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Canzleilehn bildet das Gut längst, ist auch früher ein absonderliches Rittergut gewesen.

Im Album ist S. 136, Sp. 2, statt Körlitz zu setzen: Kürbitz. Der dort bemerkte Brand ist besonders desshalb bedauerlich, weil dabei die reichen wissenschaftlichen Sammlungen und eigenen Manuscripte des Candidaten der Theologie Herrmann mit vernichtet wurden.

Rössnitz, (S. 197 d. A.) so genannt vielleicht von Ross, die Heide liegt 13/4 Stunden von Plauen und Mühltrof, 3 Stunden von Gefell, zwischen Rodersdorf, Tobertitz, Rodau, Leubnitz, Schneckengrün und Kloschwitz. Die Flur, im Mittel 1322 Fuss hoch, umschliesst auch eine Leubnitzer Flurparcelle. Der nach Lohrmann 1595 Fuss erreichende nahe Sandberg scheint kein anderer, als der auf Schenks Karte sogenannte Weinberg; einen Cabinetswein kann er unmöglich getragen haben. Indessen heisst doch jetzt noch ein hierher gehöriges Haus das Weinleithenhaus. Eine in Südwesten erst neuerlich angesetzte Häusergruppe heisst das Eichigt, die Eichigthäusser.

Vom Orte, der 1834 in 49 Häusern 252 –, 1858 in 52 H. 280 Seelen befasste, haben 4 Gütchen von jeher dem Amte, 3 Häusler dem Rittergute Leubnitz zugestanden, der Rest aber hiesigem Gute mit voller Gerichtsbarkeit bis in den Mai 1856. Des Braukretschams allhier (Erbgerichtes) gedenkt schon eine Verordnung von 1537.

Der im Album genannte Philipp v. Reibold besass auch Neundorf. Die Wittwe des Adolf Fürchtegott Adler, die welcher 1838 bis 1852 Besitzer des früheren Mannlehngutes gewesen, hatte es schon mit Allodialqualität. An die Reibolde ist es übrigens vom Deutschorden (dafern er es wirklich besessen) nicht sogleich gekommen: denn 1423 hat Matthias Roder (v. Röder) auch Rössnitz vom Plauischen Voigte zu Lehn gehabt. Sollte dasjenige Rossnitz, das 1661 der (früher aus Böhmen verdrängte) Amtshauptmann und Oberkirchenmeister Rudolf v. Bünau nebst Ottendorf bei Pirna hinterliess, das unsrige sein, dann müsste man auch hier eine Gedoppelheit des Gutes annehmen.

Dieses versteuert 3597 Einheiten, dürfte schon für ein Mittelgut gelten können, gab 1801 erst 343 Consumenten an, hat in Roda 2, in Tobertitz 8, in Kloschwitz 12 Unterthanen (wobei die Schenke, die Schmiede und 8 Begüterte), Lehnleute aber auch in Ruderitz und Reinhardswalde. Es gehört dazu eine Ziegelei. Ueber einige Unterthanen hatte es auch Obergerichtsbarkeit, aber der Landtagsfähigkeit ermangelte der Besitzer als Amtssasse.

Rothenkirchen (S. 199 d. A.) liegt von Plauen vielmehr 61/4, von Lengenfeld 23/8 Stunden, auch von Eibenstock nicht nordöstlich, von Schneeberg nicht südöstlich, sondern südwestlich, und hinsichtlich der Kirche nach Wiemann 1844 Fuss hoch. Da die mittle Seehöhe der Flur 1941 Fuss beträgt, so muss jene weit über 2000, ja über 2100 Fuss ansteigen. Der Kuhberg aber (S. 200) ist nach Wiemann nur 2426, nach Lohrmann 2440 Fuss hoch. Wegen der Bewaldung des Gipfels findet man Punkte zum Genusse der gewaltigen Fernsichten des Berges nur kümmerlich auf dessen Abhängen. Ihn zu umgehen, bedarf es zwar zweier Stunden; aber so gross ist doch seine Ausdehnung nicht, dass auch noch Schönheide sich daran lehnte.

Rothenkirchen, im frühern Amtsbezirke Plauen der östlichste Ort, hat sich 1834 bis 1858 von 1337 zu 1605 Bewohnern erhoben, gab aber damals 1 Haus mehr, als jetzt, nämlich 165 (??) an. Die ihn durchziehende Schneeberg-Auerbacher Strasse grenzt an seinem obern Ende mit jener von Stützengrün nach Rodewisch. Was nun noch südlich oder jenseits der letztern liegt, heisst Schustersreuth, und verkettet sich mit den nach Stützengrün gehörigen Tannhäusern, die auf des Kuhbergs tieferm Abhange stehen. Die schöne Kirche erfuhr, gleich dem Pfarrhause, 1853 durchgehends Renovation. Seit dem Neujahr 1857 besteht hier eine Postexpedition. Von den früheren Russhütten sind 3 im Betriebe.

