RE:Ioannes 18

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IX,2 (1916), Sp. 2549–2586
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S. 1748, 67 zum Art. Ioannes ist hinzuzufügen:

18) Ioannes Stobaios, der den Zunamen von seiner makedonischen Vaterstadt Stoboi führte (Suid. s. Ἰωάννης Στοβεύς), stellte ein großes Exzerptenwerk zusammen, welches in vollem Umfange noch Photios vorlag, uns heute nur lückenhaft erhalten ist. Die Bibliotheke des Photios cod. 167 p. 112 Bekk. ist es auch, welche aus dem jetzt verlorenen Eingang des Werkes das wenige bewahrt hat, was sich über die Entstehung desselben und die dabei obwaltenden persönlichen Motive sagen läßt. I. widmete das, wie wir ihm gerne glauben, mühenreiche Werk seinem Sohn Septimios, um dessen Bildung zu bereichern und seinem weniger willigen Gedächtnis für die Lektüre einen Anhalt zu bieten. Er hatte aber dabei nicht etwa die bescheidenen Ziele des antiken Schulunterrichts vor Augen, in dem ja Dichterstellen, Gnomen und chrienartige Erzählungen bereits eine erhebliche Rolle spielten, sondern die Übermittlung reicher literarischer Bildungsschätze, wie sie ihm ältere Anthologien und die eigene Lektüre an die Hand gaben. Die Ἐκλογῶν ἀποφθεγμάτων ὑποθηκῶν βιβλία τέσσαρα – das ist der durch Photios und zum Teil durch unsere Hss. überlieferte Titel – bieten eine ungemein reichhaltige Blütenlese aus mehr oder weniger namhaften Dichtern, Philosophen, Rednern, Geschichtschreibern und anderen Schriftstellern, deren Zeit sich auf der einen Seite durch Homer, auf der andern durch das 4. nachchristliche Jhdt. begrenzt. So darf man denn die nicht direkt bezeugte Lebenszeit des Stobaios in die ersten Jahrzehnte des 5. Jhdts. setzen: er zitiert unter Ausschluß christlicher Schriftsteller den Themistios. Weder Hierokles, wie man früher meinte, noch Hierax lassen sich für die Bestimmung der unteren Zeitgrenze verwerten, vgl. Praechter Hierokles der Stoiker 2 und o. Bd. VIII S. 1410. Die vier Bücher des Stobäischen Werkes fand Photios in zwei Pergamentcodices überliefert (ἐν τεύχεσι δυσίν p. 112 a, 15 Bekk.), und es lag nahe, damit den Umstand in Verbindung zu bringen, daß sich die heute erhaltenen Stob.-Hss. (abgesehen vom sog. florilegium Laurentianum) auf die ersten beiden oder auf die letzten beiden Bücher, also auf eines der beiden τεύχη beschränken. Die Vermutung von Lortzing Philol. Anz. Suppl. I 689, daß unsere Stob.-Hss. auf den cod. Photianus des 9. Jhdts. zurückgehen, war daher um so bestechender, als sich zwischen der Überlieferung unserer Codices und der von Photios beschriebenen auch sonst eine nahe Verwandtschaft herausstellt. Dennoch ist es ratsamer, die Vermutung auf die Annahme einzuschränken, daß unsere Codices von einer der Hs. des Photios sehr ähnlichen abstammen, insofern sich nämlich eine von Wachsmuth (vgl. Stud. zu den gr. Floril. 45ff.) in unseren Hss. aufgedeckte Blätterversetzung aus dem 2. in das 4. Buch bei der Annahme von δύο τεύχη minder leicht begreifen würde. Denn daß diese Blätterversetzung der Hs. des Photios noch fremd war, läßt sich erkennen, vgl. Elter De Ioannis Stobaei codice Photiano (Bonnae 1880) 27f. Der der Überlieferung des Photios im übrigen offenbar sehr [2550] ähnliche Archetypus unserer Hss. wird also noch das Gesamtwerk von vier Büchern in einem Codex repräsentiert haben. Und mit dieser Ansicht stimmt es gut, daß der echte von Photios bewahrte Gesamttitel des Werks durch unsere Hss. nicht nur am Anfange des zweiten Buches, sondern auch bei Beginn des vierten Buches überliefert wird, in der die beiden letzten Bücher enthaltenden Wiener Hs. des 11. Jhdts. (S) aber auch erhebliche Reste einer das ganze Werk berücksichtigenden Kapitelzählung vorliegen. Vollständig hatte das Werk, man weiß nicht ob in zwei Bänden oder einem Gesamtbande, auch noch der Begründer des im 10. oder 11. Jhdt. entstandenen sog. Florilegium Laurentianum (cod. Laur. 8, 22) vor sich, durch welches die Stobaios-Hss. zumal der beiden ersten Bücher, doch auch die der beiden letzten in sehr erheblicher Weise ergänzt werden. Bei der, wie die uns erhaltenen Hss. lehren, in der Überlieferung später allgemein üblichen Trennung der beiden ersten von den folgenden Büchern war wohl nicht allein die Rücksicht auf bequemere Handlichkeit, sondern mehr noch der schon von Canter hervorgehobene Umstand bestimmend, daß Buch I und II wegen ihres mehr esoterischen Charakters immer weniger Interesse fanden, ein um so größeres durch ihre Gemeinverständlichkeit die beiden letzten. Die getrennte Überlieferung der beiden Hälften verführte sogar dazu, zwei verschiedene Werke anzunehmen und das erste mit dem Titel Eclogae physicae et ethicae, das zweite mit dem Namen Florilegium oder Sermones zu bezeichnen. Aber die Benennung ist, so gang und gäbe sie auch leider geworden, ebenso willkürlich wie die Trennung. Dürfte man von der Überlieferung abweichen, so ließe sich allenfalls das Gesamtwerk Anthologion benennen, nicht aber das dritte und vierte Buch im Unterschiede zu den beiden ersten. Zudem würde sich die Trennung der Hälften auch rein sachlich durch den Umstand widerlegen, daß das zweite Buch inhaltlich dem dritten näher steht als dem ersten. Im Laufe der Zeit wurden nun die beiden ersten Bücher, deren Schicksale Wachsmuth in den Prolegom. zu Stob. I des näheren darlegte, immer mehr epitomiert, so daß ihre Überlieferung in den für sie heute maßgebenden Hss., in dem cod. Farnesinus (bibl. mus. nat. III D 15) chartac. saec. XIV (F) und Parisinus nr. 2129 chartac. saec. XV (P) auch einschließlich der durch das Flor. Laur. gebotenen Supplemente fast einem Trümmerhaufen gleicht. Ohne die Kenntnis der Capitulatio, welche wir dem Bericht des Photios a. a. O. verdanken, würde man nicht einmal allgemein über den Inhalt der beiden ersten Bücher unterrichtet sein, so groß ist die Zahl der in unseren Hss. völlig beiseite gelassenen Kapitel. Weit günstiger steht es um die Erhaltung der wegen ihres allgemeinen Interesses sorgsamer überlieferten beiden letzten Bücher. Wie wiederum ein vergleichender Blick auf die Kapitelübersicht des Photios zeigt, ist in dem Archetypus der uns erhaltenen Hss., des cod. Vindobonensis gr. LXVII membran. saec. XI (S), cod. Escurialensis LXXXX (II. 2. 14) membran. saec. XII (M), cod. Parisinus gr. 1984 chartac. saec. XIV (A), um wenigstens gleich [2551] die wichtigeren hier zu nennen, nur ein Kapitel, nämlich IV 3 ερὶ δήμου, übergangen worden. Und man wird schwerlich fehl gehen mit der Annahme, daß dieses Kapitel auch dem Begründer des Flor. Laur. nicht mehr vorlag.

Die einheitliche Gesamtanlage der vier Bücher tritt – immer unter Zuhilfename der Capitulatio des Photios – deutlich zu Tage. Von einer aus zwei Kapiteln bestehenden Einleitung ist uns nur der Schluß des zweiten erhalten. Das erste Kapitel dieses Prooimion, der Ἔπαινος φιλοσοφίας, sollte in der Seele des Jünglings die Liebe zur Philosophie entzünden, und diesem protreptischen Gehalte entsprach es, daß hier, wie die noch näher zu beleuchtenden dem Photios verdankten Verzeichnisse der von Stobaios benützten Autoren dartun, auch die Verfasser von Προτρεπτικοί, wie Antisthenes, Aristippos, Theophrastos, Poseidonios, Iamblichos, auch wohl Aristoteles (vgl. Elter De Stobaei codice Photiano 40, 11, auch Stob. III 3, 25 p. 200, 3 adn. H.) benutzt wurden. Darauf folgte als zweites Kapitel eine orientierende Übersicht der philosophischen Sekten, in der wohl auch Panaitios Περὶ τῶν αἱρέσεων berücksichtigt war (vgl. Stob. I p. 14 W.), endlich Περὶ γεωμετρίας καὶ μουσικῆς καὶ ἀριθμητικῆς δόξαι παλαιαί, d. h. eine Empfehlung der Mathematik und Musik als der Grundlagen der Erziehung. Und wenigstens der Schluß des Prooimion {Περὶ ἀριθμητικῆς) ist noch erhalten. Wie aber in diesem vorbereitenden Prooimion, so ist auch am Beginne des ersten, der Physik gewidmeten Buches die Rücksicht auf den Adressaten Septimios nicht zu verkennen. Gemäß dem oft betonten Grundsatze und ἀπὸ τῶν θεῶν ἀρχὴν δὲ ποιεῖσθαι πρέπον (Stob. I 1, 1) wird das Buch mit dem Thema Ὅτι θεὸς δημιουργὸς τῶν ὄντων καὶ διέπει τὸ ὅλον τῷ τῆς προνοίας λόγῳ und einer Reihe verwandter, der Metaphysik angehöriger Kapitel eröffnet und zwar im Widerspruch mit der Kapitelfolge der im ersten Buche exzerpierten Placita des Aëtios, s. Diels Doxogr. gr. 297ff.; ebd. proleg. 58f. 66. Wie Stobaios selbst den alten Glauben hochhielt, so wollte er seinen Sohn nicht in das Lehrgebäude der Physik einführen, ehe er ihn an der Schwelle mit der wichtigen Materie von dem Walten der Gottheit vertraut gemacht hatte. Das zweite Buch beginnt mit einer Reihe die Erkenntnislehre angehenden Kapiteln, um dann mit Kap. 7 in die Ethik einzumünden. Das dritte Buch, welches heute allein in voller Kapitelzahl erhalten ist und dadurch zumal von den klaffenden Lücken des vorhergehenden absticht, ist ganz der Ethik gewidmet. Das vierte inhaltlich besonders mannigfaltige Buch hebt mit acht Kapiteln an über den Staat, Gesetze und Gewohnheiten, die verschiedenen Staatsformen, beleuchtet dann Krieg und Frieden, Ackerbau und Seefahrt, die Künste, Herren, und Sklaven, die Beziehung der Geschlechter zueinander und die Ehe, Kinder und Eltern, Hausverwaltung, adlige und unadlige Art, Armut und Reichtum, des Lebens Kürze und Kümmernis, Krankheit und Heilung, Gesundheit und ihre Erhaltung, die Ärzte, Glück und Unglück, die Unbeständigkeit des menschlichen Wohlergehens, unverdientes Glück oder Unglück, das Verhalten in Glück und Unglück [2552] und gegenüber Unglücklichen, Hoffnung und Unverhofftes, das Alter, Leben und Tod, Trauer und Bestattung usw., um dann mit dem elegischen Ὅτι τῶν πλείστων μετὰ θάνατον ἡ μνήμη διαρρεῖ ταχέως zu schließen. Die in unseren Hss. angefügte, nach dem Alphabet geordnete kleine Sammlung Γνῶμαι Θεοκτίστου fällt völlig aus dem Rahmen, und daß sie dem Stobaios fremd ist, wird durch ihr Fehlen in dem Überblick des Photios bestätigt, vgl. Stob. vol. V p. 1144, 1 adn.

Den Umfang der einzelnen Bücher gibt Photios in der Weise an, daß das erste (ausschließlich der beiden Kapitel des Prooimion) 60 Kapitel enthält, 46 das zweite, 42 das dritte, 58 das vierte. Die ehemals von sonst sehr beachtenswerter Seite (Rh. Mus. XXXII 481ff.) geäußerte Vermutung, es ergebe sich eine Symmetrie von je hundert Kapiteln für jedes der beiden τεύχη, wenn man nicht nur die beiden Kapitel vor Beginn des ersten Buches, sondern auch die sechs ersten des zweiten Buches abgesondert für sich zählt, war keine glückliche. Denn mag es auch, worauf Immisch aufmerksam macht (vgl. auch Marx A. Corn. Celsi quae supersunt Proleg. XII), nicht zufällig sein, daß von den 7 artes, die als Vorhalle der Philosophie gelten, das quadrivium (mit Ausnahme der Astronomie) in der Weise einer Einleitung in I steht, und in II das zugehörige vollständige trivium, durch die Annahme einer Einleitung von zwei Kapiteln und dann einer von sechs Kapiteln würde die gewonnene Symmetrie wieder verloren gehen. Wenn Photios sagt: τὸ δὲ δεύτερον βιβλίον συμπληροῦται μὲν κεφαλαίοις ς’ καὶ μ’ (statt μς’), so will er durch diesen Ausdruck doch wohl nur andeuten, daß mit II 7 die Ethik anhebt, oder wie er selbst sagt: τοῦ δὲ δευτέρου τὸ μέν τι κατ’ ἀρχὰς μέρος λογικόν, τὸ δὲ λοιπὸν καὶ πλεῖστον ἠθικόν. Hätte er auch die sechs ersten Kapitel des zweiten Buches als ein Prooimion bezeichnet gefunden, so würde er sich so deutlich wie bei dem Prooimion des ersten Buches ausgedrückt haben. Dazu kommt, daß auch in der Kapitelzahl der Bücher keine Symmetrie beabsichtigt ist. Es bleibt also dabei: nach der Berechnung des Photios zählt das erste Teuchos sechs Kapitel mehr als das hundert Kapitel umfassende zweite Teuchos. Daß übrigens die Kapitel auch des gesamten Werkes ohne Rücksicht auf die Bucheinteilung durchgezählt wurden, lehrt nicht nur die Schlußbemerkung der Kapitelübersicht des Photios (τῶν δὲ τεσσάρων βιβλίων ση’ d. h. 206 und die zwei Kapitel des Prooimion) sondern auch die mit Photios übereinstimmenden am oberen Rande der Wiener Stob.-Hs. wenigstens zum Teil noch bewahrten Kapitelzahlen, s. prolegom. zu Stob. III p. VIIIff.

Es ist eine ansprechende Vermutung Elters De Ioannis Stob. cod. Phot. 16 und 68ff., daß die Kapitelübersicht, welche Photios bewahrt hat, von Stobaios selbst seinem Werke vorangeschickt worden sei, denn dieses Verfahren, einem umfänglichen Werke ein derartiges Summarium vorzusetzen, ist zweckdienlich und nicht ohne Analogien, vgl. Wachsmuth Stud. zu den gr. Floril. 47, 1. Friderici De librorum antiquorum capitum divisione atque summariis, Marburg 1011. Mutschmann Inhaltsangabe [2553] und Kapitelüberschrift im antiken Buch, Herm. XXXXVI 93ff. Birt Kritik und Hermeneutik nebst Abriß des antiken Buchwesens, München 1913. Und daß es für diese Praxis auch in der uns noch zugänglichen Stob.-Überlieferung nicht an Belegen fehlt, zeigen, um von den nach dem Herausgeber der ed. princ. der beiden letzten Bücher (Venet. a. 1536) cod. Tr(incavelliani) genannten Hss. hier abzusehen, die erheblichen noch vorhandenen Reste des Kapitelverzeichnisses im Flor. Laur. (s. Wachsmuth Stud. zu den gr. Flor. 5ff.), auch die auf den ersten beiden nicht numerierten Pergamentblättern der Escorial-Hs. (M) von erster Hand gegebene Capitulatio des dritten und vierten Buches. Wenn aber das Summarium des Photios, wie sich noch deutlicher herausstellen wird, dem Stobaios selbst angehört, so möchte man erwarten, daß die gleiche Kapiteleinteilung und -zählung, sollte nicht Verwirrung Platz greifen, auch innerhalb des Werkes selbst durchgeführt war. Doch um die Frage beantworten zu können, ob die Kapiteleinteilung unserer Hss. oder die von ihr vielfach abweichende des Photios als die echte anzusehen oder ob vielleicht keine von beiden dem Stobaios abzusprechen sei, haben wir uns zunächst die Eigenart der einen wie der anderen genauer anzusehen.

