Miscellaneen (Journal von und für Franken, Band 4, 3)

Textdaten
<<< >>>
Autor: Diverse
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Miscellaneen
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 4, S. 375-392
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: Raw
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Nürnberg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Miscellaneen (Journal von und für Franken, Band 4, 3).pdf
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


|
X.
Miscellaneen.


1.
Aus dem Hohenlohischen im Anfang des Monats März.
 Das in das Hohenlohische eingerückte Französisch-Prinzliche Corps macht bereits in allem gegen 2000 Seelen aus. Sein Chef Mirabeau ist ein kleiner, sehr dicker, aber dabey recht ansehnlicher Mann, besonders zu Pferde, und dabey ungemein höflich. Das Corps besteht aus Fußvolk. Ihre Uniformen sind alle schwarz mit hellblau ausgeschlagen, und sie tragen Casquets mit großen Roßschweifen, welche den ganzen Hinterkopf bedecken, und bis auf den Rücken gehen; die Adelichen und von gutem bürgerlichen Stande weiß, die andern schwarz. Die Cavallerie besteht aus Husaren, Grenadiers a Cheval, schweren Reitern und Uhlanen. Die reitenden Grenadiers sind wieder meistens Adeliche und Volontairs. Einige Compagnien zu Fuß sind auch schwarz und roth, und die Jäger grün und schwarz. Man muß von ihnen beynahe durchgängig sagen, daß es ausgesuchte schöne junge Leute sind, und durchaus aufs beste montirt und beritten, und sehr höflich. Sie sind in Wirthshäuser und andere öffentliche| Gebäude gelegt worden, und kein Unterthan ist gezwungen, sie einzunehmen, wenn er es nicht freywillig thut: und das thun sie nun, weil sie alle baar und gut bezahlen. Geld haben sie noch zur Zeit genug und man kann nicht genug gedoppelte Louisd’or wechseln. Man hat noch von keiner Unordnung gehört, und die Mannszucht ist sehr scharf.


2.

 Im Monate Februar verlor Franken folgende wichtige Geschäfftsmänner durch den Tod. Am 9ten dieses starb in Coburg der geh. Rath und Consistorial-Präsident Hofmann im 54sten Jahre seines ruhmvollen Alters an einem Schlagflusse; und am 18ten starb der geh. Rath und Kanzler Martin Christian Grimm in Meiningen, alt 68 Jahre. Ihre vorzüglichsten Lebens-Umstände und Thaten verdienten allerdings in einem Journal von und für Franken einer genauern Erwähnung.


3.

 Am 28. Febr. starb zu Erlangen Herr Hofrath Joh. Christoph Rudolph, Senior der Universität und erster Professor der Rechte im 70sten Jahre seines Lebens.


4.
 Am 13ten März starb zu Nürnberg Herr Johann Leonhard Staudner, ehemahliger Reichsstadt-Nürnbergischer Consulent, nachher Reichsgräflich Erbtruchseßischer Hofrath und Sachsen-Hildburghäusischer Rath, im 56sten Jahr seines Alters. Ein Theil seiner Lebensgeschichte steht in| dem V Hefte der Bockischen Sammlung von Bildnissen gelehrter Männer und Künstler, welches so eben erschienen ist.


5.

 Dem bisherigen Rath und ersten Bibliothekar Herrn Walch, ist von dem Herrn Herzog zu Sachsen Meiningen wegen seiner diplomatischen Kenntnisse, mit Beybehaltung aller seiner bisherigen Functionen die Aufsicht über das geheime und Regierungs-Archiv übertragen, und derselbige zum geheimen Archivar ernannt worden.


6.

 Herr Johann Heinrich Stepf, ordentlicher Advocat der Reichsstadt Schweinfurt und bisheriger Beysitzer des äussern Raths, bekannt durch seine in Nürnberg herausgekommene Schrift: Lehre vom Contradictor bey einem förml. Schuldenwesen, ist im Dec. vorigen Jahrs bey der ordentlichen Rathswahl zu Schweinfurt zu einem Beysitzer des innern Raths erhoben worden.


