Leben und trauriges Ende des Pater Marianus Gordon eines gewesenen Benedictiners im Schottenkloster zu Wirzburg

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Autor: Anonym
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Titel: Leben und trauriges Ende des Pater Marianus Gordon, eines gewesenen Benedictiners im Schottenkloster zu Wirzburg
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 1, S. 113–148
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1790
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
s. a. Teil 2, Teil 3
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I.
Leben und trauriges Ende
des Pater Marianus Gordon
eines gewesenen Benedictiners
im Schottenkloster zu Wirzburg.
(Ein Gegenstück zum Pater Nonosus Gschall, gewesenen Benedictiner zu Ober-Altaich in Baiern.)
Nach den unverfälschten und unverstümmelten Inquisitions-Acten.
Erklärung des Einsenders an Leser und Recensenten.
Ich gebe diese Geschichte des Paters, Marian Gordon, wie ich sie erhalten habe, die wenigen Beylagen ausgenommen. Ich hätte mancherley Veränderungen damit vornehmen können, und nach mancher Leser Urtheil,| damit vielleicht auch vornehmen sollen, Einige Vorschläge dieser Art, die ich mir hierüber selbst machte, aber bey reiferer Überlegung wieder verwarf, will ich hier anführen; theils um zu zeigen, daß ich meine guten Gründe hatte, warum ichs so und nicht anders machte; theils um manchen Recensenten des Vorwurfes zu überheben: daß Eilfertigkeit oder Bequemlichkeit nicht erlaubt hätten, das Leben dieses Bedauernswürdigen dem Publicum in einer andern Gestalt vorzulegen.
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Das erste, was ich thun wollte, war, aus diesen verhandelten Original-Acten in Betreff der Ketzerey des P. Marian Gordon einen getreuen Auszug zu geben, und es so einzukleiden, daß die veränderten Umstände seines Standes, der Fortschritt seiner Erkenntniß und die hauptsächlichsten Ursachen davon; sein Briefwechsel mit den gelehrten Protestanten seiner Zeit; die Art, wie er von diesen hülflos gelassen wurde, seine Verhaftnehmung, das Betragen seiner Richter gegen ihn und die so oft mißlungenen Versuche zu seiner Befreyung bis zu seiner gänzlichen Verzweiflung dem Leser vor Augen gelegt würden. Bey einer solchen Einrichtung würde freylich einer und der andere Vortheil| erzielt worden seyn z. B. daß des Ganzen um etliche Bogen weniger geworden wäre; zumahl durch Weglassung einiger Formalien und Titulaturen: daß man nicht manchen Umstand in dem Leben, den Beweisgründen und der harten Art, wie Marian unter der Regierung eines so weisen und vortrefflichen Bischoffes, als der damahlige, Friedrich Carl, geborner Graf von Schönborn-Wiesentheid, vormahliger Reichs-Vicekanzler, behandelt wurde, zwey bis dreymahl hätte lesen müssen, und daß der Geschmack unsers Zeitalters, welcher von den scholastischen Spitzfindigkeiten, deren sich Marian bey seiner Vertheidigung bisweilen bedient, nun ganz entwöhnt ist, weniger wäre beleidiget worden. Vielleicht daß auch eine gefälligere Einkleidung des Ganzen, die Milderung eines und des andern zu harten Ausdruckes, den Drang nach Wahrheit auspreßte, eine Verfeinerung eines vernachläßigten oder ohne sattsamen Bedacht hingeworfenen Worts auf unsere Lesewelt mehr Eindruck gemacht haben würde.
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Hierauf nicht zu achten, veranlaßten mich folgende gewiß nicht unerhebliche Gegengründe. Es wäre den Gegnern immer der Einwurf übrig geblieben: daß vielleicht manches, was zur Beurtheilung des Ganzen erforderlich| ist, weggelassen sey; daß auf der einen Seite etwa zu viel Licht, auf der andern zu viel Schatten aufgetragen worden sey; und daß der Parteygeist des Herausgebers ganz unverkenntlich sey, welcher den Religions-Grundsätzen seiner Kirche gegen die Römisch-Katholische das Wort rede: daß man Kläger und Beklagte, in der ihnen eigenen guten oder schlechten Sprache, hätte reden lassen sollen; damit der unbefangene Leser um so gewisser Stärke und Schwäche der Gründe oder Gegengründe zu ermessen im Stande gewesen wäre, und sich nicht erst an den Herausgeber zu halten brauchte, der seinem in Zuneigung genommenen Helden das Wort rede.
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So oft auch übrigens eines und eben desselbigen Umstandes hier gedacht wird, so geschieht es doch nicht immer mit eben denselbigen Worten und nach eben derselbigen Einkleidung, welches eigentlich Ermüden erregt. Bald sind es andere Ausdrücke, bald eine andere Verbindung, bald andere Personen, zu welchen Marian spricht. Nicht selten sieht man auch, wie oft Noth und Verfolgungssucht den Bedauernswürdigen drängen, eine und eben dieselbige Sache auf mehrfache Art vorzustellen, in der sehnlichen Erwartung,| daß es ihm dadurch gelingen könnte, Mitleiden zu erregen.

Mit unter scheinen mir auch die unverstümmelten gerichtlichen Acten über P. Marians Leben und Schicksale nicht wenig dazu beyzutragen, daß man gehörig einsieht, wie viel weiter wir, im Ganzen genommen, seit 50 Jahren im Vortrag über streitige Glaubens-Artikel gekommen sind; wie viel bündiger wir im Beweisen wurden; was wir durch Verlassung der scholastischen Demonstrirsucht gewonnen haben; wie oft aber auch, statt verstärkter Beweise, nur modischere Worte und blosse reizendere Einkleidung gegeben werden.

