Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XII,1 (1924), Sp. 228233
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Kyzikos (Cyzicus, auch Cyzicum. Mela I 98. Plin. n. h. V 142), lag im Lande der Dolionen, Strab. XII 551. 681. Schol. zu Apoll. Rhod. I 1037. 943. 961. 1024. Steph. Byz. s. Δολίονες und s. K. Die Stadt nahm einen Teil der hügeligen Ausläufer der gebirgigen Halbinsel am Südufer der Propontis ein und zog sich bis auf den Isthmos hinab. Ist die Halbinsel immer an das Festland angeschlossen gewesen oder hat sich der Isthmos erst später, vielleicht gar in historischer Zeit gebildet? Die wichtigsten Stellen, die zur Entscheidung dieser Frage angeführt werden können, sind folgende: Mitte des 4. Jhdts. v. Chr. spricht Skyl. 94 von einem ἰσθμός, Anaximenes von Lampsakos bei Strab. XIV 635 von einer νῆσος. 334 v. Chr. Alexander insulam continenti iunxit Plin. n. h. V 142. 319 v. Chr. χερρόνησος, Diod. XVIII 51. Mitte des 3. Jhdts. v. Chr. νῆσος. ἰσθμός gleichzeitig, Apoll. Rhod. I 936. 947 und Schol. 73 v. Chr. εὔριπος, Plut. Lucull. 9; insula, pons in oppidum pertinens, Sallust frg. III 20. 21; introitus urbis, qui unus et angustus ponte modico insulam continenti iungit, (Frontin. VII 13, 6. Zur Zeit des Augustus νῆσος, γέφυραι. Strab. II 125. XII 575. Unter Tiberius τὰ συγχωσθέντα τῶν εὐρείπων … συνανοίγνυσα [Ἀντωνία Τρύφαινα], Syll. 366; διώρυγες. Syll. 543. Unter Caligula: paene insula, Mela 198. Mitte des 2. Jhdts. n. Chr. ἀχρομένη μὲν ἐκ νήσου, καθισταμένη δ’ εἰς ἤπειρον … τὴνπόλιν καὶ ὡς νῆσον προςείποις ἂν καὶ ὡς χερρόνησον, Aristeid. XVI 237. 238. In byzantinischer Zeit χερρόνησος, Mich. Attal. 268, 20. Steph. Byz. s. Κύζικος. Das alles zusammen ergibt keine klare Linie; die einfachste Erklärung ist wohl folgende: Die ursprüngliche Insel ist schon in der Zeit, aus der unsere ältesten Nachrichten stammen, mit dem Festland zusammengewachsen gewesen. Aber der Charakter als Insel ist noch fernerhin deutlich erkennbar gewesen und auch erkannt worden, so daß von ,Insel‘ auch trotz des Isthmos gesprochen wurde. Besonders bezeichnend dafür sind die Stellen Aristeid. XVI 238 und Schol. zu Apoll. Rhod. 936. 947. Der Verkehr über den zum guten Teil von einem Sumpf oder einer Lagune eingenommenen Isthmos ist unbequem gewesen; aufgeschüttete Dämme, als deren Grundlagen wohl die beiden niedrigen Hügelrücken gedient haben, die sich von Norden her nach dem Festland zu ziehen und die durch zwei junge Sandnehrungen fortgesetzt werden (vgl. den Plan bei Philippson Petermanns Mitteil. Erg-Heft 167. 49), haben diesem Übelstande abgeholfen. Erst war es ein Damm (Frontin. a. a. O), dann zwei, Strab. XII 575. Für den Schiffsverkehr vom östlichen zum westlichen Hafen über die Lagune hinweg sind Durchstiche durch die östliche und westliche Nehrung gemacht worden. Um deren Fahrbarkeit hat sich Antonia Tryphaina verdient gemacht, Syll. a. a. O. Die Durchstiche ihrerseits sind dann wieder überbrückt worden, Strab. Frontin. Aristeid. a. a. O. Vgl. über die ganze Frage Ruge Peterm. Mitt. 1892, 224. Reinach Rev. ét. gr. [229] VI 48; Mithridates Eupator, übers. von Goetz 321. Judeich S.-Ber. Akad. Berl. 1898, 551. Hasluck Cyzicus 2. Philippson a. a. O. und Taf. 3.