Die Collatur allhier haben nicht mehr die Auerbacher Gutsherrschaften, sondern seit 1848 das Ministerium; jedoch wählt die Commun sich den untern Lehrer. – – In der 2ten Spalte, Z. 13. setze man für „täglich“ füglich, und S. 200 unten für „Wasserseite“ Wasserscheide.

Zum herrschaftlichen Propergute gehört eigentlich die unterhalb des Dorfes gelegne Hofmühle mit 1/4 Hufe Landes, 3 Gängen, Oel- und Breimühle; sie ist jedoch vererbpachtet. Ueberhaupt begreift das, mit Steuereinheiten eben desshalb nicht belastete Rittergut, ein Mannlehn, jetzt nur noch trockne Renten, wie Zinsen, Pacht- und Lehngelder. Nach früherer Verfassung hatte es seit dem 24. November 1741 alle Prärogativen der alten Schriftsassen, daher Landtagsfähigkeit und volle Gerichtsbarkeit, in welcher Beziehung auf Auerbach zu verweisen ist.

Unter denjenigen Gütern des Voigtlandes, welche nicht vollkommene Rittergüter sind, zeichnen sich besonders die jetzt verbundenen Hammergüter Morgenröthe, Rautenkrauz und Tannebergsthal aus, welche Herrn Lattermann gehören; nicht minder die 4 sogenannten Waldgüter Ober- und Untersachsenberg und die beiden längst combinirten im Amtssitze Klingenthal. Diese zum Theil starken und mit Schlössern versehenen Güter unterlagen aber nach früherer Verfassung der Belastung mit der Land- und Schocksteuer, an deren Statt bei wahren Rittergütern die Ritterpferds- und Donativgelder obwalteten; auch wählen sie Deputirte zum Landtage nicht mit der Ritterschaft des Kreises, sondern mit den Bauergutsbesitzern ihrer Gegend. Uebrigens aber haben sie manche sonst ritterlichen Rechte, z. B. die Lehn- und Ortsobrigkeit, die Collatur etc., und früher auch übten sie, Tannebergsthal abgerechnet, die Erbgerichtsbarkeit, zum Theil über mehr als 1000 Unterthanen. Da nun aber diese Güter keine Abbildung im Album gewonnen, so werden sie auch in unseren Supplementen am füglichsten übergangen.

Röttis (S. 40 d. A.) urkundlich das Rottes, jetzt selbst auch von den Behörden Rettis geschrieben, wird von Roda Eisenerz, abgeleitet, wie denn auch wirklich an der Elster bei Röttis ein Eisenhammer gestanden.

Der Ort liegt 11/3 Stunde nördlich von Plauen an der Eisenbahn und theilweise am alten oder kalten Bache, stark erhöhet über das linke Elsterufer und mit einigen vereinzelten Häusern am Flusse in nur mässig fruchtbarer, aber angenehmer coupirter Gegend, in der Nähe der berühmten erstaunungswürdigen Eisenbahn-Brücke, welche nicht blos 150 Fuss hoch ist, sondern viel mehr 1201/8 Ellen über’m Fluss-Spiegel erreicht. Ihre Seehöhe fand Wiemann zu 1125 den Flussspiegel 916 Fuss; nach der Bahn-Nivellirung soll jedoch die Seehöhe von 1140 Fuss herauskommen.

Die Brücke selbst kommt zwar weder an Länge, noch an Höhe jener über die Gölzsch gleich, aber an Schönheit des Baues und der Lage, ja in malerischer Hinsicht wird letztere in ersterer sogar übertroffen. Sie hat als die 4te oder 5te an Höhe unter allen Brücken auf Erden einen grossen Namen.

Von ihren beiden Etagen hat die 295 Ellen lange untere bis zu 61, die obere 492 Ellen lange aber 59 Ellen Höhe.

Der für den Fluss selbst gelassene Hauptbogen gewahrt einen wahrhaft erhabenen Anblick. Die Brücke, im lichten (gleich der Gölzschbrücke) 14 Ellen breit, wurde nach ihrer eleganten Inschrift (mit dem Motto: Stando distantia jungat) vom 31. Mai 1846 bis zum 15. Juli 1851 gebaut, wozu man 119000 Cubikellen Quader und 111/2 Millionen Ziegel verwendete.

