Kurze Lebens-Notizen zu der Portrait-Gallerie merkwürdiger Luzerner auf der Bürgerbibliothek in Luzern

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Autor: Joseph Anton Felix von Balthasar, fortgesetzt von Kasimir Pfyffer
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Titel: Kurze Lebens-Notizen zu der Portrait-Gallerie merkwürdiger Luzerner auf der Bürgerbibliothek in Luzern
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Erscheinungsdatum: 1881-82
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Kurze Lebens-Notizen
zu der
Portrait-Gallerie merkwürdiger Luzerner
auf
der Bürgerbibliothek in Luzern.

Gesammelt
bis zum Jahre 1777 von Altsekelmeister Felix Balthasar
und
bis auf die heutige Zeit von Dr. Kasimir Pfyffer.

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1. Peter von Gundoldingen.

Ritter und sechsunddreißig Jahre lang Schultheiß der Republik. Er stammte aus der jetzt in der Pfarre Rain, Amt Hochdorf, gelegenen Ortschaft Gundoldingen (Gundolingen). Er genoß nicht nur in Luzern, sondern in der ganzen Eidgenossenschaft großes Ansehen und Zutrauen. Er war der erste der neun ernannten Schiedsrichter, welche 1381 zwischen der Stadt Bern und Peter von Rinkenberg auf einer und den Landleuten von Unterwalden auf der andern Seite ein schiedsgerichtliches Urtheil ausfällten, welches er allein auch besiegelte. Er starb den Heldentod für das Vaterland als Anführer der Luzerner in der Schlacht bei Sempach im Jahre 1386.

2. Peter Rust.

Er war elf Jahre Schultheiß der Republik. Starb 1479.

3. Kaspar Hertenstein,

Ritter und Herr zu Buonas, stammte aus einem der edelsten Geschlechter Helvetiens, welches selbst mit den Grafen von Habsburg in enger Verbindung und Verwandtschaft stand. Er war mehrere Mal Schultheiß, besorgte verschiedene wichtige Gesandtschaften an [4] Könige und Fürsten und erschien fast auf allen Tagsatzungen. Er zeichnete sich in dem Burgunderkriege und namentlich als Anführer der Nachhut in der Schlacht bei Murten aus. Starb 1486.

4. und 5. Heinrich Imgrund

von Luzern, Pfarrer in Stans, vertrauter Freund des sel. Bruder Niklaus von der Flüe, stund in dem Rufe eines unvergleichlich würdigen Priesters. Am Tage zu Stans im Jahre 1481, als die Boten der Kantone nach fruchtlosen langen Unterhandlungen in Zwietracht sich trennen wollten und ein Bürgerkrieg auszubrechen drohte, eilte Imgrund am Vorabend der Abreise der Gesandten beflügelten Schrittes in der Stille der Nacht zu seinem Freunde, Niklaus von der Flüe, erzählte ihm die betrübte Lage der Sachen und bat sich letzten, besten Rath aus. Am frühen Morgen war Imgrund schon wieder zurück, er flehte die Gesandten, sich doch noch einmal zu versammeln, eröffnete ihnen den soeben vollbrachten Lauf, seine mit Niklaus gehabte Unterredung, den eingeholten Rath, die Bitten und die Mahnungen des verehrten, patriotischen Einsiedlers mit hinreißender Beredtsamkeit, so daß eine Aussöhnung der entzweiten Bundesbrüder erfolgte. Er starb 1493.

6. Frischhans Theiling.

Dieser bewachte (1478) in einer Fehde gegen Mailand mit 600 Männern von Livinen, Uri, Schwyz, [5] Luzern und Zürich den Eingang des Livinenthales bei Giornico (Irnis). Der Feldherr des Herzogs von Mailand rückte mit 15,000 Kriegern gegen ihn an. Es war Winter. Die Eidgenossen hatten das Wasser des Tessins auf die Landstraße und die Wiesen geleitet, damit eine Eisdecke entstehe und versahen sich mit Fußeisen, um fest auftreten zu können. Die Mailänder, indem sie über das Eis daherzogen, hatten keine Haltung. Jetzt stürzte Frischhans Theiling mit den Seinigen festen Fußes, mit Hellebarden und Schlachtschwertern bewaffnet, herab auf den Feind und warf alles vor sich nieder und in die Flucht. Bald lagen 1500 Mailänder erschlagen auf der Wahlstatt; eine große Zahl fand den Tod in den Fluthen des Tessins. Die 600 jagten die 15,000 durch die Riviera hinaus. An der Moesa hielten die Sieger. Neun Jahre später mußte der Held von Giornico auf Betrieb des Bürgersmeisters Hans Waldmann von Zürich elendiglich auf dem Blutgerüste in Zürich sterben, weil er schimpfliche Worte gegen Zürich und gegen den Bürgermeister ausgestoßen haben sollte. Nur wenige Monate später folgte der gefürchtete Bürgermeister ihm auf das Blutgerüst.

7. Melchior Ruß

der jüngere, sonst auch de Rubeis ober de Castro St. Petri genannt, lebte in der letzten Hälfte des XV. Jahrhunderts und stammte aus einem patrizischen Geschlechte zu Luzern, wo er Gerichtschreiber war. Seine [6] Voreltern erhielten im Jahr 1380 das Bürgerrecht der Stadt Luzern, (das Geschlecht starb im Jahr 1589 aus). Er befand sich bei der Luzernerischen, im Jahr 1476 an König Ludwig XI. in Frankreich und im Jahr 1479 an König Mathias Hunyad nach Ofen gesandten Botschaft und wurde von Letzterm zum Ritter geschlagen. Ruß soll im sog. Schwabenkrieg am 20. Heumonat 1499 bei Rheineck als Hauptmann einen frühen Tod für’s Vaterland gefunden haben (Cysat Coll. B. 92). Ruß unternahm im Jahr 1482 die Bearbeitung einer eidgenössischen Chronik, welche eine der merkwürdigern ist. Die Handschrift lag beinahe 400 Jahre lang im Schutte der Vergessenheit begraben, erschien dann aber 1832 im Drucke, herausgegeben von J. Schneller. Die Chronik fängt mit der Stiftung des Klosters im Hof zu Luzern an und schließt mit dem Jahr 1414. Nach den Zeugniß des R. Cysat soll Ruß auch den Burgunderkrieg, den er selbst mitgemacht, beschrieben haben.

8. Jost von Silinon,

dessen Voreltern in Uri auf ihrer adeligen Stammburg saßen und im Jahr 1358 in Luzern das Bürgerrecht erwarben und da ihren Wohnsitz aufschlugen. Auch in Küßnacht besaßen sie einen Edelsitz und ansehnliche Güter. Jost erblickte dort das Tageslicht. Er wurde 1469 Probst zu Beromünster und später durch die Gewogenheit Ludwig XI., Königs in Frankreich, [7] 1475 zum Bischof von Grenoble erhoben und letztlich 1482 von der Landschaft Wallis auch zu dasigem Fürstenthum und Bisthum berufen. Er war einer der berühmtesten Staatsmänner im Dienste Frankreichs. Er hatte sich einige Jahre in Rom aufgehalten und war des Kardinal von Rohan Vertrauter. Durch ihn wurde er mit König Ludwig XI. von Frankreich bekannt. Dieser bediente sich seiner, um die Eidgenossen mit dem Herzog Karl von Burgund in jenen blutigen Krieg zu verwickeln, im welchem der stolze Herzog seinen Untergang fand, und von welchen der größte Vortheil auf Frankreichs Seite fiel. Allererst beredete Silinon die eidgenössischen Stände, mit dem französischen König einen Bund zu schließen. König Ludwig war aber darauf bedacht, neben den Schweizern auch den Herzog von Oestreich mit dem Herzog von Burgund zu verfeinden. Zu diesem Zwecke sollten die Eidgenossen und Oestreich völlig ausgesöhnt werden, was nach mehr als hundertjährigem Zerwürfniß ein schwieriges, beinahe unmögliches Werk war. Der Gewandtheit Silinons gelang es, die sogenannte „ewige Richtung“, d.h. den ewigen Frieden zwischen Oestreich und den Eidgenossen im Jahre 1474 zu Stande zu bringen, in welchem Oestreich auf alle seine Ansprüche im schweizerischen Gebiete Verzicht leistete und beide Theile versprachen, gute Freundschaft miteinander zu halten. Sowie schon bei diesen Verhandlungen das Ansehen des luzernerischen Prälaten groß war, so wuchs sein Ruhm nach Maßgabe des glücklichen Erfolges. Auch König Ludwigs Nachfolger, Karl VIII., bediente sich [8] Silinons bei verschiedenen wichtigen Anlässen. Da Silinon auch Fürst-Bischof im Wallis war, verwickelte er das Land in Kriege gegen Italien hin, welche unglücklich ausgingen. Alle sieben Zehnten empörten sich gegen ihn. Er wurde in seiner Residenz Majoria förmlich belagert und konnte kaum durch Vermittlung der Abgesandten von Luzern, die herbei eilten, beim Leben beschützt und aus dem Lande gebracht werden. Dieses geschah 1496. Nach seiner Vertreibung aus dem Wallis hielt sich Silinon bald in Frankreich, bald in Luzern auf. Dieses wandte viele Mühe an, seinen Mitbürger zur Widererlangung des Bisthums verhülflich zu sein, allein vergebens. Silinon starb gegen Ende des Jahres 1497 in Rom, wohin er sich zuletzt begeben.

9. Diebold Schilling

von Luzern (gestorben zwischen den Jahren 1518— 1522), ein Sohn des Unter-Stadtschreibers Johannes Schilling, eines Kriegers und brauchbaren Geschäftsmannes, war seit 1483 Kaplan oder Chorherr am Stift im Hof, hatte im Jahre 1476 den Zug nach Nancy gegen den Herzog Karl von Burgund mitgemacht. Er ist der Verfasser einer sehr merkwürdigen Chronik, welche sich nicht auf bloße summarische Aufzählung der Begebenheiten beschränkt und daher vor den meisten frühern Chroniken vortheilhaft sich auszeichnet. Schilling hat diese Chronik Anno 1501 zu schreiben angefangen. Das Original befindet sich auf [9] der Bürgerbibliothek zu Luzern, ist sehr schön auf Pergament geschrieben und nach der Zeit Sitte mit zahlreichen Gemälden und Vergoldungen ausstaffirt, wobei die schönen Farben und die damaligen Kleidungsarten sich auszeichnen. Sie fängt mit der Stiftungsurkunde der Stift im Hof an und endet mit dem Jahre 1509. Die Chronik ist in jüngster Zeit auf Kosten der Korporationsgemeinde Luzern, als Besitzerin der Bürgerbibliothek, im Drucke erschienen.

10. Ulrich Gering

(gestorben 1510). Derselbe wurde, nachdem er dem Elias von Laufen seine Buchdruckerkunst mitgetheilt, auf Betrieb des Wilhelm Fichet, Rektor der Pariser Universität, mit Michael Freiburger und Martin Cranz zur Aufrichtung einer Buchdruckeroffizin nach Paris berufen. Rühmlich für die Schweiz und den Kanton Luzern besonders war, daß diese Hauptstadt die erste Buchdruckerei zum Theil aus Luzern erhielt. Es ist nämlich nicht nur unzweifelhaft, daß Gering aus dem Kanton Luzern stammt — der berühmte Fürstabt Gerbert gibt es selbst zu — sondern sehr wahrscheinlich, daß der Flecken Münster sein Geburtsort ist. Haller, Dörflinger und Fäsi (in seinem Versuch eines Handbuches der schweizerischen Staatskunde, §. 31) nehmen es als beinahe unzweifelhaft an. Der erste Druckversuch in Paris des Gering und seiner zwei erwähnten Helfer soll das »Speculum vitae humani [10] Roderiei Zamorensis Episcopi«[1] sein, welches der Herausgeber dem Könige Ludwig IX. als das erste sichere Denkmal ihres Kunstfleißes gewidmet haben, zwar ohne Beisetzung einer Jahreszahl. Raude und Herbert vermuthen das Jahr 1470. Nach diesem erschienen noch mehrere Werke. Eines der vortrefflichsten und äußerst seltenen Werke, das man ihrem Kunstfleiße zu verdanken hat, ist die erste lateinische zu Paris gedruckte Bibel.

Vierzig Jahre brachte Gering zu Paris zu und erwarb sich durch seinen Kunstfleiß großes Vermögen; einen Theil desselben wandte er den Armen zu, besonders unterstützte er arme, studirende Jünglinge; bei der Sorbonne stiftete er vier Stipendien für so viele junge Theologen. Dem Collegio Montaigu vermachte er die Hälfte seines Vermögens, woraus man einen Theil des Studienkollegiums vergrößerte. Er hatte daselbst sein Begräbniß gewählt. Sein Gedächtniß wird in der Sorbonne alle Jahre feierlichst begangen; man hat auch daselbst sein Bildniß aufbehalten.

11. Kaspar von Silinon

war ein Neffe des Bischofs und ein Sohn Albin‘s, welcher Albin sich in den burgundischen Kriegen als der Luzerner Hauptmann auszeichnete und vor [11] Murten zum Ritter geschlagen wurde. Auch Kaspar war ein versuchter Krieger, ein Liebling der Päpste Julius und Leo’s und Hauptmann ihrer Leibwache. Er warb gegen das Verbot Söldlinge für den päpstlichen Dienst und wurde deswegen des Raths und des Bürgerrechts entsetzt und bald darauf raubte ihm der Tod das Leben. Er blieb Anno 1517 in einem blutigen Treffen bei Rimini. Ein feierliches Leichengepränge wurde in der Kirche des Vatikans in Rom in Gegen- wart des Papstes und der Kardinäle abgehalten, wobei eine lateinische wohlgesetzte Lobrede auf den Erschlagenen gehalten wurde.

12. Melchior Zurgilgen

Herr zu Hilsikon, Mitglied des Inneren oder kleinen Rathes, war in Geschäften geübt und ein angesehener Eidgenosse. Er trat 1519 in zahlreicher Gesellschaft, nach der Gewohnheit jener Zeit, eine Pilgrimfahrt zum Grabe des Herrn an, und wurde in Jerusalem zum Ritter geschlagen. Auf dem Rückwege ergriff ihn eine hitzige Krankheit, welcher er in wenigen Tagen erlag. Sein Leichnam ist auf der Insel Rhodus in der Franziskanerkirche beerdigt und ihm dort von seinen Erben eine kostbare, marmorne Grabstätte errichtet worden.

13. Jakob Hertenstein

Herr zu Buonas, Sohn des Kaspar Hertenstein, kämpfte unter den Befehlen seines Vaters in dem burgundischen [12] Krieg und nach des Vaters Tod in dem Schwabenkrieg. Der Kaiser Maximilian beschenkte ihn aus vorzüglicher Achtung und Gewogenheit mit dem Edelsitz Wartenberg zu Muttenz im Baslergebiet, und seine Vaterstadt erhob ihn zum Schultheißen, welche Würde er zwölf Jahre lang bekleidete. Er starb 1527.

14. Peter Hertenstein,

ebenfalls Sohn des Kaspar Hertenstein, folgte in seinen Jugendjahren dem Vater in den Krieg, wurde aber später Priester, und als solcher Domherr der Stifte Konstanz, Basel und Sitten und Chorherr zu Beromünster. Er stund bei dem kriegerischen Papst Julius in hoher Achtung und genoß dessen Vertrauen in vorzüglichem Grade. Er war sein Abgesandter in die Schweiz und bewirkte die Errichtung der noch heute bestehenden päpstlichen Schweizer-Leibgarde im Jahre 1510. Er starb in Rom.

15. Thomas Murner,

geboren 1475 zu Straßburg, Barfüßer, Doktor der Theologie, welcher Ende des Jahres 1524 nach Luzern kam und dort einige Jahre Stadtpfarrer war. Von Straßburg gebürtig, hatte derselbe erst zu Paris, dann an vielen andern Orten bald die Rechte, bald Theologie und Logik gelehrt. Seine Sprache war nach der Sitte damaliger Zeit äußerst hitzig und grob. Er schrieb Disputationsschriften in Religionssachen, und [13] predigte nicht nur auf Kanzeln in der Kirche, sondern auf öffentlichen Plätzen, wo er sich zuweilen eine Bühne errichten ließ. Um seiner Rede und seinem Eifer größern Nachdruck zu geben, legte er eine eigene Druckerei an. Gemäß den ersten Landfrieden (1529) sollte er seine Schmähungen Zürichs und Berns vor den Eidgenossen zu Baden verantworten. Er getraute sich aber nicht zu erscheinen, und entfernte sich in der Stille von Luzern.

16. Jost Kilchmeier

von Luzern, ein gelehrter Mann des sechszehnten Jahrhunderts. Er war Pfarrer in Rapperschwil, von wo er sich aber als Anhänger Zwinglis und seiner neuen Glaubenslehre flüchten mußte, damit er nicht in die Hände der Sieger falle, welche nach der Schlacht bei Kappel (1531) in Rapperschwil sowohl, als in andern Orten den alten Glauben wieder herzustellen strebten. Kilchmeier irrte einige Zeit als Flüchtling umher, bis er in Bern aufgenommen, und seiner Beredsamkeit wegen zum obersten Pfarrer daselbst erwählt wurde. Er starb in Bern im Jahre 1552.

17. Oswald Geißhüsler

von Luzern (geb. 1488, gestorben 1552), berühmter Gelehrter, eine Zierde nicht nur Luzerns, sondern der ganzen Eidgenossenschaft, über deren Grenzen sein Ruhm sich weithin verbreitete. Er machte seine Studien auf der Universität zu Basel unter Glarean und [14] Erasmus von Rotterdam, erhielt da nach damaliger Gewohnheit einen lateinischen Namen; er wurde in der Matrikel der Akademie zu Basel Oswaldus Molitoris Lucernensis eingeschrieben. Glarean gab ihm immer diesen Namen; Erasmus aber nannte ihn Myconius, unter welchen Namen er bekannt ist. Er selbst schrieb sich so, einige Male aber auch Caprianus, alias Geißhüsler. Erasmus liebte ihn sehr. Er versah zu Basel zuerst die Lehrerstelle bei St. Theodor und nachher bei St. Peter bis 1516, da er nach Zürich als Lehrer der lateinischen und griechischen Sprache berufen wurde. Während seinem Aufenthalte in dort gab er zwei Schriften heraus, welche viele merkwürdige, historische und philosophische Auslegungen vom Ursprunge der Bünde, Sitten etc. der Eidgenossen enthalten und daher die Aufmerksamkeit aller Gelehrten auf den jungen Myconius zogen. Im Jahr 1519 folgte er dem Rufe in's engere Vaterland, zuerst an die Lehrerstelle im Stift Beromünster und dann zu Luzern, mußte aber wegen seiner Anhänglichkeit an Zwingli sein Vaterland am Anfange des Jahres 1523 für immer verlassen, worauf er in Zürich angestellt wurde. Nach Zwinglis Tod, welcher ihn sehr schmerzte, übernahm er 1532 das Amt eines Diakon und Predigers zu Basel, und nach Oekolampads Tod den Lehrstuhl der Theologie, den er über zwanzig Jahre beibehielt, nachher aber freiwillig verließ, um für sich allein und ruhig leben zu können. Von ihm sind mehrere Werke bekannt. Auch in Oekolampads Werken befinden sich mehrere Arbeiten des Myconius. [15]

18. Johann Feer,

Conventual des Ordens des hl. Franziskus. Er unterstützte den Thomas Murner in seinem Eifer gegen die Reformirten. Starb im J. 1554.

19. Niklaus von Meggen,

Ritter. Er war mit Margareth Schinner, einer Schwerster des berühmten Kardinals von Sitten verehelicht. Er nahm daher auch Theil an den in Italien von dem kriegerischen Papst Julius und besagtem Kardinal gegen die Franzosen mehrere Jahre hindurch geführten Fehden. Er vertrat die Stelle eines Feldobersten mit Tapferkeit. Auch in der Vaterstadt Luzern stund er in großem Ansehen und bekleidete die Würde eines Schultheißen. Glücklich bis in das hohe Alter starb er 1555.

20. Jost von Meggen,

Herr zu Waldegg, des Innern Raths, Hauptmann der päpstlichen Leibgarde in Rom, dessen Bürger ihm das Bürgerrecht schenkten, Jerusalemer-Ritter. Er war ein in Staatssachen einsichtsvoller, ein in und außer der Eidgenossenschaft bekannter, und in den schönen Wissenschaften, auch in neun verschiedenen Sprachen bewanderter Mann besonders Liebhaber und Kenner der Antiquitäten und der Numismatik und [16] hatte eine große Menge seltener und schöner Medaillen und Münzen aus den Zeiten vor und nach Christus gesammelt, welche gemäß einer im gegenseitig errichteten Testamente enthaltenen Bestimmung an seinen Freund, den berühmten Gilg Tschudi kamen. Es sind noch einige seiner Schriften vorhanden. Darunter die in Latein verfaßte Reisebeschreibung in das gelobte Land. Er stund mit verschiedenen, schweizerischen Gelehrten in Briefwechsel. Starb 1559 und mit ihm endete sein Geschlecht.

21. Ludwig Kiel,

von Luzern (geb. 1480, gest. 1569), Dr. Philos. et Med. verdient als einer derjenigen, die im Vereine mit ihren berühmten Zeitgenossen und Freunden Glareau und Erasmus von Rotterdam, ihren Landsleuten Myconius und Xyloteetus zum Aufblühen der Wissenschaften, namentlich, der Kenntniß der alten Sprachen, wesentlich beigetragen haben, einer rühmlichen Erwähnung. Er hatte die höheren Studien auf den Universitäten zu Basel und Löwen begonnen und im Vereine mit seinen Landsleuten, Ritzi und Stud, zu Paris vollendet, dort den Doktorgrad erhalten und nach Gewohnheit der Gelehrten dieses Jahrhunderts einen lateinischen Namen, Carnius, sich beigelegt. Nach vollendeten Studien wurde er öfter als Lehrer und Hofmeister an fürstliche Höfe berufen, erhielt später ein Kanonikat in Beromünster, zog von da nach Basel, wo er sein Leben beschloß, nachdem er vorher noch [17] für studirende Jünglinge in Basel und in Luzern, und für seiner Schwester Kinder in Luzern, nämlich die Familie Pfyffer, Stipendien gestiftet. Er liegt in der Basler Kathedrale begraben, wo ein noch vorhandenes, marmornes Denkmal seine Gebeine deckt.

22. Ulrich Heiserlein,

Herr zu Castelen, Schultheiß der Republik. Seine Klugheit, sein liebenswürdiges, menschenfreundliches Benehmen machte ihn Jedermann werth. Er starb im Jahr 1573.

23. Ludwig Zurgilgen,

geboren 1547, gestorben 1577, Enkel des Melchior Zurgilgen von Luzern, lebte im sechzehnten Jahrhundert, Herr zu Hilfikon, des Innern Rathes und Säckelmeister, machte auf der hohen Schule zu Paris in den Wissenschaften so große Fortschritte, daß er sich den Zunamen „der Blume der Latinität” erwarb, Auch seine auserlesene Büchersammlung, die noch zum Theil vorhanden, verbleibt ein Beweis seiner Gelehrtheit und seines guten Geschmackes. Er erreichte nur das dreißigste Altersjahr.

24. Johann Hürlimann

auch Horolanus genannt, von Rapperschwil gebürtig, Leutpriester in Luzern während fünfzehn Jahren. Er [18] verlebte seine schönsten und merkwürdigern Jahre in Luzern und genoß als Stadtpfarrer große Achtung. Er war zuerst geistlicher Verwalter oder Statthalter der Comthurei Reiden, nachher Pfarrer in Ettiswil und kam dann als Leutpriester nach Luzern. Im Jahre 1563 wurde er von den katholischen Orten an die Kirchenversammlung in Trient abgeordnet und später mit einem Kanonikat in Beromünster beschenkt, wo er im Jahr 1577 starb.

25. Rudolf Ambühl

von Gundelingen, in der heutigen Gemeinde Rain, im ehemaligen Amte Rothenburg (geb. 1499, gest. 1578), berühmter Lehrer der alten Sprachen, erhielt den ersten Unterricht in denselben und in der Poesie von Zimmermann in Luzern, der ihn mit nach Basel nahm, um bei Glarean Mathematik zu studiren. Von hier begab er sich nach Wien, wo er zwei Jahre Schüler des Badian war und sich zuerst den Namen Clivan, später Collinus, unter welchen er bekannt ist, gab. Im Jahr 1519 kehrte er nach Hause zurück. Ein Jahr später begab er sich nach Mailand und setzte hier seine Studien in den alten Sprachen unter dem berühmten Riger und A. fort. Im Jahr 1522 wurde er Kanonikus in Münster, verließ aber wieder als Anhänger der Reformation diese Stelle, ward ein Seiler, zog kurz nachher als Soldat und Schreiber nach Waldshut und darauf in würtembergischen Dienst, erwarb sich im Jahre 1526 in Zürich das Bürgerrecht, wo ihm [19] der Lehrstuhl der griechischen Sprache übergeben wurde, welche Stelle er mit großer Auszeichnung neben Pelikan bis an seinen Tod versah, wobei er aber sein Handwerk als Seiler forttrieb,. Im Jahr 1528 besuchte er mit Zwingli die Berner Disputation und im Jahr 1529 diejenige von Marburg. Collin wurde von seiner neuen Vaterstadt wiederholt zu wichtigen Sendungen gebraucht; so an den Senat von Venedig im Jahr 1529. Collin war auch der Vertraute des vertriebenen Herzogs Ulrich von Würtemberg.

26. Leodegar Ritzi

aus dem Entlebuch (gest. 1555), mit den Zunamen Fugger, von dürftigen Eltern stammend, machte seine Studien auf der Universität in Basel, besuchte dann später mit Kiel, Stud u. diejenige in Paris, wo er sich den Namen Ritrianus gab und den damals sehr viel geltenden Titel eines Magisters der freien Künste erhielt. Nach seiner Rückkehr trat er in den Orden der Barfüßer, hielt in Luzern mit vielem Beifall ein Kollegium über die lateinische und griechische Sprache, und suchte überall nach seinem Denkspruch: „Das Leben ohne Wissenschaft ist ein Tod“, den Eifer und Geschmack für dieselbe zu befördern.

27. Johann Heinrich Wegmann

ein geschickter Maler (geb. 1536, gest. zirka 1590), zog des Glaubens halber von Zürich nach Luzern, wo [20] er mit dem Bürgerrechte beschenkt wurde und starb. Man hat von seinen Gemälden nichts Zuverläßiges in Erfahrung bringen können. Füßli in seiner Geschichte der besten Künstler der Schweiz erwähnt Wegmanns im Bd. III S. 47

28. Jost Segesser

von Brunegg, Herr zu Baldegg, Hauptmann der päpstlichen Leibgarde. Bapst Gregor XIII. würdigte ihn seines besondern Vertrauens und trug ihm mehrere Geschäfte auf, die er als sein Abgesandter in der Schweiz verrichten mußte. Hinwieder haben sich eidgenössische Stände, und vor allen Luzern, seiner bei mehrern Anlässen bedient und mit Aufträgen an den Papst beladen, welche er zu ihrer Zufriedenheit vollzog. Er starb in Rom 1592.

29. Ludwig Pfyffer

Herr zu Altishofen, Schultheiß, Pannerherr und Ritter, geb. 1524, war einer der berühmtesten Männer der Schweiz, von solchem Ansehen, daß ihm der Zuname des deutschen oder Schweizer-Königs zu Theil wurde. Er hatte Gesandtschaften an Kaiser, Könige und Fürsten zu verrichten. Er widmete sich zuerst der Kaufmannschaft und besuchte als Kaufmann die Messen von Lyon, Frankfurt und Straßburg. Später versuchte er sein Glück im Kriege. Im Jahr 1553 trat er zum erstenmal als Fähndrich in französischen [21] Kriegsdienst. In der Schlacht bei Dreux (1562) war er Hauptmann und als der Anführer der Schweizer, Oberst Tammann von Luzern, gefallen war, übernahm er das Kommando. Als im Jahr 1567 die katholischen Kantone der Krone Frankreichs 6000 Mann bewilligten, erhielt Pfyffer über dieselben den Oberbefehl. Die Hugenotten machten den Anschlag, den königlichen Hof, der dazumal in Monceau sich anfhielt, aufzuheben und den König nebst seiner Mutter gefangen zu nehmen. Als der Anschlag ruchbar ward, begab sich der Hof nach Meaux und berathschlagte, ob er hier eine Belagerung aushalten oder nach Paris sich durchschlagen wolle. Das Gefolge des königl. Hofes betrug nur 900 Mann, und man fand es für unmöglich, den Weg nach Paris zu gewinnen. Da erschien Pfyffer mit seinen 6000 Schweizern und verlangte, der Hof solle sich ihm anvertrauen. Dieses geschah. Bei Anbruch des Tages stellten die Schweizer sich in Schlachtordnung. Sie bildeten ein Viereck. In demselben zog der König mit seinem Hause. Nach einer Stunde Weges entdeckte man hinter Bäumen die feindliche Reiterei. Pfyffer ließ die Schweizer langsamer marschiren. Sie fanden fünf Glieder tief, drei mit Spießen, zwei mit Hallebarden, auf den äußersten Flügeln die Schützen. Vergeblich neckten den Zug die Führer der Hugenotten ohne Unterlaß; vergeblich waren Angriffe auf Fronte, auf Flanke, auf Nachhut, und Schüsse von allen Seiten zugleich. Kaltblütig wiesen die Schweizer, ermuntert von ihrem Anführer, die Angriffe ab; mit der Anstrengung nahm ihre [22] Festigkeit zu. Entmuthigt zogen sich die Hugenotten zurück. Der König trat nun aus den Bataillonen heraus, und kam auf Umwegen glücklich in Paris an. Tags darauf ging er den Schweizern bis an die Porte St. Martin entgegen, schlug den Befehlshaber, Ludwig Pfyffer, zum Ritter, hing ihm den St. Michaelsorden um, und ließ den Truppen den Schlachtsold auszahlen. Man setzte den Rückzug von Meaux den glänzendsten Siegen an die Seite, verglich ihn mit dem Rückzug der 10,000 unter Xenophon. Ludwig Pfyffer zeichnete sich mit seinen Truppen auch in der spätern mörderischen Schlacht bei Moncontour (1569) abermals aus.

Zu Hause war Pfyffer Pannerherr und nachhin Schultheiß. Er starb 1594 und hinterließ ein Vermögen von 340,000 Luzernergulden, darunter die Herrschaft Altishofen, welche er vom Deutsch-Orden erkauft hatte.

30. Niklaus Krus,

seiner Zeit eines der angesehensten Mitglieder des luzernerischen Senates, mit viel Kenntnissen und Erfahrung. Er erschien vielfältig auf eidgenössischen Tagen und war Gesandter an Heinrich III. von Frankreich. Krus starb 1595.