7.
Aus Wirzburg den 8ten März. 

 Der ehemahlige Kanonikus im Stift Haug, nun Licentiat Herz, hat von unserm Fürstbischoffe den Befehl erhalten, sich eiligst nach Hamburg zu begeben, um den Professor Büsch, der wegen seines hohen Alters seine Vorlesungen wahrscheinlich bald einstellen wird, in der Kameralwissenschaft zu hören.


|
8.
Ebendaher. 

 Der Wunsch aller aufgeklärten redlichen Seelsorger, einen zweckmäßigern Katechismus zu erhalten, nähert sich seiner Erfüllung immer mehr. Die schon bereits vor 3 Jahren unter der Direction des würdigen Herrn Weihbischoffs Fahrmann zur Verfertigung desselben niedergesetzte Commission wird denselben ehestens dem Drucke übergeben.


9.
Ebendaher. 

 Es ist im Werke, daß die einzige weitschichtige Pfarre in den 4 Domvierteln dahier getrennet, und aus derselben 3 neue errichtet werden sollen. Lauter Schritte zur Beförderung der Aufklärung und Wiederherstellung des alten pfarrlichen Gottesdienstes. Der über 50000 fl. reiche Dompfarrer, Herr Staupach, will seine Pfarre resigniren, und mit seinen zwey – über 700 fl. jährlich eintragenden Beneficien seine Lebenstage in Ruhe beschliessen.


10.
Ebendaher. 

 Herr Professor Andres hat von unserm Fürsten den Befehl erhalten, öffentliche Vorlesungen über das Schul- und Erziehungswesen anzustellen. Dieser Mann kann gewiß in diesem Fache großen Nutzen stiften.


|
11.
Aus Kitzingen. 

 Da am 28 Febr. unser Pfarrer Hecht gestorben ist, der ein Gegner aller Neuerungen und Verbesserungen in der Schulmethode war, und Herr Adjunct Frobenius vermuthlich diese Stelle erhalten wird, so wird es mit den hiesigen evangelischen Schulen gewiß auch besser gehen. Die evangelischen Industrieschul-Anstalten sind durch den Eifer des Herrn Senator Billing schon sehr weit gediehen.


12.
Aus Bamberg. 
 Bey unserer Universität fielen viele Veränderungen vor. Herr geistl. Rath und Professor der Moraltheologie Dietz, ward zum Regenten des Ernestinischen Priesterpflanzhauses; und Herr geistl. Rath und Professor der Dogmatik Stenglein zum Hofcaplan und Hofmeister der fürstl. Edelknaben ernannt. An ihre Stelle traten der bisherige Professor der Philosophie, Herr Kanonikus Daum, als Professor der Moraltheologie, der auch zum wirkl. geistl. Rathe und Director des Universitätshauses und der Gymnasiumschulen ernannt wurde, und Herr Geuß, zeither Caplan zu Gößweinstein, als Lehrer der Dogmatik. Zum andern Lehrstuhl der Dogmatik soll Herr Pfarrer Sauer zu Erlang bestimmt seyn. Herr Reuder, Professor der Philosophie, kam anstatt des Herrn Daums als Vorsteher ins Marianische Studentenhaus, und die Professur des Herrn Daums wird vermuthlich Hr.| Sommer, zeitheriger Lehrer am Gymnasium, erhalten.

 Bey der philosophischen Facultät ist ein neuer Katheder für die Naturgeschichte errichtet, und Hr. Weltpriester Frey zum ersten Professor der Naturgeschichte und zum Universitätsbibliothekar ernannt worden. Als Lehrer am Gymnasium an des Herrn Sommers Stelle soll Herr Caplan Settelein berufen werden.

 Der zeitherige Demonstrator der Anatomie Herr Gotthard erhielt das Prädicat als Professor der Hebammenkunde und praktischen Chirurgie, und sein Bruder, Herr Joseph Gotthard, das eines Professors der Zergliederungs- und Viehheilkunde.