Das Summarium des Photios ist auf Grund der noch in unseren Stob.-Hss. mehr oder weniger vollständig erhaltenen Aufschriften angelegt, und zwar entweder unter bald wortgetreuer bald gekürzter Wiedergabe der vorgefundenen Aufschriften oder in dem Sinne, daß benachbarte Abschnitte verwandten Inhalts zu einem mehrteiligen Kapitel zusammengefaßt und durch einen Generaltitel und eine Kapitelnummer ausgezeichnet werden. Bequem macht sichs der Verfasser bei letzterem Verfahren, wenn er den Titel des ersten Abschnitts einer solchen von ihm zusammengefaßten Gruppe als den führenden voranstellt und dann einfach mit einem ,und so weiter‘ fortfährt. So wird I 42 in dem Titel Περὶ τῆς τῶν ζῴων γενέσεως καὶ τὰ ἑξῆς durch καὶ τὰ ἑξῆς über nicht weniger als 12 Spezialtitel, welche im Flor. Laur. erhalten sind, andeutend hinweggegangen, Stob. I p. 294ff. Minder passend erscheint diese Formel καὶ τὰ ἑξῆς τοῦ κεφαλαίου τούτου (so lautet sie gewöhnlich vollständiger), wenn eine Reihe inhaltlich sich berührender Abschnitte wie IV 22 durch einen Generaltitel (Περὶ γάμου) zusammengefaßt werden, und dann nichtsdestoweniger mit καὶ τὰ ἑξῆς τοῦ κ. τ. fortgefahren wird. Denn auf den γάμος beziehen sich mehr oder weniger alle sieben in IV 22 vereinigten Abschnitte und auch der letzte, 22 g Ψόγος γυναικῶν (so lautet die Aufschrift unserer Hss), soll doch im Grunde nur auf eine Warnung vor dem γάμος hinauslaufen. Zu einer ähnlichen Bemerkung kann IV 24 a–d herausfordern Περὶ παίδων καὶ τὰ ἑξῆς τ. κ. τ., IV 29 a–d Περὶ εὐγενείας καὶ τὰ ἑξῆς τ. κ. τ., IV 31 a–d Περὶ πλούτου καὶ τὰ ἑξῆς τ. κ. τ., IV 50 a–c Περὶ γήρως καὶ τὰ ἑξῆς τ. κ. τ. Doch beginnen IV 29 a und IV 50 a die Spezialtitel mit den Worten περὶ εὐγενείας und περὶ γήρως, so daß sich hier die Wendung καὶ τὰ ἑξῆς τ. κ. τ. in dem Sinne, ,und das weitere dieses Kapitels‘ fassen ließe. In anderen Fällen wird in dem [2554] Summarium der Generaltitel lediglich durch Aneinanderreihung der Teiltitel gewonnen. So lautet die Überschrift von I 22 bei Photios Περὶ τάξεως τοῦ κόσμου· εἰ ἓν τὸ πᾶν, in F P liest man als Teiltitel Περὶ τάξεως τοῦ κόσμου, dann vor Ekl. 3 a Εἰ ἓν τὸ πᾶν. Oder I 26 bietet Photios Περὶ σελήνης οὐσίας καὶ μεγέθους καὶ σχήματος φωτισμῶν τε καὶ περὶ ἐκλείψεως καὶ ἐμφάσεως καὶ περὶ ἀποστηρμάτων καὶ σημείων, dagegen Περὶ σελήνης οὺσίας, dann Περὶ δὲ φωτισμῶν αὐτῆς, dann Περὶ δὲ ἐκλείψεως σελήνης usw. als Teiltitel FP. Wie schon der Generaltitel <περὶ γάμου und ihm ähnliche lehrten, begegnet man im Summarium nicht selten der Neigung, die vorgefundenen Aufschriften einer inhaltlich verwandten Gruppe durch einen mit περὶ und dem Genetiv des in Betracht kommenden Stichworts gebildeten Kollektivtitel zusammenzufassen. Hierher gehört insbesondere eine Reihe im Summarium zweiteiliger Kapitel. So faßt II 2 Περὶ διαλεκτικῆς den im FP jetzt verlorenen Teiltitel Ὑπὲρ διαλεκτικῆς oder ähnl. (vgl. Wachsmuth zu Stob. II p. 15, 13) und den vor Ekl. 8 desselben Kapitels erhaltenen Εἰς τὸ ἐναντίον zusammen, IV 15 Περὶ γεωργίας die Teiltitel 15 a Περὶ γεωργίας ὅτι ἀγαθόν und 15 b Εἰς τὸ ἐναντίον, IV 18 Περὶ τεχνῶν die Teiltitel 18 a Ὑπὲρ τεχνῶν und 18 b Εἰς τὸ ἐναντίον, IV 20 Περὶ Ἀφροδίτης κτἑ. die Teiltitel 20 a Περὶ Ἀφροδίτης κτἑ. und 20 b Ψόγος Ἀφροδίτης κτἑ., IV 21 Περὶ κάλλους die Teiltitel 21 a Ὑπὲρ κάλλους und 21 b Κατὰ κάλλους, IV 32 Περὶ πενίας die Teiltitel 32 a Πενίας ἔπαινος und 32 b Πενίας ψόγος. Aber auch sonst wird bei mehrteiligen Komplexen das die Gruppe beherrschende Stichwort mit περὶ als Generaltitel herausgehoben, mag dies nun bereits im ersten Teiltitel vorkommen oder nicht. I 49 lautet der (in FP nicht vorhandene) Generaltitel bei Photios Περὶ ψυχῆς, während in F P Teiltitel dieses sehr umfänglichen Kapitels erhalten sind, wie Περὶ κινήσεως καὶ ἀφθαρσίας ψυχῆς Stob. I p. 325, 9 und Περὶ ἐμψυχώσεως καὶ μετεμψυχώσεως (dieser an unrichtiger Stelle) p. 463, 7, vgl. Wachsmuth Stud. zu den gr. Floril. 77. Ob auch Stob. II 7 Περὶ τοῦ ἠθικοῦ εἴδους τῆς φιλοσοφίας in der gleichen Weise zu beurteilen ist, bleibe hier (trotz Wachsmuth Stud. 48, 1) dahingestellt.

Werfen wir noch einen vergleichenden Blick lauf die nicht mehrteiligen Kapitel, so tritt bei der Fassung auch dieser Aufschriften die epitomierende Absicht des Summarium im Unterschiede zu der größeren Ausführlichkeit unserer Hs. mehr oder weniger deutlich zu Tage. Vgl. z. B. I 1. 37 II 4. 13. 15. 43. III I. 10. 20. 29. IV 10 (vgl. Stob. IV p. 327, 1 adn.). 17. 25. 26. 27. 28. 34. 35. 36. 37. 38. 41. 44. 45. Wir sagen: mehr oder weniger deutlich. Denn es darf umgekehrt in unseren Hss. eine gewisse Neigung, die ursprüngliche Fassung der Kapitelaufschriften zu erweitern, nicht übersehen werden. Zumal das Flor. Laur. und der aus dem nämlichen Archetypus abgeleitete cod. Bruxellensis miscell. nr. 11 360 bombyc. saec. XIV (vgl. Hense De Stob. flor. excerptis Brux., Frib. Brisg. 1882) weisen öftere Beispiele solcher Titelerweiterung auf, und ist hier umsomehr Vorsicht geboten, als im Flor. Laur. [2555] öfters auch verschiedene Stobaios-Kapitel in eines zusammengezogen werden, z B. litt. E n. 41, und bisweilen, wie insbesondere Elter De Stob. cod. Phot. 73ff. und Diels Rh. Mus. XXXVI 349 erkannten, dem Stobaios fremde Bestandteile aus Plutarch beigemischt werden, so I 42. 43 (vgl. Wachsmuth Stud. 76f.). Die Entscheidung, ob man es mit einer Kürzung durch das Summarium oder in unseren Hss. mit einer erweiternden Interpolation zu tun habe, fällt daher nicht immer so leicht wie etwa Stob. II 4. IV 28 oder IV 36. 37. Erschwert wird die Beurteilung besonders durch die mangelhafte Überlieferung der beiden ersten Bücher. Nicht nur daß wir hier von vielen Aufschriften, zumal der verlorenen Kapitel, nur durch das Summarium Kenntnis haben, es kommt hinzu, daß es in den erhaltenen Kapiteln nicht an Versuchen der librarii fehlt, auf eigene Hand Inhaltsangaben zu notieren (vgl. die Anmerkungen Wachsmuths zu Stob. 12 p. 179,19. 319, 4. 5 u. ö.), durch welche das Bild der ursprünglichen Einteilung gestört wird. Der späteren Interpolation meist unverdächtig sind dagegen die ausführlicheren Kapitelbezeichnungen unserer Hss., wenn sie durch den überkommenen Inhalt des betreffenden Kapitels selbst bestätigt werden. Die Belege für diese Beobachtung würden hier zu viel Raum beanspruchen, sie sollen hinsichtlich des besonders in Betracht kommenden vierten Buches an anderer Stelle gegeben werden.

Fragt man nach dem Werte der Capitulatio des Summarium, so sind zunächst zwei Trübungen der Überlieferung außer Rechnung zu stellen, zumal sie sich durch die bei Photios und in S übereinstimmend überlieferte Kapitelzählung aufhellen. Da Wachsmuth Stob. I p. 9f. die wertvolle Kontrolle durch S noch versagt blieb, war in der Beseitigung jener beiden Versehen ein etwas anderer Weg einzuschlagen, als der von ihm gewählte. Zunächst hatte man Stob. IV 12 einen Irrtum anzuerkennen, wie ich mit Hilfe der Kapitelzählung in S nachwies Stob. III proleg. XII, vgl. auch die Note zu Stob. IV 12 p. 342, 2. Ferner war, wie wiederum die Kapitelzählung lehrt, an Stelle der Teiltitel von IV 48 a Ὅτι οὐ χρὴ ἐπιχαίρειν τοῖς ἀτυχοῦσιν und 48 b Ὅτι οἰ ἀτυχοῦντες χρῄζουσι τῶν συμπασχόντων vielmehr ein zusammenfassender Generaltitel (etwa Ὅτι οὐκ ἐπιχαίρειν χρὴ τοῖς ἀτυχούσιν ἀλλὰ συμπάσχειν) zu erwarten. Infolge dieser Abirrung ist dann die Aufschrift von IV 49 Ὅτι ῥᾷον ἄλλον παραινεῖν ἢ αὑτόν bei Photios ausgefallen, während in S der Teiltitel IV 48 b verloren ging. Vgl. Stob. III proleg. XI und die Note zu Stob. IV p. 1008, 2. Aber ganz abgesehen von diesen wenigen Störungen der Überlieferung kann das Urteil über die im Summarium befolgte Methode nicht immer günstig lauten. Die nach dem Schema Περὶ γάμου λαὶ τὰ ἑξῆς τοῦ κεφαλαίου τούτου gebildeten Generaltitel wurden schon besprochen. Die Art der Zusammenlegung verwandter Abschnitte zu einem mehrteiligen Gesamtkapitel läßt hier und da Konsequenz vermissen. Die sieben Abschnitte über die Ehe werden IV 22 unter einem Generaltitel zusammengefaßt, dem sich IV 23 das Kapitel Γαμικὰ παραγγέλματα anschließt, dagegen figurieren die sieben Abschnitte über die Freundschaft II 32–38 als sieben selbständige Kapitel, [2556] an die dann II 39Φιλικὰ παραγγέλματα angefügt wird. Und solcher Fälle ließen sich noch andere nennen. Durch den Generaltitel IV 52 Περὶ ζωῆς werden die Teiltitel 52 a Ἕπαινος ζωῆς und 52 b Ἔπαινος θανάτου nicht deutlich genug zum Ausdruck gebracht. Auch IV 51 ist mit Περὶ θανάτου gegenüber dem Titel unserer Hss. Περὶ θανάτου καὶ ὡς εἴη ἄφυκτος zu allgemein formuliert, denn über den Thanatos handelt auch 52 b Ἔπαινος θανάτου und 53 Σύγκρισις ζωῆς καὶ θανάτου. IV 36 verdient der Titel unserer Hss. Περὶ νόσου καὶ τῆς τῶν κατ’ αὐτὴν ἀνιαρῶν λύσεως den Vorzug gegenüber Photios’ Περὶ νόσου καὶ ἰάσεως, zumal IV 38 ein besonderes Kapitel Περὶ ἰατρῶν καὶ ἰατρικῆς gelesen wird. IV 37 ist die Aufschrift bei Photios Περὶ ὑγείας καὶ διαμονῆς αὐτῆς; minder deutlich gegenüber der Fassung unserer Hss. Περὶ ὑγείας καὶ τῆς περὶ τὴν διαμονὴν αὐτῆς προνοίας, vgl. Stob. III proleg. p. XIII. Und so ließe sich Ähnliches anführen. Dennoch wird man das Summarium dem Stobaios nicht absprechen dürfen. Die früher einmal von mir geäußerten Bedenken (Stob. III proleg. p. XIII) entsprangen doch wohl einer zu günstigen Einschätzung der Fähigkeiten des Stobaios oder seines Amanuensis. Man braucht nicht der übertriebenen Ansicht zu sein, wie ehemals Meineke (Mützell Ztschr. XIII 564), daß Stobaios nichts als ein fingerfertiger Kompilator sei, aber das durch Photios erhaltene Summarium des Stobaios für unwürdig zu erachten, ist umsoweniger Grund vorhanden, als sich in seinem Sammelwerke weit bedenklichere Fälle von Akrisie erkennen lassen, und seine Neigung, verwandte Abschnitte zu einem gemeinsamen Kapitel durch eine mehr oder weniger gelungene Aufschrift zu vereinigen, in seinem Verfahren gegenüber Aëtios zutage liegt. Entscheidend ist, daß einige der von Photios überlieferten Generaltitel auch im Flor. Laur., wenn auch hier zum Teil in erweiterter Form, erhalten sind, während in den übrigen Hss. die Teiltitel der betreffenden Kapitel vorliegen, so II 2 Περὶ διαλεκτικῆς, ferner IV 15 Περὶ γεωργίας, IV 21 Περὶ κάλλους. Diese Zeugnisse hat Wachsmuth Stud. zu den gr. Floril. 48, 1 richtig gewürdigt. Ebenso findet sich Stob. I 14 der Kollektivtitel wie im Summarium so auch in F P, in letzteren aber auch einer der Teiltitel, s. Wachsmuth zu Stob. I p. 143, 13. So gewinnen denn auch einige Spuren des Summarium in den Tr(incavelliani) eine erhöhte Bedeutung: Stob. IV 15 b Ἔτι περὶ γεωργίας, εἰς τὸ ἐναντίον, IV 18 b Ἔτι περὶ τεχνῶν, εἰς τὸ ἐνατίον, IV 22 d Περὶ μνηστείας, ἔτι καὶ περὶ γάμου, IV 22 g Ψόγος γυναικῶν, ἔτι καὶ περὶ γάμου. Dazu kommt die in S am oberen Rande des Textes zum Teil erhaltene, mit dem Summarium übereinstimmende Kapitelzählung. Denn rechten Sinn hatten die Zahlen doch nur, wenn die ihnen entsprechende Capitulatio ursprünglich nicht nur vor dem Werke, sondern – und hier trennen wir uns von der ehemals durch Elter vertretenen Anschauung De Stob. cod. Phot. 71, 1 – auch innerhalb desselben zum Zweck schnellerer Orientierung durchgeführt war, und zwar wohl am Rande, insofern sich bei dieser Annahme am ehesten der Umstand erklärt, daß der Kollektivtitel mehrteiliger Kapitel oder auch die knappere Form der [2557] Aufschrift nicht mehrteiliger in den Hss. so häufig vermißt wird. Die Schreiber begnügten sich hier oftmals mit der Wiedergabe der im Text selbst gegebenen Aufschriften, und dies umsomehr, je weniger ihnen entgehen konnte, daß die Titel am Rande, mochten sie sich auf mehrteilige oder nicht mehrteilige Kapitel beziehen, nur eine bald geschicktere, bald minder geschickte Zusammenfassung oder Abkürzung der im Texte selbst gegebenen Aufschriften darstellten, in sehr vielen Fällen aber, wie fast im ganzen dritten Buche, mit letzteren übereinstimmten. So begreift sich denn ungezwungen, wie die Aufschriften des Summarium innerhalb des Werkes selbst je länger je mehr unbeachtet blieben und in S nur noch Reste der entsprechenden Kapitelzählung am Rande erhalten sind, in den übrigen Hss. aber auch diese beiseite gelassen wurden, insofern die bloßen Zahlen ohne die ihnen entsprechenden Aufschriften nicht mehr verständlich waren und bei der getrennten Überlieferung der beiden Hälften des Werkes, wie die Hss. des zweiten und dritten Buches zeigen, einer neuen, mit dem ersten Kapitel des dritten Buches beginnenden Durchzählung Platz machten. Daß andererseits die in unseren Hss. überlieferten Aufschriften, von einzelnen zum Teil schon erwähnten abgesehen, die Stobäischen sind, steht schon deshalb außer Frage, weil sie, wie oben erörtert, die Grundlage des Summarium bilden. Und über das hohe Alter, welches einer großen Anzahl derselben zukommt, wird gleich noch zu sprechen sein. Keine der beiden Rubriken darf also eine der Überlieferung voll Rechnung tragende Ausgabe verschmähen, weder die unserer Hss. noch die des Summarium, während für die Kapitelzählung die des Summarium allein maßgebend ist. Und selbst wenn sich dieses Verfahren nicht so begründen ließe, wie es sich begründen läßt, würde es schon durch die Konsequenz geboten sein, insofern die Überlieferung der beiden ersten Bücher in F P so zahlreiche Lücken aufweist, daß man auf Schritt und Tritt auch auf die Hilfe des Summarium angewiesen ist Bei solcher Sachlage empfiehlt es sich denn, den Eklogenbestand auch der mehrteiligen Kapitel durchzunumerieren, obschon dies eine Opportunitätsfrage bleibt, da Stobaios selbst Stücknummern nicht oder doch nur ganz ausnahmsweise gab (vgl. Stob. III 1, 172).