Das Gut hat an seiner Qualität durch die Verbesserungen des derzeitigen Besitzers Herrn Dr. Lorenz sehr gewonnen, obschon es nicht zu den starken Gütern gehört. Durch Verkauf von Boden für 1975 Thlrn. an die Eisenbahn ist es gegen früher noch schwächer geworden. Es versteuert nur noch 10761/2 Einheiten und wurde 1852 nur auf 9050 Thlr. taxirt, wo jedoch die jetzigen schönen Wirthschaftsräume nebst den übrigen Gutsgebäuden noch nicht standen.

Unter den Besitzern des Gutes verdient besondere Erwähnung der vielverdiente und daher als einer der ersten mit dem Civil-Verdienstorden decorirte Kreis-Hauptmann und Obersteuereinnehmer Georg Friedrich von Watzdorf.

Der im Frühjahre 1860 auf Leichnam verstorbene Otto Friedrich Heinrich von Watzdorf wurde von der Kammer 1833 in den Staatsgerichtshof gewählt.

Nach alter Verfassung war das Gut altschriftsässig und landtagsfähig; und bis 1841 ein Mannlehn; später wurde es unter dem Besitze des Herrn Opitz und Zeidler allodificirt.

Das Rittergut wurde im Jahre 1855 mit der Ober- und Erbgerichtsbarkeit an die Regierung abgetreten, Ortsantheile von Reinsdorf und Jössnitz gehörten blos wegen der Lehngerichtsbarkeit hierher.

Die Barthmühle unterlag nie dem hiesigen sondern mehr dem Liebauer Rittergute, gehört aber nebst dem Hammerhause zu hiesiger Commun. Beiden gewähren in dem zwar tiefen aber freundlichen Thale einen sehr lieblichen Anblick von der Eisenbahnbrücke herab.

Die in der Nähe von Röttis liegenden Eisensteingruben sind nicht ohne Bedeutung. Obwohl Herr Lattermann auf Morgenröthe 1852 von der am Eisenberge gelegenen Zeche Saxonia, und vom Graf von Saverne und neue Hoffnung Gottes sich lossagte, so hat doch die sächsische Bergbau- und Eisenhüttengesellschaft seit dem, besonders auf Hans Georg, den Eisenbau eifrig wieder aufgenommen. Von 2 dabei gefundenen räthselhaften Mineralien wird das eine jetzt chemisch in Freiberg untersucht, es mag wohl viel Kobald enthalten, da das Schlemaische Werk es mit 6 Thlrn. pro Centner bezahlt.

Das bei der Beschreibung von Röttis im Hauptbande erwähnte Steinicht kann man noch nicht eigentlich bei der Barthmühle sondern vielmehr erst bei der Rentschmühle beginnen lassen, welches seinen Namen von des in endloser Menge von den Grünsteinfelsen herabgestürzten Steinen und Blöcken erhalten hat, die im tiefen, engen, finstern Waldthale, weiter hinab die Elster zu heftigem Rauschen und mehreren kleinen Wasserfällen zwingen.

Dieses Steinicht wird mit dem Namen der Voigtländischen Schweiz weithin genannt.

Die Ausdehnung dieser sogenannten Voigtländischen Schweiz beträgt eine Stunde Wegs und endet bei der Elsterberger Franzmühle.

Die Gegend selbst wird von Leipzig aus und weiter her, ja sogar von allen hierherkommenden Reisenden aus weiter Ferne stets besucht, wie sie es auch verdient.

In den Sommermonaten wird sie häufig von Plauens Bewohnern besucht, die mittelst der Eisenbahn in einer Viertelstunde in das liebliche Elsterthal gelangen, wo sie gute Bewirthung finden.

Ruppertsgrün, (S. 147 d. A.) auch Ruppersgrün geschrieben, mag schwerlich nach einer Capelle, sondern eher diese um des Ortsnamens nach dem H. Ruppert oder Robert genannt sein. Es liegt nur 21/2 Stunde südsüdwestlich von Greiz, 1 Stunde südsüdöstlich von Elsterberg, so dass es mit Christ- und Herlasgrün, mit Neudörfel, Liebau und Lohsa gränzt. Wiemann giebt der Kirche 1189 Fuss, und die ansehnlich bedeutend variirende Flur hat zur mittlern Höhe 1220 Fuss. Der Kirche nordwestlich sehr nahe, doch etwas tiefer steht das

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/349&oldid=2983204 (Version vom 7.2.2017)