Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Rodau

Textdaten
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Autor: M.
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Titel: Rodau
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aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 25–26
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 039.jpg


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Rodau.


An der nordöstlichen Gränze des Sächsischen Voigtlandes, am Rodauer Bache, liegt das Dorf Rodau, in Urkunden auch Roda und Rodowe genannt, welches seine Entstehung nach Unterdrückung der einst im Voigtlande herrschenden Slaven – den siegreichen Deutschen verdankt. Der Name Rodau ist ohne Zweifel von dem Worte „ausroden“ das Land von Waldung freimachen, herzuleiten, weil die Umgegend, noch lange nach dem Anbau einzelner Landstrecken durch die Sorben, von ungeheuern Wäldern bedeckt war, die erst im Laufe der Jahrhunderte durch die fleissige Axt des deutschen Ansiedlers niedergeschlagen oder gelichtet wurden. Für diese Behauptung sprechen die immer noch sehr ansehnlichen Waldstrecken, welche sich westlich von Rodau ausbreiten, sowie die Namen einer grossen Anzahl Voigtländischer Ortschaften, wie Rodersdorf, Ulrichsreuth, Reuth, Troschenreuth u. s. w., welche sämmtlich im elften oder zwölften Jahrhundert auf der Stelle finsterer Urwälder entstanden, wo die deutschen Ansiedler ohne grosse Besorgniss vor den geknechteten Ureinwohnern ihre Sprache und Cultur verbreiteten, überall das Kreuz aufrichteten und Zwingburgen bauten. Die Volkssage erzählt, dass einst in Rodaus Nähe ein Tempel des Slavengottes Swantowith gestanden habe, den die Deutschen zerstörten und an dessen Stelle eine Walfahrtskapelle errichteten. Noch jetzt ist einiges Gemäuer dieser Kapelle vorhanden, und der dahin führende völlig verraste Weg wurde erst vor einigen Jahren in Feld verwandelt.

Dass eine grosse Anzahl Slaven sich lange sträubten dem Christengotte zu huldigen, war natürlich, und so schlichen denn viele in die einsamsten und dichtesten Theile der nahen Wälder um dort den alten Göttern ihres Volkes Opfer zu bringen. Hieraus entstand die Sage von den Holzweibchen, diese waren ursprünglich nichts anderes als Sorbische Frauen, welche vor dem Kreuze in die dichten Waldungen zu den Altären ihrer Götter flüchteten und als sie sich wieder hervorwagten bemerkt und verfolgt wurden, aber – nach der Sage – an einem Stamme mit drei Kreuzen Rettung und Zuflucht fanden.

Das Dorf Rodau besteht aus mehr als 100 Feuerstätten mit ungefähr 500 Bewohnern, welche ausser Ackerbau und Viehzucht auch viel Handwerkerei betrieben. Namentlich wohnen in Rodau eine ziemliche Anzahl Maurer und Zimmerleute die mit der Frühlingssonne hinausziehen, oft in weite Ferne, um bei grösseren Bauten lohnende Arbeit zu finden, und mit den Schneeflocken zurückkehren, um den Winter bei ihren Familien zu verleben. – Ein Theil von Rodau, und zwar der bedeutendste, gehört zu dem Rittergute Leubnitz, ein anderer zum Rittergute Reuth, ein Dritter zu dem von Schneckengrün und ein vierter steht unmittelbar unter dem Amte Plauen. Der fünfte Theil gehört dem Rittergute zu Rodau, welches auch Antheil an Schönberg, Kornbach und Tobertitz besitzt. Im Jahre 1291 hatte das Kloster Kronschwitz Besitzungen im Dorfe Rodau, indem es einige daselbst fällige Zinsen dem Kloster Bosau verkaufte, und 1503 nennt ein noch vorhandenes Register der Balley Thüringen, unter welcher die Voigtländischen Besitzungen des deutschen Ritterordens standen, unter den dreizehn Kirchlehen die dem Ordenshause zu Plauen gehörten auch das Dorf Rodau.

