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der ganze hiesige Holzbestand ein vortrefflicher zu nennen, da überhaupt auch immer wieder neue Obstculturen angelegt worden sind.

Auch Jagd und Fischerei war von jeher hier nicht unbedeutend. Denn der Wildstand wurde gepflegt und das Wild selbst hatte einen trefflichen Aufenthalt wegen der schönen Wiesengründe.

Tirpersdorf besitzt, wie oben schon erwähnt worden ist, auch eine Kirche, in welcher alle 14 Tage vom Diaconus zu Theuma Nachmittags-Gottesdienst gehalten wird.

Dagegen werden die Taufen und Trauungen alle in der Hauptkirche zu Theuma verrichtet, so wie auch die in Tirpersdorf Verstorbenen auf dem Gottesacker zu Theuma beerdigt werden.

Ein besonderer Schullehrer ist in Tirpersdorf angestellt, indem Tirpersdorf mit Lottengrün zu einer Schule verbunden ist, welche von 130 Kindern besucht wird.

Der frühere grosse Besitz der Herren von Tettau in hiesiger Gegend, und ihre Beleihung mit dem grossen Grundbesitze von Kloster Mechelgrün war die Veranlassung, dass Theuma eine der stärksten Parochieen des Voigtlandes wurde und durch die Ueberzahl der schulpflichtigen Kinder von den vielen Ortschaften mehre Zweigschulen erhielt, wie z. B. in Grossfriessen, in Zschokau, in Mechelgrün, in Tirpersdorf mit Lottengrün.

Die Collatur über die Kirchen und Schulstellen der Parochie steht dem Superintendenten zu Plauen zu, welches Recht durch Aufhebung des Klosters als den ersten Geistlichen der Kirche auf denselben übergegangen ist.

Alle diese Umstände beweisen genug, dass diejenigen im Irrthume sind, welche die frühere Existenz des Klosters Mechelgrün wegleugnen wollen.

Bemerkenswerth von Tirpersdorf ist der dasige graue Thonschiefer, welcher viele dunkle, sich oft kreuzende oder sternförmig gestaltende Serpentinkrystallchen enthält und Fruchtschiefer genannt wird. Die Lager dieses Fruchtschiefers ziehen sich hinüber bis Theuma und weiter noch.

Die Schicksale des Orts und der hiesigen Gegend anlangend, so gehen bestimmte Nachrichten davon bis zum Jahre 1633 zurück.

In diesem Jahre und zwar in Mitte des Sommers kamen die kaiserlichen Kriegsvölker und plünderten Alles. In Theuma blieben dieselben zwei Tage, steckten beim Aufbruch das Dorf in Brand, so dass da Niemand sich sehen lassen durfte, um zu retten, die Pfarre nebst 6 Bauergütern ein Raub der Flammen wurden.

Zu dem Kriegsübel sollte noch ein zweites hinzukommen – die Pest. Sie hauste so furchtbar, dass viele Häuser ganz ausstarben und in allen eingepfarrten Dörfern kaum noch 10 bis 12 Personen zu finden waren.

Durch Krieg und Pest wurde damals auch das noch mit nach Theuma eingepfarrte Dorf Frössig dergestalt verheert, dass jetzt davon blos noch geringe Spuren vorhanden sind.

Die Felder und Wiesen, welche dieser Ort besass, sind der Pfarre und dem Diaconate zu Theuma, so wie dem eingepfarrten Dorfe Grossfriessen zugefallen.

Auch im Jahre 1806 wurde hiesige Gegend noch ein Mal von Plünderung der Feinde heimgesucht, und zwar durch das Soultsche Corps. Seit dieser Zeit ist die Gegend von Kriegsdrangsalen und schweren Krankheiten verschont geblieben.

Die Bewohner von Tirpersdorf bestehen aus Bauern und Häuslern, wovon die ersteren ihr Feld bauen, die letzteren im nahen Oelsnitz und auf den Rittergütern ihren Unterhalt finden. Das weibliche Personal beschäftigt sich hier schon häufig mit feinen Stickereien der sogenannten Plauen’schen Waare.

Tirpersdorf mit seinen 630 Einwohnern in 100 Häusern gehört dem Gerichtsamte Oelsnitz an, während Pilmesgrün mit Jägerswald dem Gerichtsamte Falkenstein zugetheilt ist.

M. G.     



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 182. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/275&oldid=2972318 (Version vom 7.1.2017)