Geschichte von Kloster Heilsbronn/Die Fürstenschule. Die Prediger zu Heilsbronn

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Heilsbronn im dreißigjährigen Kriege »
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Fürstenschule Heilsbronn in der Wikipedia
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[13]
Neunter Abschnitt.
Die Fürstenschule,[1]
i. J. 1581 gegründet, i. J. 1631 zerstreut.
Die Prediger zu Heilsbronn
in dieser Periode, Nr. 12, 13 und 14.

Die Fürstenschule war keine neue Stiftung, sondern nur eine Fortsetzung und Erweiterung der vom 27. Abt Schopper gegründeten Schule, über welche oben bei den neun letzten Klosteräbten ausführlich berichtet worden ist. Auch wurde in der Fürstenschule keine neue Konfession eingeführt, da die Schopper’sche Schule bereits eine lutherische war. Georg Friedrich und seine Räthe gründeten die Fürstenschule in der besten Absicht. Sie sahen, – was auch wir in den vorigen Abschnitten gesehen haben – daß in ihrem Bereiche das religiös–sittliche Volksleben in allen Schichten auf einer sehr niedern Stufe stand und daß durch Leute, wie sie aus der Schopper’schen Schule hervorgingen, das Volk auf keine [14] höhere Stufe gehoben werden konnte. Sie beschlossen daher, ein besseres Institut zu gründen, in demselben religiös–sittliche Kirchen-, Schul- und Staatsdiener heranzubilden und durch deren Wirksamkeit das religiös–sittliche Volksleben zu verbessern. Leider entsprach aber der Erfolg, wie wir nachher sehen werden, den Erwartungen nicht. Schon vor dem Tode des letzten Klosterabts waren Georg Friedrich und seine Räthe bemüht, durch Verordnungen und Visitationen der Schopper’schen Schule einen besseren Geist einzuhauchen, jedoch vergebens. Sie projektirten daher eine bessere, umfassendere Lehranstalt und schritten auch sofort zur Ausführung, nachdem 1578 der letzte Klosterabt gestorben und das ganze Klostergut dem Markgrafen zugefallen war. Sie forderten zunächst (1579) gutachtlichen Bericht vom ersten Titularabt Limmer, und dieser beantragte in Gemeinschaft mit dem Verwalter und Richter: „daß man doch endlich die längst besprochene so nöthige Reform vornehmen und vorerst von den vorhandenen 31 Schülern die unfähigen entfernen möge.“ Der Markgraf, welcher damals als stellvertretender Regent im Herzogthum Preußen residirte, ließ seinen Generalsuperintendenten Francisci in Ansbach zu sich nach Königsberg kommen, um sich mit ihm zu besprechen. In Folge dieser Rücksprache erschien Francisci mit dem Statthalter Ernst von Krailsheim in Heilsbronn, beauftragt, im Verein mit dem Abt Limmer von den zur Fürstenschule ausersehenen Lokalitäten Einsicht zu nehmen und gutachtlich darüber zu berichten. Das Gutachten lautete: „Die Fürstenschule soll in das zweistöckige Schlafhaus, Dormitorium (s. Situationsplan) kommen. Darin sind 36 Zellen, in welchen vormals 72 Mönche, je 2 in einer Zelle, wohnten. Nach Wegnahme einiger Zwischenwände sollen aus diesen 36 Zellen 12 größere Kammern gebildet werden, jede mit 4 zweischläferigen Bettstellen, sonach für 96 Schüler. Da aber 100 Schüler untergebracht werden müssen, so soll für 4 eine dreizehnte Kammer neben dem Schlafhaus in der alten Communität zugerichtet werden. Im Schlafhaus wohnte sonst bei den 72 Mönchen der Prior; dessen Wohnung soll nun, zur Beaufsichtigung der Schüler, [15] der vierte Lehrer erhalten. Auch sollen noch zwei von den vier anzustellenden Lehrern ihre Wohnungen im Schlafhaus erhalten. Nur der Rektor soll auswärts wohnen. Für die vier Lehrer sind vier Lehrzimmer erforderlich, jedes 18 Fuß lang und 9 breit. Eines ist schon vorhanden, die sogenannte „Wärmstube“, das bisherige Lehrzimmer für die Schopperische Schule. Daran sollen sich die auf demselben Tabulat neuanzulegenden drei andern Lehrzimmer anschließen. Im Sommer sollen die 100 Schüler in ihren 13 Kammern, im Winter in den 4 Lehrzimmern arbeiten. Zur Ersparung von Kosten könnte jedem Schüler aufgegeben werden, sein Bettlein