Die eben behandelte Frage nach dem Ursprung und Wert des von Photios erhaltenen Summarium fiel nur zum Teil zusammen mit der Untersuchung, wie die Kapiteleinteilung und die Aufschriften des Stobäischen Werks an sich zu bewerten seien. Es wird kaum noch überraschen, wenn wir es aussprechen: ihr Wert steht umso höher, je treuer Stobaios an seiner Vorlage festhält. Wo er selbständiger verfährt, wie in dem die Physik betreffenden ersten Buche, muß das Urteil über die Formulierung der Kapitelaufschriften oft recht ungünstig lauten. Diels’ lichtvolle Rekonstruktion der Placita des Aëtios Doxogr. 273–444 lehrte, daß in Plutarchs Placita philosophorum die ursprüngliche Einteilung und somit auch die Kapitelaufschriften des Werkes meist genauer als bei Stobaios bewahrt sind (vgl. auch Diels Rh. Mus. XXXVI 349), und diese Beobachtung wiegt umso schwerer, als sich das erste [2558] Buch des Stobaios zum nicht geringen Teile aus den Placita des Aëtios zusammensetzt. Stobaios befolgt hier vielfach das Verfahren, eine größere Reihe verwandter Abschnitte des Aëtios unter einem Kapitel zusammenzufassen und eine ihnen entsprechende Überschrift zu formulieren. Vollständig gelingt ihm eine solche Überschrift z. B. I 25, nur sehr unvollständig in dem vorhergehenden Kapitel. Werden doch in der Aufschrift I 24 nicht weniger als drei Rubriken außer acht gelassen, nämlich die bei Plut. Plac. II 15 bewahrte Περὶ τάξεως ἀστέρων, ebenso Plut. II 17 Πόθεν φωτίζονται οἱ ἀστέρες, endlich Plut. II 18 (vgl. Euseb. praep. ev. XV 49, 1. 2) Περὶ τῶν [ἄστρων] καλουμένων Διοσκούρων, und dies, obwohl keiner dieser drei Abschnitte in dem Stobäischen Kap. I 24 unbenutzt blieb, die beiden ersten sogar reichlich exzerpiert werden. Vgl. Diels Doxogr. 344f. 346. 347. Wachsmuth Stob. I prolegom. p. XI. Wir heben gerade diese Beispiele heraus, insofern hier in den Kapitelaufschriften des Stobaios die Fassung des Summarium mit den Angaben unserer Hss. übereinstimmt. Aber diese ungenügende und willkürliche Art, wie sie in der Kompilierung der Aufschriften des Aëtios bemerkt wird, weicht im Verlaufe des Werks immer mehr einer getreueren Wiedergabe der überlieferten Kategorien. Auch ohne eine auf alle Einzelheiten eingehende Untersuchung über die Provenienz der Kapitelaufschriften, die ja von der Frage nach den gnomologischen Vorlagen des Stobaios nicht zu trennen wäre, läßt sich doch bemerken, daß Stobaios in der Formulierung seiner Themen erfreulicherweise bald weit weniger selbständig verfuhr als im ersten Buche. Man braucht sich nur die Schriftenverzeichnisse zumal nachsokratischer Philosophen zu vergegenwärtigen, der Akademiker, Peripatetiker, Stoiker, von Späteren besonders auch das des Plutarch, um wahrzunehmen, wie viele der knapper gefaßten, zumal der nach dem Schema ερὶ ἀρετῇς geformten Aufschriften des Stobaios sich mit altüberlieferten Buchtiteln decken. Ich übergehe die Namen der Autoren, um nicht die Meinung aufkommen zu lassen, als ließen sich die mit literarisch bekannten Schriftentiteln übereinstimmenden Kapitelaufschriften des Stobaios jeweils auf einen bestimmten Autor zurückführen. Es wäre das umsoweniger angänglich, als einundderselbe Buchtitel öfters bei mehr als einem Autor überliefert ist. Vergegenwärtigt man sich aber unter gleichzeitigem Hinblick auf Stob. II–IV literarisch bezeugte, zumal durch Diogenes Laertios überlieferte, nicht selten auch im Stobaios selbst angeführte Schriften älterer Autoren, wie Περὶ ῥητορικῆς     Περὶ γραμμάτων     Περὶ ποιητικῆς     Περὶ τοῦ ἐφ’ ἡμῖν     Περὶ μαντικῆς     Περὶ ἀγωγῆς     Περὶ παιδείας      Πῶς ἄν τις ἀπ’ ἐχθρῶν ὠφελοῖτο     Περὶ ἀρετῆς     Περὶ ἀρετῆς καὶ κακίας     Περὶ φρονήσεως     Περὶ σωφροσύνης     Περὶ ἀνδρείας     Περὶ δικαιοσύνης     Περὶ ἀληθείας     Περὶ παρρησίας     Περὶ κολακείας     Περὶ ὀργῆς     Περὶ τοῦ γνῶθι σαυτόν     Περὶ μνήμης     Περὶ ὄρκου      Περὶ ἀδολεσχίας     Περὶ τῆς πατρίδος     Περὶ διαβολῆς     Περὶ πολιτείας     Περὶ νόμων     Περὶ ἀρχῆς     Περὶ βασιλείας     Περὶ γεωργίας     Περὶ ἡσυχίας     Περὶ τέχνης     Περὶ ἔρωτος     Περὶ γάμου Γαμικὰ παραγγέλματα Οἰκονομικός     Περὶ εὐγενείας     Περὶ πλούτου      Πενίας ἐγκώμιον     Περὶ νόσων     Περὶ [2559] εὐδαιμονίας     Περὶ γήρως     Περὶ θανάτου      Θανάτου ἐγκώμιον     Περὶ ζωῆς     Περὶ πένθους u. a., so sieht man, daß wir bei Stobaios die allbekannten Topoi vor uns haben, wie sie seit Jahrhunderten zumal durch die Ethik und Popularphilosophie behandelt waren (vgl. auch Seneca ep. 95, 54 de paupertate de divitiis, de gloria de ignominia, de patria de exilio) und von da auch in die Gnomologien Eingang gefunden hatten, ohne daß man deshalb mit Usener (Epicur. LXXIII adn. 2) den Ursprung der Gnomologien in den zitatenreichen Schriften des Chrysippos zu suchen hätte. Vgl. Elter De gnomol. Gr. hist. atque orig. I (Bonnae 1893) 12. Begreiflicherweise finden sich denn auch bei Stobaios oft Schriften zitiert, deren Titel mit der Aufschrift des betreffenden Kapitels, innerhalb dessen sie angezogen werden, übereinstimmt (z. B. III 1, 115. 117. 194. 204. III 3. 26. 63. III 5, 9. 45. III 7, 40. III 9, 35. 51. 53. III 20, 53. 70. III 21, 27. III 25, 3. IV 1, 93. 97. IV 2, 29. IV 7, 61. 63. 64. IV 16, 18. IV 22 a, 21. 25. IV 28, 12. 15. IV 29 a, 24. IV 39, 26 u. ö.), und dieser Umstand gewährt bisweilen einen Einblick in jetzt verlorene Kapitel. Die Schrift des Plutarch Πῶς ἄν τις ἀπ’ ἐχθρῶν ὠφελοῖτο wird Stob. III 19, 7 und III 33, 9 zitiert, beidemal mit dem Lemma Πλουτάρχου Ἐκ τοῦ Πῶς ἔστιν ἀπ’ ἐχθρῶν ὠφεληθῆναι. Nun lautet die Aufschrift des jetzt verlorenen Kapitels Stob. II 41 (nach dem Summarium, vgl. auch Flor. Laur. litt. E n. 44) Περὶ τοῦ πῶς ἔστιν ἀπ’ ἐχθρῶν ὠφεληθῆναι. Was ist also einleuchtender, als daß die Plutarchische Schrift von Stob. II 41 nicht am wenigsten ausgeschrieben wurde. Wichtiger ist eine andere Beobachtung, die sich bei einer Konfrontierung der Stobäischen Kapitelaufschriften mit literarisch bekannten Buchtiteln kaum verkennen läßt, nämlich daß die bei der gnomologischen Themenformulierung des Stobaios beliebte Einführung einer der vorangehenden entgegengesetzten Kategorie, z. B. die Behandlung der ἀντικείμεναι κακίαι nach den betreffenden ἀρεταί, für Stobaios und seine gnomologischen Vorlagen ein charakteristisches Merkmal abgibt. Nicht daß es der Gnomologie nach dieser Richtung in philosophischen und rhetorischen Traktaten, auch abgesehen von den Streitreden, den συγκρίσεις, an Anregung und Führung gefehlt hätte – man blicke nur in die auch von Stob. III 1, 194 aufgenommene ps.-aristotelische Abhandlung Περὶ ἀρετῶν καὶ κακίων –, aber bei philosophischer Erörterung z. B. Περὶ φρονήσεως Περὶ ἀνδρείας blieb es doch das üblichere, weil sachlich begründete Verfahren, in einunddemselben Traktate zugleich die ἀφροσύνη oder die δειλία zu beleuchten oder, um ein anderes Beispiel zu wählen, in einer Schrift Περὶ γήρως nicht nur die Vorzüge des Alters ins Licht zu stellen, sondern auch die herkömmlicherweise gegen das Alter gerichteten Anklagen herauszuheben, wenn auch nur, um sie zu entkräften. Anders verfährt Stobaios: die Teile werden auseinandergenommen und als selbständige Kapitel gegenübergestellt, um dann freilich öfters, aber ohne Konsequenz, durch einen Obertitel des Summarium wieder zusammengelegt zu werden. Mit anderen Worten : das Prinzip der stofflichen Gliederung und damit der Kapitelbenennung, welches bei Stobaios [2560] am ehesten als durchgreifend bezeichnet werden kann, ist das antithetische: anthologi enim ut Stobaeus argumentorum oppositione delectantur bemerkt zutreffend Diels Doxogr. 59. Dieses Prinzip antithetischer Gruppierung, sei es durch einen und denselben Titel oder durch zwei benachbarte oder innerhalb größerer Komplexe, welches gleich in den die Metaphysik angehenden ersten Kapiteln des ersten Buches bemerkbar wird, tritt in den die Physik betreffenden Teilen, wie es der Stoff mit sich brachte, mehr zurück, wird aber schon im zweiten Buche in einer größeren Zahl von Kapitelbenennungen (z. B. II 14. 15. 16. 20. 32–41) beobachtet, mit fast völliger Konsequenz dann in den paarweise gruppierten Kapiteln des dritten Buches, um aber auch im vierten noch stark zu[WS 1] überwiegen. Die Form der Gegenüberstellung ist, wie schon die obigen Anführungen zeigten, keineswegs immer so einfach, wie sie nach dem Schema Περὶ ἀρετῆς und Περὶ κακίας, Περὶ φρονήσεως und Περὶ ἀφροσύνης in dem der mehrteiligen Kapitel ganz entbehrenden dritten Buche mit großer Regelmäßigkeit gegeben wird. Wie sehr es dem Gnomologen auf die gegensätzliche Beleuchtung ankam, lehrt auch die Beobachtung, daß einem ἔπαινος und ψόγος bisweilen noch eine Vergleichung, σύγκρισις, folgt. So IV 31 a Ἔπαινος πλούτου, IV 31 c Ψόγος πλούτου, IV 32 a Πενίας ἔπαινος, IV 32 b Πενίας ψόγος, aber IV 33 Σύγκρισις πενίας καὶ πλούτου, IV 52 a Ἔπαινος ζωῆς, IV 52 b Ἔπαινος θανάτου, IV 53 Σύγκρισις ζωῆς καὶ θανάτου, also in der Weise der Rhetorik, die nach dem ἐγκώμιον und ψόγος die σύγκρισις zu behandeln pflegte (Theon progymn. 8. 9 Aphthonius progymn. 8. 9. 10 u. s.). Von den Titelprägungen im einzelnen sind wohl abgesehen von einigen nur der Antithese zuliebe formulierten besonders diejenigen auf Rechnung der Gnomologen selbst zu setzen, welche nicht ohne die Benutzung von Eklogen zustande kamen, die in dem betreffenden Kapitel noch jetzt vorliegen oder doch ehemals vorlagen, sei es in dem noch unversehrten Werke des Stobaios selbst oder in den von ihm ausgeschriebenen gnomologischen Vorlagen. Stob. II Ὅτι οὐδεὶς ἑκὼν πονηρός läßt als Quelle den bei Aristot. Eth. Nicom. III 7 behandelten Vers οὐδεὶς ἑκὼν πονηρὸς οὐδ’ ἄκων μάκαρ erkennen (vgl. Wachsmuth zu Stob. II p. 176, 23). Stob. II 15 dürften die nur im Flor. Laur. erhaltenen Worte der Aufschrift ἐκτὸς ὰρ ἔργου πᾶς λόγος περιττός auf einen Trimeter wie ἐκτὸς γὰρ ἔργου πᾶς περισσεύει λόγος zurückzuführen sein. Dem Titel Stob. IV 44 Ὅτι δεῖ γενναίως φέρειν τὰ προσπίπτοντα liegt doch wohl, wie Nauck bemerkte (Trag. gr. fr.² p. 199), der Iambus Monost. 13 ἀνδρὸς τὰ προσπίπτοντα γενναίως φέρειν zu Grunde. Die Aufschriften IV 45 und IV 58 lassen die Benutzung der Eklogen IV 45, 1 und IV 58, 3 deutlich erkennen. Der Titel von IV 41 erinnert in seinem Wortlaut an mehrere der im Kapitel selbst gegebenen Eklogen, z. B. 41, 28 v. 5. 41, 41. 47. Die Aufschrift IV 49 zeigt Anklänge an die Eklogen IV 49, 5 und 6. Die redigierende oder rubrizierende Arbeit des Gnomologen oder, vorsichtiger gesprochen, der Gnomologen tritt aber nicht minder klar zu Tage durch die oft bemerkbare [2561] Konformität in der Prägung von Kapitelaufschriften, auch solcher, die verschiedenen Büchern angehören. Man vergleiche etwa Stob. I 4 Περὶ ἀνάγκης θείας κτἑ. mit II 27 Περὶ ἀνάγκης τῆς κατὰ τὸν βίον oder I 9 Περὶ Ἀφροδίτης οὐρανίας καὶ ἔρωτος θείου mit IV 20 a Περὶ Ἀφροδίτης πανδήμου … καὶ περὶ ἔρωτος τῶν κατὰ τὸ σῶμα ἡδονῶν oder II 10 Ὁποῖον χρὴ εἶναι τὸν φιλόσοφον mit IV 5 Περὶ ἀρχῆς καὶ περὶ τοῦ ὁποῖον χρὴ εἶναι τὸν ἄρχοντα, IV 29 d Ὁποῖον χρὴ εἶναι τὸν εὐγενῆ oder II 40 Περὶ … τοῦ ὁποῖόν τινα χρὴ εἶναι πρὸς τοὺς ἐχθρούς mit IV 26 Ὁποίους τινὰς χρὴ εὶναι τοὺς πατέρας περὶ τὰ τέκνα. Die Aufschriften von II 39 Φιλικὰ παραγγέλματα und IV 23 Γαμικὰ παραγγέλματα wurden schon oben verglichen. Man beachte ferner, wie häufig die paränetischen Formeln in dem Stobaios’ Sohne Septimios gewidmeten Wegweiser wiederkehren, wie Ὅτι χρὴ oder Ὅτι οὐ χρὴ (II 11. 14. 15. 21. 23. 26. 34. 35. 37. 45. IV 22 e. 22 f. 24 c. 25. 48 a. 48 b. 57) oder auch Ὅτι δεῖ (II 28. 29. IV 44. 45) oder endlich Ὅτι κάλλιστον (II 24. 32. IV 6. 22 a. 27) Ὅτι οὐκ ἀγαθὸν IV 22 b (vgl. IV 15 a) Ὅτι καλὸν IV 24 a. Das im Titel des Werks gebrauchte Ὑποθῆκαι findet sich auch in den Kapitelaufschriften IV 7 und 13. Wie oft sich die Formen, das Für und Wider zum Ausdruck zu bringen, wiederholen, wurde schon oben bemerkt. Faßt man aber das Gesagte zusammen, so läßt sich in dem Werke eine deutlich ausgeprägte Signatur schwer verkennen, und man hat Grund zu der Annahme, daß bei der Prägung und Auswahl der Kapitelaufschriften Stobaios selbst in nicht geringem Maße beteiligt war, hat er auch gnomologischen Vorlagen und der Lektüre der Schriftsteller oft die besten, weil präzisesten Formulierungen verdankt.

Daß es dem Stobaios nicht auf eine symmetrische Gliederung des Werks im strengeren Sinne des Worts ankam, wurde schon durch den verschiedenen Umfang der Bücher klar, und das wird bestätigt durch einen Blick auf den Umfang der Kapitel. Viele derselben sind uns ja freilich ganz verloren, und auch innerhalb der erhaltenen bleibt die Überlieferung lückenhaft. Keine unserer Stobaios-Handschriften kann, wie schon die noch zu besprechenden Autorenverzeichnisse des Photios lehren, auch nur entfernt den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Aber mag man wie billig die einteiligen Kapitel mit den einteiligen, die mehrteiligen mit den mehrteiligen oder endlich die einzelnen Abschnitte der zusammengesetzten miteinander vergleichen, ein Streben nach einem ungefähren Gleichmaß des Umfangs wird nicht bemerkt. Einige Kapitel treten sogar recht stark aus dem Rahmen der übrigen, aber nicht immer ist der Grund dafür so leicht zu durchschauen wie etwa bei II 7, wo Stobaios, wie Meineke (Mützell Ztschr. XIII 563) bemerkte (vgl. Diels Doxogr. 69. Wachsmuth zu Stob. II p. 37, 16), Exzerpte aus der Epitome des Areios Didymos gegeben hat. Und warum so überreich? Weil er durch dieses Kapitel den Grund für den mit ihm anhebenden ethischen Teil des Werkes gelegt sehen wollte. Durch andere Kapitel wie durch das nur im Flor. Laur. erhaltene II 31 mag besonders deutlich werden, wie groß heut die Lücken anderer Kapitel dieses [2562] Buches sind. Schon die dem Stobaios zur Verfügung stehenden Vorlagen mochten übrigens bald reichlicher bald spärlicher fließen. Stob. III 1 ερὶ ἀρετῆς umfaßt nach unseren Handschriften über 200 Nummern, III 2 Περὶ κακίας noch nicht 50. Das Kap. III 29 Περὶ φιλοπονίας zählt über 100 Eklogen, III 30 Περὶ ἀργίας noch nicht 20. Man sieht, auch die antithetische Gruppierung war einem wenn auch nur annäherndem Gleichmaß des Kapitelumfangs nicht immer günstig.

