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Oertchen Untertriebelbach, das ausser der Fuchsmühle noch 5 Häuser enthält. – Der vom Album gerühmte Cantor Gemeinhardt lebte 1744 bis 1821 und sein Nachfolger Groh amtirt noch jetzt in Untertriebel. – Seit 1857 ist der Pfarrer nicht mehr zugleich Schullehrer, dies Amt erhielt ein Dietz aus Theuma. – Bösenbrunn ist bis 1614 ein Oelsnitzer Filial gewesen, zinste auch dortigem Kirchner noch vor Kurzem einiges Getreide. – Zur Restauration der Kirche (S. 128, Sp. 1 zu Ende) opferte besonders reichlich der Gutsherr Schaumburg. – Die Tribel quillt nicht südwestlich von Adolf, sondern 21/4 Stunde westlich davon, im Schirndinger (nicht Schirnin Walde).

Das Rittergut besass 1715 der Marschcommissar Adam Ulrich v. Neidberg auf Planschwitz, 1757 der Kammerjunker v. Brandenstein auf Sachsgrün und auf Zürchau bei Altenburg. 1739 und 1750 findet man hier die Trützschler. Unter den Seidel war hier der erste Christian Gottlob und Johann Gottlieb erwarb 1805 auch Neundorf bei Plauen.

Herr Johann Karl Friedrich Wauer übernahm das Mannlehn Bösenbrunn 1842, und hat es noch jetzt. – 1819 besas August Ferdinand Wilhelm Seydel (denn so schrieb sich dieser) zugleich Troschenreuth. – Das Gut hat Lehnunterthanen auch noch in Lauterbach, Schönbrunn und Burckhardsgrün. – Die Schäferei steht beim Klingersteinhause.

Den ganzen Ort liess Holki am 11. August 1632 verbrennen. Im J. 1851 kam hier der sonderbare Fall vor, dass ein 9jähriger Knabe sich als lebensmüde erhenkte.

Bobenneukirchen (S. 157 d. A.) ist selbstverständlich nicht nach einer Göttin Baba, sondern entweder nach einem Manne Babo (Poppo) oder aber nach der Stadt Bamberg (Babenberg) unmittelbar, also nach Kaiser Heinrichs I. Schwester Baba mittelbarerweise genannt. Letztere nämlich begründete und benannte Bam- oder Babenberg, unter dessen Bisthum unser Ort bis 1525 gestanden. Man fand aber den Vorsatz Baben- oder Boben nöthig zum Unterschiede von dem in die Regensburger Diöcese gehörigen Markarukirchen. Auch der Mannsname Babo kommt in dieser Gegend mit historischer Sicherheit vor; so besass z. E. Babo von Sparneck 1298 Müncheberg in Bayern. – In der 6ten Textzeile ist für „Baben neun Kirchen“ zu setzen: Baben neuen Kirchen; und in der letzten Zeile ist „Grottensee“ eine falsche Schreibung; denn nach Analogie solcher heiliger Tümpel bei Crottendorf, Eibenstock etc. beruht der Name auf dem des Götzen Krodo.

Der Ort, früher ein Marktflecken, liegt 31/2 Stunde südwestlich von Plauen, 1 Stunde von der bayrischen Gränze, 23/4 Stunde nordöstlich von Hof, am Fusse des Gränzgebirges; die Kirche fand Wiemann 1393 Fuss hoch, also 167 Fuss unterhalb der Mittelhöhe der überaus stark variirenden Flur, welche zum Theil schon ziemlich rauh liegt. In Südwesten steigt der Kegelberg an. Der von Ottengrün kommende Bach fliesst nordwärts weiter. In der Flur hat man sonst auf Schiefer gebaut.

Die Beiörtchen zugerechnet, enthielt 1834 der Ort 666 Seelen in 138 Häusern, deren 4 mit voller Gerichtsbarkeit dem Amte Voigtsberg und eben so viele eben so dem Gute Posek unterlagen; letzterer Theil befasste das einzige sächsische Haus in dem übrigens bayrischen Oertchen Zeche. Im Reste von Bobenneukirchen gehörten dem Amte die Obergerichte, hingegen erbgerichtlich 35 Häuser unter das hiesige, 84 unter das Drödaische und 11 unter das Pirker Rittergut. Seit dem Mai 1856 aber hat das Amt durchaus die volle Gerichtsbarkeit. Uebrigens ist auch in die obige – obwohl ofizielle – Angabe der Vertheilung des Dorfes starkes Misstrauen zu setzen, indem eine andere Angabe, gleichfalls im J. 1834, dem hiesigen Gute 84, dem Pirkischen 47, dem Posekischen 15, dem Drödaischen nur 5, endlich dem Amte 4 Häuser beischreibt. Hiermit stimmt auch eine Nachricht vom J. 1643, wornach Türbel (jetzt also Pirk) 35 Güter und 7 andere Häuser, ausserdem noch 12 Lehnunterthanen hier gehabt. Dieser Pirkische Antheil befasst mit die Nebenörtchen Weidig, Einsiedel und Weissenstein, der Posekische aber das Waisenhaus; die 8 Häuser des Pfaffenberges unterliegen hiesiger Herrschaft. – 1858 dagegen gab es 157 Häuser und 995 Bewohner.

