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Bei den S. 43 besprochenen kirchlichen Verhältnissen fehlt der Umstand, dass Dröda und Bösenbrunn als combinirte Pfarreien Sorores sind, wesshalb denn auch die Collatur zwischen dem Plauischen Oberpfarrer als Nachfolger der Ordenscomthure (er ist auch Superintendent) und dem Bösenbrunner Gutsherrn (jetzt Herrn Johann Karl Friedrich Wauer) abwechselt. So auch bewohnt der Pfarrer anjetzt unsres Wissens nicht Bösenbrunn, sondern Dröda. Das 24 Acker befassende Pfarrholz sollen 1506 zwei Fräulein v. Tettau gewidmet haben.

Das nicht beträchtliche Gut versteuert 2420 Einheiten, und ist bei Canzler und bei Leonhardi unter den amtsässigen aufgeführt, war auch 1819 nicht landtagsfähig; es ist daher kaum glaublich, dass Dröda, wie das Album angiebt, 1660 die Schriftsässigkeit erworben haben sollte. 1576 hat Jobst Heinrich v. Watzdorf Dröda gegen das untere Rittergut zu Syrau vertauscht. Der im Album genannte Oberstlieuteuant v. Reitzenstein besass auch das nun bayrische Gut Hohendorf; das zugleich erwähnte Brix ist nicht etwa die böhmische Stadt Brüx, sondern ein nahes Gut in Bayern, das auf Landkarten Brex geschrieben ist.

Ebmath (S. 65 d. A.) hat man noch vor 100 Jahren häufig Ebnath geschrieben, zum Erweise, dass dieser deutsche Name derselbe sei mit Ebenheit bei Pirna, am Königstein und am Lilienstein. Genau eben so nennen Urkunden Ebmet bei Falkenau in Böhmen auch Ebenet, Ebenot.

Der Ort gehört unter die höchsten des Voigtlandes, da Wiemann im Gasthause 1918 Fuss Seehöhe gefunden; die mittle Flurhöhe beträgt gleichfalls 1860 Fuss. – Ebmath zählte 1834 in 36 Häusern 266 -, 1858 in 41 Häusern 328 Bewohner. Diese unterliegen, nachdem das früher schriftsässig (aber nicht landtagsfähig gewesene) Gut am 30. April seine (volle) Gerichtsbarkeit abgegeben, nun dem Amte Oelsnitz. Dem mit Sachsgrün noch immer combinirten Gute hat das Bauergut Nr. 25 nur mit Ober-, hingegen mit Erbgerichten dem Rittergute Eichigt zugehört. Die durchführende Strasse von Oelsnitz nach Asch ist seit 1851 chaussirt, und es giebt daran ein nach Eibenstock ressortirendes Nebenzollamt. Das Grenzbächlein heisst hier die Rugitz, offenbar auf einen eingegangenen Ort deutend, möge dieser nun sächsisch oder aschisch gewesen sein. Vermöge der internationalen Zollordnungen besitzt der Gasthof Niederlags- und Vorladungs-Recht.

Auf S. 65. wolle man Z. 2 v. u. für Naundorf setzen „Neundorf“.

Das Gut gehörte 1542 dem (desshalb 1 Ritterpferd stellenden) Kunz Rabensteiner auf Ottengrün. – Den in Album erwähnten Alexander v. Eichicht nennt eine Nachricht von 1559 Alexander von Eicheln; sein Gut Langenberg war nicht etwa jenes bei Ronneburg, sondern das heutige Förstel bei Elterlein. – Jetzt und schon längst hat das hiesige Rittergut weder Gebäude, noch Feld. – Um das J. 1580 war es (s. S. 97 des Albums) v. Reiboldtisch.

Elster, (S. 70 d. A.) der jetzt so besprochene Bade-Ort, welchen Albinus vor 300 Jahren als ein „Städlein“ aufführte, und wo die sogenannte „kleine Elster“ den Namen der Elster (schlechthin) annimmt, liegt im nunmehrigen Amtsbezirke Adorf. 2 Meilen nordnordwestlich von Eger und 11/2 vom böhmischen Heilorte Franzensbad, keineswegs aber 2000 Fuss, sondern hinsichtlich der Kirche nur 1542 nach Wiemann oder 1576 Fuss nach Lohrmann über der Nordsee. Letzterer fand die Elster zunächst dem Bade 110 Fuss, Wiewann die Hauptquelle nur 77 Fuss unterhalb der Kirche. Die Flur, im Mittel 1595 Fuss hoch, begreift zugleich die Beiörtchen Reuth und Bärenloh. 2000 Fuss hoch aber dürften etwa die Quellen der Elster liegen, wenn man der Höhe des Capellberges (s. unter Schönberg) und daran gedenkt, dass Lohrmann die Elster zu Niederreuth im Aschischen 1658 und auf der Gränze 1504 Fuss hoch gefunden. Als Hauptquelle der Elster betrachtet man den „Elsterbrunn“, nahe nördlich beim Dorfe Steingrün auf der bömischen Herrschaft Hasslau, jedoch auf Aschischen Boden, im Tannichtholze.