Überdieß erweiset gewiß auch das Ganze, was freylich die Gelehrten längst wissen, aber aus einer gegen ältere Vorträge über jetzt schon größtentheils abgelegte Glaubens-Artikel gefaßten Abneigung nicht mehr gerne lesen mögen, welcher elenden Behelfe man sich zum Erweis und zur Bestreitung der Untrüglichkeit des Römischen Oberbischoffs, der Anrufung der Heiligen, der alleinseligmachenden Kirche u. s. w. gemeinhin bedient habe, und zum Theil noch bedient: denn mit wahrer Überzeugung muß ichs gestehen: die Römisch-Katholische Kirche bleibt sich im Ganzen genommen immer gleich; so weit| auch einzelne vortreffliche Mitglieder derselben in manchen Staaten Teutschlandes, wo man laut reden darf, in ihrer Erkenntniß bereits vorgedrungen sind.
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Wir haben wohl auch Erzählungen genug von Personen der Römischen Kirche, wie sehr ihnen lautgewordene Grundsätze einer freyern Denkungsart vergällt worden sind; und die nur allzuoft erfolgte grausame Behandlung derselben mitten im Teutschen Reiche hat schon mehreremahle dem hartherzigsten Leser Thränen des Mitleidens gekostet; aber noch besitzen wir meines Wissens keine verhandelten Original-Acten über solche zu beklagende Schlachtopfer der Unduldsamkeit und des geistlichen Despotismus, der dem Menschen nur zwischen Glauben und Tod die Wahl lässet. Der seinem Kloster entsprungene Mönch, sagt man gemeiniglich, schildert die Kloster-Verfassung aus Verdruß über diese Lebensart und aus Rachbegierde viel grausamer, als sie wirklich ist; er trägt die Farben auf das Gemählde seiner für vermeinte bessere Einsichten erduldeten Behandlungen viel zu stark auf. Auf der entgegengesetzten Seite erwähnet man zu viel und vergrößert die vorgespiegelten Leiden und Drangsale derer, die mit uns gleichmäßig denken,| viel lieber, als daß man sie in ihrem rechten Lichte erblicken will: so wie es wohl ein und das andermahl in den aufgehobenen Östreichischen Klöstern gekommen seyn mag, daß man ausgegrabene Gebeine unverfolgt gestorbener, als Reste blutiger Schlachtopfer der heiligen Inquisition, oder als Überbleibsel gewisser um der Religion willen eingekerkerter und im Kerker auf die elendeste Art verschmachteter Mönche angesehen haben mag. Wer in dergleichen Geschichten nicht fremd ist, wird sich wohl auf manche Beyspiele des erstern und andern Falls besinnen können. Hier in diesen über P. Marian Gordon verhandelten Acten ist alles ohne Zusatz und ohne Verkürzung zu sehen, wie es sich unter der Regierung eines Bischoffs, der als Regent und Reichs-Vicekanzler von der Nachwelt sein gebührendes Lob schon erhalten hat, wirklich zutrug. Hier sieht man ohne Licht und Schatten, was eine auf den Ruf der Erleuchtung Anspruch machende geistliche Regierung vor 50 Jahren mit einem dem Protestantismus geneigten Mönche von gräflicher Herkunft wirklich that. Hier erscheinen gelehrte Protestanten vom ersten Rang und in den wichtigsten Ämtern, die für einen nach Wahrheit und besserern| Religions-Erkenntniß schmachtenden Mann, dem nicht das geringste Unsittliche selbst von seinen Feinden mit Grund zur Last gelegt werden konnte, gar nichts wagen, noch aufopfern mochten. Hier ist ein Inquisitions-Auftritt neuerer Zeit in einem Bisthume, das sich in Rücksicht der Aufklärung bald den vorzüglichsten Ländern Teutschlands an die Seite zu stellen gedenkt, das auch wirklich von jeher einzelne vortreffliche Männer gehabt hat, und besonders jetzt besitzet; aber das noch nicht ist, was es unter der Regierung seines weisen Bischoffs und vieler seiner vortrefflich handelnden Räthe seyn könnte. Nimm also, lieber Leser, das unverstümmelte Werkchen, und sieh mit eigenen Augen daraus, was geschehen ist, und vielleicht – nie mehr geschehen wird. Endlich dachte ich, könne durch diese unverstümmelten Acten auch etwas für den künftigen Geschichtschreiber Frankenlandes gesorgt seyn; so unangenehm es auch oft fallen mag, wenn man, an einen bessern Vortrag gewöhnt, sich ganz durch die bisweilen etwas langweilig erzählten Vorfälle durchwinden muß.
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So hätte man also, das war der zweyte Einwurf, den ich mir selbst machte, durch die| in die Erzählung eingewebten Fingerzeige den Leser aufmerksam machen können, warum dieser vornehme Schottländer in so früher Jugend nach Wirzburg ins Kloster kam; was es mit der Bildungs-Anstalt auswärtiger Missionäre für ganz protestantische Länder im katholischen Teutschlande für eine Bewandniß habe; wie die Protestanten, welche hierauf, als auf ein Schreckbild neuerer Zeit, aufmerksam gemacht wurden, hier abermahls einen Beweis der Wirklichkeit fänden, sie in den Schoos der Kirche wieder zurückzuführen, aus welcher sie durch Luthers Reformation ausgegangen sind; was die Mönche für eine Lebensart in diesem Schotten-Kloster haben; welche Unduldsamkeit die Katholiken gegen ihre eigenen Glaubensbrüder beweisen, wenn sie damit nicht auszulangen gedenken, was die Mutter-Kirche zu glauben befiehlt; mit welcher Kälte gelehrte und angesehene Protestanten die mit Thränen begleiteten Bitten Marians von sich wiesen; und welchen Gebrauch Marian von dieser Kälte bey seinen Richtern machte; wie dringend der Durst nach Wahrheit bey einem Menschen werden könne, und was der freye Gebrauch der Schriften des alten und neuen Testaments in der Muttersprache, wenn sie auch so elend| seyn sollte, wie vor einiger Zeit in der Oberdeutschen Litteratur Zeitung ein katholischer Professor unter dem sich beygelegten Chifre ed die Lutherische Teutsche Übersetzung nannte, der doch bey seiner Übersetzungs-Fabrik in Ewigkeit nicht wehrt werden wird, des unsterblichen Mannes Schuhriemen aufzulösen, zur Herabwürdigung kirchlicher Meinungen ohne zulängliche Beweise beytragen muß; wie das, was man unter den Römischkatholischen jetzt in den Östreichischen Staaten etwas lauter sagen darf, schon längst von ihren Gelehrten, welche Protestanten lasen, und durch zeitliche Absichten sich nicht fesseln ließen, gesagt worden ist, ob es gleich jetzt oft Katholiken, und was das Meiste ist, so gar auch Protestanten für eine ganz ausserordentliche und noch nie erhörte Aufklärung angeben wollen. Dieses und noch Mehreres, wird vielleicht Mancher meinen, hätte also hier füglich gezeigt werden sollen, wenn die mitgetheilte Geschichte auch für den Unstudirten lehrreich und nützlich hätte werden sollen.
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Ich darf nur antworten: daß ich als Werkzeug, durch das diese Geschichte bekannt wird, keine Verbindlichkeit auf mir habe, deren Wehrt oder Unwehrt darzuthun; am wenigsten| möchte ich es; um den Schein der Parteilichkeit und andere Unannehmlichkeiten zu vermeiden, die, bey der öffentlichen Bekanntwerdung meines Namens, meiner Freymüthigkeit auf den Fuß folgen dürften. Übrigens war ich immer ein Feind aller weitläufig geführten Beweise, die ein jeder leicht durch Nachdenken bey gesunden Sinnen gar wohl selbst finden kann. Es war mir von jeher so lästig, wie Fieldingen, wenn einer sich mir zum Begleiter aufdrang und mit unermüdeter Geschwätzigkeit beweisen wollte, daß dieses ein Thurm und jenes kein Haus sey. Bey Leuten, die den Wald vor Bäumen nicht sehen, sind alle Fingerzeige und Beweise vergeblich angebracht.
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So wären also auch die Beylagen überflüßig; das ist das Dritte, was ich mir, als der Ausführung meines Vorsatzes zuwider dachte. Ich glaube nicht, wenn man mein Unternehmen von dem Standpuncte aus betrachtet, auf welchen ich meine Leser seither zu stellen bemühet war. Sagen sie gleich nichts ganz Neues für den Gelehrten und den Kenner des eigentlichen Frankenlandes und seiner Geschichte: so geben sie doch vielleicht Nachricht von Sachen und Personen, die anderwärts nicht so leicht zu finden sind, oder| aus Schriften, die nicht ein jeder, der diese Geschichte genau zu kennen Lust hat, sich so leicht verschaffen kann. Sie ergänzen einige unserer Geschicht- und Erdbeschreiber, und verständigen gewiß unkatholischen Lesern einige Sachen, über die sie die richtigen Begriffe noch nicht hatten.
Der Einsender 


