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Gotthard v. Schaffgotsch-Kynast, durch den Tod entrissen, ehelichte er 1838 die Gräfin Emilie v. Gneisenau, welche 1855 als Oberhofmeisterin zu Weimar gestorben. Der Graf nämlich, obwohl sächsischer Kammerherr seit 1846 und Mitglied der ersten Kammer, war doch – unzufrieden mit den damaligen Massregeln der Regierung – nach Weimar, wo er am Hofe Obermundschenk 1851 geworden, fortgezogen. Nachdem er noch im October 1852 die Gerichtsbarkeit zu Mühltrof der Regierung überlassen, entschlief er in Hohenpriesnitz am nächsten 11. December, beweint von allen, die ihm näher standen. Von seinen beiden Söhnen übernahm Graf Karl Friedrich Moriz (aus 2ter Ehe) die 4 Muldengüter, wogegen der in Dresden am 21. Juni 1830 geborene Graf Karl Julius Leopold als Majorats- und Fideicommisserbe auch Mühltrof bekam; er verliess sofort den Dienst als preussischer Husarenlieutenant, und ward 1855 sächsischer Kammerherr. Bisher hat er von seiner Gemahlin Auguste Isidora v. Wuthenau (seit 1853 und 1856) die Söhne Karl Xaver Maximilian und Karl Rudolf Eugen. Er ist auch Ehrenritter des preussischen Johanniterordens.

Der zu Ende der ersten Spalte auf S. 114 erwähnte Graf Peter Alfred besass früher die Standesherrschaft Königsbrück. – Der S. 114, Z. 11 vorkommende „Justizbeamte“ Otto Leonhard Heubner, als einer der Triumvirn 1849 zum Tode verurtheilt, wurde vom K. Friedrich August zu 20jährigem Zuchthause, vom K. Johann 1859 zur Freiheit begnadigt. Seine in Waldheim geschriebenen Gedichte sind bekannt, erhaben und frei.

Mühltrof zählte 1779 erst 210 Wohnparteien und 1802 in 169 Häusern 1129 Consumenten, 1834 aber in 175 Häusern 1509 – und 1858 in 193 H. 1887 Seelen. Vereinzelt stehen das Vorwerk Schafhof, das Vorwerk Wildhaus (Wildenberg oder der wilde Berg,) welches ursprünglich nur ein Forsthaus gewesn sein soll, das Lusthaus Luisium, das Schiesshaus, die Fällmeisterei, 2 Mühlen etc. Ohne den hiesigen Antheil an Schönberg enthielt 1858 der Gutssprengel 3744 Seelen. Statt des vorletzten Alinea des Artikels schlagen wir folgendes vor: „Zubehör des Gutes sind, ausser der Stadt, die Dörfer Drösswein, Langenbach, Langenbuch, Ranspach mit dem Hüttenhause (der einstigen Alaunhütte,) Thierbach, Wallengrün, endlich 3 Güter und 1 oder einige Häuser in Schönberg, welches übrigens zu Leubnitz und Rodau, sowie unter das Amt gehört, und wo die Obergerichte stets landesherrlich gewesen. Denn diesen Theil Schönbergs haben erst später die Edlen Säcke zu Mühltrof hinzugekauft. Dasselbe galt zwar auch Antheilen an Pöllwitz (im Reussischen) und Ebersgrün, welche aber wieder davon abgekommen. – Die Herrschaft übt die Collatur auch in Langenbach, Langenbuch und Thierbach mit Rannsbach, zusammen über 4 geistliche und 7 Schulstellen. – Einigen Antheil an der Gerichtsbarkeit hatte in der Stadt, namentlich im Lehn- und Hypothekenwesen, der Stadtrath; seit 1849 aber hat man nicht wieder einen Stadtrichter gewählt; der letzte war zugleich Bürgermeister; aber auch diese Stelle ist jetzt offen.

Die Ortsflur, viel Waldung befassend, ist über 1/4 Quadratmeile, nämlich 25703/4 Acker gross. Hiervon gehören der Herrschaft 41/2 Acker Hofräume und Gärten, 2581/2 Acker Feld, 203 Acker Wiesen, 8094/5 Acker Holz, 1251/4 Acker Hutung, an 36 Acker Teiche, zusammen aber 14375/9 Acker; das Pachtland gab eine Annonce zu 812 magdeburger Morgen an. Noch kommen hierzu 2944/15 Acker Holz in der Flur Drösswein, und auf allen 1732 Ackern nur mässig guten Bodens ruhen auch wirklich nur 12489 Steuereinheiten. Unter dem Humus lagert Grauwacke. – Die gesammte (noch übrige) Herrschaft befasst 81534/11 Acker, gegen 0,82 Quadratmeile. – Die herrschaftliche Schäferei steht nordwestlich vom Orte, an der Schleitzer Strasse, unweit des Luisiums, die Ziegelei aber in Westen. Das Gut hat starke Dampfbrennerei. Die Frohnen und Schaftrift wurden im ganzen Sprengel 1837 abgelöst, auch 1842 das öffentliche Gerichtsverfahren beliebt, die Sparkasse errichtet, ein neues Statut aufgestellt, eifrig geturnt, und eine Anleihe für den Schulbau eröffnet. 1847 wurde die Poststelle eröffnet, und 1848 kamen die ehemaligen Viehmärkte wieder in Gang. Beim Jubelfeste 1857 eröffnete man eine Sammlung zum Bau des noch fehlenden Kirchthurmes.