Jedenfalls beruht der Name auf dem slavischen Namen der Erle (Olsa,) wie denn die grössere (schwarze, ehemals heilige) Elster, welche Markneukirchen durchfliesst, auch der Erlbach heisst. Wie Böhnisch in seiner überhaupt von phantastischen Irrthümern strotzenden Schrift über Camenz darauf verfallen, im Namen Elstra die Bedeutung eines heilenden Wassers zu finden, vermögen wir nicht zu ergründen. Die früheren Dichter gaben dem Flusse gern den latinisirenden Namen Aliso; gangbarer aber ist die Form Elystra.

An 200 Häuser, wie das Album annimmt, hat die Gemeinde Elster nie gezählt, vielmehr selbst nach dem starken neuern Anbau 1858 erst 189 mit 1437 Seelen, davon auf Bärenloh resp. 25 und 170 kommen 1834 aber hatte Elster selbst nur 671 Seelen in 78 Häusern, Bärenloh 116 in 21; hierzu kamen 5 Häuser in Kessel, 4 in Christiansreuth und die 19 „oberen und unteren Reuthhäuser“ oder der Ort Reuth. Dem Rittergute unterliegen nächstdem noch 2/3 von Gürth (der Rest dem Amte), etwa 3/7 von Raum (übrigens 1/3 dem Amte, 3 Häuser dem Gute Mühlhausen, der Rest dem Diakon zu Markneukirchen), ganz Kleedorf mit seinen 4 Häusern, endlich 1/4 von Landwüst, welches mit einem kleinere Theile nach Mühlhausen, übrigens unter das Amt gehört. – Der Elster’sche Gerichtssprengel hatte 1801 erst 600 Consumenten. Ob die hiesige Glashütte wieder in Betrieb gekommen, ist uns zur Zeit unbekannt. Zu Reuth gehört auch die Einöde Schwarzenbrunn. In Elster selbst unterlagen von 78 Häusern 1834 dem Amte 17, beide Mühlen aber dem Rittergute. Die meist geschmackvollen Logir- u. a. Häuser bei den Hauptquellen werden auch der neue Anbau genannt.

Zur Zeit ist die Kirche in einem sehr geringen Zustande, der sich jedoch allmälich bessern wird. Einen Anfang hierzu bildet das schöne Taufbecken, welches, gegossen zu Lauchhammer, der Cabinetsminister Graf Detlev v. Einsiedel 1858 hierher widmete. – Sonst hatte das Dorf eine Communalgarde, hauptsächlich wegen so dichter Lage an der Gränze. Jetzt giebt es eine Postexpedition, ein zu Eibenstock ressortirendes Nebenzollamt, eine Apotheke, eine selbständige Weberinnung, und wegen des von der Regierung übernommenen „Mineralbades Elster“ (wie es officiell heisst) haben ein Badecommissar (jetzt Oberlieutenant v. Paschwitz), ein königl. Bade- und Brunnenarzt (Dr. Robert Flechsig auf Freiberg), ein Badverwalter, ein Maschinenmeister, ein Bademeister, ein Kunstgärtner etc. hier ihre Anstellung durch das Ministerium des Innern.

Hinsichtlich des frühern Ressortverhältnisses dieses Gutssprengels zur Herrschaft Asch, ziehen wir aus der 1785 erschienenen Schaller’schen Topographie von Böhmen die auch von Fabri in das neue geogr. Magazin (V, S. 190) aufgenommenen Worte an: „Im Reichscanzleistyl sowohl, als auch in dem 1775 den 10. März den (nämlich Aschischen) Lehnbesitzern von Zedtwitz mitgetheilten Decret wird es (nämlich das Ascher Gebiet) das im Egerischen Bezirke liegende Ascher Gericht genannt. Asch giebt zwar dem ganzen Bezirke den Namen; die Herrschaften aber werden nach ihren Stammhäusern Neuberg, Krugsreut, Schönbach, Sorg, Asch, Elster genannt, welches letztere ein in Kursachsen am Ascher Gerichte angelegenes kursächsisches Rittergut ist, und von den Besitzern des Ascher Gerichts von uralten Zeiten her in Besitz gehalten wird.“

1661 erscheint Erdmann v. Zedtwitz als Besitzer. – Insofern aber Elsters Besitz Jahrhunderte hindurch mit dem von Neuberg – sonst Neidberg – im Aschischen verbunden gewesen, wird es wahrscheinlich, dass das Gut Elster ursprünglich nur ein Avulsum der Neidberger Herrschaft gewesen, in deren Geschichte jedoch einzugehen hier kaum mehr der Ort sein dürfte.