 Vom Fürsten wurde eine neue gemischte Schulencommission niedergesetzt, und der akademische Senat wird besser organisirt. Das Resultat der ersten Sitzung desselben war die Aufstellung eines Prorectors, welche Würde bey unserer Universität zeither nicht üblich war. Zum Prorectorat gelangen die 4 Senioren und die 4 Subsenioren nach dem Range der Facultäten. Das Protectorat wird ein Jahr lang verwaltet. Die 4 Senioren nach dem Range der Facultäten sind: Herr Weltpriester Möhrlein, Herr geistl. Rath Schott, Herr Hofrath Döllinger, Herr Weltpriester Jakobs, Die 4 Subsenioren: Herr Benediktiner Rost, Hr. Hofrath Pfister, Hr. Landphysikus Fink, Hr. Weltpriester Reuder.

|  Den 23 Novemb. 1791 ward Herr Pfister, Hofrath und Professor des deutschen Staatsrechts, vom Herrn geistlichen Rathe D. Schott zum Doctor der Rechte creirt; und Herr D. Pfister setzte am 18ten Januar 1792 dem Herrn Gönner, Hofrath und Professor der Pandecten, den Doctorhut auf.

 Den 27 Januar vertheidigte der Alumnus des Ernestinischen Priesterpflanzhauses, Herr Gußregen von Hallstadt, seine Dissertation de conceptu propheziae demonstrationi de diuina religionis origine accommodato, nebst auserlesenen Sätzen aus dem ganzen Umfange der Theologie, und erhielt darauf die theologische Licentiaten-Würde. Sein Präses und Promotor war Herr D. Möhrlein.


13.
Aus Bamberg. 

 Herr Deppisch, der sich durch seine schönen zweymahl aufgelegten Homilien, und durch das Accessit bey der Preisfrage über Versorgung der Armen bekannt gemacht hat, ist von unserm Fürstbischoff von der Pfarre Altenberg auf die Pfarre Gnezgau versetzt worden.


14.
Aus Bamberg. 
 Vom 1ten April bis Ende Junius 1791 wurden in unserm allgemeinen Krankenhause 143 Kranke verpfleget, nämlich 44 vom Armeninstitute, 41 vom Handwerksgesellen, 36 vom Dienstboteninstitute, 13 vom Lande aus besonderer Gnade und auf Rechnung des Fürsten, 9 auf eigne Rechnung. Unter den Kranken des Armeninstitutes waren nur| 13 männliche, unter den vom Dienstboteninstitute nur 4, unter den vom Lande 9, und unter den auf eigne Rechnung 6. Unter den Kranken des Handwerksgesellen-Instituts waren 23 Fremde. Nach dem Alter betrachtet waren in denselben vom 10ten bis zum 20sten 34, vom 21sten bis zum 40sten 86, vom 41 bis zum 60sten 19, vom 61 bis zum 66sten 3, und von einem war das Jahr nicht angegeben. Von diesen lagen 80 an schnell vorübergehenden, 63 an langwierigen Krankheiten darnieder. 90 genasen, 5 wurden als unheilbar entlassen, 7 starben, 41 blieben noch im Krankenhause zurück. Unter den Verstorbenen waren 3 vom Armeninstitute, 1 vom Handwerksgesellen-Institute, 3 vom Lande. Das Sterbeverhältniß war also in diesen 3 Monaten wie 1 zu 20.


