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einmal Zettlarsgrün gemeint –; aber auch ungetheilt haben alle drei Orte nicht 375 Seelen.

Der Seite 153 zu Ende der ersten Spalte erwähnte Doctor Pretschner, ein berühmter Jurist, war kaiserlicher Hofpfalzgraf und Hofrath, der Leipziger Professor Dr. Michael Thomas aber Grossvater des berühmten Christian Thomasius. – Friedrich von Magwitz ställte 1542 wegen des damals nur amtsässigen Gutes 2 Ritterpferde. Wann dasselbe schriftsässig und allodial geworden, ist uns zur Zeit unbekannt. - Der im Album erwähnte Gotthelf Sigmund Albert besass auch Krummenhennersdorf (bei Freiberg) und Wiedersberg. – August Ferdinand Wilhelm Seydel besuchte 1817 den Landtag. Johann Gottlieb Stengel besass das Gut schon 1838. Unter den Besitzern fehlt im Album der unter Heinersgrün besprochene Oberhofmarschall Hanns Christoph v. Feilitzsch. Ob Wiedersberg (S. 154, Z. 2 v. u.) wirklich eine Herrschaft gewesen, ist wohl sehr zweifelhaft.

Holck oder Holke, der sich selbst vielmehr Heinrich Holcki, auch wohl Holka schrieb, starb – in Zwickau inficirt – an der Pest allhier am 30. August, nach A. jedoch in Troschenreuth.

Das Rittergut hat in Zettlarsgrün lediglich das (auf der Schenckischen Karte fehlende) kleine Vorwerk. 1801 gab es in seinem Sprengel 169 Consumenten an. Trotz seiner ausgebreiteten Flur versteuert es doch nur 30741/2 Einheiten. Die von ihm 1851 abgetretene volle Gerichtsbarkeit fiel dem Amte Voigtsberg zu. Das Dorf enthielt mit dem isolirten Gasthaus zur Klippe 1834 152, 1858 aber in 31 Häusern 165 Seelen.

Unterlauterbach. (Seite 177 d. A.) liegt an der Treuen-Falkensteiner Strasse, südlich von jenem, nordwestlich von diesem und von Oberlauterhach. In Nordwesten ragt der ansehnliche Butterberg, in Nord der „grosse Pöhl“, in Nordost der klippenvolle Knock oder Knochen. Die auch mit Schönau, Altmanns- und Reimtengrün rainende, stark an Höhe variirende Flur hat 1337 Fuss mittler Seehöhe. – Das Holz in Osten heist unerklärlicherweise, die Singen. Dass der weiterhin sehr hoch ansteigende Frohnberg (seiner Südseite nach auch der Kirchberg genannt) auf eine Wüstung zurückdeute, wurde schon unter Dorfstadt erwähnt.

Das in des Dorfes Mitte an der Strasse gelegene Mannlehn-Rittergut gab 1801 nur 141 Konsumenten an, und steuert 3399 Einheiten. Im Besitze folgten denen von Hermannsgrün nicht unmittelbar die von Feilitzsch, da 1537 ein Hanns von Magwitz hier vorkommt. Nach Seite 81 des Album scheint Moritz von Feilitzsch das Gut von seinem Bruder Eberhard geerbt zu haben. Es gehört schon seit 1839 nicht mehr einem Adler, sondern einem Herrn Schilbach, von welchem 1852 die (volle) Gerichtsbarkeit an das K. Gericht zu Treuen gekommen.

Das Dorf enthielt 1834 in 25 Häusern 156 –, 1858 in 32 Häusern 197 Seelen. Nach Schönau hin liegen die ansehnlichen Schaf-, schwarzen – und Riedelteiche. Unterlauterbach gehört zu den Orten, wo der Kreishauptmann von Zezschwitz als Vorstand des landwirthschaftlichen Vereins gratis zu benutzende Leseanstalten errichtete. „Der Götze“ (S. 178, Z. 2.) soll heissen: der Götzen.

Unterlosa. (Seite 195 d. A. ) Unterlohsa, urkundlich auch Niederlasan, Niederlassen, hat eben hiernach seinen serbischen Namen vom Les, Wald. Aus dem Namen des dasigen Baches, Eiditzloh, ist auf ein ruinirtes, nahes Oertchen Eiditz zu schliessen, indem Loh häufig s. v. a. Wüstung bedeutet. Auffallend ist des Ortes schnelle Zunahme 1834 bis 1858: von 48 auf 70 Häuser, von 298 auf 495 Seelen. Etwa 1/3 des Dorfes gehörte, nebst der Gemeindeobrigkeit über das Ganze, von jeher dem Amte, und dieser Theil begriff drei Vollbauern und noch 5 Begüterte, der Gutsantheil aber nur 1 Ganz- und 4 Halbhüfner. Ihre mittle Höhe von 1432 Fuss übersteigt die Flur zum Theil noch bedeutend. Von Messbach gehören 1 Hüfner und 1 Häusler unter hiesiges Gut.