31. Hieronymus Hertenstein,

Ritter des hl. Mauriz und Lazarus-Ordens, des Kleinen Raths, der katholischen Eidgenossen außerordentlicher [23] Abgesandter an den König von Frankreich, Heinrich III. Er war auch Oberst eines Schweizerregiments. Starb, nur 40 Jahre alt, im J. 1597.

32. Jost Krebsinger,

Ritter und neun Jahre Schultheiß der Republik. Starb im Jahr 1598.

33. Jost Pfyffer,

Ritter, der jüngere, Bruder des Ludwig Pyffer, des sogenannten Deutschen oder Schweizerkönigs, nach dessen Tode er an einem und denselben Tage in den Kleinen Rath und auf den Schultheißenstuhl gesetzt wurde, was etwas Unerhörtes war. Er bekleidete das Schultheißenamt zwölf Jahre mit dem Ruhm eines klugen und gerechten Staatsmanns. Im Jahr 1607 resignierte er wegen vorgerückten Alters auf das Schultheißenamt, blieb aber im Senat und starb 1610.

34. Peter Emberger,

Probst zu Luzern und später zu Beromünster. Als bischöflicher, bestellter Aufseher über die gesammte Ordens- und Weltgeistlichkeit im Kanton Luzern und Umgegend strengte er sich an, die gesunkene Kirchenzucht theils mit Liebe und Sanftmuth, teils mit Ernst and Strafen herzustellen. Er starb 1614, nur 54 Jahre alt. [24]

35. Renward Cysat

von Luzern (geboren 1545, gestorben 1614), römischer Ritter, Pfalzgraf, apostolischer Protonotar, 45 Jahre lang Staatsschreiber von Luzern, »un de ces hommes graves (sagt Monnard in seiner Schweizer Schweizergeschichte XII. Bd. S. 175, Fortsetzung von J. Müller) qui se delassent de l'étude par l'étude et ne sont jamais des âges passés.« Er machte sich besonders berühmt durch seine Sammlung bekannt unter dem Titel: Collectanea Chronica, Sammlung denkwürdiger Sachen pro Chronica Lucernensis et Helvetiae, in 24 Bänden Folio auf der Bürgerbibliothek Luzern, Manuskr. — Haller (in seiner Schweizerbibliothek IV. Bd. 428) sagt hievon: „Man kann eigentlich diese Arbeit nur als etwas Unausgearbeitetes ansehen, deswegen auch keine Zeitordnung in dieser Sammlung beobachtet ist. Es finden sich häufige, gewiß sehr seltene, denkwürdige und ohne Zweifel den Meisten unbekannte Nachrichten hierin. Er war unermüdet, etwas zur Aufnahme der helvetischen Geschichte beizutragen. Aber er war zu leichtgläubig und hat schwärmerische Einbildung und Erdichtungen, als außerordentliche Begebenheiten aufgezeichnet. Doch bleibt diese Sammlung stets höchst schätzbar und ein ewiges Denkmal des Fleißes und der Arbeitsamkeit des grossen Cysat.“ Derselbe verfaßte noch viele anderen Schriften. [25]

36. Kaspar Pfyffer,

Herr zu Mauensee, Bruder des Schultheißen Jost Pfyffer des ältern. Er war bei der Erneuerung des Bundes mit Frankreich Abgesandter an König Heinrich IV. Dieser Pfyffer war der Stifter der Kirche und des Klosters aud dem Wesemlin. Starb 1616, im Alter von 92 Jahren.

37. Wilhelm Balthasar,

Hauptmann der päpstlichen Garde zu Avignon und nachher 32 Jahre lang Mitglied des Innern oder Kleinen Raths zu Luzern. Er war oft Gesandter auf den eidgenössischen Tagsatzungen. Starb im Jahr 1621.

38. Niklaus Ratzenhofer,

des Innern Raths und Bauherr der Republik. Die Kirche und der Klosterbau zu Werthenstein sind unter seiner Aufsicht ausgeführt worden. Er gab nachher von dieser Wallfahrtstätte eine besondere Beschreibung in lateinischer Sprache heraus. Starb 1621.

39. Jakob Sonnenberg,

geboren 1556. War Ritter, achtzehn Jahre Schultheiß der Republik. Seine Gesandtschaften an den römischen, spanischen und andere Fürstenhöfe, wie auch [26] auf alle wichtigen, eidgenössischen Tagsatzungen geben Zeugniß, daß er als Staatsmann hervorragte. Er starb 1629.

40. Heinrich Cloos,

Ritter des Ordens des hl. Mauriz und Lazarus, Oberst eines Schweizerregiments in spanischen Diensten. Starb 1629 im 70. Altersjahre.

41. Johann Rudolf Pfyffer,

der jüngste Bruder des Schulheißen Ludwig Pfyffer, des sogenannten Schweizerkönigs; Ritter, Oberst, der Großen Raths und Pannerherr. Von seiner im Jahr 1583 unternommenen Reise nach Jerusalem wird ein auf Pergament geschriebenes und mit kostbaren Bildern ausgeziertes Tagebuch von seinen Nachkommen aufbewahrt. Er starb im Jahr 1630.

42. Walther Amrhyn,

geboren 1570, ebenfalls Ritter des hl. Mauriz- und Lazarus- Ordens, zuerst Oberst in sardinischen, dann in französischen Diensten, später Schultheiß der Republik. Starb 1635.

43. Mauriz Anderallmend.

Venner, Stadthauptmann und von 1629 bis 1634 Schultheiß der Republik. Starb 1635 im 63. Jahre seines Alters. [27]

44. Ludwig Schumacher,

Gesandter der Republik bei der Bundeserneuerung mit König Philipp IV. von Spanien. Er wurde in jungen Jahren zum Schultheiß erwählt, nämlich nur 34 Jahre alt. Er starb im Jahr 1639 nur 37 Jahre alt.

45. Niklaus Fleckenstein,

Ritter und Pfalzgraf, ein Liebling des Papstes Urban VIII. Dieser wählte ihn nicht nur zum Hauptmann seiner Leibgarde, sondern auch zum zweiten General aller seiner Truppen, sowie zum Residenten der katholischen Schweiz. Er starb sehr frühzeitig im vier und vierzigsten Jahre seines Alters im Jahre 1640.

46. Ludwig Bircher,

geboren 1583, gestorben 1640. Doktor der Theologie, bischöflich- konstanzischer Generalkomminissarius und Probst der Stift zu Beromünster.

47. Jost Bircher,

Ritter und Oberst. Er stund mehrern Gesandtschaften vor, war Gesandter der katholischen Kantone an Papst Urban VIII. Die Vaterstadt wählte ihn zu ihrem Schultheißen. Starb 1646. [28]

48. Niklaus Fleckenstein,

Maltheser Ordens, Comthur zu Hohenrain und Reiden. Er wurde zur Belohnung seiner Tapferkeit im Kampfe gegen die Türken Prior der deutschen Ballei. Starb um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts.

49. Johann Groß

von Luzern, lebte im 17. Jahrhundert als Gardesoldat in Rom, war ein berühmter Cicerone daselbst. Durch seinen »Splendore della antica et moderna Roma, Rom 1641“ (bestehend aus 167 Kupfertafeln) hat er den Ruhm eines tüchtigen Kenners der römischen Alterthümer sich erworben. Ihm zu Ehren verfertigten zwei Künstler in Rom Kupferstiche mit seinem Portrait und Allegorien auf seine Fertigkeit, Alterthümer zu erklären.

50. Jost Fleckenstein,

geboren 1588. War Ritter und zwei Jahre lang Schultheiß, welches Amt er aufgab, als ihm der Papst die durch den Tod seines Bruders erledigte Gardehauptmannstelle antrug. Er starb in Rom 1652.

51. Johann Dueller (Düler)

von Sursee (geboren 1614, gestorben 1656) Dr. Phil et Med., praktizierte zu Paris, dann zu Rom und [29] auch in seiner Vaterstadt: Darauf war er 17 Jahre lang Professor der Medizin auf der Hochschule zu Ingolstadt, wo er starb, geachtet wegen seinen ausgezeichneten Kenntnissen, die er aber nur in wenig Schriften bekannt machte. Neben mehrern Sprachen schrieb und redete er die griechische ganz fertig. Sein Leichnam wurde mit besonderer Feierlichkeit in der Franziskanerkirche zu Ingoldstadt beigesetzt und ihm ein Grabmal errichtet. Professor Brem verewigte sein Andenken mit einer lateinischen Lobrede.

52. Jakob Bircher,

Ritter und elf Jahre Iang Schultheiß des Standes Luzern. Er beschloß sein Leben im Jahre 1656.

53. Jost Bachmann,

auch P. Didacus de Palma genannt, Jesuit, starb 1656 im Alter von 43 Jahren auf Mission in einem fernen Welttheile.

54. Jost Knab,

geboren 1593, war Doktor der Theologie, apostolischer Protonotar und bischöflicher Generalkommissarius, siebzehn Jahre lang Stadtpfarrer, nachhin Chorherr zu Beromünster, darauf (1637) Probst der Stift zu St. Leodegar im Hof. Papst Innozenz X. wählte ihn auf einige Zeit zu seinem Internuntius in der Schweiz [30] und dem Bündnerlande. Endlich (1653) wurde er zum Bischof von Lausanne erwählt. An Einkünften gewann er dadurch wenig, da nach der Reformation das vormals ansehnliche Bisthum in seinem Umfange sehr zusammenschmolz. Knab pflegte daher im Scherz zu sagen: der Bischof von Lausanne speise fast immer an der Tafel des Probstes zu Luzern. Er warf ein Kapital aus für ein einst entstehendes geistliches Seminar. Er starb 1658 im 65. Altersjahr.

55. Ulrich Dulliker,

geboren 1606, Ritter, zwölf Jahre lang Schultheiß, gerade zur Zeit des großen Aufstandes (1653) und des zweiten Religionskrieges (1656). Der Rath übertrug ihm aus Vertrauen auf seine Redlichkeit, Weisheit und Unerschrockenheit in den gefährlichsten Tagen eine unumschränkte Gewalt, und setzte ihn gleichsam zum Diktator ein; das einzige Beispiel in den Jahrbüchern der Republik Luzern. Er war in seiner Geschäftsführung glücklich; unter seiner Regierung wurde der große Volksaufstand unterdrückt, und ging Luzern siegreich aus dem Religionskriege hervor, indem es die erste Schlacht bei Villmergen gewann. Dulliker starb 1658.

56. Laurenz Furrer,

Doktor der Philosophie und Theologie, Mitglied der Gesellschaft Jesu, Kanzler der Universität Dillingen. [31] Er galt als einer der gelehrtesten Theologen seiner Zeit, war ein gewandter und unermüdeter Gegner der Protestanten, und aller Feinde seines Ordens. Er hat gegen 80 Werke geschrieben, von denen einige mehrere Bände enthalten und die meisten von den Kenntnissen ihres Verfassers zur Ehre gereichen; allein bei dem Höhepunkt, den die jetzige, wissenschaftliche Bildung erreicht hat, nicht mehr so großes Interesse darbieten. Er starb in Regensburg 1659 im 70. Altersjahre.

57. Niklaus Wysing

von Luzern, Doktor der Medizin, lebte um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, verließ eine große Praxis in Ungarn, um seiner im Jahr 1662 von der Pest bedrohten Vaterstadt zu Hülfe zu eilen, wurde aber auf der Reise von Straßenräubern ermordet. Nähere Umstände sind von ihm nicht bekannt,

58. Ludwig von Wyl

von Luzern, geboren 1594, vertauschte seine innegehabte Chorherrnpfründe in Beromünster gegen die seraphische Armuth des Kapuzinerordens. Er wurde Provinzial der schwäbischen und elsäßischen Provinz. Er hinterließ einige gedruckte Schriften und den Nachruhm eines der würdigsten Mitglieder seines Ordens. Starb 1663. [32]

59. Heinrich Fleckenstein,

Herr zu Heidegg, Ritter und Oberst In könig. spanischen Diensten, wie auch Schultheiß und Pannerherr zu Luzern. Man zählte ihn zu den reichsten Eidgenossen seiner Zeit. Das machte aber nicht sein Verdienst aus, wohl aber, daß er äußert mildthätig war. Er zeichnete sich durch manche gemeinnützige Handlung aus. So ist das äußere Gebäude des großen Stadtspitals in Luzern auf seine Kosten ausgeführt worden. Er starb in der Abtei Muri im Jahr 1664, als er in seinen 94. Altersjahr von einer zu Baden abgehaltenen Tagleistung zurückkam.

60. Kaspar Meglinger

von Luzern, geboren 1595, Sohn eines Steinmetzen, ein von Natur aus mit großen Talenten ausgerüster Historien- und Bildnißmaler. Dieser zierte die zwei Kreuzgänge des Barfüßerklosters in Werthenstein, in welchen er die Lebensgeschichte des hl. Antonius von Padua und des hl. Antonius des Einsiedlers in Bildnissen seiner damals lebenden Mitbürger darstellte; malte auch die Todtentänze auf der sog. Spreuerbrücke in Luzern. Ihm war besonders die Kunst eigen, auf einen einzigen Bild hin das Gesicht eines Menschen wohlgetroffen darzustellen. — Er starb 1670. [33]

61. Johann Geißler,

sonst von Salzburg gebürtig, aber in Luzern angesessen, vollführte den Bau und die Einrichtung der großen Orgel in der Stiftskirche auf dem Hof in Luzern. Er starb um das Jahr 1670 zu Luzern.

62. Niklaus Gerbistorf,

Doktor der Theologie und Chorherr der Stift Beromünster. Er schrieb einige Abhandlungen von dem Wahrsagen und den Zauberkünsten. Starb 1672 im 77. Altersjahre.

63. Ludwig Hartmann,

geboren 1603, Ritter; 47 Jahre hindurch Staatsschreiber der Republik: ein in Sprachen und Wissenschaften sehr bewanderter Mann. Entkräftet von Alter und Arbeiten verschied er im Jahr 1673.

64. Christof Pfyffer,

Herr zu Altishofen, Sohn des Schultheißen Ludwig Pfyffer, des sogenannten deutschen oder Schweizer Königs, wurde ebenfalls Schultheiß, war der Feldherr der Luzerner und der zugegogenen Freienämtler, Zuger ab Unterwaldner in der ersten Religionsschlacht bei Villmergen im Jahr 1656, aus welcher er als Sieger hervorging. Starb 1673. [34]

65. Alphons Sonnenberg,

geboren 1603, Sohn des Schultheißen Jakob Sonnenberg, Hauptmann der königlichen Leibwache zu Paris und Kammerherr; nachher Mitglied des Kleinen Raths und bei Erneuerung des Bundes einer der eidgenössischen Gesandten an Ludwig den XIV. von Frankreich; zuletzt Schultheiß. Starb 1674 im Alter von 71 Jahren.

66. Eustach Wy

von Luzern, des Franziskaner-Orden und Doktor der Theologie. Zweimal hat ihn die Straßburger Provinz in Berücksichtigung seiner Verdienste, zum General-Kommisarius, wie auch zum Provinzial gewählt. Starb 1675.

67. Franz Sonnenberg,

geboren 1608, war der Sohn des Schultheißen Jakob Sonnenberg, Maltheser Ritter, wurde zur Belohnung seiner Tapferkeit Prior der deutschen Ballei. Es wird im luzerner'schen Zeughause eine große seidene Schiffsflagge aufbewahrt, welche von ihm im Jahr 1640 vor Tunis den Türken abgenommen wurde. Starb 1682 in Leuggern. [35]

68. Eustach Sonnenberg,

geboren 1609, Herr zu Tannenfels und Buttisholz, Ritter, Gesandter der katholischen Stände an Papst Alexander VII., wurde Schultheiß der Republik. Starb 1686.

69. Ludwig Pfyffer,

geboren 1610, Ritter, des Innern Raths und Hauptmann der päpstlichen Schweizergarde in Rom. Er war ein in den Wissenschaften und der vaterländischen Geschichte bewanderter Mann; hatte politische Schriften verfaßt. Er trug in der ersten Schlacht zu Villmergen (1656) durch seine Tapferkeit vieles zum erfochtenen Siege bei. Er starb zu Rom 1686.

70. Gregor Fleischli

von Luzern, geboren 1626, war Abt des Benediktinerklosters zu Engelberg. Er verfaßte einige theologische und aszetische Werke, welche, eigenhändig von ihm geschrieben, noch in der Klosterbibliothek aufbehalten werden. Starb 1686.

71. Franz Pfyffer,

Herr zu Wyher, des Innern Raths, Ritter, eidgenössischer Abgesandter an Papst Clemens IX., Hauptmann der königlichen französischen Leibwache und Oberst [36] eines Schweizerregimentes. Er war ein Enkel des berühmten Ludwig Pyffer und ein Erbe feines Heldenmuths. Er verlor sein Leben in einem Treffen bei Senef in Flandern (1689) im 55. Altersjehr. Sein Leichnam ist in der Stadt Maubeuge beerdigt und die Stelle durch ein stattliches Denkmal bezeichnet.

72. Josef Meglinger

von Luzern (geboren 1634, gestorben 1695), Konventual des Klofters Wettingen, ist der Verfasser des seltenen, zu verschiedenen Malen aufgelegten Werkleins: »Eulogia Abatum Maristellensium A. 1670 Benedicto Praesuli XXXI consecrata, nunc vero revisa suppleta et passim aucta. Maristellae 1681« Er schrieb achu im Auftrage des Abtes Meyer den „Gründlichen Beweisthumb des Kirchschatzes, welchen in der Pfarrkirchen der löbl. Stadt Baden, sambt allen darzu gehörigen Rechten ein lohnwürdiges Gotteshaus Wettingen von 1406 — 1692 eigenthümlich besessen.” Diese Schrift ist sowohl ihrer Seltenheit, als ihres Inhaltes wegen merkwürdig.

73. Aurelian Zurgilgen,

geboren 1630. Er war zehn Jahre Schultheiß der Republik. Er beschrieb den Bauernkrieg (1653) und den ersten Villmergerkrieg (1656), in welchen letztern er in seiner Jugend tapfer mitfocht. Starb 1696. [37]

74. Mauriz Anderallmend.

Er war Eherherr der Stift Beromünster und gab die Stelle auf, nur das mühsame Amt eines obersten Seelsorgers in seiner Vaterstadt auf sich zu nehmen. Von lebhaftem Geiste, konnte er seine zurückweisenden Scherzreden zuweilln selbst auf der Kanzel nicht unterlassen. Aber dennoch war er als ein wackerer, redlicher Patriot beliebt und geschätzt. Starb als Chorherr der Stift auf dem Hof Anno 1698.

75. Rudolf Mohr,

Ritter und fünf Jahre Schultheiß der Republik. Sein Ansehen war so groß, daß er acht Mal zu Königen und Fürsten als Gesandter abgeordnet wurde. Starb 1701 im Alter von 78 Jahren.

76. Johann Karl Balthasar,

Ururenkel des Wilhelm Balthasar. Er war zehn Jahre lang Staatsschreiber. Ihm wurden mehrere wichtige Geschäfte aufgetragen, welche er theils bei eidgenössischen Ständen, theils an fürstlichen Höfen zu besorgen hatte. Er wurde zu der obersten Würde in der Republik, dem Schultheißenamte, befördert, bekleidet aber dasselbe nur drei Jahre und starb schon im 55. Altersjahre Anno 1703. [38]

77. Bonifaz Tschupp,

geboren 1628 in Sursee, Kapitular in Einsiedeln, Dechant, und letztlich auf die Entsetzung des Prälats zu Pfeffers, dessen Nachfolger in Pfeffers. Er ordnete den Haushalt gedachten Klosters und stellte die vernachläßigte Klosterzucht wieder her. Starb 1706.

78. Johann Rudolf Dürler,

geboren 1645, Ritter, vier und zwanzig Jahre lang Schultheiß, ein feiner und scharfsinniger Staatsmann, im Kanton und der Eidgenossenschaft bedeutendes Ansehen genießend. Er starb gerade beim Ausbruche des Toggenburgischen Krieges 1712.

79. Bernard Schumacher,

Enkel des Schultheißen Ludwig Schumacher, Kapitular des Klosters St. Urban, Prior, apostolischer Notar. Er hielt sich lange Zeit in der Abtei Salmerschwil auf. Er verfasste mehrere Schriften, unter anderm eine Vertheidigung der Rechte und Privilegien des Cisterzienser-Ordens. Starb im 61. Altersjahre.

80. Johann Martin Schwytzer,

geboren 1634, Herr zu Buonas, wurde Anno 1703 Schultheiß der Republik, Er war der Anführer der [39] Luzerner in dem Religionskrieg von 1712 und verlor die zweite Schlacht bei Villmergen. Bald darauf (1713) starb er.

81. Karl Anton Amrhyn,

des Schultheißen Walther Amrhyn Urenkel, ebenfalls Oberst in französischen Diensten und nachher Schultheiß und Pannerherr. Doch nur kurze Zeit bekleidete er diese Würde. Er starb 1714 im 54. Altersjahr.

82. Franz Laurenz Fleckenstein,

geboren 1645, wurde 1715 Schultheiß der Republik, und starb im gleichen Jahr.

83. Leodegar Bürgißer,

ein Bürgersohn von Luzern. Im Jahr 1696 wurde er Abt und Fürst zu St. Gallen. Er war die unglückliche Triebfeder des sog. Toggenburgischen oder Zwölferkriegs (1712), in welchem die fünf katholischen Orte, Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern und Zug unterlagen. Aus dem Kloster vertrieben, schlug der Abt seinen Wohnsitz in dem zu St. Gallen gehörigen Schloß Neuravensburg auf, wo er 1717 starb im 77. Jahre seines Lebens.

84. Niklaus Ludwig Peyer,

geboren 1646, war Doktor der Theologie, apostolischer Protonotar, bischöflicher Generalkommissar und Probst [40] an der Stift St. Leodegar im Hof zu Luzern. Er machte ansehnliche Stiftungen zu Gunsten der Kirche und der Bürgerschaft. Starb 1719.

85. Wilhelm Krauer

von Luzern (geboren 1661, gestorben 1720), ein geschickter Goldarbeiter, Stempelschneider und nach vieljährigen Reisen zuletzt Münzmeister in der Stadt Luzern. Er machte sich um die Kunst besonders dadurch verdient, daß der berühmte Ritter Hedlinger von Schwyz sein Zögling war, welcher dem Krauer die erste Grundlage seines nachher so ausgebreiteten Kunstruhmes verdankte.

Luzern besitzt noch mehrere Münzen, die in den Jahren 1710—1714, unter der Aufsicht dieses Münzmeisters, von Hedlinger verarbeitet worden.

86. Johann Albert Anderallmend,

Mitglied des Großen Rathes, berühmter Rittmeister in königlich Großbritanischen Diensten und nachher bei den General-Staaten der vereinigten Niederlande, von denen er wegen seiner geleisteten Dienste ein ansehnliches Jahrgeld genoß. Er starb im Haag im zweiten Dezennium des 18. Jahrhunderts.

87. Leodegar Keller,

geboren 1642, war Statthalter und Venner der Republik. Er machte sich um seine Vaterstadt und auch [41] die katholischen Stände in verschiedenen Geschäften verdient, besonders in jener Gesandtschaft, die ihm gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts Namens derselben an den königlichen Gubernator in Mailand, Karl Heinrich von Lothringen, Prinz von Vandemont aufgetragen worden. Er starb 1722.

88. Columban Sonnenberg,

war ein angesehenes Mitglied des Raths. Auf einmal wurde er der Welt überdrüssig und trat in den Kapuziner-Orden. Er vertrat mehrere Jahre das Amt eines Guardians, einige Zeit die Stelle des apostolischen Notars und Ordenskommissarius in der österreichischen, wie auch endlich die des Archivisten und Geschichtschreibers in der schweizerischen Provinz. Starb in Luzern Anno 1725 im 65. Altersjahre.

89. Bonifaz Zurgilgen,

geboren 1664, Sohn des Schultheißen Aurelian Zurgilgen, Abt zu Pfeffers, Nachfolger des Abten Bonifaz Tschupp, und wie dieser mit großen Lob das Kloster während achtzehn Jahren regierend. Stark 1725.

90. Josef Alexander Göldlin,

Bruder des Peter Christof Göldlin, war Ritter und Oberst der Karl-Lotharingischen Legion. Als er zu Gaeta in Königreich Neapel in Besatzung lag, entriß [42] ihn in der vollen Blüthe seiner Jahre 1726 der Tod dem Leben.

91. Karl Christof Dulliker,

geboren 1645, Sohn des Schultheißen Ulrich Dulliker, Ritter und sieben Jahre lang Schultheiß, welcher Würde er im Jahr 1722 entsagte und im Jahr 1726 starb.

92. Beat Balthasar,

geboren 1673, war achtundzwanzig Jahre lang Mitglied des Innern Raths. Sein Verstand, sein aufgeheitertes Gemüth, seine Beredsamkeit und seine Beflissenheit in anvertrauten Geschäften erwarben ihm den Ruhm eines für den Staat verdienstvollen Mannes. Er starb im Jahr 1730.

93. Johann Kaspar Anderallmend,

Mitglied des Großen Raths und Hauptmann der herzoglichen Leibgarde zu Lothringen. Er war auch dieses fürstlichen Hauses Resident in der Schweiz und erhielt seiner Verdienste wegen die Herrschaft Baldegg geschenkt. Er starb in Luzern im Jahr 1731.

94. Ferdinand Franz Mayr von Baldegg,

Conventual des Franziskanerordens, Doktor der Theologie, Definitor und Generalkommissar der Lütticher [43] Provinz, selbst drei Jahre lang Provinzial. Einige kleine Schriften von ihm erschienen im Drucke. Er starb als Guardian zu Konstanz 1732 im Alter von 56 Jahren.

95. Jakob Moriz Anderallmend,

geboren 1663, Ritter von Jerusalem, Chorherr, Custos und Senior der Stift zu Beromünster, zuvor Almosenier der Herzoge in Lothringen. Er starb im Jahr 1735.

96. Johann Augustin Mahler,

Doktor der Theologie, Pfarrer und Dechant in Rothenburg. Er genoß den Ruf eines gelehrten, erfahrnen Priesters; starb 1737, nachdem er beinahe 40 Jahre lang der Seelsorge vorgestanden.

97. Jakob Balthasar.

Er arbeitete in seiner Jugend mit besonderm Fleiß in der Staatskanzlei. Seine Fähigkeiten und lebhafter Geist förderten ihn zu verschiedenen Staatsämtern, endlich zum Schultheißenamt. Seine kränklichen Umstände bewogen ihn schon sechs Jahre vor seinem Tode, welcher 1737 in seinem 75. Lebensjahr erfolgte, das Amt aufzugeben.

98. Johann Georg Hunkeler

von Altishofen (geb. 1682, gestorben 1740 in Luzern), vertauschte den Bauern- mit dem Soldatenstande, und [44] ging als Leibgardist nach Rom, wo er jede Gelegenheit benutzte, um sich zum Maler auszubilden und schon in kurzer Zeit sich den Ruhm eines Künstlers erwarb. Die Malerei auf nassem Kalk in der Kirche der Barfüßer zu Luzern und eine akademische Figur in Lebensgröße, die im Schlosse Altishofen aufbewahrt wird, gereichen ibm besonders zur Ehre. Von ihm rühren auch mehrere Gemälde auf den Brücken zu Luzern her.

99. Peter Christof Göldlin,

geboren 1663, Bürger von Luzern. Kaiser Leopold I., in dessen Diensten sein Vater gestorben war, besorgte seine Erziehung und Ausbildung zum Offizier. Er erhielt im Jahr 1699 eine Kompagnie bei der Gerbensteinischen Legion, warb 1718 Oberstlieutenant und 1723 Oberst des Regiments Königseck. Er machte unter Prinz Eugen im kaiserlichen Dienste alle Feldzüge des spanischen Erbfolgekrieges, sowie den Krieg gegen die Türken und in Sizilien mit. Er wurde im Jahr 1732 zum Reichsfreiherrn des hl. römischen Reiches, dann zum Primas oder Oberbefehlshaber des Königreichs Serbien, endlich zu einem General-Feld-marschall-Lieutenant erhoben. Er kommandirte im Jahre 1741 bei der berühmten Schlacht von Mollwiz den linken Flügel des östereichischen Heeres und empfing da die letzte Wunde, an der er starb, den Nachruhm eines der besten deutschen Generale hinterlassend. [45]

100. Karl Niklaus Lang

von Luzern (geboren 1670, gestorben 1741), um die Bildung der Medizin hochverdienter, berühmter Arzt, Doktor ber Philosophie und Medizin, Mitglied des Großen Rates. Er genoss in und außer der Eidgenossenschaft den Ruf eines großen Gelehrten und Naturforschers; war Mitglied der kaiserlich leopoldinisch-karolinischen, der königl. französischen, der königl. preußischen Gelehrtengesellschaft, derjenigen in Siena, Bologna zc. Der berühmte, französische Pflanzenkenner Tournefort war sein Lehrer und Freund. Erschlug den an ihn ergangenen Ruf zum Leibarzt der Königin von Portugal aus. Sein Lieblingsstudium war die Naturkunde der Versteinerungen. Seine Sammlungen waren zur Zeit höchst bedeutend und reich an Geltenheiten. Von ihm haben wir die Beschreibung der Raphanie, d. h. der aus dem Genuß der giftigen Kornzapfen entstandenen Krankheit; eine nicht nur für ihre Zeit höchst gemeinnützige, sondern auch musterhafte Abhandlung, wie die Geschichte von Volkskrankheiten erforscht und beschrieben werden soll. Im Ganzen sind 21 Werke von ihm bekannt, welche aber nur zum Theil gedruckt sind. Die ungedruckten befinden sich auf der Bürgerbibliothek.


101. Franz Plazid Schumacher,

Schultheiss der Republik während zehn Jahren. Er starb 1742 Im Alter von 65 Jahren. [46]

102. Vinzenz Ackli

von Luzern, Benediktiner zu Maria Stein. Zuerst war er Lehrer der Philosophie, dann der Theologie. Nebst andern aszetischen Schriften, welche er übersetzt und in Druck gegeben, hat er auch die Akten der helvetisch-benediktinischen Kongregation, wie auch die seines Klosters in siebzehn Foliobänden hinterlassen. Starb 1747 im Alter von 71 Jahren.

103. Jakob Frey,

geboren in Hochdorf im Jahr 1681. Einer der berühmtesten Kupferstecher seiner Zeit, Sohn eines armen Handwerkers, zeigte schon als kleiner Knabe große Anlagen zum Zeichnen und Schnitzeln und gründete seinen Ruhm in Rom. Seine Arbeiten, die zwei Bände füllen und nach Gemälden des Barbieri, Balestra, Albani, Algardi, Beretius, Guido Reni, Sachi, Gortona, Bianchi, Garraccio, Gonca, Lambertini Massuni, Pouffin, Marrati und Dominichino gezeichnet sind, werden stets noch als Künstlerwerke hochgeschätzt. Seine Lehrer in Rom für den Grabstichel waren der berühmte Arnold von Wetterhaut von Antwerpen, und fürs Zeichnen Maratti. In der Nadel brachte er es so weit, daß der berühmte Bernard Picard von ihm sagte, seine Arbeiten scheinen nicht nur gestochen, sondern gemalt; daher wurde seine Arbeit sehr theuer bezahlt. Er starb in Rom 1752. [47]

104. Jost Bernhard Hartmann

geboren 1685, zuerst Staatsschreiber, dann Mitglied des Innern Rathes und endlich zehn Jahre Schultheiß. Er versah seine Aemter mit Ansehen und Treue. Starb 1752.