I.
Extractus et Relatio ex Actis.
Marianus Gordon, e Scotia in loco Bampf, oriundus ex parentibus illustribus, qui ambo sunt catholici et, vt ajunt, ex Comitibus de Huntley, nunc Ducibus de Gordon, descendunt, ac pusillum gregem orthodoxorum opera ac facultatibus suis strenue adjuuant. Fratrem habet vnum vxoratum cum sorore Comitis de Leslie. Sorores vero habet quatuor, quae omnes cum Inquisito in fide catholica educatae fuerant. Studuit in patria vsque ad poeticam sub praeceptore privato, cumque ageret annum 14tum nempe 1718, venit heic Herbipolim ad Conventum Sti Iacobi Scotorum, Ordin. S. Benedicti,[1] a quo commendatus fuit parocho in Erlenbrunn, nunc praesidi Hospitalis Iulianaei, | Theophilo Koehler, qui eundem docuit linguam Germanicam.

Exin 1719 rediit Herbipolim et frequentauit poeticam[2] ex Conventu Scotorum. Post rhetoricam absolutam ingressus est Novitiatum in Monasterio Neustadt[3] in aetate annorum 17, eoque finito hic professionem emisit in dicto Conventu S. Iacobi. Facta professione repetiit scholas, studuit triennium philosophiae et defendit theses publicas ac promotus est Secundus in ordine Magister.

Studuit postea theologiae scholasticae per 3. annos et promotus fuit Baccalaureus theologiae. 1728 profectus est ad monasterium S. Galli in Helvetia pro addiscendis linguis orientalibus, scilicet Graeca, Hebraea, et Syriaca, cumque ibidem per annum et medium commoratus esset, Herbipolim reuersus est, vbi suscepit ordinem Presbyteriatus atque pro audiendis Confessionibus approbatus fuit; et proinde studuit Iuri canonico ciuili, frequentando collegia per integrum annum. Interim repetitionem instituit ex philosophia cum pluribus studiosis non sine fructu, atque hoc anno currente collegit theses ex vniuersa theologia ad effectum, easdem defendendi publice pro laurea Doctoratus, id quod tamen non fuit prosecutus, tum, quia destinatus fuit ad missionem in Scotiam, tum quia in eruendis ac conscribendis controuersiis fidei et dubiis circa religionem multum occupatus fuit. Cui negotio tantum tempus | tribuit, vt devotionibus et exercitiis regularibus sese vix non totum subtraxerit, negligendo ascesin, et ea quae ad perfectionem religiosam pertinent, fectando vero potissimum illa, quae pruritui acuti intellectus satisfacere ac plausum conciliare poterant. Cumque Abbas atque conventus persuasi essent, ipsum hac ratione sibi providere de iis, quae ipsi pro futura missione inferuire possent, omnem eidem exemptionem indulserunt.

Verum non contentus Inquisitus, clandestina compilatione tractatus satis voluminosi super quaestionibus religionis, litterarum etiam commercium instituit cum Bibliothecario Norimbergensi, Moerl, et cum Bibliothecario Gothano, Cypriano, in cuius notitiam venit in aedibus D. Eckard. Primo quidem exposuit sua dubia in fide vel potius perversos sensus suos de doctrina ecclesiae catholicae, cum declaratione rationum, quare Protestantium religionem praeferat catholicae; quodque ex auctoribus ibidem recensitis excerpserit corpus doctrinae redactum more methodico in lingua germanica, vt etiam rudes exinde capere possent vtilitatem.