mitzubringen, dieses aber beim Austritt in der Anstalt zu belassen. Eine Speisstube ist neu zu bauen, am besten zu ebener Erde an das Schlafhaus anzubauen. Die bisherige Klosterküche ist für 100 Schüler zu klein, auch baufällig, sollte daher abgetragen und neu gebaut werden, gewölbt und mit der Speisstube durch einen Gang verbunden. Für kranke Schüler wäre die alte Kisterei (Wohnung des Kustos) einzurichten, die Stube und Kammer unten für den Knecht, welcher die Kranken pflegt, die Stube oben mit zwei Kammern für die Kranken. Das bisherige Badstüblein für die Schopperische Schule ist für 100 Schüler viel zu klein; für diese wäre die alte Badstube zu verwenden, darin vormals die Konventsherren ihr Bad gehabt.“ Abt, Verwalter und Richter erhielten den Befehl, Alles nach dieser Vorschrift zu vollziehen, und zwar noch vor Winters Anfang. Zugleich befahl die Regierung, die im Gasthaus (Burggrafenhaus) vorhandenen Betten für die Schule zu verwenden. Allein als man an’s Werk ging, ergab sich, daß der Generalsuperintendent und der Statthalter Zirkel und Maßstab nicht gebraucht hatten, daß die 36 kleinen Zellen zwar für 72 Mönche Raum boten, aber nicht für 100 Schüler mit ihren Koffern etc., daß die Lehrzimmer zu klein projektirt waren, daß von den vier Lehrern nur einer im Schlafhause untergebracht werden könne etc. Daher erneuerte Einsichtnahmen und Verhandlungen, bis man endlich definitiv beschloß, wie folgt: „Aus den 36 Mönchszellen sollen nicht 12, sondern 18 Kammern [16] gebildet werden, jede mit 2 zweischläfrigen Betten, sonach für 72 Schüler; 96 können darin nicht untergebracht werden. Um die noch übrigen 28 Schüler unterzubringen, muß das zweistöckige Schlafhaus ein drittes Stockwerk erhalten, in welchem 7 Kammern, jede mit 2 zweischläferigen Betten, sonach für 28 Schüler, anzubringen sind; dazu noch eine achte Kammer für den Fall, daß die Zahl der Zöglinge 100 übersteigen sollte. Die vier Lehrzimmer müssen viel größer werden, und zwar so lang, als das ganze Haus breit ist, daher quer durch das Haus von der östlichen bis zur westlichen Außenmauer, so daß sie ihr Licht von Osten und von Westen her erhalten. Da aber alsdann der von Süd nach Nord durch das Haus laufende Gang zu den Lehrzimmern gezogen wird, so muß außerhalb der Außenmauern ein Gang angebracht werden, von welchem aus man in die vier Lehrzimmer tritt. Als Unterlage für diesen Gang dienen die an der Außenmauer bereits vorhandenen Strebepfeiler. Die Eßstube soll zu ebener Erde angebracht werden unter den Lehrzimmern und wie diese quer durch das ganze Haus laufen. Von den vier Lehrern kann nur der vierte oder Kantor im Hause untergebracht werden. Die Betten im Gasthause können nicht in die Schule verbracht werden, da sie im Gasthause nöthig sind, besonders im Sommer für Maurer, Zimmerleute, Boten, Fuhrleute und reisige Knechte. Man könnte die Betten vielleicht am wohlfeilsten in Fürth und Zirndorf von Juden beziehen, die solche von nürnberger Bürgern in Versatz bekommen.“ Francisci’s Vorschlag: daß die Schüler ihre Betten mitbringen und in der Anstalt lassen sollten, war nicht im Sinne des Stiftungsbriefes, laut welchem vorzugsweise Schüler aus unbemittelten Familien aufgenommen werden sollten. Es wurden von Juden 37 zweischläferige Betten für 74 Schüler angekauft; die weiter erforderlichen 13 Betten für 26 Schüler waren bereits in der Schopper’schen Schule vorhanden. Die eben erwähnte Klosterküche ist theilweise noch vorhanden; sie bildet jetzt das Erdgeschoß des kleinen Hauses östlich vom Schlafhause. Nach Aufhebung der Schule ging die Küche ein und wurde verkauft. Der Käufer brach die noch theilweise [17] vorhandenen röhrenförmigen Räuchfänge ab und erbaute aus dem Deckgewölbe eine Wohnung. Nach Berichtigung des Bauplanes begannen die Bauveränderungen zwar noch im Herbst 1581, aber zu spät, so daß die Arbeit wegen eintretender Kälte bald eingestellt werden mußte. Während der langen Präliminarien im Laufe des Jahres erschien