Das hiesige Gut ist durch Avulsionen so abgeschwächt worden, dass es nur noch 5385/9 Einheiten versteuert, und 1859 um 12000 Thlr. ausgeboten wurde. 1542 hatte es Hanns v. Reitzenstein, 1770 der preussische Hauptmann v. Olsen, 1804 ein Herr Spiess; 1849 kam es vom Major Christian Friedrich Spiess als ein Allodialgut an die Canzellistin Domsch in Dresden; bald nachher hatten ein Neumann und Domsch es gemeinsam, davon jedoch letzterer 1854 seinen Antheil an Johann Samuel Heinrich Hänsel vertauschte; 1854 aber schon trat den Besitz Herr Rudolf v. Kryger an, welcher Dresden bewohnt; im Album ist er irrig v. Krüger geschrieben. – Obwohl das Gut, welches 1801 erst 290 Consumenten angab, nach früherer Verfassung neuschriftsässig war, so entbehrte es doch der Landtagsfähigkeit.

Die Parochie ist zugleich der Schulbezirk. Das Oertchen Höfel oder Höffchen hat ausser der Mühle noch 5 Häuser, und gehört dem Antheile der hiesigen Herrschaft zu. Bobenneukirchen ist der Sitz eines Schullehrervereines, und 1835 wurde auch eine Sonntagsschule eröffnet. – – Die im 2ten Alinea des Artikels angedeutete Urkunde von 1206 gehört zu den sehr verdächtigen; einen Auszug daraus gab Schultes im Directe dipl. II, S. 445.

Breitenfeld (S. 169 d. A.) liegt 31/2 Stunde südöstlich von Oelsnitz, an der von da über Markneukirchen und Landwüst nach Böhmen gehenden ältern Strasse, in waldiger Gegend, von der im Album erwähnten Markneukirchner Platte geschieden durch das Thal des Perlmuscheln herbergenden Ebersbaches. – Der Name kann freilich so wenig, als jener des Leipziger Breitenfeldes, auf einem Treffen beruhen; aber nach dem, was unter Wohlhausen zu sagen sein wird, scheint ein solches zufällig doch auch hier vorgekommen zu sein.

Das früher neuschriftsässig, dabei jedoch nicht landtagsfähig gewesene Rittergut gab, mit seinem Antheile an Siebenbrunn (der Ebersbachmühle und noch 1 Hause) 1801 nur 250 Consumenten an. Besitzer waren 1428 Hanns Wiedersberger oder v. Wirsberg, ein voigtischer Vasall, 1470 Eberhardt v. Uttenhof, der wegen des Zehnten mit der Wohlbacher Kirche prozessirte, und 1797 der baireuthische Kammerherr Philipp August v. Schirnding. – Für Minkwitz (S. 170) setze man: Heinrich Eduard Minckwitz. – Schon 1844 hatte Jani seine (volle) Gerichtsbarkeit an die Regierung ab- und diese sie 1853 dem Gerichte Markneukirchen übergeben. Jani bauete auch die Brauerei neu auf. Das Gut, belastet mit 36943/4 Steuersimplen, gehört an Stärke zu den mittleren, und hat auch eine Ziegelei.

Den Amtmann Jani findet man schon 1832 als Besitzer, obwohl Becker 1833 noch der Beliehene, die Wittwe Rudert aber 1835 Mitbesitzerin war. Bei den ersteren der constitutionellen Landtage sass August Jani in der II. Kammer. Opitz auf Netzschkau kaufte Breitenfeld 1849 im Vereine mit Porst (wie mehrere andere Güter), und vom Dr. Minckwitz kaufte es Herr Hermann Schuster. Jetzt sollen die Gutsfelder fast insgesammt unter die Dörfler vertheilt sein.

Deren waren 1834 in 41 Häuser 351, 1858 in 51 Häusern nur 305, was sich schwer reimt; zurückgegangen ist indessen die Seelenzahl wirklich in der letztern Zeit. Zur Gemeinde hält sich das in Süden sehr nahe Bornitzgrün mit 117 Seelen: nicht zu verwechseln mit Wernitzgrün bei Erlbach. 1852 waren in der Gemeinde 6 Instrumentmacher. – Die Flur hat die mittle Seehöhe von 1865 Fuss, und Lohrmann fand das Herrenhaus 1902, die Höhe des Schönek-Markneukirchener Weges 1937 Fuss hoch.