Recepit quidem a praefecto Moerl responsorias, sed breui stilo ac aenigmatice exaratas, quibus in substantia sese Inquisito, si aliquando ad lares Norimbergenses redire ei contigerit, ad quaevis officiorum genera praestanda facillimum exhibuit. Prolixior fuit communicatio cum D. Cypriano, ad quem aliquoties direxit litteras, quibus se eius patrocinio, eoque | mediante, sese protectioni Ducis Gothani enixe commendat, ad effectum, vt, sequuta defectione, securum ad eundem haberet accessum. Primae quidem epistolae conceptus non reperitur in actis; argumentum tamen illius satis eruitur in consequentibus duabus, veluti monitoriis, quarum tenor in eundem fere sensum recidit,

Ad has litteras responsum tulit Inquisitus sub 30 Mai a supradicto Cypriano sub reticentia loci et subscriptione per solam litteram C. Quibus Inquisitus tenerrima grati animi significatione rescripsit, Cypriani consilio quanto ocyus satis faciendo, copiamque primarum litterarum ad ipsum remittendo. Cum vero auide exspectaret resolutionem favorabilem, retulit a Cypriano epistolam refutatoriam, qui sub 15. Iun. sese excusauit ab ope eidem ferenda ob impotentiam insuperabilem, consilium tamen illi suggessit, quatenus recursum faceret Hannoveram, ad M. Britanniae Regem, Dominum suum, idque mediante Barone de Münchhausen, consiliario status intimo, et Iusto Christophoro Boehmero, Abbate Loccumensi.

An autem Inquisitus consilium hoc re ipsa secutus fuerit, non satis liquet; licet enim reperiantur duo conceptus, qui videntur esse directi ad Baronem de Münchhausen et Abbatem Boehmerum; sunt tamen imperfecti, adeo vt dubium sit, an litterae fuerint ad ipsos expeditae,| tanto magis cum etiam Inquisitus omnino neget, se vnquam ad eosdem scripsisse.[4]

Atque hae sunt omnes illae epistolae originales, quae in Cella Inquisiti fuerant repertae, quaeque primam ansam dederunt, ad eum denuntiandum. Cum enim Pater Augustinus eiusdem Confrater, et multum familiaris reperisset fortuito fragmentum chartae, in qua scripta erat ab Inquisito materia de fide suspecta, scilicet contra purgatorium, is vlteriorem informationem sumere cogitauit, ac ingressus clam cellam eiusdem vnam ex dictis litteris offendit, cumque eam perlegisset, rem tanti momenti fore credidit, vt statim ad superiores deferenda esset, idque eo maiore sollicitudine, quo praesentius erat periculum; siquidem omnia iam disposita erant ad eiusdem discessum in Scotiam sub qualitate Missionarii, quem in finem ab ipso etiam Celsissimo Domino nostro licentiam ac benedictionem humiliter implorauit, quae eidem impensa fuit, singulari clementia, juncto principali Viatico, quod postea casu a se perditum fuisse causabatur.

Vnde illico necessarium visum est, cum, vrgente insuper suspicione fugae, secure custodiendum | esse. Quare sub motivo necessariae praeparationis ad graue munus Missionis per exercitia spiritualia dextre et sine strepitu d. 1mo Augusti conductus fuit ad seminarium, vbi libris ac discursibus spiritualibus ad recollectionem dispositus fuit. Interim vero facta est perquisitio in eiusdem cella et non sine stupore inventa fuit farrago scriptorum et librorum perversorum, nempe Chemnitii, Dallaei, Grotii, scripta theologica Cypriani, Acta eruditorum, Petri Molinaei de Monarchia Papae ac duorum Anglorum, et praeter super memoratas epistolas, repertus fuit tractatus ille ab eodem in litteris suis saepe commendatus, idiomate germanico conscriptus, ac in formam dialogi redactus, in quo ipse sub nomine Aristobuli Protestantis declarat suam sententiam Amico ac fratri Eusebio, qui eidem quasi Catholicus, rationes ac dubia sua proponit, in sine tamen se plerumque convictum confitetur. Titulus autem praefati operis hic est:
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„Religions-Gespräch von der Wahrheit der Protestantischen und Falschheit der Päbstl. Religion, die falsche Lehre des Pabstthums, die Schuldigkeit die römische Religion zu verlaßen, dargethan in unterschiedlichen Gesprächen zwischen Eusebio, einem Römischgesinnten und Aristobulo einem von den Römischen ausgegangenen Protestanten.| Zwey von Jugend an guten und treuen Freunden. Ans Licht gestellt von Philalethes.“

Quamuis opus non sit amplius completum cum ex quaternionibus foliis (Bögen) 118. propria Inquisiti manu conscriptis desint 36. ex iis tamen, quae adhuc residua sunt, eiusdem doctrinam facile conjicere licet.

In principio quidem reddit suae defectionis rationem dicendo,

Ich bin vergewißert, daß wenn ichs länger mit der Römischen Religion gehalten hätte, meine Sele der grösten Gefahr wäre unterworfen geblieben; da bey Verehrung der Bilder, Anrufung der Heiligen und Communion unter einer Gestalt die gröste Seelengefahr vorhanden. Zu dem, wie ist es möglich, daß sich ein Mensch so weit sollte bethören lassen, zu glauben, man müße der Römischen Kirche beypflichten, die Seligkeit zu erlangen, o wie weit gefehlt; Ich war freilich dieser Meinung nur zu viel und lang zugethan; aber dem unendlichen gütigen Gott sey ewiger Dank, daß er mir die Falschheit dieser Meinung kund gethan; Ich war wie der Herr Bruder Eusebius. Aber mein Gott; Wie erkenne ich nicht jetzo meinen Unverstand und Unwißenheit; denn ich sehe mehr, als zu viel, daß so wohl der Herr Bruder jetzund, als ich| selbst vor diesem in einem gräulichen Irrthum gestecket. Ich verlaße mich auf die Gerechtigkeit meiner Sache, die mir mehr, als zu viel, Ursach an die Hand giebt, die Falschheit der Römischen Religion zu bestreiten. Welche Ursachen ich kürzlich zusammenfaße und behaupte: daß die Römische Religion die wahre nicht sey;

Weilen erstlich ihr Oberhaupt der Antichrist oder sein rechtes Ebenbild ist;

Dann zum andern weil sie viele Lehren für wahr ausgiebt, die in der That mit nichten können bewiesen werden,

Zum dritten weilen die gröste Stütze ihrer Prätensionen auf lauter Fabeln gegründet,

Viertens weilen sie die grösten Aberglauben und abscheulichsten Lehren nicht allein dultet, sondern approbirt.