Der Stiftungsbrief 17
Die Speiseordnung 25
Der Lektionsplan 25
Die Verhaltungsregeln 27

[27] Abt, Verwalter und Richter wurden von der Regierung angewiesen, den ihnen gegebenen Vorschriften pünktlich nachzukommen, insonderheit einer Instruktion über die Einrichtung der Kirche, über Ceremonien und Gesänge. Sie berichteten in diesem Betreff an die Regierung: „Gern hätten wir alles ins Werk gerichtet, hätte nicht der Herr Prediger Porphyrius sich widersetzt.“ Besonders heftig stritt man über die Versetzung der Kanzel. Wie bei dieser Gelegenheit der Prediger und der Richter einander begegneten, ist II, 115 berichtet worden.

Endlich waren die erforderlichen Lokalitäten so weit hergestellt, daß man Lehrer und Zöglinge einberufen konnte. Die 100 Zöglinge, mit welchen die Fürstenschule eröffnet wurde, waren: 1. Balth. Bernhold aus Gunzenhausen, 1589 vorübergehend Lehrer in Heilsbronn an der Fürstenschule, aber removirt. Siehe hernach. 2. Joh. Pfenning aus Ansbach und 3. Georg Pfenning, Brüder, beide entwichen schon im folgenden Jahre. Siehe hernach. 4. Joachim Döner aus Ansbach. 5. Ad. Haneke aus Jägerndorf. 6. Joh. Lang aus Walmersbach. „Ist 1587 [28] abgesprungen.“ Siehe nachher. 7. Barth. Hörauf aus Windsbach. 8. Raphael Schuler aus Ansbach. 9. Joh. Bapt. Weselius aus Ansbach. 10. Mart. Dosch, Pfarrerssohn aus Weidenbach; 1585 wegen unheilbarer Krankheit ganz entlassen. 11. Leonh. Hofmann aus Merkendorf; später deutscher Schulmeister in Heilsbronn. 12. Joh. Link aus Weißenbronn, 1591 Kaplan in Roth. 13. Balth. Porphyrius, Predigerssohn aus Heilsbronn. 14. Otto Ch. Faber, Richterssohn aus Heilsbronn, 1593 Kaplan in Langenzenn. 15. Wolfg. Melch. Stahel, Pflegerssohn aus Nördlingen. 16. Melch. Braun aus Windsbach. 17. Jak. Weigenast, Wirthssohn aus Heilsbronn. 18. Absal. Mayr, Dekanssohn aus Wassertrüngen, 1592 Kaplan daselbst. 19. Joh. Geißler aus Schalkhausen: „ein armer Waise, um Gotteswillen; 1583 durchgegangen.“ Diese 19 Zöglinge waren, wie vorhin erwähnt, aus der Schopperischen Schule übergetreten und insgesammt, Nr. 5 ausgenommen, unterhalb Gebirgs beheimathet. Die nun noch zu nennenden 81 Zöglinge waren, dem Stiftungsbriefe gemäß, theilweise Oberländer. 20. Gg. Baldauf aus Kitzingen, 1590 Kaplan daselbst. 21. Bapt. Clemens aus Hof. 22. Barth. Eberhard aus Arzberg, 1591 mit 4 fl. Viaticum abgefertigt wegen Krankheit. 23. Leonh. Beck aus Gunzenhausen, 1587 wegen unheilbarer Krätze ganz entlassen. 24. Wilh. Beck aus Roth. 25. Bernb. Blank aus Kitzingen. 26. Albr. Braun aus Weimersheim. 27. Gg. Brombeer aus Kulmbach. 28. Hierony. Caspar aus Neustädle. 29. Andr. Christiani aus Jägerndorf, 1592 dort angestellt. 30. Gg. Conradi aus Mainbernheim. 31. Leonh. Kraus (Crusius) aus Schwabach, wegen Unzucht relegirt. 32. Thom. Dietrich aus Kirchenlamitz. 33. Mtth. Engelhard aus Schwabach, 1593 Kaplan in Kreglingen. 34. Joh. Erhard aus Hof. 35. Joh. Ernst aus Auernheim. 36. Joh. Evander aus Kirchenlamitz, 1590 mit 4 fl. Viaticum entlassen, da er wenig lernte und kränklich war. 37. Joh. Faber aus Oberferrieden. 38. Chph. Fasold aus Bayreuth. 39. Nik. Flessa aus Mönchberg. 40. Dav. Gerhard aus Wassertrüdingen. 41. Bened. Häfner aus Westheim bei Windsheim. 42. Joh. Hanekam [29] aus Ansbach. 43. Mart. Hegwein aus Gnodstadt. 44. Veit Hell aus Roth, 1592 Kaplan daselbst. 45. Mich. Helmprecht aus Gefrees, gestorben 1628 als Pfarrer. 46. Erh. Hering aus Naila, 1590 krank entlassen. 47. Joh. Herpeck aus Weißenstadt. 48. J. F. Hetzel aus Leutershausen. 49. Joh. Hofer aus Koburg. 50. Joh. Hohenstein aus Krailsheim, 1631 in Ansbach gestorben. 51. Nik. Holl aus Creußen. 52. Phil. Horn aus Krailsheim. 53. Joh. Horn aus Onolzheim, wurde Pfarrer in Dornhausen. 54. Pancr. Hübner aus Kitzingen. 55. Fr. Alex. Hufnagel. 56. Paul Jachstein aus Kreut. 57. Ul. Junius aus Schwabach. 58. Pet. Ernst Karstörfer aus Hof. 59. Joh. Koler aus Heidenheim; wegen unheilbarer Krätze ganz entlassen. 60. Gg. Körner aus Pegnitz. 61. Joh. Landes aus Kleinlangheim, 1591 Pfarrer in Kirchfarrnbach. 62. Gg. Leonhardi aus Feuchtwangen. 63. Wolfg. Loer aus Melkendorf. 64. Joh. Lösselsberger aus Neustadt, 1590 krank entlassen. 65. Joh. Löser aus Ansbach, gestorben als Pfarrer in Dornhausen. Ueber ihn wird nachher Weiteres berichtet werden. 66. Nik. Mayr aus Ansbach. 67. Joh. Müller aus Ansbach. 68. Osw. Münch aus Prichsenstadt, 1590 krank entlassen. 69. Joh. Netter aus Feuchtwangen, 1585 wegen unheilbarer Krankheit ganz entlassen. 70. Joh. Nuser aus Ansbach, 1590 krank in ein Bad. 71. Gg. Oesterreicher aus Willensheim. 72. Joh. Pfentner aus Wonsees. 73. Chph. Piger aus Kulmbach. 74. Joh. Rauscher aus Plofelden. 75. Joh. Reinmann aus Leobschütz in Schlesien. 76. Gg. Rigel aus Feuchtwangen. 77. Pet. Risch aus Langenzenn. 78. Chph. Rosenschon aus Kulmbach. 79. Mtth. Rumpfer aus Plech. 80. Fr. Schaller aus Krailsheim, 1599 Kaplan in Ansbach. 81. Hein. Schmid aus Kitzingen. 82. Zach. Schnabel aus Kulmbach. 83. Joh. Schneider aus Steinbach bei Kadolzburg, gestorben 1584. 84. Joh. Schnürlein aus Wassertrüdingen. 85. Joh. Schwab aus Uffenheim. 86. Nik. Senfft aus Kulmbach, 1601 Kaplan daselbst. 87. Wolfg. Silberhorn aus Weißenstadt, 1590 krank entlassen. 88. Joh. Solleder aus Kreglingen. 89. Gg. Speckner aus Creußen. 90. Leonh. Spengler [30] aus Wirsberg. 91. Tob. Stegmann aus Jägerndorf. 92. Pet. Stör aus Bretheim, 1583 entlaufen. 93. Fr. Taubmann aus Wonsees. Über ihn wird nachher Näheres berichtet werden. 94. Wolfg. Thumser aus Hof. 95. Rich. Voigt aus Weißenburg. 96. Gabr. Volland aus Schwabach. 97. Joh. Wagner aus Dachsbach. 98. Johann Widmann aus Kadolzburg. 99. Gg. Winter aus Wunsiedel. 100. Mich. Wolfart aus Neustadt.

