Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 39 (1879), ab Seite: 206. (Quelle)
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Strack, Joseph (k. k. Hauptmann und kriegsgeschichtlicher Schriftsteller, geb. gegen das Ende des vorigen oder zu Anfang des laufenden Jahrhunderts). Ueber den ersten Bildungsgang dieses verdienstvollen Officiers fehlen alle Nachrichten. Er trat in jungen Jahren als ex propriis-Cadet in das Wiener k. k. Infanterie-Regiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 4, in welchem er stufenweise bis zum Jahre 1843 zum Capitänlieutenant, zuletzt zum Hauptmann vorrückte; als solcher ließ er sich vor 1848 in den Ruhestand versetzen. Nach einer Mittheilung von befreundeter Hand hatte er bereits die Feldzüge 1814 und 1815 mitgemacht, und dann dürfte die Zeit seiner Geburt wohl schon in die letzten Jahre des 18. Jahrhunderts fallen. Als pensionirter Hauptmann wurde er dem Kriegsarchive zugetheilt und erhielt die Schriften-Abtheilung der kriegsgeschichtlichen Section unter seine unmittelbare Leitung. Daselbst entwickelte er eine unermüdliche und nahezu aufreibende Thätigkeit und war Jedem, der mit kriegsgeschichtlichen Arbeiten beschäftigt im Kriegsarchiv nach Quellen forschte, mit warmer Theilnahme durch Rath und That in bereitwilligster Weise behilflich. Als Streffleur im Jahre 1860 die „Oesterreichische Militär-Zeitschrift“ ins Leben rief, wurde ihm Strack in eigener Commandirung zugetheilt, welcher sich um die Gründung dieses, einer Armee wie der kaiserlichen in seiner äußeren Form wie seinem geistigen Gehalt nach würdigen Fachblattes wesentliche Verdienste erwarb. Er war auf dem Gebiete der Kriegsgeschichte schriftstellerisch thätig. Die Titel seiner im Druck erschienenen Werke sind: „Graf Radetzky, k. k. Feldmarschall, während seiner dreiundsechzigjährigen Dienstzeit. Nach österreichischen Feldacten“ (Wien 1849, Keck und [207] Sohn, gr. 8°., mit Holzschn.); – „Die Generale der österreichischen Armee. Nach k. k. Feldacten und anderen gedruckten Quellen“ (Wien 1850, Keck, 12°.), worin Erzherzog Albrecht, Constantin Baron d’Aspre, Joseph Baron Barco, Ludwig von Benedek, Friedrich Johann Baron Berger an der Pleisse, Friedrich Baron Bianchi, Eduard Graf Clam-Gallas, Karl Ritter von Culoz, Karl Doell, Karl Gorzkowski von Gorzkow, Franz Graf Gyulai, Wilhelm Freiherr von Hammerstein, Karl Ritter von Hartlieb, Julius Baron Haynau, Heinrich Ritter von Heß, Joseph Baron Jelačić, Leopold Graf Kolowrat, Friedrich Fürst Liechtenstein, Ferdinand Freiherr von Mayerhofer, Laval Graf Nugent, Franz Ottinger, Anton Freiherr von Puchner, Joseph Graf Radetzky, Daniel Rasztich, Sigmund Baron Reischach, Georg Freiherr von Rukawina, Franz Graf Schlick, Edmund Fürst Schwarzenberg, Felix Fürst Schwarzenberg, Balthasar Freiherr von Simunich, Julius Graf Strassoldo, August Freiherr von Stwrtnik, Georg Graf Thurn, Ludwig Freiherr von Welden, Alfred Fürst Windischgrätz, Gustav Wocher, Ludwig Freiherr von Wohlgemuth, Eugen Graf Wratislaw, Karl Zeisberg und Thornas Baron Zobel, in quellenmäßig gearbeiteten Lebensskizzen dargestellt werden; – ferner Geschichte des Kaiser Jäger-Regiments in den Feldzügen 1848 und 1849“ (Wien 1852); – „Das „Tiroler Jäger-Regiment Kaiser Franz Joseph l. in dem Feldzuge 1859, als Fortsetzung zu dem vorigen Werke. Nach den Eingaben des Regiments zusammengestellt“ (Wien 1864, F. Klemm, gr. 8°.); – „Geschichte des k. k. 6. Dragoner-Regiment-Graf Ficquelmont“ (Wien 1856, Staatsdruckerei); – „Das Kopal-Denkmal in Znaim und das k. k. 10. Feldjäger-Bataillon von der Errichtung bis zur 50jährigen Jubelfeier. Ein nach authentischen Urkunden und den Feldacten des k. k. Kriegsarchives zusammengestelltes Geschichtswerk“ (Wien 1864, mit 3 Holzschn. und 1 Photogr., Lex.