Nicht ohne Grund spricht die Sage von einem hinter der Kirche gewesenen Franciskanerklösterchen, dessen Rest später als Gerichtshaus diente. – Der hiesige Pfarrer hatte sonst nicht nur Lehnleute, sondern auch Gerichtsunterthanen in den Reuss-Schleizischen Dörfern Arnsgrün, Mielesdorf, Büna und Görschnitz; ja, 1857 noch die Erbgerichte über ein Gut in Mielesdorf, welcher Name uns in der That so erklingt, als bedeute er dasselbe mit Alt-Mühltrof, d. h. den Ort für die Mühltrofer Alden oder Burgfröhner. – Bis zur Reformation gehörte die Collatur dem Schleitzer Deutschordenscomthur, und damals soll die Kirche blos eine Schlosscapelle gewesen sein. Noch erhält der Pfarrer aus der Schleizer Kämmerei jährlich 13 Gülden; unter denen v. Bodenhausen hatte er das Prädicat als Hofprediger. Der Cantor erhält sein Fixum theils von den Mühltrofer und Leubnitzer Herrschaften, theils aus den Langen- und Thierbacher Kirchkassen. – Die eigentliche Stadtkirche liess 1648 Franz Wilhelm v. Bodenhausen unter dem Versprechen eines Neubaues rasiren, welcher aber ausblieb. Seitdem geschah der Gottesdienst in der 1588 erweiterten Schlosscapelle, welche 1606 und wieder 1753 einen neuen Thurm erhielt, auch vor 160 Jahren verlängert wurde. Ein Tunnel verband sie mit dem (hypothetischen) Kloster. Ihren kunstreichen Schreinaltar verzehrte der Brand am 22. Juli 1817, welcher ausser dem, zwar nicht hoch stehenden, wohl aber auffallend hoch gebauten Schlosse, indem er es erniedrigte, auch die Kirche und noch 11 Häuser betraf. Der Schlossthurm glich bis dahin den alten runden Thürmen zu Kohren u. a. aus dem früheren Mittelalter; Restaurationen erhielt er 1719 und 1753. – Die mitten in der Stadt stehende Herrnmühle ist schon längst Privatgut. Die Bessermühle liegt entfernt und recht anmuthig am südwestlichen Fusse des Wernitz-Hügels, in dessen Namen eine Wüstmark sich zu verkünden scheint. Es dürften auch früher 2 Dörfer Namens Thierbach hier gewesen sein; denn der grosse Thierbacher Teich kann seinen Namen schwerlich nach dem 3/4 Stunde davon entlegnen heutigen Thierbach haben. – Mühltrof selbst wollen Manche auch im Namen der „Weller von Molsdorf“ erkennen, da diese Familie im Voigtlande begütert gewesen; so kommen 1428 zwei Konrad Molsdorfer vor: auf Gansgüin und auf Möschwitz.

Zu den bekannteren Söhnen der Stadt gehören der 1754 als Gymnasialprofessor zu Gera gestorbene starke Philolog Johann Christoph Macher oder Majer; der einst sehr beliebte Componist Christian August Gabler in Leipzig, Reval und Gotha; der 1857 in Cincinnati gestorbene Theodor Dietzsch, Mitglied des Frankfurter und des Stuttgarter Parlamentes.

Mühlhausen. (S. 171 d. A.) S. unsere Nachträge an anderm Orte. Hier ist nun noch zu bemerken, dass Sp. 2, Z. 2, statt „Fölmstrei“ zu lesen ist „Fällmeisterei“; dass die Gemeinde auch die 4 Häuser Jüdenloh und die beiden Häuser Höllkruken begreift; endlich das in der Kirche zu Landwüst das wunderthätige Marienbild noch vor 100 Jahren, jedoch versteckt, vorhanden gewesen.

