Beytrag zur Geschichte Lorenzens von Bibra, Fürstbischoffs zu Wirzburg und Herzogs in Franken

Textdaten
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Autor: Bernhard Georg Walch
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Titel: Beytrag zur Geschichte Lorenzens von Bibra, Fürstbischoffs zu Wirzburg und Herzogs in Franken
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 3, S. 545-587
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1791
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
s. a. Beylagen zu der Abhandl. von Lorenz von Bibra, Fürstbischoff zu Wirzburg,

Zusatz zu dem Beytrag zur Biographie des Fürstbischoffs Lorenz von Bibra, An die Herausgeber des Journals von und für Franken

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III.
Beytrag zur Geschichte Lorenzens von Bibra, Fürstbischoffs zu Wirzburg und Herzogs in Franken. Mit Urkunden, von B. G. W.
Lorenz von Bibra, Fürstbischoff zu Wirzburg und Herzog zu Franken, war zu seiner Zeit ein so wichtiger und merkwürdiger Mann, daß jede aus seiner Privatgeschichte hergenommene, und den Gang seines Lebens so wohl, als die eigenthümliche Stimmung seines Geistes aufklärende Nachricht, als ein Beytrag zur Fränkischen Geschichte überhaupt angesehen werden kann. Geistliche Fürsten, besonders der vorigen Jahrhunderte, haben das eigne Schicksal, daß sie nur von ihrem bischöfflichen Stuhle aus gekannt sind. Die fleißigsten, umständlichsten Chronikenschreiber, wie Friese und Gropp, erzählen das, was sie als Fürsten gethan| haben, und nicht mehr, von ihnen. Und doch würde eine Geschichte ihres ganzen Lebens, mit der Zusammenkettung aller ihrer einzelnen Fortschritte bis zum Fürstenthron, mit der Entwicklung aller dazu wirksam gewesenen Triebfedern, oft interessanter und unterrichtender, als die Geschichte vieler gebornen Fürstensöhne seyn, weil sie mehr als diese den Gang des Menschen gehen, mehr selbst arbeiten und kämpfen mußten, ehe sie zu ihrem letzten Endpunct gelangen konnten. Freylich nicht alle – denn viele setzt auch das gute Glück, der bloße Zufall allein auf den bischöfflichen Stuhl.
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Lorenz lebte gerade in der blühendsten Zeitepoche seines Geschlechts; eine Bemerkung, die für eine belehrende Übersicht seines Lebens überaus wichtig ist. Um den Standpunct, von dem ihn die Vorsehung ausgehen ließ, so zu fassen, daß er für das Ganze Aufschluß werden kann, so ist eine historische Untersuchung seiner Abstammung, an welcher es bisher überhaupt gemangelt hat, zum voraus nothwendig. Das Geschlecht von Bibra blühte in fünf Hauptlinien, die von drey verschiedenen Stammvätern abstammten, als Lorenz auf den Schauplatz trat. Jede Linie besaß sowohl Gütervermögen| als Ansehen; die Linie, aus welcher Lorenz entsprossen war, die ältere Schwebheimer Linie aber, beydes in größerem Umfange, als jede der andern. Keine Linie hatte den Glanz, der die eigentliche Größe und Würde des vornehmeren Adels in dem damahligen Zeitalter ausmachte, den Glanz, der durch wahren Ritterruhm erworben werden mußte, in so hohem Grade vor sich, wie diese. Lorenz sah, wenn er seinen Blick auf die Vorfahren und Zeitgenossen seiner Geschlechtslinie hinwarf, lauter große, für ihr Zeitalter merkwürdige Männer vor und neben sich. Anton, sein Großvater, der Stifter der ganzen Linie, hatte durch seinen wirksamen unternehmenden Geist seinen Nachkommen im Grunde die Bahn geöffnet, auf welcher sie nachher mit so vielem Glücke immer neuen Zuwachs, so wohl für ihr Vermögen, als für ihre adeliche Ehre einsammelten. Anton hatte mit seinen Brüdern Berthold, Friedrich und Hanns, von welchen der erstere die ältere Irmelshäusische, und der zweyte die ältere Reuriether Linie stiftete, an dem Kaufe der halben Stadt Themar und des Schlosses Osterburg von dem Grafen Johann von Schwarzburg und seiner Gemahlin Richza 1378 gemeinschaftlichen Antheil. In dem| Bekenntnißbriefe, den Schannat mitgetheilt hat, wird zwar nur der drey letztern Brüder, und des Antons hingegen als Käufers gar nicht gedacht.[1] Aber in allen nachherigen Verträgen, welche die großen, zwischen den Grafen von Henneberg-Schleusingen und dem Geschlechte von Bibra, als beyderseitigen Besitzern der Stadt Themar, entstandenen Irrungen veranlaßt haben, werden seine Söhne namentlich unter den Mitbesitzern der Bibraischen Hälfte des Contrahenten, sein ältester Sohn sogar als der vorzüglichste und kraftvolleste Vertheidiger der dem Bibraischen Geschlechte zukommenden Rechte angeführt. Ungeachtet diese wichtige Erwerbung für das Geschlecht nur temporär, und dem Grafen von Henneberg das Wiederkaufsrecht vorbehalten war, so blieb es doch bis 1443, also über ein halbes Jahrhundert, in dem vollen Besitze derselben[2] Kaum 10 Jahre darauf, 1453 kam das Schloß Osterburg durch Wiederkauf aufs neue in seine Hände, und blieb wieder bey zwanzig Jahre in denselben. In einem Zeitalter, in| welchem Vesten und Schlösser selbst für Fürsten die einzigen Schutz- und Zufluchtsörter, in welchem sie das eigentliche Band, der Gränzstein der mehresten Verbindungen waren, war ein Erwerb, wie dieser, bey noch mehreren großen eigenthümlichen Besitzungen, für das Geschlecht überaus wichtig, auch wenn er von keiner steten Dauer war. Er machte es für Fürsten und Adelsgenossen respectabel, gab seinen Fehden und Verbindungen Stärke und Nachdruck, und dem Geschlechte selbst ein Bewußtseyn der Selbstkraft, das in mehreren Handlungen und Zügen der einzelnen Geschlechtsglieder, besonders des Antons und Hannsen von Bibra, des Großvaters und Vaters des Fürstbischoffs Lorenz, nur zu sichtbar wird. Anton fühlte sich zu seiner Zeit, wo die Fürsten in stete Fehden verwickelt waren, mächtig genug, bald diesem, bald jenem Fürsten Beystand zu leisten, sogar ihr aufgeforderter Bundesgenosse zu werden. Er machte nebst seinem Bruder Friedrich gemeinschaftliche Sache mit dem Bischoff Gerhard von Wirzburg und dem Grafen Friedrich von Henneberg gegen die Landgräfin Catharina von Thüringen, damahlige Besitzerin der Koburgischen Lande, und zog als kriegführender| Theil öffentlich gegen sie zu Felde.[3] Er mußte sich als Kriegsmann, der nicht blos mit der Kraft seines Geistes, sondern mit thätiger Hülfe beyzustehen wußte, einen Namen erworben haben. Der Erzbischoff Johann II von Mainz bewarb sich in seinen gefährlichen Fehdekriegen mit dem Landgrafen von Thüringen, dem Markgrafen zu Meißen, dem Landgrafen von Hessen und dem Herzog von Braunschweig vorzüglich um unsern Anton von Bibra, schloß 1404 den Sonnabend vor Reminiscere zu Eltvil ein förmliches Bündniß mit ihm, und sah den Gewinn dieses Mannes als eine wichtige Stütze für sich gegen seine verbundenen Feinde an.