-8°.). Auch hat S. fleißig für die frühere Schels’sche „Militär-Zeitschrift“, dann für den von Hirtenfeld herausgegebenen „Soldatenfreund“, nachmalige „Militär-Zeitung“, und für die ersten Jahrgänge der Streffleur’schen „Oesterreichischen Militär-Zeitschrift“ geschrieben: aus dieser letzteren gedenken wir seiner Biographien und Nekrologe: „Friedrich Kleinert, k. k. Artillerie-Oberlieutenant in der Schlacht bei Magenta 1859“ [1860, Bd. II, S. 337]; – „Peter Freiherr Pirquet-Mardaga-Cesenatico, k. k. Feldzeugmeister“ [1862, Bd. I, S. 315]; – „Heinrich Freiherr Sunstenau, k. k. Feldmarschall-Lieutenant“ [1865, Band IV, S. 404] und seines „Beitrages zur Geschichte des Infanterie-Regiments Erzherzog Sigmund“ [1862, Band I, Seite 379]. Noch sei einer Militärstiftung gedacht, welche Hauptmann Strack im Jahre 1856 für das Tiroler Jäger-Regiment Kaiser Franz Joseph zur Erinnerung an das Wirken des Feldzeugmeisters und zweiten Regiments-Inhabers Peter Freiherrn Pirquet von Cesenatico [Band XXII, Seite 342] und dessen am 22. Juli 1848 bei Rivoli gefallenen Sohn Anton [Band XXII, Seite 339] mit 1500 fl. österr. Währ. in einer fünfpercentigen Staatsschuldverschreibung errichtete und Feldzeugmeister Peter Freiherr von Pirquet um [208] 1000 fl. vermehrte. Die Interessen dieser Stiftung sind jährlich am 12. März zum Andenken an die glückliche Rettung Seiner Majestät des Kaisers aus Mörderhand, zu gleichen Theilen an fünf schwer verwundete bedürftige Invaliden und in deren Ermanglung an fünfzehn der bravsten Veteranen des Tiroler Jäger-Regiments zu vertheilen. Der betreffende Regiments-Commandant hat das Vorschlags- und der jeweilige zweite Inhaber des Regiments das Verleihungsrecht. Im Jahre 1877 war Strack noch am Leben und zählte bereits achtzig Jahre. Er stand, wie ein höherer Militär mir mittheilte, bei der Streffleur’schen Zeitung in anstrengendster Verwendung; man nützte dort den alten Mann, der in kriegsgeschichtlicher Hinsicht eine lebendige Registratur war, gehörig aus, und er war gutmüthig genug, sich wie ein wahres Last- und Packthier gebrauchen zu lassen. Und doch wurde diesem alten Soldaten, diesem gründlichen und fleißigen Arbeiter, der so Vielen die unerschöpflichen Quellen seiner archivalischen Kenntnisse auf das bereitwilligste und uneigennützigste erschloß, nie eine äußere Auszeichnung, auf die er gerechtesten Anspruch hatte, zutheil. Vor mir liegt das Schreiben eines höheren und als militärischer Schriftsteller rühmlichst gekannten Officiers, und darin steht folgende Stelle: „So sehr mich die mir verliehene Ordensauszeichnung freute und freut, so würde ich, wenn ich, sie an der Brust, Strack begegnen würde, sie vor Scham mit der Hand bedecken oder wenn möglich in die Tasche stecken, so lange ich mit derselben nicht meinen alten Freund und literarischen Protector Strack geschmückt sehe. Dies meine Ansicht über Strack’s Wirken und Verdienste. Ich bin in meinem Lobe und, nach vielen traurigen, herben Erfahrungen, mit meiner Menschenliebe sehr geizig geworden, aus dem aber, was ich über Strack sagte, können Sie um so mehr entnehmen, wie hoch ich ihn stelle, und wie sehr ich den braven, verdienten Mann zu schätzen weiß.“