Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Oberlauterbach

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Oberlauterbach
Untertitel:
aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 111–112
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 168.jpg
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Oberlauterbach


liegt zwei Stunden östlich von Plauen, unter Falkenstein in einer steinigen und waldigen Gegend, an der alten Auerbach-Plauenschen Strasse und am Fuchspöhl.

Das hiesige Rittergut, welches lange Zeit den Namen Falkenstein untern Theils geführt hat, wurde am 24. Novbr. 1741 erst altschriftsässig und bildete einen Theil der Herrschaft Falkenstein, weshalb auch die Ortsgeschichte mit Falkenstein genau zusammenhängt.

Der Erbauer des Rittergutes ist eben so unbekannt, wie der von Falkenstein. Oberlauterbach mit Falkenstein besass im Jahre 1270 Johann von Falkenstein, ein Geschlecht, welches im 14. Jahrhundert unter den Namen Walkenstein noch vorkommt. Nach der Landestheilung der Gebrüder Balthasar und Wilhelm und deren Vettern Friedrich Wilhelm und Gürge, Landgrafen zu Thüringen und Marggrafen zu Meissen wurden im Jahre 1382 die von Lobdaburg auf Elsterberg mit Falkenstein beliehen. Nach deren Fall erhielt es durch Friedrich den jüngern die Familie von Trützschler. Unter dieser Familie ist vorzüglich Conrad von Trützschler bekannt. Derselbe gehörte zu den Ständen des Landes, welche im Jahre 1445 zur Beilegung der zwischen den beiden Brüdern Wilhelm III. und Churfürst Friedrich dem Sanftmüthigen entstandenen Zwistigkeiten zu Leipzig am Montag nach St. Katharinentage eine Vereinigung zur Schützung ihrer staatsbürgerlichen Rechte geschlossen hatten. An der Spitze dieser Verbindung standen die Bischöfe Johann zu Meissen, Johann zu Merseburg und Peter zu Naumburg mit den Aebten: Johann zu Kempnitz, Heinrich zu Saalfeld, Heinrich zu Pegau, Johannes zu Zelle, Johann zum Buche, Nicolaus zum Grünhain und Erhardt zum Bergen. Ferner Otto und Albrecht, Burggrafen zu Leissnigk und Herrn zu Penigk und Rochsburg; Heinrich, und Heinrich, Herren zu Gera und zum Lobenstein, Heinrich Russe der Aeltere, Herr zu Greitz. Veit und Friedrich von Schönburg, Herren zu Glauchau und Waldenburg. Dann über 100 vom Adel. Unter diesen sind die Vornehmsten gewesen: Hensel und Friedrich von Dohna auf Auerbach, Konrad von Ende zu Ronneburg, Ulrich Sack, Rudolph von Bünau zu Kutzschwitz, Günther von Bünau zu Elsterberg, Jürge von Wolfersdorf zu Berga, Nicol von der Planitz und Conrad von Trützschler auf Falkenstein mit Oberlauterbach.

Die spätern Nachrichten. welche über die von Trützschler’sche Familie Aufschluss gehen könnten, fehlen gänzlich. Nur so viel steht fest, dass im Jahre 1616 Georg Abraham von Trützschler Falkenstein mit Oberlauterbach besessen hat, der die Besitzung von seinem Vetter Wilhelm Friedrich von Trützschler erkaufte. Dann kam es an Hildebrand Eichelberg von Trützschler. Dieser Eichelberg von Trützschler ist derselbe, welcher in seinem Testamente vom 16. Mai 1631 die Gründung eines Hospitals zu Limbach im Voigtlande – in der Nähe von Christgrün, welches demselben ebenfalls gehörte, mit der Bestimmung verordnete, dass von den Ersparnissen beim Hospitale 12 Freistellen auf der Meissner Fürstenschule nebst einer Zulage für die Lehrer gestiftet wurden, eine Verordnung, welche im Jahre 1728 auch wirklich zur Ausführung kam.

Im 18ten Jahrhundert besass Falkenstein mit Oberlauterbach der Oberst Johann Friedrich von Trützschler, von welchem es an Traugott Friedrich Trützschler gekommen ist. Dann wurde der Lieutenant August Ferdinand von Trützschler damit beliehen und nach dessen im Jahre 1815 erfolgten Ableben folgte im Besitze der Rittmeister August Heinrich von Trützschler. Von diesem übernahm die ganze Besitzung der Geheime-Präsident und Minister zu Altenburg Carl Adolph von Trützschler, welcher am 31. Juli 1831 mit Tode abging, worauf dann der noch jetzt lebende Kammerherr und Geheime Conferenzrath Carl Adolph von Trützschler zu Gotha damit beliehen wurde, der Vater des in Baden im Jahre 1849 erschossenen Appellationsgerichtsassessor Adolph von Trützschler, eines durch Herz und Verstand gleich ausgezeichneten Mannes. Vor einigen Jahren verkaufte der Geheime Conferenzrath von Trützschler das Gut an Herrn Opitz auf Netzschkau und letztrer wieder an einen gewissen Herrn Christoph Falk. Jetzt ist Oberlauterbach anderweit verkauft.

