Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Schönberg (Vogtland)

Textdaten
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Autor: O. M.
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Titel: Schönberg
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aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 63–64
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: SLUB DresdenCommons
Kurzbeschreibung:
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Schönberg Castle 2008-09-28.JPG
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 095.jpg
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Schönberg.


Am Fusse eines Berges, der eine köstliche Aussicht nach Baiern, Böhmen und Sachsen gewährt, liegt an der Poststrasse von Adorf nach Eger dicht am äussersten Punkte der Grenze auf einer südlich gesenkten Anhöhe das Dorf Schönberg. Im Orte befindet sich ein 1753 zur Schriftsässigkeit erhobenes Rittergut, eine Pfarrkirche und Schule, ein Beigeleite von Voigtsberg, eine Postexpedition, zwei Mühlen und eine Einwohnerschaft von dreihundertundfunfzig Köpfen, die sich theils von Landbau, theils von Baumwollenweberei nährt. Zum Rittergute Schönberg gehören ausser dem Dorfe Schönberg, das nahe Bärendorf mit einer Mühle, Hohendorf mit zwei Mühlen, Zweifelsreuth und das Deckenhaus, auch steht ihm die Collatur über Pfarre und Schule zu Schönberg zu.

Die älteste Urkunde, in der Schönberg erwähnt wird, ist vom Jahre 1209 wo Heinrichs des Reichen, Voigts zu Plauen drei Söhne die 1193 von ihrem Vater vollzogene Stiftung des Klosters Mildenfurth bei Weida bestätigten und einen neuen Stiftungsbrief anfertigen liessen, in dem unter anderen Gütern auch ein Forst, bei Schönberg gelegen, als Geschenk an das neue Kloster genannt ist. Eine zweite, sehr interessante Urkunde über Schönberg vom Jahre 1243 verwahrt das Archiv zu Gera. Damals besass nemlich das Rittergut Schönberg Alb von Schönberg als Lehn des Voigts von Plauen, auf welches er jedoch bei Juden und Christen eine Schuldenlast von tausend Pfund Hellern aufgenommen hatte, weshalb er noch auf seinem Sterbelager den Wunsch aussprach, dass das Gut verkauft werden möchte. Als Bürgen für ihn standen unter Arrest sein Schwiegervater Ritter Hermann von Wilcken, dessen Freund Alb von Neppe und der Ritter Heinzel Röder. Diese Edelleute sammt den Kindern des Verstorbenen baten den Voigt als Lehnsherrn, dass er das Gut weiter verlehnen wolle an Eltel Tossen, der es um dreizehnhundert Pfund Heller an sich gelöst und gekauft habe. Weil nun der Voigt befürchtete unter solchen Umständen dieses Grenzlehn und dessen Dienst zu verlieren, so bewilligte er die Bitte „da tete wir vnndt haben getan nach vnsr vreundte vnsr Erben vnndt auch vnsr getrewen manne rat vnndt lihen daz oft genant gut zum Schönbergk vnsrm getrewen ritter Eltel den Tossen vnndt seinen erben.“ Die Urkunde des stolzen Voigts führt schon vollständig die Sprache eines Souverains, denn er nennt sich darin „Wir, Heinrich von Gottes Gnaden der Elter Voit vnd Her czu Plawe.“ Die Belehnung des Ritters Eltel Tosse fand in öffentlicher landständischer Versammlung statt und von den anwesenden Edelleuten und Räthen unterzeichneten dieselbe: „Her Wilhelme von der Plohn Ritter, Heinrich Tosse, Alb Beme, Hermann Coppe, Heinrich Peter, Heinrich von Machwitz, genannt vom Stein, Cunz und Ulrich die Secke, Cunz von Raschau, vndt die bescheiden Purger czu Plawn, Conrad Mutig, Dietrich und Johann die Weigandte, Otto von Rewcz, Alb Held vnndt and byderber leute genug.“ – Diese Urkunde liefert übrigens auch den Beweis, dass im dreizehnten Jahrhundert sich zu Plauen bereits Juden angesiedelt hatten.

Wiederum wird Schönberg 1336 genannt wo Burgold von Kospod dem Nonnenkloster zu Weida einen Jahreszins schenkte und seinen Pleban, Johann, nebst den Rittern von Lohma als Zeugen gebrauchte. Die Herren von Kospod besassen Schönberg noch im funfzehnten Jahrhundert, später findet sich auf dem hiesigen Schlosse Hans von Rabe und Heinrich von Röder vor, bis endlich das Gut an die Familie von Reitzenstein gelangte. Schon im zwölften Jahrhundert wird dieses Geschlecht eine im Voigtlande angesessene und reichbegüterte Dynastie genannt. Von den Herren von Reitzenstein besass Schönberg 1754 der Rittmeister Georg Christoph von Reitzenstein, und zu Anfang dieses Jahrhunderts der Kammerherr und Oberforstmeister gleichen Namens. Zur Zeit ist Eigenthümer des Rittergutes Schönberg nebst Zubehör Herr Georg Christoph von Reitzenstein.

Die Kirche zu Schönberg stand vor der Reformation unter Inspektion des Bisthums Zeitz. Sie ist ein geräumiges mit zwei Thürmen geschmücktes Gebäude, das zwei sehr alte Glocken, und einige interessante alterthümliche Denkmäler verwahrt, worunter das eines katholischen Plebans, Nikolaus Seidler, der 1485 hier starb und unter der Kanzel begraben liegt. Die Parochie, bestehend aus Schönberg, Bärendorf und Hohendorf, enthält drei Schulen mit zwei Lehrern, welche über zweihundert Kinder zu unterrichten haben. – Nicht unerwähnt darf hier bleiben, [64] dass im Jahre 1753 bei Schönberg ein Sauerbrunnen entdeckt wurde, dessen Wasser gleiche Heilkräfte wie das des Brunnens bei Eger enthalten soll. Der in Dresden erscheinende gelehrte Anzeiger brachte nach geschehener Entdeckung einen weitläufigen Artikel über den Schönberger Sauerbrunnen und es wurde auch wirklich derselbe häufig besucht, später aber ist er aus uns nicht bekannten Gründen der Vergessenheit anheimgefallen. Im Sommer wird das reizend gelegene Schönberg läufig von Gästen des Franzensbrunnens bei Eger besucht.

O. M.