In prima igitur parte fuse impugnat authoritatem et infallibilitateem summi Pontificis extra Concilia;

2) rejicit eiusdem ac ecclesiae potestatem super Imperatores, Reges ac summos principes, quam dicit contrariam S. Scripturae, Doctoribus ecclesiae, rationi etc. etc.

3) Asserit: daß die weltlichen Herrschaften ein vollkommenes Recht über die Geistl. haben.

| 4) Will er beweisen: daß die Kaiser die Concilia beruffen, und bestättiget haben.

5) Trachtet er zu erweisen: daß den weltlichen Regenten zukomme das ganze äuserliche Kirchen-Regiment überhaupt Fol. 21. p. 3.

6) Daß die Kaiser und hohe Obrigkeit Macht habe über die Wahl und Bestättigung der Bischöffe, ja so gar des Pabstes, item, daß sie nicht können durch die Kirchen-Gesetze gebunden werden;

7) Daß die Kaiser auf den Conciliis das Ober-Praesidium geführt und daß sie Glaubensstreitigkeiten untersucht und von den Glaubenssachen ihr Urtheil gesprochen. Reliqua 16 folia oder Bögen, quae ad primam partem pertinebant, in perquisitione non fuerunt reperta.

Titulus IIdae partis est: der Ungrund der Römischen Glaubens-Artikel wird kürzlich gezeigt; das erste Gespräch, worinnen erwiesen wird: daß die Römische Kirche nicht ohnfehlbar sey.

§. 1.

Darinnen wird gezeigt überhaupt: daß man billige Ursache habe an der Unfehlbarkeit der Römischen Kirche zu zweifeln.

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§. 2.

Wird erwiesen: daß in der Jüdischen Kirche keine ohnfehlbaren Glaubens-Richter gewesen; mithin keiner in der christlichen Kirchen vonnöthen sey.

§. 3.

Wird aus den Vätern erwiesen: daß kein ohnfehlbarer Glaubens-Richter in der Kirche sey.

§. 4.

Es wird aus der Vernunft erwiesen: daß kein ohnfehlbarer Glaubens-Richter sey, vbi nimium attribuit rationi in fundanda certitudine assensus fidei.

§. 5.

Alles, was die Römer beybringen, ihren ohnfehlbaren Richter zu unterstützen, wird über den Haufen geworfen. – Es werden einige Bücher aus dem Canone librorum S. scripturae ausgemustert, als Tobias, Iudith, Machab. Ecclesiasticus etc. etc.

Das 3te Gespräch: der Römischen Kirche Ohnfehlbarkeit wird refutirt und widerlegt.

§. 1.

Es wird erwiesen aus der Schrift.

§. 2.

Es wird erwiesen aus der Vernunft.

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§. 3

Aus den Noten der römischen Kirche Fol. 77. de haer.

Fol. 79. p. 4. Von der Sichtbarkeit der Kirche. 1.) die römische Kirche ist nicht allzeit gewesen. 2.) sie ist nicht allzeit sichtbar gewesen. 3.) die Protestantische Kirche ist allzeit. 4) und allzeit sichtbar gewesen. Fol. 81. pag. 4. ad quaest. Wie werden denn die meisten Secten selig?

Die Kirchen-Traditionen werden verworfen. Es wird erwiesen aus den Vätern, daß die Traditionen nicht können angenommen werden.

Es wird erwiesen aus der Vernunft: daß die römischen Traditionen nicht können zugelaßen werden. Es wird erwiesen: daß die Lehre vieler Väter auch nicht genugsam sey, unsern Glauben darauf zu gründen, ex eo quod plerique docuerint errores per eorumdem enumerationem Fol. 93. p. ult. it. 94. p. 2.

Es wird erwiesen aus den Vätern: daß der Pabst nicht Haupt der Kirche seyn könne. Es wird aus der Vernunft erwiesen: daß dem Römischen Bischofe das Primat der Kirche nicht zukomme.

| Die Communion unter beyderley Gestalten ist auch den Laien geboten.

Es wird unrecht gehandelt: daß der Gottesdienst in einer fremden Sprache gehalten wird.

Die Rechtfertigung besteht darinnen: daß uns durch den Glauben die Verdienste Christi zugeeignet werden.

Reliqua desunt, et vt ait, post resipiscentiam ab authore dilacerata fuerunt.

His praemissis deveniendum est ad ea, quae elicita fuerunt in constitutis Inquisiti, tam in Seminario quam in Castello Mariano, ad quod de clementissimo Iussu Celsiss. Dni nostri, seuerioris custodiae causa, die 11. Augusti translatus fuit.

Ac primo quidem Inquisitus omnes memoratas scripturas coram se productas, recognouit sua manu exaratas. Confessus est insuper commercium litterarum cum Bibliothecario Norimbergensi et D. Cypriano, quin et sese per aliquot menses, nempe a Ianuario vsque ad Iunium a. c. non amplius credidisse multos articulos ab ecclesia catholica propositos, nempe omnes illos, qui in symbolo Apostolico non continentur, neque in 4 primis Conciliis definiti fuerunt, vel brevius ea solum, quae in Symbolo Nicaeno contenta sunt, se credidisse, reliqua vero omnia, quae adjecta sunt in formula professionis fidei - apostolicas et ecclesiasticas traditiones se non tenuisse pro articulis fidei obligantis, sed pro rebus dubiis ac probabilibus, quibus posset assensum praebere, vel non, eo quod non | amplius habuerit certitudinem moralem de earundem credibilitate siue credenditate, cum legendo argumenta contraria motiva credibilitatis articulorum praedictorum sibi apparuerint solum probabilia, non euidentia, quod tamen paratus semper fuerit non amplius dubitare de iisdem, quam primum apparuissent ipsi cuidenter credibilia.

Quaesitus a quo tempore et qua occasione evidentiam semel, vt fatetur, habitam, amiserit?