Der Sage nach ist der König K., der infolge eines Irrtums mit den Argonauten in Kampf geriet und getötet wurde, Gründer der Stadt, vgl. vor allem Ap. Rhod. I 936f. Konon dieg. 41 (Bekk.). CIG 3667. Syll 366. Münzen der Kaiserzeit mit Kopf und Inschrift ΚΥZΙΚΟΣ, Cat. Greek Coins Brit. Mus. Mysia 42f. Mit den ,älteren‘ Namen der Stadt, nämlich Arktonnesos, Dolionis, Dindymis, ist auch nicht viel anzufangen, höchstens kann man aus dem Namen Dindymis auf eine vorgriechische indogermanische Besiedlung schließen, Bilabel Die Ionische Kolonisation, Philol. Suppl.-Bd. XIV 1, 47. Andererseits wird der Name K. mit babylonisch kisik zusammengebracht, Glotta IX 95.

Die Geschichte beginnt mit der Gründung der milesischen Kolonie K., Plin. n. h. V 142. Strab. XIV 635. Vell. Paterc. II 7, 7. Schol. zu Apoll. Rhod. I 955. 1076, und zwar 756 v. Chr., Euseb. II 81. Synkell. 402, 3 (Bonn.), oder 675, Euseb. II 87. Beloch Griech. Gesch. I 1². 256. I 2², 231. Hasluck 163. Bilabel 46. (53. Diese Herkunft läßt ihre Spuren auch noch in den Einrichtungen von K. erkennen; die Bewohner von K. pflegten die Beziehungen zu Milet. Bilabel 70. 103. 113f. 116. 118. 120. 128. 132. 134. 140.

Unter dem älteren Kyros suchte sich der Kyzikener Pytharchos zum Tyrannen von K. zu machen. Athen. I 30 A. Später wird als Tyrann von K. Aristagoras genannt, Herod. IV 138. Auch sonst ist K. nicht von inneren Kämpfen verschont geblieben. Aristot. oikon. 1347 b 31. Im ionischen Aufstand fiel es von den Persern ab; nach dessen unglücklichem Ausgang unterwarf es sich aber rechtzeitig dem Satrapen Oinobares in Daskyleion, Herod. VI 33. Nach den Perserkriegen wurde es Mitglied des attischen Seebundes, mit einem Jahresbeitrag von neun Talenten CIA I 229f. Athen. XII 534. Vor der Schlacht von Abydos 411 fiel es ab. Daher wurde es von den Athenern nach dem Siege besetzt und mußte eine Kontribution zahlen Damals war es noch ohne Mauern, Thuk. VIII 107. Diod. XIII 40. Hasluck 167, 1. Aber Mindaros nahm die Stadt bald wieder, Diod. XIII 49, 4. Xen. hell. I 1, 11—18. Jedoch schon im J. 410 wurde er bei K. geschlagen und fiel. Damit kam K. wieder in die Hand der Athener, Diod. XIII 49, 6f. Plut. Alcib. 20. Polyaen. I 40, 9. Xen. hell. I 1, 19. Nach der Schlacht von Aigospotamoi war K. natürlich nicht mehr unter Athen, aber es war auch frei von Perserherrschaft, Xen. hell. III 4, 10; anab. VII 2. 5. Durch den Frieden des Antalkidas kam es doch wohl wie die anderen griechischen Städte Kleinasiens in die Hand der Perser; es ist allerdings unsicher, in welcher Form , Judeich Kleinas. Studien 106. 275. Dann finden wir es im zweiten Seebund. Diese Hinneigung zu Athen wird wohl die Belagerung des J. 364 (durch einen Satrapen?) herbeigeführt haben, von der K. durch Timotheos befreit wurde, Diod. XV 81. 5. Com. Nep. Timoth. 1, 2. Trotzdem bedrängte es 362 [230] das mit Athen verbündete Prokonnesos, so daß sich dieses um Hilfe an Athen wendete, und hielt Getreideschiffe auf, die für Athen bestimmt waren, Ps.-Demosth. L 4–6. Zum Bruch mit Athen kam es aber erst während des Bundesgenossenkrieges (357–355), als Meidias kyzikenische Schiffe aufbrachte. Infolgedessen fiel K. von Athen ab, Demosth. in Mid. 173; dazu Schol. Bei Beginn des Alexanderzugs versuchte Memnon auf Befehl des Dareios, sich der Stadt K. zu bemächtigen, aber vergeblich, Diod. XVII 7, 3. Polyaen. V 44, 5. Alexander selbst ist nicht nach K. gekommen, hat aber Dämme aufführen lassen, die K. mit dem Festland verbanden, Plin. n. h. V 142 (s. o.). In die Kämpfe der Diodochenzeit wurde K. mehrfach verwickelt, 319 versuchte Arridaios (Arrabaios) vergeblich die Stadt zu nehmen, Diod. XVIII 51. Athen. XI 509 A. Marm. Par. B ep. 12 (Jac).

