Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Rothenkirchen

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Rothenkirchen
Untertitel:
aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 199–200
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: SLUB DresdenCommons
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 300.jpg
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Rothenkirchen


5 Stunden von Plauen gegen Ostnordost, 2 Stunden nordöstlich von Auerbach, 2 Stunden östlich von Lengefeld, 2 Stunden nordöstlich von Eybenstock, 3 Stunden südöstlich von Schneeberg und 2 bis 21/4 Stunden südlich von Kirchberg gelegen, nördlich am Fuss des Kuhberges, von wo es sich 3/4 Stunden lang in nördlicher Richtung am obersten Theil des Kirchberger Wassers herunterzieht, so dass es sich durch einige einzelne Häuser, die nordöstlich von der Kirche in einer breiten, aber tiefen Schlucht stehen, mit dem obersten Ende von Bärenwalde im früheren Amte Wiesenburg verkettet; noch grenzt es in den Fluren südöstlich mit Stützengrün und südwestlich einigermaassen mit Wernesgrün.

Die Meereshöhe geht von 1800 bis 2000 par. Fuss, das Klima ist sehr rauh, besonders im Unterdorf, welches gegen den Wind weniger geschüzt ist, als das Oberdorf. Noch ist nicht unerwähnt zu lassen, dass die Lage des Ortes ziemlich zerstreut ist, ja einige Häuser ziehen sich in Südost, in einer finstern Schlucht unterm Kuhherg, fast bis zur nordwestlichen Ecke von Stützengrün.

Die Häuser selbst haben ein dürftiges Ansehen und stechen gegen die des angrenzenden Bärenwalde auffallend ab; gar häufig sind sie nicht übersetzt und nur aus dicken Balken zusammengefügt, ohne Mauerwerk, ja sogar ohne Anstrich.

Sie bilden den treuen Spiegel der Dürftigkeit, welche im allgemeinen hier zu finden ist. Mitten im Winter laufen die Kinder hier halb nackt, ohne Bedeckung des Kopfes und ohne Strümpfe und Schuhe an den Füssen.

Der Ackerbau findet einen dürftigen Boden. Die übrigen Gewerbe ernähren ohne Ausnahme spärlich und bestehen in Holzarbeiten, Klöppelei, Nagelschmieden, Russbrennen, dem Landfuhrwesen, dem Kohlenbrennen u. s. w. auch ziehen viel Einwohner als sogenannte Landreisende umher und vom weiblichen Geschlecht wird häufig weisse Waare genähet und gestickt.

Die eigentlichen früheren Rittergutsgebäude sind von keiner Bedeutung, wie dies auch die Abbildung besagt. Denn schon in früherer Zeit wurde das eigentliche Rittergut mit Ritzengrün combinirt und es fand seit dieser Vereinigung keine besondere Bewirthschaftung von Rothenkirchen mehr statt.

Ritzengrün aber haben wir schon in diesem Album beschrieben, so dass man täglich über die Entstehung des Orts und die weiteren Schicksale derselben hier hinweggehen kann.

Ritzengrün mit Rothenkirchen gehört, wie wir oben schon ebenfalls erwähnt haben, seit Jahrhunderten den Herren von Planitz auf Auerbach u. s. w. Bis Herr Major vorm Planitz auf Ritzengrün mit Rothenkirchen an Herrn Rittergutsbesitzer Opitz auf Netzschkau verkaufte, welcher es dem dermaligen Besitzer Herrn Günther käuflich abtrat.

Die Collatur über die Kirche zu Rothenkirchen so wie über die dasige Schulstelle steht den Rittergutsbesitzern von Auerbach obern und untern Theils zu.

In die Kirche zu Rotheukirchen war sonst auch Schönhaide gepfarrt, so wie Stützengrün im Erzgebirge heute noch Filial von Rothenkirchen ist.