Das früher zwar (neu-) schriftsässige, doch nicht landtagsfähige, den Mittelgütern beizuzählende, nach 50521/2 Einheiten steuernde Rittergut gehörte 1428 als ein vögtisches Lehn dem Nicolaus Cröstein (d. h. von Kröstau), zum Theil aber auch dem Martin von Jessnitz, 1555 dem Markward von Tettau auf Oberlosa, später dessen Nachkommen, in des 17ten Jahrhunderts Mitte aber den Thossen, 1742 dem damals gestorbenen Major Georg Karl von Carlowitz, 1827 einem Kretschmar, dann einem Hartenstein, bis 1831 Herr Karl Ferdinand Geigenmüller es zu Lehn nahm. 1839 mutheten die Dietze es noch als ein Mannlehn; seitdem aber erwarb es Allodialqualität. 1839 besass es 190 Acker Feld, 541/2 Acker Wiesen, an 80 Acker Hutung. Das etwas isolirt stehende sogenannte Vorwerk aber ist nicht herrschaftlich, sondern ein bloses ansehnliches Bauern- und Landgut. In der 2ten Spalte auf S. 195 ist statt Schwarzholz zu lesen „Schwanzholz“, d. h. heiliges oder kirchliches Holz, welches dem Planischen Ordenshofe gehörte. Wie das Rittergut Lehnleute in Theuma und Tirpersdorf hat, so gehen in hiesiger Flur hinwiederum Stücke beim Oelsnitzer Stadtrathe zu Lehn.

Am Schlusse des Artikels setze man für „Dörffelsberg“ nur Dörfel, Magister Georg Friedrich Samuel Dörfel, der Theologie Baccalaur starb am 6. August 1688 als Superintendent zu Weida. Er war dem Diakon Friedrich Dörfel zu Plauen am 11. October 1643 geboren, ward dessen Substitut und Amtsfolger, am 1. Advent 1684 aber Superintendent zu Weida. Auf dem Leichensteine heisst er pius, doctus, prudeus rectique tenax: aber der Astronomie geschieht keine Erwähnung, weder dort, noch in Dietmanns Priesterschaft, obwohl diese von Dörfels Vater eine dahin gehörige Anekdote (III, S. 353) mittheilt.

Untermarxgrün. (S. 94 d. A.) Anjetzt im Oelsnitzer Amtsbezirke, liegt von der Stadt vielmehr 1/2 Stunde nach Norden. Im 2ten Alinea meint das Album unter „Vorwerk“ wohl nur eines im heutigen Sinne; das Mittelalter nannte aber Vorwerk (lateinisch Allodium) jedes ritterliche Wirthschaftsgehöfte ohne das „Haus“ (Herrenhaus oder Schloss): es kann demnach Untermarxgrün damals eben so wohl, wie jetzt, ein Rittergut gewesen sein.

In der 10ten Zeile v. u. streiche man das „von“ vor Engelschall. Das obere Gut haben 1523 die Brüder Jakob (ein Geistlicher,) Paul und Wolf, 1533 Paul und Eberhard, 1551 letzterer[WS 1] allein in Lehn genommen. Der Verkauf an die Stadt Oelsnitz geschah vielmehr seiten des Joachim Engelschall am 11. Mai 1587, und zwar um 4100 Gulden. Etwas später kaufte die Stadt auch das untere Gut, verkaufte aber beide 1638, nämlich das obere um 2000 m. fl. an L. Bechstein in Raschau, das untere um 1900 m. fl. an die Erben eines Magister Claus, dem es mit 2000 m. fl. schon verpfändet gewesen; somit erhielten die Erben das Gut und auch noch 100 m. fl. baar. Der in der zweiten Spalte genannte Kaufmann Höfer zu Plauen lebte vielmehr kurz vor 1800. Unter „Lützelburg“ ist das Kammergut Lützelbuch mit seiner ökonomischen Lehranstalt gemeint. Der erwähnte Kretzschmar (Sp. 2, Mitte) hiess – oder heisst? – Friedrich.