105. Johann Josef Rudolf Dürler

Sohn des Schultheißen Johann Rudolf Dürler, geboren 1674. Er stieg ebenfalls zur Würde eines Schultheißen empor, und bekleidete dieselbe theils als Amtsschultheiß, teils als Altschultheiß während dreißig Jahren; erschien viel in den Gesandschaften und auf Tagsatzungen. Starb 1752.

106. Anton Leodegar Keller

geboren 1673, Sohn des Leodegar Keller. Er war zuerst Staatsschreiber und später Mitglied des kleinen Raths. Er war luzerner'scher Gesandter bei dem Abschlusse und der Beschwörung des Bündnisses der Schweizerkantone mit Ludwig XIV., König von Frankreich, im Jahr 1715. Er zeichnete sich besonders in dem wichtigen Jurisdiktionsstreite zwischen der weltlichen und geistlicher Gewalt, unter dem Namen "Udligenschwiler-Handel" bekannt, aus, indem er die Rechte des Staates mit bündiger Feder energisch vertheidigte. Er resignirte 1750 als 77jähriger Greis auf seine [48] Rathsstelle, um sich auf den nahenden Tod und die Ewigkeit vorzubereiten. Er starb 1752.

107. Alfons Pfyffer,

des Großen Raths. Er war der letzte Hauptmann der herzogl. Lothringischen Schweizergarde und der erste der römisch-kaiserlichen in Wien, nachdem Franz von Toskana die Maria Theresia geheirathet hatte und deutscher Kaiser wurde. Er stund bei dem Hause Lothringen in hohem Ansehen. Starb zu Wien 1753, im Alter von 63 Jahren.

108. Bernard de Rusca oder Rusconi

geboren 1702, war Abt des Klosters Rheinau und Visitator der schweizerisch-benediktinischen Kongregation. Er verfaßte eine Geschichte seines Klosters. Starb 1753.

109. Aurelian Zurgilgen,

geboren 1688, der Enkel des Schultheißen Aurelian Zurgilgen. Er wurde selbst auch Schultheiß, war in den Staasgeschäften sehr gewandt. Starb 1759.

110. Robert Balthasar,

geboren 1674, Abt des Gotteshauses St. Urban und Oberaufseher über die Cisterzienserklöster in der Schweiz, [49] Elsaß und Breisgau. Er war ein Freund der Wissenschaften. Starb als Senior und Jubilat seines Klosters im Jahr 1760.

111. Jost Franz Walter,

geboren 1690, war Chorherr der Stift im Hof und Leutpriester der Stadt Luzern, ein nicht unfeiner, lateinischer Dichter. Unter andern erwarb ihm die satyrische Antwort an den Pankelius, welcher in Anpreisung der Verdienste des Kardinals Passionei, früher päpstlicher Nuntius in der Schweiz (bekannt vorzüglich aus dem Udligenswiler-Handel) auf die schweizerische Nation grobe Ausfälle gethan hatte, großen Beifall. Er starb 1760, siebenzig Jahre alt.

112. Johann Theoring Göldin,

geboren 1688, während zehn Jahren Schultheiß. Er war seiner liebenswürdigen Eigenschaften wegen allgemein geschätzt. Starb 1762.

113. Philipp Anton Segesser,

geboren 1689, war Mitglied der Gesellschaft Jesu, Missionär in dem spanischen Nordamerika. Er brachte in die fünfzig Jahre in dieser Gegend zu und starb in der mexikanischen Provinz Senora als Rektor des zu Mons errichteten Collegiums, im Jahr 1762 im 73. Lebensjahr. [50]

114. Franz Urs Balthasar,

Sohn des Schultheissen Johann Karl Balthasar, erblickte er das Licht der Welt 1689, und verlor den Vater schon im vierzehnten Jahre. Er wurde zum Staatsmann erzogen; war zuerst Staatsschreiber, dann nach dem Tode eines ältern Bruders Mitglied des Kleinen Rathes. Er erschien öfters auf Tagsatzungen und besorgte wiederholt Sendungen in eidgenössischen Geschäften. Sowohl im Udligenschwiler-Handel, als in dem Bereidigungszwiste verfocht er eifrig die Rechte des Staates.

Er war einer der Stifter der vaterländischen, helvetischen Gesellschaft zu Schinznach. Balthasar begnügte sich nicht mit der Wirksamkeit, welche die öffentliche Laufbahn ihm darbot, sondern suchte auch durch Schriften zu wirken. Eine Druckschrift von ihm führt den Titel: „Patriotische Träume über die Wiederauflebung der veralteten Eidgenossenschaft”, worin er eine öffentliche ober Nationalerziehung vermittelst eines helvetischen Seminars vorschlug, in welchem die hoffnungsvollsten Jünglinge aus allen Kantonen sich vereinigen sollten, um die Geschichte, Gebräuche, Rechte, Verhältnisse und Verträge der sämmtlichen Schweizerstaaten kennen zu lernen. Er starb 1763. [51]

115. Johann Anton Balthasar,

geboren 1692, Bruder des Franz Urs. Er trat in den Jesuitenorden, reiste schon in seinen Jünglingsjahren nach Amerika, wo er die wilden Kalifornier zu Menschen und Christen bildete, dabei die größten Mühseligkeiten und öftere Lebensgefahren nicht achtete. Er wurde endlich zum Oberaufseher aller Missionen und zum Vorsteher der mexikanischen Ordensprovinz ernannt. Er starb in der Hauptstadt Mexiko 1763, siebenzig Jahre alt. Mehrerer fremden Sprachen war er kundig; die eigene Muttersprache hingegen hatte er ganz vergessen.

116. Magister Leodegar Bürgisser

von Hochdorf, im Kanton Luzern gebürtig. Konventual und später Provinzial des Franziskanerordens. Er lehrte Philosophie und Theologie und war ein bekannter Disputator. Er starb 1765, im Alter von 70 Jahren.

117. Alois Maria Pfyffer von Heidegg.

Dieser begab sich nach Rom und wählte im Kloster bei Maria da Scala den Orden der Barfüßer-Carmeliten Er war Doktor der Theologie und dozirte 21 Jahre lang diese und andere Wissenschaften mit besonderer Geschicklichkeit. Man wählte ihn zu einem Konsultor der Kongregation des hl. Offizii, welches [52] eine wichtige Stelle ist, eine Stelle, die zu eben der Zeit auch dem Pater Ganganelli, dem nachherigen Papst Klemens XIV. zu Theil geworden und eigentlich der Grund seiner Erhebung gewesen ist. Pfyffer wurde letztlich Examinator der zur Bischofswürde bestimmten Priester. Und sein Orden vergaß seiner nicht, ernannte ihn mehrere Male zum Definiter und auch zum Provinzial. Er starb eines gewaltasamen Todes im Jahr 1766.

118. Johann Martin Anton Keller,

geboren 1703, Bruder des Schultheißen Jos. Leodegar Keller, Ritter des St. Mauriz umd Lazarus, Oberst in Piemont. Als solcher erwarb er sich großen Ruhm, als er sich im Jahr 1744 mit 48 Mann drei Stunden lang in einem Hause gegen die wiederholten Angriffe eines mehrere tausend Mann starken Armeekorps, welches der Marquis de Mirepoir kommandirte, vertheidigte, bis er alle Munition verschossen hatte, und man im Begriffe war, schweres Geschütz gegen das Haus aufzuführen, worauf er genöthigt war zu kapituliren. Er vertauschte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Würde eines Kriegsobersten mit dem Staatspulte, welches er 15 Jahre mit großer Fähigkeit versah. Er starb 1766.

119. Ullrich Franz Josef Segesser,

geboren 1698, Schultheiß der Repuplik von 1757 bis 1767, in welchem letztern Jahre er starb. [53]

120. Mauriz Anton Rappeler

von Luzern (geboren 1685, gestorben 1769), Dokter der Philosophie und Medizin, Mitglied der kaiserlich leopoldinisch-karolinischen und der königl. englischen Gesellschaft, Mitglied des Großen Rathes, Stadt- physikus zu Luzern. Seine Kenntnisse erfstreckten sich nicht nur auf die Arzneikunde, sondern auch auf alle mit ihr verwandten Wissenschaften. Er war auch ein vorzüglicher Mathematiker. Als er in kaiserlichem Dienste zu Neapel als Feldarzt stand, wurde er 1707 bei der Belagerung von Pescara als Ingenieur ge- braucht. Ebenso diente er in gleicher Eigenschaft 1712 im Toggenburgerkriege, und war Lehrer ber Artillerie- schule in Luzern. Seine Einleitung in die Krystallo- graphie und seine Beschreibung des Frakmont oder Pilatusberges und noch andere, theils gedruckte, theils in Schrift hinterlassene Werke zeugen für die Einsicht und den Fleiß dieses luzernerischen Arztes, der, wie die zwei Lang und Scheuchzer, als Naturforscher an Gruner, Wild, Altmann und Andern seine Nachfolger fand.

121. Franz Ludwig Pfyffer,

geboren 1699, Bruder des Alphons Pfyffer, des Garde- hauptmanns zu Wien. Er war 26 Jahre lang Haupt- mann ber päpstliche Schweizer-Leibgarde in Rom. Er ging aus dem päpstlichen Dienst in den Maltheser- orden über und stieg in demselben zur Würde eines [54] Komthurs und Großbaillis von Brandenburg auf. Die Ritter deutscher Zunge machten ihm diese Beförderung streitig, indem sie seinen Adel anfochten und es kam zum Prozesse, welchen Pfyffer zuerst vor dem Orden und dann vor dem Papste und dem Reichstage gewann. Er starb in Malta 1771.

122. Johann Januar Dangel

von Beromünster, Kapitular und nachher Abt des Benediktinerklosters zu Rheinau, ein großer Liebhaber der Tonkunst. Von ihm sind mehrere Kompositionen im Druck erschienen. (Geb. 1725, gest. 1775.)

123. Karl Rudolf Corragioni,

geboren 1698 Doktor der Medizin und Philosophie, Stadtphysikus und 26 Jahre Dekan des medizinischen Kollegii. Er war ein geschickter Arzt. Starb 1775.

124. Niklaus Leonz Balthasar,

geboren 1701 Sohn des Beat Balthasar. Er war fünf Jahre lang Schultheiß. Drei Jahre vor seinem Tode entsagte er seiner Würde und starb 1775.

125. Franz Xaver Anton Schiffmann,

geboren 1717, apostolischer Protonotar, viele Jahre lang Stadtpfarrer und zuletzt Chorherr der Stift zu [55] St Leodegar. Starb 1776 in der Stiftskirche an einem Schlagflusse. Er war als ein würdiger Priester geehrt und als ein wahrer Menschenfreund geliebt. Einige seiner Kanzelreden erschienen im Drucke.

126. Gallus Anton Frener,

Stadtpfarrer in Luzern, später Pfarrer in Luthern. Derselbe erhob letztgedachte Gemeinde, die sittlich und ökonomisch gesunken war, zu Wohlstand und Sittlichkeit durch Verbesserung der Landwirthschaft und Gewerbe. Er war geboren 1711 und starb 1780.

127. Benedikt Pfyffer von Altishofen

Abt zu St. Urban, geboren zu Luzern 1731. Dem Klosterstand bestimmt, wurde er nach dieser Bestimmung erzogen und trat in den Cisterzienser-Orden zu St. Urban 1749, bekleidete daselbst die Professuren der Philosophie und Theologie und erhielt die Abtswürde 1768. Jetzt zeigte er sich als ein Mann von großem Verstande, vielen richtigen Einsichten, literarischen Verdiensten und unermüdeter Thätigkeit, der in seinem Kloster Duldung, Freiheit der Meinungen und des Denkens wieder hervorrief, Gelehrsamkeit weckte und begünstigte, die vermißte Eintracht unter den Religiosen herstellte und die nützlichsten Institute zu Stande brachte. Ein Schullehrer-Seminarium, eine Trivialschule für die Kinder aus den nächsten Umgebungen, eine Erziehungsanstalt für Jünglinge adelichen [56] und bürgerlichen Standes; alles innerhalb seiner Klostermauern, waren sein Werk, das ihm Unvergeßlichkeit erwarb. Die Einführung des deutschen Gesangs bei der Messe und guter Erbauungsbücher bei dem Landvolke gereicht ihm nicht weniger zur Ehre. Er starb 1781.

128. Josef Leodegar Keller,

geboren 1697, Sohn des Anton Leodegar Keller. Er war drei und zwanzig Jahre lang Staatschreiber, später Mitglied des kleinen Rathes und Schultheiß. Er leitete die Staatsgeschäfte mit großer Beflissenheit, Klugheit und Würde. Starb 1782 im Alter von 85 Jahren.

129. Franz Urs Balthasar,

ältester Sohn des Altseckelmesiter Felix Balthasar. Befand sich vier Jahre als Alumnus im deutsch-ungarischen Kollegium zu Rom, wo er sich auszeichnete. Er starb daselbst 1783, im 24. Altersjahr.

130. Franz Xaver Joseph Schunder,

geboren 1750, gestorben 1784, war Pfarrer zu Schüpfheim im Entlebuch. Er war für das Wohl seiner Gemeinde sehr besorgt. Seine Mußestunden widmete er den Wissenschaften und verfaßte mehrere, theils gedruckte, theils ungedruckte Schriften geschichtlichen, geographischen und naturwissenschaftlichen Inhalts. [57]

131. Johann Bernard Ludwig Göldlin,

geboren 1723, Doktor der Theologie, apostolischer No- tar, Kammerer und Rektor der Kirche zu Inwil. Er zeichnete sich durch seine Liebe zu den schönen Wissen- schaften aus. Er bejaß eine der ausgewähltesten Bib- liotheken und führte einen ausgebreiteten Briefwechsel mit einheimischen und auswärtigen Gelehrten. Starb 1785.

132. Honorat Peyer,

im Hof, (geboren 1710, gestorben 1785) Benediktiner in St. Gallen, Professor der griechischen und hebräi- schen Sprache, schrieb in letzterer Sprache sehr schön das Leben der St. Gallischen Aepte bis zu Cölestin II. Starb 1785.

133. Irene Josef Schwendimann,

von Ebikon, (geb. 1721, gestorben 1786) berühmter Schüler von Heblinger von Schwyz, lernte für sich selbst das Kupferstechen und nachwärts Wappen zu schneiden, worin er den Samson in Basel ziemlich nahe kam. Um 1772 ging er nach Rom, um sich nach den ächten Grundregeln in dieser Kunst zu üben. Schon um diese Zeit wagte er eine Medaille mit zwei Brustbildern in Stahl zu schneiden, die als ein Probe- stück für ein tüchtige Arbeit gehalten wurde. Man sieht von ihm unter Anderm einen schönen Schau- pfenning auf das von der Krone Frankreichs 1777 [58] errichtete Bündniß mit der Schweiz. Ein Jahr zuvor hatte Schwendimann dem Papst Pius VI. eine Medaille mit seinem wohlgetroffenen Bildnis persön- lich überreicht, und wurde sehr günstig aufgenommen. Der berühmte Chorherr Meyer von Hamburg in seiner »Voyage en Italie« sagt von ihm, er sei lange Zeit der beste Künstler im Gravieren in Rom gewesen. Der bekannte Kunstkenner Füesslin spricht sich in einem Briefe über eine von Schwendimann zur Ver- ewigung des berühmten Malers Raphael Mengs im Jahr 1780 verfertigte Schaumünze dahin aus: „daß ich so ganz unserm Schwendimann meinen völligen Beifall mit Recht geben Kann; er ist geschaffen, unser Vaterland über den Verlurst unsers Hedlingers zu trösten." Schwendimann fiel als Opfer der Künstler- eifersucht, von einem Schlesier mit mehr als 20 Stichen ermordet. Die „deutschen Annalen“ aus Konstanz sag- ten hierüber: „Der sehr geschickte Medailleur Schwen- dimann ward in Rom mit 24 Messerstichen ermordet. Die schönen Künste trauern um so mehr über seinen Verlurst, da er die Lücke auszufüllen versprach, die der große Hedlinger offen liess. Die in Rom anwesenden Reformierten liessen den Mörder, der sich selbst gleich nach der Ermordung Schwendimanns entleibte, nicht auf ihrem Gottesacker beerdigen, obgleich er ihr Glau- bensgenosse war. Auf den Leichenstein Schwendimanns wurde folgende Inschrift gesetzt:

D.O.M.

Hic jacet Josephus Schwendimann Helvetius Lucer- nensis in incidendis Numismatibus nulli secundus. [59]

134. Niklaus Rusconi,

geboren 1738. War Doktor der Theologie, wie auch der Rechte, apostolischer Protonotar, gewesener Stadt- pfarrer, und dann Chorherr der Stift Im Hof. Starb 1787.

135. Josef Castoreo,

geboren 1728, Custos und Sekretär der Stift zu St. Leodegar im Hof zu Luzern; Prior beim hl. Bartho- lomeo in Castellroto, apostolischer Protonotar und Kanzler des apostolischen Nuntius in der Schweiz. Er war ein in den Geschäften geübter, in den Spra- chen und in den schönen und höhen Wissenschaften bewanderter Mann; starb 1787.

136. Gerold Jost

von Luzern (geb. 1719, gest. 1788), ein durch Ge- lehrtheit im Fache der Theologie, Philosophie und Mathematik, sowie durch Beredsamkeit ausgezeichneter Franziskaner, lange Zeit Guardian in Werthenstein.

137. Franz Jos. Leonz Meyer non Schauensee,

(geb. 1720, gestorben 1789), zuletzt Protonotarius Apostolicus und Chorherr am Stift zu Luzern, früher kurz nacheinander Noviz in St. Urban, Reisender nach Italien, Offizier in sardinischen Kriegsdiensten, Kriegs- [60] gefangener der Spanier, nach seiner Freilassung Suftherr in Luzern, seit 1752 Geistlicher; vom Jahre 1760 an Chorherr in Luzern. Berühmt als ein wahrer Meister in der Komposition, im Contrapunkt, sowie im Spielen der Orgel und des Klaviers. Sein Name war bekannt in der ganzen Schweiz, Italien und Deuschland. Ihm, sowie Stalder und Reindl, hat Luzern die Aufnahme der Musik zu verdanken, indem er hier im Jahr 1760 ein öffentliches Musikkollegium errichtete, welches sowohl zur musikalischen Bildung der Jugend, wie zur fortwährenden Hebung der Geübtern dienen sollte, Er komponierte viele Musikwerke.

138. Karl Martin Keller,

geboren 1737, Sohn des Schultheißen Josef Leodegar Keller. Wurde nach seines Oheims Tode Staatsschreiber. Seine nicht gemeinen Sprachkenntnisse, seine Staats- und Vaterlandskunde, sowie seine Thätigkeit zeichneten ihn in hohem Grade aus. Starb 1789, erst 52 Jahre alt.

139 Walthert Ludwig Amrhyn,

Enkel des Schultheißen Karl Anton Amrhyn, geboren 1716. Ebenfalls Schultheiß von 1772 bis 1793, in welchem Jahr er starb. Er führte sein Amt ausgezeichnet. Mit Einsicht und Unparteilichkeit pflegte er in ben wichtigsten Angelegenheiten des Vaterlandes zu handeln. [61]

140. Josef Leonz Hunkeler,

geboren 1729, Besitzer des großen Berggutes Butten- berg in der Pfarre Ettiswil. Er war einer der ein- sichtsvollsten und thätigsten Landwirthe der Schweiz. Er kaufte das große Gut Debrunnen in der thur- gauischen Gemeinde Pfyn und starb dort 1795.

148, Alois Keller,

geboren 1738, Sohn des Schultheissen Josef Leodegar Anton Keller, Doktor der Theologie, früher Mitglied der Gesellschaft Jesu, darauf Stadtpfarrer und bischöf- licher Kommissar. Im Jahr 1795 ward er zum Probst des Stiftes zu Bischofzell gewählt und starb 1796. Er zeichnete sich durch ausgebreitete Kenntnisse und eine seltene Mittheilungsgabe aus.

142. Josef Ignaz Xaver Pfyffer von Heidegg,

Schultheiß von 1782 bis 1796, in welchem Jahr er starb. Er war ein Mann mit ausgezeichneten Geistes- gaben. Er erreichte das Alter von 71 Jahren.

143. Josef Ignaz Zimmermann,

geboren 1737, Mitglied der Gesellschaft Jesu, Pro- fessor der Rhetorik. Er war Verfasser mehrerer vater- ländischer Schauspiele, von welchen eines: „Erlachs [62] Tod", in die "deutsche Schaubühne" aufgenommen wurde. Auch pädagogische Schriften sind von ihm im Drucke erschienen. Starb 1797.

144. Leodegar Salzmann,

von Luzern, geboren 1721, war Prälat zu Engelberg von 1769 bis zu seinem Tode 1798 Bis zur Staatsumwälzung im Jahr 1798 war er zugleich ein milder Beherrscher der dasigen Thalschaft. Mit gedachter Staatsumwälzung hörte die weltliche Herrschaft der Prälaten von Engelberg auf.

145. Johann Melchior Josef Würsch,

geboren 21. August 1732, gestorben 9. Sept. 1798. Stammt von Buochs, Kanton Unterwalden, und war ein tüchtiger Maler. Er erscheint unter den Luzernern in diesem Bildersaale, indem er von der Akademie von Besançon weg im Jahr 1781 nach Luzern berufen wurde, um die Direktion einer Zeichnungsschule zu übernehmen. Ein schönes Gemälde von ihm, die Gesetzgebung des Moses, befindet sich im Rathhause zu Luzern. Sein Wirken in Luzern war aber von kurzer Dauer. Schon gegen Ende 1786 erblindete er, blieb aber noch bis um das Jahr 1795 in Luzern, wo er sich dann nach seinem Vaterorte Buochs zurückzog und am 9.September 1798, am Tage des sogenannten Ueberfalls, von den in Unterwalden eindringenden Franzosen wehrlos getödtet wurde. [63]

146. Konstantin Reindl,

geboren 1738, ehemaliger Jesuit, Professor am Gym- nasium in Luzern, vortrefflicher Musiker. Er ist als vorzüglicher Beförderer der Tonkunst in Luzern, wo er in den Siebenziger-, Altziger- und Neunziger- Jahren des vorigen Jahrhunderts lebte, zu betrachten. Er komponierte vielmeist Symphonien und spielte treff- lich Violin und Basset.

147. Franz Ludwig Pfyffer von Wyher,

Mitglied des Kleinen Raths, Generallieutenant in Frankreich und Kommandeur des St. Ludwig-Ordens. Er machte sich durch ein ganz besondens Werk be- rühmt, nähmlich duch das erste Relief der Schweiz. Dasselbe umfaßt auf 246 Geviertfuss einen grossen Theil der Kantone Uri, Schwyz und Zug, die Kan- tone Luzern and Unterwalden beinahe ganz und über- hin einige angrenzende Gegenden der Kantone Bern, Zürich und Aargau. Starb 1802 im Alter von 87 Jahren. Das Relief befindet sich nunmehr auf der Bürgerbibliothek.

148. Maurus Meyer non Schauensee,

geboren 1765, war General der französischen Republik, und nahm am der Siegen derselben thätigen Antheil. Er starb zu St. Domingo im Jahr 1802, noch nicht [64] 40 Jahre alt. Das französische Amtsblatt that seiner bei Anlaß seines Todes sehr ruhmvolle Erwähnung.

149. Ludwig Augustin Hartmann,

war Mitglied des Franziskaner-Ordens und bekleidete in verschiedenen Klöstern ansehnliche Stellen. So war er Guardian in Ueberlingen, Solothurn und Luzern. Er gab eine theologisch-juristische Dissertation im Druck heraus. Geboren 1728, gestorben 1803.

150. Karl Kopp,

von Beromünster, zuerst Rektor der Pfarre Kleindietwil später Pfarrer in Römerschwil. Ein ausgezeichneter Kanzelredner, ausgestattet mit einem auserordentlichen Gedächtniß; voll Liebe zu den Wissenschaften. Geboren 1741, gestorben 1805.

151. Casimir Krus,

einflußreiches Mitglied des kleinen Raths, sodann von 1793 bis 1798 und dann wieder von 1803 bis 1805 Schultheiß. In der Zwischenzeit war er einmal Mitglied des gesetzgebenden Raths der helvetischen Republik. Er zeichnete sich durch Beredsamkeit und scharfen Verstand aus. Geboren 1734, gestorben 1805. [65]

152. Franz Regis Brauer

von Luzern (geb. 1739, gestorben 1806), Jesuit, Professor der Rhetorik, großer Freund und Kenner der Wissenschaften, hat durch seine sowohl in Rücksicht auf die Wortgetreuheit, als in Rücksicht auf die Auffassung des Sinnes und Geistes gelungene deutsche Uebersetzung der Aeneis von Virgil (erschienen in Luzern 1783) nicht unbedeutenden Ruf erworben.


153. Josef Rudolf Valentin Meyer,

geb. 1725. Dieser Mann that sich hauptsächlich in den sogenannten Sechziger-Händeln hervor, indem er die Untreue des Staatseckelmeisters Jost Niklaus Schumacher aufdeckte und verfolgte und dann die Untersuchung einer angeblichen, politischen Verschwörung leitete. Neben Fleiß und Beharrlichkeit besaß er eine außerordentliche Beredsamkeit. Er schwang sich als Mitglied des kleinen Raths zu einem solchen Ansehen empor, daß er seiner Allvermögenheit wegen den Zunahmen "der Göttliche" erhielt. — Im Gefühle seines Uebergewichtes beleidigte er aber Viele, und unterlag zuletzt einer Art Ostrazismus. Angeklagt der Anmaßung und eines eigenmächtigen Handelns, mußte er sich mit Beibehaltung seiner Würden und Ehren einer Entfernung aus dem Kanton auf 15 Jahre (1770-1785) unterziehn. Nach seiner Rückkehr blieb er bis zur Staatsumwälzung im Jahr 1798 ein [66] einflussreiches Mitglied der Regierung , ohne jedoch den frühern Glanz wieder zu erlangen. Er starb 1808 im Kloster zu Rheinau, wo sein Bruder Prälat war.

154. Gerold Meyer,

Bruder des Valentin Meyer; St. Benedikts-Ordens, Fürstabt zu Muri, geboren 1729, gestorben 1810. Um die literarische Kultur seiner Konventualen erwarb er sich viele Verdienste und er selbst erreichte eine ziemliche Stufe von Gelehrsamkeit. Besonders besass er viele historische Kenntnisse.

155. Josef Felix Balthasar

von Luzern (geb. 1737, gest. 1810), Seckelmeister und Mitglied des Kleinen Raths vor den Jahr 1798; später Präsident ber Gemeindekammer und des Verwaltungsraths; ein durch unermüdlichen Eifer, Kenntnisse und wahre Vaterlandsliebe ausgezeichneter, um den Kanton Luzern hochverdienter Mann. Er war der Sohn des bekannten Patrioten Franz Urs Balthasar, der ihn zur fernern Ausbildung auf die königliche Akademie nach Lyon schickte. Die Geschichte war sein Hauptstudium. Er stand in Bekanntschaft und freundschftlichem Verhältniß mit den ausgezeichnetsten schweizerischen Geschichtskennern, so mit Johannes Müller, Heinrich Füssli, Gottlieb Emanuel Halter, Beat Fidel Zurlauben und [67] andern mehr. Kein Archiv, zu dem er Zutritt hatte, keine Privatsammlung seiner vielen Freunde blieb unbenützt; er zog jede auf den Kanton Luzern bezügliche Notiz an's Tageslicht, wo er sie nur immmer fand, schrieb jedes wichtige Aktenstück für sich in's Reine, und vermehrte dadurch seine handschriftliche Sammlung mit so vielen Beiträgen, daß dieselbe auf 182 Bände stieg, wovon 60 eigenständige Arbeiten enthielten.


156. Adolphus Trorler

von Beromünster, war ein ausgezeichneter Maler, geboren 1741. Um sich auszubilden begab er sich nach Rom. Er zeigte vorzüglich Talent in der Früchtenund Blumenmahlerei. Er mahlte nach Seckelmeister Balthasars Angabe in den Siebziger-Jahren des verflossenen Jahrhunderts die meisten Bilder der Gallerie, welche wir hier beschreiben, nämlich die bis auf jenen Zeitpunkt vorhandenen. Er starb zu Münster im Jahre 1810.


157. Franz Xaver Keller,

geboren 1772, ein Mann von feinster Charakterfestigkeit und eisernem Fleiße. Als Staatsmann ausgeezeichnet; die Rechte des Staates gegenüber der Kirche sorgsam wahrend; Freund und Unterstützer der Schulen, gebildet und gelehrt, namentlich Kenner der vaterländischen Geschichte. Er trat, wie Vinzenz Rüttimann, [68] mann, als Jüngling in den kleinen Rath und huldigte den freisinnigen Ideen. Beim Eintritte der Revolution, welche er befördern half, wurde er Regierungs- Unterstatthalter, dann Statthalter, war Mitglied der Konsulta nach Paris; während der Mediationszeit Mitglied des Großen Rathes, Vizepräsident des Appellationsgerichtes und Präsident der Stadtverwaltung. Im Jahr 1814 stellte er sich auf die Seite der Restauration und erhielt die Würde eines Schultheißen. Er wurde im Jahr 1816 als eine Leiche aus der Reuß gezogen. Die Art und Weise seines Todes blieb unenthüllt.

158. Franz Bernard Göldlin

von Tiefenau, von Luzern (geboren 1762, gestorben 1819), Probst zu Münster, und bei der Lostrennung der Schweiz vom Bisthum Konstanz General-Vikar. Er war in der Geschichte und Theologie gut bewandert und schrieb einen „Versuch einer urkundlichen Geschichte des Dreiwaldstätterbundes“. Zürich 1808; ferner: „Konrad Scheuber von Altfellen”. Luzern 1812 — 1813. 2. Theile. Ein vortreffliches Buch; besonders ist der zweite Theil über die schweizerische Kulturgeschichte des 15. und 16. Jahrhunderts sehr interessant und lehrreich.

150. Ludwig Meyer von Schauensee.

Ein ausgezeichneter Mechaniker, Münzmeister und Zeughausinspektor; geboren 1770, gestorben 1820. [69]

160. Anton Tottenbach

von Weggis war ein verdienstvoller Professor der Rhetorik am Gymnasium zu Luzern, sehr bewandert in den Lateinischen Klassikern. Geboren 1763, gestor- ben 1820.

