Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Troschenreuth

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Troschenreuth
Untertitel:
aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 153–154
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: SLUB DresdenCommons
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 231.jpg
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Troschenreuth


liegt 4 Stunden südlich von Plauen, 31/4 Stunden südwestlich von Oelsnitz und 2 kleine Stunden von Hof, an zwei kleinen Bächen, welche sich hier vereinen und den Namen Feil- oder Veilchenbach führen. Der Ort ist nach einem Troitzsch (in hiesiger Gegend ein oft vorkommender Name) genannt. Troschenreuth und das Rittergut Wiedersberg waren von den frühesten Zeiten bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts stets combinirt.

Ob die Herren von Wiedersperg oder Wiersberg mit Wiedersberg zugleich auch Troschenreuth erbauten, ist nicht ganz gewiss; doch soll das frühere alte Schloss, welches mit Wall und Gräben versehen war und vor 150 Jahren abgetragen worden ist, auf ein sehr hohes Alter hingedeutet haben. Ob jener Troitzsch der Erbauer desselben war, ist nicht ermittelt. Wiedersberg, die alte Burg, existirte schon zu Ende des 11. und Anfang des 12. Jahrhunderts und diente auf alle Fälle demnach Troschenreuth als Vorwerk von Wiedersberg.

Nach dem Geschlechte der von Wiersberg oder Wiedersberg folgten die von Sack und dann die von Magwitz, welche die Herrschaft bis zum 16. Jahrhundert behaupteten. Im Jahre 1631 finden wir in Wiedersberg wie Troschenreuth Dr. Michael Thomas als Gerichtsherrn, von welchem diese Güter nebst Oelsnitz 1666 an Dr. Pfretzschner kamen. Im Jahre 1727 war Besitzer von Troschenreuth mit Wiedersberg Siegmund Albert und im Jahre 1754 ein Herr von Schönfeld. Dann war Troschenreuth noch ziemlich 52 Jahre mit Wiedersberg combinirt, worauf das Letztere von der Familie Gräf, Troschenreuth aber von der Familie Seidel acquirirt wurde.

Seit 30 Jahren ist es im Besitze der Familie Stengel, welche durch Verheirathung mit der Seidelschen Familie sehr nahe verwandt ist.

Der Vater des gegenwärtigen Besitzers von Troschenreuth, des Herrn Gottlob Stengel, besass ehedem die schöne und gute Mahlmühle zu Strassberg bei Plauen.

Das jetzige Schloss von Troschenreuth hat durch den nach und nach erfolgten Umbau ein ganz verändertes Ansehen erlangt und man findet von dem frühern alten Schlosse keine besondern Erinnerungen mehr, da es baufällig geworden und fast ganz abgetragen werden musste.

Zum Gute gehört ein Areal von 400 Ackern Feld, Wiesen und Waldland.

Seit der Besitzzeit der Stengelschen Familie ist dieses Gut durch ausgezeichnete Bewirthschaftung sehr in die Höhe gebracht und dessen Werth vermehrt worden. Ohne Zweifel gehört Herr Gottlob Stengel zu den rationellsten Landwirthen des Voigtlaudes. Man betrachte die Forstcultur, die Aecker oder Wiesen, überall muss man sich wundern, wie in einer Gegend von nicht der besten Bodensorte wie hier, so Vortreffliches geleistet werden kann. Gerste und Roggen, die hier erbaut werden, gehören zu den besten Arten. Die Nutzungen des Gutes sind daher nicht unbedeutend, wozu noch kommt, dass solche durch eine vortreffliche Viehwirthschaft sich noch erhöhen. Von Tag zu Tag fährt der Milchwagen von Troschenreuth nach dem benachbarten Hof.

Geschichtlich merkwürdig ist das frühere alte Schloss von Troschenreuth durch den General Holk geworden. In demselben hat dieser grausame [154] Heerführer durch den Tod seine Laufbahn beschlossen, um vor dem Throne Gottes den Lohn seiner Thaten zu empfangen.

Wenn einige Geschichtschreiber melden, dass Holk in Adorf verstorben und dort begraben liege, so kann dieser Irrthum blos dadurch entstanden sein, weil der Leichnam von seinen Soldaten auf der damaligen Heerstrasse über Adorf mitgenommen wurde. Von Adorf aus ist aber der Leichnam weiter in einem zinnernen Sarge nach Dänemark gebracht und dort in der Holkschen Familiengruft beigesetzt worden.

Zu der früheren Gerichtsbarkeit von Troschenreuth gehörte halb Zettlarsgrün und Ebersberg, welches nur eine Viertelstunde von Wiedersberg hinter einem sehr steilen, dem grössten Theil nach mit Holz bewachsenen Berge liegt. Zu diesem Ebersberg gehört auch die sogenannte Hitze, zwei einzeln stehende Häuser, welche ausgezeichnetes Quellwasser haben.

Zum Gemeindeverband von Troschenreuth gehört eine Mühle von zwei Gängen und ein Wirthshaus, die „Klippe“ genannt, nicht uninteressant an der baierischen Grenze gelegen.

Troschenreuth ist mit Heinersgrün, Blosenberg, Ramoldsreuth, und Ebersberg nach Wiedersberg eingepfarrt, über welches bis vor wenig Jahren dem König von Baiern das Collaturrecht zustand, da Wiedersberg zu den sogenannten Streitpfarreien gehörte, die nun von sächsischer Seite besetzt werden.

Aus dem ganzen Kirchenverbande geht deutlich genug hervor, dass die ganzen obgedachten Ortschaften zusammen gehörten und in den frühesten Zeiten eine Herrschaft bildeten, welche im 14. Jahrhundert meissnisches Lehen war und vorher die Voigte von Plauen inne hatten. Nur zu bedauern ist, dass gerade hierüber die näheren Nachrichten fehlen, da im Hussitenkriege und im 30jährigen Kriege die wichtigsten Nachrichten über die hiesige Gegend verloren gegangen sind. Das, was etwa über die Kirche von Wiedersberg hier zu sagen wäre, ist schon bei der Beschreibung von letzterem Orte im 85. Hefte dieses Albums erwähnt und bedarf also hier keiner Wiederholung.

Ebenso ist auch in jener Beschreibung der alten Burgruine bei Wiedersberg gedacht, die wohl das frühere eigentliche Stammschloss der ganzen Herrschaft gewesen sein mag und in den alten Urkunden eine landesherrliche Veste genannt wird.

Die Gegend um Troschenreuth bis Wiedersberg ist hoch und bergig, aber nicht gar rauh und von mittlerer Fruchtbarkeit. Die alten Orte aus dem 11. und 12. Jahrhundert Hartmannsreuth in Süden, Loddenreuth in Osten liegen ganz nahe von hier.

Zum Gute Troschenreuth gehört auch eine grosse Schäferei und aus den zum Rittergute gehörenden grossen schönen Waldungen wird eine vorzügliche Pechnutzung gewonnen.

Die Gerichtsbarkeit von Troschenreuth war schon vor Einführung der neuen Gerichtsorganisation an den Staat abgetreten und mit dem Justizamte Voigtsberg vereinigt worden.

Jetzt gehört Troschenreuth, auch Treschenreuth genannt, mit Ebersberg, Ebersberg mit Hitze, Troschenreuth mit Klippe zum Gerichtsamt Oelsnitz.

Die Orte zusammen haben 65 bewohnte Gebäude mit 375 Einwohnern.

M. G.