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Die in Norden sich verbreitende Sose hat man, da es viele so benamte Orte in Sachsen & Böhmen giebt, für eine Holz- od. Wüstmark zu nehmen. Sie enthält ein interessantes Lager bunten Grauwackensandsteins, das auch den nahen Kühberg erfüllt. Uebrigens aber unterzieht gewöhnliche Grauwacke die hiesige und Kleingeraische Flur.

Dobeneck (S. 28. d. A.) würde in seinem Namen nach b ein r bedürfen, um auf dobry (gut) bezogen zu werden; vielmehr kommt er von Dub, die Eiche. Leicht könnte demnach hier ein den Slawen heiliger Eichenhain gewesen sein. – Das 1 Stündchen nordwestlich unterhalb Oelsnitz gelegene Dörfchen hatte 1858 nur 95 Bewohner, und seine beschränkte Flur die mittle Seehöhe von 1254 Fuss; sie ist ziemlich coupirt, raint mit Taltitz, und liegt mehr mild als rauh.

Das „Elbufer“ (Z. 13. v. u.) wird Jeder ohnehin in Elsterufer umgewandelt haben. – Bei der „Ansässigkeit in Bayern“ (Z. 10 v. u.) ist namentlich an das 1 Meile nordwestlich von Hof gelegene Schloss Brandenstein zu denken; es giebt aber auch in Preussen einen General v. Dobeneck. – Das S. 29, Sp. 2 vorkommende Gottmanns- oder Gottesgrün liegt in der Herrschaft Asch, Frössen oder Fröhsen aber im Schleitzischen, westlich jenseits Gefell und Hirschberg; Reichenfels bildet nebst andern Gütern eine reussische Propre-Herrschaft, in welcher das S. 29. genannte Weissendorf nun als ein Kammergut liegt.

Blintendorf kam 1815 von Sachsen nebst Gefell an Preussen. Neuberg liegt nahe bei Bad Elster, doch im Aschischen, ist also böhmisch. Sparneck mit Waldstein und Müncheberg ist bairisch, unterlag aber früher der Lehnhoheit der Vögte, welche daher 1298 mit derjenigen Hälfte des Gutes, die sie zuvor dem Babo v. Sparneck abgekauft, den Ulrich Sack beliehen. – Eine Helena v. Dobeneck war die letzte Aebtissin des Saalburgischen Kreuzklosters, und Otilie vicarirte für dieselbe.

1753 gehörte Dobeneck dem Advocaten Dr. Wilhelm Heinrich Hickmann.

Dorfstadt (S. 78 d. A) ist im Album mit 1200 Einw. viel zu wichtig dargestellt, da es 1753 erst 25, 1834 auch nur 62 Häuser mit 493 – 1858 74 Häuser mit 627 Seelen zählt. Eine Viertelstunde ist es nicht an seinem untern Ende, sondern in seiner, Mitte von Falkenstein – und ebenda 1 Stunde von Auerbach und 11/2 Stunde von Treuen entfernt. Auch richtet es sich in der obern Hälfte mehr ost- als nordwärts. Das hier fliessende Treuensche Wasser quillt in Grünbach, auf dem westlichen tiefen Abhange des Wiener Steines, der zwar eine sehr reiche, aber nicht eben sehr schöne Aussicht bietet, da die Nähe ein ziemlich kahles und tristes Aussehen hat.

Ob der Name des Dorfes deutsch oder slawisch, ist nicht völlig sicher zu beantworten; denn da im böhmischen Kreise Klattau mitten unter anderen czechischen Orten auch ein Dorstatt liegt, so könnte wohl eine Corruption zu Dorfstadt hier vorliegen; doch soll dieses nicht für Behauptung gelten. Ist aber der Name wirklich deutsch, darin sehen wir unseres Ortes darin nichts anderes, als wenn er Alt- oder Aldenfalkenstein lautete, d. h. der Ort für die Falkensteiner Alden oder Burgfröhner; es wäre dann, wie mit dem „Stadtdorfe“ bei Mittweida.