161. Alphons Pfyffer von Heidegg,

geboren 1753, bis 1798 Staatsschreiber der Republik; nach der Staatsumwälzung auf kurze Zeit eines der fünf Mitglieder des Direktoriums ber helvetischen Re- publik, und darauf Senator. Er war ein begeisterter Verfechter aller freisinnigen Ideen, und blieb seinem politischen Glaubensbekenntnisse getreu bis zu seinem Tode, welcher im Jahr 1823 erfolgte.

162. Josef Reinhard

von Horw (geboren 1749, gestorben 1824), als Por- traitmaler auch im Auslande rühmlichst bekannt, legte in Luzern ein Kunstkabinet an, das in einer Reihe von Familiengemälden die verschiedenenen Nationaltrach- ten der Schweiz darstellt. Im Jahr 1784 übertrug ihm die Regierung von Luzern, die Bildnisse der Schultheißen von Luzern zu malen, wogegen sie ihm das Hintersassenrecht in Luzern unentgeldlich ertheilte. [70]

163. Thaddäus Müller

von Weggis (geboren 1768, gestorben 1826), vom Jahre 1796 an bis zu seinem Tode Stadtpfarrer in Luzern, ausgezeichnet durch wissenschaftliche Bildung und Beredsamkeit. Dafür zeugen seine meist im Drucke erschienenen Predigten auf der Kanzel, auf dem Schlachtfelde ob Sempach, nach Hinrichtungen u. f. w. und seine Reden an die Behörden bei verschiedenen feierlichen Anlässen.

164. Josef Heinrich Alois Gügler

von Udligenschwil (geb. 1782, gestorben 1827), vom Jahr 1805 bis zu seinem Tode Professor der Exegese und Pastoral an der theologischen Lehranstalt in Luzern und seit 1816 Chorherr am Leodegarstift in dort, war ein berühmter Theologe, ausgezeichnet durch seine philosophischen und theologischen Kenntnisse, wofür seine nachgelassenen Werke, vor denen die ersten drei Bände (in Luzern 1827-28 erschienen) Vorlesungen, Reden u. s. w. und die vier letzten Bände (Sarmenstorf 1836 bis 1840) seine Privatvorträge, Predigten, Darstel- lung und Erklärung der hl. Schrift enthalten. Er schrieb auch „die heilige Kunst, oder die Kunst der Hebräer”, Landshut 1811—1818, drei Theile. Ferner: „Ziffern der Sphynx oder Typen der Zeit und Üpr Deuten anf die Zukunft.” Solothurn 1819. [71]

165. Heinrich Krauer

von Rothenburg, eigentlich von Emmen, Sohn eines wenig begüterten Landmanns (geb. 1755, gest. 1827). Er besuchte das luzernerische Gymnasium, widmete sich sodann dem Studium der Naturwissenschaft auf den Hochschulen von Pavia und Heidelberg. An ersterem Ort war der berühmte Tissot sein Lehrer. Nachdem er seine Studien vollendet, bereiste er Frankreich und Italien. Er besaß ausgebreitete Kenntnisse. Bei dem Eintritte der helvetischen Staatsumwälzung (1798) wurde er aus bin Privatleben hervorgezogen, und in den Senat der helvetischen Republik gewählt; war später (1802 auf 1803) Mitglied der Schweizerkonsulta in Paris. Bei Einführung der Mediationsverfassung (1803) wurde er Mitglied des kleinen Raths, dann Schultheiß bis 1814, wo die Mediationsregierung mit Gewalt beseitigt wurde. Im Jahr 1819 gelangte er wieder in den Großen Rath.

166. Franz Josef Stalder

von Luzern (geb. 1757, gestorben 1833), Pfarrer in Escholzmatt, später Chorherr in Münster, berühmt durch seinen „Versuch eines schweizerischen Idiotikons“. Basel 1806 - 1812. 2. Theile. Die Umarbeitung des ganzen Werks von der eigenen Hand bes Verfassers; 2 Bde. in Fol. liegt auf der Bürgerbibliothek in Luzern. Sehr interessant und lehrreich ist auch [72] sein Werk: "Die Landessprachen der Schweiz oder schweizerische Dialektologie." Aarau 1819.

167. Eduard Pfyffer,

geb. 1782, widmete sich zuerst dem Berufe eines Advokaten, und wurde 1814 in die Regierung gewählt. Er besaß eine außerordentliche Auffassungskraft und die Gabe der Beredsamkeit in nicht geringem Grade. Er nahm sich vorzüglich des Erziehungswesens an, und suchte dasselbe auf alle Weise zu heben. In der Politik folgte er der freisinnigen Richtung und war das Haupt einer während der Restaurationsperiode sich allmälig bildenden liberalen Partei. Als diese 1831 die Oberhand erhielt, wurde Pfyffer zum Schultheiß erhoben, und präsidierte die schweizerische Tagsatzung im Jahr 1832 mit Auszeichnung. Er starb schon 1834 nur 52 Jahre alt.

108. Klemens Putschert

von Pfaffnau, geboren 1762. Er trat frühe in den Kapuziner-Orden; zeichnete sich aus in der Mathematik, der Optik und den Naturwissenschaften. Starb im Kapuzinerkloster zu Luzern im Jahr 1835.

169. Jost Zimmermann.

Ein ausgezeichneter Mechaniker, dessen Arbeiten außerordentlichen Fleiß und künstlerisches Talent be- [73] wiesen. Er war zugleich ein großer Freund der Schießkunst. Geboren 1750, gestorben 1835.

170. Josef Businger,

(geboren 1764, gestorben 1836), gebürtig von Stans, erhielt im Jahr 1814 das luzernerische Bürgerrecht, und früher vom König von Preußen ein Kanonikat in Schlesisch-Großglegau. Er starb in Luzern, wo er sich seit dem Jahr 1803 niedergelassen, und war Verfasser mehrerer in das Geschichtsfach einschlagender Bücher. So der „Schweizerischen Bildergallerie oder Erklärung der Gemälde auf der Kapellbrücke in Luzern". 1820. 2 Bde. und „die Geschichte des Volkes von Unterwalden". Mit Karte. Luzern 1827-1828 in 2 Theilen.

171. Anton Balthasar,

Sohn des weiland Seckckmeister Felix Balthasar. Geberen 1761, gestorben 1837. Er war vor 1798 Rathsschreiber in Luzern; während der Helvetik Chef des Büreau des helvetischen Großen Rathes, später Kantonsbibliothekar in Aarau und endlich in Luzern Bibliothekar der Bürgerbibliothek, zuletzt Mitglied des Kleinen Rathes. Er war ein äußerst belesener Mann, und hatte eine Privatbibliothek von 10,000 Bänden, welche er der Regierung, behufs Gründung einer Kantonsbibliothek um einen geringen Preis abtrat. [74]

172. Jost Bernard Häfliger

von Hochdorf (geboren 1759, gestorben 1837), seit 1793 Pfarrer in Hochdorf, bekannt durch seine Lieder in der Luzerner Mundart, welche den Namen, den sie erwarben, nicht sowohl dem dichterischen Werthe, als vielmehr theils ihrer Neuheit und theils ihrer meist derb politischen Richtung verdanken. Eine Sammlung der Häfliger'schen Lieder erschien zuerst 1801, nachher vermehrt 1813.

173. Karl Gißler

aus Uri, langjähriger Lehrer an der Stadtschule, erhielt das Bürgerrecht in der Stadt Luzern geschenkt und wurde in Jahr 1831 Chorherr am St. Leodegarstift im Hof zu Luzern. Von ihm erschienen einige kleine Schulschriften im Drucke. Er war geboren 1776 und starb 1842.

174. Vinzenz Rüttlimann,

geboren 1769, spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte des Kantons Luzern. Er besaß die Gabe der Repräsentation in hohem Grade und eine nicht gewöhnliche Beredsamkeit. Als Jüngling trat er 1791 an die Stelle seines Vaters in den Kleinen Rath, war 1793-1795 Landvogt von Habsburg und 1795 bis 1797 Landvogt zu Münster. Warmer Anhänger [75] der neuen Ordnung, wurde er sofort zum Regierungsstatthalter des Kantons Luzern gewählt; später als Mitglied des helvetischen Vollziehungsrates und als Landesstatthalter berufen. Als Abgeordneter des helvetischen Senates und zugleich des Kantons Tessin wohnte er 1802 der schweizerischen Konsulta zu Paris bei. Bei Einführung der Mediationsverfassung wurde er zum Schultheißen des Kantons gewählt. Im Jahre 1808 bekleidet er die hohe Stelle eines Landammanns der Schweiz. 1813 war er erster Abgesandter der schweizerischen Tagsatzung an Kaiser Napoleon I. um die Anerkennung der Neutralität zu bewirken. Als bald darauf die Alliirten in die Schweiz einbrachen, leitete Rüttimann als regierender Schultheiß den nächtlichen Handstreich, mittelst welchem am 16. Hornung 1814 die mediationsmäßige Regierung im Kanton Luzern gestürzt und eine den Zuständen vor 1798 sich annähernde Verfassung eingeführt wurde. Er blieb Schultheiß bis 1831, und präsidirte wiederholt die eidgenössische Tagsatzung. Bei der abermaligen politischen Bewegung des Jahres 1831 blieb er nur noch Mitglied des Großen Rathes, und starb 1844.

175. Josef Widmer

von Hochdorf (geboren 1779, gestorben 1844), Probst des Stiftes Beromünster, seit 1842 Domkapitular des Bisthums Basel von den Jahren 1804 — 1833 zuerst Professor der Philosophie, dann der Theologie in Luzern, darauf Probst in Beromünster; rühmlich be- [76] durch seine ausgebreiteten Kenntnisse im Fache der Theologie und Philosophie, durch seine Kunst der Dialektik und der Eloquenz; Schüler und Freund des berühmten Professor Sailer in Landshut.

176. Ludwig Pfyffer von Wyher,

geboren 1783, gewesenes Mitglied des Regirungsrathes in der Restaurationsperiode und eidgenössischer Oberst. Er war in der Baukunst sehr erfahren und erhielt noch in den letzten Tagen seines Lebens von der schweizerischen Künstlergesellschaft für eine aus diesem Fache gelieferte Arbeit die dafür ausgesetzte Ehren-Medaille. Starb 1845.

177. Jakob Waldis,

ursprünglich von Weggis, dann aber mit dem Bürgerrecht von Luzern beschenkt, war zuerst Pfarrer in Hohenrain, dann Stadtpfarrer von Luzern und bischöflicher Kommissarius, endlich Probst an der Stift im Hof zu Luzern. Er zeichnete sich besonders als Kanzelredner aus. Geboren 1793, gestorben 1846.

178. Melchior Mohr,

zuerst Offizier in fremden Kriegsdiensten, dann Pfarrer in Geiß und Chorherr am Stift zu St. Leodegar im Hof zu Luzern; entsagte 1798 bei Eintritt der [77] Staatsumwälzung dem geistlichen Stande, trat in das Büreau des helvetischen Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten und wurde später Minister der Künste und Wissenschaften, im Jahr 1802 Präsident der helvetischen Notabelnversammlung und Senator. Bei dem Eintritte der Mediationsperiode schied er aus dem öffentlichen Leben, kehrte in den geistlichen Stand und auf seine Chorherrenpfründe zurück und kümmerte sich fortan nicht mehr um Politik. Er starb 1846 im Alter von 84 Jahren.

179. Josef Karl Amrhyn,

geboren 1777, beinahe während der ganzen Dauer der Mediationszeit Staatsschreiber; im Jahr 1814 Mitglied des Kleinen Raths und nach Kellers Tod dessen Nachfolger als Schultheiß, welche Würde er bis zum Jahr 1841 bekleidete und dann bis zu seinem im Jahr 1848 erfolgenden Tode in Privatstande lebte. Er war oftmaliger Präsident der schweizerischen Tagsatzung. Er zeichnete sich aus als unermüdlicher Arbeiter in den Geschäften des Staates.

180. Franz Bernard Meyer,

vor 1798 Mitglied des Großen Raths, darauf Minister der Justiz und Polizei unter der helvetischen Regierung, deren eifriger Anhänger er war, und im Jahr 1802 Mitglied der schweizerischen Konsulta zu Paris. Während der Mediationsepoche lebte er im [78] Privatstande, trat aus demselben im Jahr 1814 beim Umsturze der Mediationsverfassung wieder hervor, und nunmehr der Restauration zugethan, ward er Mitglied des Kleinen Rathes und Staatsfeckelmeister; in letzterer Eigenschaft besorgte bis er zum Jahr 1831 das Finanzwesen des Kantons mit Geschick. Starb 1848, 85 Jahre alt.

181. Ludwig Sonnenberg,

geboren 1782, trat in seiner Jugend in ausländischen Kriegsdienst, kehrte aber bald wieder in das Vaterland heim, wurde 1814 Mitglied des Kleinen Raths und eidgenössischer Oberst als solcher war er 1814 Platzkommandant in Genf. Im Jahr 1825 trat er in eines der neuerrichteten Schweizerregimenter in Neapel als Oberst deselben, wurde zum General befördert, kehrte 1845 nach Luzern zurück und war dann während zwei Jahren wieder Mitglied der Regierung, fiel 1847 in den Privatstand zurück und starb 1850.

182. Adolf Hertenstein,

geboren 1802; ein Mann von ausgezeichneten Talenten, in den alten Sprachen und ber Rechtswissenschaft sehr bewandert. Er war Mitglied des Obergerichts, darauf Präsident des Kriminalgerichts, auch Mitglied des Grosen Raths. Starb im Jahr 1853 als der letzte Sprößling seines uralten Geschlechts. [79]

183. Josef Isaak,

geboren 1789, gestorben 1853; war Mitglied des Stadtraths und später des Regierungsraths, in der Eidgenossenschaft bekannt als ein eifriger Beförderer des Schützenwesens.

184. Josef Anton Salzmann,

geboren 1780, war zuerst Professor der Syntax am Gymnasium zu Luzern, dann Professor der Theologie am Lyzeum daselbst. Darauf Probst am Stift zu St. Leodegar im Hof und endlich im Jahr 1828 der erste Bischof des neuerrichteten Bisthums Basel, welches er weise und friedfertig verwaltete. Starb 1854.

185. Felix Balthasar,

Großsohn des weiland Seckelmeisters Felix Balthasar; in seiner Jugend Quartiermeister in dem Schweizer- Regiment Aufdermauer in Holland. Heimgekehrt, wurde er im Jahr 1828 in den Großen Rath, 1831 in das Obergericht, und 1837 in den Regierungsrath gewählt, Später bekleidete eine Reihe von Jahren das Amt eines Präsidenten der Korporationsgüter-Verwaltung der Stadt Luzern. Er war geboren 1794 und starb 1854. [80]

186. Jakob Kopp,

von Beromünster, schwang sich, ein Autodidakt, vom Kürschner zuerst zu einem Fürsprecher und Rathsherrn, dann zum Schultheißen der Republik und Präsidenten der Tagsatzung empor. Er war geboren 1786 und starb 1859.

187. Jost Vinzenz Ostertag,

Lehrer an der Knabenschule in Luzern viele Jahre lang. Beinebens stund er der Bürgerbibliothek zwanzig Jahre hindurch als Bibliothekar vor. In dieser Eigenschaft entwickelte er einen großen Eifer, und war unablässig bestrebt, vorhandene Lücken auszufüllen und das Institut zu fördern. Er war geboren 1805, gestorben 1860. Von ihm sind mehrere kleine Schriften im Drucke erschienen.

188. Jakob Robert Steiger,

gebürtig von Büron, nachmals aber Bürger in Luzern, ein ausgezeichneter Arzt und Kenner der Naturwissenschaften. Von ihm erschien eine Flora lucernensis im Drucke. Er zeichnete sich nicht weniger als Staatsmann aus, bekleidete die höchsten Aemter, und war ein unermüdlicher Streiter für die freisinnigen Grundsätze, welche ihn belebten. Einmal politischen Vergehens wegen zum Tode verurtheilt, welchem Urtheile er sich durch die Flucht entzog, später aber glänzend rehabilitiert wurde. Geboren 1801, gestorben 1862. [Ξ]

189 Alois zur Gilgen

Geboren 1783, gestorben 1863. Spitaldirektor, auf dessen Betreiben die Spitalschwestern nach Luzern berufen wurden; Präsident der Handelskammer und der Korporationsverwaltung; Regierungsrat und Postdirektor; Mitbegründer der städtischen Ersparniskasse; Brigadier im Sonderbundskrieg. [Ξ]

189. Josef Burkard Leu,

geboren in Schongau 1808, Professor der Theologie am Lyzeum zu Luzern, Domherr des Bisthums Basel und Probst der Kollegialtstift zu St. Leodegar im Hof zu Luzern. In der Wissenschaft der Theologie war er sehr bewandert, und verfaßte in diesem Fache mehrere Bücher, unter andern ein Lehrbuch der katholischen Dogmatik. Der Tod raffte ihn unerwartet früh dahin. Er starb 1865.

190. Paul Vital Ignaz Troxler.

Ein in der gelehrten Welt wohlbekannter Name. Troxler war Doktor der Medizin und Philosophie. Letztere war seine Lieblingswissenschaft und er gab über dieselbe eine Reihe von Büchern heraus, welche von seinem Scharfsinn und seiner Gelehrsamkeit Zeugnis gaben. Obgleich er niemals ein Staatsamt, außer einmal während einer Periode in den Dreißigerjahren als Mitglied des Großen Rathes des Kantons Aargau, bekleidete, beschäftigte er sich beinahe während seines ganzen Lebens mit politischen Dingen, welche die schweizerische Eidgenossenschaft oder seinen Heimathkanton Luzern betrafen. Troxler wurde geboren zu Beromünster 1780 und starb in Aarau 1866; erreichte also das hohe Alter von 86 Jahren. [Ξ]

191. Josef Georg Sigrist

von Luzern, geboren 1788, gestorben 1866. Er zeichnete sich aus durch seine Kenntnisse, besonders im Erziehungsfache, seine treffliche Pastoration und Menschenliebe. Er stund mehreren Pfarreien, theils im Kanton Luzern und theils im Kanton Aargau vor und wirkte überall segensvoll. In den Jahren 1840 bis 1845 war er Stadtpfarrer von Luzern, nachher in Aarau. Er bekleidete auch die Würde eines nichtresidirenden Domherrn des Bisthums Basel.

192. Dr. Josef Eutych Kopp

von Beromünster, geboren 1798, gestorben 1866. Ein ausgezeichneter Philologe und Geschichtsforscher. Er bekleidete 45 Jahre lang den Lehrstuhl der Philologie am Lyzeum in Luzern. Als Geschichtsforscher erwarb er sich einen weitverbreiteten Ruf durch sein Werk: „Geschichten von der Wiederherstellung und dem Verfalle des heiligen römischen Reichs“ auch unter dem Titel: „Geschichte der eidgenössischen Bünde.“ Er war auch ein Freund der Dichtkunst und schrieb mehrere dramatische Stücke. Die Akademien von Berlin, Wien und München nahmen ihn als auswärtiges Mitglied auf und die Universität Basel ertheilte ihm bei ihrer vierten Säkularfeier das Ehrendiplom als Doktor der Philosophie.

[Ξ] Im Auftrag der Korporationsgemeinde der Stadt Luzern in den Jahren 1981/82 von

Herrn Anton Steiner, a. Bibliothekar der Bürgerbibliothek nachgeführt ab Nr. 194 [Ξ]

194 Anastasius Hartmann

Hartmann wurde am 24.2.1803 in Altwis bei Hitzkirch geboren und auf den Namen Alois getauft. Er stammte aus einer alteingesessenen Bauernfamilie. Nach den Volksschulen besuchte er das Gymnasium in Solothurn. 1821 trat er in den Kapuzinerorden ein, wo er den Ordensnamen Anastasius erhielt. Seine philosophische und theologische Ausbildung erhielt er in Baden im dortigen Kapuzinerkloster.

1825 wurde er in Freiburg/CH zum Priester geweiht. 1826-30 war er in Schüpfheim und Luzern in der Seelsorge eingesetzt. 1830-41 wurde er von seinen Obern zum Lektor in den Kapuzinerklöstern Luzern, Freiburg und Solothurn bestimmt. Er lehrte dort vor allem Philosophie und Theologie. Zeitweilig war er als Novizenmeister tätig. 1841 wurde er als Professor ans Missionskollegium der Kapuziner in Rom berufen. Auf eigenen Wunsch schickte man ihn als Missionar 1844 nach Agra und Gwalior in Indien. 1845 wurde er zum Apostolischen Vikar von Patna ernannt. 1846 erhielt er in Agra die Bischofsweihe. 1849 wurde er zum Apostolischen Vikar in Bombay eingesetzt.

Nach dem Kampf gegen das goanesische Schisma verzichtete er auf die Apostolischen Vikariate von Bombay und Puna. Dafür ernannte man ihn zum Generalprokurator der Kapuzinermission und zugleich zum Rektor des Internationalen Missionskollegiums in Rom. 1860 war er erneut als Apostolischer Vikar in Patna tätig, wo er am 24.4.1866 an der Cholera starb. Anastasius Hartmann war der erste schweizerische Missionsbischof. Er war der Pionier der modernen Missionsmethoden, der Förderer des indischen Schulwesens und der Presse überhaupt. Neben Schriften in allen europäischen Sprachen übersetzte er u.a. das Neue Testament in Hindustani. [Ξ]

195 Xaver Schnyder von Wartensee

Am 18.4.1786 wurde er in Luzern als Spross eines alten Geschlechts geboren. Nach dem Wunsch seines Vaters sollte er höherer Beamter werden. Schon in der Gymnasialzeit betrieb er intensiv ein Musikstudium. 1810 zog er zur weiteren Ausbildung nach Zürich, wo er mit dem Musiker und Komponisten Hans Georg Nägeli Verbindung aufnahm. 1811 ging er nach Wien, um bei Beethoven Unterricht zu nehmen. Da dieser keine Schüler annahm, studierte er bei J.Ch. Kienlen, einem damaligen bekannten Wiener Musiker. 1816 übernahm Schnyder eine Stelle als Musiklehrer an der Pestalozzischen Erziehungsanstalt in Yverdon. 1817 zog er nach Frankfurt a.M., wo er als Musiklehrer regen Anteil am musikalischen Leben dieser Stadt nahm. 1827 starb seine Gattin, eine geb. Hertenstein. 1844-47 nahm er Wohnsitz in seiner Vaterstadt, um hier eine zweite Ehe mit der Pianistin Josefine Jahn einzugehen. 1848 übersiedelte er endgültig nach Frankfurt a.M., das ihm zur zweiten Heimat wurde. Sein Briefwechsel mit den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit liegt als Autographensammlung auf der Zentralbibliothek Luzern. In seinen zahlreichen Kompositionen pflegte er vor allem Liederschöpfungen für Männer- und Gemischte Chöre. Zu den bekannten Werken zählen die "Zauberoper Fortunat", das Oratorium "Zeit und Ewigkeit", vier Symphonien und diverse Klaviersonaten. Daneben schrieb er ein "System für Rhythmik" und eine "Formenlehre der Instrumentalmusik". Xaver Schnyder starb 1868 in Frankfurt a.M. Seine Lebenserinnerungen nebst musikalischen Beilagen und einem Gesamtverzeichnis seiner Werke erschienen 1887 im Buchhandel. Sein Nachlass befindet sich in der Zentralbibliothek Zürich. Schnyder war ein bedeutender Tonkünstler seiner Zeit, der weniger durch seine Werke als durch seine Lehrtätigkeit und sein musikalisches Wirken einen grossen Einfluss auf seine Zeitgenossen ausübte. [Ξ]

196 Leopold Nägeli

Geboren am 5.5.1804 in St. Urban. Der Vater war Kunstschreiner im Cistercienserkloster St. Urban und stammte aus Legau bei Memmingen. Seiner Tüchtigkeit wegen erhielt er 1795/96 das luzernische Bürgerrecht. Leopold besuchte die dortige Klosterschule, die durch ihre Reformpädagogik einen besonderen Ruf besass, Nach dem Gymnasium trat er 1823 in das Kloster als Novize ein. 1828 wurde er zum Priester geweiht. Im Kloster unterrichtete er vor allem in den Musikfächern. Als das Kloster St. Urban 1848 aufgehoben wurde, erhielt er als Kaplan in Sachseln die dortige Organistenstelle. 1850 bot ihm das Chorherrenstift in Luzern die Kaplanenpfründe an, die mit der Organistenstelle an der Stiftskirche St. Leodegar verbunden war. Die kantonalen und städtischen Behörden wählten ihn in die Aufsichtskommission für Musik am Gymnasium und in den städtischen Schulen. 1870 wurde er offiziell als Organist mit Besoldung ernannt. Während 20 Jahren hatte er den Organistendienst umsonst besorgt. Er war nicht nur ein vorzüglicher Orgelspieler, sondern auch ein versierter Kenner der Orgeltechnik und des Orgelbaus. Auf seine Weisung wurde die Orgel im Stift St. Leodegar durch den berühmten Orgelbauer Haas aus Muri neu erbaut. Die Disposition zu diesem Werk stammte von P. Leopold Nägeli. Er starb am 24.3.1874. [Ξ]

197 Kasimir Pfyffer

Als Sohn des Franz Ludwig, Hauptmann der päpstlichen Schweizergarde und der Aloisia von Reding wurde Kasimir Pfyffer am 10.10.1794 in Rom geboren. 1798 siedelte die Familie nach Luzern über. Hier besuchte Pfyffer das Gymnasium und Lyceum. 1813 begann er das Rechtsstudium in Tübingen. Nach zwei Semestern liess er sich als Anwalt in Luzern patentieren. Es folgten weitere Studien in Heidelberg und Tübingen, wo er zum Dr.iur. promovierte. 1819-36 dozierte er neben seinem Anwaltsberuf mit kurzem Unterbruch am Lyceum in Luzern Staatsrecht und Geschichte. 1826 wurde Pfyffer als Vertreter der liberalen Partei in den Grossen Rat gewählt, dem er bis 1867 angehörte. 1831-41 amtete er als Präsident des Obergerichtes. 1841 war er im Verfassungsrat tätig. 1845 wurde er Bezirksrichter der Stadt Luzern. 1828-41 war er mit Unterbruch Mitglied der Tagsatzung. Nach dem politischen Umsturz wurde er 1848 in den Nationalrat gewählt, dem er bis 1863 angehörte und den er 1855 präsidierte. 1857-71 war er wieder als einfaches Mitglied dem luzernischen Obergericht zugehörig. 1848 wählte ihn die Bundesversammlung in das Bundesgericht, dem er bis 1863 angehörte und dem er mehrmals als Präsident vorstand.

In seiner Vaterstadt war Kasimir Pfyffer 1854-73 Präsident und Verwalter der Bürgerkorporation und 1850-73 war er im Verwaltungsrat der spätern Kantonalbank, zu deren Gründung er die Initiative ergriffen hatte. Pfyffer war die bedeutendste Führerpersönlichkeit der Luzerner Liberalen im 19. Jahrhundert. Er galt als der unbestrittene Kopf und Fachmann in juristischen, finanzpolitischen und staatswirtschaftlichen Belangen in Kanton und Eidgenossenschaft. Neben seiner reichen publizistischen Tätigkeit wirkte er vornehmlich als Jurist, Gesetzgeber und Historiker. 1850 erschien bei Orell Füssli in Zürich seine zweibändige "Geschichte der Stadt und des Kantons Luzern" und 1858/59 gab der Verlag Huber in St. Gallen und Bern die heute noch viel gebrauchte 2-bändige Ausgabe in der Sammlung "Gemälde der Schweiz" "der Kanton Luzern, historisch-geographisch-statistisch geschildert" heraus. Kasimir Pfyffer starb am 11.11.1875 in Luzern. [Ξ]

198 Alois Lütolf

Als ältester von 9 Geschwistern wurde er am 23.6.1824 in Gettnau geboren. Sein Vater war Dorfschmied in Nebikon, wo Alois die Volksschule besuchte. An den Gymnasien in Schwyz und Luzern holte er sich sein humanistisches Rüstzeug. Als Student wurde er für den Sonderbundskrieg 1847 eingezogen. Im gleichen Jahr begann er seine theologischen Studien in Freiburg i.Br., die er 1850 in München abschloss. In Solothurn wurde er 1850 zum Priester geweiht. 1853-56 war er als Lehrer für Geschichte an der Kantonsschule in St. Gallen tätig. 1856 bekam er die Pfarrpfründe an der Sentikirche in Luzern. Hier fand er Zeit für historische und theologische Publikationen. 1864 wurde er vom Bischof zum Subregens ans Priesterseminar in Luzern berufen.

1865 erschien seine Sammlung der "Sagen, Gebräuche und Legenden aus den fünf Orten", die grosse Anerkennung fand und heute noch als Quelle volkskundlicher Forschung dient. Ab 1862 wurde Lütolf geschätzter Mitarbeiter am schweizerischen "Idiotikon". 1863 redigierte er mit Prof. Suppiger das "Kirchenblatt der kath. Schweiz". Nach dem Tode von J.E. Kopp übernahm Lütolf dessen wissenschaftlichen Nachlass zur weiteren Bearbeitung. 1868 ernannte ihn Bischof Lachat zum Professor für Kirchengeschichte und Archäologie an der theol. Fakultät Luzerns. Im gleichen Jahr wurde er als Chorherr des Stiftes St. Leodegar gewählt. Für sein reiches literarisches und wissenschaftliches Schaffen erhielt er 1870 von der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich den Ehrendoktor der Philosophie und von der Universität Tübingen den Ehrendoktor der Theologie.

Alois Lütolf starb nach kurzer Krankheit am 8.4.1879. [Ξ]

199 Josef Schneller

Er war am 19.12.1801 in Zürich geboren. Sein Grossvater war Baumeister in Strassburg und erhielt das dortige Bürgerrecht. Der Vater emigrierte 1791 in die Schweiz und war hier als Steinmetz tätig. 1799 kam er von Zürich nach Luzern, wo er als Bauinspektor amtete. Sein Sohn Josef absolvierte die Studien in Luzern, Freiburg i.Br. und Strassburg, Im dortigen Priesterseminar erhielt er die niederen Weihen. Rechtliche Zustände hinderten ihn am Empfang der Priesterweihe, sodass er zeitlebens Subdiacon blieb. Nach Luzern zurückgekehrt studierte er vor allem Geschichte und Altertumskunde. 1837 wurde er zum Stadtarchivar ernannt. Infolge seiner langjährigen Leistungen erhielt er 1872 das Stadt- und Kantonsbürgerrecht. 1844 wurde Schneller als Nachfolger von Josef Eutych Kopp Präsident des 1843 gegründeten "Historischen Vereins der fünf Orte". Dieses Amt hatte er mit einer kurzen Unterbrechung volle 30 Jahre bis 1876 inne. 1877 ernannte ihn der Verein zum Ehrenpräsidenten.