Eine Bemerkung über die Anordnung der Exzerpte innerhalb der Kapitel führt schon näher an die Frage nach der von Stobaios getroffenen Auswahl und der Art seines Exzerpierens. Sofort in die Augen fällt die übrigens auch in dem Antholognomikon des gleichfalls dem 5. Jhdt. angehörenden Orion befolgte Gewohnheit, die Kapitel, auch die einzelnen Abschnitte mehrteiliger Kapitel, mit einer Reihe dichterischer Eklogen zu eröffnen und dann die prosaischen folgen zu lassen. Diese Neigung ist so stark, daß Stobaios sich bisweilen nicht scheute, beim Exzerpieren eines Prosaikers etwaige von diesem zitierte Verse aus ihrem Zusammenhange zu lösen, um sie in die Reihe der poetischen Eklogen einzustellen; vgl. Diels Doxogr. 66. So werden Iamben, die Metrodoros, wie A. Körte bemerkte, wohl nur zitiert hatte, unter dem Namen des Epikureers den poetischen Eklogen eingereiht, Stob. IV 11, 3. 5. Ebenso ein Zitat des Akademikers Kleitomachos, dem noch ein Stück Prosa anklebt, IV 41, 29. Vgl. auch Stob. III 33, 5. Aber die Ausnahmen von der Regel sind keineswegs selten. Sie beruhen zum Teil darauf, daß schon die von Stobaios benutzte Vorlage, wie z. B. die des Aëtios oder des Areios, Dichterstellen verhältnismäßig weniger berücksichtigt hatte, zum Teil erklären sie sich auch aus dem Umstande, daß Stobaios selbst, der mit der Metrik, wie sich öfter beobachten läßt, nicht genügend vertraut war, eine prosaische Ekloge unter die poetischen stellte, weil er irrigerweise gebundene Rede annahm, oder umgekehrt eine dichterische unter die prosaischen, weil er das Metrum nicht erkannte. Zu den ersteren gehört I 10, 7 (vgl. Wachsmuth zu der St.), zu der zweiten Klasse dürfte IV 34, 66 zu zählen sein; vgl. meine Note. Dazu kommen Trübungen der Überlieferung. So ist in dem bis auf ein paar Eklogen verlorenen Kapitel II 3 Περὶ ῥητορικῆς zu erwägen, ob nicht mit Ekloge 3 a ein zweiter Teil (Κατὰ ῥητορικῆς) anhub, so daß dann die überlieferten poetischen Eklogen an ihrem richtigen Platze stünden. Die poetischen Eklogen des ersten Teils (Ὑπὲρ ῥητορικῆς) wären also, wenn solche ehemals vorhanden gewesen, verloren gegangen, und die nur im Summarium erhaltene Aufschrift Περὶ ῥητορικῆς wäre als Kollektivtitel zu fassen, wie II 2 Περὶ διαλεκτικῆς IV 18 Περὶ τεχνῶν IV 21 Περὶ κάλλους. (Denn die Eklogen II 3, 3 a. 3 b. 4 sind sämtlich gegen die Rhetorik gerichtet, während die beiden ersten ohne Schwierigkeit in einem Abschnitt Ὑπὲρ ῥητορικῆς Platz finden konnten. Ekl. 1 schärft ein, daß die ῥήτορες, um etwas zu bedeuten, der Kenntnis des Besten τῆς τοῦ βελτίστου ἐπιστήμης bedürfen, Ekl. 2, daß die Macht der Rhetorik in der Kraft der Überredungskunst bestehe. Vgl. Wachsmuth Stud. zu den gr. Flor. [2563] 79f. Auch Schreiberversehen sind nicht selten der Grund der Unregelmäßigkeit. Stob. IV 9, 16 wurde durch den Schreiber des Archetypus von M A wohl ursprünglich übersehen, dann irrig am Schluß nachgetragen; man hat S zu folgen (vgl. die Note z. d. St.). Stob. IV 11, 17 dürfte die isolierte Stellung der Ekloge Ὁμήρου. Αἐὶ δ’ ὁπλοτέρων ἀνδρῶν φρένες ἠερέθονται daraus zu erklären sein, daß der Vers ursprünglich am Schluß der vorausgehenden Theophraststelle zitiert war. Er ist das poetische Gegenstück zu den Worten des Theophrast ἀστόχαστος γὰρ ἡλικία καὶ πολλὰς ἔχουσα μεταβολὰς ἄλλοτε ἐπ’ ἄλλο φερομένη. Schrieb jemand ein erklärendes Ὁμήρου an den Rand, so konnte sich der Vers als selbständige Ekloge durchsetzen. Stob. IV 41, 59 ist zu beachten, daß Δημητρίου und Δημοκρίτου öfter miteinander vertauscht wurden, so erklärt sich, wie die Verse unter die prosaischen Eklogen gerieten; vgl. die Note oder Diels Vorsokr.³ II 120. Doch ist die Zahl der mit unseren heutigen Mitteln nicht aufzuklärenden Abweichungen von der Regel eine ziemlich erhebliche, so gleich in den ersten drei Kapiteln des dritten Buches, aber sie fehlen auch nicht in dem am besten erhaltenen vierten (vgl. z. B. IV 29 d, 56. 57. IV 47, 12. 13. IV 48 a, 12. 13). Eine vollständige Aufzählung dieser Stellen kann hier nicht erwartet werden. Übrigens sind die Kapitel, bezw. Teile zusammengesetzter Kapitel, welche lediglich aus prosaischen Eklogen bestehen, in den beiden ersten Büchern, zumal im ersten, wo es vielmals mit der Art der Vorlagen zusammenhängt, sehr häufig, während aus den beiden letzten Büchern nur III 25 Περὶ μνήμης in Betracht kommt. Seltener sind heute die lediglich aus poetischen Eklogen bestehenden Abschnitte, wie I 26 p. 224 W. IV 24 c. IV 24 d. IV 32 b. IV 49. IV 58.

Blicken wir nun nach diesen Bemerkungen über die Struktur des Werkes auf die Exzerpte selbst, so wird die Einbuße, welche sie nach dem 9. Jhdt. erlitten haben, wiederum durch Photios beleuchtet, nämlich durch ein von dem Patriarchen selbst oder richtiger wohl von einem seiner Helfer entworfenes Verzeichnis der von Stobaios benutzten Schriftsteller. Und zwar sind die Rubriken, in welche der Verfasser der Indices unter Führung der Lemmata die Schriftsteller verteilt, folgende: φιλόσοφοι, ποιηταί, ῥήτορες καὶ ἱστοριογράφοι, βασιλεῖς τε καὶ στρατηγοί, dazu eine fünfte anepigraphe Rubrik, wo außer anderen auch die ἰατροί eine Unterkunft finden. Die Eintragung erfolgt einmal beim ersten Vorkommen des Namens nach dem Anfangsbuchstaben alphabetisch. Dieses Prinzip hat A. Elter scharfsinnig erkannt und in der schon wiederholt zitierten Abhandlung mit gutem Erfolge den ersten methodischen Versuch unternommen, auf Grund der Pinakes die gegenüber unseren Stob.-Handschriften noch so viel reicheren Bestände des cod. Photianus zu beleuchten. Besonders lehrreich ist der Einblick, den wir auf diesem Wege in das, wie schon bemerkt, zum weitaus größten Teile verlorene Prooimion des Stobäischen Werkes gewinnen, insofern die Namen einer großen Zahl dort benutzter Autoren kenntlich werden, vgl. Stob. I p. 13f. W. Aber so nützlich sich dieses Hilfsmittel hier und auch an anderen Stellen [2564] erweist, so wenig darf es überschätzt werden. Der Pinakograph besitzt nicht den Grad literarischer Kenntnisse, der ihn auch nur vor stärkeren Entgleisungen hätte bewahren können, und ebenso fehlt ihm die für die Anlegung derartiger Kataloge unbedingt erforderliche Sorgfalt und Routine. So laufen ihm denn zahlreiche Versehen und Menschlichkeiten, zum Teil erheiternder Art, unter. Manche Verwirrungen sind übrigens wohl aus dem Umstande abzuleiten, daß die für die einzelnen Kataloge oder Katalogteile im voraus angelegten Kolumnen in praxi räumlich nicht ausreichen mochten, alle jeweils in Betracht kommenden Namen zu fassen. So wurde denn eine Anzahl am Rande nachgetragen, in einer späteren Abschrift dann aber, wie es nur zu leicht geschehen konnte, an unrichtiger Stelle eingefügt. Solche Fehlerquellen sind schon Elter nicht entgangen. Eindringlicher noch legte Diels Rh. Mus. XXXVI 343ff. die Ursachen der Irrungen offen. Ein Hauptgrund, weshalb die Verzeichnisse nur unvollkommen ausfielen, lag offenbar darin, daß der Verfasser die Lemmata, d. h. die von Stobaios den Exzerpten vorgesetzten Angaben des Autors und Schriftwerks, auf denen er seine Kataloge vorwiegend basierte, nicht genügend zu beurteilen wußte. Und dazu kommt, daß die lemmatische Anlage und Notierung bereits im cod. Photianus, d. h. doch wohl schon bei Stobaios selbst, keine völlig gleichmäßige war. Wir kommen auf diesen wichtigen Punkt noch mit einem Worte zurück. Fehlt aber auch so mancher zu erwartende Name aus dem einen oder anderen Grunde in den Indices, im allgemeinen ist festzuhalten, daß der Herstellungsversuch eines Lemma an Boden verliert, wenn der betreffende Autorname bei Photios vermißt wird.

Man wird in diesem Überblick nicht unsererseits eine verbesserte Auflage der Register des Photios, d. h. eine namentliche Aufzählung der vielen hundert von Stobaios ausgeschriebenen Autoren erwarten. Eine solche muß den Indices der Ausgaben vorbehalten bleiben. Dagegen dürfte es am Platze sein, die Beurteilung des Stobäischen Werkes nun auch auf seine Zitierweise und lemmatische Veranlagung auszudehnen, um dann noch einen Blick auf die Auswahl der Exzerpte und die durch sie besonders bevorzugten Autoren zu werfen, endlich auch die Art und Weise des Exzerpierens nicht unberührt zu lassen. Es wird sich dabei Gelegenheit finden, auch das eine oder andere der von Stobaios benützten Quellenbücher zu kennzeichnen.

Leicht bemerkt man, daß große Partien des ersten und zweiten Buches, zumal die Exzerpte aus den Placita des Aëtios, ein lemmatisch etwas abweichendes Aussehen haben gegenüber der Veranlagung anderer Gruppen desselben Buches und gegenüber der in sich gleichmäßigeren lemmatischen Ausstattung der beiden letzten Bücher. Zweifellos hängt diese Verschiedenheit auch mit der Eigenart der Stobäischen Vorlagen zusammen. Stobaios befand sich in den großen Exzerptengruppen, die er den Placita des Aëtios oder der Epitome des Areios entnahm, in so starker Abhängigkeit von den gewählten Lehrbüchern und ihrer Einrichtung, daß die lemmatische Einzeletikettierung mehr zurücktrat. Aber bei näherer [2565] Prüfung wird sich die erwähnte Verschiedenheit der lemmatischen Veranlagung doch zum Teil als eine nur scheinbare herausstellen. Fassen wir hier wenigstens die Eklogen ins Auge, deren Autor in den Eklogen selbst (meist zu Beginn derselben) erwähnt wird, so finden sich in FP die Lemmata bald weggelassen, bald hinzugefügt. Da aber ein Schwanken zwischen der Genetiv- und Nominativform bemerkbar wird, und sich solche Lemmata oft nur in P angemerkt finden, haben die Herausgeber im Hinblick auch auf die Nebenüberlieferung zumal des Plutarch bei den δόξαι des Aëtios keinen Gebrauch davon gemacht, während man in den Exzerpten aus der Epitome des Areios diese Lemmata bald der Aufnahme für wert hielt, bald nicht. Und es wird schwer sein, wenn nicht unmöglich, über diesen Punkt auf Grund junger Handschriften, wie es F P sind, völlig ins reine zu kommen. Obwohl nun die Frage in ihrer Tragweite nicht überschätzt werden darf, da sie nur eine nochmalige lemmatische Etikettierung schon an und für sich bezeugter Eklogen angeht, empfiehlt es sich doch, die durch eine größere Zahl auch älterer Codices überlieferten Partien des Werkes, d. h. das dritte und vierte Buch, auf die handschriftliche Gewähr solcher Lemmata nochmals zu prüfen. Und da fällt nun hinsichtlich der lemmatischen Behandlung von Eklogen, deren Autor in der betreffenden Ekloge selbst erwähnt wird, ein bemerkenswerter Unterschied zwischen S (Tr.) und MA ins Auge. Während nämlich S (in ihrer Weise auch LBr) in solchen Fällen ein Lemma in der Regel nicht aufweist, pflegen MA derartige Eklogen mit dem Genetiv des in der Ekloge selbst genannten Namens als dem Lemma auszustatten. Und an MA, nicht an S haben sich auch die letzten Herausgeber, also Wachsmuth in den aus dem vierten Buche in den Anfang des zweiten zurückversetzten Partien (vgl. Stob. II p. 7ff. p. 18ff.) und Hense in der Ausgabe des dritten und vierten, vorwiegend angeschlossen. Und die Herausgeber durften sich darauf berufen (vgl. Hense Stob. III proleg. XXII), daß S in seiner Neigung zur Kürzung und Raumersparung bisweilen sogar so weit ging, daß er Eklogen, die er wiederholt vorfand, nur einmal gab, aber mit Hinzufügung der Varianten der unterdrückten Stelle, vgl. Anm. zu Stob. IV 31 a, 25. 44, 20. 46, 18. 52 b, 20, oder daß er, um den Autornamen nur einmal setzen zu können, Eklogen desselben Autors im Widerspruch zu der überlieferten Reihenfolge zusammenlegte, wie dies oft auch in LBr zu beobachten ist, ein Verfahren, welches in dem von Hense aus Stob. IV 22 g nachgewiesenen Beispiele (vgl. Stob. III prolegom. LVIf.) für S den Verlust von sechs Eklogen zur Folge hatte. Und so ließen sich zahlreiche andere Belege für die kürzende Tendenz von S beibringen. Demgegenüber darf aber nicht unbeachtet bleiben, daß der Anschluß an S in den in Rede stehenden Eklogen den Stobaios nicht nur hie und da von an sich ungeeigneten Lemmata entlastet, sondern auch den Einblick in seine Vorlagen erleichtert. Ein solcher Fall liegt Stob. III 39, 27–30 vor. Die Gruppe wird besser nach Maßgabe von S lediglich mit dem führenden Lemma 27 Ἐκ τῶν Σερήνου gegeben unter Beiseitelassung der in MA zu 28-30 sich findenden [2566] Speziallemmata. 30 Ἀριστείδου ist ungut, da das Apophthegma nicht Aristeides, sondern seiner Gattin gehört. 28 Ἀριστείδου und 29 Σεριφίου sind entbehrlich, und Σεριφίου auch gegen die Gewohnheit des Stobaios, der weder bei Anführung von Stellen aus den Ἀπομνημονεύματα des Aelius Serenus noch sonst Gentilnamen als Lemmata zu verwenden pflegt. Die Namen Θύνων und Πραϋσίων in den Pinakes des Photios (p. 65. 66 Elt.) beruhen nur auf einer unseren Handschriften Stob. III 37, 37 (SMA) fremden, dagegen im cod. Photianus hinzugefügten genetivischen Randbemerkung, vgl. Elter De Stob. cod. Phot. 35. Hense zu Stob. III p. 707, 10. Und noch an einer anderen Stelle lassen sich solche Fähnlein als falsche Flagge erkennen. Stob. III 7, 60 {Φιλίππου) gehört das Apophthegma, wie die Ekloge selbst lehrt, nicht dem Philippos, sondern einem Lakedaimonier, III 7, 61 (Πύρρου) nicht dem Pyrrhos, sondern dem Derkyllidas; woher die Eklogen stammen, zeigt vermutlich das Lemma des unmittelbar folgenden III 7, 62 ⟨Ἐκ τῶν⟩ Σερήνου. Man könnte einwenden, daß der Pinakograph p. 66 Elt. sein Σερίφιος eben dieser Stelle Stob. III 39, 29 entnahm (und so hat denn auch Elter a. a. O. 35, 1 Σεριφίου für richtig gehalten), ebenso der Stelle III 7, 61 sein Πύρρος (p. 63 Elter). Aber diesem Einwande läßt sich doch wohl durch die Erwägung begegnen, daß Πύρρος und Σερίφιος von dem Pinakographen auch dem Anfang der Eklogen selbst entnommen sein können, wie sich denn z. B. die Namen des Katalogs p. 40 Elt. Ἀναξιμάνδρου, Ἀναξιμένους, Ἀρχελάου, Ἀναξαγόρα auf Eklogen beziehen, welche bei Stobaios selbst I 1 p. 34, 11 keine Lemmata aufweisen. Unbestreitbar bleibt freilich die Beobachtung, daß es auch in S nicht an stark vergriffenen Lemmata fehlt. So liest man in SM, ebenso im cod. Photianus (p. 50 Elt.), d. h. bei Stobaios selbst, III 33, 5 Ἀθηνοδώρου. Ἔστι καὶ τὸ σιγᾶν (σιγᾶς S) ακίνδυνον γέρας. Diese Stelle des Simonides entnahm aber Stobaios nicht etwa einer Schrift des Athenodoros, sondern, wie auch Elter erinnerte, De gnomolog. gr. hist. atque orig. II 106, den von ihm häufig benutzten Ps.-Plutarchischen Apophth. reg. et duc. p. 207 C. Und dort spricht das Wort nicht Athenodoros, sondern Augustus zu Athenodoros. Hätte aber Stobaios das Wort des Simonides dennoch einer Schrift des Athenodoros entnommen, so würde das Lemma nichtsdestoweniger unpassend bleiben. Es rangiert dann mit den schon oben berührten Fällen, in denen Stobaios ein Dichterwort nicht unter dem Lemma des Dichters selbst aufführt, sondern unter dem Namen des Schriftstellers, bei dem er es zitiert fand. Und solche Beispiele finden sich in gleicher Weise in S wie in MA. Man sieht, die Frage, ob in zahlreichen Chrien, Homoiomata, Gnomen, Apophthegmata der in den Eklogen selbst eingeführte Autor mit dem Archetypus von MA auch als Lemma zu setzen oder mit S darauf zu verzichten sei, kann durch vereinzelt auftretende Mißgriffe oder durch die Entbehrlichkeit solcher Lemmata nicht ohne weiteres als zu gunsten von S entschieden angesehen werden. Aber mag auch S in anders gearteten Partien noch so oft willkürlich seiner Neigung zu Kürzung und Raumersparung nachgegeben haben |(vgl. Stob. III prolegom. LVIf.), da er in den hier in Rede stehenden Eklogen auch durch LBr und die Exzerpte des Makarios Chrysokephalos (vgl. Stob. III proleg. XLff.) Sukkurs erhält, wird man in Eklogen nach dem Schema Διογένους. Διογένης ἐρωτηθεὶς κτλ. auf das Lemma in der Regel zu verzichten haben. Hense hat ja im einzelnen oft darauf abzielende Bemerkungen eingestreut, und auch sonst mit der Legende von dem cod. omnium optimus Parisinus A aufgeräumt, in den bezeichneten Partien jedoch, wohl auch durch Meinekes und Wachsmuths Vorangehen beeinflußt, den Archetypus von MA zu hoch bewertet. So unschätzbare Dienste aber insbesondere M der Stobaioskritik leistet, man wird doch wohl anzunehmen haben, daß derlei überflüssige und den Einblick in die Vorlagen des Stobaios nicht selten hemmende Lemmata wie regelmäßig in MA so hier und da auch in den Handschriften der beiden ersten Bücher erst durch die librarii sei es in der scriptio continua einer schematischen Regelmäßigkeit zu liebe oder auch am Rande als orientierende Vermerke hinzugefügt sind. Und von diesem Ergebnis, das durch vereinzelte auch in der ältesten Handschrift sich findende Ausnahmen (vgl. z. B. Stob. III 31, 8 u. ö.) kaum in Frage gestellt werden kann, werden die Benutzer der Wachsmuth-Henseschen Ausgabe und ein etwaiger künftiger Editor gut tun, Notiz zu nehmen. Findet es Billigung, so ist für die Lemmatierung ein Maßstab gewonnen, der nicht nur Überflüssiges beseitigt, sondern durch Preisgabe einer äußerlichen Schablone den Weg zu den Vorlagen des Stobaios etwas freier macht, und zwar ebenso in den beiden letzten, wie in den beiden ersten Büchern. Sollte man aber die besprochenen Lemmata dennoch dem Stobaios belassen wollen, so würde ihre nur einem formalen Schematismus dienende Wertlosigkeit um so schärfer zu betonen sein.

