Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Planschwitz

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Planschwitz
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aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 115–117
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Rittergut Planschwitz 118.JPG
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 174.jpg
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Planschwitz.


Planschwitz liegt 1 Stunde westlich von Oelsnitz, 2 Stunden südlich von Plauen, und nicht weit von der Plauenschen Strasse nach Hof, in kleiner Entfernung von 1000 Schritten an der Elster.

Planschwitz ist, wie der Name lehrt, von den Sorben und Wenden erbaut, und zwar im 5. und 6. Jahrhundert, welche sich immer weiter stromaufwärts gezogen haben.

Das dasige Rittergut, welches auf einem hohen Berge in einer der fruchtbarsten und schönsten Gegenden des Voigtlandes angelegt ist, kommt in einer Urkunde vom Jahre 1343 vor, wo es Munitio Planschwitz heisst und im Besitze des Ritters Ulrichs von Sack war, welches Geschlecht aus dem Dorfe Sachsgrün stammte.

Im Jahre 1586 besass das Gut die Familie von Tetaw (Tettau) dieselbe, welche mit Bösenbrunn, Dobeneck, Taltitz, Unterlosa, Oberlosa Stöckigt beliehen war. Dagegen gehörte das Gut Stein nicht zu dieser Herrschaft.

Von den Tettaus kam das Gut an die von Neidberg. Im Jahre 1609 wurde der erste Neidberg hier geboren. Diese Familie behauptete sich im Besitze 150 Jahre hindurch. Im Jahre 1752 war Herr von Trützschler Erb- Lehn- und Gerichtsherr auf Planschwitz, welcher das Gut nur kurze Zeit behauptet hat, denn 1738 finden wir Dr. Heinrich Wilhelm Erdmann im Besitze und bestand zu dieser Zeit die Herrschaft aus den Gütern Planschwitz, Stein, Dobeneck, Taltitz und Eulenstein. Durch Verheirathung einer Tochter desselben an einen Rudert übernahm der Schwiegersohn die Güter Planschwitz und Stein. Der letzte Besitzer von dieser Familie [116] war der Advokat Rudert, durch welchen Planschwitz mit Stein zur nothwendigen Subhastation kam, worauf es im Jahre 1829 Herr Gleitscommissar Hasse in Plauen erstand, mit welchem die verw. Frau Bürgermeister Schneider geb. Falicides aus Plauen in zweiter Ehe lebte. Letztre gehörte der weit verzweigten und hochachtbaren Familie des Voigtlands an, von welcher der ältere Bruder, der frühere Stadtsyndicus, nachherige Stadtrath Facilides zu Plauen ein glückliches hohes Alter erlebte und erst vor einem Jahre verstorben ist. Von seinen beiden jetzt noch lebenden Söhnen fungirt Wilhelm Facilides als Staatsanwalt in Zwickau, der andere und jüngste Sohn lebt als Gerichtsrath in Borna, die älteste Schwester dieser Brüder ist an den Gerichtsdirektor und Advokat von Dieskau in Plauen, einem biedern, edlen Mann verheirathet. Ein zweiter Bruder der verehelichten Hasse, verw. gewesenen Bürgermeister Schneider geb. Facilides ist der frühere und im Voigtlande sehr oft genannte und bekannte Gerichtsdirektor und Advokat August Facilides, in den Kriegsjahren von 1813 Actuar der Voigtländischen Kreisdeputation, später Kreissyndicus der Ritterschaftlichen Voigtländischen Kreiscasse. Durch seine Frau Gemahlin (einer Tochter des früheren Accisinspectors Wehner) ist derselbe mit der Wehnerschen Familie verwand und verschwägert.

Zwei andere Brüder waren die Mitbesitzer der früheren berühmten Falicides-Hähnelschen Spinnfabrik und Kattundruckerei in Plauen, welche beide verstorben sind. Von allen Brüdern aber leben Kinder und Enkel meist in den glücklichsten Umständen.

Die verehelichte Frau Gleitscommissar Hasse verw. gewesene Bürgermeister Schneider hatte aus erster Ehe einen einzigen Sohn, welcher nach dem Ableben seiner Mutter und resp. seines Stief-Vaters der alleinige Erbe eines grossen Vermögens und somit auch Nachfolger von Planschwitz mit Stein wurde. Es ist derselbe Doctor Schneider, dem auch Reusa bei Plauen gehört, ein rationeller Landwirth und ein Mann von humanen, mildthätigen Character, dem seine Gerichtsuntergebenen viele Wohlthaten zu verdanken haben.

Mit dem Rittergute Planschwitz ist das frühere Gut Stein seit dem 17. Jahrhundert vereinigt, welches früher Pertinenz von Plauen war, und von den Voigten daselbst der Familie von Kospoth verliehen worden ist, die es bis zum 15. Jahrhundert besessen hat, von welcher es 1587 an das Zedtwitzische Geschlecht kam. Letztres hat es im 17. Jahrhundert an die Falkensteine verkauft.