[200] Bis zum Jahre 1840 war in Rothenkirchen, wie in Stützengrün nur eine Schule, woraus seit dieser Zeit 5 geworden sind, 3 in Stützengrün, 2 in Rothenkirchen. Eingeschult wie eingepfarrt ist noch ausserdem mit Rothenkirchen das Jägerhaus Wilhelmshaide, welches auf Plohner Gebiete steht.

Berühmt von hiesiger Gegend ist der Kuhberg. Er steigt anfangs von allen Seiten ziemlich steil an, hat aber einen abgeplatteten und weit gedehnten Gipfel und seine Hauptform ist die Kugelsegmentarische. So erhebt er sich bis zu einer Meereshöhe von 2600 bis 2700 pariser Fuss und zeigt sich in seiner gewaltigen Masse schon deutlich unter Leipzig und Wurzen: sein Ansehn hat von dort die auffallendste Aehnlichkeit mit dem des Brockens. Für die nächsten Orte, dient er auch als guter Wetterprophet. An seinen Fuss lehnen sich südöstlich der oberste Theil von Schönhaide, östlich Stützengrün, nördlich Rothenkirchen und westlich Wernesgrün; südwestlich trennt ihn ein flaches Gehänge vom grossen Schnarrtannerberge. Er ist durchaus mit Waldung bestanden, welche meist dem Staate gehört und häufig der Schwarzwald genannt wird; in derselben findet man die Schönhaider Pechhütte und das Harzreissen wird hier stark betrieben. Der grösste Theil der Waldung, welche überhaupt zum Forstbezirk von Schneeberg gehört, besteht jetzt aus jungen, aber die besten Hoffnungen für die Nachkommen versprechenden Fichten und macht den Forstbeamten wahre Ehre.

Am Abhange des Berges haben 5 Bäche ihre Quellen, nämlich der Schönhaider Salzbach, der Stützengrüner od. Weissbach, das Kirchberger oder Rothenkirchner Wasser, der Wernesgrüner und der dazu fliessende Schnarrtanner Bach. Da letztre beiden mittelst der Göltzsch- und Elster der Saale, die ersten hingegen der Mulde zufliessen, so bildet der Kuhberg einen Theil der Wasserseite zwischen beiden Flüssen. Als ein Gebirgsstock documentirt er sich über dem durch Masse, Gestalt und dadurch, dass fast nach allen Seiten Bäche von ihm ablaufen. Sogar den Gipfel zu trägt er einige geringe Feldklippen, welche eine überaus weite, umfassende und zum Theil auch schöne Aussicht gewähren, so düster dieselbe auch in der Nähe ist: Sie begreift ein ansehnliches Stück vom Voigtland, dem westlichsten Theil des Erzgebirgischen Kreises u. s. w. und reicht in der Ferne bis zum Petersberg bei Halle und bis in die Gegend von Eilenburg, nicht aber nach Böhmen hinein, indem das ganze Grenzgebirge zu grösserer Höhe emporsteigt, so geneigt man auch im Niederlande sich fühlen möchte, hinterm Kuhberge keinen höhern mehr zu suchen.

Unweit der Kirche, welche dem Namen des Orts zufolge blassroth angestrichen ist, steht das Erbgerichtsgut und im Niederorte die Mühle mit 2 Gängen.

Zum Dorfe gehören Antheile von Walde bei Ober-Criniz, sowohl als bei Herlasgrün, so wie einige Teiche, welche in den zahlreichen Schluchten gegen Bärenwalde und Hundshübel hin der hiesige Bach bewässert.

Vor der neuen Gerichtsorganisation hatte Rotheukirchen jeher seine eigne Gerichtsbarkeit allein, die Gerichtstage wurden wegen der früher erfolgten Combination mit Ritzengrün im letzteren Orte gehalten.

Rothenkirchen hat 156 Häuser 1036 Acker 95 □ Ruthen Areal, 12388 Steuereinheiten und circa 1460 Einwohner, welche jetzt zum Gerichtsamte Auerbach gehören.

Die in eine finstere Schlucht unterm Kuhberg sich hinziehende Häuserreihe wird sehr häufig auch Schustersreuth genannt.

(M. G.)