Wir haben schon bisher nicht umhin gekonnt, das eine oder andere der Stobäischen Lemmata auf seine Gewähr und Glaubwürdigkeit zu prüfen. Sollen wir auf diesen für die Beurteilung des Werkes wichtigen Punkt noch mit einem Worte eingehen, so kann ja zunächst bei einem Spätling wie Stobaios kaum befremden, wenn neben der Fülle des Echten und zum Teil anderwärts Bezeugten die pseudepigraphe Literatur mit dem gleichen Anspruch auftritt. Um ein ganz beliebiges Beispiel zu nennen, die Notierung Ἐκ τῶν Ἀριστοτέλους Χρειῶν (vgl. Note zu Stob. III 5, 42) figuriert skrupellos neben den Angaben echter Schriften des Aristoteles. Stobaios gibt auf Treu und Glauben die Autornamen wieder, die er in seinen Quellen vorfand, das Bedenken εἰ γνήσιον τὸ βιβλίον kommt ihm nicht. So ist es denn bezeichnend, daß die oft ausgeschriebenen sog. Parallela minora des Plutarchischen Corpus nur einmal unter Plutarchs Namen Stob. III 7, 63 6 Ἐκ τῶν Πλουτάρχου Διηγήσεων (vgl. Lamprias-Katal. n. 128) zitiert werden, sonst aber mit den problematischen Zitaten der Parallela, wie Stob. III 7, 64 mit Ἀγαθαρχχίδου Σαμίου ἐν δ’ Περσικῶν u. a., als den Lemmata aufgewartet wird. Im großen und ganzen wurde ja allerdings durch die in den Gnomologien übliche, von Stobaios übernommene Praxis der Geschichte [2568] und Überlieferung der Literatur ein größerer Dienst erwiesen, als wenn in den lemmatischen Notierungen subjektivem Urteil Raum gegeben wäre. Bedenklicher ist, daß die gnomologische Zubereitung sich bisweilen auch auf die lemmatischen Angaben erstreckt. Wenigstens läßt sich bei manchen derselben der Verdacht kaum abweisen, daß sie eher kurz gefaßte Andeutungen des Inhalts der betr. Eklogen als echte Buchtitel darstellen. Hierher gehört insbesondere eine Anzahl von Lemmata, welche nach dem uns bereits aus der Betrachtung der Kapitelaufschriften bekannten gnomologischen Schema ὑπέρ τινος und κατά τινος geformt sind. So erkannte, um bei Plutarch stehen zu bleiben, Immisch Comment. Ribbeck. 79, daß die Stob. IV 29 a, 21 Πλουτάρχου ἐκ τοῦ Κατὰ εὐγενείας und IV 29 c, 51 Πλουτάρχου Ὑπὲρ εὐγενείας betitelten Eklogen beide auf die wohl dialogisch gegliederte, durch den Lampriaskatalog bezeugte Schrift Περὶ εὐγενείας zurückzuführen sind; vgl. die Anmerkung zu Stob. IV 29 a, 21. Verdächtig ist auch die Aufschrift Stob. IV 31 c, 85 Πλουτάρχου Κατὰ πλούτου. IV 31 c, 86 Ἐν ταὐτῷ. IV 32 a, 16 Πλουτάρχου Κατὰ πλούτου. Wenigstens findet sich von einer so betitelten Schrift sonst keine Spur. Schon Wyttenbach dachte daher an die von Photios Biblioth. p. 104 a, 34 Bekk. aus Sopatros erwähnte Schrift Περὶ πλούτου. Er hätte auch an den im Lampriaskatälog nr. 207 erwähnten Προτρεπτικὸς πρὸς νέον πλούσιον erinnern können. In solchen Schriften konnten die genannten Eklogen ihre passende Stelle finden. Wichtiger ist, und das betrifft auch die nach der gleichen Schablone geformten Titel Κατὰ τῆς ἡδονῆς Stob. III 6, 49–53 und Κατ’ ἰσχύος Stob. IV 12, 14, daß sich weder in der handschriftlichen Überlieferung des Plutarch noch im Lampriaskatalog irgend ein Titel nach dem Schema Κατὰ τῆς ἡδονῆς findet. Zudem paßt der Titel κατ’ ἰσχύος nur für den Eingang der betreffenden Ekloge, der Schwerpunkt derselben liegt in der Empfehlung der des Menschen allein würdigen ἰσχύς, nämlich des ψυχῆς λογισμός Der Verdacht wird verstärkt durch ein die Schriftstellerei des Phavorinus angehendes Beispiel. Stob. IV 50 b, 79 lautet das von Marres richtig ergänzte Lemma Φαβωρίνου ἐκ τῶν κ⟨ατὰ⟩ γ⟨ήρως⟩. Da aber alle sonst überlieferten das γῆρας betreffenden Fragmente des Phavorinus Περὶ γήρως, nicht Ὑπὲρ γήρως betitelt werden, so hat man in dem Lemma ἐκ τῶν κατὰ γήρως wiederum nur eine den Inhalt der Ekloge kurz andeutende Etikette des Gnomologen zu sehen. Vgl. Anm. zu Stob. IV 50 b, 79. Das Lemma Stob. IV 20 b, 67 Ἐκ τῶν Πλουτάρχου Ὅτι οὐ κρίσις ὁ ἔρως haben schon die Herausgeber des Plutarch Anstand genommen (vol. VII p. 132 Bern.) als selbständige Schrift zu konstituieren, wohl mit Recht, es ist nur die negative Zusammenfassung des Inhalts der betreffenden beiden Eklogen 67 und 68 (Ἐν ταὐτῷ), mag auch der Ausdruck vielleicht einer ehemals benachbarten Stelle des Plutarch selbst entnommen sein. Auch das Lemma Stob. IV 21 a, 12 Πλουτάρχου Ὑπὲρ κάλλους (13 Ἐν ταὐτῷ) ließ schon Wyttenbach zweifeln, ob damit nicht lediglich der Inhalt der beiden Eklogen angegeben werde. Es mag nicht an Schriften Περὶ κάλλους gefehlt haben (vgl. Stob. IV 21 a, 16 Δίου Πυθαγορείου [2569] ἐκ τοῦ Περὶ καλλονῆς), aber die Angabe, daß Plutarch Ὑπὲρ κάλλους geschrieben habe, ist nicht glaubhafter, als daß er Ὑπὲρ εὐγενείας geschrieben. Befremdend ist auch das Schwanken zwischen den Angaben III 20, 59 Πλουτάρχου ἐκ το ερὶ διαβολῆς und III 38, 32. III 42, 10 Πλουτάρχου Ἐκ τοῦ διαβάλλειν. Dazu ist die letztere verderbt: man wird Πλουτάρχου Pauly-Wissowa II,2, 1503 b2.jpg (d. i. κατὰ) τοῦ διαβάλλειν zu lesen haben. Ich übergehe III 38, 31, wo dasselbe Lemma, wie schon in der Note erinnert wurde, wohl irrtümlich aus dem

folgenden eindrang, da S nur πλουταχ
folgenden eindrang, da S nur πλουταρ■■ bietet und die Ekloge selbst nichts als ein etwas verändertes Exzerpt aus An seni sit ger. res publ. p. 787 C darstellt. Sie war aus den Plutarchi fragmenta auszuscheiden. Was aber die nun übrig bleibenden Eklogen III 38, 32 und III 42, 10 betrifft, so ist κατὰ τοῦ διαβάλλειν für III 38, 32 wenig zutreffend, da die Ekloge von zwei Arten des φθόνος, nicht von der διαβολή handelt. Man sieht, der Verdacht ist mehr als gerechtfertigt, daß man es mit einem gnomologischen Fingerzeig, nicht mit einem Schriftentitel zu tun hat. Und da sich dieser Verdacht bei Plutarchzitaten wiederholt einstellte, liegt die Vermutung nahe genug, daß Stobaios die in Rede stehenden Exzerpte aus einem bereits in dieser Weise zurecht gemachten Plutarchischen Florilegium geschöpft habe. Wie dem aber auch sei, die Stobäischen Angaben halten schärferer Prüfung nicht immer stand, sie erweisen sich hin und wieder als rein gnomologische Vermerke.

Hat man gegenüber solchen gnomologischen, nur auf eine Andeutung des Inhalts absehenden Notierungen, deren wir noch mehreren begegnen werden, besondere Vorsicht walten zu lassen, so braucht es andererseits nicht erst gesagt zu werden, daß wir einem für die griechische Literatur so wichtigen Quellenwerke wie dem Stobäischen gerade durch die Lemmatierung auf Schritt und Tritt reichste Belehrung danken. Und daß diese literarischen Angaben im großen und ganzen auch der Zuverlässigkeit nicht ermangeln, wird wie durch Inhalt und Form der Eklogen selbst, so durch etwa vorhandene Parallelüberlieferung oder sonstige Zeugnisse des Altertums reichlich bestätigt. Man braucht sich nur etwa der Aufschlüsse zu erinnern, welche uns Stobaios für das Drama, Tragödie wie Komödie, gewährt, um die Fülle und Gewähr seiner Angaben einigermaßen zu würdigen. Das bedarf keiner Ausführung. Soll aber die lemmatische Einrichtung des Werkes noch etwas näher ins Auge gefaßt werden, so ist hervorzuheben, daß sich nicht wenige Gruppen durch besondere Genauigkeit der Lemmatierung auszeichnen. Das gilt, um ein paar beliebige, aber kontrollierbare Beispiele zu nennen, von den Exzerpten aus Platon, deren große Mehrzahl Stobaios, wie man mit Recht annimmt (Diels Doxogr. 75. Elter De Stob. cod. Phot. 21; Corollarium Eusebianum, Bonn 1894, 12ff.), aus eigener Lektüre schöpfte, und daher häufig am Schluß der Kapitel anfügte, so auch von Herodot, Thukydides, Xenophon und anderen. Insofern der Gnomolog aus Thukydides begreiflicherweise besonders die Reden berücksichtigt, werden viele Thukydideischen Notierungen [2570] (bisweilen auch die Herodoteischen, z. B. Stob. IV 6, 24. 8, 29) nach dem Schema gegeben IV 1, 58 Θουκυδίδου ἱστορίας τρίτης δημηγορίας Κλέωνος, ein Lemma das freilich in der handschriftlichen Überlieferung oft zu kurz gekommen, z. B. Stob. III 7, 18 Θουκυδίδου ⟨ἱστορίας β’⟩ δημηγορίας Περικλέους IV 9, 12 und öfter, während umgekehrt IV 1, 61 Θουκυδίδου ἱστορίας ς’ ἐκ τῆς δημηγορίας Νικίου das ἐκ τῆςg (d. i. ἕκτης) nur irrige Wiederholung ist. Wenn dagegen Stob. III 7, 35 schlicht Θουκυδίδου ἐκ τοῦ Ἐπιταφίου zitiert wird, so liegt das an der Berühmtheit der Perikleischen Leichenrede. In der häufig benutzten Briefliteratur wird nach der Erwähnung des Verfassers meist, doch nicht immer, auch der Adressat genannt. Wie weit in der kürzeren Form Schädigung durch mangelhafte Überlieferung anzunehmen, läßt sich hier wie in anderen Partien mit unseren Mitteln oft schwer entscheiden. Daß übrigens schon die benutzten Vorlagen selbst auch hinsichtlich des Autors einer Ekloge manchem Zweifel Raum ließen, dürften Stellen lehren, wie z. B. in den sehr umfänglichen, einem Corpus neupythagoreischer Schriften entnommenen Exzerpten Stob. III 3, 63: Κρίτωνος ἤτοι Δαμίππου, oder in dem Dichterlemma IV 31 c, 53: Ἀλέξιδος, οἱ δὲ Μενάνδρου. Durch Sorgfalt treten auch diejenigen Angaben hervor, in welchen neben dem Schriftsteller auch sein Herausgeber oder Bearbeiter namhaft gemacht wird, wie zu den Diatriben des Kynikers Teles der Exzerptor derselben Theodoros, zu den Vorträgen des Stoikers Musonius der Herausgeber, sein Schüler Lukios, Stob. II 15, 46. 47, vgl. Teletis rel.² p. XV II. C. Musonii Rufi rel. p. IX H. Und so haben denn eine Reihe von Eklogen mit dem Lemma Ῥούφου ἐκ τῶν Ἐπικτήτου Περὶ φιλίας (z. B. Stob. II 8, 30) mit Recht sowohl in den Fragmenten des Musonius (p. 124ff. H.) wie in denen seines Schülers Epiktet (p. 406ff. Schenkl) Aufnahme gefunden. Im Unterschiede zu dieser sorgfältigen Lemmatierung macht sich nun aber eine flüchtigere geltend, welche den Titel der Vorlage oder wenigstens den Autor derselben entweder nur vereinzelt oder überhaupt nicht nennt. Und diese Manier läßt sich durch das ganze Werk beobachten, nicht etwa nur bei den großen dem Aëtios oder Areios Didymos entnommenen Exzerptengruppen der ersten Bücher. Nicht der Name des Sammlers der Ps.-Plutarchischen Reg. et imperat. apophthegmata oder einer dieser Kollektion ganz ähnlichen wird genannt, nur die einzelnen Apophthegmata selbst werden ausgeschrieben. Oder ein anderes Beispiel: Exzerpte aus Plutarchs Septem sap. convivium tragen die Lemmata Stob. IV 1, 134: Τῶν ἑπτὰ σοφῶν περὶ πολιτείας, IV 7, 47 Τῶν ἑπτὰ σοφῶν (περὶ βασιλείας), IV 28, 14 Τῶν ἑπτὰ σοφῶν περὶ τῆς κατὰ τὰς οἰκίας ἑπιμελείας, Plutarchs Name wird dieser Inhaltsangabe, wenigstens in unserem heutigen Stobaios, nicht hingefügt, aber daß er in der Vorlage des Stobaios genannt war, ist damit nicht ausgeschlossen. Wir berühren damit ein für die Beurteilung Stobäischer Lemmata besonders wichtiges Moment. Bei einer anderen Plutarchischen Gruppe wird der Name des Autors heute wenigstens einmal bei Stobaios genannt, IV 7, 42 Πλουτάρχου ἐκ τῆς ἐπιστολῆς τῆς περὶ φιλίας. Wyttenbach hatte also völlig recht, wenn er [2571] die nicht seltenen Eklogen Ἐκ τῆς ἐπιστολῆς τῆς περὶ φιλίας (wie Stob. III 2, 34) oder Ἐκ τῆς περὶ φιλίας ἐπιστολῆς (wie Stob. II 31, 82) sämtlich unter die Plutarchischen Fragmente aufnahm, vgl. den Katalog des Lamprias n. 132. Ähnlich mag es sich mit einer Anzahl von Eklogen verhalten, welche Ἐκ τῶν Διογένους διατριβῶν überschrieben sind, aber ohne die Nennung des Dion von Prusa, aus dessen Διογένης betitelten Reden sie exzerpiert sind, vgl. Dümmler Antisth. 72. Hense zu Stob. III 13, 37, auch zu III 7, 15. Wahrscheinlich, daß wenigstens die Vorlage des Stobaios, d. h. eine Exzerptensammlung aus Dion, zu Beginn der Sammlung das zu erwartende Δίωνος geboten hat, wenigstens stimmt dazu, daß Stob. IV 21 a, 9 Ἐκ τοῦ Μελαγκόμα (Dionis or. XXIX vol. II p. 287, 19 Arn.) zitiert wird wiederum ohne Nennung des Dion. Man erkennt: in solchen von Stobaios benutzten Vorlagen war der Autor einer Exzerptengruppe zwar erwähnt, aber füglich nur bei Beginn der Gruppe. Indem nun aber Stobaios die eine oder andere Nummer aus solcher Gruppe herausnahm, begreift sich, daß oft nur der Schriftentitel oder ein auf den Inhalt bezüglicher Vermerk gegeben wird. Man hat sie richtig zu verstehen, diese Lemmata, nicht ihren Text zu ergänzen. Das Verständnis wird aber erleichtert, wenn es sich wie in den genannten Fällen um einen auch sonst bekannten Schriftsteller oder Buchtitel handelt, erschwert, wenn Stobaios aus den ihm vorliegenden Sammlungen wie so häufig Apophthegmen, Gnomen, Chrien, Homoiomata auswählt, ohne den Namen der Sammlung selbst zu nennen. Freilich wird eine ziemliche Anzahl auch solcher Syllogen erwähnt. Nicht selten begegnet man der Aufschrift Ἐκ τῶν Ἀρίστωνος Ὁμοιωμάτων, wie Stob. II 2, 14 u. ö., und zwar so, daß innerhalb der betreffenden Ekloge der Name des Ariston bald genannt, bald nicht genannt wird (vgl. II 2, 14. 23 und andere mit III 4, 109. 110 u. a.), so daß also von hier aus nichts im Wege stünde, auch die mit dem Namen Ἀρίστων aber ohne das Lemma Ἐκ τῶν Ἂ. Ὁμοιωμάτων auftretenden Homoiomata auf dieselbe Sammlung zurückzuführen, z. B. Stob. II 2, 18. 22. Vielleicht gehört ihr auch III 20, 69 (Ἀρίστωνος) an, vgl. die Anmerkung. Abgesehen von den klaren Zitaten der Aristonea des ersten Stobaiosbuches bliebe dann freilich die Frage nach der Quelle der mit dem Namen des Ariston eingeführten, aber nicht aus Homoiomata bestehenden Eklogen, wie Stob. ΙΙ 1, 24 Ἀρίστων ἔφη κτἑ. (Ar. Chii frg. 352 Arn.). IV 22 a, 16 Ἐκ τῶν Ἀρίστωνος (Ar. Chii frg. 400 Arn.) noch offen. Deutlich als Vorlage trat durch Henses Wiedereinsetzung der handschriftlichen Überlieferung Stob. III 1, 30–44 auch eine alphabetisch geordnete Sammlung Pythagoreischer Sprüche zu Tage, deren erster das führende Lemma Πυθαγόρου γνῶμαι trägt: sie erhielt eine Bestätigung durch die aus dem cod. Vindob. philos. et philol. 225 chart. saec. XV von H. Schenkl umsichtig veröffentlichte Kollektion Αἱ γνῶμαι τῶν Πυθαγορείων Wien. Stud. VIII (1886) 262ff. Und so erkennt man denn, daß viele der an anderen Stellen des Stobaios nur mit dem Lemma Πυθαγόρου bezeichneten Gnomen eben jener Kollektion entnommen wurden, über eine andere bei Stobaios [2572] mit dem Lemma Ἐκ τῶν Ἀριστοτέλους Χρειῶν bezeichnete Sammlung wurde zu Stob. III 5,42 eine Vermutung geäußert: sie war, wie es scheint (vgl. Stob. III 7, 29. 30. III 29, 91. 92, dazu die Anmerk.), alphabetisch nach den Autorennamen geordnet und verdankt ihre irrtümliche Benennung wohl nur dem Umstand, daß Aristoleles den Reigen eröffnete. Unter den überaus zahlreichen ohne Angabe einer Chrien- oder Apophthegmensammlung zitierten Aussprüchen, welche mit dem Namen des Autors des Apophthegma beginnen, werden zweifellos nicht wenige aus diesen Χρεῖαι stammen. Bescheidener war, auch in einem unversehrteren Stobaios, die Zahl der Eklogen, welche der Sammlung Ἐκ τῶν Δίωνος Χρειῶν angehörten, vgl. Hense zu Stob. III 7, 28. v. Arnim zu Dionis Prus. v. II 309f. Hinsichtlich der Lemmatierung Ἐκ τῶν Ἀριστωνύμου Τομαρίων sei hier auf die lehrreichen Erörterungen Elters Gnomica homoeomata I (Bonn 1890) 25ff. verwiesen. Ob freilich das Lemma Stob. II 31, 85 Ἐκ τῶν Ἀριστωνύμου Τομαρίων καὶ Σωκράτους, wie Elter 27 meint, besagen soll, daß Stobaios diese Nummer sowohl bei Aristonymos als auch in der von ihm für die Homoiomata reichlicher benutzten Sokratessammlung vorfand, dürfte angesichts des Stob. IV 46, 21 überlieferten Lemma Ἐκ τῶν Ἀριστωνύμου Τομαρίων. Σωκραάτους zweifelhaft erscheinen. Lehrt das letztere, wie auch Elter annimmt, daß die übrigens nicht lediglich Homoeomata enthaltenden Τομάρια des Aristonymos eine Sammlung mit Autorenlemmata waren, werden andere vielleicht geneigt sein, Stob. II 31, 85 das καὶ vor Σωκράτους als mißverständlichen Zusatz anzusehen. Wie man aber auch darüber denke, es dürfte hier, wo die nur mit dem Lemma Σωκράτους bezeichnete Sammlung und die Τομάρια des Aristonymos bei Stobaios miteinander in Konkurrenz treten (vgl. Stob. III 138, 34-36), besonders schwer fallen, eine genauere Vorstellung von dem Umfange der Benutzung der Τομάρια zu gewinnen, zumal sie Stobaios gemäß seiner sonstigen Gewohnheit auch ohne Erwähnung seiner Quelle ausgeschrieben haben wird. Durch die doppelte Vorlage erklärt sich denn auch die sonst auffallende Tatsache, daß ein und dasselbe Gleichnis das erste Mal Stob. III 1, 104 unter Σωκράτους, an anderer Stelle IV 46, 22 unter Ἐπικτήτου zitiert wird. Dort wurde die ,Sokratessammlung‘ benutzt, hier, wie Elter richtig bemerkte, die Sammlung des Aristonymos. Unaufgeklärt, ist das nur einmal sich findende Lemma Stob. II 31, 53 Δημώνακτος Ὑψαίου καὶ Σωκράτους. Elter a. a. O. 33ff. scheint es eine ,aus homoeomata verschiedener Herkunft und vielleicht noch anderen gebildete Mischsammlung‘ zu sein. Klar ist das auf die schon früher erwähnten Apomnemoneumata des Serenus bezügliche Lemma Stob. II 2, 17 Ἐκ τῶν Σερήνου ἀπομνημονευμάτων· Ἀρκεσιλάου. Vergleicht man damit die übrigen Zitate aus Serenus, so ergibt sich, daß ein Speziallemma nur dann hinzugefügt wird, wenn der Autor des Diktum in den Eklogen selbst keine Erwähnung findet. Und dieses Verfahren gewinnt noch dadurch eine Bestätigung, daß Serenus bisweilen in ein und derselben Ekloge die Aussprüche zweier Gewährsmänner über das gleiche Thema gegenüberstellt, [2573] so Stob. II 31, 116 und III 11, 23. Dergleichen Beobachtungen über Anlage und individuelle Eigenart der verschiedenen von Stobaios benutzten Sammlungen sind zu vermehren und festzuhalten, wenn man bei der Lektüre tiefer eindringen will und insbesondere der Versuch gelingen soll, den bisher erkennbaren Bestand der einen oder anderen Sylloge durch Einbeziehung der Angrenzer zu erweitern. Die zunächst rein äußerliche Berechtigung zu solchen Versuchen, deren schon oben einige mitgeteilt wurden, gewinnt man durch die allenthalben bemerkbare Neigung des Stobaios, aus seiner Vorlage nicht nur eine vereinzelte Ekloge, sondern eine bald größere bald kleinere Gruppe von Eklogen mitzuteilen unter Vorantritt nur eines führenden Lemma. Es mag nicht unnütz sein, zum Schluß für diese Art der Lemmatierung noch ein paar beliebige Beispiele herauszuheben. So gewann man durch Wiedereinsetzung der hsl. Überlieferung Stob. III 1, 125–171 eine Gruppe von nicht weniger als 47 Ps.-Epictetea unter Führung des einen Lemma Ἐπικτήτου, vgl. Epicteti et Moschionis sententiae ed. Elter (Bonn. 1892) 6. So werden die zahlreichen Einzelvorschriften der Χαρώνδα Καταναίου Προοίμια νόμων Stob. IV 2, 24 unter diesem einen Lemma vorgeführt, gerade wie IV 2, 25 die nicht minder zahlreichen Einzelberichte unter dem Lemma Ἐκ τῶν Νικολάου Περὶ ἐθῶν. Ob man die einzelnen Abschnitte solcher Eklogengruppen besonders numeriert oder nicht, ist oft (wenn auch nicht immer, vgl. zu Stob. IV 2, 23) irrelevant: das eingangs gegebene Lemma bleibt in Geltung. Durch nichts wäre die Einsicht in die Vorlagen des Stobaios mehr erleichtert worden, als wenn er sich regelmäßig an solche Exzerpierweise gebunden hätte. Aber schon im vorausgehenden wurde leider deutlich, wie ihm eine andere Manier nicht minder geläufig war: er griff aus gnomologischen Vorlagen einzelne Eklogen beliebig heraus, ohne genügende Beachtung des Generallemmas. Es wird bekannt sein (vgl. v. Wilamowitz Eur. Herakles¹ I 171. Stob. III prolegom. LVI und zahlreiche Anmerkungen), daß die Mehrzahl der Euripideseklogen bei Stobaios aus einer Euripideischen Gnomologie geschöpft ist, welche alphabetisch nach dem Anfangsbuchstaben der Dramen, denen die Eklogen jeweils entnommen wurden, geordnet war, während der Dichtername begreiflicherweise nur eingangs genannt war. Spuren einer nach dem nämlichen Prinzip geordneten Menandrischen Sylloge erkannten v. Wilamowitz a. a. O. 172, 103 und Elter De gnomol. gr. hist. atque orig. III (Bonn. 1893) 127 bei Iustinus de monarch. c. 5, und so wird man es, um von geringfügigeren Bestätigungen hier abzusehen, nicht für zufällig erachten, wenn sich Stob. III 9 sechs Eklogen in dieser Reihenfolge exzerpiert finden 10 Δεισιδαίμονι, 11 (Epitrep. 15f.), 16 Καρχηδονίῳ, 7 Κιθαριστῇ, 18 Ἐν ταὐτῷ, 19 Τροφωνίῳ. Vgl. auch die Anmerkung zu Stob. IV 20 b, 54. Weniger überzeugend sind die Belege, welche sich für das ehemalige Vorhandensein auch einer in gleicher Weise angelegten Sophokleischen Sammlung anführen lassen. Angesichts solcher Vorlagen ist denn nun aber nicht verwunderlich, wenn auch hier bei dem Herausnehmen der einen oder anderen [2574] Ekloge sich das führende Lemma der Aufmerksamkeit entzog, wie z. B. III 37, 15. IV 36, 17, und daß auf solche Weise Dramentitel zum Teil entstellt in den Dichterkatalog des Photios gerieten, wie Δίκτυς, Θεκέφιρις (so), Πειρίθους, oder wenn sich hie und da die Vermutung aufdrängt, daß das zu einer Ekloge notierte Dramen- oder Autorenlemma auch noch der folgenden, nicht lemmatierten Ekloge zu gelten habe. Auch hier können aber nur Indizien innerer Verwandtschaft, nicht die bloße Nachbarschaft den Ausschlag geben. Dergleichen Vermutungen, soweit sie sich auf die Tragödie beziehen, sind schon zu Naucks zweiter Ausg. der Trag. gr. fragmenta, für das Drama überhaupt und auch für andere Gebiete in der Stobaiosausgabe selbst des öfteren mitgeteilt worden. Übrigens würde man irren, wenn man die gewaltige Zahl der Fragmente des Dramas bei Stobaios lediglich aus solchen nach der alphabetischen Reihenfolge der Dramentitel angelegten Gnomologien ableiten wollte. Ganz abgesehen von den innerhalb prosaischer Eklogen zitierten oder aus prosaischen in die Reihenfolge der poetischen Gruppen versetzten Versen hat Stobaios noch andere Sammlungen dramatischer Eklogen benutzt. Die gnomologischen Auszüge aus Epicharmos, auf welche die Stobäischen Zitate zurückgehen (s. Diels Vorsokr. I³ 116), führten auch zu echten Partien keine Dramenlemmata an. Reste eines alphabetisch nach dem Anfangsbuchstaben der Eklogen selbst geordneten Gnomologion, das sowohl Tragiker- wie Komikerfragmente enthält, liegen Stob. IV 22 b, 48 vor, vielleicht auch IV 25, 30ff. IV 26, 8ff., wie Elter bemerkte De gnomol. Gr. hist. atque orig. commentationis ramenta (Bonn. 1897) 36f. Die Lemmata dieser meist monostichisch gehaltenen Eklogen geben aber nur die Namen der Dichter, nicht auch die der Dramen an. Doch genug. Schon aus diesen charakteristischen Proben – es konnte ihrer hier nur eine kleinere Auswahl gegeben werden – mag man entnehmen, daß die Stobäische Lemmatierung schon infolge der von dem Gnomologen beliebten Exzerpierweise auch abgesehen von den durch die Lückenhaftigkeit des Werkes hinzukommenden Aporien an Kompliziertheit kaum etwas zu wünschen übrig läßt, ganz im Gegensatz, um irgendein anderes antikes Sammelwerk zu nennen, etwa zu der einförmigen und meist einwandfreien Zitierweise eines Athenaios. Die Schwierigkeit der Beurteilung und Auswahl wird aber für den Herausgeber noch erhöht einmal durch die unzureichende Überlieferung der beiden ersten Bücher, andererseits durch den Umstand, daß die drei Überlieferungsgruppen der beiden letzten Bücher – STr. LBr MAMac. – in der Lemmatierung wie auch in der Reihenfolge der Eklogen nicht selten auseinandergehen. Hinsichtlich des letzteren Punktes kann an dieser Stelle nur auf die Ausgabe selbst und ihre Prolegomena sowie auf die Abhandlungen Rh. Mus. XXXIX 359–407. 521–557 und die schon oben erwähnte über die Brüsseler Handschrift verwiesen werden.