15.
Aus Wirzburg den 3 März. 
 Sie wissen, daß die Klage über Zügellosigkeit der Preßfreyheit bey den Fürsten, ihren Cabinetten und Regierungen fast allgemein wird, und daß hingegen in manchen Ländern, von denen man es sich nicht hätte versehen sollen, das Publicum, vorzüglich der gelehrte Theil desselben, über zu große Einschränkung und Druck derselben Beschwerde führt. Um diese Klagen von beyden Seiten abzustellen, hat unser Fürstbischoff der Landesregierung einen Plan zu einem Censurcollegium vorgelegt, und eben denselben der geistlichen Regierung mitgetheilt, um darüber ihre Berathschlagungen anzustellen, und eine Instruction für das| neue Censurcollegium zu verfassen. Dieß ist nun geschehen, und eine Instruction abgefaßt worden, welche zur Absicht hat, alle Bücher und Schriften, welche die drey im Teutschen Reiche herrschenden Religionen anfeinden, oder die Ruhe im Staate zu stören, Empörung, Aufruhr, Mißvergnügen und Zwietracht zu verursachen trachten, zu unterdrücken, und deren Verbreitung nach Möglichkeit zu hindern. Auf dem platten Lande ist der Verkauf aller Bücher verboten, Kalender, Gebetbücher und ökonomische Schriften ausgenommen, über deren Verkauf die geistlichen und weltlichen Vorsteher genaue Aufsicht zu halten haben, damit keine schlechte, vornämlich aus Baiern und Schwaben herkommende, ascetische Bücher[1] mehr verkauft, sondern dem Landvolk gute Erbauungs-Bücher in die Hände gebracht werden. Bücher und Schriften, die im Lande selbst verfaßt werden, müssen dem Censurcollegium vorgelegt werden, um von demselben das Imprimatur zu erhalten. In Ansehung auswärtiger Bücher sind die Buchhändler angewiesen, von Messe zu Messe ihre Katalogen dem Centurcollegium zu übergeben, welches darauf zu sehen hat, daß kein schädliches Buch von denselben verkauft werde, und daß andere, als in dem Katalog angezeigt sind, in den Buchhandlungen| nicht verkauft werden. Die Beysitzer dieses Censurcollegiums sind aus der Landesregierung, der geistlichen Regierung und der Universität genommen. Von Seiten der geistlichen Regierung ist erster Beysitzer Herr geistlicher Rath Günther, von Seiten der Landesregierung, Herr Hofrath Gerlach, von Seiten der Universität aus der theologischen Facultät Herr geistlicher Rath und Professor Onymus,[2] aus der juristischen Herr Hofrath und Professor Samhaber, aus der philosophischen die Herren Professoren Egel und Andres. Jeder dieser Beysitzer ist in seinem Fache Referent, in Ansehung der erscheinenden Bücher und Schriften.


16.
Aus Nürnberg. 

 Die Fortsetzung der Litteratur des katholischen Teutschlands, eines Journals, welches in seiner Art Epoche gemacht hat, wird nun in Nürnberg gedruckt und verlegt, in der Felseckerischen Buchhandlung. Der erste Band desselben ist bereits fertig. Diese Arbeit sticht freylich sehr ab mit einer Augsburger Kritik der Kritiker oder einem Mainzer Religions-Journal.


17.
Mergentheim den 14 März 
 Dieser Tagen wurden die sämmtlichen Fahrnisse des unlängst verstorbenen hiesigen Forstmeisters, Peter Philipp Glasers, öffentlich versteigert.| Der Mann hinterließ unglücklicher Weise seiner Wittwe und den aus zwey Ehen erzeugten Kindern, ausser den Mobilien, gar nichts, und die Tochter aus der ersten Ehe verliert, ungeachtet das aus der Versteigerung erlöste Geld zur Erstattung ihres mütterlichen Vermögens ihr gehört, fast mehr als die Hälfte desselben. Der Wittwe aber bleibt nichts als ihr in die Ehe gebrachtes Vermögen, das höchstens auf 300 fl. rhn. sich belauft. Bey dieser Gelegenheit zeichneten sich zwey edle Teutsche Ordens-Ritter durch eine ruhmwürdige That aus, die ich nicht unterdrücken kann. Herr Karl Philipp Freyherr von Nordeck zur Rabenau, kurköllnischer und fürstlich Wirzburgischer Kämmerer, Hoch- und Teutschmeisterischer wirklicher adelicher Hof- und Kammerrath, steigerte am ersten Tage für 36–37 fl. Weißzeuch, und – schenkte es sogleich der bedrängten Wittwe. Am folgenden Tage steigerte auch der biedere Ordens-Ritter, Julius Cäsar Freyherr von Enzenberg etc. für 45–46 fl. von der nämlichen Gattung aus den Mobilien, und schenkte dasselbe gleichfalls der Wittwe. Dies sind gewiß Züge, welche bekannt gemacht zu werden verdienen, und ein Beweis, daß auch Menschen, die eben keinen Mangel fühlen, und die einen der edelsten Triebe zur Vergrößerung der menschlichen Glückseligkeit – der zugleich zur höchsten Sympathie und Theilnahme an dem Schicksal unsrer leidenden Brüder hinführet – ersticken müssen, aus Grundsätzen wohl thun können! – Die Versteigerung ist noch nicht zu Ende, und wir dürfen mit Wahrscheinlichkeit hoffen, daß es diese Menschenfreunde nicht bey der gegenwärtigen Handlung werden bewenden lassen.