Schneller veröffentlichte mit Spitalpfarrer Marzohl eine fünfbändige "Liturgia sacra" und redigierte als Präsident des Vereins der fünf Orte den "Geschichtsfreund", in dem er ca 80 kleinere und grössere Artikel und Abhandlungen und über 1000 Urkunden und Regesten publizieren liess. Schneller war ein unermüdlicher Forscher und Materialsammler der schweizerischen und besonders der luzernischen Geschichte. Seine Quellenpublikationen sind für die Geschichtsforschung noch heute von grossem Wert.

Schneller starb nach kurzer Krankheit am 19.12.1879. [Ξ]

200 Josef Ineichen

Er wurde am 18.2.1792 in Hochdorf geboren. Sein Vater war dort Möbelschreiner. 1801 siedelte dieser mit seiner Familie nach Luzern über. So konnte Josef nach den Volksschulen das Gymnasium und Lyceum besuchen. Nach der Matura begab er sich nach Genf, um dort Privatunterricht zu erteilen. 1817 fand er eine Anstellung als Hilfslehrer in einem Genfer Privatinstitut. Auf Verwenden von Eduard Pfyffer erhielt er ein Staatsstipendium, um sich als Lehrer für Mathematik und Physik ausbilden zu lassen. Auf den Universitäten in Göttingen und Paris erwarb er sich das notwendige Fachwissen. 1823 kehrte er nach Luzern zurück, wo er am Gymnasium und Lyceum als Lehrer für Physik und Mathematik angestellt wurde, Er versah dieses Amt mit grossem Erfolg während 47 Jahren bis 1870. Daneben besass er das Amt eines Konservators des physikalischen Kabinetts - seiner eigenen Schöpfung - in die er viel Geld und Zeit investierte. 1830 wurde Ineichen in den Erziehungsrat gewählt, dem er mit Unterbruch bis 1852 angehörte. 1828 bis 1841 sass er als Vertreter der liberalen Partei im Grossrat und 1832 wurde er Mitglied des Grossen Stadtrates, dem er bis 1862 angehörte. Eben solange war er Mitglied des Sanitätsrats. 1833 bis 1881 war er Mitglied der Mass- und Gewichtskommission und 1852 bis 1862 Mitglied der topographischen Kommission.

Besondere Verdienste errang sich Ineichen auf dem Gebiet der Mass- und Gewichtsverhältnisse des Kantons. Im Auftrag der Regierung gab er die "Mass- und Gewichtstabellen" und später die "Amtlichen Reduktionstabellen" heraus. Er war auch Mitglied der schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft, die er mehrfach präsidierte. Josef Ineichen starb im hohen Alter von 89 Jahren am 22.4.1881 in Luzern. [Ξ]

201 Anton Wapf

Als Aeltester von fünf Kindern wurde er am 29.12.1824 in Neudorf geboren. Nach dem Willen seines Vaters sollte er Bauer werden. Als Autodidakt eignete er sich selbst ein grosses Wissen an. Nach der Rekrutenschule (1842) beteiligte er sich an den Freischarenzügen. Die Regierungstruppen zwangen ihn beim 2. Freischarenzug auf ihrer Seite mitzukämpfen. Nach dem Sturz des Sonderbundes 1847 wurde er landwirtschaftlicher Verwalter der Strafanstalt in Luzern. Vorübergehend weilte er kurze Zeit in der Westschweiz, um die französische Sprache zu erlernen. Nach Luzern zurückgekehrt, ernannte man ihn zum Verwalter am Chorherrenstift in Beromünster, wo er sich 1856 das Gasthaus zur Sonne erwarb. 1863-69 gehörte er dem Nationalrat als Vertreter der liberalen Partei an. 1867 wurde er in den Regierungsrat gewählt, wo ihm das Polizeidepartement übertragen wurde. 1870 amtete er als Schultheiss des Standes Luzern. Mit dem Sturz der liberalen Regierung 1871 schied er aus dem Regierungsrat aus. Daraufhin kaufte er sich in Luzern das Gasthaus "Zur Post". Von 1871 bis zu seinem Tod gehörte er dem Grossen Rat an und von 1875-83 war er Mitglied des "Engern Stadtrates". Wapf betätigte sich zeit seines Lebens als eifriger Volksschriftsteller. Seine vielen Publikationen waren meist geschichtlichen und volkskundlichen Inhalts. 1879-82 war er nebenamtlicher Redaktor des "Eidgenossen". Er starb nach kurzer Krankheit am 18.9.1884. [Ξ]

202 Josef Zelger

Josef Zelger wurde am 12.2.1812 in Stans geboren. Sein Vater, Nachkomme eines alten nidwaldnerischen Landammännergeschlechtes, war Offizier in spanischen Diensten und starb schon 1818. Die Mutter zog mit ihren beiden Söhnen 1824 nach Luzern, wo Josef Zelger beim Malerautodidakt J.B. Marzohl den ersten Zeichen- und Malunterricht erhielt. 1828 kehrte die Familie wieder nach Stans zurück. Zeiger besuchte von dort aus das Kollegium in Engelberg, 1830 reiste er nach Genf, wo er beim bekannten Künstler Francois Diday seine Studien fortsetzte. Alexander Calame war sein etwas älterer Mitschüler. Nach Stans zurückgekehrt, heiratete er Josefine Christen vom "Hochhus" in Wolfenschiessen. Die politischen Verhältnisse in der Innerschweiz (Freischaren und Sonderbund) hielten ihn von der Ausübung seiner Kunst ab. Erst nach dem Tod seiner Gattin nahm er seine künstlerische Tätigkeit wieder auf. Seine Studien in den Alpen und im Hochgebirge fanden Anklang. So schickte er seine Bilder mit Erfolg auf verschiedene schweizerische Ausstellungen. Eine Studienreise führte ihn über Brüssel nach England, 1851 liess er sich dauernd in Luzern nieder. 1852 verheiratete er sich in zweiter Ehe mit Josefine Schumacher, einer Tochter von Oberst Schumacher- Utenberg. Von seinen vielen Studienreisen, vorallen im Engadin und im Wallis, brachte er Werke nach Hause, die ihm Erfolg und Ansehen verschafften. Seine Bilder aus der Alpenweit fanden den Weg in schweizerische und ausländische Museen und Sammlungen. 1857 reiste er nach Paris, wo er die Impressionisten Corot und Troyon kennen lernte, ohne sich von diesen beeinflussen zu lassen. [Ξ] Als 1868 die Königin Viktoria von England Luzern besuchte, erhielt Zeiger von ihr den Auftrag für sechs Oelbilder und zwei Aquarelle, Jost Muheim, Niklaus Pfyffer und für kurze Zeit auch Robert Zünd waren seine Schüler und liessen sich von ihm mehr oder weniger beeinflussen. Eine Lähmung seines Armes liess ihn seine künstlerische Tätigkeit fast ganz aufgeben. Zelger starb am 25.6.1885 in Luzern. Er hatte in der Zeit zwischen 1831 bis zu seinem Tode über 400 Gemälde, zahlreiche Zeichnungen und Aquarelle geschaffen. So war er einer der erfolgreichsten Luzerner Künstler des 19. Jahrhunderts. Er bezeichnete sich zum Unterschied vom Realisten Zünd als Naturalist, der in seinen Bildern "die Natur einfach wahr, so viel als nicht maniriert, weich in Formen wiederzugeben versucht, mehr den Totaleindruck vom Bilde suchend als die Details." [Ξ]

203 Philipp Anton Segesser von Brunegg

(auch Anton Philipp). Er wurde am 5.4.1817 in Luzern aus altem aristokratischem Geschlecht geboren. Sein Vater war Staatsarchivar und Grossrat. Philipp Anton trat schon mit 11 Jahren von den Volksschulen ins Gymnasium über. Nach dem Lyceum zog er 1837 an die Universität nach Heidelberg, um sich dem Studium der Rechte zu widmen. Weitere Semester folgten in Bonn und Berlin. 1840 zog er über Wien nach München, wo er seine Studien mit dem Doktorat abschloss. 1841 bestand er in Luzern das Staatsexamen als Rechtsanwalt. Nach einem Aufenthalt in Paris wurde er 1841 zweiter Staatsschreiber in Luzern. Im Sonderbundskrieg diente er als Bürochef von Oberst Elgger. Nach der Niederlage der Konservativen erwarb sich Segesser das Gut "Holzhof" in der Gemeinde Emmen. In der ländlichen Stille schuf er sein Monumentalwerk, die vierbändige "Rechtsgeschichte der Stadt und Republik Luzern". 1848 wurde er als Vertreter der konservativen Partei in den Nationalrat gewählt, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Mit kurzen Unterbrüchen war er auch 1851-71 Mitglied des Grossen Rates. 1863-67 und 1871-88 sass er in der kantonalen Regierung, der er dreimal als Schultheiss vorstand. Neben seiner Rechtsgeschichte veröffentlichte Segesser in den Jahren 1859-75 seine "Studien und Glossen zur Tagesgeschichte", in denen er freimütig Stellung nahm zur Tagespolitik in Kirche und Staat. 1880/82 erschien das vierbändige Werk "Ludwig Pfyffer und seine Zeit" und 1837 gab er Rechenschaft über sein Leben mit dem Buch "Fünfundvierzig Jahre im luzernischen Staatsdienst." Philipp Anton Segesser war als Jurist, Publizist, Historiker und Politiker der führende Kopf der damaligen luzernischen und schweizerischen Konservativen und Föderalisten. Er starb am 30.6.1888. [Ξ]

204 Martin Knüsel

Martin Knüsel wurde als Sohn wohlhabender Eltern am 6.2.1813 in Luzern geboren.

Nach dem Besuch der Schulen seiner Vaterstadt studierte er an den Universitäten in Heidelberg und Göttingen die Rechte. Seine berufliche Laufbahn als Advokat begann er 1839. 1840 wurde er Kriminalrichter und von 1841-52 amtete er als Staatsanwalt des Kantons Luzern. Nach dem Sonderbund 1847 kam er in den Grossen Rat. 1852 wurde er als Nachfolger von Robert Steiger in den Regierungsrat gewählt. Er präsidierte diesen 1853- 1855. 1854 wählte ihn das Volk als Vertreter der Liberalen in den Nationalrat. 1855 erfolgte seine Wahl in den Bundesrat, in dem er in der Folge allen Departementen vorstand. 1860 und 1866 war er Bundespräsident. 1875 demissionierte er als Bundesrat und zog sich nach Luzern zurück. Hier wirkte er in zahlreichen gemeinnützigen Institutionen. Als Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft Luzerns und als Initiant der Gründung von Erziehungsanstalten erwarb er sich besondere Verdienste für seine Vaterstadt.

Martin Josef Knüsel war der erste luzernische Bundesrat, Als gemässigt liberal stand er vermittelnd zwischen den Parteien. Er starb kinderlos am 14.1.1889 in Luzern im Alter von 75 Jahren. [Ξ]

205 Alphons Pfyffer von Altishofen

Als sechster Sohn von Heinrich Pfyffer und der Theresia von Moos wurde Alphons am 12.10.1834 auf Schloss Altishofen geboren. Mit seinen Eltern zog Alphons nach München und Augsburg, wo sein Vater in "Hard" ein grosses Landgut übernahm. Nach dem Besuch der Schulen in München und Augsburg absolvierte Pfyffer ein Architekturstudium am Polytechnikum in München. Als 18-Jähriger trat er 1852 in das Schweizerregiment der königlich-neapolitanischen Armee ein. Unter dem Kommando von Oberst Göldlin von Sursee machte er als Oberlieutenant 1860 den Feldzug zug gegen Garibaldi mit. Beim Gefecht von Volturno und bei der Belagerung von Gaeta zeichnete er sich durch besondere Tapferkeit aus. Beim Zusammenbruch des Königrechs Neapel kehrte Pfyffer in seine Heimat zurück.

Nach seiner Heirat mit Mathilde Segesser, der Tochter von Oberst Eduard Segesser (Erbauer des Hotels Schweizerhof), baute er im Auftrag seines Schwiegervaters die Hotels "Luzernerhof" und. "National", deren Leitung er persönlich übernahm und trotz grosser Schwierigkeiten zu hoher Blüte führte. 1861 wurde Pfyffer Hauptmann im eidgenössischen Generalstab. Die Grenzbesetzung 1870/71 sah ihn als Adjudant des Generalstabchefs Paravicini. 1875 wurde er Kommandant der 8. Brigade, 1877 Kommandant der 8. Division und 1882 schliesslich Generalstabschef der eidgenössischen Armee. Als solcher erwarb er sich durch zahlreiche Verbesserungen in der Landesverteidigung und durch seinen unermüdlichen Einsatz grosse Verdienste.

Er starb am 12.1.1890 in seinem 56. Lebensjahr. [Ξ]

206 Josef Zingg

Aus einem alten Meggergeschlecht stammend wurde Josef Zingg am 5.2.1828 in Meggen geboren. Nach den Volksschulen besuchte Zingg die Mittelschule in Beromünster, später das Gymnasium und Lyceum in Luzern. In Heidelberg, Berlin und Paris sutdierte er an dortigen Universitäten die Rechtswissenschaft. Nach dem Luzernischen Staatsexamen trat er in den Dienst der Regierungs kanzlei. 1858 wurde er Staatsschreiber des Kantons Luzern. Als solcher wurde er in das neu gegründete Gotthardkomitee abgeordnet. Mit der Materie und den Plänen der zu bauenden Gotthardbahn bereits gründlich vertraut, leistete er wertvolle Vorarbeit. 1863 wurde Zingg in den Regierungsrat gewählt, wo er zuerst das Baudepartement, dann ab 1869 das Finanzdepartement leitete. In der 1863 von Alfred Escher gegründeten Gotthardvereinigung war er der konsequente "Gotthardverfechter". 1871 bildete sich die Gotthardbahn-Gesellschaft, in der Zingg das Vicepräsidium übernahm.

1872-91 war Zingg Mitglied des Grossen Rates, den er 1886 präsidierte. 1872-78 wurde er als Liberaler in den Nationalrat gewählt. 1879 bis zu seinem Tod war er Direktionspräsident der Gotthardbahn, die er mit seiner zielbewussten Eisenbahnpolitik zur höchsten Blüte brachte. Unter seiner Aegide wurde das Verwaltungsgebäude in Luzern gebaut. Ebenso erreichte er die Einführung der Gotthardbahnlinie in den bereits bestehenden Bahnhof der Centralbahn.

Zingg starb während eines Kuraufenthaltes am 19.1. 1891 in Locarno. [Ξ]

207 Alois Fellmann

Alois Fellmann wurde am 11.1.1855 in Oberkirch geboren. Er stammte aus einer alten Bauernfamilie und war das drittjüngste von acht Kindern. 1861 starb sein Vater im Alter von 39 Jahren. Die Mutter leitete tatkräftig den grossen Hof. Alois besuchte die Schulen in Oberkirch und Sursee. Beim Bildhauer Sales Amlehn erhielt er den ersten Zeichenunterricht. 1872 zog Fellmann nach Stans, wo er unter der Aufsicht von Paul Deschwanden im Atelier des Malers Carl Georg Kaiser arbeitete. 1874 trat Fellmann in die Zeichenschule in Luzern ein. Hier wurde er Schüler von Seraphin Weingartner, dem späteren Direktor der Kunstgewerbeschule. Auf den Rat von Weingartner zog Fellmann 1874 an die Kunstakademie nach Düsseldorf. Unter der Leitung bekannter Professoren bildete er sich rasch zum Kunstmaler aus, der seinen eigenen Weg früh selber suchte und fand. Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Die letzte Ehre", "Das Gelübde" und "Der Palmsonntag". Letzteres Gemälde befindet sich im Kunstmuseum in Luzern, während die übrigen Werke in ausländischen Galerien zu suchen sind. 1889 verehelichte sich Fellmann mit einer Tochter aus vornehmem Düsseldorfer Geschlecht, die ihm zwei Kinder schenkte. Von vielen Krankheiten geschwächt, starb Alois Fellmann im Alter von 37 Jahren am 9.3.1892 in Düsseldorf, Mit ihm starb ein vielversprechendes Talent. Eine glanzvolle Künstlerlaufbahn wäre ihm beschieden gewesen. [Ξ]

208 Franz Josef Kaufmann

Als Sohn eines Tierarztes wurde Franz Josef Kaufmann am 15.7.1825 geboren. Nach dem Besuch der Primarschulen schickte ihn der Vater nach Luzern, wo er sich an der Sekundarschule auf das Lehrerseminar vorbereiten sollte. Mit Untersützung seiner Stiefmutter konnte er in Beromünster das Lateinstudium beginnen. In Luzern vollendete er seine Gymnasialjahre, worauf er sich 1848 an der Universität in Zürich als Student der Medizin immatrikulierte. Daneben belegte er noch verschiedene Fächer der Naturwissenschaften. An der Universität in Berlin vollendete er sein Studium der Naturwissenschaften 1851/52 mit Auszeichnung. Anschliessend setzte er sein Studium der Medizin in Würzburg, Prag und Wien fort, um 1854 das Staatsexamen als-Arzt in Luzern zu bestehen. Im gleichen Jahr erhielt er an der Luzerner Kantonsschule die Professur für Naturgeschichte, was ihn bewog, die Laufbahn als Mediziner abzubrechen. Dieses Amt hielt er inne bis zu seinem Rücktritt 1892. 1865 wurde Kaufmann zum korrespondierenden Mitglied der geologischen Reichsanstalt in Wien ernannt. 1875 erhielt er den Ehrendoktor der Naturwissenschaften von der Universität in Bern und 1884 wurde er Ehrenmitglied des schweizerischen Alpenklubs. 1863 war Kaufmann Mitglied des luzernischen Sanitätsrates und 1865 bis 1891 Mitglied der kantonalen Kommission für Mass und Gewicht. Während seiner 38-jährigen Lehrtätigkeit machte sich Kaufmann einen Namen im In- und Ausland durch seine zahlreichen Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Geologie. Seine Forschungen, so die Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz mit der Lieferung über den Pilatus und seine geologischen Arbeiten über das Gebiet der Rigi haben heute noch ihren Wert. Franz Josef Kaufmann starb am 19.11.1892 in Luzern. [Ξ]

209 Franz Xaver Schwytzer von Buonas

Franz Xaver Schwytzer wurde am 15.5.1812 als Sohn des Stabshauptmanns Franz Emanuel in Luzern geboren. Bei den Franziskanern in Luzern erhielt er den ersten Schulunterricht. Bei: den Zisterziensern in St. Urban und bei den Jesuiten in Freiburg/CH und Solothurn holte er sich seine humanistische Ausbildung. In Genf und Paris studierte er die technnischen Wissenschaften. Auf Reisen durch Belgien, Holland und Deutschland eignete er sich praktische Erfahrungen an. Nach bestandener Staatsprüfung als Ingenieur in Zürich wurde er 1837 zum Kreisingenieur dieses Kantons ernannt. 1843 holte man ihn als Kantonsingenieur nach Luzern. Die damalige politische Lage erschwerte seine Stellung erheblich. Als Batteriekommandant machte er die Züge gegen die Freischaren mit. Nach der Niederlage des Sonderbundsliess er sich als Sektionsingenieur bei der Centralbahn anstellen. 1853 gab er diese Stellung auf und zog sich ins Privatleben zurück. Er machte sich indes bekannt durch zahlreiche geschichtliche Studien, die er zum Teil im "Geschichtsfreund" veröffentlichen konnte. Als Präsident des Ingenieur- und Architektenvereins, der Kunstgesellschaft, der Witwen- und Waisenstiftung schuf er sich besondere Verdienste. Als Vorsteher der Bürgerbibliothek, die ihm zahl- reiche Schenkungen zu verdanken hatte, sei er hier besonders erwähnt.

Franz Xaver Schwytzer von Buonas starb am 10.11.1893 im hohen Alter von 82 Jahren. [Ξ]

210 Anton Tanner

Anton Tanner wurde am 22.8.1807 als Kind armer Eltern in Arth geboren. Nach der Volksschule erhielt er Privatunterricht in den Gymnasialfächern bei P. Gregor Strebel, der damals Pfarrer in Abtwil war. Bei Kaplan Hürlimann, der in Cham eine ähnliche Schule führte, erhielt er weitern Unterricht, um 1824 am Lyceum in Luzern seine Gymnasialstudien fortzusetzen. 1826 trat Tanner in das Priesterseminar ein. 1827 bezog er die Universität Tübingen, um sein theologisches Studium dort zu beenden. 1831 wurde er in Chur zum Priester geweiht. Anschliessend übernahm er eine Lehrstelle an der Sekundarschule in Hitzkirch. 1834 erhielt er eine Stelle als Religionslehrer am Gymnasium in Luzern. 1847-51 war er Klassenlehrer für Rhetorik. 1851 wurde er Professor der Theologie und zwar der Apologetik und Dogmatik, nachdem er schon 1843 zum Chorherr des Stiftes St. Leodegar gewählt worden war. Während seiner langjährigen Lehrtätigkeit veröffentlichte er mehrere wissenschaftliche Werke, die ihm u.a. den Ehrendoktor der Theologie der Universität Freiburg i.Br. einbrachte 1865-75 gehörte er dem luzernischen Erziehungsrat an. Zugleich war er während mehreren Jahren Inspektor an der Kantonsschule in Luzern. 1865 wurde er zum bischöflichen Kommissär ernannt und 1386 erhielt er die Würde eines Domherrn in Solothurn. Mit Anton Tanner starb am 22.11.1893 ein an "Geist und Gelehrsamkeit" besonders ausgezeichneter Priester und Theologe. [Ξ]

211 Felix von Schumacher

Als jüngerer Sohn des Regierungsrates Josef Anton Schumacher wurde Felix am 14.7.1814 in Luzern geboren. Schon mit 19 Jahren trat er beim 1. Schweizerregiment in Neapel als Leutenant ein. 1846 rief ihn die Regierung von Luzern in die Heimat zurück. Nach dem Sonderbundskrieg, den er bei den regierungstreuen Truppen mitmachte, kehrte er wieder nach Neapel zurück. Nach den Strassenkämpfen in Neapel, wo der König mit Hilfe der Schweizerregimenter die Republikaner besiegte, erhielt Schumacher für seine Tapferkeit den Hauptmannsrang und verschiedene Orden. Mit König Franz II., der inzwischen die Herrschaft seines Vaters übernommen hatte, erwies er sich als treuer Verfechter der Monarchie, die den garibaldischen Truppen nicht standhalten konnte. 1860 machte Schumacher den Feldzug von Volturno mit. Bei der Verteidigung der Festung Gaeta tat sich der inzwischen zum General avancierte Schumacher durch Tapferkeit und strategisches Geschick hervor. Seine Verdienste wurden durch Orden und durch die Verleihung des Adelstitel besonders belohnt. Nach der Kapitulation von Gaeta kehrte von Schumacher in seine Vaterstadt zurück. Hier wirkte er noch über dreissig Jahre in gemeinnützigen und industriellen Unternehmungen segensreich mit. Felix von Schumacher starb hochbetagt auf seinem Landgut Schönbühl am 19.10.1894. [Ξ]

212 Joseph Vonmatt

Er wurde am 23.5.1815 in Luzern geboren. Sein Vater war Uhrenmacher und stammte aus einem alten Nidwaldnergeschlecht, von dem sich 1803 ein Zweig in Luzern einbürgerte. Nach dem Besuch der Stadtschulen ging Vonmatt in die damals bekannte Lateinschule des Klosters St. Urban, um seine Gymnasialstudien an der Kantonsschule in Luzern zu beenden. 1836-39 studierte er an der Universität Jena Rechtswissenschaft. Nach seiner Rückkehr erwarb er sich das Patent als Fürsprech und eröffnete in Hochdorf ein Advokaturbüro. 1844/45 beteiligte er sich an den Freischarenzügen, konnte aber einer Gefangenschaft entgehen. 1848 wurde er Kriminalrichter (Präsident 1852-71). 1856 erfolgte seine Wahl in den Nationalrat, dem er bis zu seinem Tode angehörte. 1857 wurde er in den Grossrat gewählt, dessen Mitglied er ebenfalls bis zu seinem Lebensende war und dessen Gremium er mehrmals präsidierte. 1858 war er für ein Jahr im engern Stadtrat. Dem Grössern Stadtrat und dem Ortsbürgerrat gehörte er bis zu seinem Ableben an, 46 Jahre wirkte er als Mitglied und langjähriger Präsident der Schützengesellschaft der Stadt Luzern. Durch diese Tätigkeit und durch sein vielseitiges Wirken in charitativen und fürsorglichen Organisationen erwarb er sich in weiten Kreisen der Bevölkerung grosses Ansehen, Er starb am 11.10.1894 im Alter von 79 Jahren. Nach ihm ist die Vonmattstrasse in Luzern genannt. [Ξ]

213 Leodegar Coraggioni

Leodegar Coraggioni wurde am 17.1.1825 in Luzern geboren. Sein Vater war zeitweise kantonaler Postdirektor und stammte aus einem alten Tessinergeschlecht, das aus dem Maggiatal in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach Luzern kam und 1659 sich das Bürgerrecht von Luzern erwarb. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung trat Leodegar Coraggioni als Kassier in den Dienst der "Bank in Luzern". 1861 wurde er zum Direktor dieser Bank gewählt. 1890 demmissionierte er krankheitshalber, um bis zu seinem Tode Präsident des Bankrates zu bleiben. Ebensolange war er Präsident der Rigibahn. 1859 war er Kommandant des Luzerner Bataillons Nr. 13.

Coraggioni erwarb sich besondere Verdienste als Numismatiker. 1895 erschien in einem Genfer Verlag seine "Münzgeschichte der Schweiz", die heute noch ihren Wert besitzt.

Leodegar Coraggioni starb am 25.7.1900 im 75. Altersjahr in Luzern. [Ξ]

214 Heinrich Viktor von Segesser (Segesser von Brunegg)

Aus altem Luzernergeschlecht stammend wurde Heinrich Viktor von Segesser am 17.8.1843 in Luzern geboren. Sein Vater war Mitbegründer und Verwalter der Dampfschiffgesellschaft des Vierwaldstättersees.

Nach den Besuch des Gymnasiums in Luzern und nach Sprachstudien in Freiburg/CH zog er 1862 an die Universität in München, wo er vor allem dem Studium der Kunstgeschichte oblag. In Besançon und Paris eignete er sich die praktischen Kenntnisse als Architekt an. 1871 eröffnete er mit Architekt Karl Balthasar als Associé in Luzern ein Architekturbüro. Zusammen führten sie eine Reihe von Bauten aus, so u.a. die Hotels Europe und St. Gotthard. 1880 war er für kurze Zeit in Russland. Nach Luzern zurückgekehrt, schuf er die Pläne für das Kantonsschulgebäude am Hirschengraben, nachdem er zuvor schon die Pläne für das Museggschulhaus entworfen hatte. 1886 erhielt er den Auftrag für den Bau einer Festbühne zur 5. Säkularfeier der Schlacht bei Sempach. Im weiteren schuf er eine Anzahl von Projekten und Restaurationen von profanen und kirchlichen Bauten. Sein letzter und bedeutenster Bau war die Errichtung der katholischen Dreifaltigkeitskirche in Bern, die er nach dem Vorbild von St. Zeno in Verona erstellte. Im Militärdienst avancierte von Segesser rasch zum Oberst. 1892 wurde er mit dem Rang eines Oberstdivisionärs zum Kommandanten der Gotthardbefestigung ernannt. Dieses Amt hielt er bis 1899 inne.

In Luzern war von Segesser während zwanzig Jahren Verwalter und Präsident der Korporationsgemeinde, des Armen- und Waisenrats, sowie für längere Zeit Präsident der Kunstgesellschaft. Seine letzten Jahre verbrachte er in Cham auf Schloss St. Andreas. Er starb dort am 27.11.1900. [Ξ]

215 Otto Suidter

Otto Suidter wurde am 3.5.1833 als ältester Sohn eines Apothekers in Luzern geboren.

Die Familie Suidter stammte aus Frick im Aargau und kam 1827 nach Luzern, wo der Grossvater von Otto Suidter im Haus seiner zweiten Frau eine Apotheke gründete. Nach Absolvierung der Schulen seiner Vaterstadt studierte er an den Universitäten von Bern, Genf und Montpellier nebst naturwissenschaftlichen Fächern Pharmazeutik. In Zürich bestand er nach dem Praktikum die Prüfung als Apotheker, um sogleich nach dem Tode seines Vaters die Apotheke in Luzern zu übernehmen. 1866-73 war Otto Suidter Mitglied des Bezirksgerichts. 1877-91 gehörte er dem Grossen Rat und 1879-87 dem Grossen Stadtrat an. Seit 1888 war er Mitglied des Sanitätsrates. Auch war er langjähriges Mitglied des Bankrates der "Bank in Luzern", Als Korporationsbürger war er Mitglied der Bürgerbibliothek-Kommission, die er seit 1891 präsidierte. Als Mitbegründer der Sektion Luzern der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft leitete Suidter 1869-96 die luzernische Sektion als Präsident. Im Fachorgan dieses wissenschaftlichen Vereins veröffentlichte Suidter seine wissenschaftlichen Arbeiten, die ihn in den Fachkreisen bekannt machten.

Otto Suidter starb nach längerem Leiden am 7.2.1901 in Luzern. [Ξ]

216 Friedrich Wüest

Er wurde am 1.5.1843 in Dagmersellen geboren. Der Vater war dort Gerichtspräsident. An der Realschule in Luzern bereitete sich Friedrich Wüest auf den Besuch des Polytechnikum in Zürich vor, wo er sich zum Architekten ausbilden liess. 1864 wurde er zum Oberschreiber des Baudepartements des Kantons Luzern ernannt. 1867-71 war er luzernischer Hochbauinspektor. 1866-71 und 1891-1902 gehörte Wüest dem Grossen Stadtrat an. 1871-91 war er Mitglied des Kleinen Stadtrates. 1890/91 war er Stadtpräsident. 1875-1902 wählte ihn das Volk als Vertreter der freisinnigen Partei in den Nationalrat. Als solcher trat er erfolgreich für die eidgenössischen Subventionierung des Gewerbeverbandes und die Errichtung des ständigen Sekretariates ein. 1889-98 war er Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Handel und Industrie. 1884/85 amtete er als Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes. 1891 wählte ihn der Verwaltungsrat der Gotthardbahn als Direktionsmitglied. Als solcher leitete er die Hochbau-Abteilung und das Expropriationswesen, seit 1897 den kommerziellen Dienst. Die Stadt Luzern hat ihm vor allem die heutige noch bestehende Wasserversorgung zu verdanken. Die Verlegung des alten Friedhofs in das sogenannte Friedental ist sein Verdienst. Friedrich Wüest starb am 14.2.1902 in Luzern. [Ξ]

217 Alois Räber

Alois Räber wurde am 4.3.1834 in Luzern geboren. Er stammte aus einer alten Ebikonerfamilie. Nach dem Besuch der städtischen Schulen und der Kantonsschule studierte er in Heidelberg Rechtswissenschaft. 1858 bestand er in Luzern das juristische Staatsexamen. Das Praktikum absolvierte er auf der Kanzlei des Bezirksgerichts Habsburg. 1863 wurde er zum Bezirksgerichtsschreiber gewählt. Dieses Amt bekleidete er auch als er 1873 zum Kriminalrichter avancierte. Erst mit der Wahl zum Kriminalgerichtspräsidenten 1885 trat er als Gerichtsschreiber zurück. 1870 wählte ihn das Volk als Vertreter der konservativen Partei in den Grossen Rat, dem er bis zu seinem Tod angehörte. Er präsidierte diesen in den Jahren 1877, 1882 und 1892. 1876-81 war er Mitglied des Nationalrates. Eine Wiederwahl lehnte er aus persönlichen Gründen ab. Bis zu seinem Tode blieb er "der Präsident" des Kriminalgerichts.