Nachdem das Gut 1849 seine Gerichtsbarkeit der Regierung überlassen, ist Elster ein Adorfischer Amtsort. Obwohl der vormalige Besitzer Pentzel (nicht Penzel) erst 1855 gestorben, hatten es doch schon 1845 die heutigen Besitzer, unter denen der Canzleidirector Karl Christoph Schmidt, Ritter des Verdienstordens, nun das Prädicat eines Geheimregierungsrathes führt, auch in der Brandversicherungscommission 2ter Rath, sowie seit 1858 Director der Forst- und Jagd- Wittwen- und Waisen-Versorgungscasse ist. Wogegen sein Genoss der Rentamtmann Ernst Brunner, unseres Wissens Elster bewohnt.

Auf S. 71 setze man Z. 9 für „erhielt“ vielmehr „hielt“, und Z. 12 nehme man nicht so, als habe der Adorfer Stadtrath die Collatur zu Elster erlangt: vielmehr erhielt er die des Adorfer Diaconates. Solang der Diakon zugleich Elster versah, wurde somit den Elsterischen allerdings ihr Prediger vom Rathe gegeben; diese sogenannte Collatur endete aber ohne weiteres, sobald 1851 Herr Gustav Kuhn aus Dresden als Pfarrer hier eingesetzt wurde; somit ist die Collatur in den Händen des Cultministerii. So ist es auch mit dem Cantorate, welches bis 1851 der Adorfer Diakon vergab. – Z. 15 soll es heissen: „seit dem Jahre 1581“ – 1858 hatten Mühlhausen 430, Raum 391, Sohl 583, Arnsgrün 225, Gürth 128, diese zusammen also 1757 Seelen, so dass die Totalsumme in den sächsischen Orten 3194 war. Hierzu aber kommt noch das böhmische Dorf Grün, welches 1846 610 Seelen enthielt; unter ihnen nur wenige (nach Niklasberg bei Asch gepfarrte) Katholiken. Man hat also jetzt der Elsterischen Pfarrkinder 3800 anzunehmen. Zweimal jährlich hat der Pfarrer in der Rauner Capelle zu predigen.

Das Rittergut zeichnet sich nicht eben durch starke Oekonomie aus, versteuert aber doch wegen der ansehnlichen Holzungen 7112 Einheiten. Es besitzt ein Schäfereivorwerk, und stellte 1542, wo Haus v. Zedtwitz es nebst Landwüst und Raum besass, 2 Ritterpferde.

Doctor Leisner (nicht Leissner, wie S. 71 steht) schrieb sein 1669 schon gedrucktes Büchlein nicht erst 1699; auch schrieb er nicht Säuerling, sondern durchweg Sauerling. Dem Augustusbrunnen giebt er das Prädicat eines guten „Räschers“. – Der Juchheh (S. 72, Z. 2) ist nicht sächsisch, sondern böhmisch. – 1848 gab es hier auch ein seltnes Jubiläum, nämlich für den Ortsrichter Stöss. – Bei der „Sicherheit“ (Z. 19) ist doch der Lage an der Gränze zu gedenken, und man darf sich auch nicht wundern, wenn die „Wohlfeilheit“ nach gerade schwindet.

Bisher das Album begleitend, fügen wir fortan noch einiges hinzu. Den aus Westen her der Elster zufallenden Wolfsbach nimmt Trommer für die Mülwe der allbekannten Plauischen Urkunde von 1123. – In Südwest steigt der zum Theil böhmische Wolfsberg, in Nordost der Brunnen- (sonst Galgen) berg an. – Die Pfarrei unterliegt dem Markneukirchener Ephorus, und zur Schule gehören noch Heissenstein, Reuth, Glashütte, Kessel und Bärenloh. Die wenigen Katholiken sind zwar nach Zwickau gepfarrt, besuchen aber meist die Niklasberger Kirche, dicht bei Asch. – Im Zollamtsgebäude befindet sich auch seit kurzem ein östreichisches (doch nach Grün benanntes) Nebenzollamt.

Unter den, 1846 auch vom König Friedrich August gekosteten Quellen ist zuerst der unterhalb des Dorfes gelegne Augustusbrunnen näher zu besprechen. Professor Lampadius fand 1799 im Pfunde seines Wassers 25 Gran schwefelsauern, 131/2 Gran salzsauern und 5 Gran kohlensauern Natrons, 1 Gran kohlensauern Eisens, 11/4 Gran kohlensauern Kalks, 1/2 Gran kohlensauern Talkes, 3/4 Gran Kieselerde, überhaupt also 47 Gran fester Bestandtheile, sowie in 1000 Cubikzoll Wassers 763 Cubikzoll kohlensauern Gases. Prüfungen nahmen dann auch 1812 und 1819 der Apotheker Bienert, 1832 Seybold vor, nach dem 1818 ein Anfang zur Wiederbenutzung geschehen. Aber die frühere Benutzung ist schon sehr alt, überstieg – wie Leisner sagt – 1669 schon das Menschen-Gedenken, wie man denn auch zum berauschenden Trinken damals das Wasser stark nach Adorf holte.