RESPONDET a principio anni currentis sibi oborta fuisse dubia ex ea praesertim ratione, quod colligendo et examinando theses theologicas pro defensione ex Vniversa non potuerit solvere argumenta contraria, maxime ea, quae reperit in authoribus Protestantibus, quos tenuit ac legit sine praevia licentia, existimans, prohibitionem hujusmodi librorum non obligare cum tanto rigore in Germania; neque in iis satisfactum sibi esse a Professoribus SOC. IESV. Se quidem antecedenter habuisse nonnulla dubia orta ex deceptione D. Baroniis de Schenck a certis mulierculis praetensis energumenis, prout expertum se dicit Ratisbonae; item a cultu irregulari Imaginis in Erlach.[5]

Neque negat, se jam 1730 in reditu ex Helvetia aperuisse dubia sua Bibliothecario Norimbergensi, sed se desuper poenituisse, praesertim Dettelbacci ante Aram Deiparae thavmaturgae.[6]

| Monitus autem, quod circa veritates, et articulos fidei locum non habeant principia illa supra Probabilismum, sed requiratur assensus firmissimus, excludens omnem opinionem, et dubium contrarium, reposuit: se judicasse illud procedere solum circa articulos principales, qui sunt credendi necessitate medii, et semper credebantur in Ecclesia primitiva, non vero in iis articulis, qui sunt minoris momenti, et sine quibus Christiani, stante ignorantia, vel notitia solum probabili, salvari possunt;

Atque cum hoc judicio probabili de veritate vel revelatione divina praemissorum Articulorum dicit, se fecisse omnes functiones sacras, suscepisse sacramenta, celebrasse missam, recitasse horas, exceptis nonnullis lectionibus v. g. de Monte Carmelo, aliisque sanctis, eo quod viderentur inverisuniles.

Fatetur debuisse melius inquirere ad effectum sese solidius informandi super materiis dubiis, vt posset deponere suum judicium probabile; additque se voluisse assumere novam diligentiam in inquirendo. CVM VERO redargueretur, id se non potuisse praestare apud Protestantes, sed potius debuisset petere locum Catholicum v. g. Italiam, Franciam etc. respondit: se habuisse intentionem, aliquando proficiscendi in Franciam; ideo vero se noluisse hic morari, ac inquirere ulterius; quia debuisset agere hypocritam, et agere contra propriam persuasionem.

| Addit, se quidem habuisse verum animum deferendi religionem Catholicam, sed nunquam firmiter fuisse resolutum, ad id exequendum, timendo semper, ne sequeretur poenitentia;

Neque etiam petiisse Missionem ex motu liberius transeundi ad Lutheranos, cum iam resipuerit, adeo ut nisi fuisset hic detentus, certe se contulisset in Scotiam.

Dicit se nullum habuisse complicem vel conscium suorum errorum praeter duos praedictos Bibliothecarios, seque nemini revelasse suam doctrinam, multo minus alios sollicitasse ad perversionem:

Librum vero se ideo scripsisse ac voluisse publicare typis, vt aliis praesertim notis ac amicis constaret de motivis sui discessus; ne crederetur ductus spiritu carnis, vel libertatis, sed stimulis conscientiae, et cognitione veritatis.

Interrogatus, quo devenerint folia illa, quae desunt in tractatu scripto, ait, se ea abjecisse, cum super materiis inibi contentis sibi jam potuerit satisfacere, idque de caeteris se similiter facturum fuisse, quam primum desuper fuisset convictus, prout re ipsa ultimo iam fuit super sacramento Eucharistiae, de quo prius sentiebat cum Calvinistis, Communione sub utraque etc. etc. item, quod Papa non sit Antichristus, sed Caput Ecclesiae etc. afferit se magis addictum fuisse Calvinianae sectae quam Lutheranae, maxime ob doctrinam Consubstantiationis, sive Impanationis in Eucharistia, se correspondisse tamen cum his ultimis sectariis, cum | non erat occasio communicandi cum aliis nec ita facile sperandi benevolam receptionem, pro qua alacrius sibi praestanda, dicit se scripsisse litteras stylo acriori contra Catholicos.

Quaesitus, cur stante suo judicio de probabilitate Articulorum Ecclesiae Rom. cosdem in scriptis omnino ejecerit, ac falsos et erroneos itendidem declararit; respondit id se fecisse more scholasticorum, Thomistarum v. g. et Scotistarum, quorum una pars sententias alterius declarat falsas, licet utrinque sint probabiles.

Adjungit denique multa, ex quibus vult probare, se jam ab aliquo tempore, nempe a mense Iunio revocasse, ac deposuisse omnes errores suos, ac soli Ecclesiae Romanae iterum adhaesisse, super quo obtestatur Deum, Angelos, et sanctos, coelumque in ultionem provocat.

Mutatio autem haec incoepit, ut ait, a tempore, quo Cyprianus se adeo tepidum exhibuit in promovendis eius votis, ac repulsam dederit ex motivis mere politicis, adeo, ut verum zelum animarum in viris primariis sectae Protestanticae deesse viderit; Vnde recurrit ad motiva credibilitatis Catholicorum, eaque legit cum majori reflexione, quam prius; revolvit authores polemicos, praesertim Bellarminum, legit vitas S. Caroli Borromaei, Francisci Salesii, ac Francisci Xauerii, cuius miracula a Protestantibus etiam contestata sibi multum contulisse, ait ad concipiendam moralem evidentiam.[7]

| His omnibus inquit se junxisse plures alias reflexiones, etiam prudentiales, praeprimis ardentes preces cum lacrymis pro obtinendo lumine, et plena mentis fluctuantis convictione;

Ex quibus colligitur, quod idea Religionis ab inquisito conficta in eo potissimum fuerit posita: Quod omnes illae sectae sive Ecclesiae, quae profitentur et credunt articulos Symboli Nicaeni et 4 primorum Conciliorum, pertineant ad Ecclesiam universalem; quodque Ecclesia Romana sit una ex particularibus, licet eminentior prae reliquis ac praeter doctrinas fundamentales doceat multa dogmata probabiliter falsa et erronea, quarum fides non fit necessaria ad salutem, maxime illi, cui non sunt sub evidentia morali credibilia proposita; proinde neminem jure censurari posse haereticum, nisi eum, qui posthabita evidenti propositione praedictorum Articulorum illis positive discrediderit, ac contrarium judicauerit, cum tali animi dispositione, ut, licet ipsi de veritate constaret, contumaciter tamen illi vellet resistere.

