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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 10 (1863), ab Seite: 140. (Quelle)
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Jellačić de Bužim, Joseph Graf (Ban von Croatien, k. k. Feldzeugmeister und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Peterwardein 16. October 1801, gest. zu Agram 20. Mai 1859). Sohn des Feldmarschall-Lieutenants Franz Freiherrn von Jellačić [s. d. Vorigen]. Ungeachtet seiner besonderen Vorliebe für den Soldatenstand kam er in die Theresianische Ritter-Akademie, in welcher Zöglinge für den Civil-Staatsdienst ausgebildet werden. Er wurde in dieselbe durch einen besonderen Gnadenact des Kaisers Franz, der an dem ihm vorgestellten Knaben Gefallen fand, aufgenommen. Bis zum Jahre 1819 blieb er in der Akademie. Bald nach seinem Austritte gab er aber seiner Neigung nach und trat am 11. März d. J. als Unterlieutenant in das 3. Dragoner-Regiment Freiherr von Kneševich, der mütterlicher Seits sein Großoheim war. In der Akademie hatte sich J. mannigfache Kenntnisse, vornehmlich Sprachen, denn er sprach geläufig [141] deutsch, italienisch, französisch, croatisch und noch einige südslavische Dialecte, und Geschichte angeeignet; überdieß aber sich auch in soldatischen Körperübungen ausgebildet, denn Jellačić war ein gewandter Fechter, ein geschickter Schütze und ein trefflicher, ja verwegener Reiter. Am 1. Mai 1825 wurde er Oberlieutenant im Regimente, am 1. September 1830 Capitän im Oguliner Grenz-Regimente, am 21. November 1831 wirklicher Hauptmann in demselben. In dieser Eigenschaft führte er im Gefechte bei Groß-Kladuß gegen die bosnischen Türken, welches am 17. October 1835 Statt hatte, die Reserve der dritten Angriffscolonne, bei deren Führung er sich so hervorthat, daß er in der Relation unter den besonders Ausgezeichneten genannt und mit der Allerh. Anerkennung Sr. Majestät des Kaisers belohnt wurde. Am 20. Februar 1837 wurde er zum Major im Infanterie-Regimente Freiherr von Gollner Nr. 48 ernannt, von welchem er als Oberstlieutenant zum 1. Banal-Grenz-Regimente mit 1. Mai 1841 befördert und am 18. October zu dessen Oberst ernannt wurde. In diesen beiden Eigenschaften that er sich durch die administrative Verwaltung seines Bezirkes in ausgezeichneter Weise hervor und erwarb sich jenes Vertrauen des seiner Leitung übergebenen Grenzvolkes, welches im entscheidenden Augenblicke so gewaltig in die Wage fiel. Am 22. März 1848 wurde J. zum General-Major und unter Einem zum Banus[1] von Croatien und bereits am 7. April d. J. zum Feldmarschall-Lieutenant ernannt. Mit seiner Ernennung zum General-Major und Ban beginnt die Reihe jener Thaten, die seinem Namen in der Geschichte eine bleibende Stelle sichern, nicht bloß in Folge der Beweise seines persönlichen ritterlichen Muthes, sondern auch seines scharfen politischen Blickes und seiner Ueberzeugung, daß in großen Fragen die kleinen Interessen, wie wichtig und bedeutend sie sonst sein mögen, den großen Interessen, die tief in die Geschicke der Völker eingreifen, weichen müssen. Bald nach seiner Ernennung zum Ban und zu gleicher Zeit zum geheimen Rath begab er sich nach Wien, um den Eid als Letzterer abzulegen, jenen als Ban ablehnend, weil er bei den veränderten Verhältnissen Ungarns zu Oesterreich sich zu nichts verbinden mochte, was er nicht vollkommen zu leisten im Stande sei. Nach kurzem Aufenthalte in Wien, wo ihm ebenso Beweise der ehrenvollsten Theilnahme aller dort in Garnison befindlichen Truppen gegeben wurden, als es nicht an Versuchen zu Demonstrationen