Er starb am 11.2.1905 in Luzern. [Ξ]

218 Josef Zemp

Josef Zemp wurde am 2.9.1834 in seiner Heimatgemeinde Entlebuch als ältester Sohn von 11 Kindern des Gerichtsschreibers Jost Zemp geboren. Die Zemp gelten als ein altes Entlebuchergeschlecht. Nach den Volksschulen in Entlebuch erhielt er seine humanistische Ausbildung am Gymnasium und Lyceum in Luzern. 1856-59 studierte er in Heidelberg und München die Rechtswissenschaft, die er in Heidelberg mit dem Doktorat abschloss. 1860 eröffnete er in Luzern und Entlebuch ein Anwaltsbüro. Für kurze Zeit versah er das Amt eines Verhörrichters. 1863 wurde er in den Grossen Rat gewählt, dem er bis zu seiner Wahl in den Bundesrat angehörte. 1871 wurde er Mitglied des Ständerates, wechselte aber im folgenden Jahr in den Nationalrat hinüber. 1876 demissionierte er als solcher, um 1881-91 erneut diesem Gremium anzugehören. 1891 war er Präsident des Nationalrates, um im gleichen Jahr als erster Katholisch-Konservativer in den Bundesrat gewählt zu werden. 1895 und 1902 bekleidete er das Amt eines Bundespräsidenten. Als Vorsteher des Post- und Eisenbahndepartementes war die Verstaatlichung der schweizerischen Bundesbahnen sein besonderes Verdienst. Kurz nach dem Rücktritt aus dem Bundesrat starb Josef Zemp am 8.12.1908 in Bern. [Ξ]

219 Christoph Schnyder

Christoph Schnyder wurde am 29.3.1826 in Sursee geboren. Hier besuchte er die Primarschulen und das Progymnasium. In Luzern und Solothurn setzte er die Gymnasialstudien fort. In München studierte er am Konservatorium. Ohne seine Studien abzuschliessen, liess er sich 1849 als Musiklehrer am Lehrerseminar Rathausen wählen. 1856 ernannte ihn der luzernische Kantonalgesangverein zum Direktor. 1864 folgte er einem Rude nach Glarus, wo er bis 1874 die Leitung des dortigen Männerchors Frohsinn, des Männerchors Schwanden und die Direktion des kantonalen Gesangvereins übernahm. Ausserdem amtete er als Organist an der Simultankirche in Glarus. 1874 wurde er als Gesangslehrer an die städtischen Mädchenschule Luzern gewählt. Er übernahm auch wieder die Direktion des kantonalen Gesangvereins. Bis 1885 leitete er die Liedertafel in Luzern, Bis zu seinem 80. Geburtstag blieb er der Schule treu. Nach 57-jähriger Lehrtätigkeit trat Schnyder in den Ruhestand. Die Stadt Luzern verlieh ihm für sein Schaffen das Ehrenbürgerrecht. In Würdigung seiner Verdienste als Komponist, Dirigent und Kampfrichter ernannte ihn der Eidgenössische Sängerverein zum Ehrenmitglied, Christoph Schnyder war vor allem als Chorkomponist weit über die Grenzen der Schweiz bekannt. Die Lieder dieses "Sängervaters" wurden in zahlreichen Gesangbüchern für Männer- und gemischte Chöre herausgegeben.

Christoph Schnyder starb am 11.7.1909 nach kurzer Krankheit in Luzern. [Ξ]

220 Josef Anton Schobinger

Josef Anton Schobinger wurde am 30.1.1849 in Luzern geboren. Sein Vater, einem angesehenen Luzerner Geschlecht entstammend, war Spitalverwalter in Luzern. Nach den Primarschulen besuchte Schobinger die Realschule, um sich dann in Chambéry in der französischen Sprache zu vervollkommnen. Am Polytechnikum in Zürich erhielt er die berufliche Ausbildung als Architekt. 1870 wurde er zum Kantonsbaumeister in Luzern ernannt. 1874 wurde der erst 25jährige Architekt vom Grossen Rat in die kantonale Regierung gewählt, wo er die Leitung des Baudepartementes übernahm. Hier war er massgebend beteiligt an den grossen kantonalen Erneuerungsbauten, u.a. in St. Urban, Rathausen, Hohenrain und am Kantonsspital. 1872–74 gehörte er dem Grossen Rate an und 1888–1908 war Schobinger als Vertreter der Konservativen im Nationalrat. 1908 wurde er als Nachfolger von Bundesrat Zemp in den Bundesrat gewählt. Hier war ihm aber nur eine kurze Amtsfrist beschieden, nachdem er fast sämtlichen Departenmenten vorgestanden war.

Josef Anton Schobinger starb am 27.11.1911 in Bern. [Ξ]

221 Julius Schnyder

Als Sprössling eines luzernischen Patriziergeschlechtes wurde er am 9.2.1830 in Sursee geboren. Sein Vater, Besitzer eines grossen landwirtschaftlichen Betriebes war zugleich Schaffner des Klosters St. Urban, das in der Region Sursee Güter besass. Julius Schnyder erhielt seine erste Schulbildung in Sursee. 1843 kam er ans Gymnasium in Luzern und nachher an die Universität von München, wo er Jurisprudenz und die Staatswissenschaft studierte, 1850 übernahm er in Sursee die väterliche Gutsverwaltung. 1855 wurde er in den Armen- und Waisenrat gewählt, um 1864-70 das Amt eines Gemeindepräsidenten auszuüben. 1857 wählte ihn das Volk als Vertreter der konservativen Partei in den Grossrat. 1871-91 sass er im Regierungsrat, wo er das Finanzdepartement verwaltete. 1885-86 war er auch Mitglied des Ständerates. Als Parteipolitiker war er massgebend beteiligt im "konservativen Komitee", das den entscheidenden Wahlkampf von 1871 vorbereitete. Die konservative Partei errang damals die Mehrheit im Kanton Luzern. 1873, 1877, 1880, 1886 und 1890 amtete Julius Schnyder als Schultheiss des Standes Luzern. 1871-90 war Schnyder Verwaltungsrat der Centralbahn, dann Präsident des Verwaltungsrates der Dampfschiffgesellschaft des Vierwaldstättersees, Verwaltungsrat der Vitznau-Rigibahn, der Kreditanstalt Luzern und der Eisenwerke von Moos. 1891 trat er ins Privatleben zurück, um sich in den Dienst der Gemeinnützigkeit zu stellen. Besondere Verdienste erwarb er sich als Gründer der Erziehungsanstalt Rathausen, sowie für den Ausbau dar Psychiatrischen Klinik St. Urban.

Julius Schnyder von Wartensee starb am 28.2.1913 in Luzern. [Ξ]

222 Eduard Huber

Eduard Huber wurde am 12.8.1879 in Grosswangen geboren. Schon als Knabe zeigte sich seine ausserordentliche Sprachbegabung. Er lernte Schreiben und Lesen bevor er zur Schule ging. In der Mittelschule Willisau und am Gymnasium in Solothurn holte er sich seine humanistische Ausbildung. Schon als Gymnasiast nahm er Unterricht in Hebräisch, Chaldäisch, Arabisch und Sanskrit. 1897 studierte Huber in Paris an der Sorbonne, an der Ecole des Langues orientales und am Collège de France. Mit 21 Jahren wurde er Mitglied der "Asiatischen Gesellschaft”, der die berühmtesten Orientalisten Frankreichs und Englands angehörten. Seit 1901 war die Ecole française d'Extrême-Orient, die 1902 von Saigon nach Hanoi verlegt wurde, die Stätte seiner Gelehrtentätigkeit. 1912 wurde er zum Professor der indochinesischen Philologie ernannt und lehrte vorübergehend an der Sorbonne. Am 6.1.1914 erlag er in Vinh-long (im damaligen Chochinchina) einem Fieberanfall. Huber hatte an die dreissig europäische und asiatische Sprachen beherrscht. Neben der Sprachwissenschaft galt sein besonderes Interesse der buddhistischen Literatur. Seine Ausgrabungen und Forschungsreisen führten ihn bis nach China, in die Mandschurei, nach Korea und Japan. [Ξ]

223 Theodor von Liebenau

Theodor von Liebenau wurde am 3.12.1840 in Luzern geboren. Sein Vater war Arzt in Luzern. Seine Mutter war Jakobea Pfyffer. Von den vier aus dieser Ehe hervorgegangenen Kindern war Theodor der letzte seines Geschlechts. Nach dem Besuch des Gymnasiums seiner Vaterstadt, studierte von Liebenau an den Universitäten in Innsbruck und München Geschichte. 1866 arbeitete er als Kanzlist auf dem Staatsarchiv in Luzern, 1871 wurde der Unterarchivar von Liebenau zum Staatsarchivar ernannt. 1905 wurde er durch ein Augenleiden zur Aufgabe seines Amtes gezwungen. Theodor von Liebenau starb am 16.5.1914. Während seiner 48jährigen Tätigkeit am Luzerner Staatsarchiv publizierte von Liebenau in der Tagespresse sowie in zahlreichen historischen Fachzeitschriften die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Forschung. Von seinen Schriften sind die wichtigsten zu nennen: "Das alte Luzern" (1881), "Die Schlacht bei Sempach" (1895), "Hans Holbein d.J., die Familie Hertenstein" (1888) und "Das Gasthof- und Wirtschaftswesen der Schweiz in älterer Zeit" (1890). [Ξ]

224 Hermann Heller

Er wurde am 28.1.1850 in Luzern geboren. Sein Vater war Arzt und als Grossrat und Nationalrat in der Politik stark engagiert. Hermann Heller studierte nach Beendigung seiner Gymnasialzeit die Rechtswissenschaft an den Universitäten in Basel, München und Heidelberg, wo er doktorierte, 1876 liess er sich in das Bezirksgericht Luzern wählen, das er seit 1877 präsidierte. Diese Stelle bekleidete er bis 1891, in welchem Jahr er als Nachfolger von Friedrich Wüest von der städtischen Wählerschaft zum Stadtpräsidenten gewählt wurde. Während 25 Jahren hat er an der Spitze des städtischen Gemeindewesens gestanden und in dieser Eigenschaft eine dominierende Stellung eingenommen. 1877-1917 war Heller Mitglied des Grossen Rates, den er 1900 präsidierte. 1891 bis zu seinem Tode gehörte er dem Nationalrat an. 1899 war er dessen Präsident und während längerer Zeit Vorsitzender der radikal-freisinnigen Fraktion der Bundesversammlung. 1896 war er Verwaltungsrat der Gotthard- wie der Centralbahn. Ebenfalls amtete er als Verwaltungsrat der Kreditanstalt Luzern. 1906-17 war er auch Bankrat der Schweizerischen Nationalbank. Als Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Handel und Industrie nahm er grossen Einfluss auf das wirtschaftliche Gedeihen von Stadt und Kanton Luzern. Der Verwaltung der Ortsbürgergemeinde gehörte Heller seit 1887 an und war seit 1891 bis zum Tode deren Präsident. Im Militärdienst erlangte er den Grad eines Oberstdivisionärs und übernahm das Kommando der Gottharddivision, später dasjenige der 4. Division. Hellers Verdienste für die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Luzern sind unbestritten. Hermann Heller starb nach längerer Krankheit am 25.6.1917 im Wylerbad bei Sarnen, wo er sich Linderung von seinem Leiden erhoffte. [Ξ]

225 Ernst Alphons Ducloux

Er wurde am 8.7.1850 in Rheinfelden geboren. Sein Vater war dort Gerichtspräsident. Auf dessen Wunsch absolvierte er eine kaufmännische Lehre. Nach dem deutsch-französischen Krieg begab er sich nach Frankreich, um in Lyon, Marseille, Montpellier, Cette und Paris als Kaufmann tätig zu sein. 1873 kam er nach Luzern, wo er zum Bürochef der Eidgenössischen Bank in Luzern ernannt wurde. 1878 gründete er mit W. Grübel die Weinhandlung und Agentur Grübel und Ducloux. 1881-93 war er Mitglied des Bezirksgerichts Luzern. 1883 wurde er in den Grossen Stadtrat und 1893 in den Engern Stadtrat berufen, um als Finanzdirektor, Schulverwalter und Stadtammann zu wirken. Bei der Einführung der neuen Gemeindeorganisation übernahm er 1899 die Direktion des Schulwesens, die er bis zu seinem Tode beibehielt. 1895-1911 war er Mitglied des Grossen Rates und der Staatsrechnungskommission. 1889 war Ducloux Mitbegründer der Gesellschaft für Handel und Industrie. Im gleichen Jahr gründete er den Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen. 1897 präsidierte er die Prüfungskommission des Kaufmännischen Vereins und 1906 wurde er Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft in Luzern, Weiter war er Präsident des Kantonalverbands luzernerischer Krankenkassen, der Verkehrskommission, der Erziehungsanstalt für katholische Knaben Sonnenberg ob Kriens, des Schweizerischen Kindergartenvereins, der Kranken- und Wochenpflege des Samaritervereins Luzern. Als Schuldirektor hat sich Ernst Ducloux bleibende Verdienste erworben. Ernst Ducloux starb an einer Herzlähmung am 8.12.1917 in Luzern [Ξ]

226 Johann Winkler

Johann Winkler wurde am 13.12.1845 in Luzern als Sohn des Fürsprechs und nachmaligen Regierungsrats und Ständerats Johann Winkler geboren. Sein Onkel war der bischöfliche Kommissär und Kirchenrechtler Dr. Joseph Winkler. Die Familie stammt aus Richensee im Seethal.

Nach den Gymnasialjahren studierte Johann Winkler die Rechtswissenschaft in Heidelberg, Leipzig und Zürich, wo er doktorierte.

1876 übernahm Winkler die Redaktion des "Luzerner Tagblatt"; 1871 eröffnete er mit seinem Schwager alt Oberrichter Xaver Bucher in Luzern ein Advokaturbüro. 1873-93 war Winkler Rechtskonsulent der Gotthardbahn. 1873 wurde er in den Grossen Rat gewählt, dem er bis zu seiner Wahl ins Bundesgericht angehörte. Während kurzer Zeit war er auch Mitglied des Grossen Stadtrates. 1893 wählte ihn die Bundesversammlung zum Bundesrichter. Als solcher musste er seinen Wohnsitz in Lausanne nehmen. 1901 und 1902 stand er dem Bundesgericht als Präsident vor. 1903 wurde ihm vom Bundesrat die Direktion des Zentralamtes für internationalen Eisenbahntransport übertragen. 1908 demissionierte er infolge einer schweren Erkrankung. Bundesrichter Johann Winkler starb am 5.1.1918 in Bern. [Ξ]

227 Seraphin Weingartner

Seraphin Weingartner wurde am 4.2.1844 in Luzern geboren. Noch als Schüler an der Kantonsschule nahm er beim Kunstmaler Jakob Schwegler Zeichen- und Malunterricht. 1862 zog er nach Düsseldorf an die dortige Kunstakademie, die er nach vierjährigem Aufenthalt mangels finanzieller Mittel wieder verliess. In Luzern erhielt er die Stelle eines Zeichenlehrers an der Kantonsschule und 1868 auch jene an der städtischen Knabenschule. 1876 gründete er nach dem Vorbild von Joseph Melchior Wyrsch die luzernische Kunstgewerbeschule, deren erster Direktor er wurde. 1917 zwang ihn ein Augenleiden zum Rücktritt von der Leitung der Kunstgewerbeschule, die er durch grossen Einsatz auf beachtliche Höhe gebracht hatte. Meingartner erwarb sich besondere Verdienste um das künstlerische Leben seiner Vaterstadt durch die Häuserfassadenmalerei nach Holbeinschen Muster. So bemalte er die Fassaden des Hotels zur Waage, des Zunfthauses zur Pfistern, das sogenannte "Dornacherhaus" u.a. mehr. Weingartner starb am 9.11.1919. [Ξ]

228 Anton Schürmann

Als Bürger von Ebikon wurde Anton Schürmann am 12.2.1832 in Luzern geboren. Nach dem Besuch der Primar- und Realschule arbeitete er 1847 für kurze Zeit auf der Kantonsbibliothek. 1848 wurde er auf der Amtskanzlei in Luzern angestellt. 1850 wurde er Substitut des Amtsschreibers, um etwas später als Verhörschreiber auf dem Statthalteramt zu wirken. 1852 wurde er zum Stadtschreiber gewählt, dessen Tätigkeit er bis 1907 ausübte. Die Stadt schenkte ihm zum 50. Amtsjahr das Bürgerrecht ehrenhalber. Schürmann war auch Mitglied des Grossen Ortsbürgerrates und gehörte eine Zeit lang der Kommission der Bürgerbibliothek an. Schürmann war schon als Knabe begeisterter Naturfreund und schrieb alles, was er sah und las in unzähligen Heften nieder. Als Alpinist bestieg er jedes Jahr den Pilatus mehrmals und brachte stets für seine Sammlungen seltene Funde nach Hause. Er war Initiant und Mitbegründer der Sektion Pilatus des SAC. 1902 ernannte ihn diese Sektion zum Ehrenmitglied. Die 166 handgeschriebenen Bände, die heute auf der Zentralbibliothek im Archiv liegen, zeugen vom Sammeleifer und von der Lebensarbeit dieses nimmermüden Stadtschreibers. Schürmann starb am 18.5.1920 in Luzern. [Ξ]

229 Joseph Düring

Joseph Düring wurde am 26.1.1860 in Luzern als Sohn eines Architekten geboren. Der Vater kämpfte als Artillerieoffizier im Sonderbund auf seiten der Regierung. Joseph Düring verlor schon in Jungen Jahren seine Eltern und zwei von drei Geschwistern. Nach dem Besuch der städtischen Schulen und des Gymnasiums in Luzern studierte Düring an den Universitäten in Innsbruck und Zürich Geschichte und Kunstgeschichte. 1884 kehrte er nach Luzern zurück, wo er gern eine Lehrstelle für Geschichte eingenommen hätte. 1886 wurde er zum Registrator auf der luzernischen Staatskanzlei ernannt, um zwei Jahre später die Stelle eines Staatsschreibers zu bekleiden. 1893 wurde er vom Grossen Rat zum Regierungsrat gewählt. Als solcher verwaltete er das Erziehungsdepartement, dem nebst dem Schulwesen auch die Verwaltung der staatskirchlichen Angelegenheiten unterstellt waren. In der Vereinbarung vom 18.5.1918 versuchte er eine Neuregelung der staatskirchlichen Verhältnisse im Kanton Luzern vorzubereiten. Das Uebereinkommen mit dem Vatikan trat infolge gesetzlicher Mängel nie in Kraft. 1896-1903 war Düring als Vertreter des Kantons Verwaltungsrat der Nordostbahn. 1919 bis zu seinem Tod war er Präsident des Verwaltungsrates der Dampfschiffgesellschaft des Vierwaldstättersees. 1908- 1920 gehörte er dem Ständerat an. Düring starb nach kurzer Krankheit am 28.2.1920. [Ξ]

230 Carl Spitteler

Als Sohn des basellandschaftlichen Landschreibers und nachmaligen eidgenössischen Staatskassiers wurde Carl Spitteler am 24.4.1845 in Liestal geboren. Auf Wunsch des Vaters studierte er in Basel Jurisprudenz, um sich dann in Zürich und Heidelberg der protestantischen Theologie zuzuwenden. Nach Abschluss dieser Studien löste er sich von jedem dogmatischen und kirchlichen Christentum und nahm 1871-79 in Russland eine Stelle als Erzieher im Hause eines finnischen Generals an. 1879/80 war er Lehrer an der Höheren Töchterschule in Bern, 1881-85 Lehrer in Neuville. Nun bestätigte er sich als Journalist, zuerst an der "Basler Grenzpost", 1887 an der "Thurgauer Zeitung" und 1890-92 als Feuilletonredaktor an der "Neuen Zürcher Zeitung". 1892 wurde er durch Erbschaft von seinen Schwiegereltern finanziell unabhängig und zog 1893 als freier Schriftsteller nach Luzern. Seine Werke brachten ihm Erfolg und Ehrungen. 1905 erhielt er den Ehrendoktor der philosophischen Fakultät der Universität Zürich. 1909 erhielt er das Ehrenbürgerrecht der Stadt Luzern. Sein Werk "Der Olympische Frühling” brachte ihm den Nobelpreis für Literatur (1919) und im gleichen Jahr erhielt er den schweizerischen Schillerpreis. "Prometheus, der Dulder" umreisst das Werk Spittelers und seinen geistigen Standpunkt am deutlichsten. Mit ihm ist einer der bedeutendsten Schweizer Epiker, Erzähler, Lyriker und Essayisten in die Literaturgeschichte des beginnenden 20. Jahrhunderts eingegangen.

Carl Spitteler starb am 29.12.1924 in Luzern. [Ξ]

231 Eduard Herzog

Er wurde am 1.8.1841 in Schongau geboren. Er besuchte von 1855-63 das Gymnasium in Luzern und machte dort auch seine theologischen Studien unter seinem Onkel Propst Leu. 1865-66 setzte er seine Studien in Tübingen und Freiburg i.Br. fort, um im gleichen Jahr ins Priesterseminar in Solothurn einzutreten. 1867 wurde er von Bischof Lachat zum Priester geweiht. 1867 war er für kurze Zeit Religionslehrer am Lehrerseminar in Rathausen, um bis 1868 seine theologischen Studien in Bonn fortzusetzen. 1868-72 war er Professor der Exegese an der theologischen Fakultät in Luzern. 1870 unterzeichnete er die Nürnberger Protesterklärung gegen die Beschlüsse des 1. Vatikanischen Konzils. 1872 nahm er am Altkatholiken-Kongress in Köln teil. 1872 wurde er altkatholischer Pfarrer in Krefeld (Deutschland). 1873 wurde er als Pfarrer der altkatholischen Gemeinde in Olten gewählt. Nach dar Gründung der altkatholischen Fakultät an der Universität in Bern wurde er dort Professor der Exegese und 1875 zugleich altkatholischer Pfarrer in Bern. 1876 wählte ihn die altkatholische Synode zum altkatholischen Bischof der Schweiz. 1876 wurde er vom deutschen Bischof Reinkens in Rheinfelden zum Bischof geweiht. Die theologische Fakultät der Universität in Bern verlieh ihm den Ehrendoktor der Theologie. 1885 legte Herzog als Pfarrer von Bern sein Amt nieder. Er starb am 26.3.1924 in Bern. Bischof Herzog spielte im Ringen um einen angemessenen Ausdruck kirchlichen Lebens eine entscheidende über die Schweiz hinausragende Rolle. [Ξ]

232 Johann Amberg

Johann Amberg wurde am 31. Juli 1844 in seiner Heimatgemeinde Büron geboren. Luzern, wohin die Familie gezogen war, machte er seine Gymnasial-Theologie-Studien. 1871 wurde er von Bischof von Lachat in Solothurn zum Priester geweiht. Seine erste Stelle war das Vikariat in Buttisholz. Nach zwei Jahren wurde er als Lehrer an das Gymnasium in Luzern berufen. Während vier Jahren war er Pfarrer in Inwil. 1895 wurde er von der Regierung zum Stadtpfarrer zu St. Loedegar und zum Chorherr des Stiftes gewählt. 1913 resignierte er als Pfarrer. Er starb am 4.2.1924 nach kurzer Krankheit. Während der Amtszeit von Pfarrer Amberg wurde die Hofkirche und die St.Peterskapelle einer gründlichen Renovation unterzogen. [Ξ]

233 Josef Leopold Brandstetter

Josef Leopold Brandstetter wurde am 2.4.1831 in seinem Heimatort Beromünster geboren. Seine Eltern bearbeiteten dort ein kleines Landgut. In Beromünster besuchte Brandstetter die Primar- und Sekundarschule, um anschliessend in der Stiftsschule die zwei untersten Gymnasialklassen zu absolvieren. In Luzern schloss er die Gymmasial- und Lycealstudien ab und studierte ein Jahr Theologie. 1853 immatrikulierte er sich an der medizinischen Fakultät in Basel. 1857 schloss er seine Studien ab, um in Beromünster und später in Malters eine ärztliche Praxis zu betreuen. 1871 wurde er zum Lehrer der Mathematik und zugleich zum Rektor der Realschule in Luzern bestimmt. 1873 wurde ihm das Rektorat des Gymnasiums und Lyceums übertragen. 1909 trat er als Lehrer zurück, nachdem er schon 1880 sein Amt als Rektor aufgegeben hatte. Neben der Schule betrieb Brandstetter etymologische und geschichtliche Forschungen, die ihn in der schweizerischen und vor allem in der luzernischen Orts- und Flurnamenforschung bekannt machten. 1903 erhielt er von der philosophischen Fakultät der Universität Bern für seine publizistischen Arbeiten den Ehrendoktor. 1913 wurde Brandstetter Ehrenbürger der Stadt Luzern. 1922 ernannte ihn der Historische Verein der Fünf Orte zum Ehrenpräsidenten des Vereins. Josef Leopold Brandstetter starb im Alter von 93 Jahren nach kurzer Krankheit am 15.4.1924. [Ξ]

234 Emil Sidler-Brunner

Emil Sidler wurde am 26. Juli 1844 in Luzern geboren. Der Vater, Bürger von Hohenrain und Luzern, war Regierungsrat und Ständerat. Nach dem Besuch der Volksschule machte er eine Banklehre bei der "Bank in Luzern", deren Angestellter er bis 1863 war. In den folgenden Jahren weilte er in Triest, dann in England, wo er bis 1872 verblieb. Im gleichen Jahr machte er eine Reise durch Nordamerika. 1873 wurde er zum Hauptkassier der Gotthardbahn ernannt. 1884 erhielt er die Stelle eines Direktors der "Bank in Luzern", die er inne hatte bis deren Besitz in die Schweizerische Kreditanstalt überging. Für kurze Zeit war er Mitglied des Grossen Stadtrats. Bis zu seinem Tod war er auch Verwaltungsrat der Pilatusbahn.

Emil Sidler-Brunner war ein grosser Philantrop, der sich als Sponsor vieler kultureller und humanitärer Vereine und Gesellschaften grosse Verdienste schuf. Seine Stiftungen "Die Stiftung für Suchende", sowie die "Stiftung Lucerna" erfüllen noch heute ihre besonderen Aufgaben. [Ξ]

235 Placidus Meyer von Schauensee

Placidus Meyer wurde am 11.9.1850 in Luzern geboren. Der Vater war Staatsanwalt, später städtischer Polizeidirektor und Ständerat. Die Meyer waren ein regimentsfähiges Geschlecht und nannten sich nach dem sog. Krienserschlössli Meyer von Schauensee.

Placidus besuchte in Luzern die Volksschule und das Gymnasium. Seine schwache Gesundheit erlaubte ihm keinen regelmässigen Universitätsbesuch. Trotzdem promovierte er schon 1876 in Heidelberg in der Rechtswissenschaft. In Luzern arbeitete er darauf als Volontär auf der Obergerichtskanzlei. 1877 wurde er zweiter Gerichtsschreiber, 1886 Oberrichter. Seit 1904 war er Vicepräsident, um 1913 bei der Zweiteilung des Gerichts den Vorsitz der zweiten Kammer bis zu seinem Tode inne zu haben. Meyer war ein hervorragender Jurist und Richter. Seine wissenschaftlichen Studien und Veröffentlichungen verschafften ihm weit über die Grenzen der Schweiz hinaus den Ruf eines gewiegten Kriminalisten.

Er starb am 18.12.1931 in Luzern. [Ξ]

236 Alfred Gurdi

Alfred Gurdi wurde am 15.7.1852 in Luzern als Sohn des Grossrats und Bezirksgerichtspräsidenten Leonz Gurdi geboren. Die Familie war ursprünglich heimatberechtigt in Wolhusen. 1854 wurde der Vater Stadtbürger und 1863 Korporationsbürger von Luzern. Der einzige Sohn Alfred besuchte nach den Volksschulen das Gymnasium, um sich in Lausanne sprachlich weiterzubilden. Anschliessend bezog er die Universität Heidelberg, wo er sich dem juristischen Studium widmete. 1880 bestand er in Luzern das Staatsexamen. Seine Tätigkeit in der väterlichen Anwaltspraxis war sehr kurz. 1889 liess er sich ins Bezirksgericht (heute Amtsgericht) wählen, in dem er bald zum Vizepräsidenten avancierte. 1898 wurde er Mitglied des Engern Ortsbürgerrats. 1905 wählten ihn die Korporationsbürger zum Präsidenten der Korporationsgüter-Verwaltung. Als solcher erwarb er sich besondere Verdienste im Ausbau und in der Vergrösserung der Bürgerbibliothek. 1917 übernahm er das Präsidium des Engern und des Grösseren Ortsbürgerrates.

Als Mitglied des schweizerischen Schützenrates und als Präsident des Schiesskomitees des Eidgenössischen Schützenfestes (1901) machte er sich im Schiesswesen verdient, nachdem er seit 1893-1905 die Stadtschützengesellschaft als Präsident geleitet hatte.

Alfred Gurdi starb im Alter von fast 80 Jahren am 15.1.1932. [Ξ]

237 Albert Meyenberg

Albert Meyenberg wurde am 9.11.1861 als Sohn eines Gärtners in Zug geboren. Dort besuchte er nach den Volksschulen das Gymnasium, um nach der Maturität an der Universität in Innsbruck während zwei Semestern dem Studium der Philosophie zu obliegen. Seine theologische Ausbildung holte er sich an der Universität in Würzburg. 1885 wurde er zum Priester geweiht. Als Pfarrhelfer und Sekundarlehrer in Baar war er nur kurze Zeit tätig, da er schon bald zum Professor ans Gymnasium nach Zug berufen wurde. 1891 wurde er zum Professor für Moral, Pastoral und Pädagogik an die theologische Fakultät nach Luzern gewählt. Ab 1903 lehrte er dort neutestamentliche Exegese, Homiletik und Kathechetik. 1900 bis 1923 war er Redaktor der Schweizerischen Kirchenzeitung. Neben seinen vielseitigen Publikationen (Homiletische und katechetische Studien, Leben Jesu-Forschung, Geschichte der Leben Jesu-Forschung etc) war er vor allem bekannt durch seine Predigttätigkeit im In- und Ausland. So war er mehrfach Redner bei den deutschen Katholikentagen. Durch sein weites Schrifttum trug er wesentlich zur liturgischen Erneuerung bei. 1928 erhielt er von der Universität in Freiburg/CH den Ehrendoktor der Theologie.