Das Allodialrittergut gab im frühern Mittelalter einem Adelsgeschlechte seinen Namen; so erscheinen z. B. 1278 die Brüder Eberhard und Eckbrecht v. Marxgrün. Eines der beiden Güter (sie waren früher als amtsässig nicht landtagsfähig) hat 1720 dem Ellefelder Hammerherrn Johann Christian Seeling gehört. Beide entsagten ihrer Gerichtsbarkeit am 2. November 1855. Diese bezog sich beim obere Gute auf die Ober- und Erbgerichte über 1/4 des Ortes, wie denn auch nach dem Ortsverzeichnisse mit voller Gerichtsbarkeit etwa 1/4 der Oelsnitzer Stadtrath und 1/5 das Rittergut Raschau gehabt, dagegen unterlag etwa 1/3 mit Erbgerichten dem untern Rittergute und obergerichtlich dem Amte Voigtsberg. Dieses untere Gut hat auch Lehnleute in Voigtsberg, und gab 1801 50 –, das obere hingegen (welches man nicht mit Obermarxgrün verwechseln möge) 47 Consumenten an. Wir finden aber noch eine – und, wie es scheint, bessere – Nachricht, nach welcher die Stadt Oelsnitz lediglich lehnbetheiligt allhier gewesen, und in dieser Beziehung ihre Gerichtsbarkeit am 23. Juli 1856 an das Amt abgegeben. Die vereinten Rittergüter haben gute Wirthschaft, besonders starke Mastung, und steuern zusammen nach 4405 Einheiten. Beide Güter hat im Jahre 1853 Julius Gottfried Zeidler gekauft.

Am Johannisberge wird behufs der Düngung viel Kalkstein gebrochen. Dem im Nordwesten nahen Kulm giebt Lohrmann 1626 Fuss Seehöhe; die mittlere der Flur beträgt nur 1431 Fuss.

Wenn dem Dorfe officiell 1834 in 32 Häusern 212 –, 1858 hingegen nur in 20 Häusern 155 Seelen beigeschrieben werden, so erklärt sich diess dadurch, dass 1834 noch die „Raschauer Häuser“ oder Boxthal dazu gerechnet wurden. Jetzt aber bildet Boxthal einen integrirenden Theil von Oelsnitz, und es bedarf wohl nicht erst der Auseinandersetzung, inwiefern hierdurch auch die oben besprochene Vertheilung des Ortes alterirt wird.

Unterneundorf. (S. 97 d. A.) ist, genau genommen, zwar des betreffenden Dorfes, aber nicht des Rittergutes Name, welches vielmehr schlechthin Neundorf heisst.

Die v. Neundorf sind mit Ranspach auch Mühltrofische Vasallen gewesen: so Georg und sein jüngster Sohn Ernst, wogegen der 3te, Marquard, Linda bei Pausa besass, Georg Heinrich im Kriege gegen Frankreich gefallen war, und der älteste, Christoph, Neundorf erbte.

Neundorf mit Strassberg hatten 1842, wo sie öffentlich ausgeboten wurden, 438 Acker meist guten Feldes, 180 Acker fast durchaus vortrefflicher Wiesen, über 8 Acker Gärten, an 30 Acker Trift, 512/3 Acker Teichland, 190 Acker wohlbestandenen Holzes, überhaupt an 900 Acker Landes, starke Dampfbrennerei und berühmte Rindermastung, bedeutende Jagd und wilde Fischerei, zwei Kalk und Ziegelbrennereien, meist schöne neue Gebäude, und namentlich ein ansehnliches Schloss mit trefflicher, bis nach Schöneck reichender Aussicht und dem alten, nicht unwichtigen, Strassberger Archiv. Waren die beiden Güter auch 1820 mit 154,856 Thlr. wohl zu hoch gewürdert worden, so bilden sie doch eine der Hauptbesitzungen im Lande. Sie versteuern 11159 Einheiten. Beide sind Mann- und Weiberlehn, und beide hatten schon früher kraft ihrer Altschriftsässigkeit die Landtagsfähigkeit. Die im October 1855 auf das Amt Plauen übergegangene Gerichtsbarkeit betraf, ausser Unterneundorf nebst den Rittergutshäuslern oder Kleinneundorf, auch Oberneundorf, Kobitzschwalde, Strassberg, 4 Häuser in Haselbrunn und eines in Thiergarten: zusammen 1801 mit 523 Consumenten; diese Zahl ist aber mit dem Anwachsen der Plauischen Fabrication in gleich-starkem Schritte vorwärts gekommen. Lehnweise unterliegt der Herrschaft auch das Erbschenkgut zu Kloschwitz.

Die Flur Ober- und Unterneundorf raint mit Dobenau und Zadera, Zwoschwitz. Schneckengrün, Kobitzschwalde, Klosschwitz und Kröstau; sie übersteigt, bei 1336 Fuss mittler Seehöhe, die Strassbergische um 175 und die Plauische Flur um 184 Fuss. Der von hier zur Elster hinablaufende Grund heisst 1295 urkundlich die Glocke: ein schwer zu deutender Name: sollte er vielleicht blose Verstümmelung von Luka, die Wiese, sein?

Strassberg hat im Album seinen besondern Artikel. S. 98, Sp. 2, Z. 17 v. u. ist das Imperfectum „gehörte“ lediglich auf das Gerichtsverhältniss zu beziehen. Der jetzige Strassberger Pfarrer ist der

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: letzerer
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/357&oldid=- (Version vom 22.6.2019)