Wir warfen einen prüfenden Blick auf die Anlage und Struktur des Werkes, auf die Kapitelaufschriften und die Lemmatierung. Dabei konnte auch die Eigenart des Stobaios selbst nicht verborgen [2575] bleiben. Er empfängt seine Note aber nicht minder deutlich durch die Auswahl der Exzerpte und die Art des Erzerpierens. Und schon die bisher erwähnten Eklogen oder Eklogengruppen ließen erkennen, daß er neben der Fülle des Echten und Wertvollsten auch Apokryphes und Minderwertiges, neben Goldadern auch tauberes Gestein nicht verschmähte. Mit dem Tiefsinn eines Herakleitos oder der anmutvollen Lebensweisheit eines Demokritos kontrastiert seltsam die geschwätzige Gnomik des ionisch schreibenden Eusebios oder die schwächliche Dutzendware der Ps.-Epiktetea. Gewiß, das Epigonentum des Stobaios läßt sich nirgends verkennen. Aber abgesehen davon, daß der Begründer eines derartigen Exzerptenwerkes, d. h. ein mehr oder weniger geschickter Kompilator, sich nicht über seine Zeit und ihre Durchschnittsbildung zu erheben pflegt, darf bei der Beurteilung die durch den Adressaten Septimios bedingte Anlage des Werkes nicht außer acht gelassen werden. Stobaios lag es am Herzen, wie dies schon durch den Titel des Werkes zum Ausdruck kommt, seinem Sohne unter den oben besprochenen Gesichtspunkten nicht nur an der Hand zugänglicher Hilfsbücher und eigener Lektüre die wichtigeren Lehrmeinungen der Philosophie oder unter Benutzung früherer Anthologien eine Fülle gnomisch bemerkenswerter Dichterworte zu erschließen, er lenkte die Aufmerksamkeit in gleicher Weise auf politische Einrichtungen und Gesetze, ethisch bedeutsame Volkssitten, Bräuche und Gewohnheiten, Sprichwörter und Orakel, nicht am wenigsten auch auf den reichen Vorrat von Mahnworten und Denksprüchen berühmter Männer. Und es kann nicht unbemerkt bleiben, daß durch diese Auswahl, abgesehen von den Eklogen rein philosophischen Gehalts, ein auch für den Redner geeignetes und durch die antike Theorie selbst empfohlenes Rüstzeug dargeboten wird (vgl. Volkmann Die Rhetorik der Gr. und R.² 236ff.). Klar ist auch, daß nicht nur die mit Vorliebe antithetisch geordnete Kapitelfolge oder das Nacheinander poetischer und prosaischer Eklogen, sondern auch die in den einzelnen Kapiteln bemerkbare Mischung verschieden gearteter Eklogen des Reizes der Abwechslung nicht entbehrte und geeignet war, dem Leser gegenüber den durch Gedankengehalt und Umfang einen stärkeren Grad von Aufmerksamkeit erheischenden Exzerpten auch die erwünschten Ruhepunkte zu gewähren. Aber nicht in dieser Zusammengehöriges, wie wir sahen, nur zu oft auseinander reißenden, auf Septimios und ähnlich veranlagte Leser berechneten Abwechslung, mit einem Worte, nicht in der vielfach anfechtbaren Komposition des Werkes ist seine literarische Bedeutung zu erkennen, sondern vielmehr darin, daß dem Aufmerksameren durch dieses umfänglichste Exzerptenwerk und seine reichen oft nur in ihm bewahrten literarischen Bestände verschiedenster Prägung und Provenienz zugleich ein Einblick in den früheren gnomologischen Betrieb bis hinauf in seine Anfänge, d. h. bis ins vierte vorchristliche Jahrhundert erschlossen wird.