Am 23.1.1934 starb Albert Meyenberg an einem Schlaganfall. [Ξ]

238 Arnold Theiler

Er wurde am 26.3.1867 in Frick/AG geboren. Sein Vater, aus Hasle im Entlebuch stammend, war Sekundarlehrer in Frick. Er machte seine Gymnasialstudien in Aarau. Nach der Matura studierte er in Bern, dann in Zürich Veterinärmedizin. 1889 bestand er das Staatsexamen. 1891 wanderte er nach Transvaal/Südafrika aus, wo er sich als Tierarzt etablierte. Nach kurzer Zeit wurde er Leiter des Vaccine-Instituts in Johannesburg. Durch die erfolgreiche Bekämpfung der Rinderpest bekannt geworden, erhielt er nach dem Burenkrieg von der neuen Kolonialregierung eine Anstellung als tierärztlicher Bakteriologe und Leiter der tierärztlichen Sektion des landwirtsch. Departements. Er gründete das tierärztliche Seucheninstitut Transvaal in Dasport, das mit Theiler als Direktor an die neugeschaffene Südafrikanische Union überging. 1920 wurde er Leiter der Organisation des tierärztlichen Unterrichts und Gründer der tierärztlichen Fakultät der Universität in Pretoria. Das "Theilersche Forschungsinstitut" wurde bald eines der grössten seiner Art. Der König von England ernannte ihn zum Ritter des Ordens St. Michael mit dem Titel "Sir" und der König von Belgien schlug ihn zum Ritter der belgischen Krone. Theiler erhielt als erster die Medaillen der südafrikanischen Gesellschaft für Naturwissenschaften und der südafrikanischen biologischen Gesellschaft. Er war Ehrendoktor von vier Universitäten in Südafrika, den USA und Bern. 1927 erhielt er von der Société de Pathologie exotique in Paris die goldene Medaille für die wissenschaftlichen Verdienste. 1927 zog sich Sir Arnold Theiler ins Privatleben in die Schweiz zurück. Er starb am 24.7.1936 in London an einem Herzinfarkt. [Ξ]

239 Hugo Siegwart

Hugo Siegwart wurde am 25.4.1863 in Luzern geboren. Nach der Volksschule besuchte er während zwei Klassen die Realschule, um sich dann an der Kunstgewerbeschule in die Anfangsgründe künstlerischen Arbeitens einzuführen. Nach kurzer Zeit zog er nach Chur, um bei einem Grabstein-Schriftenhauer eine Bildhauerlehre zu absolvieren. 1885 zog er nach München an die Kunstakademie. 1885/87 war er in Paris, um an der Académie Julian die Malerei zu erlernen. 1887-91 besuchte er die Ecole des Beaux- Arts, an der er sich ganz der Bildhauerei zuwandte. 1896/97 hielt er sich in Berlin und Brüssel auf. 1903-17 war München sein ständiger Wohnsitz. Von da an lebte er bis zu seinem Tod in Luzern.

Siegwarts künstlerische Tätigkeit erstreckte sich auf alle gebräuchlichen Gebiete und Techniken der Bildhauerei, von der Denkmalplastik über grössere und kleinere mythologische, allegorische und genrehafte Gruppen und Einzelfiguren, Bildnisbüsten und Tierdarstellungen. Seine bekanntesten Werke sind in Luzern die Schwingergruppe und der Tellbrunnen, sowie die Pferdegruppe vor dem Kunsthaus, dann das Hallerdenkmal in Bern, das Pestalozzidenkmal in Zürich und viele grössere und kleinere Werke.

Siegwart starb am 7.7.1938 in Luzern. [Ξ]

240 Hans Bachmann

Geboren wurde er am 2.4.1866 in Lieli, wo sein Vater, heimatberechtigt in Schenkon, Lehrer war. Nach der Primar- und Bezirksschule absolvierte er das Lehrerseminar in Hitzkirch. Nach kurzer Tätigkeit als Lehrer in Entlebuch und Littau besuchte er das Gymnasium in Luzern. Nach der Matura zog er an die Uni Basel, wo er sich den Naturwissenschaften widmete. 1892 erhielt er, trotz seiner kurzen Studienjahre, die Lehrstelle für Naturgeschichte an der Kantonsschule in Luzern. Bis zu seiner Demission 1936 konnten die Kantonsschüler in Luzern den anschaulichen und anregenden Unterricht von Prof. Bachmann geniessen. Neben seiner Lehrtätigkeit förderte Bachmann das kulturell-wissenschaftliche Leben Luzerns tatkräftig und zielbewusst. 1919 gründete er die Lyceistenvereinigung und in Zusammenhang damit die Volkshochschulkurse. Seine reiche Forscherarbeit widmete er vor allem der Hydrobiologie. Diese Studien machten ihn über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt. Reisen nach Grönland (1908) und Finnland (1914) lieferten ihm wertvolle Beiträge. In Kastanienbaum errichtete er ein hydrobiologisches Laboratorium, das von Wissenschaftlern aus aller Welt besucht wird. Die Naturforschende Gesellschaft Luzern war unter seiner geistigen Führung ein Zentrum wissenschaftlicher Tätigkeit geworden. In Vorträgen und Kommissionen hat er Wesentliches zum Gedeihen der Gesellschaft beigetragen. 1924 erhielt er von der Naturforschenden Gesellschaft die Ehrenmitgliedschaft. Zugleich ernannte ihn die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich zum Ehrendoktor der Naturwissenschaften. Die Stadt Luzern hatte ihm schon früher das Ehrenbürgerrecht verliehen. Seit 1924 gehörte Hans Bachmann bis zu seinem Tod dem Erziehungsrat des Kantons Luzern an. Das heutige Naturmuseum am Kasernenplatz hat in Professor Bachmann den eigentlichen Begründer dieser wertvollen Sammlungen zu ehren. Professor Bachmann starb unerwartet am 20.2.1940 in Luzern. [Ξ]

241 Jakob Zimmerli

Geboren wurde Jakob Zimmerli am 8.3.1863 in Aarburg, wo sein Vater Polizeiangestellter war. Die Zinmerli sind in Oftringen heimatberechtigt. Nach der Volksschule besuchte er das Gymnasium in Aarau. 1881 bestand er in Zürich die Matura. In Zürich, Basel, Paris und Göttingen studierte er germanische und romanische Philologie. 1890 promovierte er in Göttingen zum Dr.phil. 1889-94 lehrte er in Basel an der Realschule moderne Sprachen. 1896 kam er nach Luzern, wo er das von seinem Schwiegervater erworbene Hotel "Beau-Rivage" auf eigene Rechnung betrieb. 1904 verkaufte er das Hotel, um sich juristischen Studien zu widmen. Nach Erlangung des luzernischen Anwaltspatentes eröffnete er ein Advokaturbureau, das er längere Zeit mit Adolf Graber führte. 1915 wurde Zimmerli Präsident des Kurkomitees, dem er bis zu seinem Tode angehörte. 1918 übernahm er das Präsidium der Verkehrskommission, zugleich war er Mitglied des Schweizerischen Verkehrsrates und im Vorstand der Verkehrszentrale Luzern, sowie ab 1898 Präsident der Kurhausgesellschaft Luzern. 1903-17 war Zimmerli Mitglied des Grossen Stadtrates, den er 1906/07 präsidierte. 1907 wurde er als Vertreter der freisinnigen Partei in den Grossen Rat gewählt, den er 1915 präsidierte. 1918 berief ihn seine Partei in den Engern Stadtrat, wo er die Schuldirektion übernahm. 1916-40 war er Mitglied des Erziehungsrates des Kantons Luzern. 1919 wurde er zum Stadtpräsidenten und im gleichen Jahr in den Nationalrat gewählt. Zimmerli war u.a. auch im Verwaltungsrat der Centralschweizerischen Kraftwerke und Präsident des Kreiseisenbahnrats V der SBB. Als Stadtpräsident hatte er besondere Verdienste um das Kunsthaus und die luzerner Hotellerie. Er gilt auch als Schöpfer der internationalen Musikfestwochen. Stadtpräsident Jakob Zimmerli starb ein Jahr nach seinem Rücktritt am 22.10.1940 in Basel. [Ξ]

242 Renward Brandstetter

Er wurde am 29.7.1860 in seinem Heimatort Beromünster. Der Vater war dort Arzt. 1868 übersiedelte dieser mit der Familie und der ärztlichen Praxis nach Malters. Renward besuchte dort die Volksschule. 1872 zog der Vater nach Luzern, wo er als Lehrer der Mathematik an der Kantonsschule wirkte. Renward besuchte hier das Gymnasium und Lyceum. 1880 bestand er die Matura. Anschliessend besuchte er in Basel und Leipzig die Universität, um sich der allgemeinen wie der germanischen und indogermanischen Sprachwissenschaft zu widmen. 1883 doktorierte er nach nur sechs Semestern mit Auszeichnung. 1884 wurde er Lehrer an der Kantonsschule Luzern für die klassischen Sprachen, um später den Deutschunterricht an den obersten Klassen dieser Schule zu übernehmen. Als Germanist wandte er sein Interesse vorerst der Erforschung des heimischen Idioms zu. Die ersten Arbeiten betreffen die Theaterverhältnisse im mittelalterlichen Luzern, so "Die Regenz bei den Luzerner Osterspielen", Unter dem Pseudonym "Rämmert vom Mösli" schrieb er Kurzgeschichten im Luzerner Dialekt. Um 1890 begann seine exklusive Zuwendung zur indonesischen Sprachenwelt. Seine Monographienreihe "Wir Menschen der indonesischen Erde” begründete seinen Weltruf als Sprachenforscher. Seine Schriften wurden ins Holländische, Englische, Spanische und Französische übersetzt. 1909 verlieh ihm die Stadt Luzern das Ehrenbürgerrecht. 1921 wurde er Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät der Universität Genf. Auch war er Mitglied von mehreren gelehrten Gesellschaften, so u.a. der Sprachforschenden Gesellschaft der Sorbonne. Im Sommer 1927 trat er vom Lehramt zurück. Seinen Ruhestand verlebte er in Lugano, wo er am 17.4.1942 starb und wo er auch beerdigt sein wollte. [Ξ]

243 Karl Meyer

Karl Meyer wurde am 21.11.1885 in seiner luzernischen Bürgergemeinde Buchs geboren. Er stammte aus einer Lehrerfamilie. Schon sein Grossvater war Lehrer. Nach dem Besuch der Volksschule in Buchs machte er seine Gymnasialstudien an der Kantonsschule in Luzern, wo er 1906 die Matura bestand. Auf der Universität Zürich studierte er anschliessend bei Gerold Meyer von Knonau und Wilhelm Oechsli Geschichte. 1912 wurde er zum Lehrer für Geschichte an die Kantonsschule in Luzern gewählt. 1920 berief ihn die Universität Zürich als Professor für Schweizer Geschichte. 1928 wählte ihn der Bundesrat zum ordentlichen Professor für allgemeine Geschichte an die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich, wo er vornehmlich die Geschichte der neuesten Zeit behandelte. Seinen Ruf als Forscher begründete Karl Meyer mit seinen Untersuchungen über die Entstehung der Eidgenossenschaft und die Frühgeschichte unseres Landes. Zur Zentenarfeier des Eintritts Luzern in den Bund der Eidgenossen 1932 schrieb er für die Geschichte des Kantons Luzern "Die Stadt Luzern von den Anfängen bis zum eidgenössischen Bund" und legte so den Grundstein für weitere Forschungen. Als Politiker und Patriot setzte sich Meyer in den 30iger Jahren vor allem für die geistige Landesverteidigung ein. Für diese Verdienste verlieh ihm die rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich den Ehrendoktor. Karl Meyer starb nach langer schwerer Krankheit am 30.11.1950 in Zürich. [Ξ]

244 Max Sigismund Wey

Er wurde am 21.4.1892 in Luzern geboren. Sein Vater war Beamter der Gotthardbahn. Nach dem Besuch der Stadtschulen und der Kantonsschule Luzern studierte Max Wey an den Universitäten in Zürich und Bern Jurisprudenz und Nationalökonomie. In beiden Fächern holte er sich den Doktorgrad. Nach einem Praktikum am Bezirksgericht in Zürich und auf einem Anwaltsbureau in Uster trat er 1916 als Finanz- und Polizeisekretär in den Dienst der städtischen Verwaltung Luzerns. 1921 erfolgte seine Wahl in den Regierungsrat, wo er das Gemeindedepartement verwaltete. Seit 1919 gehörte er bis zu dieser Wahl dem Grossen Rat an. 1925 war Max S. Wey Schultheiss des Standes Luzern. 1921 wurde er Mitglied der Schweizerischen Armenpflegerkonferenz, die er 1933-49 präsidierte. 1927 trat er als Regierungsrat zurück und liess sich in den Engern Stadtrat wählen. Hier übernahm er die Direktion der städtischen Unternehmungen, die er bis zu seinem Tode beibehielt. Unter seiner Leitung erfolgte der Ausbau der Trambahn, die Einführung des Autobusbetriebes und der Fernautobuslinien, sowie der Trolleybusse und damit verbunden der Ausbau des Elektrizitätswerkes und des Gaswerkes, 1939 wurde Max S. Wey als Nachfolger von Jakob Zimmerli zum Stadtpräsidenten gewählt. Mit diesem Amt verband sich der Vorsitz in zahlreichen Kommissionen und Institutionen. 1931 trat er wieder in den Grossen Rat ein, den er 1936 präsidierte. 1932-39 führte er den Vorsitz im Engern Ortsbürgerrat. 1935 wurde Max S. Wey in den Nationalrat gewählt, dessen Präsident er 1946/47 war. 1940 hatte ihn die Freisinnig-demokratische Partei der Schweiz zu ihrem Präsidenten erkoren. Dieses Amt hatte er bis 1948 inne. Max S. Wey starb nach kurzer schwerer Erkrankung am 31.7.1953, nachdem er seine besten Kräfte im Dienste des Vaterlandes verbraucht hatte. [Ξ]

245 Heinrich Walther

Er wurde am 7.9.1862 zu Oberschmitten bei Darmstadt geboren. 1867 liessen sich seine Eltern in Sursee nieder, wo der Vater eine Apotheke betrieb. 1879 erwarb sich Heinrich Walther als Gymnasiast das Bürgerrecht von Sursee. Hier an der Mittelschule und an der Kantonsschule in Luzern machte er seine humanistischen Studien. An den Universitäten in Basel, Leipzig und Heidelberg oblag er dem Studium der Rechte, um anschliessend das luzernische Anwaltspatent zu erwerben. 1887 wurde er Departementssekretär. 1890 erfolgte seine Wahl als Staatsschreiber-Stellvertreter und 1893 wurde er Staatsschreiber. 1894 wählte ihn der Grosse Rat als Vertreter der Konservativen Partei in den Regierungsrat, wo er das Militär- und Polizeidepartement übernahm, das er 43 Jahre lang leitete. Unter seiner Aegide wurde ein neues Kantonsspital erbaut und erweitert, wurde ein Gesundheitsgesetz und das Tuberkulosegesetz erlassen. Sechsmal bekleidete Heinrich Walther das Schultheissenamt. 1908 wurde er in den Nationalrat gewählt, den er 1929 präsidierte. 1919-40 war er Präsident der konservativen Fraktion der Bundesversammlung. Walther gehörte früher dem Verwaltungsrat der Centralbahn und später jenem der Schweizerischen Bundesbahnen an, dem er 1931-40 als Präsident vorstand. 1922 verlieh ihm die Universität Tübingen den Ehrendoktor der Medizin und 1932 zeichnete ihn die Eidgenössische Technische Hochschule, deren Schulrat er angehörte, mit dem Ehrendoktor der technischen Wissenschaften aus.

Heinrich Walther war ein Vollblutpolitiker, Parlamentarier und Staatsmann von Format. Er starb im Alter von 92 Jahren am 18.5.1954 in Kriens, seinem langjährigen Wohnort. [Ξ]

246 Josef Häfliger

Josef Anton Häfliger wurde am 29.5.1873 in Luzern als einziges Kind des Anton Ulrich Häfliger, Expeditionschef der Staatskanzlei in Luzern geboren. Nach dem Besuch der Stadtschulen und der Kantonsschule Luzern studierte er an den Universitäten in Basel, Genf und Paris Pharmacie. 1901 promovierte er zum Dr.phil.II in Basel und übernahm die dortige St. Johann-Apotheke. 1925 habilitierte er sich an der Universität in Basel für Galenische Pharmacie und Geschichte der Arzneiwissenschaft. Zugleich wurde er Leiter einer Abteilung der "Pharmazeutischen Anstalt" der Universität, deren Laboratorium er erstellt hatte. 1932 wurde er ausserordentlicher Professor und 1936 erhielt er einen Lehrauftrag für Galenische Pharmacie und Pharmaciegeschichte. 1924 gründete er das Schweizerische Pharmacie-geschichtliche Museum, dem er bis zu seiner Uebersiedlung nach Luzern 1948 vorstand. Josef Häfliger gilt als der Begründer der Pharmazeutischen Altertumskunde, die er erstmalig methodisch bearbeitete und zu einem Lehrfach gestaltete. Sein Werk "Pharmazeutische Altertumskunde" erhielt von der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmacie den "Schelenz-Preis". Professor Häfliger war von 1946-54 erster Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmacie. In Basel war er Mitbegründer und Präsident der Oeffentlichen Basler Denkmalpflege. Nach der Emeritierung 1848 übersiedelte er nach Luzern, wo er am 21.11.1954 starb. [Ξ]

247 Josef Vital Kopp

Er wurde am 1.11.1906 in Beromünster geboren. Die Kopp sind ein altes Geschlecht dieser Gemeinde. Der Vater war Gemeindeschreiber und Gemeindeammann und im Rang eines Majors, zugleich Aushebungsoffizier der schweizerischen Armee. Josef Vital besuchte in Beromünster die Volksschule und das Progymnasium. An der Klosterschule in Einsiedeln machte er 1926 die Matura. Anschliessend studierte er an der Universität in Innsbruck Theologie. 1930 wurde er in Solothurn zum Priester geweiht. 1931-34 war er als Vikar an der St.Karlikirche in Luzern tätig. 1935 zog er nach Berlin, wo er an der Universität die Fächer für klassische Philologie belegte. Nach weiteren Studien in Heidelberg promovierte er 1938 in Freiburg/CH zum Doktor der Philosophie. 1938-45 war er Lehrer für klassische Sprachen und Rektor an der Mittelschule in Willisau. 1945 wurde er für die gleiche Sparte an die Kantonsschule in Luzern gewählt. Als Vierzigjähriger begann seine literarische Tätigkeit. 1946 erschien sein erster Roman "Sokrates träumt". In rascher Folge kamen die Werke "Brutus" und "Die schöne Damaris" in den Buchhandel. Es erschienen "Die Launen des Pegasus", "Der sechste Tag", "Die Tochter Sions" und 1957 der "Forstmeister". 1950-57 wurde Kopp in den Erziehungsrat gewählt, den er aber nach einem Konflikt um eine neue Konzeption der Kantonsschule freiwillig verliess. 1959 begann er sich mit den Schriften Theilhards de Chardin zu befassen. 1962 trat er infolge seiner Erkrankung (Leukämie) vom Schuldienst zurück. Im gleichen Jahr erhielt er den "Innerschweizer Kulturpreis". Josef Vital Kopp starb nach langem Leiden am 22.9.1966 in Luzern. Im Schatten der Stiftskirche Beromünster ist er begraben. [Ξ]

248 Kuno Müller

Als Sohn des Nationalrates und Obergerichtspräsidenten Kaspar Müller wurde Kuno am 14.11.1896 in Luzern geboren. Nach dem Besuch der Stadtschulen und der Kantonsschule studierte er an. der Universität in Bern Jurisprudenz. 1921 bestand er das luzernische Anwaltsexamen. Bis zu seinem Tode übte er diesen Beruf als gesuchter Rechtsanwalt aus. Seine Kollegen beriefen den tüchtigen Juristen in die Anwaltskammer. Als zweiten Beruf führte er das Leben eines freien Privatgelehrten, der der heimatlichen Forschung sogar die Ferien opferte. Als erstes Werk Müllers erschien 1932 der Bildband "Luzern in Bildern der Vergangenheit". Es folgten 1938 "Stadt und Land Luzern", 1939 die Novellensanmlung "Das Turnier" und 1942 "Die Luzerner Sagen". In unzähligen Schriften und Vorträgen machte er sich als Essayist einen über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus gehenden Namen, der ihm 1959 den Innerschweizerischen Kulturpreis eintrug. 1959 wurde ihm von der Universität Zürich die Würde eines Ehrendoktors der Philosophie verliehen. 1964 erhielt er den Literaturpreis der Stadt Luzern. In der Laudatio zum Ehrendoktor wurde Kuno Müller als meisterhafter Darsteller innerschweizerischer Geschichte, als geistvoller Essayist und Kritiker, als Kenner französischer und deutscher Kultur und vielbewanderter Sammler und Bewahrer humanistischer Tradition genannt.

Kuno Müller starb am 18.4.1970 in Luzern im Alter von 73 Jahren. [Ξ]

249 Walter Benno Gut

Walter Gut - so war sein bürgerlicher Name - wurde am 1.4.1897 in seiner Heimatgemeinde Reiden geboren. Sein Vater war dort Lehrer und Organist. Nach der Primarschule, die er bei seinem Vater besuchte, zog Walter Gut nach Luzern an die Kantonsschule. Er blieb dort bis zur 5. Gymnasialklasse, um seine humanistischen Studien mit der Matura an der Stiftsschule in Einsiedeln zu beenden. Darauf studierte er am Konservatorium in Basel Musik. 1917 trat er als Novize in das Benediktinerkloster Eindiedeln ein. 1921 wurde er zum Priester geweiht. An der Benediktiner-Hochschule Sant Anselmo in Rom setzte er seine theologischen Studien fort. 1923 promovierte er in der Exegese als Doktor der Philosophie. 1923-30 wirkte er als Lehrer am Gymnasium und an der theologischen Hauslehranstalt im Kloster Einsiedeln. Zugleich amtete er als geschätzter Choralmagister. 1930 wurde er als Professor für Apologetik nach Sant Anselmo in Rom berufen, wo er zugleich das Licentiat der Bibelwissenschaft errang. 1942 holte ihn sein Abt als Internenpräfekt nach Einsiedeln zurück. 1947 wählten ihn seine Mitbrüder zu ihrem Abt des Klosters Einsiedeln. 1959 wurde Abt Benno Gut von den Aebten des Benediktinerordens zum Abtprimas gewählt, was die endgültige Trennung von Einsiedeln bedeutete. 1967 weihte ihn Papst Paul VI. zum Titularbischof um ihn kurz darauf zum Kardinal zu ernennen. Als solcher übernahm er die Leitung der Ritenkongregation, die mit der Durchführung der Konzilskonstitution über die Liturgie beauftragt war. Nach kurzer Tätigkeit in Rom starb Walter Benno Kardinal Gut am 8.12.1970 in einer römischen Klinik. Seine sterbliche Hülle ruht in der Klostergruft von Einsiedeln. [Ξ]

250 Robert Zünd

Er wurde am 3.5.1827 als Sohn des Josef Zünd, des späteren Regierungsrats in Luzern geboren. Der Vater stammte aus einer Altstätterfamilie und war seit 1812 in Luzern als Kaufmann tätig. Hier erwarb er sich das Luzerner Bürgerrecht in Büron. Der Sohn Robert besuchte das Gymnasium und genoss hier beim Kunstmaler Jakob Schwegler den ersten Zeichnungsunterricht. 1847 weilte er für kurze Zeit beim Kunstmaler Josef Zeiger in Stans. Auf dessen Anraten zog er nach Genf, um sich bei Diday und später bei Calame in der Malerei weiter ausbilden zu lassen. 1850 reiste Robert Zünd nach München, wo er den Zürcher Kunstmaler Rudolf Koller kennen lernte und sich freundschaftlich mit ihm verband. Nach seiner Rückkehr nach Luzern baute sich Zünd 1892 an der Moosmattstrasse 13 ein Haus mit Atelier (heute Pfarrhaus St. Paul), das er nur mehr selten verliess. 1896 verlieh ihm die philosophische Fakultät der Zürcher Universität den Ehrendoktor der Philosophie. Zünd gehörte auch zu den Gründern des historischen Vereins der fünf Orte. Als Maler nimmt er in der schweizerischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts eine Sonderstellung ein. Auf seinen Auslandreisen studierte er besonders die holländische Landschaftsmalerei, die seine Bilder stark beeinflussten. Er verstand sich selbst als Landschaftsmaler, der die Natur, wie er selber schrieb, möglichst objektiv wiedergeben wollte. Seine Bilder befinden sich heute zumeist in Museen und Galerien des In- und Auslandes.

Er starb nach längerer Krankheit am 15.1.1909 in Luzern. [Ξ]

251 Johann Baptist Hilber

Er wurde am 2.1.1891 in Wil als Spross einer angesehenen Familie geboren. Nach der Primarschule in seiner Vaterstadt besuchte er das Gymnasium der Klosterschule Engelberg, wo er 1910 die Matura bestand. An den Konservatorien in Zürich und Köln bildete er sich zum Konzertpianist und Komponist aus. 1915-28 war er Musiklehrer am Kollegium des Kapuzinerklosters in Stans. 1928 wurde er als Chordirigent an die St. Pauluskirche nach Luzern und 1934 als Stiftskapellmeister an die Hofkirche berufen. Dieses Amt übte er bis 1956 aus. Daneben dirigierte er eine Zeit lang den Männerchor Frohsinn, den Gemischten Chor Luzern und den Lehrergesangverein des Kantons Luzern. 1942 gründete er am Konservatorium die Abteilung für katholische Kirchenmusik, die er 1952 zu einer selbständigen Institution als "Schweizerische Katholische Kirchenmusikschule" schuf, deren Direktor er bis 1967 war. Von 1932-47 war Hilber auch Redaktor des "Chorwächters", einer Monatsschrift für katholische Kirchenmusik in der Schweiz. 1939 schuf er die Musik zum Eidg. Schützenfest in Luzern und 1941 die Musik zum Bundesfeierspiel anlässlich der 650-Jahrfeier des Bestehens der Eidgenossenschaft. 1947 komponierte er die Bruderklausenmesse anlässlich der Heiligsprechung von Niklaus von Flüe. 1950 erhielt er von der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg i.Ue. den Ehrendoktor. Im gleichen Jahr wurde ihm der päpstliche Orden St.Sylvestri verliehen. 1956 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Luzern. 1961 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Luzern ernannt. 1967 wurde ihm der Kulturpreis der Innerschweiz verliehen. Er starb nach längerer Krankheit am 30.8.1973 in Luzern. Von seinen über 280 Kompositionen sind über 100 kirchenmusikalische (Messen und Motetten) und 40 profane Werke gedruckt. [Ξ]

252 Max Theiler

geboren am 30.1.1899 in Pretoria als Sohn des berühmten Veterinärs und Forschers Sir Arnold Theiler. Die Familie Theiler stammt aus Hasle im Entlebuch. Nach dem Besuch der Schulen in Südafrika, schickte ihn der Vater aufs Gymnasium nach Basel. An der Pretoria Boys High School setzte er seine Studien fort. 1919 studierte er in Rhodes University College und in Kapstadt Medizin, wo er sich für die Tropenmedizin spezialisierte. Mit Dr. Teage von der Harvard Medical School übersiedelte er nach Amerika. 1922 wird er Mitglied der Königlichen Chirurgischen Gesellschaft und erhält in Bosten einen Lehrauftrag. Während 8 Jahren dozierte er Tropenmedizin und Bakteriologie. Dann wandte er sich ausschliesslich dem Studium des Gelbfiebers zu. Es gelang ihm, den eigentlichen Erreger dieser Krankheit zu entdecken. Er entwickelte einen Impfstoff zur aktiven Immunisierung des Gelbfiebers. Sein Impfstoff wird unter seiner Leitung in verschiedenen südamerikanischen Staaten getestet und zur Anwendung gebracht. 1939 erhält er die Chalmers Medal der Königlichen Gesellschaft für Tropenkrankheiten, 1945 die Harvard University Flatterie Medal und 1949 den Lasker-Preis. 1951 wird ihm der Nobelpreis für Medizin und Physiologie zugesprochen. Theiler gilt heute als der Besieger des Gelbfiebers und als Vorkämpfer für den Sieg über die Kinderlähmung. Er starb in New Haven am 11.8.1972. [Ξ]

253 Emilie Dormann

1. Frau Mutter und Mitbegründerin der Gemeinschaft der St. Anna-Schwestern (1872-1950)

Die Aufnahme dieser ersten Frau in die Porträtgalerie nach 252 Männern fand am 11.2.1984 statt. Damit wurde nicht nur die Person, sondern auch die Gemeinschaft der St. Anna-Schwestern geehrt.

Emilie Dormann wurde am 19.4.1872 als jüngstes von 12 Kindern in Neudorf/LU geboren. Ihr Vater war Landarbeiter, ihre Mutter starb, als sie 4 Jahre alt war. Bei ihrer Patin (Fam. Scherer) in Meggen, erhielt sie eine liebevolle und umfassende Erziehung. Bei Dr. Robert Stocker in Luzern lernte sie den Pflegeberuf. Er erkannte ihr hervorragendes Talent, die Menschen zu kennen und zu werten, und ihr sicheres Geschick, zu organisieren. 18 Jahre dauerte diese vertrauensvolle Zusammenarbeit. Doch auch der Priester Regens Wilhelm Meyer, der am 21.11.1909 aus einem grossen Bedürfnis der Zeit - für die Pflege der Mütter und Neugeborenen, aber auch der Kranken in den Familien - die Gemeinschaft der St. Anna-Schwestern gründete, kannte die starke Persönlichkeit von Emilie Dormann. Am 15.9.1910 trat Emilie Dormann in die junge Gemeinschaft ein. Sie hat während 37 Jahren in leitender Stellung als erste Frau Mutter zielbewusst den Verein ausgebaut. In weiser Voraussicht und mit grossen finanziellen Sorgen entwarf sie ihre Pläne, kaufte Grundstücke, erwarb Häuser; Umbauten und Neubauten entstanden. Es galt vor allem auch, jeder Verstaatlichungs- und Monopolisierungstendenz der Wohlfahrtspflege entgegenzuwirken und trotzdem eine moderne Kranken- und Wöchnerinnenpflege zu organisieren. [Ξ] Ausserhalb Luzern entstanden schon bald Tochterkliniken in Zürich, Freiburg, Tessin. Seit 1927 wirken St. Anna-Schwestern in Indien. 477 indische Schwestern, zusammen mit 10 Europäerinnen und 95 Kandidatinnen, wirken auf 37 Missionsstationen (Stand 1983). In eigenen Spitälern, Hilfszentren (Satelliten-Projekte) und Schulen erweitern die Schwestern alljährlich ihr Arbeitsfeld.