Die vier Lehrer, mit welchen die vierklassige Fürstenschule eröffnet wurde, waren: 1. M. Franziskus Raphael, Rektor, poeta laureatus, geboren 1533 in Sachsen, Konrektor in Eisleben und Ansbach, dann Dechant in Feuchtwangen, 1582 Rektor in Heilsbronn, aber nur zwei Jahre lang, zuletzt Konsistorialrath in Ansbach. 2. M. Joh. Codomanus, Konrektor, geboren in Schauenstein, studirte in Wittenberg, wurde Rektor in Kulmbach, 1582 Konrektor in Heilsbronn, später Rektor daselbst, dann Konsistorialrath in Kulmbach. 3. M. Wenzeslaus Gurkfelder, geboren in Jägerndorf, von 1562 bis 68 Schüler in der vom Markgrafen Georg gegründeten Lateinschule in Ansbach, dann zehn Jahre lang Student in Wittenberg und im Genuß eines ansbacher Universitätsstipendiums, bis er 1579 abberufen und Schulmeister an der Schopper’schen Schule wurde, die er vier Jahre lang, bis 1582, leitete, aber nicht zu heben vermochte. Nachdem an deren Stelle die Fürstenschule getreten war, fungirte er an dieser sechs Jahre lang (bis 1588) als dritter Lehrer, Tertius, dann 13 Jahre lang als Konrektor, bis er 1601 Konsistorialsekretär in Ansbach wurde, wo er starb. Er war ein fleißiger Geschichtsforscher. Während seines 23jährigen Aufenthalts in Heilsbronn machte er die dort vorhandenen Grabmonumente und Archivalien zum besondern Gegenstand seiner Forschungen. Eine Frucht derselben war ein dem Markgrafen Georg Friedrich überreichter Stammbaum und die Ergänzung und Berichtigung einer von dem Doktor der Medizin Johann Moninger in Kulmbach gefertigten zollern–brandenburgischen Genealogie, welcher nach Gurkfelder’s Tod dessen Schwager, der Richter Keck in Heilsbronn, noch einige Bemerkungen beifügte. Was Gurkfelder über [31] die Genealogie der Herren von Eib schrieb, ist wiederholt veröffentlicht worden, z. B. von Hocker (Antiq. S. 215 f.) und neuerlich von Dr. Laurent im 34. Jahresb. des hist. V. von Mittelf. v. J. 1866, S. 63 f. Ohne Zweifel ist er auch der Verfasser eines Manuskripts mit dem Titel: Monumenta antiquitatis, quae in templo monasterii Heilsbronnensis passim obvia cernuntur. Das niemals gedruckte Manuskript ist vielleicht nicht mehr vorhanden; es wurde aber wiederholt abgeschrieben; der fleißigen Kopisten ist oben oft Erwähnung geschehen. Einer dieser Kopisten und Gurkfelders Schüler war der bei Nr. 65 im vorstehenden Schülerverzeichniß genannte J. Löser, den wir noch näher kennen lernen werden. 4. Arnold Wetzel, der unterste Lehrer, fungirte als solcher nicht lange und wurde Pfarrer in Sammenheim.