|
18.
Aus dem Wirzburgischen.

 Unser Fürstbischoff hat schon im vorigen Jahr seinen Unterthanen in Rücksicht des im J. 1790 sehr mißlich ausgefallenen Weinwachses die Hälfte des Straßenbaugeldes zur Erleichterung des Häckerstandes nachgelassen. Da die Umstände sich inzwischen nicht verändert haben, so ist durch ein Ausschreiben vom 28 Januar dieses Jahrs denselben das halbjährige Straßenbaugeld für den künftigen Termin des Monats May abermahls nachgelassen worden.


19.
Aus dem Wirzburgischen vom 6 März.
 Jedem Leser dieser Zeitschrift wird es bekannt seyn, daß die II. B. 2. H. S. 145. unter dem Buchstaben i) angebrachte, die Eifersucht der Mönche betreffende Note den P. Cajetan bey den Reurerern zu Wirzburg zu einer Vertheidigung seines Ordens in den Wirzburger gel. Anz. aufgeweckt hat. Die Herausgeber dieses Journals, haben in der Folge gegen die sogenannte Apologie des P. Cajetans wieder verschiedenes gründlich erinnert. Unter andern Vertheidigungs-Gründen führt P. Cajetan auch den an: das Kloster der Reuerer sey so wenig eifersüchtig, daß es vielmehr die Andacht zu dem Jesuskind bey den Ursulinerinnen durch eine Messe befördern helfe. Übel getroffen Herr P.! Ihrer Vertheidigung zu Liebe| soll also die 9 tägige Andacht vor Weihnachten bey den Ursulinerinnen eine Andacht zum schön geputzten Jesuskind seyn? Nicht doch! Ihr Argument stützt sich auf ein falsches Suppositum; und auf ein solches Argument können Sie, als ehemahliger Lector der Philosophie, ebenfalls wenig halten. Sie sollten zwar in ihrem Kloster zu Wirzburg von der Andacht der Ursulinerinnen besser unterrichtet seyn, als ich auf dem Lande, da ich mich in meinem Wirkungskreise für nichts weniger interessire, als für Klosterandachten. Indessen hören Sie doch von mir, wie wenig das Prager Jesuskind und die 9 tägige Andacht der Ursulinerinnen zusammen gehören. Gedachte Andacht war schon bey ihrem Ursprunge nichts anders, als eine Vorbereitung auf Weihnachten. 1727 ward sie von Regensberg aus, unter Gutheisung des damaligen Bischoffs Christoph Franz von Hutten in das Kloster der Ursulinerinnen nach Wirzburg verpflanzt. Sie hat sich auch noch bis hieher erhalten, und erst die vorigen Jahre hat man sie durch Einführung neuer Betrachtungen und Lieder zweckmäßiger zu machen gesuchet. Erst im Jahre 1755 kommt das an sich so friedliche und hier doch Streit erregende Jesuskind zum Vorschein. Die Kloster-Einkäuferin bey den Ursulinerinnen zu Wirzburg begleitet die