[4] Anton dachte ganz als Mann| seines Zeitalters, betrat den Kampfplatz nicht allein gern für andere, sondern auch für sich, sogar gegen seinen eignen Lehnherrn, wenn es auf die Vertheidigung seiner Rechte und der Rechte seines Geschlechts ankam. Der Mitbesitz der Stadt Themar, die so mancherley mit den Geschlechtsbesitzungen verbundenen Rechte, das sowohl daraus, als aus andern Verhältnissen und Verbindungen herfließende Gewicht und Ansehen mochten die Eifersucht der Grafen von Henneberg gegen so mächtige Vasallen, wie damahls die von Bibra waren, dann und wann rege gemacht haben. Es herrschten eine lange Zeit zwischen beyden Theilen immerwährende Irrungen, und Anton hatte schon lange vorher einen Kampf mit dem Grafen Friedrich gehabt, ehe diese Irrungen bis zu wirklichen Feindseligkeiten ausbrachen, und hatte ihn, wie es scheint, mit ziemlichen Hartsinn, so gar mit Repressalien durchgesetzt. Der Graf hatte einestheils den Brüdern Berthold, Friedrich und Anton von Bibra ihre Rechte auf dem Ebenberg und zu Bernrieth, und anderntheils die Gesammtbelehnung ihrer von ihrem Vater ererbten Zehenden und Güter zu Sülzdorf und Behringen streitig gemacht. Anton hielt dagegen den Kornzins| zurück, den er dem Grafen jährlich von seinem Zehenden zu Oberwern zu liefern schuldig war. Beyde Theile blieben mehrere Jahre in ihren Ansprüchen und Gegenforderungen beharrlich, mochten sich, nach den Urkunden zu schließen, sogar Thätlichkeiten erlaubt haben, bis endlich der Bischoff Johann von Wirzburg nach damahliger Weise auf ausdrückliche Aufforderung einen Spruch thun mußte.[5]
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Diese wenigen aus der Geschichte und den Urkunden bekannten Data sind genug, um den Begriff von dem Charakter Antons, der bis 1419 lebte, im Ganzen anzugeben. Sein Sohn Hanns von Bibra, der Vater Lorenzens, dachte und handelte gerade so, als biederer kraftvoller Mann, der seine Kraft und seine Rechte eben sowohl einzusehen, als zur rechten Zeit geltend zu machen wußte. Ich werde nur einige Beweise, die ich gewiß bescheinigen kann, anführen, um Lorenzen nicht zu lange aus dem Auge zu verlieren. Unter Hannsen brachen die vielen und langwierigen Mißhelligkeiten, die der zwischen dem Lehnherrn und den Vasallen getheilte Besitz der Stadt Themar nach und nach erregt hatte, in öffentliche Thätlichkeiten| aus. Nach dem Kaufbriefe und den ältern Verträgen gehörten dem Geschlechte von Bibra alle mit dem Besitze der Stadt verbundene landesherrliche Rechte durchaus zur Hälfte zu. Die Grafen von Henneberg-Schleusingen, als regierende Landesherren, eigneten sich alle diese Rechte, Gerichtbarkeit, Steuern, Zinsen und Zehenden, eines nach dem andern allein zu, und ließen dem Bibraischen Geschlechte nichts als die Ehre des Mitbesitzes allein. Die Mitbesitzer mochten vielleicht lange vorher den Weg der Güte gepflogen haben, ehe sie zu Repressalien schritten; so bald es aber dazu gekommen war, so ging keiner muthiger zu Werke, als Hanns von Bibra. Er griff den Zoll und das Geleite des Grafen Wilhelms von Henneberg, eine in den Zeiten des Faustrechts heilige Sache, nicht auf seinem Grund und Boden, sondern auf dem Grund und Boden des Grafen und auf dem Grund und Boden des Grafen und auf der öffentlichen Straße des Reichs an, oder nahm sie, wie es in der Urkunde heißt, in Widerspruch, vergalt also Thätlichkeit mit Thätlichkeit im eigentlichsten Verstande.[6] Wahrscheinlich| war diese Eifersucht der Grafen, die mit dem Besitze der Stadt Themar ihren Anfang genommen hatte, die erste Ursache, warum die Grafen von Henneberg die Erbuntermarschallswürde des Stifts Wirzburg dem Geschlechte von Bibra zu entreißen und dem Geschlechte von der Kehre zuzuwenden gesucht haben. Im Jahre 1357 bestättigte Graf Johann von Henneberg-Schleusingen den Dietrich von Hohenberg, und auf seinen unbeerbten Todesfall die Brüder Berthold und Hanns von Bibra zu seinen Erbuntermarschällen.[7] Nach dem Tode des Dieterichs von Hohenberg, nachdem die Söhne Hannsens Mitbesitzer der Stadt Themar geworden waren, kamen die Gebrüdere Berld, Otto, Hanns und Hermann von der Kehre mit einem 1394 ausgestellten Lehnsrevers| zum Vorschein, nach welchem der Graf Heinrich XIII von Henneberg das Geschlecht von der Kehre so in die Stelle des Dieterichs von Hohenberg eingesetzt hatte, daß auf jeden erledigten Fall der jedesmahlige Geschlechtsälteste mit der Erbuntermarschallswürde und allen mit derselben verknüpften Gütern beliehen werden sollte.[8] Es entstand zwischen beyden Geschlechtern von Bibra und von der Kehre ein harter Kampf, der endlich 1405 mit Einwilligung des Grafen Heinrichs durch einen aufgerichteten Vertrag beygelegt wurde, der die Führung der Erbuntermarschallswürde, als ein umgehendes Lehn, unter beyde Geschlechter theilte.[9] Dieser Vertrag war indessen so gefaßt, daß er den einmahl erbitterten Geschlechtern zu mehr als einer Streitigkeit die Hände bot. Er setzte unter andern auf jeden erledigten Fall zur Gültigkeit der Rechte des einen oder des andern Geschlechts die kurze Lehnfrist von 4 Wochen fest. Beyde Geschlechter hatten also ein wachsames Auge das eine auf das andere bey jedem eintretenden Lehensversäumniß,| um sich neue Vortheile abzugewinnen. Hanns, der Vater Lorenzens, ergriff diese Gelegenheit 1454 nach dem Tode seines Vettern, Wilhelm von Bibra, der die Untererbmarschallswürde geführt hatte, wirklich, die von der Kehre aus dem ihnen zukommenden Besitze zu verdrängen und sich ihn selbst zuzueignen. Das Geschlecht von der Kehre hatte es verabsäumt, innerhalb der vestgesetzten vier Wochen die Belehnung zu suchen. Hanns griff zu, setzte sich mit Gewalt in die mit der Marschallswürde verknüpften Güter, und behauptete sich aller Einwendungen des Geschlechts von der Kehre ungeachtet, als Erbuntermarschall in denselben bis an seinen Tod.[10]
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Man war in den vorigen Jahrhunderten zu wenig auf Geschlechtsgeschichte bedacht, als daß man jetzt, sogar bey dem Gebrauche der Archive, mehr als einzelne in den Urkunden und der Geschichte liegende Charakterzüge angeben könnte. Anton und Hanns von Bibra würden unter der Hand eines guten| Biographen gewinnen, wenn man den ganzen Gang ihres Lebens von Schritt zu Schritt auffassen könnte. Ganz von dem Rittergeiste ihres Zeitalters hingegrissen, lebten sie in Ansehen und Würde, und legten den Grund zu einem Vermögen, das ihrer Linie vor allen andern Linien ihres Geschlechts einen Vorzug gab. – Es ist zwar Widerspruch gegen alle bisher von dem Bischoff Lorenz bekannte genealogische Nachrichten, daß ich Hannsen von Bibra zu seinem Vater annehme. Sowohl Salver als Biedermann[11] leiten Lorenzen von Anton und Hannsen ab, geben aber dem Letztern einen Sohn Georg, und setzen diesen als Vater des Bischoffs Lorenz an. Hanns hatte aber weder einen Sohn Georg, noch Lorenz einen Georg von Bibra zum Vater – sein Vater war Hanns, der Sohn Antons von Bibra. Ein| kurzer Blick in die häusliche Geschichte des Hanns von Bibra, der für die Geschichte Lorenzens selbst nothwendig ist, wird den Beweis davon geben.
