Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Geilsdorf

Textdaten
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Autor: Otto Moser
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Titel: Geilsdorf
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aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 14–15
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Geilsdorf, Wasserschloss von Nordost.jpg
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Geilsdorf.


Geilsdorf liegt im Amtsbezirke Plauen, in der Nähe des Elsterthales, umgeben von dichtbewaldeten Hügeln, voll denen man prachtvolle Aussichten über einen grossen Theil des Voigtlandes geniesst. – Das Dorf ist wahrscheinlich deutschen Ursprungs und dürfte das Stammgut der Familie von Geilsdorf sein, welche einst im Voigtlande sehr begütert war. Die frühesten bekannten Besitzer Geilsdorf waren die Herren von Sack, oder die Säcke, wie sie urkundlich in der Mehrzahl genannt werden, eine uralte voigtländische Familie, welche bereits im dreizehnten Jahrhundert häufig erwähnt wird. Die Säcke waren einst Reichssassen gewesen, und hatten als solche das bei Wunsiedel gelegene Schloss Eckbrechtstein besessen, dieses aber im Jahre 1337 an Heinrich den Langen von Plauen verkauft, der auch von Kaiser Ludwig IV. die Belehnung darüber erhielt. Kaiser Karl V. verlieh den Gebrüdern Hans und Caspar von Sack auf Mühldorf 1532 das Prädikat Edle, welches in jener Zeit nur Reichsdynasten und Standesherren zukam, und in den kaiserlichen und markgräflichen Briefen und Urkunden nur den Herren von Reuss und später auch der Familie von Planitz zu Theil wurde. Ulrich der Sack unterzeichnete bereits 1206 zu Bobenneukirchen einen Vertrag dreier Herren von Reuss über die väterliche Erbschaft, und 1436 werden die Gebrüder Ulrich und Nickel Sack erwähnt, welche in diesem Jahre von dem Churfürsten Friedrich dem Sanftmüthigen Schloss, Stadt und Gebiet Mühldorf erkauften, das sie schon vorher pfandweise besessen hatten. Wie einstmals, als eine besondere Herrschaft, Mühldorf von den Grafen Arnshaugk an die Reusse von Plauen und dann an die Markgrafen von Meissen gekommen, und in solcher Eigenschaft immer von einem Voigte oder Amtmann verwaltet worden war, ebenso behielten auch jetzt die Säcke und alle nachherigen Besitzer Mühldorfs das Recht, die Herrschaft mit einem besondern Amtmann für das Justizwesen zu besetzen. Die Familie der Säcke [15] bestand bis zum sechszehnten Jahrhundert, wo noch ein Balthasar von Sack genannt wird, welcher 1558 die Schlosskirche zu Mühldorf, welche später zur Stadtkirche erhoben wurde, erneuern und zum Gottesdienst einrichten liess. Der letzte seines Stammes war Nickel Sack, der um das Jahr 1564 mit Tode abging, und als Besitzer Geilsdorfs in der dasigen Kirche begraben liegt. Ihm folgte im Besitze des Gutes Hans Wilhelm von Geilsdorf, der indessen schon 1577 starb, worauf Geilsdorf an die Herren von Reizenstein kam, bei denen es bis in die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts blieb, wo es die Grafen von Tettenbach erkauften, von denen 1680 Graf Sigismund Reichard von Tettenbach auf Geilsbach genannt wird. Im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts besass das Rittergut eine Frau von Beulwitz, und von dieser erwarb es 1730 der Kammerjunker von Nauendorf, dem als Besitzer Geilsdorf der Geheimrath des Herzogs von Anspach und Hofrichter zu Jena, von Nauendorf, folgte. Um das Jahr 1755 gehörte das Gut einem kaiserlich Oesterreichischen Hauptmann von Nauendorf, und 1820 dem Kammerjunker und Lieutenant von Nauendorf; der jetzige Besitzer ist der königlich Sächsische Kammerherr Herr Ferdinand von Nauendorf.