Das Rittergut Rodau gehörte in der frühesten Zeit einem adeligen Geschlecht von Roda, von dem 1278 Heinrich von Roda als Ebersteinscher Landsasse, in Gemeinschaft mit dem Ritter Helm von Hassbecht, zwei Herren von Reinaldsdorf, Sixen von Magwitz und den Brüdern Eberhard und Eckbrecht von Marksgrün als Zeuge in einer Schenkungsurkunde genannt wird, worin das Kloster Kronschwitz bedeutende Güter in Strassberg zum Besten der Seele Kunigundens von Reuss empfing. Ritter Rudolph von Roda war der Landgräfin von Thüringen Elisabeth der Aelteren bestellter Voigt auf der Burg Arnshaugk. Heinz von Roda unterschrieb im Jahre 1398 mit Helvico, Ritter von Hossebergk, Albert von Reinaldsdorf, Theodorich Rusterge und Albrecht von Ammendorf ein Dokument, worin Graf Conrad von Eberstein seine lehnsherrliche Einwilligung zu einer abermaligen Schenkung an das Kloster Kronschwitz erklärt. Im Jahre 1485 kommt ein Kaspar von Roda vor, welcher bei einem Vergleiche Heinrich des Mittleren von Reuss mit seiner Ritterschaft worin diese ihrem Herrn zur Bezahlung seiner Schulden zehn Procent von den Gütern ihrer Bauern bewilligte, aber dafür auf sieben Jahre von der Landbethe befreit blieb – die darüber ausgestellte Urkunde mit noch vierzehn anderen Edelleuten unterzeichnete. Die sogenannte Landbethe oder Landbitte war eine öffentliche Steuer, die aus dem Viehbestande erlegt, desshalb auch Horn- oder Klauensteuer hiess, ursprünglich aber nur auf geschehene landesherriiche Bitte von den Landsassen freiwillig geleistet wurde. [26] Im 16. Jahrhunderte gehörte Rodau den Herren von Röder, einem der ältesten und begütertsten voigtländischen Adelsgeschlechter. 1521 besassen von den Röders Veit von Röder Kloschwitz, Eberhard von Röder Kröstau, Hans von Röder Pöhl, Veit von Röder Rössnitz und Heinz von Röder Rodau. Einer dieser Familie, Adam von Röder, wurde mit Volkmar von Rüther, Thomas und Joachim von Zedlitz, Walther von der Mosel, Hans von Trützschler und dem reisigen Knechte Thomas 1545 bei Reussa unweit Plauen auf der Landstrasse von feindlich gesinnten Edelleuten angefallen und sammt seinen Begleitern niedergeschossen. 1613 besass Rodau Kaspar von Dobeneck auf Schlegel, zu dessen Zeit die Kirche zu Rodau, welche bis dahin ein Filial von Leubnitz war, zu einer selbstständigen Pfarrei erhoben wurde. – In der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts gehörte Rodau einer Frau von Sprichovsky von der es bald darauf die Herren von der Planitz auf Auerbach an sich brachten. Von dieser Familie kam das Gut an die Gebrüder Fiedler aus Reichenbach, von denen einer in der Kirche zu Rodau begraben liegt. In rascher Folge besassen im Laufe des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts Rodau die Familien von Siegheim, von Schönfels und von Kospoth. Herr Friedrich Heinrich von Kospoth auf Leubnitz erkaufte Rodau im Jahre 1823 und starb 1852, worauf die Güter an dessen vier Söhne, die Herren Franz Heinrich Rudolph, Hermann Heinrich Maximilian, Bernhard Heinrich Asmus und Hugo Heinrich Luithold von Kospoth übergingen, welche dieselben noch jetzt besitzen.

Wie schon erwähnt war Rodau bis zum Jahre 1613 Filial von Leubnitz. Die Kirche scheint ursprünglich eine blosse Schlosskapelle gewesen zu sein, da sie noch jetzt sehr nahe am Rittergute steht. Die ersten christlichen Gotteshäuser errichtete man wo möglich immer unmittelbar neben den Schlössern um sie vor der Entweihung oder Zerstörung durch die besiegten zum Christenthum gezwungenen Sorben zu schützen. Noch jetzt zeigen Spuren von Thürmen an der die Rodauer Kirche umschliessenden Friedhofsmauer, dass man sie einst gegen feindliche Angriffe verwahren wollte, und deshalb in den Bereich der Befestigungen des Rittersitzes zog.