Hinsichtlich des Baues der Kirche zu Markneukirchen ist noch zu bemerken, dass ihn der geachtete alte Maurermeister Herold zu Greitz geführt und 1851 mit Ruhm vollendet hat.

Brotenfeld (S. 175 d. A.) auf Schenks Karte Brodenfeld, liegt in mässig-fruchtbarer Hügelgegend so, dass es mit Tirschen- und Zaulsdorf, Hartmannsgrün, Tirpersdorf, Getten- und Arnoldsgrün raint, rechts vom Görnitzbache. Die Flur hat 1540 Fuss mittler Höhe.

Schillbachisch ist seit 1856 das Gut nicht mehr, nachdem Frau Emma Ida Rosalie Ihle, geb. Rudert, es geerbt hat. Da es nur 33822/3 Einheiten versteuert, lässt sich an 600 Acker nicht denken; es muss hier entweder die ganze Ortsflur gemeint sein, oder ein Druckfehler obwalten. Seine volle Gerichtsbarkeit behielt dieses, ehemals blos amtsässige daher der Landtagsfähigkeit vor 1832 entbehrende, Allodialgut bis zum 16. Juli 1856, wo sie dem Gerichte Schönek zufiel. Einige Flurtheile lehnten dem Amte Voigtsberg und seit dem 12. Septbr. 1856 dem Schönecker Gerichte.

Der im Album angeführte Candidat G. F. Schillbach hatte die Lehn 1837 erhalten; 1856 dagegen starb als Besitzerin Fräulein Julia Mathilde Schillbach. Aus früherer Zeit nennen wir noch den 1736 verstorbenen Schönburgischen Regierungsdirector Johann Ernst v. d. Laage, 1753 einen v. Feilitzsch, 1804 einen v. Trützschler. 1857 hat das Gut der Schafzucht entsagt.

Brunn (S. 191 d. A.) ist wohl nach dem hier quellenden, übrigens aber greitzischen Bache genannt, so dass es der Deutung durch das slawische Bron, Waffe, nicht bedarf. Es liegt 21/4 Stunde von Werdau südsüdwestlich, 31/4 Stunde westsüdwestlich von Zwickau, 1/2 Stunde südlich von Reuth und 1 Stunde nordöstlich von Friesen: also nahe zwei Gütern, mit denen Brunn in enger wirthschaftlicher Verbindung steht. Denn gilt diess jetzt vorzugsweise von Reuth, so hatten doch auch seit Jahrhunderten Friesen und Brunn gleiche Besitzer: früher die Bose, später die Metzsch.

Wie als nördlichster Ort des voigtländischen Kreises, so ist Brunn auch durch eine Windmühle ausgezeichnet, als durch eine Seltenheit im Voigtlande. Diese steht im Süden, oberhalb des quadrirten ansehnlichen Herrenhofes, auf dem Nordwesthange des wenig steilen Höhenrückens, der die Flussgebiete der Mulde und Elster scheidet. Die von der Eisenbahn durchzogene Flur raint mit Friesen, Reichenbach, Schönbach und Reuth in Sachsen, mit Gottesgrün und Schönefeld im Reussischen. Eine Häusergruppe steht abgesondert am Friesener Wege, soll aber keinen bestimmten Sondernamen haben. Brunn ist 1834 bis 1858 zwar nur von 40 auf 41 Häuser, aber von 249 auf 303 Seelen angewachsen, und hiernach die 140 gegen Ende des Artikels zu corrigiren.

Nicht die Herrschaft Mylau selbst, sondern nur die Hoheit darüber war ein Gegenstand der Urkunde von 1212 oder vielmehr 1113; auch gab es 1223; noch nicht Grafen Reuss, viel weniger jemals Grafen von Reuss.

Dem Gute wurden am 24. November 1741 die Prärogativen der Altschriftsässig- und Landtagsfähigkeit zu Theil, und es behielt seine (volle) Gerichtsbarkeit bis zum 2. Juni 1856. Diese betraf ausser Brunn auch die kleinere Hälfte von Oberreichenbach, 13 Häuser in Unter- und eines in Oberheinsdorf; 1801 gab der – aus der Mylau-Reichenbacher Herrschaft hervorgegangene – Gutssprengel 426 Consumenten an.

Chrieschwitz (S. 137 d. A.) Dieser Name, der s. v. a. Kreuzdorf bedeutet, dürfte uns für des Ortes Ursprung in das 11te oder 12te Jahrhundert verweisen, als in eine Zeit, wo die slawische Sprache noch beim Volke vorherrschte, dieses aber doch schon den Christenglauben nährte.