In Westen verbreiteten sich die Schwarten-, Strubel- und Stauden-Aecker: erstere südlich, letztere südöstlich unterhalb des hohen und sehr umfassenden Frohnberges. Alle diese Namen scheinen auf Wüstungen zu deuten, und auf diese Aecker hat man die herrschaftliche Schäferei-Irrgang gebaut. Dagegen gehört das sogen. Vorwerk im Niederdorf nicht zum Rittergute, sondern – nachdem es 1851 mit seinen 1021/4 Ackern Landes und 1182 Steuereinheiten vom Rittergute Sorga abgetrennt worden – der Wittwe des Friedrich Wilhelm Edlen v. d. Planitz. – Der Frohnberg zeigt, wie die Dörfer Frohna bei Chemnitz etc., entschieden einen slawischen Namen, bezüglich auf Bron, Waffen. Indessen lebt auch nicht einmal in der Volks[...] e Burg hier, so dass wohl eher an ein uraltes Schlachtfeld zu denken sein dürfte. Stauda ist ein Dorfname, der die Staudenäcker deuten hilft. - Der Fluren Dorfstadt sind zwei; davon hat die des Dorfes und der herrschaftlichen Oekonomie nur 1648, die Waldflur hingegen 2142 Fuss mittle Seehöhe: letztere enthält ausser dem hiesigen herrschaftlichen Antheile an den „hohen Walden“ der alten Falkensteiner Herrschaft, davon das Rittergut Dorfstadt ein abgelöster Theil ist, auch das Dorf Muldenberg, sowie Theile des Mulden-Flüsschens und der beiden aus ihm in die Göltzsch geführten Flössgräben. Die Dorfflur raint auch noch mit Neustadt, Reimten- und Schreiersgrün. Ihren Schullehrer wählt sich die Gemeinde. Nächstdem giebt es, da Fabriksthätigkeit die Jugend in der Woche viel beschäftigt, auch eine Sonntagsschule. – Einzeln steht auf herrschaftlichem Boden der polnische Michel, ein Wirthshaus.

Das am obern oder südwestlichen Ende des Ortes stehende Rittergut hat ein thurmloses, doch nicht geringes Schloss, mässig grosse, aber gute Gebäude, versteuert 5899 Einheiten, gab am 5. October 1855 seine Gerichtsbarkeit an die Regierung ab, und gehörte Hanns Julius Ferdinand v. Trützschler an, welcher in diesem Jahre mit Tode abging und Friedensrichter war für den Falkensteiner Amtsbezirk und Vorsitzender bei dem in (oder bei) Reichenbach sich versammelnden landwirthschaftlichen Specialvereine. Dieser verdiente Herr ist auch unter den ersten Mitgliedern der zweiten Ständekammer gewesen.

Noch finden wir als Besitzer 1608 Georg Albrecht Trützschler auf Werda und Falkenstein, und den 1759 verstorbenen August Wilibald. Der Falkensteiner Familie von Trützschler gehörte Dorfstadt zu keiner Zeit.

Im Orte selbst unterlagen 1834 dem Gute nur 8 Häuser, indem derselbe mehr nach Falkenstein, Mühlberg, Oberlauterbach, unter die Falkensteiner Majoritäts-Collatur, nach Auerbach und unter das Falkensteiner Amt gehört. Dagegen hat das Gut etwa 3/5 von Schreiersgrün, welches dem Treuenschen – und 2 Häuser in Reimtengrün, welche dem Auerbacher Amte zugefallen; übrigens noch etwa 1/4 von Werda, den Siehdichfür oder den hintern Theil von Grünbach, 3 Häuser in Trieb, einige in Neustadt, gegen 50 Häuser in Falkenstein (unter diesen ist das Gerichtshaus), Unterneudorf ohne die beiden Falkensteiner Unterthanen, endlich Muldenberg.

Dieses Zubehör gab zwar 1801 nur 727 Consumenten an, enthält aber jetzt sicherlich 1200 Seelen. Das herrschaftliche frühere Vorwerk in dem nach Werda gepfarrten Neu- oder Neundof ist schon längst in 2 (Erb-??) Pachtgüter getheilt. – Mit Ausnahme des hiesigen Rittergutstheiles hat Dorfstadt übrigens schon am 2. April 1855 dem königlichen Gerichte Falkenstein gänzlich unterlegen. Von Reimtengrün sondert es der bedeutende Herrenteich. – Das Gut soll auch an Siebenhitz lehnbetheiligt sein.

Dröda (S. 41 d. A) früher auch officiell Trödau und in mehreren mittelalterlichen Nachrichten wirklich „die Oede“[1] genannt, scheint demnach allerdings auf der Wüstung eines Gutes oder Ortes zu stehen, dessen Namen verloren gegangen. Oder wäre vielleicht der Gang der Etymologie umzukehren? wäre vielleicht Dröda (entsprechend Trotha bei Halle) der ursprüngliche und als ein sorbischer sehr alte Name, der in jener Zeit, die überhaupt bei ihrer Urkunde der slavischen Sprachen alles nach einem deutschen Anklange (oder Ahnklange) zu deuten pflegte, durch die Oede (in „der Oede“, zusammengezogen „in Dröde“) verdeutscht werden sollte? – Schenks Karte schreibt den Ort gar Dröckau.