Tochter eines dasigen Oberforstmeisters nach Prag in das Kloster der Karmeliterinnen, um daselbst bey den Ursulinerinnen eine Collecte für die durch den Klosterbau arm| gewordenen Wirzburger Mitschwestern anzustellen. Sie erhält, wenn ich nicht irre, 12 Ducaten, und das Jesuskind. Die Klosterfrauen zu Wirzburg stellen es im Convente, und nachher in dem unteren inneren Chor aus. Andächtige Laien bemerken es durch die Fenster und wollen es in der Kirche ausgestellt haben, um den weiten Weg zu den P. P. Reuerern zu ersparen. Der damahlige Kloster-Administrator Schirmer läßt es geschehen; und das Pragerkind paradirt auf dem Altare. Nun bringt man ihm freylich auch Geschenke. Eine gewisse Mamsell Dorn gelobt ihm den ersten eingehenden Zins von ihrem schon lange unfruchtbaren Capital. Es fallen 100 fl. und auf Anrathen des P. Winter muß sich die Jungfer ihres Gelübdes auf einmahl entledigen. Nun kommen noch einige Schenkungen von 40-50 fl. ein. Freylich immer ein Verlust für die P. P. Reuerer! Das von den Klosterfrauen ohnehin schon ganz artig geschmückte Kind bekommt von einer gewissen Jungfer aus Aub ein Kränzlein und Ringe in einem goldenen Herzlein gefaßt. Ein gewisser von Dürrfeld aus Westphalen hatte ihr seine Liebe dadurch verpfändet. Aber vereitelte Liebe hat schon manche Nonne producirt; dieser Fall traf auch hier ein, und so wurden die Liebes-Ringe nun ein Geschenk Jesu.  Wie mich vor einigen Jahren bey einem Besuch in Wirzburg eine Klosterfrau versicherte, rostet das Herzlein mit den Ringen nicht. Wohl| möglich! vielleicht hat die Liebe, die in dem Ringe steckt, auch noch nicht gerostet. Vielleicht bewahret die Liebe so gut für Rost als das Salz vor Fäulniß. Das schön geputzte Kind stehet übrigens noch auf dem Altare der Ursulinerinnen, wie ehemahls; und vielleicht wirft auch noch manche andächtige Seele bey der gedachten 9 tägigen Andacht einen liebevollen Blick auf das reizende Kind. Die Ehre hat es aber gewiß noch nicht gehabt, daß man wegen desselben eine besondere Andacht veranstaltet hätte.


20.
Aus dem Wirzburgischen.

 Eine Geschichte à la Anian hat sich erst kürzlich bey den P. P. Franciscanern mit ihrem Bruder Gärtner ereignet. Nähere Nachricht werde ich Ihnen nächstens mittheilen.

 Als Pendant gehört dazu der Lector eben dieses Klosters, der die Einwohner Biebergaus, eines Dorfes zwischen Dettelbach und Wirzburg, durch eine fanatische Predigt beynahe in Bürgerkrieg gegen einander verwickelt hätte.