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Hanns von Bibra hatte drey Gattinnen, die Anne von Heßberg, eine Tochter des Darius von Heßberg, mit welcher er sich 1441 verehlichte; die Magdalena von Guttenberg, verwittwete von Redwitz, die kurz vor, oder in dem Jahre 1458 gestorben seyn muß; und die Agnese Schenk von Schenkenwald, mit welcher er 1458 in die dritte Ehe trat. Ich habe von allen dreyen Ehen die Documente in den Händen, aus welchen ich dieses mit Gewißheit versichern kann, daß aus der zweyten Ehe, die nur von kurzer Dauer war, gar keine Kinder, aus der erstern hingegen die Söhne Wilhelm und Anton, und aus der dritten die Söhne Lorenz, Veit, Stephan und Hanns entsprossen waren. Eine der vorzüglichsten Angelegenheiten des Vaters war diese, daß er seine Söhne aus der ersten und dritten Ehe noch bey seinen Lebzeiten auseinander zu setzen suchte. Nach verschiedenen förmlich aufgerichteten und wieder aufgehobenen Verträgen mit dem ältesten Sohn Wilhelm kam endlich der Hauptabfindungsvertrag 1472 mit den beyden| Söhnen aus der erstern Ehe zu Stande, den ich hier bloß und allein als ein genealogisches Dokument und darum beyfüge, weil von Wilhelmen, dessen Geschichte ein großes Licht auf die Geschichte Lorenzens wirft, noch etwas mehreres gesagt werden muß.[12] Es würde hier eine zu weitläuftige Sache, und ganz am unrechten Orte angebracht seyn, wenn ich alle die Urkunden vorlegen wollte, welche die Abstammung aller Söhne aus der dritten Ehe bis zur Gewißheit darthun können. Es kommt hier allein auf den zuverläßigen Beweis an, daß Lorenz ein Sohn Hannsens, und nicht der Sohn eines Georgs von Bibra gewesen sey, und hier ist er.
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Ehe der Bischoff Rudolf zu Wirzburg dem Geschlechte von Bibra die Concession zur Erbauung einer eignen Kirche zu Bibra ertheilte, so waren die Hennebergischen Klöster, Rohr und Vesser, die Grabstätten der Geschlechtspersonen. Der Fürstbischoff Lorenz, der erste des Geschlechts, der den Gedanken einer Geschlechtsgeschichte gefaßt haben mochte, beeiferte sich um Nachrichten von seinen Voreltern, und forderte in dieser Absicht vom Kloster Rohr einen Bericht von allen seinen daselbst begrabenen Geschlechtsvorfahren.| Dieser Bericht vom Jahre 1502, der, obgleich hie und da vom Moder durchfressen, noch im Originale vorhanden, und ein wahres Geschlechtsdocument ist, nennt unter andern zu Rohr begrabenen Geschlechtspersonen auch den Vater des Bischoffs, Lorenz, mit der ganz umständlichen Nachricht: „Anno Dni M°cccc°Lxxijj jar vff mitwochen nach valterstag ist gestorben der erber und veste Hans von Bibra dem got gnade der Ever fürstlichen gnaden vater gewest.[13]

Lorenz war für das Geschlecht ein so wichtiger und merkwürdiger Mann, daß die archivalischen Familiennachrichten über keinen Punct so zahlreich und bestimmt sind, als über die Abstammung desselben. Alle sagen es einstimmig, daß er ein Sohn Hannsens von Bibra und der Agnes von Schenkenwald sey.[14]

| Ich würde nun sogleich von Lorenzen reden, wenn ich nicht zuvor von seinem grossen Bruder Wilhelm von Bibra reden müßte, der, wenn man alle Nachrichten zusammen vergleicht, Lorenzen den Eingang in seine glänzende mit so vielem Ruhme vollendete Laufbahn wo nicht geöffnet, doch um vieles erleichtert hat. Wilhelm war zu seiner Zeit ein Mann von glänzenden Verdiensten; alle von ihm aus den Urkunden mir bekannt gewordene Nachrichten, die ich hier gedrängt zusammenstellen will, bestättigen dieses. Es war damahls Regel des Adels, daß Söhne, die aus zweyen Ehen entsprossen waren, um allem Erbschaftsstreite vorzubeugen, noch bey Lebzeiten des Vaters durch Abfindungen abgesondert wurden. Das| war auch sehr frühe mit Wilhelmen von Bibra geschehen. Noch ehe er mit seinem Bruder Anton zugleich abgetheilt wurde, war er schon zweymahl von seinem Vater vor den Jahren 1468 und 1471 für seine Person abgefunden, aber beyde Abfindungen bald darauf widerrufen worden. Wilhelm, aus der väterlichen Gewalt dadurch entlassen, bekam damit die Freyheit, sich die Laufbahn selbst zu wählen und zu ebnen, die sein großer thätiger Geist eigentlich erforderte. Er trat zuerst als Kriegsmann in die Dienste des Landgrafen Ludwig zu Hessen, der ihm sogleich beym Antritt eine jährliche Rente von 400 fl. verschrieb, und ihm zur Versicherung das Amt Schmalkalden amtsweise einräumte. Wilhelm war bald im Stande, sich einen Verzichtsbrief auf sein in dem Dienste andrer Fürsten erworbenes Vermögen von seinem Vater ausbitten zu können.[15] Gewiß blieb er bis in das Jahr 1485 in dem Dienste der Landgrafen zu Hessen; denn in diesem Jahre wurde er vom Landgraf Wilhelm dem ältern für seine vielfachen in den Kriegen geleisteten Dienste mit 25 fl. Mannslehengeld belohnt. Bald darauf erscheint er in den Geschlechtsdocumenten als Rath des Kurfürsten| Herrmann zu Cölln, und als Ammtmann zu Hornburg und Rulandsbeck, und 1486, wahrscheinlich in der Begleitung dieses Kurfürsten auf dem Wahltage des Königs Maximilian I. zu Frankfurt. Er hat das Notificationsschreiben der Kurfürsten an Kaiser Friedrich III. von der Wahl seines Sohns zum Römischen König, das im Original mit den sechs gut erhaltenen kurfürstlichen Siegeln in einem der Bibraischen Archive vorhanden ist, und von mir hier in Abschrift mitgetheilt wird, ob als Minister des Kurfürsten von Cölln, oder als erster Zeuge aus der Ritterschaft, so gleich nach den anwesenden Grafen, und noch vor dem kursächsischen Obermarschall Hugo von Schleinitz bescheinigt.