schwer begreifliche) Nähere auszusprechen. Jedenfalls muss dieser (wohl in das Jahr 1769 fallende?) Besitz ein sehr kurzer gewesen sein. – Eine Hälfte des Gutes hat 1835 Philipp August Heinrich v. Beulwitz zu Lehn erhalten.

Kleingera (S. 66 d. A.) wird auch Kleingerau oder Kleingörau geschrieben, daher eine Möglichkeit sich aufthut, dass der Name der Stadt Gera kein deutscher, sondern auf das slawische Gora, Hora, Berg, zu beziehen sei. Es liegt eine volle Stunde von Greiz, 1/8 von der Grenze und 3/4 Stunde westlich von Netzschkau, zwar an einem Greiz-Plauischen Richtwege, aber von der Chaussee weit entfernt. Dagegen ist nahe in Norden die Elsterberg-Netzschkauer Chaussee welche das Gebirge der Sose (in Süden) von dem des Pfannenstiels (im Norden) scheidet. Der Ort an sich lehnt sich an den tiefen westlichen Abhang der Platte; entfernter steigt im Südwesten, jenseits der Sose (einer offenbaren Holzmark) die Burgleithe an. Die im Mittel 1183 Fuss hohe Flur, welche zugleich die Oertchen Pfannenstiel und Reuth befasst, raint mit den greizer Orten Sachswitz und Döhlau, mit Coschütz und Thürnhof, mit Brockau und Netzschkau, und hat tragbare Felder. An sich enthielt 1834 der Ort in 23 Häusern 138 Seelen, hierbei 8 Halb- und 3 Viertelhüfner; einer der letztern und ausserdem 3 Häuser unterlagen der Coschützer, der Rest der hiesigen[WS 1] Herrschaft. Damals waren in Reuth 8 Häuser mit 40 –, in Pfannenstiel 2 Gütchen mit 11 Seelen wegen deren man das Ende des Artikels im Album vergleiche. Die vereinte Gemeinde aber zahlte 1858 in 35 Häusern 242 Bewohner.

Das Rittergut hat seine Schäferei in Reuth, und besitzt noch Tremnitz, Scholas ohne die 3 Ruppertsgrüner Unterthanen, und in Nosswitz 2 Dreiviertelgüter; 1801 gab es 319 Consumenten an. Es versteuert seine ansehnliche und wohlbestellte Wirthschaft mit auffallend grossem Gehöfte nach 46101/4 Einheiten. Die Ziegelei steht nördlich vom Dorfe, unfern der Elster. Am Pechofen müssen wir anjetzt zweifeln.

Statt „Kunthen“ lese man „Kunthe;“ denn auch andere Nachrichten

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: hiesiegen
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 16. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/335&oldid=3609375 (Version vom 13.2.2020)