Der frühere Gerichtssprengel von Oberlauterbach war ein sehr grosser. [112] Es gehörten dazu Antheile von Dorfstadt, Ellefeld, Falkenstein, Grünbach, Grumbach, Kottengrün, Lottengrün, Schreiersgrün, Trieb, Bergen, Werda, auch die Schäfereien Irrgang und Juchhöh, das Waldhaus, Salzbach, die Jägerhauser Hahnenweg und Lohberg und der Neugraben.

Die Rittergutsgebäude selbst sind nicht von grossem Umfange, doch vortrefflich und gut die Wirthschaftsgebäude und die Bewirthschaftung des Gutes selbst ist eine musterhafte zu nennen.

Das hier gebaute Getreide gehört zu den Mittelsorten des Voigtlandes und die erbaut werdenden Kartoffeln sind dem besten des Voigtlandes beizuzählen. In den letztvergangenen Jahren ist auch für eine gute Viehfütterung auf das Möglichste gesorgt.

Die Einwohner von Oberlauterbach treiben meistens Oeconomie und haben einen guten Nahrungszweig von den ihnen zugehörigen Sandsteinbrüchen, wovon die zugerichteten Steine zu Fensterstöcken, zu Treppen etc. weit und breit versendet werden. Diese Sandsteinbrüche erstrecken sich über Schönau bis Trieb und Bergen und weiter hinauf.

Eingepfarrt ist Oberlauterbach mit Ellefeld, Dorfstadt, Neustadt, Grünbach, Friedrichsgrün, Hammerbrück, Rissbrück, Mühlleithen, Winselburg, Bode, Reumtengrün nach Falkenstein. Das Nähere über Kirche und Schule ist schon bei der Beschreibung von Falkenstein erwähnt worden, so wie auch nicht unerwähnt geblieben, dass die Collatur dem jedesmaligen ältesten Familienhaupte der von Trützschler’schen Familie zusteht und Falkenstein als Kirchort gehört zur Ephorie Auerbach. Dagegen hat Oberlauterbach seine besondere Schule. In Falkenstein hat früher eine Schmelzhütte und eine Glashütte mit Podaschsiederei und Vitriolwerk in Friedrichsgrün bestanden, sind aber bereits seit etwa 30 Jahren eingegangen.

Die früher sehr bedeutende Holzflösse aus den Falkensteiner und Oberlauterbacher Wäldern hat seit etwa 30 Jahren gänzlich aufgehört.

Der jährliche Holzschlag aller Gattungen der Rittergutswaldungen beträgt jetzt höchstens noch 1300 Klaftern. Die Falkensteiner Gutswaldungen stossen nicht, wie hier und da irrthümlich in verschiedenen Handbüchern zu lesen ist, an die böhmische Grenze, sondern werden von dieser durch sächsische Staatswaldungen getrennt.

Der in der Nähe von Falkenstein und Oberlauterbach liegende Wendelstein, aus mehrern Felsgruppen bestehend, ist gleichbedeutend mit Wimmerstein und Bendelstein.

Diese Felsgruppen waren in frühesten Zeiten von ungeheuren hohen Forsten eingeschlossen und soll in dem Innern dieser Felsgruppen einer Sage nach die heilige Vehme die von ihr geladenen Angeklagten vernommen und über dieselben ihr Urtheil gesprochen haben.

Die Lage dieses Felsens war ganz dazu geeignet und man findet allerdings in demselben Spuren von Gängen und eine Art Gewölbe.

Zu Oberlauterbach gehört die Schäferei Irrgang und Juchheh. Der erstere Ort wird deshalb so genannt, weil vorzüglich bei Nachtzeit die Leute sich hier verirrt und in Sümpfe und undurchdringliche Waldungen gerathen sind.

Oberlauterbach hat ausserdem noch 2 Mühlen und ziehmliche Teiche.

Hier sieht man schon den Klöppelsack und einzelne Weber arbeiten nach Falkenstein die sogenannten feinere Falkensteiner Waaren oder die sogenannten Kammertücher.

Die Schiksale, die den Ort Oberlauterbach früher getroffen, waren dieselben, wie solche Falkenstein zu ertragen hatte.

Während des 30jährigen Krieges fiel in der Nähe von Oberlauterbach zwischen den Kaiserlichen und den sie überfallenden Schweden ein hitziges Gefecht vor.

Alle die späteren Nothjahre hat die Armuth hier und in Falkenstein tief empfunden, aber auf der andern Seite wurde von der Gerichtsherrschaft Alles gethan, um Noth und Jammer zu lindern.

Uebrigens gehören die Einwohner von Oberlauterbach zu denjenigen, von welchen die Voigtländische Genügsamkeit im höchsten Maasse zu rühmen ist.

Im Ganzen hat Oberlauterbach als Ort für sich betrachtet, 51 bewohnte Gebäude mit 65 Familienhaushaltungen und 374 Einwohnern.

Der Ort gehört jetzt zum Gerichtsamt Falkenstein, zum Bezirksgericht Plauen, zur Amtshauptmannschaft Plauen, zum Regierungsbezirk Zwickau.

(M. G.)