[16] Friedrich III. zog ihn nicht lange darauf in seine eignen Dienste, und schickte ihn 1490 als seinen Gesandten nach Rom – aber hier beschloß er seine Laufbahn. Er starb auf der Rückreise, Biedermann sagt: zu Verona, die Familiendocumente nirgends, wo? aber wohl, daß er Reliquien von Rom in die Kirche zu Walbach geschickt habe. Der schnelle Fortgang seines Glücks, die erhabenen Stufen, in welchen| er als Geschäfftsmann erscheint, sind schon Zeugnisse genug, daß er als ein Mann von ausserordentlichen Talenten bey den größten Fürsten seiner Zeit in einem ausgezeichneten Ansehen gestanden haben müsse. Noch mehr bescheinigen aber dieses die großen Vorrechte, die er seinem Geschlechte zu erwerben wußte. Wilhelm war es, der dem Geschlechtsorte Bibra in Franken das große Vorrecht eines Marktfleckens mit den Rechten des Zolls und Geleites,[17] dem Gute seines leiblichen Bruders, Anton von Bibra, Walbach, das Recht des Blutbanns vom Kaiser Friedrich III. und von dem Pabst Innocentius VIII. für die Kirche an dem letztern Orte einen Ablaßbrief auswirkte, der für ihre Aufnahme und Verschönerung in den damahligen Zeiten die kräftigste Wirkung thun mußte. Ich lege von allen Urkunden, die ich in Händen habe, allein die päbstliche Bulle bey, weil sie zugleich eine Bescheinigung der ihnen aufgetragenen kaiserlichen Gesandtschaft an den päbstlichen Hof und das stärkste| Zeugniß seiner von dem Kaiser und Pabst anerkannten Verdienste ist.[18] Er mußte ein beträchtliches Vermögen in seinen verschiedenen Diensten erworben haben. Er hinterließ seinem unmündigen Sohn Wilhelm nicht allein den ganzen Bestand seiner vom Vater ererbten Güter, sondern auch so viel an baarem Gelde, daß ihm sein Vormund und Oncle, der Fürstbischoff Lorenz das Schloß Euerburg mit den Dörfern Ober- und Untereuerheim ankaufen konnte. Sein zweyter Bruder, Anton, erst Hessischer Amtmann zu Vach, darauf Wirzburgischer Amtmann zu Auersberg, Fladungen und Rotenstuhl, und nach Lorenzens Erhebung auf den bischöfflichen Stuhl, Wirzburgischer Rath, der vertrauteste Freund Wilhelms, war in seinem Wirkungskreise nicht weniger großer Mann – ganz der Mann seines Zeitalters, der sowohl seine eignen Rechte, als die Rechte seiner Freunde mit den Waffen in der Hand durchzusetzen, und seine Verbindlichkeiten nach dem strengsten Sinne der Verträge abzumessen und zu erfüllen pflegte. Von so manchen Fehden, die er als ein glücklicher Sieger endigte, will ich hier| nur seine 1494 gegen die von Guttenstein ausgeführte Fehde anführen.[19] Es hatten zwar mehrere, aber keiner einen so thätigen Antheil an derselben, als Anton von Bibra. Die Kirche zu Bibra enthält noch ein Denkmahl von diesem Kriegszuge Antons, das zugleich eine Anzeige von der Anzahl seiner Kriegsknechte gibt.[20] Anno Domini 1494, heißen die Worte einer alten Steinschrift, Anthonius de Bibra pernoctavit in vico Euerbache una cum centum et decem equestris in viglia Nicolai Episcopi et permanserunt ibi usque in diem Nicolai circa vesperas quo receserunt et dies Nicolai erat in Sabbatho et mane sequenti h. e. die dominica mane obsedit castellum, quod dicitur Meynbernheim, pertinens ad coronam Bohemiae, cum magno exercitu et spoliarunt castellum et capti sunt omnes cives in eodem cum adjutoris multorum nobilistarum et peditum de Thüngen et Hutten. Auch Anton bereicherte theils in seinen Bedienungen, theils durch seine glücklich unternommenen Fehdensein vom Vater ererbtes Vermögen mit dem| beträchtlichen Gute Burgwalbach, das er 1489 von Bernhard von Marschalk erkauft und das Hochstift Wirzburg nach dem Tode Heinrichs von Bibra, des letzten Abkömmlings aus der ältern Schwebheimer Linie, nach einem achtzigjährigen Proceß durch einen Vergleich an sich gerissen hat.
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Von solchen Vätern entsprossen und unter und neben solchen Männern aufgewachsen, was konnte von Lorenzen, der denselben großen Geist hatte, und gerade in der ruhmvollesten Periode seines Geschlechts lebte, in seiner Laufbahn anders erwartet werden, – als Großes! Lorenz, ein wirklich großer Mann, verdiente eine Biographie im ganzen Verstande, wenn man ihn von Stufe zu Stufe bis auf den Thron begleiten könnte, den ihm seine Verdienste erworben haben. Aber leider fehlt es zu sehr an Nachrichten, als daß man seinem Gange bis auf jeden Schritt nachgehen und die glücklichen Perioden, welche die Ausbildung seines Geistes am meisten bewirkt haben, mit Zuverläßigkeit bestimmen könnte. Seine erstre Schule war das Kloster Vesser. Eine aus ungedruckten Nachrichten des Klosters Vesser hergenommene und zwey Jahre nach seines Vaters Tode niedergeschriebene| Anzeige mit den wenigen Worten. Laurentius de Bibra, nostrae congregationis scholaris sagt dieses ganz gewiß. In den ersten Zeiten war dieses von seinen Stiftern, den Grafen von Henneberg, so sehr geliebte Kloster fast allein mit adelichen Personen besetzt und die Pröbste und Äbte desselben wurden aus diesem Adel gewählt.[21] Aus einem Bruchstücke von Beweisbriefen, das von 1465 bis 1490 fortgeht, also gerade in die Periode Lorenzens fällt, und unter den ungedruckten Urkunden des Klosters Vesser gefunden wird, sieht man, daß die Aspiranten in diesem Kloster eben so, wie in den Stiftern, ihre Ahnenproben führen mußten.[22] Dieses Bruchstück enthält die Beweisbriefe der Schaumberg, Zollner, Meude, Marschalk von Walpach, der Frauenberge, Diemar, Berge, Steinau, Eberstein, Hutten, Wechmar, Zobel von Guttenberg und sogar| 1482 die Ahnenprobe eines Grafen Philipps von Hanau. Für Lorenzen konnte dieses Kloster, als erstre Schule, um so mehr Anlockendes haben, weil zwey seiner Vorfahren, Siegfried und Hermann von Bibra, kurz hinter einander, jener nach den von ihm vorhandenen Urkunden von 1323 bis 1336 und dieser von 1338 bis 1364 Äbte des Klosters gewesen waren, der erstre sogar die Probstey durch seine Vermittelung zu einer Abtey erhoben und nach ihm das ganze Geschlecht von Bibra durch Schenkungen und Vermächtnisse sich einen hohen Grad von Verdienst um dieses Kloster erworben hatte. Wie lange Lorenz in diesem Kloster geblieben sey, ist nicht gewiß, indessen scheint es nicht, daß er sich schon damahls dem geistlichen Stande ganz gewidmet habe. Nach den Familiennachrichten besaß er vielmehr nach dem Tode seiner Mutter Agnes von Schenkenwald verschiedene Lehngüter, und unter andern ein Burggut zu Schleusingen mit seinem Bruder Stephan gemeinschaftlich, hatte sogar über das letztere die Belehnung von Grafen Wolfgang zu Henneberg empfangen. Allemahl aber muß seine geistliche Laufbahn in dem Jahre 1480 schon ihren Anfang genommen haben, weil| nicht er als ältester Sohn aus der dritten Ehe, auch nicht Veit, sein zweyter Bruder und damals schon Domherr zu Mainz, sondern Steffan, der dritte Bruder, für sich und seine jüngeren Brüder von dem Domprobst Kilian von Bibra, seinem Vetter, den Zehenden zu Kleinbardorf in diesem Jahre zu Lehen empfing.