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Im 16. Jahrhunderte gehörte Rodau den Herren von Röder, einem der ältesten und begütertsten voigtländischen Adelsgeschlechter. 1521 besassen von den Röders Veit von Röder Kloschwitz, Eberhard von Röder Kröstau, Hans von Röder Pöhl, Veit von Röder Rössnitz und Heinz von Röder Rodau. Einer dieser Familie, Adam von Röder, wurde mit Volkmar von Rüther, Thomas und Joachim von Zedlitz, Walther von der Mosel, Hans von Trützschler und dem reisigen Knechte Thomas 1545 bei Reussa unweit Plauen auf der Landstrasse von feindlich gesinnten Edelleuten angefallen und sammt seinen Begleitern niedergeschossen. 1613 besass Rodau Kaspar von Dobeneck auf Schlegel, zu dessen Zeit die Kirche zu Rodau, welche bis dahin ein Filial von Leubnitz war, zu einer selbstständigen Pfarrei erhoben wurde. – In der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts gehörte Rodau einer Frau von Sprichovsky von der es bald darauf die Herren von der Planitz auf Auerbach an sich brachten. Von dieser Familie kam das Gut an die Gebrüder Fiedler aus Reichenbach, von denen einer in der Kirche zu Rodau begraben liegt. In rascher Folge besassen im Laufe des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts Rodau die Familien von Siegheim, von Schönfels und von Kospoth. Herr Friedrich Heinrich von Kospoth auf Leubnitz erkaufte Rodau im Jahre 1823 und starb 1852, worauf die Güter an dessen vier Söhne, die Herren Franz Heinrich Rudolph, Hermann Heinrich Maximilian, Bernhard Heinrich Asmus und Hugo Heinrich Luithold von Kospoth übergingen, welche dieselben noch jetzt besitzen.

Wie schon erwähnt war Rodau bis zum Jahre 1613 Filial von Leubnitz. Die Kirche scheint ursprünglich eine blosse Schlosskapelle gewesen zu sein, da sie noch jetzt sehr nahe am Rittergute steht. Die ersten christlichen Gotteshäuser errichtete man wo möglich immer unmittelbar neben den Schlössern um sie vor der Entweihung oder Zerstörung durch die besiegten zum Christenthum gezwungenen Sorben zu schützen. Noch jetzt zeigen Spuren von Thürmen an der die Rodauer Kirche umschliessenden Friedhofsmauer, dass man sie einst gegen feindliche Angriffe verwahren wollte, und deshalb in den Bereich der Befestigungen des Rittersitzes zog.

Die Parochie Leubnitz umfasste 11 Dorfschaften, von denen Rodau, Tobertitz, Schönberg, Demeusel und Kornbach in die neue Parochialkirche zu Rodau eingepfarrt wurden. Die Edelleute des Kirchspiels und sämmtliche Gemeinden brachten ein Kapital von 1200 Gulden zusammen, wofür man in Rodau von einem Herrn von Ravensteiner ein Bauerngut ankaufte und solches dem neuen Pfarrer, M. Oehler, zur Wohnung anwies. Ausserdem setzte man dem Pfarrer ein Fixum von 16 Scheffel Roggen, 3 Fuder Heu, 8 Klafter Holz und 9 Gulden Tranksteuer aus, wozu noch einige Deputate von den Rittergütern kamen. Die Edelleute des Leubnitzer Kirchspiels waren damals Melchior von Bodenhausen auf Mühldorf und Leubnitz, Maria von Feilitzsch, auf Tobertitz, Hildebrand Eichelberg von Trützschler auf Stein und Schneckengrün, Hans Kaspar von Dobenek auf Rodau und Schlegel, Hans von Reibold auf Rössnitz und Kloschwitz, und Joachim Daniel Rabe auf Schneckengrün.

Die alte Kirche war zu Anfange dieses Jahrhunderts so baufällig geworden, dass der damalige Pfarrer ihren Einsturz befürchtete, und somit sah man sich genöthigt einen Neubau vorzunehmen, der jedoch erst nach einem langen Processe mit der Kirchfahrt in Angriff genommen wurde. Die neue Kirche entstand in den Jahren 1810–1813, und ist durchaus kein Muster eines ländlichen Gotteshauses zu nennen, sondern im Innern wie im Aeussern verpfuscht. Das äussere Aussehen verdirbt der Thurm, ein sogenannter Dachreiter, welcher ursprünglich von Grund aus gemauert war, aber seiner Vollendung nahe, starke Risse bekam, weil der Maurermeister die Mauern des Thurmes auf Todtengrüfte gesetzt und somit keinen festen Grund gesucht hatte. Trotz der Tröstungen des Meisters, dass es gegen dergleichen Zufälle tausend Mittel gäbe, sah er sich dennoch zu dem einzigen vernünftigen gezwungen, den Kirchthurm bis auf den Grund niederzubrechen. Der Zimmermeister versprach hierauf einen Thurm zu bauen, wie kein zweiter gefunden werden sollte im Lande weit und breit umher. Der Mann hielt Wort, denn einen geschmackloseren Thurm giebt es nicht im ganzen Sachsenlande. Durch Verlängerung der Kirchenmauern wurde nun die Kirche zu lang, und weil man auf den alten Grund gebaut hatte, zu eng und hoch, sowie wegen des obenaufsitzenden Thurmes, unter dem keine Fenster eingebrochen werden durften, um Altar und Kanzel herum zu dunkel. Der hölzerne Altar, welcher bei einer Restauration der neuern 1833 vom Tischlermeister Mökel in Oelsnitz gefertigt wurde, ist mit einen hübschen auf Holz gemalten Bilde, die Fusswaschung Christi darstellend, geschmückt. – Die Orgel, 1814 von den Geschwistern Heidenreich in Hof erbaut, ist ein treffliches Werk.

Das Vermögen der Kirche ist gering, würde indessen sehr bedeutend sein, wenn man das Lehngeld, welches ihr noch aus den Zeiten vor der Reformation (durch Stiftungen) beim Verkaufe von Häusern und Grundstücken zusteht nicht verschenkt oder doch herabgesetzt hätte. Sie hat eigentlich das Recht bei Verlehnung eines Bauerngutes den zehnten Pfennig zu beanspruchen, so dass sie da 300 oder 400 Thaler bekommen müsste, wo sie jetzt 7 bis 8 Thaler empfängt. Die sogenannten Kühezinsen, welche die Kirche noch ausserdem bezieht, sind wahrscheinlich bei der Reformation von einem Kloster auf sie übergegangen.

In neuerer Zeit sind Kornbach und Tobertitz aus dem Schulverbande mit Rodau geschieden. Zu Tobertitz wurde ein neues Schulhaus gebaut und ein confirmirter Lehrer angestellt. Rodau und Demeusel haben eine Anzahl von etwa 130 schulpflichtigen Kindern. – In Rodau sind 2 Begräbnissplätze, von denen einer die Kirche umgiebt und der andere, 1613 angelegte, sich hinter den Dorfe befindet. – Das Patronat- und Collaturrecht über Kirche, Pfarre und Schule steht dem jedesmaligen Besitzers des Rittergutes Leubnitz zu.

M.      



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 26. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/41&oldid=2917210 (Version vom 17.10.2016)