Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Tirpersdorf

Textdaten
<<< >>>
Autor: M. G.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Tirpersdorf
Untertitel:
aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 181–182
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: SLUB DresdenCommons
Kurzbeschreibung:
{{{SONSTIGES}}}
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[Ξ]
Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 273.jpg


[181]
Tirpersdorf,


an der Strasse von Oelsnitz nach Falkenstein und Auerbach, 2 Stunden von erstrer Stadt entfernt gelegen, ist an einem Nebenwasser des Kornbachs in südwestlicher Richtung hinabgebaut.

Der Ort selbst liegt noch angenehm und mild, wogegen nach Kottengrün zu die Strasse hinauf nach Werda und von da nach Falkenstein ein viel rauheres Klima beginnt. Oft liegt in Tirpersdorf zu Winterszeit und mit Beginn des Frühjahrs kein Schnee mehr, während 1/4 Stunde über Tirpersdorf hinaus mit dem Schlitten bequem fortzukommen ist.

Die angenehme Lage des Orts wird noch erhöht durch die vielen kleinen Birkenwälder, die auf Ritterguts Grund und Boden sich befinden.

Tirpersdorf hat eigentlich zwei Rittergüter, und zwar Tirpersdorf obern Theils und Tirpersdorf untern Theils.

Tirpersdorf ist ein sehr alter Ort, aber die Geschichte desselben bis zu den Zeiten der Reformation sehr dunkel. Auf alle Fälle war es ein Wallfahrtsort vom Kloster Mechelgrün, wozu auch in den frühesten Zeiten die Hauptkirche in Theuma gehörte und die Capelle in Tirpersdorf.

Schon vom 15. Jahrhundert an besassen die beiden Rittergüter zu Tirpersdorf die Herren von Raab oder Raabe, welche solche auch bis zum 19. Jahrhundert behauptet haben.

Erst in den 40er Jahren unsers Jahrhunderts verkaufte Herr Heinrich von Raab die beiden Güter an Herrn Rittergutsbesitzer Gottfried jun. auf Untermarxgrün, welcher sich jetzt noch im Besitze der Güter befindet.

Das herrschaftliche Wohnhaus ist ein altes Gebäude, doch hat dasselbe ein freundliches Ansehn, die Wirthschaftsgebäude sind neuern Ursprungs und im vortrefflichen Zustande.

Das Areal an Feldern und Wiesen und den bedeutenden Holzungen beträgt über 500 Acker mit 5000 Steuereinheiten.

Dazu gehört das Vorwerk Jägerswald und eine Mühle mit einem Gange.

Schriftsässig waren Antheile von den Dörfern Zaulsdorf und Pilmesgrün dem obertheiligen Gute einverleibt.

Pilmesgrün war in den früheren Zeiten ein besonderes Rittergut, welches mit dem Vorwerke Jägerswald (früher die Wüstung genannt) verbunden war und den Herren von Tettau gehörte, von welchen es an die Herren von Raabe gelangte.

Ob die von Tettau, vor den Herren von Raab auch Tirpersdorf besessen haben, ist unermittelt.

Nach einer alten Urkunde zu schliessen, dürfte es aber fast anzunehmen sein.

Die Lage von Tirpersdorf an der Chaussee nach Oelsnitz und nach Falkenstein bietet für die beiden Rittergüter die trefflichsten Verkehrsmittel unter beiden Städten, weshalb auch Massen von Brennholz Jahr aus Jahr ein nach Oelsnitz, ja sogar nach Plauen verkauft werden. Das Holz selbst kann man in allen Gattungen hier bekommen und ist ein vorzügliches Brennholz zu nennen.

Für die benachbarten Schneidemühlen wird auch das schönste Nutzholz geliefert.

Wer will die Summen nennen, die seit 30 Jahren aus diesen Tirpersdorfer Waldungen fortgeschafft wurden? Und dennoch ist immer noch [182] der ganze hiesige Holzbestand ein vortrefflicher zu nennen, da überhaupt auch immer wieder neue Obstculturen angelegt worden sind.