[23] Als Domherr zu Mainz hab ich ihn in den Familiendocumenten wirklich nicht vor dem Jahre 1490 gefunden.[24] Er lebte indessen weit früher an dem erzbischöfflichen Hofe zu Mainz, und hier war es eigentlich, wo Lorenz seine große Laufbahn anfing, und bey seinen wirklich ausgezeichneten Talenten nach und nach so manche glücklichen Gelegenheiten, die ihn alle dem höchsten Ziele um so viel näher zuführten, für sich zusammenkommen sah. Ein sehr glücklicher Umstand für ihn war es unstreitig, daß Berthold, Graf von Henneberg ein Prinz aus seinem landesherrlichen Hause, gerade damahls auf dem erzbischöfflichen Stuhle saß. Er begünstigte Lorenzen, und stellte ihn an die Orte hin, wo er seine glänzenden| Gaben zeigen, und sich den Beyfall und die Achtung anderer Fürsten erwerben konnte. Er nahm ihn 1486 unter seine Begleitung zu der Krönung Maximilians I nach Aachen. Ob sein Bruder Wilhelm, der bey der Wahl Maximilians zum Römischen König gegenwärtig war, auch bey der Krönung desselben in Aachen gegenwärtig gewesen sey? davon hab ich kein Zeugniß auffinden können; aber es sey, wie ihm wolle, so bleibt immer das wohl zuverläßig, daß die großen von Friedrichen, Maximilian und den Kurfürsten des Reichs gekannten Verdienste des Wilhelms, die Verdienste des Lorenzen in Aachen zuerst in das Licht gesetzt, und ihm das große Zutrauen Maximilians, das er bis an seinen Tod behalten hat, zuerst zugetheilt haben mögen. Genug, Lorenz wurde hier in Aachen dem König Maximilian und den gegenwärtigen Reichsfürsten von einer so vortheilhaften Seite bekannt, daß sie bald darauf alle für seine Erhebung zu arbeiten schienen. Sehr glücklich war das Jahr 1494 für ihn; es ernannten ihn in demselben Jahre der Erzbischoff Berthold zu Mainz zu seinem Capellan, und der Kaiser Maximilian, so wie die Kurfürsten von Cölln und zu Pfalz zu ihrem Rath; ein großer Schritt zu der| letztern Stufe seines Glücks, die er wenige Jahre darauf bestieg.[25] Zu eben der Zeit, in welcher Lorenz von Bibra sich in dem Erzstifte Mainz auszeichnete, besaß das Hochstift Wirzburg zwey würdige verdienstvolle Männer aus demselben Geschlechte, den Domprobst Kilian von Bibra, und den Domherrn Albert von Bibra. Kilian war einer der gelehrtesten Männer des Hochstifts, schon 1443 Domherr, wurde darauf Doctor Decretorum, 1466 vom Fürstbischoff Rudolf als Orator nach Rom geschickt, von ihm in den wichtigsten Angelegenheiten, unter andern zu dem Vergleiche zwischen dem Erzstift Mainz und denen von Rosenberg, und in dem Streite zwischen dem Bischoffe und dem Grafen Otto von Henneberg, wegen des Schlosses und Amtes Ascha gebraucht, wurde 1476 Probst zum neuen Münster, 1483 Domprobst des Hochstifts, und 1486 des Fürstbischoffs Rudolf in Spiritualibus Vicarius generalis.[26] Er hatte also eine Stufe| des Hochstifts nach der andern betreten, sich ein ganzes halbes Jahrhundert hindurch um dasselbe verdient gemacht, und – Lorenzen damit bey dessen eignen Verdiensten den Weg zu der höchsten Stufe in demselben desto ebner gemacht. In der That ist es nicht bekannt, in welchem Jahre Lorenz eigentlich als Domherr in das Stift Wirzburg eingetreten sey. Gropp und Salver bestimmen, der eine so wenig wie der andre, das Receptionsjahr, und beyde sagen bloß, daß er nur 61/2 Jahre Domherr in Wirzburg gewesen sey.[27] Die älteste Geschlechtsurkunde, in welcher ich ihn als Domherrn zu Mainz, Bamberg und Wirzburg angetroffen habe, ist vom Jahre 1492, der von Lorenzen für seinen Mündel, Wilhelm von Bibra, den einzigen Sohn seines ältern Bruders Wilhelm, geschlossene Kaufbrief über Ober- und Untereuerheim.[28] Allemahl war er nur kurze Zeit Domherr des Hochstifts Wirzburg gewesen, als er 1495 nach dem Tode seines Vettern Kilian als Domprobst und noch in eben demselben Jahr, nach dem Tode Rudolfs, als Bischof zu Wirzburg so einmüthig| gewählt wurde, daß Wahl und Erhebung auf den Altar eine Sache von wenigen Stunden war.[29] Die noch gegenwärtigen Verdienste des Domprobstes Kilian, der große Ruf, den Lorenz, nach dem bisherigen Gange seines Lebens, vor sich hatte, trugen wohl gleich viel zu dieser ungewöhnlich glücklichen Wahl bey.
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Was Lorenz eigentlich war? Kenner und Liebhaber der Wissenschaften, aufgeklärter selbstdenkender Kopf, mit Vestigkeit und Entschlossenheit des Herzens, wahrer Staats- und Geschäfftsmann seiner Zeit, und das alles in einem ausgedehnten Verstande – was er in den vorherigen Lagen und Fortschritten seines Lebens nur von sich vermuthen ließ, das zeigte er als Fürstbischoff ganz. Ich übergehe hier alles, was Friese und Gropp, obgleich kurz, doch mit einstimmigem Lobe von seiner bischöfflichen Regierung erzählen, und stelle nur einige einzelne, theils von diesen Männern vergessene, theils aus der Geschichte seines Geschlechts hergenommene Data zusammen, die den großen Mann seines Zeitalters noch mehr in der Nähe zeigen, und den geistlichen Fürsten nach seinen| eigentlichen Grundsätzen kennbar machen können.