Stein war eine sehr schöne, grosse feste Burg auf einen Felsenvorsprung an der Elster. Dieses Schloss wurde im 30jährigen Kriege, nicht wie mehre Geschichtsschreiber behaupten im Hussitten-Kriege, durch Feuer und Schwerdt zerstört, wovon bis auf die neuesten Zeiten sich blos eine romantische Ruine erhalten hat.

Die Sage, dass es ein Raubschloss gewesen sei und hier ein Fräulein des damaligen Besitzers längere Zeit einen gefangenen Rittersmann im Burgverliess besucht, gepflegt und beköstiget, zuletzt ihren eigenen Bruder aus Liebe zum Gefangenen verrathen, und in Folge dieses Verraths die Zerstörung der Burg herbeigeführt habe, erscheint durchaus nicht Thatsache zu sein.

In früheren Zeiten wurden zu dieser Ruine viele Spaziergänge von Oelsnitz und Plauen aus unternommen, weil man von hier aus eine reizende Fernsicht über die von Dobeneck bis an die Pirkmühle gelegenen Ortschaften hat. Vom ersteren Orte führt ein angenehmer, herrlicher Fussweg durch die reichen Wiesen des schönen Elsterthales hieher und weiter fort bei Magwitz vorüber zum Gasthaus Rosenthal.

Das Gut Planschwitz mit Stein ist in dem besten Zustande. Hier werden Flachs, Hanf, Obst und Gartengewächse nebst allen Gedreitearten erbaut. Eine veredelte Schaafzucht findet man ebenfalls hier.

Der frühere Pachter des Herrn Besitzer, der öconomische Special-Ablösungs-Commissar Kirchhof hat auf die Bebauung der Felder und auf die Wiesencultur einen grossen Fleiss, viel Kosten und Mühe verwendet und sogar in den letzten Jahren hier Taback gezogen, der nicht zu den schlechtesten gehört haben soll.

Unter die frühere Patrimonialgerichtsbarkeit von Planschwitz mit Stein als altschriftsässiges Rittergutt gehörte noch zuvörderst Gösswein, aus einzelnen Häusser bestehend, die in einem hübschen Thale liegen und früher zu einem ansehnlichen Dorfe gehört, welches die Hussitten zerstört haben sollen; ferner 2 eine halbe Stunde entfernt an der Elster gelegene Häusser, die Hammerhäusser genannt, welche ihren Namen von einem früher dort betriebenen Hammerwerke führen. Die Entstehung dieses Hammerwerkes fällt in die Zeit, wo die Herren von Sack den ganzen nordwestlichen Theil vom Voigtlande besessen haben. Im 16. Jahrhundert starb dieses Geschlecht aus und das Hammerwerk verfiel. Früher hat auf diesem Platz der sogenannte Gatzenhof gestanden, von welchem die Fluren theils an Oelsnitz, theils an Raschau gefallen sind. Eben so gehörten noch zum Gute Planschwitz Antheile von Bösenbrunn, Obertriebel und Untertriebel und Taltitz.

Auf der Spitze des Berges, auf welchem Dorf und Schloss stehen, wurden häufig vegetabilische und animalische Versteinerungen ausgegraben; die meisten wurden auf dem Kirchberge gefunden.

Unfern dem Dorfe liegt auch die sogenannte Kunst, eine durch Menschenhände, die hier Kupfer und Eisenstein suchten, entstandene grosse Höhle.

In früheren Zeiten mag hier einiger Eisen- und Kupferbau betrieben worden sein. Der Eisenstein, der noch in hiesiger Gegend gefunden wird, soll nicht zu den unergiebigsten gehören. Die Kirche ist sehr alt. Auch Pfarre und Schule waren früher sehr [117] alte und schlechte Gebäude, an deren Stelle jetzt massive, bequem eingerichtete Wohnhäuser stehen.

Die Kirche mit der zu Taltitz war früher eine Tochterkirche von Plauen und wurde durch Geistliche des deutschen Ordens besorgt. Zur Parochie gehörten damals: Planschwitz, Magwitz und Oeda, das spätere Dröda. Letzteres erhielt im Jahre 1506 einen eigenen Pfarrer, (der zugleich Schulmeister ist,) weil zwischen beiden Dörfern ein Bach, Triebelbach, fliesset, der oft so stark wird, dass die Communication zwischen Dröda und Planschwitz rein abgeschnitten ist. Von dieser Zeit her schreibt sich noch eine Abgabe von Dröda, welche in 30 Thalern Opfergeld an den Pfarrer und 6 Groschen an den Schullehrer besteht.