Raphael, der erste Rektor, kam schon nach zwei Jahren weg. Sein Nachfolger M. Joh. Hertel starb schon nach vierjähriger Amtsführung. Ihm folgte, wie schon erwähnt, Codomanus, welcher bis 1602 in Heilsbronn war. Diese drei Rektoren waren wohlgesinnte und gelehrte Männer. Gleichwohl wollte unter ihrer und des Abts Limmer Leitung die Anstalt nicht jugendlich frisch und fröhlich aufblühen und gedeihen. Es fehlte bei den Leitern Energie und Zusammensicht. Nach kaum einjährigem Bestehen der Anstalt berichteten die von Onolzbach zur Visitation und Herbstprüfung abgeordneten Kommissäre wie folgt: „Die Schuldiener verweigern die Leistung des ihnen vorgelegten Juraments. Der Koch kocht unsauber und oft Ungenießbares. Die Präceptoren klagen über ihren sauern Besoldungswein.“ Dazu kam manches Mißgeschick in der Schule selbst. Schon im zweiten Jahre ihres Bestehens entliefen die vier Schüler Georg und Johann Pfenning, Geißler und Stör (Nr. 2, 3, 19, 92), darunter drei aus der Schopper’schen Schule Übergetretene. Auf Regierungsbefehl wurden an ihrer Stelle vier andere Schüler aufgenommen. Georg Pfenning stellte sich wieder und es ergab sich, daß er, ein talentloser Knabe, mehr aus Unverstand entlaufen war. Man beschloß, ihn als Aufwärter beizubehalten, „damit [32] er sich nicht dem Papstthum und andern bösen Stücken zuwenden möge.“ Im zweiten Schuljahre zeigten der Abt Limmer und der Rektor Raphael beim Konsistorium an, daß der Gymnasiast Schneider (Nr. 83) am 17. Mai „unwissenderweise ohne besondere Wart und Pflege gestorben sei“, und erhielten darauf einen derben Verweis mit dem Beifügen: „daß es der Fürstenschule böse Nachreden bereiten müsse, den Knaben nicht besser beobachtet, in Todesnöthen ohne Trost und ohne Gottes Wort gelassen zu haben.“ Im dritten Schuljahr zeigte sich bei den drei Schülern Dosch, Beck und Netter (Nr. 10, 23, 69) eine ekelhafte Krankheit. Auf erstattete Anzeige wurde der Doktor Jos. Regulus nach Heilsbronn gesendet, welcher über den Befund berichtete: „Beck ist krätzig an Händen und Füssen, vermuthlich Folge von Erfrörung vor zwei Jahren und weil er noch jetzt sich nicht warm genug kleiden kann aus Armuth; ist heilbar bei besserer Verköstigung und Pflege. Dosch, schon ziemlich alt, ist heilbar bei besserer Speise und Trank. Netter litt schon daheim, sein Arzt meinte an morbus gallicus bedarf reinlicher Wäsche etc.“ Die Regierungsräthe gaben hierauf die erforderlichen Weisungen: „daß der Koch die Küche nicht seinem Küchenjungen überlassen soll etc.“ Dosch war unheilbar und mußte „wegen seines Aussatzes“ sofort aus der Schule entlassen werden; später auch die zwei andern, da sie gleichfalls unheilbar waren. Gleichzeitig wurde der Zögling Kraus (Nr. 31) vier Tage lang bei Wasser und Brot eingesperrt, dann für immer relegirt und sein Vater zur Vergütung des Aufwandes für Kost, Kleidung etc. aufgefordert. Der Bursche fungirte zuweilen als Schreiber beim Abt Limmer in dessen Wohnung, ließ sich aber mit der Magd des Hauses in ein schlechtes Verhältniß ein. Dem Abt wurde befohlen, künftig keine Gymnasiasten mehr als Schreiber zu gebrauchen. Das Verhalten der meisten Schüler war schon jetzt (1585) im dritten Jahre des Bestehens der Schule so anstößig, daß die Räthe nach abgehaltener Visitation in ihrem Bescheid Folgendes eröffnen und befehlen mußten: „Wir befinden, daß sich der Mehrtheil der Knaben eine Zeither gegen ihre Präceptores alles Ungehorsams befleißen. Solchem Muthwillen mit [33] Ernst zu begegnen, haben wir unsern Rath und Advocaten Zangmeister abgefertigt und ihm befohlen, den gedachten Knaben solchen Muthwillen zu verweisen. Ihr sollt mit Ernst daran sein, dergleichen Muthwillen zu strafen, oder im Fall es nicht fruchten sollte, die Sach an uns zu berichten. Die gegebene Schulordnung ist bisher schlecht gehandhabt worden. Jeder Diener des Klosters handelt seines Gefallens.“