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Wenn Wirzburg den Anfang seiner Aufklärung in ältern Zeiten aufsuchen müßte, so würde es ihn in der Zeitpriode Lorenzens von Bibra finden. Lorenz lebte mit Luthern noch am Ende seiner Tage zugleich, dachte bey der vollen Reife der Jahre, nach ungleich größern Erfahrungen, über viele Mängel der Kirche, gerade wie er, und hielt, was Luthern eine auffallende Rechtfertigung gibt, eine Reformation für eben so nothwendig, wie er. Daß das ganze Verderben der damahligen Kirche hauptsächlich vom geistlichen Stande ausgehe, und es nicht anders, als durch die Verbesserung und mehrere Aufklärung dieses Standes gehoben werden könne; in diesem Puncte dachte er mit Luthern ganz einstimmig. Lorenz, mehr Mann von Erfahrung, als Luther, mit der ganzen Klugheit, die sein Stand und seine Würde erforderten, behielt nur bey seinem Eifer für bessere Aufklärung und Disciplin in seinem Stifte sorgfältig den Bischoff im Auge. Er hieb dem Baum nicht gerade um, der bey allen seinen Krankheiten durch Beschneiden oder Einimpfen wieder tragbar gemacht werden konnte. Er ließ den Gottesdienst, verbesserte| aber die Missalien und Breviere, ließ die Klöster, machte sie aber zur Wohnstätten der Moralität und der Wissenschaften. Um den in den Wirzburgischen Klöstern erstorbenen Geist der Gelehrsamkeit wieder anzufachen, wählte er ein eben so weises als wirksames Mittel. Er berief den gelehrtesten, rechtschaffensten Mann seines Zeitalters, den Abt Trithem zu Sponheim, zu sich nach Wirzburg, ernannte ihn zum Abt des von ihm aus den Trümmern erhobenen Schottenklosters, und gab allen Klöstern in ihm ein Vorbild, das nothwendig Nacheiferung erwecken mußte. Es gereichte Lorenzen zur doppelten Ehre, daß er Trithemen wählte, der eben unter Neid und Mißgunst leiden mußte, und daß Trithem seinen Antrag dem Antrag aller andern Fürsten vorzog.[30] Daß Lorenz so wohl selbst den Reformationsgeist anderer begünstigte, das zeigt sein eignes edles Betragen gegen den großen Reformator Luther unwidersprechlich. Da sich Pabst und Fürsten vereinigten, diesem Manne den Schutz seines Fürsten, Friedrichs des Weisen,| zu entziehen, so bat Lorenz, Bischoff zu Wirzburg, diesen Kurfürsten in einem eigenhändigen Schreiben: „daß er den frommen Mann, D. Martinus, ja nicht wegziehen lassen wolle, denn es geschähe ihm unrecht“ – ein Bekenntniß, das in seine eigne Überzeugungen von dem Religionszustande der damahligen Zeit einen tiefen Blick gewährt.[31] Lorenz nahm sogar Luthern überaus gnädig auf, als er ihm auf seiner Reise nach Heidelberg persönlich die Aufwartung machte. Beyde Männer schätzten sich, obgleich keiner mit dem andern ganz zufrieden seyn konnte, Lorenz nicht mit dem ungestümmen Eifer des Wittenbergischen Theologen, und Luther nicht mit der bischöfflichen Zurückhaltung des Wirzburgischen Fürsten.[32] Daß Lorenz indessen über viele Dinge, die| er als Bischoff dulden mußte, gerade nicht anders wie Luther denken mochte, darüber gibt Seckendorf einige belehrende Winke. Lorenz sah unter andern die unnöthige Bevölkerung der Nonnenklöster, die allemal ein wahrer Menschenraub für den Staat selbst ist, durchaus nicht gerne. Er gab nie seine Einwilligung, wenn ein Vasall einen Consensbrief zur Aufnehmung eines Capitals für die Ausstattung einer geistlichen Tochter zu haben wünschte, forderte vielmehr den Vater zur Verheyrathung der Tochter auf, und erbot sich sogar selbst zur Vorstreckung des Heirathguts, wenn es an demselben fehlen sollte.[33] Bey aller Einsicht in die mancherley Religionsmängel seiner Zeit, bey dem wärmsten Wunsche für ihre Verbesserung, bey einer vielleicht geheimen Theilnehmung an den gewagten und glücklichen Fortschritten| Luthers, durfte Lorenz nie weiter gehen, als er als Bischoff gehen konnte.
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Lorenz wußte überhaupt mit allen seinen Handlungen, auch mit seinen vielfachen seinem eignen Geschlechte bewiesenen Begünstigungen den Bischoff vortrefflich zu verbinden. Wenn er Vortheile zugestand, so vergaß er nie die Vortheile des Bischoffs, nie das Interesse seines Hochstifts dabey. Er blieb wirklich seinem Geschlechte, das bey seiner Thronbesteigung in den fünf verschiedenen Linien im höchsten Flore stand, mit ganzer Theilnehmung bis an seinen Tod ergeben, behielt den Glanz, so wie die Aufrechthaltung der von seinen Vorfahren aufgerichteten Hausverfassung desselben auch als Bischoff am Herzen, handelte selbst in den Angelegenheiten desselben, und that alles für seine Vergrößerung, was er nur ohne Beeinträchtigung seiner bischöfflichen Würde, und ohne Vervortheilung des Interesse des Stifts für sie thun und wirken konnte. Er ernannte bald nach seiner Erhebung auf den bischöfflichen Stuhl seine beyden Brüder, Anton von Bibra zu Burgwalbach, und Hannsen von Bibra zu Schwebheim und Kleinbardorf, so wie auch seine Vettern, Christoph von Bibra zu Bibra und Mühlfeld, und| Valentin von Bibra zu Irmelshausen, Aubstadt und Höchheim, gerade die vier merkwürdigsten damals lebenden Geschlechtspersonen zu seinen Räthen. Aber sie mußten auch alle diese und andre bewiesene Begünstigungen mit neuen Verbindlichkeiten gegen das Hochstift bezahlen. Hanns übertrug sein freyes Gut Kleinbardorf und Valentin seinen Antheil an dem Schlosse zu Bibra, dem Stifte Wirzburg zu Lehn.[34] Lorenz ging sogar, wie ich aus archivalischen Documenten versichern kann, mit dem Gedanken um, daß seine Geschlechtsvettern alle ihre von dem Kaiser Friedrich III und Maximilian I für ihren Geschlechtsort Bibra erhaltene wichtige Privilegien, gegen welche sein Vorgänger, der Bischoff Rudolph öffentlich protestirt hatte,[35] in der Folge als ein Afterlehn von dem Stifte Wirzburg empfangen sollten. Der Widerstand seiner Vettern und sein erfolgter Tod hoben aber eine Unterhandlung auf, die dem ganzen Geschlechte bey aller Ehrerbietung gegen den gefürsteten Oncle und Bruder durchaus zuwider war. Indessen waren seine Verdienste| für sein Geschlecht auszeichnend. Er nahm sich der Kinder seines ältesten Bruders Wilhelm, über welche er auch als Fürstbischoff die Vormundschaft fortführte, mit der väterlichsten Sorgfalt an, hob den Wiederkauf von Irmelshausen auf, verschaffte also seinem Vetter Valentin von Bibra den sichern unwiderruflichen Besitz der Veste und der Vogteylichkeit daselbst, zu Aubstadt und Höchheim, verband mit diesem Besitze bald darauf das Patronatrecht der neuen Kirche am letztern Orte, nahm an allen Geschlechtsangelegenheiten Antheil, wirkte auf jede Aufforderung gerne mit seinem Ansehen, wenn Processe oder Streitigkeiten unter einzelnen Geschlechtsmitgliedern entstanden waren, und entschied allemahl so, daß sowohl die Eintracht in dem Geschlechte erhalten, als die Würde desselben geschont werden mußte. Ich könnte alles dieses mit einer Menge von Urkundenzeugnissen darthun, wenn sie hier am rechten Orte ständen; indessen ist schon ein einziges Zeugniß hier genug. Das Geschlecht von Bibra hatte in den Zeiten des Faustrechts, nach der Weise mehrerer anderer Geschlechter des höhern und niedern Adels in Franken, das Ganerbenrecht zu Bibra angenommen und zur Aufrechthaltung desselben| einen eignen Burgfrieden aufgerichtet und beschworen. Dieser Burgfriede, der von Generation zu Generation erneuert wurde,[36] war bis auf die Zeit Lorenzens heilig gehalten, nicht ein einzigesmahl gebrochen worden. In den letzteren Jahren desselben wurde er aber auf die auffallendeste Art verletzt. Wilhelm und Michael von Bibra, zwey junge rasche Männer, jener ein Sohn Hannsens von Bibra zu Schwebheim, des Bruders des Fürstbischoffs, und dieser der Sohn des Ritters Lorenzen von Bibra zu Gemünde, geriethen bey einer Versammlung mehrerer Geschlechtspersonen zu Bibra in dem Schlosse in einen Streit, griffen zu den Waffen und gingen so hitzig zu Werke, daß es, wie man aus dem darüber| über geschlossenen Vertrag deutlich merken kann, zu mehreren Verwundungen kam, ohne daß der darzwischen getretene ältere Vetter dabey geschonet wurde. Nach dem aufgerichteten Burgfrieden hätten die sogenannten drey gekornen Freunde des Geschlechts über diesen Burgfriedensbruch allein erkennen und dem ausdrücklichen Gesetze des Burgfriedens gemäß: „Wund aber unser einer dem andern, inn oder außerhalb des Burgfrieden, der das thut, der sol in der vier Stett einer, Schleusingen, Römhild, Mellerstatt oder Köngishofen einreiten, vnnd ein gantz Jahr alle nacht aneinander darinnen sein vnd wann dann das Jahr außkumpt, so mag er heimbreiten vnnd sol darvmb thun vnd das wandeln, alß die drey vnsere gekohren frevndt darumb erkehnnen vnd sprechen, ohne geuehrde“ über denselben erkennen müssen. Wahrscheinlich um nicht durch zu strenge Behandlung den ganzen Vorfall noch kundbarer zu machen und die Ehre des Geschlechts zu schonen, zog der Bischoff Lorenz die ganze Sache an sich, setzte sich mit seinem Vetter, dem damahligen Commenthur Wolfgang von Bibra an die Spitze der drey gekornen| Freunde und that mit ihnen den Spruch, daß der ganze Vorfall ohne weitere Untersuchung und Ahndung in Vergessenheit gesetzt und nie wieder, weder von dem einen noch andern Geschlechtsverwandten mit einem Worte in Erinnerung gebracht werden sollte.[37] So wie Lorenz handelte, konnte er als Bischoff für sein Geschlecht handeln; und er handelte allemahl besser, als sein Vetter und baldiger Nachfolger, Conrad von Bibra, der um der Vortheile seines Wilhelms von Grumbach willen, die Vortheile seines eignen Geschlechts beynahe ganz aus den Augen setzte.