Nach der Schlacht von Korupedion 281 fiel K. mit dem übrigen Kleinasien an die Seleukiden; aus einem Kaufvertrag vom J. 254/3 kann man entnehmen, daß es damals unter Antiochos II. stand, Syll. Or. gr. 225. Später hat es volle Selbständigkeit erlangt, 218 erscheint es als freie Gemeinde, Polyb. V 63, 5. 201 verbündete es sich mit Rhodos und Byzanz gegen Philipp von Makedonien. Aber Antiochos III. hielt noch 192 den Anspruch aufrecht, Herr über die Geschicke von K. zu sein, App. Syr. 12. Antiochos IV. (175-164) beschenkte K., Liv. XLI 20, 7; auf Beziehungen zwischen beiden weist auch der Ehrenbeschluß der Kyzikener für Eudemos hin, der aus dieser Zeit stammt, Heberdey und Wilhelm Denkschr. Akad. Wien, phil.-hist. Cl. XLIV, VI 115. Antiochos IX. wurde in K. erzogen, App. Svr. 65. Joseph. ant. XIII 10, 1. Schon mit dem Begründer des pergamenischen Herrscherhauses, Philetairos (281—263), bestanden freundliche Beziehungen, Syll. Or. gr. 748 (aus den J. 280—276/5); beide Gebiete, scheinen wenigstens zeitweise aneinander gegrenzt, zu haben. Ihm zu Ehren wurden die Philetaireia eingerichtet. CIG 3660. Die guten Beziehungen bestanden auch später noch; Apollonis, die Gemahlin Attalos’ 1., stammte aus K., Polyb. XXII 20, 1. Strab. XIII 624, wodurch sich noch Eumenes II. (197—159) den Milesiern, von denen K. gegründet worden war, besonders nahe gebracht fühlte Syll. Or. gr. 763, 65 Bilabel 141. An dem Krieg zwischen Eumenes II. und Pharnakes 183 nahm K. wohl auf seiten des Eumenes teil, Polyb. XXV 2, 13. Attalos II. wurde 154 in seinem Krieg gegen Prusias von K. mit Schiffen unterstützt, Polyb. XXXIII 13. 1. Ein Schreiben von Attalos III. an K. steht bei Syll. Or. gr. 331. 26f.

Nach Einrichtung der Provinz Asia blieb K. eine freie Stadt. Im ersten Mithradatischen Krieg hielt es wohl zu Rom; trotzdem ging Fimbria grausam gegen eine Reihe von reichen Bürgern vor, nachdem er das Heer des Mithradates am Rhyndakos besiegt hatte, Diod. XXXVIII 8, 3. CIG 6855 A. Im dritten Mithradatischen Krieg wurde K. als Verbündete von Rom durch Mithradates 73 vergeblich belagert. Plut. Luc. 9f. Cic. de imp. Cn. Pomp. 20; pro Mur 33; pro [231] Arch. 22. Strab. XII 575f. Memnon 40. App. Mithr. 72. Tac. ann. IV 36. Plin. n. h. XVII 244. Flor. I 40 (III 5) 15f. Sall. fr. III 20. IV 20, 14. Frontin. VII 13, 6. Reinach Mithradates Eupator (übers. von Goetz) 1895, 320f. Rom erkannte K. zur Belohnung für seinen tapferen Widerstand ausdrücklich als freie Stadt an, Tac. ann. IV 36.