Quare si quis hujusmodi evidentia saltem respectiva careret, esse illum excusatum ab assensu fidei, cum haec non stet cum notitia solum probabili revelationis, ac consequenter exclusa etiam hac fide eum posse salvari, dummodo teneat, ac credat ea, quae sunt necessaria, utpote quae S. Scripturae et antiquitati evidenter sunt conformia, ita ut eorum ignorantia insistendo etiam principiis rectae rationis sit inexcusabilis.

| Restat igitur decidendum, an Processus Inquisitionis ita instructus censendus sit, ut inquisitus ob praemissa omnia vel ob quaedam illorum declarandus sit, incidisse in crimen haeresis formalis, et in poenas tam spirituales quam temporales contra haereticos latas, ac statutas?
Rationes dubitandi.

Pro negativa et in favorem inquisiti militare videtur, quod cum haeresis formalis duo copulatiue requirat, errorem in intellectu, et pertinaciam in voluntate, haec secunda conditio non verificetur in casu, ubi errans non fuit pertinax, talis nempe, qui juxta sententiam S. Augustini agnoscens se recedere a vera Ecclesia, ex superbia tamen et obduratione mentis, ne videretur errasse, obstinate in sua opinione perstiterit;

Is enim saepius coram Deo, et hominibus est contestatus, se aliter interius persuasum, seque ex defectu sufficientis evidentiae credibilitatis non posse articulis controuersis praestare assensum fidei; paratum se tamen esse, quamprimum necessaria motivorum evidentia sibi affulserit, omnia et singula promtissime credere, quem in finem etiam opem divinam instanter imploraverit, ut constat ex eius scriptis;

Quin ex eius epistolis ad Protestantes directis satis apparet, quod lectis argumentis eorumdem fluctuaverit animo, et quid sibi agendum foret, anxius inquisiverit ad latrantis conscientiae stimulos sedandos.

| Nec obstat, quod debuisset et potuisset majori cura inquirere in illas rationes sive authoritates, uel tales consulere, a quibus melius informari ac suis scrupulis et dubiis liberari posset; hoc equidem probat illum peccasse peccato, ut ajunt, infidelitatis, prout ipse se huius delicti reum agnoscit; absque eo quod incurrerit grauissimum crimen haeresis, a quo secundum communem theologorum opinionem quaecunque ignorantia etiam vincibilis, crassa, et affectata excusat, utpote excludens veram pertinaciam ad haeresin essentialiter requisitam:

Et vero, quod talis ignorantia vel saltem inevidens facile dari possit, circa veritates remotiores, et minus clare revelatas, maxime in concursu argumentorum oppositorum, quando ad speciem fortiorum, satis constat etiam in viris doctis.

Accedit quod magna consideratione dignum est, inquisitum alias bene natum ac valde morigeratum, uti constat ex eius conuersatione nobili ac modesta, ab incunabulis studuisse timori Domini, et tam extra, quam intra statum religiosum singulari virtutis ac religionis testimonio commendatum fuisse, quodque de nullo omnino scandalo diffamatus, immo inter coaetaneos suos, velut exemplar propositus fuerit, novissime etiam ex abbatia S. Galli, ubi per 18 menses commoratus erat, praeclarum vitae ac disciplinae regularis attestatum retulerit, adeo, ut praesumi nequeat, eum vel doctrinae haereticae venenum omnino potuisse celare, vel | tam repente evadere in haeresiarcham; praesertim cum ex omnibus ejus scriptis nec minimum eruatur, eum ex alio perverso affectu vel carnis vel commodi, aut gloriae temporalis, sicut plerique apostatae a similibus mouentur, sed unice ex stimulo falso persuasae conscientiae voluisse transire ad Protestantes, quibus palam protestatus est, se nolle deserere statum coelibatus et observantiam mandatorum Dei.

Attestantur ii, qui eundem probe noscunt, quod studiis semper ita immersus fuerit, vt nil aliud curaverit, nullam corporis commoditatem, imo nec necessitatem ejusdem praetulerit, protrahendo ad multas horas in seram noctem lectionem ac scriptionem materiarum ad propositum suum pertinentium;

Quodque multum temporis insumpserit in exercitandis studiosis Philosophiae, quibuscum, non sine notabili fructu, tractatus scholasticos repetiit;

Hoc tamen adducit, quod valde tenax fuerit propriae sententiae, suoque judicio ac talento nimium confiderit; in publicis discursibus ac disputationibus palmam victoriae semper reportare praetenderit, id quod cum in studio etiam theologico, ubi non ita propria ratione nitendum est, prosequi voluisset, credibile est, divinam providentiam permisisse ejusdem lapsum in huiusmodi errores, ut cautior ac humilior resurgeret, prout eum resurrexisse, planum esse videtur, cum ab aliquot jam mensibus nil erroneum amplius scripserit, a commercio litterario | abstinuerit, de materiis satis argute enucleatis nil unquam aliis communicaverit, imo magnam eorundem partem cassarit, ac abjecerit, prout satis liquet ex fragmentis jam ante Processum Inquisitionis in loco obscuri nominis repertis:

Suffragatur insuper ejusdem causae ingens ille animi candor, ac sinceritas, qua omnia sua facta, et errata ita ingenue confessus est, ut nulla in scriptis ac responsionibus suis, adhibita etiam omni commissariorum industria, contradictio vel ambiguitas inveniatur, adeo, ut verisimile sit, quod sicut in uno, licet sibi contrario, uerax est, ita et in reliquis dictis suis uerax habendus sit.

Neque praetereundum videtur, quod sit primo lapsus quodque nunquam fuerit correctus: insuper quod S. Pontifex nuper publicari fecerit omnibus regularibus apostatis, haereticis etc. remissionem poenae, si redierint ad Ecclesiam, id quod aliqua saltem ratione patrocinari poterit nostro Inquisito Apostasiam meditanti, ne sit deterioris conditionis, quam apostata effectivus etc.