Die Klinik St. Anna ist nicht mehr aus Luzern wegzudenken. 1983 stehen 360 Betten, sowie eine Intensivstation zur Verfügung. Pro Jahr werden rund 7000 Operationen durchgeführt und rund 1500 Geburten finden statt; 64 Aerzte sind tätig, eine Krankenschwesternschule und eine Kinderpflegerinnenschule sorgen für Nachwuchs-Schwestern. Eine Unsumme von Intelligenz, Organisation, Talent, Erfahrung, Initiative und Tatkraft, aber auch von Gebet, Opfern, Leid und Freud und viel Liebe ist in dieser Entwicklung eingeschlossen.

Frau Mutter Emilie Dormann war eine starke Persönlichkeit, verborgen unter einer selbstverständlichen Einfachheit und Bescheidenheit, Ruhe und Gelassenheit. Ein wohlüberlegter, aber rascher Entschluss und die Tat waren die hervorragenden Eigenschaften ihres Handels.

Sie starb am 27.4.1950. [Ξ]

254 Otto Karrer

Otto Karrer wurde am 30.11.1888 im südbadischen Ballrechten geboren. Seine philosophischen und theologischen Studien absolvierte er in Freiburg Br., Innsbruck, Valkenburg, München und Rom. Im Jahre 1920 empfing er die Priesterweihe. Seit 1925 lebte er in der Schweiz, zuerst in Weggis, ab Frühjahr 1928 in Kriens/Luzern. Bereits im Jahre 1935 wurde ihm das Schweizer Bürgerrecht zuerkannt. 1965 wurde ihm der Innerschweizer Kulturpreis, 1967 der Ehrendoktor der Theologie von der Universität Tübingen verliehen. Er starb am 8.12.1976.

Otto Karrer war ein bedeutender und vielseitiger Theologe, dessen umfangreiches Schrifttum im wesentlichen auf die Glaubensvertiefung der Gläubigen und die Erneuerung kirchlichen Lebens ausgerichtet war. Sein handschriftlicher Nachlass befindet sich in der Zentralbibliothek Luzern. Er darf als Wegbereiter des II. Vatikanischen Konzils bezeichnet werden.

Ein Herzensanliegen war ihm stets die Förderung der Verständigung unter den Christen. In der Schweiz wirkte er als Pionier der Oekumene. Priorität seines Wirkens hatte eindeutig die seelsorgliche Tätigkeit. Nebst den gehaltvollen Sonntagspredigten in der Pauluskirche Luzern nahm er sich viel Zeit für Hilfeleistungen an ratsuchende und notleidende Mitmenschen Am überzeugendsten wirkte Otto Karrer durch seine tief religiöse Haltung, die auch bereit war, grösste Demütigungen und Verdächtigungen mit innerer Gelassenheit zu ertragen. [Ξ]

255 Anna Neumann

Anna Neumann wurde am 3. Oktober 1868 als Tochter des Kantonsschulprofessors Konrad Neumann und der Martha Elisa Bullen, einer Engländerin, geboren. Ihr Bruder Eduard war Arzt und ihre Schwestern Martha Elisabeth Karolina und Josefa Amitha blieben ledig und führten die Privatpension Lützelmatt. Korporationsbürger seit 1862.

Da es bis anfangs dieses Jahrhunderts für eine Frau nicht üblich oder möglich war das Medizinstudium zu ergreifen, wurde sie Journalistin und Uebersetzerin. Sie verdiente sich mühsam das Geld, um die Fremdmaturität in Zürich zu bestehen. Schliesslich ging Anna Neumann nach Genf, um sich ihren Ausbildungs- und Berufswunsch zu erfüllen. Nach Studien in Genf, Bern und Basel schloss sie 1905, im Alter von 37 Jahren, mit dem Staatsexamen ab.

Bereits 38 Jahre alt eröffnete sie in Luzern eine Allgemeinpraxis. Am 8.10.1910 wurde Anna Neumann zusammen mit der Nervenärztin Dr. Minna Bachmann in die Aerztegesellschaft des Kantons Luzern aufgenommen.

Sie galt als eine begnadete Diagnostikerin und war eine stadtbekannte Aerztin. Bis ins hohe Alter von 78 Jahren fuhr sie mit ihrem gelben Citroen Tag und Nacht durch die Stadt, stets hilfsbereit, unbekümmert um irdischen Lohn, einzig das Heil ihrer Kranken im Blickfeld. In der Zeit von 1913 bis 1923 betreute sie mit grossem Einsatz die Säuglingsvorsorgestelle und während 20 Jahren die Kinderstube Hubelmatt.

Nach einem arbeitsreichen Leben ist sie völlig mittellos 1946 an einer schweren Pneumonie verstorben.

Dr. Anna Neumann wurde am 24. Juni 1994 in die Porträtgalerie aufgenommen. Die Laudatio hielt Prof. Dr.med. Alois F. Schärli, Chefarzt, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern. [Ξ]

256 Alois Troller

Alois Troller wurde am 15.5.1906 in Bad Knutwil/LU geboren. Nach Gesangs- und Sprachstudien in Bern und München und kaufmännischer Tätigkeit als Weinhändler absolvierte er sein Rechtsstudium an den Universitäten Basel und Freiburg i.Ue. 1941 eröffnete er sein Anwaltsbüro in Luzern, in welchem er als international geschätzter Anwalt bis zu seinem Todestag tätig blieb.

Schon nach wenigen Praxisjahren hatte sich Alois Troller im Spezialgebiet des Immaterialgüterrechts (Patent-, Muster- und Modell-, Marken-, Wettbewerbs- und Urheberrecht) durch ein erstes Lehrbuch ein derartiges Renommé geschaffen, dass ihm die Universität Freiburg i.Ue. Vorlesungen anvertraute und ihn in der Folge zum Titularprofessor ernannte. In spätern Jahren wandte er sich vermehrt der Rechtsphilosophie zu. Für beide Fächer widmeten ihm seine Kollegen zum 70. und 80. Geburtstag Festschriften; die Universitäten von Lund/Schweden und von Lausanne zeichneten ihn mit Ehrendoktoraten aus.

Alois Troller war nicht nur Anwalt, Rechtslehrer und Rechtsdenker, sondern zugleich auch Humanist. Er präsidierte u.a. die Luzerner Kunstgesellschaft, das Luzerner Konservatorium und die Internationalen Misikfestwochen Luzern. Er wurde im Zusammmenhang mit der Ausstellung der Bibliotheca Ambrosiana, Mailand, im Kunsthaus Luzern 1946 vom damaligen Papst zum Commendatore ordinis Sancti Silvestri ernannt. Er erhielt den Innerschweizer Kulturpreis und als "einer der Kardinäle des Immaterialgüterrechts" die Ehrennadel der Stadt Luzern.

Alois Troller starb am 15.5.1987. Die Aufnahme in die Porträtgalerie erfolgte am 24.6.1994. Die Laudatio hielt Josi J. Meier, Rechtsanwältin und Ständerätin [Ξ]

257 Dr. Dr. hc. Robert Käppeli

Robert Käppeli wurde am 23.7.1900 in Luzern geboren. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen im Tribschenquartier auf. Erzogen in Strenge und Freiheit zugleich von seinem Vater Robert Käppeli aus Knutwil und der Mutter Emma geborene Bucher. Sein Vater war in jungen Jahren Matrose bei der Dampfschiffgesellschaft des Vierwaldstättersees, später Oberzugführer bei der Gotthardbahn. Robert Käppeli besuchte die Kantonsschule Luzern und schloss mit der Maturität ab. Schon früh erkannte sein damaliger Zeichenlehrer, Eduard Renggli, Käppeli's ausserordentliche zeichnerische Begabung. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und kurzer Berufspraxis nahm er 1923 in Basel das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften auf. Er schloss mit "summa cum laude" ab und folgte seinem Lehrer Prof. Landmann nach Kiel als Assistent an das Institut für Weltwirtschaft und Seeverkehr. Es folgten kurze Tätigkeiten bei einer Londoner Privatbank und der Warburg-Bank in Hamburg. 1934 eröffnete ihm ein Angebot der CIBA ein entscheidendes globales Wirkungsfeld. Erst war er Sekretär des Verwaltungsrates und dann in rascher Folge Delegierter des Verwaltungsrates. 1956 wurde er zum Präsidenten des Verwaltungsrates der CIBA gewählt. Er war zudem Mitbegründer der "Stiftung der Wirtschaft zur Förderung des Gewässerschutzes in der Schweiz", der "Stiftung zur Förderung des Verkehrshauses" und der "Stiftung für die Erhaltung Luzernischen Kulturgutes". Während all dieser Jahre fand Robert Käppeli trotz beruflichem Engagement die Zeit, sich seiner grossen Passion, dem Malen, zu widmen. Er schenkte der "Stiftung Josef Willmann Haus" in Luzern einen Teil seines Oeuvre's, alle seine Bücher und zahlreiche Aquarelle. Nach seiner Pensionierung kam Robert Käppeli in seine Vaterstadt zurück, wo er noch 30 Jahre seine musische Seite pflegen konnte. Er starb, knapp 100 - jährig, im Jahre 2000.

Porträtmaler : Rolf Gfeller, Brissago Ersatzporträt durch Bruno Müller Meyer, Luzern [Ξ]

258 Prof. Dr. Eduard J. Gübelin

Eduard J. Gübelin wurde am 16. März 1913 als ältestes von sieben Kindern in Luzern geboren. Nach der Primarschule besuchte er das humanistische Gymnasium an der Kantonsschule Luzern. Nach bestandener Matura begann er sein Studium der Mineralogie an der Universität Zürich und wählte als Nebenfächer alte Sprachen und Kunstgeschichte. Nach Abschluss des Studiums, 1936 in Zürich, begab er sich für ein halbes Jahr zu Prof. Michel nach Wien, um dort seine Kenntnisse über Einschlüsse in Edelsteinen zu vertiefen. 1938 reichte er seine Doktorarbeit ein und reiste für ein weiteres halbes Jahr in die USA, um seine Studien zu vertiefen. 1939 schloss er einen Ausbildungskurs am Gemmologischen Institut von Amerika, als einer der ersten Europäer, mit dem Diplom des zertifizierten Gemmologen ab. Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges zwang ihn zur Rückkehr in die Schweiz, wo er seine Arbeit als Gemmologe in der Firma seines Vaters aufnahm. Intensive Arbeitsjahre im firmeneigenen Labor verwendete Eduard J. Gübelin zur Untersuchung der Edelsteine, und diese Forschungsarbeit liess die Firma zu einer weltweit anerkannten Institution heranwachsen. Neben seiner beruflichen Tätigkeit bereiste er verschiedene Male vor allem Afrika und Asien, besucht Edelsteinfundstätten auf der ganzen Welt und konnte gleichzeitig sein grosses Interesse an der Kultur und Geschichte fremder Völker und Länder befriedigen. Eduard J. Gübelin liebte auch das schriftliche Wort. Schon früh hat er sein erforschtes Wissen in verschiedenen Publikationen in Gemmologischen Fachzeitschriften veröffentlicht. Er war zudem Autor oder Mitautor von gemmologischen Fachbüchern. Alle bereicherte er stets mit seinen eigenen Fotomikrografien. Nach seiner Pensionierung hat sich sein Leben kaum verändert, sein Forschergeist, seine Neugier und sein Wissensdurst haben ihn bis zuletzt begleitet. Er pflegte weiterhin eine rege Korrespondenz mit Fachleuten seines Wissensgebietes, hielt Vorträge und veröffentlichte noch eine Anzahl Fachbücher. Nach kurzer, schwerer Krankheit starb er im 92. Altersjahr am 15. März 2008.

Porträtmater : Bruno Müller Meyer, Luzern [Ξ]

259 Maria Leberer

Maria Leberer wurde am 14.8.1908 in Werthenstein, als Tochter eines Metzgers und als Älteste von 9 Geschwistern geboren. 1938 erwarb sie im Frauenspital in Basel das Hebammen-Diplom. Sie wurde selbständige Hebamme und übte diesen Beruf in den folgenden 25 Jahren in den Gemeinden Wolhusen, Werthenstein, Menznau und Ruswil aus. Maria Leberer sah als Hebamme die erschwerte Erziehungs- und Pflegesituation und die Not von Familien mit behinderten Kindern. Um sie zu entlasten schuf sie im Jahr 1952 ein individuelles Angebot. Es war das erste Projekt schweizweit und ist es als einziges in dieser Art geblieben. Frau Leberer ist eine Pionierin im Behindertenbereich. Sie eine der ersten Heilpädagoginnen, die behinderten Kleinkindern ein Heim geschaffen, sie gefördert und die Eltern über kurze oder längere Zeit unterstützt hat. Das Projekt hat Maria Leberer über Jahr mit eigenen Mitteln und mit freiwilligen Gaben finanziert. Die Zielsetzung von Maria Leberer war es, den betreuten Pfleglingen nach Möglichkeit den Besuch der Sonderschule zu ermöglichen, sie so weit als möglich in die Gesellschaft zu integrieren. Marie Leberer erhielt 1982 für Ihr Lebenswerk und in Anerkennung ihres sozialen Wirkens für behinderte Kinder den Adele Duttweiler-Preis. Im Alter von 77 Jahren übergab Maria Leberer das Kinderpflegeheim Weidmatt an die SSBL- Stiftung für Schwerstbehinderte, Luzern. Die SSBL ist eine Institution, die aus einer Elternvereinigung mit Pro infirmis, Insieme und mit dem Kanton Luzern im Jahr 1971 für Behinderte gegründet worden ist. 1989 errichtete Maria Leberer die Leberer-Stiftung, stiftete ein Barvermögen von Fr. 150'000.-- und wurde erste Präsidentin der Stiftung. Am 30.9.1998 starb sie 90-jährig und wurde, unter grosser Anteilnahme in der Bevölkerung, in Wolhusen beerdigt.


Porträtmaler : Bruno Müller Meyer, Luzern [Ξ]

260 Josi J. Meier

1926 in Dagmersellen geboren, wuchs Josi J. Meier in der Stadt Luzern in einfachen Verhältnissen auf und besuchte die örtlichen Schulen. Das Rechtsstudium absolvierte sie in Genf und erwarb 1952 das Anwaltspatent des Kantons Luzern. Im gleichen Jahr eröffnete sie ein eigenes Anwalts- und Notariatsbüro. Während Jahren kämpfte sie für die Einführung des Frauenstimmrechts, war aber gleichzeitig in verschiedenen Kommissionen (IV, Jugendschutz usw.) sowie in der Schulpflege der Stadt Luzern tätig. Im Militär bekleidete sie den Rang einer Zugführerin in einem Rotkreuz- Detachement. 1971, kurz nach der Einführung des Frauenstimmrechts, wurde sie für die CVP in den Grossen Rat des Kantons Luzern gewählt, dessen Mitglied sie bis 1976 war. Im Herbst 1971 gehörte sie zu den ersten 11 Nationalrätinnen der Schweiz. Im Februar 1983 erfolgte ihre Wahl in den Ständerat, als Nachfolgerin des zum Bundesrat gewählten Alphons Egli. Josi J. Meier war Mitglied wichtigster Expertenkommissionen (Totalrevision Bundesverfassung usw.) und parlamentarischer internationaler Delegationen, oft als Präsidentin. 1991 wurde Josi J. Meier zur ersten Ständeratspräsidentin der Schweiz gewählt, 1993 verlieh ihr die Universität Freiburg i.Ue. die Ehrendokoratswürde, ein Jahr später auch die Theologische Fakultät der Hochschule Luzern. Nach 24 Jahren Zugehörigkeit zu den eidgenössischen Räten hat Josi J. Meier auf eine erneute Kandidatur im Herbst 1995 verzichtet. Weiterhin engagierte sie sich für die Armen und Benachteiligten unserer Gesellschaft. Ein besonderes Merkmal dieser aussergewöhnlichen Frau war ihr Humor. Zeitlebens zeichnete sie sich durch einen unabhängigen und kritischen Geist aus. So meinte sie einst: "Es gibt Leute, die sich ein Pferd oder eine Jacht leisten; ich leiste mir eine freie Meinung, die ist ebenso teuer." Im August 2006 durfte sie ihren 80. Geburtstag feiern und verstarb im November desselben Jahres. Mit ihrem Vermächtnis begünstigt sie Menschen in Not im Kanton Luzern. Mit der von ihr testamentarisch errichteten Stiftung "Hilfe zur Selbsthilfe" schafft es Josi J. Meier, über ihren eigenen Tod hinaus Menschen zu helfen, denen sie schon zu Lebzeiten eine wichtige und unerlässliche Stütze war.

Die Aufnahme in die Porträtgalerie erfolgte am 26. Mai 2014 Porträtmaler: Bruno Müller-Meyer, Luzern [Ξ]

261 Marie Amrein-Troller

Im 2. Band der Buchreihe „Merkwürdige Frauen“ schreibt Inge Sprenger Viol quasi als Zusammenfassung des Lebenswerkes einer berühmt gewordenen Luzernerin:
"Das Leben der Marie Amrein-Troller kann nur im Zusammenhang mit der Geschichte des Gletschergartens gesehen werden und diese wiederum kommt nur einer Familiensaga gleich.
Mit Weitsicht und bewunderungswürdigem Mut meisterte Marie Amrein-Troller in einer wirtschaftlich äusserst schwierigen Zeit mannigfaltige Schwierigkeiten und verhinderte rechtzeitig eine drohende Überbauung des Gletschergarten-Areals."

Marie Troller wurde am 01. Mai 1849 als 2. Tochter von Maria und Heinrich Troller, wohnhaft am Sternenplatz in Luzern geboren. Vater Troller war angesehener Stadtmüller. Er legte Wert auf eine gute Ausbildung seiner Töchter und schickte sie nach der Schulzeit in Luzern ins Pensionat nach Fribourg.

1870 heiratete Marie den damaligen Bankangestellten Josef Wilhelm Amrein, welcher nebenamtlich einen Weinhandel betrieb.
Um sich in dieser Sparte selbstständig zu machen erwarb er - mit Hilfe eines Darlehens seines Schwiegervaters - ein Stück Wiesland neben dem Löwendenkmal. Hier - im ehemaligen Steinbruchgebiet - wollte er einen Weinkeller in den Fels einlassen. Bei den Grabarbeiten stiess man im November 1872 zufällig auf Gletschertöpfe und weitere Spuren der Eis- und subtropischen Moränezeit von vor 20 Millionen Jahren. Die Freilegung dieser ausserordentlichen Funde, der Bau eines Wohnhauses und zusätzliche Landkäufe zwangen die junge Familie zur Aufnahme hoher Fremdkapitale.

Der plötzliche Tod des nur 39-jährigen Gatten stürzte anno 1881 die erst 32-jährige Witwe mit 4 unmündigen Kindern, einem Gletschergarten in Anfangsschwierigkeiten und einem großen Schuldenberg schier in die Verzweiflung. Die Banken kündigten die Darlehen, weil sie einer Frau und Mutter die Betriebsführung nicht zutrauten. Sogenannt „gut-meinende“ Verwandte drängten zum Konkurs oder zwangen die junge Frau zu nachteiligen, langfristigen Verträgen.
Doch Marie war eine Kämpferin: Mit Hilfe treuer Angestellter nahm sie zielstrebig die Leitung des Gletschergartens samt Restaurationsbetrieb in die Hand und sorgte dazu auch noch alleine für ihre Kinder. [Ξ] Dieser kräfteraubende Einsatz lohnte sich: Dank grösserer Besucherzahlen - nicht zuletzt durch den Boom des Luzerner Fremdenverkehrs - konnte Marie Amrein-Troller ab 1896 den lange erhofften Weiterausbau des Lebenswerkes realisieren: Sie gründete das legendäre - zu seiner Zeit schweizweit einmalige - "Heimatmuseum", kaufte das "Stauffersche Museum schweizerischer Alpentiere" und richtete eine Bibliothek mit Lesesaal ein. Der Garten erhielt eine künstlich angelegte Gletschermühle und sogar eine SAC-Klubhütte mit Gletscherdiorama sowie das ursprünglich für die Landesausstellung 1896 in Genf geschaffene und heute noch populäre Spiegellabyrinth.

Der anhaltende Erfolg war ihr Lohn: In den Jahren um 1910 lösten bis zu 100'000 Besucher ihre Karten an der Gletschergarten-Kasse. Die Unermüdliche verstand es, für Ihr Familienunternehmen zu werben. Zusammen mit einer ihrer Töchter publizierte sie Broschüren über ihren Gletschergarten in 6 Sprachen, worunter Russisch und sogar Esperanto.

Geschmack für die Gestaltung von Interieurs und Ideenreichtum für Exponate holten sich dannzumal Mutter und Tochter bei gemeinsamen Reisen, Galerien-, Theater- und Museumsbesuchen in Stuttgart, Berlin, Dresden, St. Petersburg und bis nach Finnland.

Weitsichtig wie sie war, errichtete die Erfolgreiche eine öffentlich- rechtliche Stiftung zu Gunsten der schweizerischen, naturforschenden Gesellschaft, um so den Gletschergarten als Naturdenkmal zu erhalten und zu schützen.

In ihrem Haus an der Gesegnetmattstrasse 10 lebte sie als Nachbarin des Literatur-Nobelpreisträgers Carl Spitteler, nahm weiterhin regen Anteil am Geschehen im Gletschergarten und an den wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten Ihrer Vaterstadt.

Selbst im hohen Alter blieb sie regsam, sammelte Zeitungsausschnitte über Alt-Luzern und Reproduktionen von Werken bedeutender Maler. Mit 82 Jahren schloss sich der Lebenskreis dieser unermüdlichen Frau welche mit der Rettung und Entwicklung des Gletschergartens nachhaltig Grosses für Luzern, für die Wissenschaft und unsere Nachwelt leistete.

Die Aufnahme in die Porträtgalerie erfolgte am 16. Oktober 2020. Porträtmaler: Bruno Müller-Meyer, Luzern [Ξ]

REGISTER

zur Porträt-Galerie der merkwürdigen LuzernerInnen

Nr.
Ackli Vinzenz 102
Amberg Johann 232
Ambühl Rudolf 25
Amrein-Troller Marie 261
Amrhyn Josef Karl 179
Amrhyn Karl Anton 81
Amrhyn Walther 42
Amrhyn Walter Ludwig 139
Anderallmend Albert Johann 86
Anderallmend Jakob Mauriz 95
Anderallmend Johann Kaspar 93
Anderallmend Mauriz 43
Anderallmend Mauriz 74
Bachmann Hans 240
Bachmann Jost 53
Balthasar Anton 171
Balthasar Beat 92
Balthasar Felix 185
Balthasar Franz Urs 114
Balthasar Franz Urs 129
Balthasar Jakob 97
Balthasar Johann Anton 115
Balthasar Johann Karl 76
Balthasar Josef Felix 155
Balthasar Niklaus Leonz 124
Balthasar Robert 110

[Ξ]

Balthasar Wilhelm 37
Bircher Jakob 52
Bircher Jost 47
Bircher Ludwig 46
Brandstetter Josef Leopold 233
Brandstetter Renward 242
Bürgisser Leodegar, Fürstabt 83
Bürgisser Leodegar, Magister 116
Businger Josef 170
 
Castoreo Josef 135
Cloos Heinrich 40
Corraggioni Karl Rudolf 123
Coraggioni Leodegar 213
Cysat Renward 35
 
Dangel Johann Januar 122
Dormann Emilie 253
Ducloux Ernst Alphons 225
Dueller Johann 51
Düring Joseph 229
Dürler Johann Josef Rudolf 105
Dürler Johann Rudolf 78
Dulliker Karl Christof 91
Dulliker Ulrich 55
 
Emberger Peter 34
 
Feer Johann 18
Fellmann Alois 207

[Ξ]

Fleckenstein Franz Laurenz 82
Fleckenstein Heinrich 59
Fleckenstein Jost 50
Fleckenstein Niklaus 45
Fleckenstein Niklaus 48
Fleischli Gregor 70
Forrer Lorenz 56
Frener Gallus Anton 126
Frey Jakob 103
 
Geisshüsler Oswald 17
Geissler Johann 61
Gerbistorf Niklaus 62
Gering Ulrich 10
Gissler Karl 173
Göldlin Franz Bernard 158
Göldlin Johann Bernard Ludwig 131
Göldlin Johann Theoring 112
Göldlin Josef Alexander 90
Göldlin Peter Christof 99
Gross Johann 49
Gübelin Eduard J. 258
Gügler Josef Heinrich Alois 164
Gundoldingen Peter von 1
Gurdi Alfred 236
Gut Walter Benno 249

[Ξ]

Häfliger Josef 246
Häfliger Jost Bernard 172
Halter Jost Franz 111
Hartmann Anastasius 194
Hartmann Jost Bernard 104
Hartmann Ludwig Augustin 149
Hartmann Ludwig 63
Heiserlein Ulrich 22
Heller Hermann 224
Hertenstein Adolf 182
Hertenstein Hieronymus 31
Hertenstein Jakob 13
Hertenstein Kaspar 3
Hertenstein Peter 14
Herzog Eduard 231
Hilber Johann Baptist 251
Huber Eduard 222
Hürlimann Johann 24
Hunkeler Johann Georg 98
Hunkeler Josef Leonz 140
 
Imgrund Heinrich 4/5
Ineichen Josef 200
Isaak Josef 183
 
Jost Gerold 136

[Ξ]

Käppeli Robert 257
Kappeler Mauriz Anton 120
Karrer Otto 254
Kaufmann Franz Josef 208
Keller Alois 141
Keller Anton Leodegar 106
Keller Franz Xaver 157
Keller Johann Martin Anton 118
Keller Josef Leodegar 128
Keller Karl Martin 138
Keller Leodegar 87
Kiel Ludwig 21
Kilchmeier Jost 16
Knab Jost 54
Knüsel Martin 204
Kopp Eutych 193
Kopp Jakob 186
Kopp Josef Vital 247
Kopp Karl 150
Krauer Franz Regis 152
Krauer Heinrich 165
Krauer Wihelm 85
Krebsinger Jost 32
Krus Kasimir 151
Krus Niklaus 30

[Ξ]

Lang Karl Niklaus 100
Leberer Maria 259
Leu Josef Burkard 190
von Liebenau Theodor 223
Lottenbach Anton 160
Lütolf Alois 198
 
Mahler Johann Augustin 96
Mayr v. Baldegg Ferdinand Franz 94
v. Meggen Jost 20
v. Meggen Niklaus 19
Meglinger Josef 72
Meglinger Kaspar 60
Meier Josi J. 260
Meyenberg Albert 237
Meyer Franz Bernard 180
Meyer Gerold 154
Meyer Josef Valentin 153
Meyer Karl 243
Meyer v. Schauensee Franz Josef 137
Meyer v. Schauensee Ludwig 159
Meyer v. Schauensee Maurus 148
Meyer v Schauensee Placidus 235
Mohr Melchior 178
Mohr Rudolf 75
Müller Kuno 248
Müller Thaddeus 163
Murner Thomas 15

[Ξ]

Nägeli Leopold 196
Neumann Anna 255
 
Ostertag Jost Vinzenz 187
 
Peyer Honorat 132
Peyer Niklaus Ludwig 84
Pfyffer Eduard 167
Pfyffer Johann Rudolf 41
Pfyffer Jost 33
Pfyffer Kasimir 197
Pfyffer Kaspar 36
Pfyffer v. Altishofen Alphons 205
Pfyffer v. Altishofen Alphons 107
Pfyffer v. Altishofen Benedikt 127
Pfyffer v. Altishofen Christof 64
Pfyffer v. Altishofen Franz Ludwig 121
Pfyffer v. Altishofen Ludwig 29
Pfyffer v. Altishofen Ludwig 69
Pfyffer v. Heidegg Alois Maria 117
Pfyffer v. Heidegg Alphons 161
Pfyffer v. Heidegg Josef Ignaz Xaver 142
Pfyffer v. Wyher Franz 71
Pfyffer v. Wyher Franz Ludwig 147
Pfyffer v. Wyher Ludwig 176
Putschert Klemens 168

[Ξ]

Räber Alois 217
Ratzenhofer Niklaus 38
Reindl Konstantin 146
Reinhard Josef 162
Ritzi Leodegar 26
Rüttimann Vinzenz 174
Rusconi Bernhard {auch de Rusca) 108
Rusconi Niklaus (auch de Rusca) 134
Russ Melchior 7
Rust Peter 2
 
Salzmann Josef Anton 184
Salzmann Leodegar 144
Schiffmann Franz Xaver Anton 125
Schilling Diebold 9
Schneller Josef 199
Schnyder Christoph 219
Schnyder v. Wartensee Franz Xaver Josef 130
Schnyder v. Wartensee Julius 221
Schnyder v. Wartensee Xaver 195
Schobinger Josef Anton 220
Schumacher Bernard 79
Schürmann Anton 228
Schumacher Felix von 211
Schumacher Franz Plazid 101
Schumacher Ludwig 44
Schwendimann Irene Josef 133
Schwytzer Franz Xaver 209
Schwytzer Johann Martin 80

[Ξ]

Segesser Heinrich Victor von 214
Segesser Jost 28
Segesser Philipp Anton 113
Segesser Philipp Anton 203
Segesser Ulrich Franz Josef 119
Sidler-Brunner Emil 234
Siegwart Hugo 239
Sigrist Johann Georg 192
Silinon Jost 8
Silinon Kaspar von 11
Sonnenberg Alphons 65
Sonnenberg Columban 88
Sonnenberg Eustach 68
Sonnenberg Franz 67
Sonnenberg Jakob 39
Sonnenberg Ludwig 181
Spitteler Carl 230
Stalder Franz Josef 166
Steiger Jakob Robert 188
Suidter Otto 215
 
Tanner Anton 210
Theiler Arnold 238
Theiler Max 252
Theiling Frischhans 6
Troller Alois 256
Troxler Ildefons 156
Troxler Paul Vital Ignaz 191
Tschupp Bonifaz 77

[Ξ]

Vonmatt Joseph 212
 
Waldis Jakob 177
Walther Heinrich 245
Wapf Anton 201
Wegmann Johann Heinrich 27
Weingartner Seraphin 227
Wey Max Sigismund 244
Widmer Josef 175
Winkler Johann 226
Wüest Friedrich 216
Würsch Johann Melchior Josef 145
Wy Eustach 66
Wyl v. Ludwig 58
Wysing Niklaus 57
 
Zegler Josef 202
Zemp Josef 218
Zimmerli Jakob 241
Zimmermann Jost 169
Zimmermann Josef Ignaz 143
Zingg Josef 206
Zünd Robert 250
Zurgilgen Alois 189
Zurgilgen Aurelian 73
Zurgilgen Aurelian 109
Zurgilgen Bonifaz 89
Zurgilgen Ludwig 23
Zurgilgen Melchior 12

  1. Nach neuern Forschungen soll das erste Werk gewesen sein: »Gasparini Pergomensis epistolarum opus.«