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gewordenen Wirzburger Mitschwestern anzustellen. Sie erhält, wenn ich nicht irre, 12 Ducaten, und das Jesuskind. Die Klosterfrauen zu Wirzburg stellen es im Convente, und nachher in dem unteren inneren Chor aus. Andächtige Laien bemerken es durch die Fenster und wollen es in der Kirche ausgestellt haben, um den weiten Weg zu den P. P. Reuerern zu ersparen. Der damahlige Kloster-Administrator Schirmer läßt es geschehen; und das Pragerkind paradirt auf dem Altare. Nun bringt man ihm freylich auch Geschenke. Eine gewisse Mamsell Dorn gelobt ihm den ersten eingehenden Zins von ihrem schon lange unfruchtbaren Capital. Es fallen 100 fl. und auf Anrathen des P. Winter muß sich die Jungfer ihres Gelübdes auf einmahl entledigen. Nun kommen noch einige Schenkungen von 40-50 fl. ein. Freylich immer ein Verlust für die P. P. Reuerer! Das von den Klosterfrauen ohnehin schon ganz artig geschmückte Kind bekommt von einer gewissen Jungfer aus Aub ein Kränzlein und Ringe in einem goldenen Herzlein gefaßt. Ein gewisser von Dürrfeld aus Westphalen hatte ihr seine Liebe dadurch verpfändet. Aber vereitelte Liebe hat schon manche Nonne producirt; dieser Fall traf auch hier ein, und so wurden die Liebes-Ringe nun ein Geschenk Jesu.

 Wie mich vor einigen Jahren bey einem Besuch in Wirzburg eine Klosterfrau versicherte, rostet das Herzlein mit den Ringen nicht. Wohl

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Diverse: Miscellaneen in: Journal von und für Franken, Band 4. Raw, Nürnberg 1792, Seite 388. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Miscellaneen_(Journal_von_und_f%C3%BCr_Franken,_Band_4,_3).pdf/14&oldid=- (Version vom 1.8.2018)