Die nächste Nachricht stammt aus der Zeit Caesars; aus CIG 3668 geht hervor, daß Caesar wohl in seinen Kämpfen gegen die Pompeianer durch Schiffe aus K. unterstützt worden ist. Nach seiner Ermordung sammelte Brutus eine Flotte in K., Plut. Brut. 28. Später versuchte Sextus Pompeius vergeblich, sich der Stadt zu bemächtigen, die Bewohner verteidigten sich tapfer, unterstützt durch die Gladiatoren, die Antonius dort hielt, Appian. bell. civ. V 137. Cass. Dio LI 7. Im J. 20 v. Chr. nahm ihnen Augustus die Freiheit, weil sie römische Bürger beleidigt und getötet hatten, gab sie ihnen aber schon 15 wieder, Cass. Dio LIV 7. 23, 7. Suet. Aug. 47. Zonar. X 34. Synkell. 593, 1. Vielleicht war Agrippa hierbei Vermittler, Syll. 366, Von der Existenz einer Kolonie römischer Bürger in K. erfahren wir auch durch CIL 7061. Endgültig verlor K. seine Freiheit 25 n. Chr. unter Tiberius, Tac. ann. IV 36. Suet. Tib. 37. Cass. Dio LVII 24. Unter Caligula ist das Verhältnis von K. zum Kaiser wieder gut, Syll. 366. In dieser Zeit erfuhr die Stadt viel Gutes durch Antonia Tryphaina, die Gemahlin des Thrakerkönigs Kotys, Syll. 365. 366. Bull. hell. VI 612f. Unter Hadrian wurde K. von einem schweren Erdbeben getroffen, danach vom Kaiser sehr unterstützt, der dort den großen Zeustempel baute, Malal. 279. Chron. Pasch. 475, 9. Reinach Bull. hell. XIV 516. Damit wird auch die Weihung an Hadrian σωτῆρι καὶ κτίστῃ, Bull, hell. XIV 540 nr. 6, und die von Kyzikenern in Athen an Hadrian zusammenhängen, CIG 338. K. nannte sich damals λαμπροτάτη μητρόπολις τῆς Ἀσίας Ἁδριανὴ νεωκόρος φιλοσέβαστος, CIG 3665. Unter Antoninus Pius wieder starkes Erdbeben, Cass. Dio LXX 4. Zonar. XII 1. Aus der Zeit des Antoninus Pius sind Homonoia-Münzen mit Ephesos, aus der der Faustina II. mit Smyrna vorhanden, Cat. Greek Coins Brit. Mus. Mysia 67. Unter Caracalla kam dann der zweite Neokorat, Cat. Greek Coins Brit. Mus., Mysia 44. 53. Chapot La province romaine proconsulaire d’Asie 1904, 450. Th. Reinach Revue numism. VIII 244. Die Kämpfe zwischen Septimius Severus und Pescennius Niger spielten sich auch bei K. ab, Cass. Dio LXXIV 6, 4. Oros. VI 2, 14. Unter Valerian, Gallienus und Claudius II. wurde K. von Goten und anderen Barbarenstämmen bedroht, Zosim. 34, 4. 39, 13. In den Kämpfen zwischen Valens und Prokopios wurde K. 375 von des letzteren Feldherrn Marcellus genommen, Ammian. Marc. XXVI 8, 6. Zosim. 180, 11. Im 17. Jahre Iustinians war wieder ein großes Erdbeben, Zonar. XIV 6, 37. Cedren. 656, 16. Später wurde K. Metropolis der Provinz Hellespontos, Hierokl. 661, 15. Not. episc. I 12. 148. II 7. III 80. IV 6. VI 6. VII 12. 134. VIII 6. 159. IX 66. X 7. 208. XI 8. XII 6. XIII 68. Nil. 235. Chron. Pasch. 148, 16. Auf dem Konzil von Nikaia 325 war Theonas [232] von K., Patrum Nicaenorum nomina, ed. Gelzer, Hilgenfeld, Cuntz LXII 122. LXIV 125. 66, 119; auf dem von Ephesos 431 Dalmatius, Mansi IV 1123, von Kalchedon 451 Diogenes, Mansi VII 405.