entgegengesetzter Art fehlte, welche jedoch vereitelt wurden, begab er sich nach Agram zurück, wo er dem abgesonderten ungarischen Ministerium vor allem seine Anerkennung versagte und den croatisch-illyrischen Landtag einberief. Dieses Vorgehen des Banus wurde von einer Seite auf das ernstlichste verdächtigt und J. zur Rechtfertigung an das kaiserliche Hoflager [142] in Innsbruck berufen. Bei seiner Ankunft in Innsbruck, wo er nicht gnädig empfangen wurde, ward ihm auch die Nachricht, daß die bei der italienischen Armee befindlichen Grenz-Bataillone aus Besorgniß vor den Gefahren, die Croatien bedrohen, ihre Rückkehr in’s Vaterland dringend zu erbitten gesonnen seien, die italienische Armee aber ohne die croatischen und slavonischen Kerntruppen zu den gegründetsten Besorgnissen Raum gebe. In dieser Lage schrieb nun der Ban den Aufruf an die Grenztruppen in der italienischen Armee, der dieselben beruhigte und ihr Verbleiben dort sicherte. Während J. diesen entscheidenden Schritt gethan und die Rückreise nach Agram antrat, wo seine Gegenwart dringend nöthig geworden, kamen ihm während der Fahrt auf der Station Lienz die Zeitungen in die Hand, in denen das kaiserliche Manifest vom 10. Juni ihn aller seiner Ehren und Würden enthob. Nach dem ersten Entsetzen, von dem namentlich das Gefolge des Bans erfaßt worden, löste derselbe alle Zweifel, was nun zu thun sei, mit der entschiedenen Antwort: „Auf unsere Posten gehen und im treuen Dienste für den Kaiser sterben oder ihm mit Gottes Hilfe helfen“. In Agram fand der Ban eine jubelvolle Aufnahme, zugleich aber den Befehl, sich nach Wien zu verfügen, wo durch den Erzherzog Johann eine Vermittlung mit den Ungarn zu Stande kommen sollte. Der Ban eilte nach Wien. Bei den Vermittlungsversuchen zwischen dem Ban und dem Grafen Ludwig Batthyany erklärte Ersterer: „sein Gesetz sei die pragmatische Sanction, ein ungarisches Separatministerium erscheine ihm identisch mit dem Losreißen Ungarns von der Monarchie und dieses Losreißen nenne er Rebellion“. Als der Graf Batthyani dem Ban die Gefahren des Bürgerkrieges entgegenhielt, den er, wenn er nicht nachgebe, heraufbeschwöre, so schnitt der Ban alle weiteren Debatten ab mit den Worten: „ein Bürgerkrieg wäre wohl das entsetzlichste aller Uebel, aber er fürchte ihn nicht, wenn er der Empörung gelte“. Die Vermittlungsversuche waren gescheitert, der Ban hatte sich nur noch mit eigenen Augen von der Stimmung in Wien überzeugt, deren Gereiztheit mit jedem Tage zunahm und kehrte nach Croatien zurück. Dort hatten sich indessen magyarische Truppen und Aufgebote an den Grenzen des Landes gesammelt, heftige Proclamationen gegen den Ban und das Land geschleudert und es bedurfte aller Energie desselben, den guten Muth der Seinigen aufrecht zu erhalten und die Verführungsversuche der Gegner zu lähmen. Der Ban erließ ein Manifest an die Croaten, in welchem er seine politische Ansicht aus einander setzte, alle gegen ihn erhobenen Verdächtigungen – „wie sie immer heißen mögen: Rückschritt oder Panslavismus“ – entschieden zurückwies, „als ein Mann des Volkes, der Freiheit und als ein Mann Oesterreichs, treu ergeben seinem constitutionellen Kaiser und Könige, ein einiges mächtiges, freies Oesterreich will und als unerläßliche Bedingung dazu die Centralisirung der Ministerien des Krieges, der Finanzen und auswärtigen Geschäfte. „Da“, so schließt der Ban sein Manifest, „das ungarische Ministerium nicht eingehen zu können glaubt, da es in seinen separatistischen Tendenzen verharrt, d. h. den Verfall der schönen Monarchie herbeiführen will, so gebietet die Pflicht und Ehre, das Aeußerste zu wagen und zu den Waffen zu greifen und wir wollen einstehen mit Gut, Blut und Leben für unser gutes Recht und die heilige Sache.