Die schöne reiche Kirche zu Geilsdorf entstand durch einen Edlen von Sack. Bis zum Jahre 1487 war der Ort ohne Gotteshaus, denn damals besuchten sämmtliche Gemeinden der Umgegend die berühmte Wallfahrtskapelle, deren schöne altehrwürdige Ruinen noch jetzt vorhanden und weit und breit bekannt sind. Der Burgstein war bis zur Reformation eine reich dotirte Pfründe, die jedoch das Unglück hatte, bei dem Einfalle der Hussiten in das Voigtland, der ganzen Wuth dieses fanatischen Gesindels ausgesetzt zu sein, so dass sie fast gänzlich zerstört wurde. Diese Kirche bestand vormals aus zwei neben einander erbauten Kapellen, von denen die eine den frommen Pilgern und Wallfahrern zum Aufenthalte diente, während die andere das hochberühmte wunderthätige Marienbild enthielt, dessen Gnadenhandlungen den Burgstein zu so hohem Rufe und Reichthum gebracht hatten. Der Hussitenkrieg schlug jedoch dem Wohlstande der Pfründe Burgstein eine tiefe Wunde, denn die raublustigen Böhmen hatten nicht nur alle vorhandenen Schätze und heiligen Gefässe mit sich genommen, sondern auch die Gebäude dergestalt ruinirt, dass sie mit nicht geringen Kosten wieder reparirt werden mussten; den Pfarrer im nahen Orte Krebes aber beauftragte man mit dem Gottesdienste in den Kapellen.

Der Zustand des Gotteshauses zum Burgstein wurde indessen immer trauriger, so dass der damalige Rittergutsbesitzer in Geilsdorf Ulrich von Sack, sich an die Bischöfe Dietrich von Naumburg und Heinrich von Bamberg mit der Bitte wandte: Da der Pfarrherr von Krebes gestorben, und die Kirche so baufällig sei, dass sie jeden Augenblick zusammenstürzen könne, er, Ulrich von Sack, auch bis zum Burgstein einen weiten Weg habe, so möchten die hochwürdigen Herren ihm erlauben, in dem Dorfe Geilsdorf eine neue Kirche zu erbauen, und das zum Burgstein gehörige nicht unbedeutende Vermögen, welches in liegenden Gründen bestände, zur Dotation des neuen Pfarrers zu verwenden. In Betracht der Ansehnlichkeit des edlen Geschlechts der Säcke, und einverstanden mit der bequemeren und passenderen Einrichtung des kirchlichen Dienstes, bewilligten die beiden Bischöfe Ulrich von Sacks Bitte, und zwar um so eher, weil der fromme Rittersmann sich erbot, eine erkleckliche Summe zum Aufbau der neuen Kirche und Dotation des Pfarrers aus eigenen Mitteln herzugeben. Zugleich empfing Ulrich von Sack auch die Lehn über das neue Kirchengebäude, und während die Glocken desselben fröhlich ins Land hinaus erklangen, und die frommen Leute herbeiriefen zum Dienste des Schöpfers, lag der alte Burgstein öde und verlassen, nur selten noch von einem Messpriester besucht, wenn fern her ein Wallfahrerzug kam, um an der ehrwürdigen, heiligen Stätte zu beten. Die alte Kirche sank immer mehr in Ruinen und der Bauernkrieg brachte ihr den völligen Untergang. Die wenigen Heiligthümer, welche dem Burgstein geblieben, brachten katholische Priester heimlich nach dem Orte Greslas oder Grässlitz in Sicherheit, und jetzt wirkten Zeit und Menschenhände so gewaltig auf die Zerstörung des alten Gotteshauses ein, dass seine Gewölbe zusammenstürzten, und Wind und Wetter durch die schutzberaubten Hallen und Fenster ihren vernichtenden Einzug hielten. Die Volkssage erzählt von katholischen Priestern und Mönchen, die bisweilen in stiller Nacht die Ruinen der alten Wallfahrtskirche besuchten und in ihrem Innern verschwanden, aber Niemand erfuhr jemals woher die Männer kamen, was sie in den alten Gemäuer suchten, und wohin sie gingen.

Die im Jahre 1487 erbaute Kirche zu Geilsdorf erfuhr während der Amtsführung des Pastors Jördens eine bedeutende Reparatur, und im Jahre 1696 einen neuen Thurm; da aber im Laufe der Zeit die Bevölkerung auffallend überhand nahm, so sah man sich veranlasst eine neue Kirche zu erbauen, wozu das bedeutende Vermögen derselben die nöthigen Mittel hergab. Sie wurde am 1. Advent 1834 eingeweiht. Das Patronat über Kirche und Schule zu Geilsdorf hat der dasige Rittergutsbesitzer, und die Kirchengemeinde besteht aus den eingepfarrten Ortschaften Pirk, Türbel, Kleinzöbern und Burgstein mit der naheliegenden Kienmühle. Auf des Superintendenten Dr. Tischer regen Betrieb, wurde im Jahre 1812 die Schule zu Geilsdorf und 1822 die Pfarre daselbst neu erbaut.

Otto Moser, Redact.