Folgende topographische Einzelheiten von K. werden erwähnt: Der Zeustempel Hadrians, Cass. Dio LXX 4. Aristeid. XVI 240f. Malal. 279. Chron. Pasch. 475, 9. CIG 3662; ein Parthenon, ein Tempel der Meter Plakiane, Athen. Mitt. VII 156. IG 3657; ein Tempel der Apollonis, s. o. Bd. II S. 163, noch ein Tempel ohne genauere Bezeichnung, Plin. n. h. XXXVI 98; ein Theater, eine Agora, eine στοὰ Δωρική, CIG 3655; eine ἀνδρῄα ἀγορά, CIG 3657; ein Buleuterion, ein Prytaneum, eine Porta Thracia, Plin. n. h. XXXVI 100; eine Quelle Kleite, Schol. Apoll. Rhod. I 1063. 1065; ein Fons Cupidinis, Plin. n. h. XXXI 19; ein Leimonion pedion, Schol. Apoll. Rhod. 1061. K. hatte zwei Häfen, Strab. XII 575, Χυτὸς λιμήν, Apoll. Rhod. I 987. und Panormos, Schol. Apoll. Rhod. I 901.

An der Spitze der Verwaltung stand eine Bule, CIG 3655. Die Bevölkerung war in 8 Tribus geteilt; zu den 4 alten, den Γελέοντες, Ἀργαδεῖς, Αἰγικορεῖς, CIG 3664, Ὅπλητες, kamen noch Βωρεῖς, Οἰνῶνες, 3665 und später Σεβαστεῖς und Ἰουλεῖς, Athen. Mitt. VI 42. XIII 304. XXVI 121; vgl. Beloch Griech. Gesch.² I 2, 100. Bilabel 121. An der Spitze der Phylen stand ein Phylarch, CIG 3664. Der eponyme Beamte war zuerst der Archon, Bull. hell. XIV 535 n. 1 (1. Hälfte des 4. Jhdts. v. Chr.), später der Hipparchos oder Hipparchon, a. a. O. 537 n. 2. Syll. or. gr. 748. CIG 3658. 3661 u. a. m. Auch Frauen konnten diese Würde bekleiden, CIG 3665. Daneben gab es στρατηγοὶ τῆς πόλεως, Bull. hell. XIV 537 n. 2. Über die anderen Beamten vgl. Hasluck 250f. (wo aber der ἀστυνόμος nicht erwähnt ist, Heberdey und Wilhelm Denkschr. Akad. Wien, phil.-hist. Cl. XLIV, VI 116), über die Kulte ebd. 206f., über den Kalender ebd. 252f. Bilabel 70f. o. Bd. X S. 1592.

K. war nicht auf den Umfang der Stadt beschränkt, sondern hatte auch noch ein größeres Gebiet. Nach Strab. XII 576 reichte es im Westen über den Aisepos (Münze von K. aus der Zeit des Septimius Severus mit ΑΙΣΗΠΟΣ, im Catalogue Greek Coins, Brit. Museum, Mysia 52 nr. 247) bis nach Zeleia und Poimanenon, im Süden bis zum Gebiet der Seen, im Osten bis zum Rhyndakos, Strab. XII 575. 582. Dazu kam die ganze Halbinsel, an deren Hals K. liegt, und die Inseln Besbikos, Prokonnesos, Halone, Ophiussa, Phoibe, Physia, Steph. Byz. s. Βέσβικος; vgl. auch Strab. XII 551. 565. XIII 583. 586. 589. Schol. Apoll. Rhod. I 940. Paus. VIII 46, 4. Kiepert FOA VII.

K. war eine der glänzendsten und mächtigsten Städte Kleinasiens, hauptsächlich durch ihren Handel, der durch die günstige Lage besonders gefördert wurde, Strab. XII 575. Aristeid. XVI 237. An besonderen Produkten nennt Plin. n. h. XIII 5. 14 kostbare Salben und XXXII 62 Austern. Ein Beweis für die Bedeutung der Stadt ist der Umstand, daß die Statere von K. bis in die Mitte des 4. Jhdts. v. Chr. die maßgebenden Münzen waren, Greenwell Numism. Chron. [233] 1887, 17. Cat. Greek Coins Brit. Mus. Mysia XVII. v. Fritze Nomisma 1912, 38. Es sind noch umfangreiche Ruinen erhalten mit Stadtmauern, Theatern, Amphitheater, Tempel; sie heißen heute Bal-Kiz.

Literatur: Marquardt Cyzicus und sein Gebiet 1836. Perrot Galatie et Bithynie I 84f Hasluck Cyzicus 1910.

[Ruge.]