Es war sicher nichts Unerhörtes, wenn Aristophanes Frösche 151 den Fall setzt, daß sich jemand eine Stelle aus Tragödien ausschreibe, [2576] oder wenn Isokrates annimmt II 43. 44, daß man sich eine Auslese von Gnomen aus hervorragenden Dichtern anlege, und[WS 2] zwar aus Hesiod, Theognis und Phokylides. Eben diese Dichter aber waren in den von Stobaios ausgeschriebenen Vorlagen reichlich benutzt, ganz besonders die Elegiensammlung, die sich nach Theognis nennt, und diese in einer von der sonst überlieferten hie und da abweichenden und reicheren Rezension. In Platons Lysis 214 A werden die Dichter ὥσπερ πατέρες τῆς σοφίας … καὶ ἡγεμόνες genannt. Die Verwertung dichterischer Gnomen für den Unterricht der Jugend erwähnt Aischines III 135, in etwas anderer Weise Platon Ges. 811 A. Den pädagogischen Wert der Epicharmischen Lebensweisheit rühmt das Epigramm des Theokritos (A. P. IX 600), vgl. v. Wilamowitz Textgesch. der gr. Buk. 352. Beudel Qua ratione Graeci liberos docuerint, papyris ostracis tabulis in Aegypto inventis illustratur, Diss. Monast. Guestf. 1911, 20. Der von Philochoros bei Athen. 648 D erwähnte, bei Stobaios unerwähnt gebliebene Axiopistos redigierte schon im 4. Jhdt. Γνῶμαι des Epicharmos (Diels Vorsokr.³ I 116. 122), auf welche eine ziemliche Anzahl der von Stobaios überlieferten Verse zurückgehen. In den Flinders Petrie Pap. I t. 3 (3. Jhdt. v. Chr.) findet sich eine angebliche Epicharmosstelle (Diels Vorsokr.³ I 126) neben einer solchen des Euripides, die letztere auch bei Stob. III 16, 4. In den Hibeh papyri I (1906) nr. 1. 2 liest man Reste einer ca. 280–40 v. Chr. geschriebenen Sammlung monostichischer, angeblich Epicharmischer Sprüche, in denen nr. 2 V. 6 auch ein Anklang an den von Stob. III 37, 18 bewahrten Tetrameter bemerkbar wird. Mit den Florilegienresten der etwa im 2. Jhdt. vor Chr. geschriebenen Berliner Papyri 9772 und 9773 (Berl. Klassiker-Texte V 2 S. 123ff.), namentlich mit dem letzteren, zeigt Stobaios nicht nur in der Auswahl der der Komödie und Tragödie angehörenden Fragmente, sondern auch in der Überschrift Ψόγος γυναικῶν (vgl. Stob. IV 22 g) offensichtliche Berührungspunkte. Die zahlreichen Beziehungen, welche in der Auswahl poetischer Sentenzen, zumal des ,szenischen Philosophen‘, zwischen dem Stobäischen Werke und Chrysippos oder durch ihn beeinflußten Schriften hervortreten, hat Elter in seinen wertvollen, zum Teil schon erwähnten Abhandlungen De gnomologiorum gr. hist. atque orig., Bonnae 1893ff. klargelegt. Er gelangt zu dem Ergebnis, daß in den Tagen des Chrysippos, ja durch diesen zitatenfrohen Stoiker selbst ein umfängliches, auf alle Teile der Philosophie bezugnehmendes großes Gnomologium von Dichtern und Prosaikern begründet und mit der stoischen Doktrin verknüpft worden sei, und daß uns von eben diesem Thesaurus Stobaios wenn auch mit starker Einbuße und hie und da veränderter Form noch eine Vorstellung gebe. Aber die Anfänge der Gnomologie gehen höher hinauf als in die Mitte des 3. Jhdts., und auch an und für sich ist es wenig wahrscheinlich, daß Chrysippos die überaus reichhaltigen Dichterexzerpte, die er sich für den eigenen Gebrauch angelegt hatte, auch als solche publizierte, so daß man ihn als den Begründer einer zwar in vieler Hinsicht ersprießlichen, aber doch kaum besonders angesehenen [2577] Literaturgattung in Anspruch nehmen dürfte (Chrysippum … fuisse gnomologiae Graecae auctorem atque principem: Elter a. a. O. I 17). Umso überzeugender hat Elter dargelegt, daß die Schriftstellerei des Chrysippos dem gnomologischen Betrieb der Folgezeit einen starken Impuls gegeben hat, und zwar nicht nur durch leitende Gesichtspunkte, sondern auch durch die Auswahl der von ihm besonders bevorzugten Dichterstellen. Die Übereinstimmung zwischen zahlreichen Eklogen des Stobaios und der Plutarchischen Schrift Πῶς δεῖ τὸν νέον ποιημάτων ἀκούειν ist ebenso einleuchtend wie der von Elter geführte Nachweis (a. a. O. I 34ff.), daß Plutarch von Chrysippos Περὶ τοῦ Πῶς δεῖ τῶν ποιημάτων ἀκούειν β’ (Diog. Laert. VII 200) abhängt. Doch das ist nur ein Glied in der Kette der Elterschen Darlegungen, die im einzelnen zu wiederholen hier zu weit führen würde. Es sei also nur erinnert, daß auch die zahlreichen Übereinstimmungen zwischen Stobaios und den Zitaten des Clemens von Alexandreia, auf welche Hiller (Jahrb. f. Philol. 1888, 456. Stob. III 29, 47 Anm.) wieder hingewiesen hatte und die man inzwischen in Stählins Clemensausgabe und bei Stobaios bequem beisammen hat, durch Elter (a. a. O. II 81. 85. 92. 95 u. ö.) in den Bereich der Untersuchung gezogen wurden, ebenso die durch Diels Rh. Mus. XXX 172ff. beleuchteten, wiederum eine gemeinsame gnomologische Vorlage verbürgenden Beziehungen zwischen Stobaios (vgl. insbesondere Stob. I 3, 26–29) und den gnomologischen Einlagen des Theophilos von Antiocheia, vgl. Elter a. a. O. III 131ff. Auch Orion hat zum Teil ähnliche Vorlagen wie Stobaios benützt, das lehrt insbesondere die Εὐριπίδου betitelte Schlußpartie n. 7–10 und 11 im Vergleich zu Stob. IV 25, 2ff. und 29, man sehe die Anmerkung. Und so gibt es noch andere wertvolle Zeugnisse für die ununterbrochene Tradierung eines auch von Stobaios benutzten gnomologischen Grundstocks, dessen Entstehung in das 3. vorchristl. Jhdt. zurückreicht. Aber man übersehe nicht: Stobaios trat an der Grenzscheide des Altertums das Erbe vieler und gar verschieden gearteter Gnomologien an, und diese Gruppen waren zum Teil schon vor ihm, zum Teil wurden sie durch ihn selbst derart ineinander gearbeitet, daß ein Auseinanderlegen des Werkes in die ursprünglich selbständigen Florilegien heute ein wenig aussichtsvolles Unternehmen ist. Ihre Scheidung kann nur allenfalls stückweise gelingen. Euripides z. B., mit dem Stobaios seine Kapitel nicht ungern eröffnet, und Menander waren nicht nur in den schon erwähnten alphabetisch nach den Dramentiteln geordneten, der Gesamtausgabe der Dichter entnommenen Anthologien vertreten, sondern als die gnomenreichsten natürlich auch in den nach ethischen Gesichtspunkten disponierten, aus Dichtern verschiedener Art zusammengetragenen Sammlungen (vgl. v. Wilamowitz Eur. Her.¹ I 171). Und ein nach den Anfangsbuchstaben der Eklogen selbst geordnetes Gnomologion von Tragiker- und Komikerfragmenten wurde schon oben erwähnt. Aber auch für kleinere Bestände ein und desselben Dichters hat man sich zu hüten ohne weiteres eine einheitliche Sylloge vorauszusetzen. Es gelang neuerdings die den Namen des Sotades tragenden Eklogen in der [2578] auch lemmatisch schwer geschädigten Überlieferung des ersten Buches um die eine oder andere zu vermehren (Stob. I 1, 9: Norden Agnostos Theos 202, 1. Hense bei Escher De Sotadis Maronitae reliquiis, Gießener Diss. 1913, 60f.; Stob. I 1, 24: v. Wilamowitz Herm. XXXIII 514). Aber die auch so nur etwa ein Dutzend ausmachenden Sotadeseklogen aus ein und derselben Sylloge ableiten zu wollen, wäre irrig. Nur Stob. III 1, 67 bildet eine Gruppe alphabetisch geordneter Monostichoi, welcher sich allenfalls noch der eine oder andere vereinzelt überlieferte und inhaltlich in sich abgeschlossene Sotadeus beizählen ließe (wie Stob. IV 51, 11. IV 52 b, 31), während die übrigen Eklogen, auch Stob. III 22, 26 (vgl. Escher a. a. O. 72), der Signatur des monostichischen Spruchalphabets entbehren. Man erkennt, der Kinädolog hat es sich gefallen lassen müssen, zu gnomologischen Zwecken in mehr als einem Florilegium exzerpiert und zugestutzt zu werden; vgl. Gerhard Phoinix von Kolophon 244.

Auch für die der Prosarede entnommenen Gnomologien war der Boden seit lange zubereitet. Vgl. Wendland Anaximenes von Lampsakos 100f. Xenophon läßt den Sokrates mit seinen Schülern schöne Gnomen der alten Weisen auslesen, Mem. I 6, 14. Aristoteles bedient sich gern gnomischer Kernworte, behandelt die gnomischen Aufschriften des delphischen Tempels, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Sprichwörter. Aristoxenos, sein Schüler, sammelte die Πυθαγορικαὶ ἀποφάσεις, deren uns erhaltene Reste zum Teil dem Stobaios verdankt werden. Demetrios von Phaleron veranstaltete eine Sylloge der Sentenzen der Sieben Weisen, deren Kern Stobaios erhalten hat, III 1, 172. Ob aber die von Diog. Laert. V 80 erwähnten Χρεῖαι des Demetrios auf die Sieben zu beziehen sind, ist mindestens fraglich. Eine Berücksichtigung der Sprüche der Sieben tritt auch in der doch wohl noch dem 4. Jhdt. angehörenden Rede an Demonikos hervor. Diese Parainesis, welche Stobaios besonders reichlich ausgeschrieben hat, mag man auf Grund sorgfältiger Quellenanalyse (man sehe jetzt Isocratis op. I rec. Drerup) immerhin ,eine Art Anthologie‘ nennen, ,die den Namen der Gewährsmänner unterdrückt‘ (Wendland a. a. O. 100). Um 300 v. Chr. wird auch die von Hasluck Journ. hell. stud. XXVII 62 noch nicht ausreichend veröffentlichte Inschrift einer bei Kyzikos gefundenen Marmortafel angesetzt, welche im wesentlichen mit dem von Stob. III 1, 173 hinter Demetrios bewahrten Exzerpt Σωσιάδου τῶν ἑπτὰ σοφῶν ὑποθήκαι übereinstimmt. Vgl. Diels S.-Ber. Akad. Berl. 1907, 457. Hense Berl. phil. Woch. 1907, 765. Es wird also im 4. Jhdt. nicht an Sammlungen der Heptasprüche gefehlt haben, sei es daß sie in den Volksbüchern von den Sieben Weisen (vgl. v. Wilamowitz Herm. XXV 197ff. Crusius Philol. LV 3. 4) überliefert waren oder auch gesondert. Einige der Sprüche kennt schon Aristoteles, und weder hat Demetrios ohne älteres Material gearbeitet noch der Autor der Demonicea aus Demetrios geschöpft: das hat schon Wendland a. a. O. mit Recht betont. Man sieht, die für uns ältesten Sammlungen dieser Denksprüche, sei es mit nur summarischer Nennung [2579] der Sieben wie bei Dosiades, sei es mit Scheidung der einzelnen Gewährsmänner wie bei Demetrios, hat Stobaios bewahrt. Aber er hat, und das ist wiederum charakteristisch, auch seine die Hepta angehenden Eklogen nicht lediglich jenen ältesten Gnomologien oder gar einer Quelle entnommen. Abgesehen davon, daß wir schon oben Exzerpten aus dem Plutarchischen Septem sap. convivium begegneten ohne Nennung des Plutarch (Stob. IV 1, 134. IV 7, 47. IV 28, 14), stößt man auf eine beträchtliche Anzahl mit dem Namen des angeblichen Gewährsmanns, aber ohne Erwähnung der Sammlung eingeführter Gnomen oder Apophthegmen der Hepta. Ihre Quelle war nicht immer die lauterste, wie schon die wiederholt überlieferte, auch durch den cod. Photianus (vgl. Elter a. a. O. 44) bezeugte Schreibung Θεοβούλου für Κλεοβούλου Stob. III 1, 22. 92. IV 7, 23. IV 34, 75 (dagegen Κλεοβ– IV 22 d, 106) lehrt. Und die Diskrepanzen, die sich zwischen den benutzten Vorlagen ergeben, sind zum Teil nicht gering. So wird der Satz Τὰ ἀφανῆ τοῖς φανεροῖς τεκμαίρου III 1, 22 unter dem Lemma Θεοβούλου, dagegen ΙΙI 1, 172 p. 115, 5 in der Sammlung des Demetrios unter Σόλων gegeben. Der Spruch des Cheilon Γάμους εὐτελεῖς ποιοῦ, den Stobaios in der Sammlung des Demetrios mitteilt I 1, 172 p. 116, 6, wird Stob. IV 22 d, 105 unter Lemma Χείλωνος wiederholt, aber in der Fassung Γάμους εὐτελεῖς καὶ ἰσοτίμους ποιοῦ. Ein anderer Spruch des Cheilon lautet in Demetrios’ Sammlung Stob. I p. 116, 6 Τὸν τετελευτηκότα μακάριζε, Stob. IV 57, 15 Τὸν τετελευτηκότα μὴ κακολόγει ἀλλὰ μακάριζε. Es liegt uns fern, hier in irgend welche Quellenuntersuchungen einzutreten. Solche können bekanntlich nicht ohne sorgliche Berücksichtigung der zumal für die Heptasprüche besonders reichlich fließenden Parallelüberlieferung geführt werden. Und solange durch die gnomologische Forschung, welche in den letzten Jahrzehnten Gelehrte wie Wachsmuth, Diels, Elter, W. Meyer, H. Schenkl, Sternbach, Freudenthal und andere kräftig gefördert haben, nicht wenigstens das hsl. Material der Bibliotheken aufgearbeitet ist, werden wir auf diesen Gebieten, auch abgesehen von den Papyri, wohl noch manche Überraschungen durch bisher unediertes Material zu gewärtigen haben. Nachdem Wachsmuth im J. 1882 die Wiener Apophthegmensammlung aus dem cod. Vindob. theol. CXLIX Ness., XCIII Lambec. veröffentlicht hatte (Heidelb. Festschrift zur Begrüßung der XXXVI. Philol.-Vers. 1ff.), gab Sternbach fünf Jahre später Wiener Stud. IX. X und XI aus dem cod. Vaticanus Gr. 743 chart s. XIV ein die Wiener Sammlang um mehrere hundert Nummern bereicherndes Gnomologium gleicher Provenienz heraus. Solche Vorkommnisse in Verbindung mit der ungewöhnlichen Kompliziertheit gnomologischer Untersuchung waren nicht eben danach angetan, die Editorentätigkeit auf diesen Gebieten zu beleben. Der Abschluß des mit so viel Eifer angegriffenen gnomologischen Studiums wird wohl noch geraume Zeit auf sich warten lassen. Und daß dies auch im Hinblick auf nicht wenige Stobaios angehende Fragen bedauerlich ist, liegt auf der Hand. Doch an dieser Stelle sollte von uns nur durch ein paar Beispiele gezeigt werden, daß die [2580] von Stobaios ausgeschriebenen Vorlagen zum Teil bis in die für uns heute erkennbaren Anfänge des gnomologischen Betriebs, d. h. bis ins 3. und 4. vorchristl. Jhdt. zurückgehen, daß aber neben solchen anders geartete und jüngere Berücksichtigung fanden, einerlei, ob die Angaben der letzteren mit den ersteren übereinstimmten oder nicht. Erscheint es aber nützlich, noch ein paar Bemerkungen über die Auswahl der Eklogen anzuschließen, so wurde schon oben auf die besonders große Zahl der Platonischen und Xenophontischen Exzerpte hingewiesen, ebenso auf den starken Anteil der Neupythagoreer, und das gleiche gilt von den Neuplatonikern. Umgekehrt ist charakteristisch das Zurücktreten der sog. zweiten Sophistik, deren Vertreter abgesehen von Dion von Prusa, Aelianus, Themistios keine Berücksichtigung finden (vgl. W. Schmid Christ’s Gesch. der gr. Lit.⁵ II 2, 892). Sieht man von den rein philosophischen Exzerpten ab, so konnte das bei der Auswahl vorherrschende Prinzip schon bei den bisher aus dem einen oder anderen Grunde erwähnten poetischen oder prosaischen Eklogen nicht verborgen bleiben: die gnomenreichsten Schriftsteller sind dem Gnomologen die liebsten. So ist denn, um wenigstens noch auf die eine oder andere Dichtergruppe einen Blick zu werfen, dem Euripides unter den Tragikern, wie schon bemerkt, am stärksten vertreten, Aischylos seltener, häufiger wieder Sophokles, auch die jüngeren Tragiker, unter ihnen besonders Chairemon, Dionysios, Theodektes, Moschion, auch einige der Pleias. Überraschend ist ein Spätling wie Pompeius Macer, der Reisegenosse des Ovid, in dessen herzbewegenden Versen (Stob. IV 24 d, 52) Meineke seine Medeia erkannte (vgl. Schanz Gesch. der röm. Lit. § 319 S. 246). Aber trotz der gewaltigen Zahl tragischer Eklogen hat das Werk auch hier manche Einbuße erlitten, Thespis und Phrynichos (wenn mit Phrynichos nicht etwa der Komiker gemeint ist) werden jetzt nur durch den cod. Phot. bezeugt. Umgekehrt beruht der noch bei Nauck Trag. Gr. fr.² 829 als Tragiker figurierende Mimnermos nur auf lemmatischer Verwirrung, vgl. zu Stob. IV 38, 3. IV 57, 11. Über Epicharmos wurde bereits oben ein Wort gesagt. Sophron, der im Katalog des Photios übersehen wurde, findet sich IV 50 b, 65 zitiert, indirekt auch I 49, 50 p. 419, 17. Unter den attischen Komikern behauptet Menandros den ersten Platz, auch Philemon wie überhaupt die neue Komödie wird gern angezogen, doch nur in einer mäßigen Anzahl von Vertretern, deren man einige in dem Kapitel III 6 vereinigt findet: 2 Philemon, 5 Euphron, 8 Menandros, 11 Apollodoros – die beiden Apollodore werden nicht unterschieden – 12 Bathon, 13 Phoinikides. Ähnlich steht es mit der mittleren Komödie, während die alte mehr zurücktritt. Doch bleiben Kratinos, Pherekrates, Eupolis, Platon, besonders Aristophanes nicht unberücksichtigt. Unter den Epikern spenden Homer und Hesiod reichlich Beiträge, am meisten natürlich die Ἔργα καὶ ἡμέραι. Der epische Kyklos bleibt fast unberücksichtigt (Στασίνου ἐκ τῶν Κυπρίων III 31, 12; vgl. III 31, 18). Spätere Epiker wie Peisandros, Panyassis, Choirilos, Antimachos (vgl. Phot. Ind. II) werden selten, häufiger die Vertreter des philosophischen Lehrgedichts, [2581] Xenophanes, Parmenides und besonders Empedokles berücksichtigt. Das alexandrinische Epos wird durch Philitas, Rhianos, Euphorion, das Lehrgedicht besonders durch Aratos vertreten, auch durch Neoptolemos von Parion (vgl. IV 52 b, 24 und die Anm.). öfter ausgeschrieben wird der wohl dem 2. Jhdt. n. Chr. angehörende Naumachios (vgl. E. Rohde Kl. Schr. II 182), je einmal auch Heliodoros (Stob. IV 36, 8, vgl. Meineke Anal. Alex. 381ff.) und Menophilos (Stob. IV 21a, 7).: Ganz vereinzelt erscheint das Ps.-Phokylideische Lehrgedicht (III 3, 27. 28), öfters die Χρυσᾶ ἔπη) des Ps.-Pythagoras. Auch die hexametrische Rätseldichtung geht nicht ganz leer aus. Hie und da stößt man auch auf ein Orakel unter dem Lemma Χρησμός ohne Nennung einer Sammlung. In der Lyrik ist die Zahl der Stücke sehr erheblich, welche uns lediglich Stobaios bewahrte, in der Elegie solche von Kallinos, Archilochos, Tyrtaios, Mimnermos, Solon, Euenos, aber den Vorrang unter den Elegikern behauptet aus dem schon erwähnten Grunde die Theognideische Sammlung. Die Ἔπη des Phokylides finden sich durch einige Stücke vertreten. Jüngere Elegiker liest man kaum, von Kritias einen Pentameter III 29, 11. Unter den hellenistischen Elegikern bemerkt man Philitas, Phanokles, Kallimachos, Eratosthenes, auch Choirilos. Einem Epigramm begegnet man selten, doch werden Poseidippos (IV 34, 57), Leonidas (IV 52b, 28),: Menekrates von Samos (IV 50 b, 62) zitiert. Die Bukolik ist durch Theokritos, Bion und Moschos vertreten. Die Tetrametra und Epodoi des Archilochos werden berücksichtigt, nicht die Iamboi. Um so reicher Semonides von Amorgos, auch Hipponax fehlt nicht ganz. Die Mimiamboi des Herodas kannten wir vor dem Papyrusfund fast nur aus ein paar Versen des Stobaios. Sotades erwähnten wir bereits. Die monodische Lyrik findet begreiflicherweise kaum Berücksichtigung, Alkaios, Sappho, Anakreon werden nur ganz vereinzelt angeführt. Ἠρίννης hat Meineke zweimal richtig in dem Lemma Εἰρήνης erkannt IV 50 a, 14. IV 51, 4, ein Schreibversehen, das wahrscheinlich schon die Handschrift des Photios bot. Auch Telesilla war, wie Photios’ Ind. lehrt, ehemals vertreten. Die Ode der Melinno auf Rom findet sich III 7, 12 (vgl. v. Wilamowitz Timotheos 71, 1). Auch die Chorlyrik wird mäßig angezogen. Stesichoros ist, wie der Ind. Phot. bestätigt, erst gegen Ende des Werkes mit ein paar Zeilen vertreten, reicher werden Pindar, Simonides und Bakchylides bedacht. Kaum berücksichtigt (wenigstens nicht direkt, vgl. Stob. I 49, 50) werden die attischen Lyriker, aber Philoxenos und Likymnios liest man im Dichterkatalog des Photios. Doch genug der Proben. Ein vollständiges Bild können ja solche Aufzählungen, auch abgesehen davon, daß doch auch die innerhalb prosaischer Eklogen mitgeteilten Dichterstellen zu berücksichtigen wären, nicht bieten. Auch der sorgfältigste Index würde hinter dem einstigen Reichtum weit zurückbleiben: so lückenhaft ist die Überlieferung unserer Handschriften, so groß die Zahl der lemmalos überlieferten Eklogen, deren Autoren also in der Regel außer Rechnung bleiben. Und daß auch die Register des Photios eine nur unvollständige und öfters [2582] unklare Kontrolle gewähren, ist nur zu deutlich. So sei denn nur noch erinnert, daß der gnomische Gesichtspunkt auch bei der Auswahl der poetischen Eklogen nicht am wenigsten dadurch zur Geltung gelangt, daß die eigentlich gnomische Dichtung reichlich Verwendung findet: außer den schon erwähnten Vertretern z. B. die der Diogenesjünger Kerkidas und Krates, wohl auch des Aegineten Philiskos. Denn diesem, nicht dem Komiker oder dem Tragiker Philiskos, dürften die Verse III 29, 40 (vgl. die Anm.) angehören, eine Vermutung, der sich Gerhard Phoinix von Kolophon 236, 3 anschloß. Verse der kynischen Tragödie möchte man in den ohne Lemma überlieferten Iamben III 17, 5 erkennen (vgl. v. Wilamowitz De trag. gr. frg. 18). Von der Synkrisis des Akademikers Krantor wurden, wie Hense vermutete, wenigstens noch ein paar Verse des Plutos bewahrt IV 32 b, 33. IV 33, 6 (vgl. die Anm.). Zu nennen sind auch Verse des Stoikers Zenon (III 14, 4), des Kleanthes (III 6, 3. 4. III 42, 2), des jetzt näher bekannt gewordenen Gnomikers Chares (III 17, 3. III 33, 4), die didaktischen Iamben des Simylos (I 51, 1). Ob etwa auch der nur bei Stobaios begegnende Hippothoon oder Hippothoos (vgl. zu III 22, 25) zu dieser Gruppe zu rechnen ist, steht dahin.