Auch Jagd und Fischerei war von jeher hier nicht unbedeutend. Denn der Wildstand wurde gepflegt und das Wild selbst hatte einen trefflichen Aufenthalt wegen der schönen Wiesengründe.

Tirpersdorf besitzt, wie oben schon erwähnt worden ist, auch eine Kirche, in welcher alle 14 Tage vom Diaconus zu Theuma Nachmittags-Gottesdienst gehalten wird.

Dagegen werden die Taufen und Trauungen alle in der Hauptkirche zu Theuma verrichtet, so wie auch die in Tirpersdorf Verstorbenen auf dem Gottesacker zu Theuma beerdigt werden.

Ein besonderer Schullehrer ist in Tirpersdorf angestellt, indem Tirpersdorf mit Lottengrün zu einer Schule verbunden ist, welche von 130 Kindern besucht wird.

Der frühere grosse Besitz der Herren von Tettau in hiesiger Gegend, und ihre Beleihung mit dem grossen Grundbesitze von Kloster Mechelgrün war die Veranlassung, dass Theuma eine der stärksten Parochieen des Voigtlandes wurde und durch die Ueberzahl der schulpflichtigen Kinder von den vielen Ortschaften mehre Zweigschulen erhielt, wie z. B. in Grossfriessen, in Zschokau, in Mechelgrün, in Tirpersdorf mit Lottengrün.

Die Collatur über die Kirchen und Schulstellen der Parochie steht dem Superintendenten zu Plauen zu, welches Recht durch Aufhebung des Klosters als den ersten Geistlichen der Kirche auf denselben übergegangen ist.

Alle diese Umstände beweisen genug, dass diejenigen im Irrthume sind, welche die frühere Existenz des Klosters Mechelgrün wegleugnen wollen.

Bemerkenswerth von Tirpersdorf ist der dasige graue Thonschiefer, welcher viele dunkle, sich oft kreuzende oder sternförmig gestaltende Serpentinkrystallchen enthält und Fruchtschiefer genannt wird. Die Lager dieses Fruchtschiefers ziehen sich hinüber bis Theuma und weiter noch.

Die Schicksale des Orts und der hiesigen Gegend anlangend, so gehen bestimmte Nachrichten davon bis zum Jahre 1633 zurück.

In diesem Jahre und zwar in Mitte des Sommers kamen die kaiserlichen Kriegsvölker und plünderten Alles. In Theuma blieben dieselben zwei Tage, steckten beim Aufbruch das Dorf in Brand, so dass da Niemand sich sehen lassen durfte, um zu retten, die Pfarre nebst 6 Bauergütern ein Raub der Flammen wurden.

Zu dem Kriegsübel sollte noch ein zweites hinzukommen – die Pest. Sie hauste so furchtbar, dass viele Häuser ganz ausstarben und in allen eingepfarrten Dörfern kaum noch 10 bis 12 Personen zu finden waren.

Durch Krieg und Pest wurde damals auch das noch mit nach Theuma eingepfarrte Dorf Frössig dergestalt verheert, dass jetzt davon blos noch geringe Spuren vorhanden sind.

Die Felder und Wiesen, welche dieser Ort besass, sind der Pfarre und dem Diaconate zu Theuma, so wie dem eingepfarrten Dorfe Grossfriessen zugefallen.

Auch im Jahre 1806 wurde hiesige Gegend noch ein Mal von Plünderung der Feinde heimgesucht, und zwar durch das Soultsche Corps. Seit dieser Zeit ist die Gegend von Kriegsdrangsalen und schweren Krankheiten verschont geblieben.

Die Bewohner von Tirpersdorf bestehen aus Bauern und Häuslern, wovon die ersteren ihr Feld bauen, die letzteren im nahen Oelsnitz und auf den Rittergütern ihren Unterhalt finden. Das weibliche Personal beschäftigt sich hier schon häufig mit feinen Stickereien der sogenannten Plauen’schen Waare.

Tirpersdorf mit seinen 630 Einwohnern in 100 Häusern gehört dem Gerichtsamte Oelsnitz an, während Pilmesgrün mit Jägerswald dem Gerichtsamte Falkenstein zugetheilt ist.

M. G.