“ [143] (Dieses Manifest erschien gedruckt bei Karl Gerold in Wien.) Ein anderer Aufruf, ihm zu folgen, hatte eine mächtige Wirkung. Obgleich die meisten Grenz-Bataillone sich bereits vollzählig gestellt hatten und sich meist bei der italienischen Armee befanden, so boten sich außerdem noch durchschnittlich 4-5000 Freiwillige in jedem Regimentsbezirke zum Waffendienste an. Da die Wirren in den einzelnen Kronländern mit jedem Tage zunahmen, betrieb J. seinen Abzug und überschritt mit 45.000 Mann am 11. September 1848 die Drau und eine zweite Colonne von 10.000 Mann des slavonischen Aufgebotes unter Befehl des Generals Roth die untere Drau, Die Ausrüstung beider Corps war bei der Eile, mit welcher sie aufgebracht worden, sehr mangelhaft und was die Verpflegung betrifft, so stieß man beim Uebertritt auf das ungarische Gebiet auf tausend Hindernisse, sie mußte fast nur mit Requisitionen beigestellt werden und selbst diese war oft kaum zu bewerkstelligen, da die Bewohner der Ortschaften vor dem anrückenden Heere flohen und die ungarischen Obrigkeiten alles nur Denkbare aufboten, um das Vordringen des Banus zu vereiteln oder zu erschweren. Bei Hodošan stieß eine Division des Chevauxlegers-Regiments Graf Wrbna, eine andere des Chevauxlegers-Regiments Baron Kreß und bei Marczaly das ganze Kürassier-Regiment Graf Hardegg zum Ban. Der Enthusiasmus des Corps äußerte sich aber in seiner höchsten Potenz, als in der Marschstation Sis-Fok der Ban das Allerh. Handschreiben erhielt, mit welchem das über ihn die Enthebung von allen Ehren und Würden aussprechende Manifest vom 10. Juni für ungültig erklärt und ihm das volle Vertrauen seines Kaisers ausgesprochen wurde. Während Jellačić mit seinem Heere allmälig vorwärts drang, erhielt er von dem Erzherzog-Statthalter und Palatin Stephan aus Veszprim die Nachricht von der Entschließung des Königs, vermöge welcher Graf Batthyany mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt wurde. Durch dasselbe würde der ungesetzliche Zustand in Ungarn beendigt und die Ordnung wieder hergestellt, der Ban solle daher seinen Marsch einstellen und zu einer Besprechung sich zum Palatin begeben. Der Ban erklärte, er könne, so wie die Dinge zur Zeit stehen, seinen Zug nicht einstellen, er werde sich aber zur Besprechung in und um Szennes am Plattensee am folgenden Tage einfinden. Aber auch diese Besprechung kam nicht zu Stande. Der Ban sollte sich nehmlich an Bord des Schiffes begeben, auf welchem der Erzherzog sich befand. Schon war alles zur Abfahrt bereit, als im Gefolge des Banus die Besorgniß entstand, auf dem Schiffe, welches den Palatin trug, habe das ungarische, von der revolutionären Regierung zusammengesetzte Gefolge des Erzherzogs ohne dessen Wissen einen Anschlag auf den Ban vor und wolle sich seiner bemächtigen; die Umgebung des Bans bat und beschwor ihn, sie nicht zu verlassen, und so wurde die Unterredung im entscheidenden Momente vereitelt. Der Ban rückte nun mit seiner Armee nach Stuhlweißenburg, von dort aber am 29. September wieder weiter vor. Bei Velencze traf er auf den Feind, der dort in einer starken Stellung postirt war. Es kam zum ernsten Zusammenstoß, worauf sich die Ungarn in der Richtung gegen Pesth-Ofen zurückgezogen. Auch erhielt jetzt Jellačić Nachricht von der entsetzlichen Ermordung des kaiserlichen Abgesandten [144] Grafen Lamberg auf der Pester Brücke. Ein Schreiben an den Feldmarschall-Lieutenant