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Ob Lorenz den Bischoff zu stark gegen den Fürstgrafen Wilhelmen von Henneberg gespielt, in wie fern er die damahls geliebte Maxime von einem dem Hochstifte Wirzburg zukommenden Herzogthum in Franken zu sehr zum Nachtheil des Letztern geltend gemacht und damit den ersten Gedanken zur Aufhebung alles Lehnsnexus veranlaßt habe, wie der Verf. der Abhandlung veranlaßt habe, wie der Verf. der Abhandlung über das Burggrafen- und Erbmarschallamt des Hochstifts Wirzburg versichert,[38] das sind Fragen,| die aus den öffentlichen Archiven allein beantwortet werden können, und von dem verdienstvollen Verfasser der diplomatischen Geschichte des Fürstenthums Henneberg vielleicht am ersten beantwortet werden dürften. Die ältern Wirzburgischen und Hennebergischen Geschichtschreiber sagen nichts und der Verf. jener Abhandlung zu wenig Bestimmtes davon. Die Entschlossenheit, der Ehrgeiz, der Eifer Lorenzens für die gegründeten und vermeintlichen Gerechtsame seines Stifts machen indessen die Sache immer wahrscheinlich.
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Nichts setzt die großen Talente Lorenzens so in das Licht, als das Ansehen, mit welchem er seine reichsfürstliche Würde zu führen wußte. Er besuchte die mehresten Reichstage selbst, hatte an allen Reichsangelegenheiten unmittelbaren, oft entscheidenden Antheil. Gerade die zwey größesten, einsichtsvollesten Teutschen Regenten seiner Zeit, Maximilian I und Friedrich der Weise, waren seine vertrautesten Freunde. Als Maximilian 1518 das Wort des Kurfürsten Friedrich zu Wahl seines Enkels, des jungen Karls, zu gewinnen wünschte, so wandte er sich an Lorenzen, als den einzigen Fürsten, dessen Wort bey weisen| und standhaften Friedrich etwas zu vermögen pflegte.[39] So glücklicher Negotiateur er in den Angelegenheiten seines Geschlechts war, so war es auch in den wichtigen und verwickelten Angelegenheiten des Reichs. Er legte die weitläuftigen Irrungen zwischen der Stadt Erfurt und dem Magistrat und zwischen den Kurfürsten und Herzogen zu Sachsen und dem Kurfürsten zu Mainz, die eben zum thätlichen Ausbruch kommen sollten, 1509 durch den Convent zu Mühlfeld glücklich bey.[40]

Ich schließe diesen Beytrag zur Geschichte des Fürstbischoffs Lorenz von Bibra mit einer richtigen aus den Geschlechtsurkunden selbst gezogenen Darlegung der Abstammung derselben.[41] Sie ist diese:


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Anton von Bibra gest. 1419, liegt im Kloster Rohr begraben. Gem. Anna von Thüngen.
Hanns von Bibra Ritter und Erbuntermarschall gest. 1473 zu Rohr begraben.
Gemalinnen.
Steffan war schon 1472 gestorben. Lorenz starb unvermählt und liegt im Closter Rohr begraben.
1) Anna von Heßberg verm. 1441.
2) Magdalena von Guttenberg. gestorb. 1457. 3) Agnes von Schenkenwald, verm. 1458.
Wilhelm von Bibra Ritter, zuerst Amtmann zu Schmalkalden, darauf Kurkölln. Rath und Amtmann zu Hornburg u. Rulandsbeck, zuletzt Kaiserl. Gesandter zu Rom, gest. 1490. Gem. eine Schenk v. Schweinsberg
Anton v. Bibra erst Amtm. zu Vach, darauf zu Auersberg, Fladungen u. Rotenstuhl zuletzt Fürstbisch. Lorenzens Rath, gest. 1502. Gem. Marg. Riedesel. gest. 1503.
Lorenz von Bibra Fürstbisch. zu Wirzb. u. Herzog in Frank. Veit Domh. zu Mz. Steffan stirbt ohne Erben. Hanns v. Bibra Ritter, Fürstl. Wirzb. Rath, Erbuntermarschall und nach dem Tode seiner ältern Brüder, Besitzer von Schwebheim, Kleinbardorf, Ober- und Untereuerheim und Burgwalbach, der Stammvat. der folgenden Linie. gest. 1528. Gem. Brigitta von Breitenstein.
Wilhelm von Bibra, Gem. Amalie Förtschin von Turnau, stirbt unbeerbt. Lorenz. starb im 11ten Jahre.


  1. Schannats Fuldaischer Lehnhof; oder Clientela Fuld. S. 243 N. 121.
  2. Schultes diplomatische Geschichte des Fürstenth. Henneberg 1. Th. S. 333.
  3. Friesens Wirzburg. Chronik in Joh. P. Ludewigs Geschichtschreibern. S. 669. G. P. Hönns Coburg. Historie. II. Th. S. 92. Wahrscheinlich reden Friese und Hönn von einer und derselben Sache. Hönn nennt zwar statt Friedrichen einen Borteba von Bibra; aber es gibt in der ganzen Bibraischen Geschlechtsgeschichte keinen Borteba von Bibra.
  4. Ioannis Rer. Moguntinar. Vol. I. S. 721. Inde viribus suis (Ioannes II) hoc magis firmandis Eltvillae, Sabbato ante Dominicam usu Ecclesiastico Reminiscere appellatam, Antonium de Bibra post non multo Ioannem de Wangenheim, haud fegni consilio manuque viros, in belli adjutorium aduersus Landgravios Thuringiae et Marchiones Misnenses, Brunsuicenses item et Hassum sibi obstrinxit.