Mylau (S. 9b d. A.) vom Bache an der Milen so genannt, liegt ein Stündchen westlich von Reichenbach, 1/3 Stunde von der Landesgrenze und 11/2 Stunde von Greiz auch kaum 1/2 Stunde östlich von Netzschkau in sehr bergiger nicht aber rauher Gegend, wie denn die mittlere Flurhöhe nur 1045 Fuss beträgt, dem höchsten Flurpunkt dürfte aber 1230 Fuss beizumessen sein. Diese fällt jedenfalls auf den Abhang des in Westen ansteigenden hohen nakten Myhlbergs, dessen Thonschiefer stark zu Tage ausliegt, so das er dem Feldbau vieles Land vorenthält.

Der Burg lassen sich am wahrscheinlichsten von 1070 bis 1090 Fuss beimessen.

Dieses stattliche Bauwerk des Alterthums gehört zu den interessantesten und baugeschichtlich lehrreichsten des Landes.

Der gegen 70 Ellen hohe Schlossberg steigt südlich aus dem hier engen Göltschgrunde, fast mit der Steilheit einer Felswand an, ist aber übrigens theils minder steil, theils weniger hoch, so dass seine sehr niedrige Vorstufe in Westen noch die Kirche und den engen Markt des Städtchens trägt. Auf dem nördlichen Abhange stehen alte ehrwürdige Linden. Von beiden schmalen Seiten der Burg zeigt die westliche an den Ecken 2 vierkantige Thürme deren einer die Rüstkammer und in dieser 2 Feldschlangen enthält. Sie verbindet ein kurzer, hoher, nach alter Art kostbarer Flügel, welchen jedenfalls der Kaiser bewohnte.

Die nördliche Längenseite der Burg besteht wesentlich aus einem jetzt dachlosen Corridorgebäude mit Wirthschaftsräumen und dem Burgthore.

Die an diese stossende Kapelle hat in den Hof heraus blos ein sehr grosses Spitzbogenfenster, nordwärts aber (also nach aussen) für den Altar eine Ausbauchung, wie man solche auch am Wolkenburger Schlosse bemerkt. Diese nördliche Längenseite schliesst mit dem runden Burgverliesse und Wachthurme, welcher jedenfalls Karls IV. Zeitalter weit übersteigt und in welchen man zwar von unten gelangen kann, aber – wie in Wolkenburg – durch eine Thüre, die offenbar erst neuerer Zeit ihre Entstehung[WS 1] dankt.

Die südliche Längenseite besteht hauptsächlich ausser einigen (auch die schmale Ostseite bildenden) Wirthschaftsgebäuden, aus einem langen Flügel, der gleich dem Palaste 3 Etagen hat und offenbar zum kaiserlichen Neubau gehörte.

Der Hof zerfällt sehr auffallend in Hälften, obwohl nicht ein eigentliches Gebäude ihn theilt, blos ein grosser Thorweg. Die niedere, grössere und besonders weit breitere Westhälfte war ursprünglich wohl der Vorhof mit den Wirthschaftsgebäuden, wurde aber vom Kaiser zur Hauptpartie erhoben, denn augenfällig muss die, um einige Ellen erhöhete, hintere enge Hälfte der ursprüngliche Burghof gewesen sein.

So breitet sich ein Burgbau unsern Augen dar, wie die meisten böhmischen Burgen, auch wie Greiz, Rochsburg, u. s. w. ihn zeigen: dass nämlich selbst dann, wenn Feinde schon in den Burghöfen waren, doch im obersten Schlosstheile noch Gegenwehr möglich blieb.

Das Ganze umläuft, wie zu Liebau, in grösserer Tiefe eine Ringmauer, die ziemlich nicht mehr in ihrer ganzen Höhe durchweg steht. Wer diese Gegend bereist, versäume nicht den Schlossberg zu besteigen.

Nach dem Tode des Greizer Voigt Heinrich im Jahre 1240 hat dessen Sohn Greiz und Mylau an den nachmaligen Pleissner Landes-Regenten, den Plauischen Voigt Heinrich verkauft; auf die Reussen ist aber diese Besitzung zur Verleihung nie übergegangen, überhaupt kann man nicht von Voigten von Reuss reden.

Die Herren von Milan waren ursprünglich nicht beliehene Besitzer, sondern nur erbliche Castellane der Burg.

Wir finden z. B. aus diesem Geschlechte 1222 einen Heinrich, 1250 Kunermund (welcher Cunsdorf angelegt haben soll) 1278 Herrmann, 1289 Wenzel, 1296 Leuthold, 1322 Fritz, 1327 Ritter Konrad, 1374 Markward, Panner des Bisthums Naumburg. Dieses Geschlecht ist aber wohl von denen von Mühlen zu unterscheiden, deren letzter, August Wilhelm um die Zeit der Leipziger Schlacht in sehr hohen Alter als Cadett gestorben ist.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Enstehung
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/340&oldid=3118093 (Version vom 30.4.2018)