In demselben dritten Schuljahr verordnete Georg Friedrich, wieder von Preußen aus, daß alljährlich 1000 Gulden aus dem Klosterfond für Universitätsstipendien gezahlt werden sollten, und zwar an 20 Studenten a 50 fl. Es war dieses das erste Jahr, in welchem Abiturienten der Fürstenschule eine Universität beziehen sollten, und zwar folgende sieben: Bernhold, Link, Porphirius, Landes, Schwab, Stegmann und Volland (Nr. 1, 12, 13, 61, 85, 91, 96). Nach des Markgrafen weiterer Verordnung mußte jeder Stipendiat und dessen Bürge einen Revers folgenden Inhalts ausstellen: „Ich ..... bekenne, nachdem der durchlauchtigste Fürst mich mit einem Stipendio bedacht, daß ich bei meinen christlichen Worten an Eidesstatt kraft dieses Briefes zugesagt habe, daß ich mich auf die Universität zu ..... zu dem Studio der heiligen Schrift begeben und demselben mit Eifer nachjagen, mich fromm halten, geziemende Kleidung gebrauchen, aller leichtfertigen ärgerlichen und köstlichen Kleidung enthalten will. Wenn ich dann zur Nothdurft der Kirche und Schule zu gebrauchen tauglich bin, so will ich schuldig sein, meinem gnädigen Fürsten und seinen Erben auf Erfordern gegen billige Besoldung zu dienen. Wo ich meinem Studio nicht mit Fleiß nachginge und mein Stipendium unnützlich verzehren, oder durch mein Verschulden der Herrschaft nicht dienen würde, so will ich alles, so von der Herrschaft auf mich gewendet, wieder erstatten. Und damit mein gnädiger Fürst meines Stipendii wieder habhaft werden kann, so hab ich den ..... (meinen Vater, Vetter, Schwager, ehrsamen Bürger etc.) zu selbstschuldigen Bürgen gesetzt. Und wir ..... bekennen, daß wir des ..... (unseres Sohnes, Vetters etc.) schuldige Bürgen worden sind bei Verpfändung [34] unserer Hab und Güter. Deß zu Urkund haben wir die Herren .... (Rathsbürger, Bürgermeister, Richter etc.) gebeten, daß sie ihre Insiegel fürgedruckt haben. Actum etc.“ Diesen Revers stellten sechs von den genannten Abiturienten aus; aber der siebente, Volland, konnte wegen Armuth keinen Bürgen stellen. Allein man erließ ihm, da man ihn für solid hielt, die Bürgschaftleistung und begnügte sich mit dem nur von ihm ausgestellten Revers, ließ ihn jedoch einen Eid schwören. Darauf sollte er im Herbst 1585 nach Wittenberg ziehen. Da aber die dortige Universität wegen der Pest aufgelöst war, so mußten alle sieben Abiturienten vorerst noch in Heilsbronn bleiben. In dieser Zwischenzeit kam Vollands liederliches Leben an den Tag. Er hatte sich einen Schlüssel verschafft, in mancher Nacht mit seinen Kommilitonen Julius und Oesterreicher (Nr. 57 und 71) im Wirthshause gezecht und die Magd des Küchenmeisters zu Fall gebracht und ihr versprochen, sie nach seiner Rückkehr von Wittenberg zu ehelichen. Er entzog sich der Bestrafung durch die Flucht, die Magd gleichfalls. Die weitläuftigen Verhandlungen über diese Sache zeugen von großer Fahrlässigkeit Seitens der Aufsichtsbehörden bei der Schule. Nach dem Aufhören der Pest in Wittenberg zogen die genannten sechs Abiturienten dahin mit noch fünf andern Zöglingen der Fürstenschule. Der Professor der Medizin Albert in Wittenberg wurde von den ansbacher Räthen ersucht, die Studien und Sitten der Stipendiaten zu überwachen und, wenn sie sich des Stipendiums unwürdig zeigen sollten, es anzuzeigen. Einer dieser Stipendiaten, Hübner (Nr. 54) starb zu Wittenberg im folgenden Jahr. Einer verlor das Stipendium „wegen Verbrechens“. In Heilsbronn ergab sich auch während der folgenden Jahre viel Unerfreuliches. Der Fürstenschüler Wiegelein, Baderssohn aus Ansbach, kam wegen Exzesse bei einer Tanzmusik im Wirthshause in’s Gefängniß. Bei dieser Gelegenheit berichtete der Verwalter an die Regierung: „Ich kann bei den Schülern im Trinken und Heimgehen nicht Ordnung halten und die bei Eröffnung der Schule gegebene Instruktion nicht durchführen, da die Herren Präceptores selbst darin nicht Maß [35] und Ordnung halten.“ In Gegenwart der Regierungsräthe wurde weitläuftig verhandelt über den verwaisten Joh. Lang (Nr. 6), welcher auf fürstlichen Befehl in die Schopperische Schule und 1582 in die Fürstenschule aufgenommen worden war. Die ihm vorgehaltenen Gravamina waren: „Hat sich die ganze Zeit, da er hier versiret, alles Muthwillens beflissen, alle Hundsecken gesucht und Bubenstücke verübt, stetig mit den Weibern Schande und Laster getrieben, auf einer Hochzeit in Weißenbronn den Knechten vorgetanzt und sich gegen die Weiber so üppig gehalten, daß die Knechte ihn wollten zum Haus hinaus schlagen; hat auch über seine Präceptores geschnalzt.“ Auf die Inquisition folgte Relegation und Beschlagnahme seines Vermögens zur Vergütung von 20 und 30 Gulden, welche in beiden Schulen auf ihn verwendet worden waren. Sein ehemaliger Mitschüler in beiden Schulen, Bernhold (Nr. 1), vorhin unter den ersten Abiturienten genannt, gab gleichfalls viel Ärgerniß. Nach Vollendung seiner Studien in Wittenberg wurde er 1589 bei der Fürstenschule angestellt, obgleich er schon früher übel beleumundet war. Bald nach seiner Anstellung kam er wegen heimlicher Ehe in Untersuchung „zwei Tage und Nächte lang in die Custodia, auch zur Warnung für die Alumnen,“ und dann durch Stellentausch nach Ansbach. 1592 wurden 10 Schüler „wegen harter ingenia“ ausgewiesen mit dem Regierungsbescheid: „sich keiner widerwärtigen Religion zuzuwenden.“

Aus den vorstehenden Aktenmittheilungen erhellt, daß viele der 100 Erstlinge in der Fürstenschule kein guter Geist beseelte. Sie waren Kinder ihrer Zeit, und daß in ihrer Zeit, im ganzen Reformationsjahrhundert, das Familienleben im Allgemeinen kein wohlgeordnetes war, haben wir im VI. Absch. gesehen. Die Zöglinge kamen nicht wohlgezogen in die Anstalt und blieben in derselben, was sie vorher waren. Das Zusammenleben in dergleichen Instituten wirkt nur selten sittlich bessernd, oft aber verschlimmernd ein, zumal wenn, wie bei der Fürstenschule, tüchtige Leitung fehlt, oder gar, wie in Heilsbronn, unter den Leitern selbst kein guter Geist herrscht, Zeuge folgender Aktenmittheilung: [36] Im zwölften Jahre des Bestehens der Fürstenschule wurde der bisherige Verwalter Faber quiescirt, an seine Stelle Heinold gesetzt und dessen Ernennung unt. 17. Mai 1594 von Georg Friedrich dem Titularabt Wolschendorf, dem Richter Keck und allen Klosterdienern eröffnet mit dem Beifügen: „Und dieweil auch unter den Dienern und andern Personen im Kloster bisher viel unnöthiger Streit, Gezänk und Widerwärtigkeit entstanden, dadurch wir bei unserer Rathsstube allhie mit solchen verdrießlichen und vergeblichen Händeln oftmals überlaufen und an andern nothwendigen Sachen verhindert werden: als ist hiermit unser ernstlicher Befehl, wollet die Verfügung thun, damit hinfüro dergleichen Gezänk und Widerwärtigkeit verbleiben möge; auch den Dienern und andern Klosterpersonen mit Ernst befehlen, dem neuen Verwalter besseren Gehorsam, als zuvor beschehen, zu leisten, wie denn gegen die Verbrecher ernste Straf vorgenommen werden soll.“ Was Georg Friedrich, laut Stiftungsbrief, Gutes wollte, kam meist nicht zum Vollzuge, da die rechten Vollzugsorgane fehlten. Doch ging es immer noch besser von 1582 bis 1603, so lang Georg Friedrich noch lebte. Nach seinem Tode erhielt jedes der beiden Fürstenthümer einen eigenen Regenten, während die Fürstenschule beiden Regenten untergeben war, zweien Herren dienen mußte, die nicht Hand in Hand miteinander gingen. Diese zweiköpfige Herrschaft brachte die Fürstenschule immer tiefer herab und führte schließlich zur Aufhebung derselben, wie im XI. Absch. berichtet werden wird.