Wenn wir noch mit einem Wort auf die bei Stobaios zu beobachtende Art des Exzerpierens eingehen dürfen, so wurden schon im obigen über die Lemmatierung einige Beobachtungen mitgeteilt, zu denen sich eben die weitere gesellte, daß durch die bei den Gnomologen oft vermißte Unterscheidung homonymer Autoren sich nicht wenige Aporien einstellen. Und so ist es denn nicht eben verwunderlich, wenn ein literarisch Unkundiger wie der Pinakograph des Photios unter solchen Umständen öfters ganz verschiedene Träger des gleichen Namens als ein und dieselbe Person faßt, zumal er es auch umgekehrt fertig bringt, ein und denselben Autor in zwei auseinanderzunehmen, z. B. im Philosophenindex Ἐπικούρου Γαργηττίου, dann an späterer Stelle Ἐπικούρου Ἀθηναίου, oder Μουσωνίου und dann davon gleichsam verschieden Ῥούφου zu verzeichnen. Aber da die genauere Zitierweise, wie sie z. B. in den Exzerpten aus Aëtios häufig begegnet (z. B. Διόδωρος ὁ Τύριος Stob. I 1 p. 35, 5 Διόδωρος ἐπίκλην Κρόνος I 10 p. 128, 10; Διογένης … ὁ Ἀπολλωνιάτης, ebd. p. 126, 16 Διογένης ὁ Στωικός I 8 p. 108, 3 u. ä.), in anderen Partien seltener ist, bleibt auch dem heutigen Leser in bezug auf die Unterscheidung der Homonyma noch manches Problem zu lösen. Unter Demetrios, dem Verfasser einer synkritischen Gegenüberstellung der Ἀνδρεία und Δειλία, der Ἐγκράτεια und Ἀκρασία Stob. III 8, 20 (Δημητρίου) wollten Blass Att. Bereds. III 2², 344ff. und Norden Kunstpr. 130 den Phalereer verstehen, Kuiper De diatribe quadam immerito vindicata Demetrio Phalereo (Feestbundel Prof. Boot, Leiden 1901) 169ff. möchte die Ekloge einem anderen Demetrios (sive Cynico sive Stoico, ex plurimis illis Demetriis, quorum memoriam servat Diogenes L. V 85) zuweisen, Crönert Kol. und Mened. 46f. dachte an den Kyniker Demetrios von Alexandreia, den Enkelschüler des Metrokles, Hense glaubt, gestützt auch auf einen Latinismus der griechischen [2583] Diktion (vgl. Stob. III p. 345, 16 und 346, 4 und die Anm.) den kynischen Freund des Seneca zu erkennen, und dieser Ansicht stimmte Wendland bei Hellenistisch-röm. Kultur² 85, 1. Die herkömmliche Ansicht, daß man nur kurze Aussprüche des Zeitgenossen des Seneca, keine schriftlichen Denkmäler überliefert finde, bedarf der Berichtigung.

Was nun aber die Gewähr des von Stobaios gebotenen Eklogentextes betrifft, so kann zunächst nicht überraschen, daß die zu anthologischen Zwecken ehemals verwertete Überlieferung den uns heute gebliebenen Codices erhaltener Schriftsteller wie an Alter, so auch an Güte vielfach voransteht. Wie sehr die Stobaiosüberlieferung z. B. der Plutarchischen Parallela minora oder Aelians varia historia der unserer Handschriften überlegen ist, hat Hercher Plut. de fluv. praef. 32 und in der Didotschen Aelianausgabe ins Licht gesetzt. Eine wichtige Nebenüberlieferung stellen u. a. auch die massenhaften Platon- und Xenophonexzerpte dar, und bei Xenophon läßt sich das, wie zum Teil schon früher in den Ausgaben L. Dindorfs, so jetzt z. B. in Pierleonis Ausgabe vom Staat der Lakedämonier, mehr noch in Thalheims Ausgabe der Scripta minora klar übersehen. Wenn dagegen die Rezension der Stobäischen Platonexzerpte, welche die sonst verdienstliche Heerensche Ausgabe der ersten beiden Stobaiosbücher (Gottingae 1792–1801, 4 tom.) naiv genug war, beiseite zu lassen, in den bisherigen Platonausgaben nur fehlerhaft und unvollständig berücksichtigt wurde, so lag das, abgesehen von anderen Gründen, besonders daran, daß C. Gesners zweite Ausgabe von Stob. III und IV den Stobäischen Platontext aus der Aldina Platons interpoliert hatte, und diese zahlreichen Interpolationen noch in der Meinekeschen Ausgabe weiter geführt wurden. Insofern man also erst jetzt in der Lage ist, einen ungetrübten Blick in die dem Stobaios zugrunde liegende Überlieferung zu tun, wäre doppelt zu wünschen, daß nützliche Untersuchungen wie die von Bickel De Ioannis Stob. excerptis Platonicis de Phaedone, Jahrb. f. Philol. Suppl. XVIII 409-501, unter Berücksichtigung des jetzt in Buch III und IV gebotenen Materials erweitert und vertieft würden. Aber so bedeutsam sich in diesen und anderen Fällen die Grundlagen des Stobäischen Werkes herausstellen, man kann bei seiner Benutzung nicht wachsam genug sein gegenüber den Veränderungen, welche der den Gnomologen ursprünglich überlieferte Text unter ihren eigenen Händen zu erleiden hatte. Wo die Kontrolle durch sonst erhaltene Schriftsteller zu Gebote steht, bemerkt man auf Schritt und Tritt, wie wenig die Veranstalter von Florilegien Bedenken trugen, den ursprünglichen Text ihren Themen und gnomologischen Rücksichten durch Auslassungen, Umstellungen, Veränderungen aller Art anzupassen. Diese Willkür, die übrigens weniger auffallend erscheint, wenn man sich erinnert, wie frei oft die philosophische Schriftstellerei des 3. Jhdts. mit dem Wortlaut von Dichterzitaten schaltete (darüber zuletzt Gerhard Phoinix 230ff.), beleuchteten Bernhardt Quaestion. Stob. 24ff. Hense Lect. Stob. (Acta soc. philol, Lips. II) 1ff. Diels Doxogr. 66. Und die zuletzt erschienene [2584] Stobaiosausgabe glaubte dem Interesse des Lesers zu dienen, wenn sie auf die Entlarvung solcher Fälschungen ihr Augenmerk richtete. Ihre Zahl ist leider übergroß. Und die Veränderungen und Verstümmelungen sind bisweilen so stark, daß der ursprüngliche Text kaum wieder zu erkennen ist, wie z. B. in der Xenophonstelle III 29, 73 oder in dem Exzerpt aus einem Phalarisbriefe IV 8, 26. Oder man sehe IV 5, 72, wo zwei Stellen zweier verschiedener Reden des Demosthenes nicht ohne willkürliche Änderung zu einer Ekloge verbunden werden. Die Methode und Unmethode solcher Eingriffe im einzelnen vorzuführen, wäre hier nicht der Ort, es möge daher nur an einige der am häufigsten zu beobachtenden erinnert werden. Der Gnomolog ist bemüht, seinem Exzerpt das Aussehen eines kleinen Ganzen zu geben. Nichts ist daher gewöhnlicher als das Weglassen begründender, gegensätzlicher, folgernder oder anderer Partikeln zu Beginn der Ekloge, nur darf man darin keine Konsequenz erwarten, denn auch ein ὅτι oder γάρ im Anfang des Exzerpts ist nicht selten. Umgekehrt werden innerhalb der Eklogen Partikeln wie οὖν oder δέ oder andere eingeschwärzt, um nach Kürzung des echten Wortlauts den Zusammenhang notdürftig zu wahren, wie z. B. in einer Ekloge des Herodot (III 27, 14 p. 614, 12), Platon (III 9, 60 p. 385, 4. 9), Xenophon (IV 8, 30 p. 315, 3), Plutarch (III 40, 3. 4 p. 735, 13) u. a. Dem Gnomologen ist es um die Gnome als solche zu tun, Persönliches, Individuelles wird gern abgestreift. Bisweilen nicht ohne Raffinement, das mögen zwei Beispiele aus Herodas lehren: aus der Anrede Γυλλί macht der Gnomolog γύναι Stob. IV 50 b, 59, aus Κοριττοῖ Stob. IV 23, 14 κόρη, τύ. Bei so leichten Diskrepanzen könnte man an Verschreibung denken, wenn nicht in beiden Fällen die Absicht, an Stelle der Person des Mimiambus ein generalisierendes Appellativ zu setzen, am Tage läge. Welche Schwierigkeiten aus solchem Verfahren der textkritischen Behandlung zahlreicher nur durch Stobaios selbst bewahrter poetischer oder auch prosaischer Stellen erwachsen, läßt sich ermessen.

Soll schließlich noch ein Wort über die Ausgaben des Stobaios gesagt werden, so ging es hier wie bei so manchem anderen Autor: die Emendatio eilte der Recensio weit voran. Das trifft nicht nur für einen so begabten Kritiker wie Hugo Grotius zu, dessen Dicta poetarum quae apud Ioannem Stobaeum exstant (Paris. 1623) sich mit der im Titel angegebenen Beschränkung auf das ganze Werk erstrecken, sondern auch für die übrigen Herausgeber einschließlich Meineke. Natürlich mit Unterschieden. Heerens schon erwähnte Edition der beiden ersten Bücher, um Buch I und ΙΙ zunächst ins Auge zu fassen, bedeutete nicht nur in der Emendation, sondern auch in bezug auf den handschriftlichen Apparat einen erheblichen Fortschritt gegenüber der fast nur auf einem Apographum des oben genannten cod. P beruhenden Editio princeps von Canter (Antverp. 1575), während Gaisfords Ausgabe (Oxon. 1850. 2 vol.) als eine schwächliche Leistung zu bezeichnen ist. Um so energischer bewährte Meineke in der Ausgabe der Teubnerschen Bibliotheca (tom. I Lips. 1860, tom. II Lips. 1864) seine emendatorische Begabung, zumal auf dem [2585] Felde der dichterischen Eklogen. Gegenüber diesen Vorgängern hat die Ausgabe von Wachsmuth (Ioannis Stobaei Anthologii libri duo priores vol. I Berol. 1884, vol. II B. 1884) vor allem das Verdienst, endlich eine methodische Recensio in ihre Rechte eingesetzt zu haben, indem er die Abhängigkeit der in den früheren Ausgaben meist benutzten Apographa von den allein maßgebenden codd. F und P klarlegte, den Schätzen des cod. L (d. i. des Flor. Laur.) die ihnen zukommende Stelle anwies, das Kapitel- und Schriftstellerverzeichnis des Photios gebührend berücksichtigte, endlich auch der Nebenüberlieferung, soweit das damals möglich war, seine Aufmerksamkeit zuwandte. Besonders zu statten kam dem Herausgeber gegenüber Meineke seine ungleich größere Vertrautheit mit den Quellenschriften der griechischen Philosophie, übrigens auch das Vorangehen von Diels’ Doxographi. Den Grund zu der neuen Ausgabe legten die Abhandlungen De florilegio q. d. Ioannis Damasceni Laurentiano commentatio duplex, Gött. 1871 und 1872, Versprengte Trümmer der Eklogen des Stobaios in seinem Florilegium Rh. Mus. XXVII (1871) 73–80, Commentatio de Stobaei eclogis, Gött. 1871, sämtlich wiederholt in den Studien zu den griech. Flor. 1–89. Im übrigen sei hier auf die Prolegomena Wachsmuths zu vol. I seiner Ausgabe verwiesen. Die Schicksale der Bücher III und IV waren ähnliche, insofern auch hier die genauere Kenntnis und richtige Wertung der handschriftlichen Überlieferung länger als drei Jahrhunderte auf sich warten ließ. Die von V. Trincavelli besorgte, ganz auf dem jungen Marcianus class. IV cod. XXIX beruhende Editio princeps (Venet. 1536) wurde im wesentlichen wiederholt durch C. Gesners erste Ausgabe (Tiguri 1543). Gesners zweite Ausgabe aber (Basil. 1549), von welcher die dritte (Tiguri 1559) nur unwesentlich abweicht, behauptete für die nächsten drei Jahrhunderte das Ansehen einer Vulgata, von der die folgenden, einschließlich die Meinekesche, mehr oder weniger abhingen. In bezug auf die Wecheliana (Francofurti 1581), die Genevensis (1609), auch die des Dänen Schow (Lips. 1797), welche es über die ersten 27 Kapitel des dritten Buches nicht hinausbrachte, sei hier kurz auf Henses Proleg. zu Stob. III p. LXIIf. sowie dessen Abhandlung Rh. Mus. XLI 27ff. verwiesen. Gaisfords Ausgabe (Oxonii 1822. Lips. 1823–24, 4 vol.) ist zwar etwas höher einzuschätzen als die der beiden ersten Bücher, insofern der schon von Grotius hie und da eingesehene cod. Paris. A reichlicher, wenn auch in unrichtiger Bewertung, angezogen wurde, aber der Abhängigkeit von Gesners Editio secunda konnte auch sie sich nicht entziehen. Auf dem Apparat dieser Gaisfordschen Ausgabe und zwar auf dem nachlässigeren Leipziger Druck, beruht aber die Meinekesche (Lips. 1855-57, 4 vol.). Und auch hier hat der große Gräzist in der Discrepantia lectionis a textu Gaisfordi, unterstützt auch durch die inzwischen erschienenen wertvollen Beiträge zumal von Fr. Jacobs und Halm, eine Fülle oft glücklicher Emendationen mitgeteilt. Worin bestand aber der unheilvolle Einfluß von Gesners Editio secunda? Obwohl Gesner hier neben Tr. den cod. M benutzen durfte und nicht wenige [2586] Schäden des Textes teils stillschweigend teils durch eine Randbemerkung verbesserte, hat er die Zahl der schon in seiner ersten Ausgabe aufgenommenen Interpolationen stark vermehrt, nicht nur durch Einführung von Eklogen, die der Stobaiosüberlieferung fremd sind – diese hat schon Gaisford meist wieder ausgeschieden – sondern auch durch stark interpolierende Überarbeitung der echten. Dazu kommt, daß er die Reihenfolge der Eklogen innerhalb nicht weniger Kapitel in völlig willkürlicher Weise umgestaltete. Diesem Unwesen hat erst Henses auf den drei schon erwähnten Handschriftenklassen S Tr. – MA Mac. – L Br basierte Ausgabe (Ioannis Stob. Anthologii libri duo posteriores, vol. I Berol. 1894, vol. II Berol. 1909, vol. III Berol. 1912 = vol. III. IV. V der Gesamtausgabe) ein Ende gemacht. Die Eigenart dieser drei Überlieferungsgruppen, welche hinsichtlich der Auswahl, Reihenfolge, Lemmatierung der Eklogen oft nicht wenig divergieren, und deren keine entbehrt werden kann, ist in einzelnen Punkten oben berührt worden, eingehend findet man diese und verwandte Fragen in Henses schon erwähnten, für die Ausgabe grundlegenden Abhandlungen sowie in den Proleg. zu Stob. III erörtert. Wie aber die für Buch III und IV in Betracht kommenden Kapitel von L nun Berücksichtigung fanden, so bot die aus der nämlichen Quelle abgeleitete Handschrift Br eine nicht ganz unbeträchtliche Zahl von inedita. Daß der Überlieferung des Photios und der von ihm benutzten Handschrift Rechnung getragen wurde, ist wenigstens in bezug auf die Kapiteleinteilung oben klar gestellt. Die Nebenüberlieferung, auch die gnomologische, wurde, soweit dies mit den bisherigen Hilfsmitteln möglich war und für die Beurteilung der Stobaeischen Tradition wünschenswert erschien, herangezogen. Ein Registerband zu Buch III und IV steht noch aus. Einige Supplemente zu den von Wachsmuth herausgegebenen beiden ersten Büchern gab Elter Rh. Mus. XLVII 130ff., auch Gnom, homoeom. I (Bonn. 1900) 24, Gnom, homoeom. II (Bonn. 1901) 90. Sie wurden von neuem ediert von Hense Stob. vol. V praef. Vff. Die Kenntnis der sog. Codices Trincavelliani wurde etwas erweitert durch v. Gebhardt Beiträge zur Bücherkunde und Philologie Aug. Wilmanns gewidmet, Leipz. 1903, 243ff. Auch die von Serruys in der Revue de philol. XXXV 1315ff. veröffentlichten Mitteilungen über die dem dritten Stobaiosbuche entnommenen Exzerpte des cod. Paris. Gr. 3012 sind dankenswert; vgl. Stob. vol. V praef. XIXff.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: zn
  2. Vorlage: uud