Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Schneckengrün

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Schneckengrün
Untertitel:
aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 188–189
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 284.jpg


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Schneckengrün


an der früheren alten Strasse von Plauen nach Mühltroff, 11/2 Stunde von ersteren Orte in ziemlich coupirter Gegend gelegen, südwärts davon fliesst ein Nebenwasser des Rosenbaches.

Die Zierde des Dorfes ist das Rittergut mit seinem schönen Herrenhause, welches mit den guten und vortrefflich eingerichteten Wirthschaftsgebäuden ein grosses Viereck bildet und einen ausserordentlich geräumigen Hof umschliesst. An der Südseite des Schlosses liegt ein schöner grosser Garten mit vielen Obstbäumen, der im Herbste mit den schönsten Früchten prangt.

Schneckengrün gehörte in den frühesten Zeiten den Herren von Plauen und wurde bloss als Vorwerk benutzt.

Erst im 15. Jahrhundert wurde es zum Rittergute erhoben und die Familie von Raab damit beliehen. Wolf Joachim von Raab besass es 1582, und später noch bis zu Anfang des 17. Jahrhunderts besassen es die Herren v. Trützschler. Eichelberg v. Trützschler machte die unten näher zu erwähnendes Stiftungen dd. 1612. Von 1634 bis 1657 acquirirte dieses Gut der reiche Landshauptmann Carl von Bose. Von dieser Familie kam das von Römersche Geschlecht, worauf es Anfang des 19. Jahrh. an Herrn Senator Kfm. Schmidt in Platten kam, welcher in jener Zeit auch das Rittergut Untermarxgrün kaufte. Von diesem reichsten Manne Plauens ging es nach dessen Tode durch Erbauseinandersetzung auf dessen jüngsten Herrn Sohn, den Förster Schmidt über, dessen Gattin eine geb. Landrock aus Plauen war.

Von dem ganzen enormen Schmidtschen Vermögen, welches unter 3 Geschwister vertheilt wurde, ist Nichts auf Kinder und Kindeskinder gekommen. Nur Herr Förster Schmidt hat seiner Gattin das Rittergut Schneckengrün hinterlassen, welche es, da sie keine Kinder hatte, ihren Pathen und Neffen, den Oeconom Eduard Möckel abtrat. Dieser besass es bis zum Jahre 1857, wo derselbe solches an Madame Adler auf Rössnitz verkaufte, die jetzt noch damit beliehen ist.

Das Rittergut ist nicht unbedeutend. Es hat gute Felder und Wiesen und immer noch schön bestandene Waldungen.

Zur frühern Gerichtsbarkeit gehörten Dorfantheile von Kloschwiz, Kobitzschwalde, Kornbach, Oberpirk, Rodau, Rodersdorf und die Peintenmühle.

Die Schäferei liegt nicht unmittelbar beim Gute, sondern davon entfernt.

Schneckengrün hat eine herrliche Lage, überall schöne Thalgründe und ausgezeichnete Aussichten nach Reussenland und sogar bis ins Fichtelgebirge. Die Nähe der Stadt Plauen gewährt dem Rittergute dadurch grosse Vortheile, dass täglich zwei Mal die Milch dort verwerthet werden kann, wie überhaupt dieser Zweig der Oeconomie einen grossen Nutzen abwirft. Eben so gewährt auch der Holzschlag von Schneckengrün jährlich noch einen Reinertrag von mehreren hundert Thalern.

Wir haben oben schon erwähnt, dass ein früherer Besitzer von Schneckengrün und zwar Eichelberg Friedrich von Trützschler eine milde Stiftung für Schneckengrün errichtete: Dieser milden Stiftung müssen wir hier noch ein Mal näher gedenken:

Laut Testament von 1612 errichtete Eichelberg Friedrich von Trützschler auf Christgrün, Schneckengrün, u. s. w. Obrister zu Zwickau eine milde Stiftung, vermöge dessen in einem Hospital zu Limbach 6 alte hilfsbedürftige Männer und 6 alte Frauen verpflegt werden mussten: Ansprüche an diese Wohlthat haben die Gerichtsbefohlenen von Christgrün und Schneckengrün, jenes hat 8 dieses hat 4 Stellen zu besetzen.

Die Oberaufsicht führt das hohe Cultusministerium und in dessen Auftrag der frühere Amtmann in Plauen, jetzt der Gerichtsamtmann in Plauen die Specialaufsicht.

Schneckengrün umfasst nicht viel Bauergüter, aber desto mehr Kleinhäusler, welche ihren Unterhalt auf den dasigen Rittergute finden, oder sich von Holzhandel (nämlich kleingemachten Leseholz) und von den sogenannten Zöschen-Verkauf ernähren, indem sie die Tannenzapfen (welche hier zu Lande Zöschen genannt werden) im Sommer an der Luft trocknen, und damit einen bedeutenden Handel nach Plauen treiben, wo sie solche in Säcken an die dasigen Fabriken und an Miethbewohner, welche nicht das Holz im Ganzen kaufen können, absetzen.

[189] Es ist diese gedörrte Tannenzapfe ein sehr schönes Brennmaterial und vorzüglich geeignet zur Bereitung von Plattstählen, welche durch dieses Brennmittel viel weniger leiden, als durch Kohlenfeuerung.

Auch die Gänse- und übrige Viehzucht ist in Schneckengrün nicht unbedeutend und werden von hier aus viel Bettfedern von Federhändlern abgeholt, die natürlicher Weise die hiesige ganze Umgegend heimsuchen.

Nahe bei Schneckengrün liegt das Königl. Forsthaus Reiboldsruh, welches eine herrliche Aussicht bietet.

Der hiesige Königl. Forst ist eine wohl bestandene Waldung, wozu der frühere Förster Ranft viel dazu beigetragen hat.

Schneckengrün mit Reiboldsruh ist nach Leubniz eingepfarrt.

Merkwürdig ist, dass an der Südseite des schneckengrüner herrschaftlichen Erbbegräbnisses in Leubniz ein aufrechtstehender Leichenstein sich befindet, welcher Namen eines Herrn von Feilitzsch mit trägt, obschon man nie eine gewisse Nachricht erlangen konnte, dass Schneckengrün ein Mal einer Familie von Feilitzsch gehörte.

Die übrige Beschreibung der kirchlichen Verhältnisse ist schon bei dem Rittergute Leubniz in diesem Album berücksichtigt worden, so dass solche nicht wiederholt zu werden braucht.

Bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation hatte Schneckengrün seine eigne Gerichtsbarkeit, wozu Antheile von den oben erwähnten Dörfern gehörten. Jetzt gehört Schneckengrün das Dorf und Rittergut zu dem Gerichtsamte Plauen.

Schneckengrün hat 56 bewohnte Gebäude mit 255 Consumenten.

M. G.