Daß unter den 100 Erstlingen in der Fürstenschule auch gutgeartete waren, zeigen schon die einigen Namen im obigen Schülerverzeichniß beigeschriebenen kurzen Notizen. Die Abiturienten (vier ausgenommen) erhielten in Wittenberg 6 bis 9 Jahre lang jährlich 50 fl. Stipendium von Heilsbronn; Einige magistrirten und wurden dann in ihrer Heimath als Kirchen- oder Schuldiener angestellt. Über die Nachgenannten findet man in den heilsbronner Aufzeichnungen folgende Notizen:

Friedrich Taubmann 36
Johann Löser 38

[41] Außer ihm ging aus der Fürstenschule vom Jahre ihrer Eröffnung an bis zu ihrer Zerstreuung kein namhafter Mathematiker hervor. Doch wird von Einem berichtet, daß er mathematische Instrumente fertigte und vervollkommnete; er hieß Jak. Elrod, war aus Kulmbach, von 1623 bis 31 heilsbronnischer Stipendiat und wurde Pfarrer in Gefrees. Von allen Andern (über 300), welche in jenen 49 Jahren ihre Gymnasialbildung in Heilsbronn erhalten hatten, zeichnete sich keiner als Gelehrter aus. Erst am Ende jener Periode findet man in den Stipendiatenverzeichnissen drei in der Gelehrtenwelt bekannt gewordene Namen: Baldauf, Böckler und Frischmann. Joh. Baldauf aus Bayreuth studirte in Wittenberg, erhielt dort sein Stipendium noch i. J. 1632, dann aber nicht mehr, da in Heilsbronn nicht nur die Schule, sondern auch die Amtskasse völlig geleert und ohne Zufluß war. Er wurde Professor der hebräischen Sprache in Helmstädt, dann in Leipzig, zuletzt Generalsuperintendent in Hoya. Joh. Hein. Böckler aus Kronheim, ging nach Auflösung der Fürstenschule nach Straßburg, wurde daselbst Professor der Beredtsamkeit und in der Thomaskirche, wie sein dortiges Epitaph besagt, begraben. Joh. Frischmann aus Kulmbach verließ die Fürstenschule im Jahre vor ihrer Zerstreuung und wurde späterhin bei einer Gesandtschaft angestellt.

Es waltete, wie wir gesehen haben, in der Fürstenschule gleich von vornherein und während der ersten 31 Jahre kein guter Geist. Und doch war diese erste Zeit noch die bessere. Es wurde schlimmer nach dem Tode (1603) Georg Friedrich’s, welcher kinderlos starb. Seine Erben waren seine Vettern Joachim Ernst und Christian. Jener erhielt Ansbach, dieser Bayreuth. Heilsbronn blieb gemeinschaftlicher Besitz. Die dortigen Pfarrer, Gymnasiallehrer und weltlichen Beamten wurden alternirend ernannt. Onolzbach bevorzugte die von dort aus Ernannten; Bayreuth begünstigte seine Erwählten; die Folge davon war unaufhörlicher Hader. Alle Berichte, Bitten und Vorschläge mußten [42] an beide Regierungen gesondert eingereicht werden; die hierauf erfolgten Bescheide widersprachen einander sehr oft, worauf weitläuftige Verhandlungen und kleinliche Quälereien folgten, z. B. wenn man in Bayreuth gewahr wurde, daß die Zahl der onolzbachischen Alumnen um Einen größer war, als die der bayreuther, und umgekehrt. Jede Kleinigkeit führte zu Konflikten. Bei der Revision der Apothekerrechnungen von 1624 ergaben sich Unterschleife von Seite des Verwalters Müller; denn es fanden sich Ausgaben für nicht gelieferte Arzneien und Rezepte für gar nicht vorhandene Schüler. Die beiden Regierungen ergriffen einmüthig geeignete Maßregeln gegen die Wiederkehr von dergleichen Betrügereien, gingen aber sofort wieder auseinander, um sich gegenseitig zu chikaniren. Apotheken und Rezepte gaben dazu erwünschte Gelegenheit. Bayreuth befahl, daß Rezepte für einen oberländischen Alumnus nur bei dem aus Hof gebürtigen Apotheker Hochmuth, und nicht in der onolzbacher Hofapotheke gefertigt werden durften; Onolzbach verfügte in gleicher Weise zu Gunsten des Hofapothekers. Ähnlich wurde es noch nach hundert Jahren gehalten: die bayreuther Rezepte wurden in Neuhof, die onolzbacher in Heilsbronn gemacht, nachdem an beiden Orten Apotheken errichtet worden waren. 1622 reichte die ganze Schülergenossenschaft bei den in Heilsbronn tagenden Räthen eine Beschwerde gegen den ebengenannten Verwalter ein, welcher ihnen ihr Deputat nicht gebührlich und nicht rechtzeitig reiche. „Hat aber wenig gefruchtet und ist solche Procrastination nur noch mehr eingerissen.“ Die Beschwerdeführer erneuerten daher zwei Jahre darauf ihre Beschwerde, zugleich auch gegen die Frau Verwalterin, „welche ihren Fleiß in Besserung unserer Betten und anderem Gewand spart.“ In der Schule mußten nach wie vor dem Tode Georg Friedrichs stets Auswürflinge inquirirt und relegirt werden. 1613 befahl der Markgraf Joachim Ernst dem Amtmann und Bürgermeister in Gunzenhausen, den Vormund des Alumnus Lacher von dort anzuweisen, die auf diesen verwendeten 150 fl. zu vergüten, „da er solch sträfliche Händel begangen habe, daß er von dem Beneficio gänzlich abgeschafft werde.“ 1615 wurde [43] der Wirth in Weißenbronn um 10 fl. gestraft, „weil er Alumnos nächtlicherweil eingelassen habe.“ Gleichzeitig wurden acht Alumnen (Perca, Pirtsch, Körber, Crinesius, Vogtherr, Zink, Eck und Christel) zu Ruthenstreichen verurtheilt. Während der Untersuchungshaft im Gotzenloch oder weißen Thurm (1771 völlig niedergerissen) setzten sie ihre Exzesse fort, ließen sich vom Buben des Amtsknechts Karten, Licht und Geige bringen, schrieben durch den Badersjungen Brieflein an ihre Kameraden etc. Deßhalb vom Richter Keck verhört, lautete ihre Aussage: „Haben geschlafen, nicht gespielt, nicht gejauchzt. Licht haben wir nur gewünscht, um zu sehen, wie es im Thurm aussieht etc.“ Ihrer Bitte um Entlassung schrieb der Titularabt Mehlführer bei: „Sind alle acht schlechte Bursche, voll Trotz und Lüge, keiner Verzeihung würdig, sollen abgewiesen werden.“ Zwei andere Gleichgesinnte verfaßten im Gefängniß ein Gesuch um Erledigung mit dem Beifügen: „Von dieses Gefängnisses squalor liegen wir also darnieder, daß Abbruch von Gesundheit zu fürchten ist und es uns Sinne und Vernunft raubt. Auch sind wir vorige Nacht durch Ungetüm erschreckt und fast abkräftig worden.“

