Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Chrieschwitz

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Chrieschwitz
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aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 137–138
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 207.jpg
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Chrieschwitz


auch Krieschwitz, richtiger Chrieschwitz, in den alten Urkunden Cruswitz liegt 3/4 Stunde nördlich von Plauen, an der frühere alten Poststrasse von Plauen nach Reichenbach, dicht an der Elster, ist ein von den Sorben-Wenden erbauter Ort.

Was aber diese Sorben-Wenden für Leute gewesen, woher sie eigentlich gekommen, durch was für Thaten und Wanderungen sie sich berühmt gemacht, wann und wie sie sich hier festgesetzt haben, dies würde ein eignes Buch erfordern.

Schöttgens Historie der Sorben-Wenden im 1. Theil giebt darüber weitere Auskunft.

Sie waren Heiden und wurden von den Kaisern nur mit vieler Mühe zur Taufe gezwungen, und um sie in Gehorsam zu erhalten, gab man ihnen den Pflug und die Karste zur Anbauung der noch wüsten Ländereien, und die Soldaten, die die Sorben-Wenden bezwungen hatten, erhob man in den Adelstand und gab ihnen ganze Hufen wüstes und rohes Land zum Anbau. Nach der Bekehrung der Heiden gehörte auch, Chrieschwiz zu dem Pagus-Dobena, welcher dem Grafen Bruno von Eberstein von dem Kaiser Heinrich dem I. anvertraut war, welcher in Dobenau bei Plauen seine Residenz hatte.

Dobnie heisst in der wendischen Sprache so viel als ein Gerichtsort.

Das eigentliche Rittergut Chrieschwiz ist erst später entstanden. Der erste Besitzer dürfte aber schwerlich zu ermitteln sein, da die Nachrichten darüber im Hussitenkriege verloren gegangen sind.

Aus einer Stiftung zum Dominikaner-Kloster von Plauen erfahren wir blos, dass im 15. Jahrhundert die Herren von Machwitz, ein jetzt ausgestorbenes Geschlecht, Besitzer von Chrieschwitz waren. Diese Stiftungsurkunde, die nicht ohne Interesse ist, mag deshalb hier einen Platz finden:

„Ich Friedrich von Reitzenstein, der durchlauchtigen hochgebohrnen Fürsten und Heren Hern Friedrichen und Hern Johanss, Gebrüteren, Hertzogen zu Sachsen, Landgraven in Döringen und Marggraven zu Meyssen meiner gnedigsten und gnedigen Heren Haubtmann zu Zwickaw, Amptsverwalter zu Voigtsbergk und Plawen, vor allermenigklich bekenne, dass ich vff bevehl der obgedachten meiner gnedigen Heren dem Kloster zum Plawen und allen Bruederen predigerordens, die izt und zukomftig aldo sein werden, die badtstuben zwishen den Schloss und jenes clostersgartten gelegen, die jnen von dem erbarn Man Jhan von Machwitz auf Chrieschwitz gesessen in Testamentsweiss zugeeignet und gegeben worden zu rechten Erbe geliehen, also, daz genante brüdern predigerordens derselben badtstuben mit Verlastung auff zinss nach ihren besten nucz und fromen, wie sie das erkennen werden, gebrauchen sollen, die badtstuben auch in würden pawhafft halten, vnd die mit einem redlichen Man besetzen, dieselbe vnd ein itzlicher, dem die badtstube vom closter, oder Prior des closter alss auff Zeit vnd Ihar gelassen, der soll itzunde und allezeit, so offt vnd dicke die in veranderung eines andern Meisters [138] aufgenommen, von einem itzlichen Haubtmann, der dyczeit ein Haubtmann zu Plawen sein wird, in lehen empfangen, vnd einen gutten gl. zur lehen geben, Im massen also vor alters gewest vnd herkommen ist Solches alles Herr Tretwein von Zwickowe, die Zeit ein Prior, mit andern seinen brudern des closters zun halten zugesagt vnd verwilliget, darauff ich obgedachter Haubtmann dem itztgedachten Prior von wegen des closters alzo aus bvehl m. g. H. die lehen gethan, reiche vnd leihe ihr solche badtstuben mitt vnd crafft diss brive dass hinforder also auff ewigkeit zu genüssen vnd der zu gebravchen, doch vechedlichen m. g. H. lehen und gemeiner volge, die da ein itzlicher Pader in der badtstuben wie vor Alters gewest, vnd zu thun verpflichtet ist auch thun solle. Gebe dem closter diesen lehen brieve mit meinen obgedachten Friedrichs von Reitzenstein, haubtmann anhangenden Siegel auf den nahesten Dienstagk nach Quasimodogeniti nach der Zal chri tausend virhundert vnd jm siben vnd achtzigesten Jhar.“