Ex his conficere licet, quod sicut ex falso zelo, non vero ex obstinatione cum Saulo persequutus est Ecclesiam Dei supra multos coaetaneos suos, abundantius aemulator existens propriarum opinionum suarum, ita et cum eodem misericordiam consequutus fuerit, quia ignorans fecit in incredulitate, ut proin haec ipsa manifestatio errorum, ac eorundem castigatio pro | Iuculento effectu divinae misericordiae reputanda videatur.

Verum pro AFFIRMATIVA etiam parte, qua nempe declarandus sit, incurrisse crimen haeresis eiusque poenas, non desunt rationes valde graves.

De haeresi namque externa, de qua Ecclesia potissimum judicat, dubium esse non potest. Quamvis enim aliquae propositiones ab eo impugnatae, nempe de infallibilitate Pontificis extra Concilium, de ejusdem potestate in ordine ad deponendos Reges ac Principes et his similes ab Ecclesia necdum tanquam Articuli fidei propositae sint, pluribus tamen in litteris ac scriptis suis absolute contradixit, quae tanquam veritates fidei definitae sunt, prout patet ex superiori relatione.

Imo ex ipsa inquisiti confessione satis manifestum est, quod praeter articulos Symboli Nicaeni nullum amplius doctrinae Ecclesiae Catholicae crediderit, vt proin ad haeresin etiam interne accesserit; maxime quia non unam vel alteram propositionem praecipitanter protulerit, sed tot ac tanta cum matura deliberatione affirmarit, scripserit, in mundum redegerit, ac multis exquisitis rationibus firmare intenderit.

Neque relevat dicere, quod non praestiterit positivum dissensum eiusmodi veritatibus, sed tantum dubitarit de iisdem, vel probabiliter existimarit, idque ex defectu sufficientis evidentiae in propositione, quae excusat a pertinacia; Nam in comperto est, quod etiam dubitans | et probabiliter tantum assentiens veritati certae et infallibili incidat in haeresin.

In eo autem inquisitus multum hallucinari videtur, quod ubique jactet defectum evidentis propositionis ad excludendam pertinaciam: ad hanc enim non requiritur, ut quis contradicat positive veritati agnitae, vel ita affectus sit, ut quamvis appareret evidenter credibilis, tamen eidem obstinate vellet contradicere; sed sufficit, quod quis dissentiat alicui objecto, quod sit ad credendum propositum; id quod magis procedit de eo, qui tot annis vixit in Ecclesia, cujus notae et signa ipsi tam manifestis radiis apparuerant, quique de ejusdem evidenti credibilitate tanto tempore convictus erat, adeo ut suum assensum supernaturalem, quem semel habuit, prudenter non potuerit repudiare; hinc theologi pro formali haeretico declarant illum, qui vel impediunt evidentiam credibilitatis, quam acquirere possent, v. g. avertendo animum, aures obstruendo etc. vel qui eandem semel habitam culpabiliter deperdunt, id quod faciunt apostatae, secus enim rarissimi forent haeretici formales, quia impossibile videtur, quod intellectus obiecto proposito tanquam evidenter credibiliori adhaereat alteri minus credibili; atque hic defectus sufficientis evidentiae clypeus foret, quo se quilibet errans contra fidem ab haeresi tueri posset.

Et vero ex his principiis apparet, quod inquisitus non satis fundatus fuerit in regulis theologicis, eo quod totum fere pondus certitudinis | in assensu fidei voluerit refundere in evidentiam illam extrinsecam motivorum credibilitatis, quam supra moralem videbatur exigere, cum tamen pia affectio et imperium voluntatis magnam etiam assensui firmitatem tribuere debeant.

Denique si Inquisitus dubia sua, vel iudicia solum probabilia, ut praetendit, proposuisset sub terminis competentibus dubietatis, vel probabilitatis: ostendendo se non esse satis convictum, ac desiderare desuper ulterius lumen et evidentiam, excusabilis forte fuisset ejus conatus, quo integrum tractatum hac de re conscribere potuisset: Verum omnem excusationem tollere videtur stylus ille injuriis, convitiis ac cavillationibus plenus, quo Ecclesiam Catholicam ejus Antistites, Clerum, ac populum proscindere ausus est, prout ex nonnullis perversis propositionibus ex ejusdem opere extractis sententia aperte colligitur.

Quae omnia satis demonstrant, Marianum Gordon asseruisse, scriptis mandasse, ac professum esse propositiones temerarias, scandalosas, injuriosas, seditiosas, erroneas, haeresin sapientes, haeresi proximas, ac haereticas respective, eumque propter ea tanquam haereticum declarandum et in poenas haereticorum condemnandum, ita ut praevia ejusdem haeresis abjuratione et scriptorum combustione, tanquam excommunicatus, suspensus, irregularis, ac omnibus iuribus, et privilegiis ordinis ac monasterii sui privatus habendus nec non detrudendus sit in carcerem | formalem, ibidemque per exercitia spiritualia, opera poenitentiae, et interpolata jejunia castigandus; et quamvis damnabiles ejusdem excessus de rigore juris et in thesi carcerem ac poenitentiam longioris temporis promeruerint, reflectendo tamen ad motiva, et rationes pro inquisito superius allatas Rssimae Celsitudini suae humillime consulendum videtur, vt praedicta poena ad triennium clementissime restringatur, reservata tamen determiatione super futura ejusdem custodia etiam post expletam poenitentiam; quae praeprimis Celsissimae Domini nostri Clementissimi Censurae demississime submittimus.
Ioannes Martinus Kettler Commiss. etc.
Ioannes Casparus Zirckel Commiss. etc.
Nicolaus Anton Seiz Commiss. etc.
Relatum 15 Septemb. in concilio Ecclesiastico.
PLACVIT





  1. Siehe Beylage II.
  2. Siehe Beylage III.
  3. S. Beylage IV.
  4. Dieß klärt sich unten des Weitern auf. P. M. Gordon hatte allerdings an Abt Böhmern geschrieben. Denn Böhmer hatte ihm, wie der Brief desselben erweiset, darauf geantwortet. Ob er den Aufsatz an den Herrn v. Münchhausen, wovon unten auch ein Bruchstück vorkommt, wirklich ausgefertiget und abgesendet habe, ist aber noch zweifelhaft.
  5. S. Beylage V.
  6. S. Beylage VI.
  7. S. Beylage VII.