Der dreißigjährige Krieg machte sich in den ersten Jahren durch Theuerung und Mangel der Schule fühlbar. Die Haushaltung mußte beschränkt werden; die Schüler konnten nur über den andern Tag Fleisch erhalten. Im Mai 1631 lief die Schreckensbotschaft von der Zerstörung Magdeburgs ein. Tilly, bei Breitenfeld geschlagen, zog in die Taubergegend. Gustav Adolf folgte ihm, worauf Tilly die Taubergegend verließ und durch das Bibertthal gegen Nürnberg zog. Nach Heilsbronn kamen in den ersten Novembertagen nur einzelne streifende Reiter. Beim Herannahen des Heereszuges beschloß man, die Fürstenschule zu schließen. Die Schüler gingen zu den Ihrigen, der Abt und der Verwalter nach Ansbach, der Rektor, Konrektor, Tertius, Kantor, Küchenmeister und Andere nach Schwabach. Die am 3., 4., 5., 6., 8. und 9. November einziehenden Reitertruppen begegneten nicht dem geringsten Widerstand. Über diese sechs Tage wird im folgenden X. Abschnitt Näheres berichtet werden. Noch im [44] Laufe des November, nachdem Tilly’s Heer vorübergezogen war, kehrten die ebengenannten Flüchtlinge aus Ansbach und Schwabach nach Heilsbronn zurück und blieben daselbst bis zum Frühling des folgenden Jahres, um mit den beiden Regierungen zu berathen, was weiter zu thun sei. In Folge dieser Berathung wurde beschlossen, die Schule sofort wieder zu eröffnen. Besonders wünschte dieses der Markgraf Christian von Bayreuth. (Sein Bruder Joachim Ernst von Onolzbach war 1625 in Heilsbronn begraben worden.) Er resolvirte unter dem Datum: Kulmbach, 28. Apr. 1632: „Liebe Getreue. Euch ist bewußt, welchergestalt Heilsbronn von dem Tilly’schen Kriegsvolk ausgeplündert worden und daß die Präceptores und Alumnen an andere Orte sich eine Zeitlang begeben müssen und also das Schulwesen daselbst liegen geblieben, auch daß unsere Gefälle merklich verloren haben. Weil aber den beiden Fürstenthümern nicht wenig daran gelegen, daß das Kloster, als ein vornehmes Kleinod dieser Lande, wieder in Gang gerichtet werde, so haben wir dieses christliche Werk durch unsere Räthe und unsern Kreistag zu Nürnberg angreifen lassen unter Zuziehung des Abts, damit der Schule aufgeholfen und die Alumnen wieder zur Stelle gebracht werden. Wir haben daher resolvirt: 1. Die Professores sollen sich wieder einfinden und ihre vorige Besoldung erhalten, aber sich akkomodiren, wenn diese nicht pünktlich erfolgen kann. 2. Die Lehrerstelle von der zweiten Klasse soll nicht wieder besetzt werden, um die Besoldung zu ersparen. 3. Die Zahl der Alumnen soll auf 60 reduzirt werden. 4. Der Arzt soll keine so kostbaren Arzneien verschreiben, wenn wohlfeilere da sind. Alles dieses nur zum Versuch, längstens auf ein Jahr.“ Leider konnte, da die Geldmittel fehlten, nicht einmal der Versuch gemacht werden. Erst nach 24 Jahren war man im Stande, die Schule wieder zu eröffnen. Davon hernach im XI. Abschnitt. Hier nur noch einige Notizen über die 6 Rektoren und 3 Prediger, welche während der 49 Jahre von der Gründung der Fürstenschule an bis zu ihrer Zerstreuung in Heilsbronn angestellt waren.

Rektoren 45
Prediger 45

  1. Vgl. Stillfried S. 49.
« Die fünf Titularäbte Limmer, Francisci, Wolschendorf, Wickner und Mehlführer Geschichte von Kloster Heilsbronn
Heilsbronn im dreißigjährigen Kriege »
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