Die Flur, im Mittel 1434 Fuss hoch und also schon einigermassen rauh gelegen, raint auch noch mit Zöbern. Vom Dorfe gehört 1 Halbhüfner unter das Rittergut Türbel, und die Obergerichtsbarkeit über das Ganze hat von jeher das Amt Voigtsberg geübt, wie denn das Gut auch als ein amtsässiges nicht landtagsfähig war. Das Dorf hatte 1753 erst 22, 1834 aber 46 Häuser und 238 –, 1858 dagegen 290 Seelen. Nächstdem hat das Rittergut noch Antheil an Bobenneukirchen (das Haus Weissenstein, die Wehrmühle und noch 3 Häuser, also keineswegs deren 84, wie das Ortsverzeichniss sagt), an Burkhartsgrün (1 Haus) an Dechengrün (2 H.), an Obertriebel (2 H., nicht 10, wie das Ortsverzeichniss angab,) an Untertriebel (16 H.) und 1 Haus in Thiergarten; ausserdem in Blosenberg u. a. O. einige Lehrleute. Nach Leonhardi hätte gleichwohl 1805 der Sprengel nur 223 Consumenten angegeben. Die Gerichtsbarkeit wurde am 26. April 1856 abgegeben.

In Nordosten erhebt sich der Kulm, und auf dem südwärts an steigenden weissen Berge hat man mehrmals alte Waffen ausgeackert; vielleicht geschah hier ein übrigens unbekannter Kampf mit marodirenden Hussiten.

Was den im Album besprochenen Process betrifft, so muss es auffallen, dass K. Georg in die Entscheidung der Magdeburger Schöppen eingewilligt, da doch Dröda nothwendig im Sprengel des Kadener Schöppenstuhles gelegen haben muss. Vielleicht wollte er aber sich dem Hause Wettin gefällig zeigen.

Die S. 42 erwähnten böhmischen Herrschaften Petschau, Königswarth und Neuhartenstein liegen im bisherigen Kreise Elbogen. Petschau mit Gabhorn war von den Riesenbergen an die Grafen zu Gleichen, im 15. Jahrhundert aber an Heinrich v. Plauen gediehen. Von dessen burggräflich-meissnischen Nachkommen kam Petschau an die Herren Pflug zu Rabenstein, und jetzt besitzt es der Herzog von Beaufort-Spontini; Gabhorn hingegen hatten die Herren Colonna v. Vels bis 1622 wo es einer geb. Herrin v. Schönburg, der Frau Anna Barbara Kolon v. Vels, als einer Evangelischen confiscirt wurde. Königswarth soll vor den meissnischen Burggrafen mit Petzschau gleiche Besitzer gehabt haben, und war auch Pflügisch, bis es 1547 Herrn Kaspar confiscirt wurde. Nachmals kam es von den Herren v. Swamberg an die v. Zedtwitz, und allbekanntlich hinterliess es 1859 der ehemalige Premierminister Fürst Metternich seinem Sohne F. Richard, damals noch Gesandter zu Dresden. Neu-Hartenstein endlich, welches man um so sorgfältiger von Hartenstein in Sachsen zu unterscheiden hat, als es eine Zeit hindurch ebenfalls Schönburgisch gewesen, ist nun eine Burgruine auf dem Hungerberge bei Buchau, und die Herrschaft daher keine andere als die Buchauische, welche jedoch jetzt ein Haupttheil der von Neubergischen Herrschaft Giesshübel oder Kyssibl, südöstlich von Karlsbad, bildet. Auch Buchau und Engelhaus gehörten anfänglich den Riesenbergen; aber an Heinrich v. Plauen kam Buchau (ohne Engelhaus) 1442 von einem Herrn Matthias Schlik.

Was S. 42, Sp. 1, von des Burggrafen Heinrich Gefangenschaft (nach Limmers Vorangange) erzählt wird, ist hinsichtlich ihrer Dauer nicht richtig, da die Gefangennehmung erst 1473 geschehen, folglich die Gefangenschaft nicht 10, sondern nur 3 Jahre andauerte. Limmer erzählt sie aber auch nicht nur unvollständig, sondern deutet sie auch – wie Märker in seinem Burggrafenthum Meissen dargethan - irrig. Denn sie geschah nicht auf Befehl der Herzöge, sondern in einer Privatfehde des Burggrafen mit dem in der Schellenberg-Frauensteiner Gegend begüterten Hans Weickhart, welche die Herzöge benutzten, um den Burggrafen in recht sichern Gewahrsam, sich selbst aber auf einige Jahre Ruhe zu schaffen, indem sie jenen auf dem Schellenberge (jetzt Augustusburg) bewachen liessen, und die Freiheit ihm dann nur unter harten, ihnen auch allerdings wenig Ehre bringenden Bedingungen gaben.


  1. Hierbei darf nicht übersehen werden, dass noch heute 2 Dörfer im nahen Böhmen Ede oder Oed geschrieben werden; eines derselben liegt 1 Meile nordwestlich von Eger, somit nicht eben weit von Dröda.
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/325&oldid=- (Version vom 4.2.2017)