In spätere Zeiten besass Chrischwitz die Familie von Winkelmann und in neuere Zeiten ist es auf die Familie Walter übergegangen.

Der derzeitige Besitzer ist Herr Carl Walther.

Das Herrenhaus gehört nicht zu den grössern Herrschaftswohnungen Sachsens, aber es ist nett und freundlich gelegen und gewährt, wie in der Abbildung zu sehen ist, ein liebliches Bild.

Die Wirthschaftsgebäude sind gut und massiv. Auch gehört zum Gute eine starke Bierbrauerei.

Ausserdem ist hier noch eine bedeutende Mühle mit Schneid-, Graupen- und Oelmühle zu finden. In den 20ger Jahren hatte auch ein gewisser Mechanikus Bundschuh, welcher früher in der grossen Cattunfabrik des Herrn Kammerrath Kaufmann Gössel war, eine Wollspinnmaschine mitten im Dorfe am Friessenbache, der durch den Ort fliesst, erbaut. Dieselbe war mit grossen Kosten hergestellt und rentirte dann nicht. Dieses Gebäude ist in späterer Zeit bis auf ein kleines Häuschen wieder eingetragen worden. Ein Gasthof ist ebenfalls in Chrischwitz, welcher als Dorfgasthof gut genannt werden muss.

Chrieschwitz hat eine reizende Lage, guten Feld- und Wiesenbau und wohlhabende Einwohner. Die Tagelöhner finden in dem benachbarten Plauen stets eine nährende, anhaltende Beschäftigung.

Früher wurde Chrieschwitz sehr häufig als Vergnügungsort von Plauens Bewohnern besucht, in der neuern Zeit beschränkt sich dieser Besuch blos auf die niedern Stände von Plauen.

Von Chrieschwitz führt an der Elster entlang ein lieblicher Weg durch Wiesen und Felsenparthien nach dem benachbarten Dorfe Möschwitz und weiter hinunter zur grossen Elsterüberbrückung, wo die sogenannte Voigtländische Schweiz beginnt.

Von Chrieschwitz nach Plauen führt ebenfalls ein angenehmer Weg bei der 10 Minuten vom ersteren Orte entfernt gelegenen Geipelschen grossen Papierfabrik vorüber durch die sogenannten Auenwiesen.

Bei der Geipelschen Papierfabrik bestand bis zum Jahre 1839 ein vom frühern Kammerrath Kfm. Gössel erbauter Vergnügungsort „zum Hammer“, zwischen der Elster und dem Geipelschen Mühlgraben gelegen, welcher viele Jahre hindurch von Jung und Alt häufig besucht wurde.

Chrieschwitz ist mit Haselbrunn, Kauschwitz, Mesbach, Oberneundorf, Reissigg, Reusa, Sorge, Thiergarten, Jennera, Dobenau, Zadera, Possig und Zwoschwitz nach Plauen eingepfarrt. Viele der Begüterten in diesen Orten hatten deshalb auch an das deutsche Haus zu Plauen, dessen Verwalter der Stadtrath zu Plauen ist, Decem zu entrichten, der nun durch Ablösung theils beseitigt sein dürfte und noch zur Erledigung kommt.

Seit dem Erscheinen des Volksschulgesetzes hat Chrieschwitz seinen eignen ordinirten Schullehrer, wogegen vorher nur ein blosser Catechet die Kinder unterrichtete.

Chrieschwitz zählt jetzt 66 bewohnte Gebäude mit 85 Familienhaushaltungen und 484 Bewohnern. Dasselbe gehört zum Gerichtsamt und zum Bezirksgericht Plauen, zur Amtshauptmannschaft Plauen, zum Regierungsbezirk Zwickau.

M. G.