  5. Urk. 1. und 2.
  6. Da die hieher gehörige Urkunde, der Spruchbrief Grafen Georgs von Henneberg-Römhild zwischen [554] dem Grafen Wilhelm von Henneberg-Schleusingen und denen von Bibra wegen Themar und Osterburg vom Jahre 1434 wahrscheinlich in der diplomatischen Geschichte des Fürstenthums Henneberg mitgetheilt werden wird, so ziehe ich nur die hieher gehörigen Worte aus derselben aus. „Vnd das Hans von Bibra, Anthonien seligen Sone Im (den Grafen Wilhelm) uf siner vnd des Richsstraßen In sinen Zollen vnd Geleiten byn Widerspruch genomen solle haben.“
  7. Christ. Schöttgen. und Georg Chr. Kreyssig Diplomataria et scriptor. histor. germ. Tom. II. S. 611. auch 584.
  8. Ibid. S. 611-612.
  9. Urk. III. Ich theile hier diesen Vertrag mit, weil er, so viel ich weiß, noch nirgends, auch nicht in den Sammlungen zur Sächs. Geschichte bekannt gemacht worden ist.
  10. Man findet die sämmtlichen hieher gehörigen Documente in der Sammlung vermischter Nachrichten zur Sächs. Gesch. Th. XI. S. 133-147. Daß Hanns aber bis an seinen Tod in dem Besitze der Erbuntermarschallswürde geblieben sey, bescheinigt Urk. IV.
  11. J. Octav. Salvers Proben des hohen teutschen Reichsadels S. 375 und 376. Joh. Gottfr. Biedermanns Geschlechtsreg. – des löbl. Orts Steigerwald Tab. XI. Aus vielfacher Erfahrung kann ich vor den genealogischen Nachrichten dieser beyden Schriftsteller nicht genug warnen. Alle Ahnenproben des Erstern von dem Bibraischen Geschlechte sind durchaus fehlerhaft und alle Geschlechtstafeln des letztern von eben diesem Geschlechte, besonders in ältern Zeiten, so durchaus falsch, daß sie ganz als unnütze Waare durchgestrichen werden können.
  12. Urk. V.
  13. Urk. VI.
  14. Ich will nur eine von diesen aus den Familiendocumenten hergenommenen Nachrichten von Wort zu Wort hieher setzen. Zu wissen, heißt sie, daß Bischoff Lorenzen von Bibra Anherr geheißen hat: Anthonius von Bibra und hat eine von Thüngen zum Eheweib gehabt. Bischof Laurentzen Vater hat Hans von Bibra geheißen, leit zu Rohr im Closter begraben. Der hat drey Weiber zur Ehe gehabt. Das ander Weib ist eine von Guttenberg gewest, mit derselbigen hat er keine Kinder [561] gezeugt. Die erste ist ein von Heßberg gewest, mit derselbigen hat er gezeugt Hern Wilhelmen vnd Anthonius von Bibra. So hat Herr Wilhelm einen Son gelassen, hat auch Wilhelm geheißen. Das drit Weib ist eine von Schenkenwald gewesen, mit nahmen Agnes, mit derselbigen hat er gezeugt Bischof Laurentzen, Veiten, ein Thumherr zu Menz, Steffan und Herr Hannsen Ritter von Bibra, auch zwo Dochter Anna und Catharina. Anna hat Merten Truchseß gehabt zu Bommersfelden, Catharina hat Herr Mauritzen von Schaumberg gehabt zu Dondorf.
  15. Urk. VII.
  16. Urk. VIII.
  17. In dem Privilegienbriefe Friedrichs III. für Bibra, vom J. 1486. heißt es: Wan wir dan guetlich angesehen vnd betrachtet haben, die getreuen, angenehmen und nützlichen Dienst, so Buß vnd dem heyl. Reich, Vnser vnd des Reichs lieber getrewer Wilhelm von Bibra – williglich vnd vnverdrossen erzeigt vnd beweisen.
  18. Urk. IX.
  19. Friesens Wirzburg. Chronik in Joh. P. Ludewigs Geschichtschr. S. 863. u. f.
  20. J. Mich. Weinreichs Kirchenstaat des Fürstenthums Henneberg. S. 544. u. f.
  21. J. M. Weinreichs Kirchen- und Schulenstaat S. 42, 43.
  22. Man findet diese Vessraer Urkunden in mehreren Archiven gesammelt in Abschrift. Aus einer solchen Sammlung theile ich diese Nachrichten mit. Ihre Bekanntmachung würde für die Geschichte des Frankenlandes allerdings wichtig seyn, weil sie sehr vieles, besonders in der Geschichte der adelichen Geschlechter, berichtigen und aufklären würden.
  23. Urk. X.
  24. Gropp sagt in collect. noviss. Scriptor. S. 837, daß er im Jahre 1489 zuerst als Domherr zu Mainz vorkomme.
  25. Ignat. Groppii Collectio noviss. Scriptor. et rerum Wirceburgens. Tom. I. S. 837.
  26. Ign. Groppii Collect. noviss. Script. et rer. W. 8. 837. und 851. l. Chr. Ioannis rerum Moguntinar. Vol. I. S. 790. Schultes diplomat. Geschichte des Fürstenth. Henneberg. S. 623.
  27. J. O. Salvers Proben S. 335.
  28. Urk. XI. Ich theile den Kaufbrief nur im Auszuge mit.
  29. Friesens Wirzb. Chronik. S. 868. und J. Gropp Wirzb. Chronik. Th. I. S. 65.
  30. Ausser den von Friese und Gropp hierüber mitgetheilten bekannten Nachrichten S. Christian Bönike Grundriß einer Geschichte der Universit. Wirzburg. Th. I. S. 32, 33.
  31. V. L. a Seckendorf Commentarius historic. et apologetic. de Lutheranismo, edit. Francos. et Lips. 1688. 4. in Commentar. S. 36. und in addition. S. 58. und 59.
  32. Luther nahm es dem Bischoff Lorenz vorzüglich übel, daß durch seine Begünstigung die neue Wallfahrt zu der Mutter Gottes in Grimmenthal zu Stande kam. S. J. S. Güthens Beschreibung der Stadt Meiningen. S. 198. und Seckendorf am angeführten Orte.
  33. Seckendorf versichert dieses aus mündlichen Traditionen, die ich um so glaubwürdiger halte, weil so wohl Söhne- als Töchterverheirathung in seinem eignen Geschlechte eine wichtige Angelegenheit für Lorenzen als Domherr und als Bischoff war. Er hat an vielen Geschlechtseheberedungen als Unterhändler Antheil gehabt, und seinen Mündel, Wilhelm von Bibra, verlobte er als Bischoff noch in minderjährigen Jahren mit einer Amalie Förtsch von Turnau.
  34. Urk. XII und XIII.
  35. Schöttgen und Kreyssig Diplomataria. Tom. II. S. 605. u. f.
  36. Ich besitze diesen Burgfrieden aus dem Original, füge ihn aber nicht bey, weil er mit dem von dem Geschlechte von der Tann geschlossenen und vom Estor in seinen kleinen Schriften Th. III. S. 64-72. bekannt gemachter Burgfrieden beynahe von Wort zu Wort derselbige ist. Wahrscheinlich sind beyde zu einer und derselben Zeit oder kurz hinter einander geschlossen worden. Der älteste Burgfriede des Geschlechts von der Tann ist vom Jahre 1412 und das älteste Original von dem Burgfrieden zu Bibra, das ich in Händen habe, zwar erst vom Jahre 1467; aber die Geschlechtsacten thun des Burgfriedens schon viel früher Erwähnung.
  37. Urk. XIV.
  38. Sammlung vermischter Nachrichten zur Sächs. Geschichte. Th. XI.
  39. V. L. d. Seckendorf Commentar. histor. de Lutheranismo. S. 62.
  40. G. L. Ioannis Scriptor. histor. Moguntin. Vol. III. S. 206. Hontheim Prodromus histor. Trevir. P. I. S. 102.
  41. Die Beylagen folgen künftig.