Seit dem Jahre 1393 wurde für Taltitz sowohl wie für Planschwitz ein besonderer Geistlicher berufen. Die Inspection über Kirche und Schule hat der Superintendent zu Oelznitz, die Collatur über die Pfarre und Schule aber der Superintendent zu Plauen, nicht als solcher, sondern als Pfarrer daselbst. Denn die hiesige Pfarre wurde von der Plauischen Komthurei mit Feldern, Wiesen und Holzung dotirt und daher auch das Recht der Besitzungen vorbehalten.

Dagegen hatte der hiesige Pfarrer bis auf die neuesten Zeiten jährlich einen Scheffel Korn an die Verwaltung des deutschen Hauses in Plauen zu entrichten, eine Abgabe, die nun auch hier wohl jetzt abgelöst sein wird, da der Rath zu Plauen als Verwalter des deutschen Hauses mit allen Zehntenpflichtigen die Ablösungen begonnen und hier und da schon beendet hat.

Merkwürdig ist, dass der frühere Besitzer vom Gute Herr von Neidberg, welcher für Lebzeiten die Collatar über Pfarre und Schule vom Herzog Moriz zu Zeitz zu Lehn getragen, niemals solche ausgeübt hat. Darauf gründen sich auch die späteren Processe der Nachfolger Neidbergs im Besitze von Planschwitz, die aber nie für die Gutsherrschaft gewonnen wurden.

Die Kirche bildet ein langes Viereck. Nur auf der einen Seite hat sie Fenster, daher bei trüben Wetter wenig Licht. Eine einzige Thür führt in das Schiff der Kirche, eine daneben auf die Emporkirchen und eine dieser gegenüber auf die herrschaftliche Kapelle.

Das Aeussere der Kirche ist ganz einfach, hier und da durch einen Strebepfeiler gestützt. Der Thurm ist ein hölzernes Gerüste. Ein bestimmter Baustyl ist in der Kirche nicht zu finden. Einzelne Monumente in der Kirche sind aus dem 16. Jahrhundert und gehören den Familien von Tettau und Falkenstein an.

Der Altartisch ist gemauert. Der Altaraufsatz ein sogenannter Flügelaltar. Die mittlere Abtheilung enthält 3 grosse weibliche Figuren, Maria die Himmelskönigin, der ein Engel die Krone reicht, mit dem Jesusknaben in dem Arme. Daneben Katharina mit Schwert und Rad, rechts Magdalena mit Kelch.

Die Abtheilung rechts enthält 2 Felder über einander; oben Christophorus, unten Anna mit Maria und Jesus, beide als Kinder.

Die Abtheilung links enthält wieder 2 Felder, die heilige Barbara mit Büchse und Magdalena mit Kelch.

Schlägt man die Flügel herum, so zeigt sich ein Gemälde, in der Mitte ein Engel auf 2 Blutstropfen deutend, welche er auf weissem Grunde zeigt, davor eine weibliche Gestalt, welche staunend betet, Auf der Seite rechts Petrus mit dem Schlüssel, links Paulus mit dem Schwerdte.

Dieses Gemälde soll sich auf die Sage von Stein beziehen, ohne jedoch dafür nähere Beweise zu haben.

Magwitz ist mit mehren andern Orten hieher eingepfarrt. In der Magwitzer herrschaftlichen Kapelle, welche jedenfalls erst später eingebaut worden ist, befindet sich eine Tafel mit dem Reitzensteinschen Wappen von Christoph Heinrich von Reitzenstein, geboren 1635, gestorben 1706 auf Schwarzenbach am Walde.

Ausserdem sind noch die einzelnen Häusser von Gösswein, Siebenhitz, Ottenhaus, Streithaus, Hammerhäusser und Rosenthal eingepfarrt.

Rosenthal ist ein einzeln stehendes Gasthaus an der Plauenschen-Hofer Chaussee, wo bis vor einigen Jahren von 14 Tagen zu 14 Tagen ein grosser Theil der Voigtländischen Herren Rittergutsbesitzer mit ihren Familien aus der Umgegend sich Sonntags Nachmittags versammelte, und in heiterer Geselligkeit durch Tanz und Spiel sich vergnügte. Jeder anständige Fremde fand hier gastfreundliche Aufnahme, und manches Band der Freundschaft und Liebe ist hier geknüpft worden.

Planschwitz mit Stein hat 44 bewohnte Gebäude, 46 Familienhaushaltungen und 255 Einwohner. Die Gemeinde ist arm. Ein grosser Theil der Hausbesitzer hat keine Grundstücke. Ein einziger Halbhüfner ist hier.

Planschwitz, wo bis zum Eintritt der neuen Gerichtsverfassung Herr Advokat von Dieskau als Gerichtsdirektor fungirte und die weltliche Oberinspection über Kirche und Schule mit bildete, gehört jetzt zum Gerichtsamt Oelsnitz, zum Bezirksgericht Plauen, zur Amtshauptmannschaft Plauen zum Regierungsbezirk Zwickau.

Möge die jetzige Gerichtsherrschaft noch lange zum Wohle, zum Heile ihrer Untergebenen hier walten.

M. G.