Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Kemnitz

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Kemnitz
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aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 118–119
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 179.jpg
[118]
Kemnitz.


Kemnitz liegt 3 Stunden südwestlich von Plauen, eben so weit von Hof, in der Nähe der Sächs. Bayerschen Eisenbahn am Chemnitzbache, welcher südwestlich bei Grobau entspringt, die Dörfer Schwand und Rudereiz berührt, und bei Ober-Weischlitz in die Elster fällt.

Das alte Schloss war nicht sehr gross, und ist nun, wie die Abbildung darthut, eine Ruine. In früheren Zeiten war es mit einem Wallgraben umgeben, der in neuern Zeiten auf der einen Seite zugeschüttet worden ist, wodurch das Gebäude selbst sehr gelitten und dem Einsturze drohende Risse bekommen hatte, so dass es seinem Schicksale nicht entgehen konnte, wie die alte Burg „Sachsgrün“ welche vor 8 Wochen ebenfalls völlig zusammengestürzt ist.

Das Gut selbst scheint aus dem früheren Klostergute zu Krebes, Burgstein genannt, ein sehr schöner Punct des oberen Voigtlandes, wo noch eine alte herrliche Ruine zu finden ist, gebildet zu sein. Denn das Landbuch von Hof vom Jahre 1502 besagt, dass die Pfarrei Krebes eine öde Herberge, und mehre Höfe und Wiesen zu Kemnitz besitze, welche später Heinz von Feilitzsch an sich gebracht habe. Diesen Heinz von Feilitzsch finden wir auch im Jahre 1546 als den ersten Besitzer von Kemnitz, von welchem es 1589 an Jobst Caspar von Feilitzsch übergegangen ist. Im Jahre 1607 war Ernst von Tettau Besitzer, von welchem die Familie von der Heydte solches aquirirte. Im Jahre 1661 wird Herr Oberst Georg Peter von der Heydte als Gerichtsherr nicht nur von Kemnitz, sondern auch von Grobau, Misslareuth und Gutenfürst genannt. Bei dieser edlen Familie ist das Gut bis zum Jahre 1769 verblieben, wo dann ein Herr Kammerjunker Heinrich Erdmann von Beulwitz als Erb- Lehn- und Gerichtsherr zu Schwand und Kemnitz erscheint, von welchem es durch Erbschaft an seine 3 Herren Söhne Herrn Major von Beulwitz in Hof, an Herrn August Wilhelm von Beulwitz und Herrn Lieutenant Ferdinand Carl Wilhelm von Beulwitz kam, Letzterer war zuletzt der alleinige Eigenthümer und derselbe verkaufte solches im Anfange der 40ger Jahre an den Bayerschen Kämmerer, Ernst Lazarus von Feilitzsch auf Heinersgrün, der jetzt noch Besitzer davon ist. Dieser Besitzer hat durch den Verkauf der zu diesem Gute gehörigen bedeutenden Holzungen beinahe das ganze Kaufpretium wieder erlöst.

Im Jahre 1855 hatte Herr von Feilitzsch das Unglück, dass die sämmtlichen zum Gute gehörigen Wirthschaftsgebäude mit Ausnahme des Gesindehauses ein Raub der Flammen wurden, welche bis jetzt noch nicht wieder aufgebaut sind.

Die alte Ruine steht einsam und allein noch auf dem weiten leeren Raume, wo sonst unter den Herren von Beulwitz so viel Gemüthlichkeit und Gastfreundschaft herrschte. Kein Fremder ging gern wieder aus diesem Schlosse, in welchem so gute Menschen wohnten. Von den Herren von Beulwitz lebt nur noch ein Bruder, der taubstumme August Wilhelm von Beulwitz in Hof. Der Major von Beulwitz ist vor einigen Jahren in Hof mit Tode abgegangen, welcher zwei Söhne und eine Tochter hinterlassen hat. Letztere war die Gattin des Freiherrn von Kotzau auf Kotzau. Nach dessen Tode verheirathete sich dieselbe anderweit an den Bayerschen Postofficial Deegmeyer in Hof. Die beiden Brüder derselben besitzen Zedtwitz bei Hof. Der letzte Besitzer von Kemnitz, Herr Lieutenant Ferdinand Carl Wilhelm von Beulwitz ist ebenfalls schon seit mehrern Jahren verstorben, ohne Descendenten zu hinterlassen. Der Taubstumme von Beulwitz hat noch einen Theil seines Vermögens auf dem Gute Kemnitz stehen, von welchem der dermalige Besitzer, Herr Kämmerer von Feilitzsch jährlich die Zinsen an dessen Curator status bezahlen muss.

Ausser dem Rittergute besteht Kemnitz noch aus 3 Mühlen, 15 vormaligen Frohnhäusern, zu denen einige Grundstücke gehören, und mehrern kleinen Häussern, zu welchem höchstens ein Gärtchen gehört. Die Bewohner der letzteren sind meistens Weber.