21.
 Den 2ten März Nachts 12 Uhr weckte die Sturmglocke die noch sicher im ersten Schlafe liegenden Bewohner zu Höfstädten bey Sonnenfeld, und des dasigen Krämers Paul Christoph Feig Hausstand in vollen Flammen, welches auch, sammt dem| 70jährigen Besitzer desselben, nebst allen schönen Mobilien, Getraid, Kramladen und 5 Schaafen etc. ein Raub der Flammen geworden ist. Glück war es, und Dank sey es der gütigen Vorsehung, daß kein Wind stark ging, sonst wäre der ganze obere oder untere Theil des wohlhabenden Dorfes eine Beute der Flammen geworden. Das Weib, welches sich noch durchs Fenster des zweyten Stocks rettete, soll es durch Verwahrlosung, weil sie andern Tages hat Seifen sieden wollen, veranlasset haben. Obgleich die schärfsten und väterlichen Regierungs-Befehle, wegen gehöriger Feuerordnung und Vorsicht, in diesem Amte publiciret worden sind; so ist doch die schlechte Feueraufsicht daselbst nicht genug zu tadeln, in Städeln und Holzremisen pichen, mit brennenden Schleiffen in Haus herum laufen, mit brennenden Tobackpfeifen auf Gassen, Straßen, Städel laufen, ist hier etwas gewöhnliches. Brennt einmahl ein Haus, so ist es ohne Rettung verloren, weil die Dächer, statt mit Kalch verstrichen zu seyn, mit Stroh oder Moos ausgestopfet sind. – In Feuermauern, in Schlöten Bretter und Balken genug finden, ja hölzerne Schlöte sehen, ist hier nichts neues!


22.

 Die kurze Geschichte der Entstehung und Ausbildung der Armenanstalt in dem Bambergischen Landstädtchen Höchstadt ist in dem 3ten Hefte des 3ten Bandes des Journals von und für Franken eingerückt. Daß nun die dortige Behauptung von der hoffentlich immer fortdauernden und daher zum Muster dienenden Einrichtung dieses löbl. Instituts gegründet und keineswegs übertrieben sey, davon wird folgende Berechnung und Zunahme des Fonds der sprechendste Beweis seyn. Vom 7 Sept. des Jahrs 1790 bis 1791 war die

|
Einnahme:
fl. kr. rhn.
3730 an vorjährigen Receß.
3280 380 an wöchentlich gesammelten Almosen (also 10 fl. 14 kr. weniger, als im vorigen Jahre.)
3350 500 an Beytrag aus den milden Stiftungen und gemeiner Stadt.
120 von der Allmosenpflege.
1190 360 von verschiedenen Wohlthätern (wieder 5 fl. 12 kr. weniger)
130 von den Handwerkszünften.
20 an gefallener Strafe von Polizey-Frevlern.
11840 40 kr. rhn. Summa


Ausgabe:
fl. kr. rhn.
4560 60 den sämtlichen Armen der 3 Classen.
1280 40 an 1921 Handwerkspursche und andere arme Reisende.
30 160 für Papier, Druckerlohn der Berechnung.
50 450 – Arzney und Kurkosten armer Kranken.
110 100 – Särge und Leichenkosten.
30 93/40 – ein Behältniß zur Aufbewahrung der Kassengelder.
260 – dem Bettelvogt.
6450 351/40 Summa

 Nach Abzug dieser von obiger Einnahme bestehen also zu Receß 538 fl. 281/4 kr. rhn. Dazu kommen noch 100 fl. rhn. Vermächtniß von einer bald nach dem Rechnungsschluß verstorbenen Person, mithin ist die Summe: 638 fl. 281/4 kr rhn. und der Fonds hat folglich in einem Jahre um 267 fl. 281/4 kr. zugenommen.

|  Die Zahl der Stadt-Armem, welche in 3 Classen abgetheilt sind und wöchentlich aus diesem Institut ein verhältnißmäßiges Almosen erhalten, belauft sich im Jahre 1791 auf 37 Personen, welche am Schluß der dasiger Burgerschaft gedruckt zugefertigten Berechnung namentlich aufgeführt sind. Diejenigen aber, welche in dem Höchstädter St. Anna Spital mit Kost, Kleidung, Quartier und allen übrigen Bedürfnissen verpflegt werden, sind an der Zahl 19 und die meisten darunter von hohem Alter.



  1. Vermuthlich wird diese Censur sich auch auf einheimische Producte dieser Art erstrecken, z. E. auf das 1789 wieder neu gedruckte Christkatholische neuvermehrte Gesangbüchlein, das der Religion nicht zur Ehre gereicht. d. H.
  2. Nach der Nachricht eines andern Herrn Correspondenten: Herr Professor Roßhirt.