Die Parochie Leubnitz umfasste 11 Dorfschaften, von denen Rodau, Tobertitz, Schönberg, Demeusel und Kornbach in die neue Parochialkirche zu Rodau eingepfarrt wurden. Die Edelleute des Kirchspiels und sämmtliche Gemeinden brachten ein Kapital von 1200 Gulden zusammen, wofür man in Rodau von einem Herrn von Ravensteiner ein Bauerngut ankaufte und solches dem neuen Pfarrer, M. Oehler, zur Wohnung anwies. Ausserdem setzte man dem Pfarrer ein Fixum von 16 Scheffel Roggen, 3 Fuder Heu, 8 Klafter Holz und 9 Gulden Tranksteuer aus, wozu noch einige Deputate von den Rittergütern kamen. Die Edelleute des Leubnitzer Kirchspiels waren damals Melchior von Bodenhausen auf Mühldorf und Leubnitz, Maria von Feilitzsch, auf Tobertitz, Hildebrand Eichelberg von Trützschler auf Stein und Schneckengrün, Hans Kaspar von Dobenek auf Rodau und Schlegel, Hans von Reibold auf Rössnitz und Kloschwitz, und Joachim Daniel Rabe auf Schneckengrün.

Die alte Kirche war zu Anfange dieses Jahrhunderts so baufällig geworden, dass der damalige Pfarrer ihren Einsturz befürchtete, und somit sah man sich genöthigt einen Neubau vorzunehmen, der jedoch erst nach einem langen Processe mit der Kirchfahrt in Angriff genommen wurde. Die neue Kirche entstand in den Jahren 1810–1813, und ist durchaus kein Muster eines ländlichen Gotteshauses zu nennen, sondern im Innern wie im Aeussern verpfuscht. Das äussere Aussehen verdirbt der Thurm, ein sogenannter Dachreiter, welcher ursprünglich von Grund aus gemauert war, aber seiner Vollendung nahe, starke Risse bekam, weil der Maurermeister die Mauern des Thurmes auf Todtengrüfte gesetzt und somit keinen festen Grund gesucht hatte. Trotz der Tröstungen des Meisters, dass es gegen dergleichen Zufälle tausend Mittel gäbe, sah er sich dennoch zu dem einzigen vernünftigen gezwungen, den Kirchthurm bis auf den Grund niederzubrechen. Der Zimmermeister versprach hierauf einen Thurm zu bauen, wie kein zweiter gefunden werden sollte im Lande weit und breit umher. Der Mann hielt Wort, denn einen geschmackloseren Thurm giebt es nicht im ganzen Sachsenlande. Durch Verlängerung der Kirchenmauern wurde nun die Kirche zu lang, und weil man auf den alten Grund gebaut hatte, zu eng und hoch, sowie wegen des obenaufsitzenden Thurmes, unter dem keine Fenster eingebrochen werden durften, um Altar und Kanzel herum zu dunkel. Der hölzerne Altar, welcher bei einer Restauration der neuern 1833 vom Tischlermeister Mökel in Oelsnitz gefertigt wurde, ist mit einen hübschen auf Holz gemalten Bilde, die Fusswaschung Christi darstellend, geschmückt. – Die Orgel, 1814 von den Geschwistern Heidenreich in Hof erbaut, ist ein treffliches Werk.

Das Vermögen der Kirche ist gering, würde indessen sehr bedeutend sein, wenn man das Lehngeld, welches ihr noch aus den Zeiten vor der Reformation (durch Stiftungen) beim Verkaufe von Häusern und Grundstücken zusteht nicht verschenkt oder doch herabgesetzt hätte. Sie hat eigentlich das Recht bei Verlehnung eines Bauerngutes den zehnten Pfennig zu beanspruchen, so dass sie da 300 oder 400 Thaler bekommen müsste, wo sie jetzt 7 bis 8 Thaler empfängt. Die sogenannten Kühezinsen, welche die Kirche noch ausserdem bezieht, sind wahrscheinlich bei der Reformation von einem Kloster auf sie übergegangen.

In neuerer Zeit sind Kornbach und Tobertitz aus dem Schulverbande mit Rodau geschieden. Zu Tobertitz wurde ein neues Schulhaus gebaut und ein confirmirter Lehrer angestellt. Rodau und Demeusel haben eine Anzahl von etwa 130 schulpflichtigen Kindern. – In Rodau sind 2 Begräbnissplätze, von denen einer die Kirche umgiebt und der andere, 1613 angelegte, sich hinter den Dorfe befindet. – Das Patronat- und Collaturrecht über Kirche, Pfarre und Schule steht dem jedesmaligen Besitzers des Rittergutes Leubnitz zu.

M.