Die dasige Kirche ist nicht gross, und war in frühesten Zeiten eine Capelle der Pfarrei Misslareuth, welche vom Caplan zu Krebes mit versehen wurde. Später wurde es, als Krebes eine eigne Pfarrei geworden war, das Filial dieser Parochie. Die jetzt stehende Kirche wurde in den Jahren 1731–1734 gebaut, und die darinnen befindliche Orgel wurde vom Herrn Flossverwalter Johann Adam Schmidt zu Kemnitz derselben verehrt, von dem Orgelbauer Johann Gräff aus Schwarzenbach an der Saale aber für 65 Thlr. und die Kost während der Zeit ihrer Aufstellung hergestellt. Den Bau der Kirche leitete vornehmlich Herr Carl Ferdinand von der Heydte auf Kemnitz und Grobau u. s. w. Oberaufseher der Elsterflösse, aus dessen milder Hand auch der Bauaufwand grösstentheils geflossen sein mag. Eingepfarrt sind die Dörfer Gutenfürst und Reinhartswalde.

Die Mutterkirche gehörte zu den 7 Streitpfarreien, über welche Sr. Majestät der König vorm Bayern bis vor einigen Jahren, wo dieses Recht Seiten Bayerns an Sachsen abgetreten wurde, das Patronatrecht hatte. Vor dem Jahre 1524 gehörten mehrere dieser Pfarreien und unter derselben auch Krebes noch zur Markgrafschaft Brandenburg-Culmbach und zur Pfarrei Hof, worüber folgende Stelle einer alten Urkunde Aufschluss giebt:

De Parochiis et Vicariis
Parochiam in Curia Regnitz cum suis appendiciis
confert Dominus Burggravius.
Subscripta beneficia confert Plebanus insancto Laurendio. Parochia in Mislareuth, Krebes, Capella Kemnitz, Capella et Münchenreuth. Parochia Zöbern, Capella non curata, non praesentante Episcopo.

Hier finden wir also Krebes und Kemnitz als ein Anhängsel der Pfarrei Hof, deren Inhaber Plebanus war und viele Titel und Würden besass. Domprobst Friedrich von Brandenburg war der letzte römisch-katholische Pfarrer zum Hof. Dieser schenkte seinen evangelisch gesinnten Bruder, Markgrafen Georg dem Frommen die Pfarrei Hof gegen Verleihung der Probstei Würzburg im Jahre 1531. Das Collaturrecht der Pfarrei aber hatte Domprobst Friedrich mit der Pfarrei seinem Bruder, dem Markgrafen abgetreten, und die Markgrafen des Fürstenthums Brandenburg-Culmbach übten von da an dieses Collaturrecht aus, und so blieb es im Besitze dieses Fürstenthunms und kam an den König von Bayern als Besitzer besagten Fürstenthums.

[119] Wer ein Mal auf einer Fussparthie nach Kemnitz gekommen ist, der verabsäume nicht, den kurzen Weg bis zur Ruine Burchstein hinauf anzutreten. Bald genug wird der Reisende durch eine herrliche, schöne Fernsicht entschädigt und weiter hin starren die Reste der alten Klostermauern empor, und bald tritt der Wandrer ein in die einzeln bewohnten Häuser von Burgstein. Hier soll in frühester Zeit ein Nonnenkloster gestanden haben, über dessen Thor ein in Stein gehauener Krebs die Starken um Schutz für das hilflose Geschlecht der Bewohnerinnen anflehte. Für diese Sache sprechen die Benennungen der Grundstücke, welche der Kirche und dem Pfarrlehn noch zugehören, als: das Nonnenholz, die Nonnenwiese und das Weihwieslein u. s. w.

Auch wird der Name des Dorfes Krebes in den ältesten Urkunden immer Krebs geschrieben oder Krebess.

Das aber durch die Aussprache des Voigtländers Krebs in Krebess übergeht, davon zeicht die Bennenung des Thieres dieses Namens, welches die Landbewohner hiesiger Gegend stets als Krebes kauft und verspeiset.

Im Jahre 1529 hat Burgstein eine selbstständige Pfarrei gehabt, und Krebes gehörte als Caplanei zur Pfarrei Misslareuth.

Von Burgstein kann man die Wanderung weiter fort setzen zu dem zum Rittergute Geilsdorf gehörigen Vorwerk Kandelhof, worauf ein Thurm sich befindet, von welchem man eine Rundsicht hat, wie sie nicht leicht anders wo anzutreffen sein dürfte. Von dort erblickt das Auge den Schneeberg und Ochsenkopf, das Fichtelgebirge und die Höhen bei Johann-Georgenstadt und Zwickau, so wie es nicht minder auch über Gebirgshöhen und Wälder hinweg bis in die Gegend von Lobenstein getragen wird. Von Kandelhof kann der Reisende dann bald nach Gutenfürst gelangen, um auf der Eisenbahn nach Plauen oder Hof zurückzureisen.

Kemnitz hatte früher seiner eigne Gerichtsbarkeit und Herr Advokat Blankmeister in Leubnitz bei Plauen war sein Gerichtsdirektor.

Jetzt gehört Kemnitz mit seinen 32 bewohnten Gebäuden, 38 Familienhaushaltungen und seinen 188 Einwohnern zum Gerichtsamte und zum Bezirksgerichte Plauen, zur Amtshauptmannschaft Plauen, zum Regierungsbezirke Zwickau.

M. G.