Moga, da die Rebellion ihre Maske gelüftet, sich von ihr loszusagen und den Weg der Ehre und Pflicht zu gehen, blieb erfolglos und der Ban rückte demnach unaufgehalten vor, bis er bei Pakozd wieder auf den Feind stieß. Ein hartnäckiges mehrstündiges Gefecht endigte mit dem Abschlusse eines dreitägigen Waffenstillstandes, wozu der Ban durch die Nachricht der Waffenstreckung des Corps gedrängt wurde, welches Roth ihm zuführen sollte. Auch überzeugte er sich, daß er es mit einem an Zahl und Ausrüstung weit überlegenen Gegner zu thun habe, während seine Truppen durch die Requisitionen und den Marsch ermüdet, schlecht ausgerüstet, an Allem, selbst dem Nöthigsten Mangel leidend, wenig geeignet waren, in einen entscheidenden Kampf geführt zu werden. Indessen lauteten die Nachrichten aus der Reichshauptstadt immer düsterer und bedrohlicher, und von einem Kampfe gegen die Ungarn absehend, beschloß J. zunächst nach Wien zu marschiren. Hätte Jellačić in seinem Entschlusse noch einen Augenblick zweifelhaft sein können, so mußte der letzte Zweifel schwinden, als ihm in Altenburg Kunde ward von Baillet-Latour’s Ermordung. Er nahm also den Waffenstillstand an und rückte sofort nach Wien, um sich dort mit den außerhalb der Stadt befindlichen Truppen zu verbinden. Eine Abtheilung seines Corps, 14.000 Mann stark, stellte er unter Befehl des Feldmarschall-Lieutenants Theodorovich und sendete sie längs der steierischen Grenze zum Schutze Croatiens zurück. Am 10. October standen die Vorposten des Banus auf dem Laaer Berge bei Wien, am 12. erfolgte die Vereinigung mit den Truppen des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Auersperg, auch schlossen sich die in Preßburg gestandene Brigade Karger, das Kürassier-Regiment Graf Wallmoden und Erzherzog Franz Joseph-Dragoner den Truppen des Banus an. Am 15. October wurde Fürst Windischgrätz zum Feldmarschall und Obercommandanten sämmtlicher Truppen diesseits des Isonzo ernannt und stießen zu denselben immer wieder neue aus Böhmen herbeigezogene Heeresabtheilungen. Der Ban empfing nun alle weiteren Befehle von dem Fürsten Windischgrätz. Am 22. October war die engere Cernirung Wiens beendet und das unter dem Banus stehende 1. Armeecorps war von Kaiser-Ebersdorf bis gegen Himberg aufgestellt, um einerseits die Angriffe der ungarischen Insurgenten abzuweisen, andererseits die Abschließung der St. Marxer Linie zu bewirken. Am 24., 25. und 26. October fanden hartnäckige Gefechte im Augarten und Prater Statt. Am 28. erfolgte der allgemeine Angriff auf Wien. Der Ban hatte jenen auf die Vorstädte Landstraße, Erdberg und Weißgärber auszuführen. Um 11 Uhr Vormittags hatte der Kampf begonnen, um 4 Uhr Nachmittags geendet. Die Division des Feldmarschall-Lieutenants Hartlieb von Wallthor [Bd. VII, S. 408] war im hartnäckigsten Kampfe, in welchem sie Schritt für Schritt den in verzweifelter Gegenwehr kämpfenden Wienern Terrain abnahm und 11 Barrikaden erstürmte, bis zum Münzhause, der Veterinärschule, dem Schwarzenberg’schen Palais und der Heumarktcaserne vorgedrungen. – Mittlerweile hatte das Heer der ungarischen Insurgenten am 28. die Leitha, am 29. die Fischa passirt, und am 30., nachdem gegen die vom Banus innegehabte Stellung bei Schwechat näher vorgerückt [145] war, den Kampf mit heftigem Geschützfeuer eröffnete, der den Tag über dauerte. Erst gegen Abend konnte der Ban die Offensive ergreifen und da war es, als General Zeisberg durch seinen eben so kühnen als mit Umsicht ausgeführten Angriff den Gegner zurückwarf und in völlige Flucht jagte. – Am 31. October wurde der Kampf gegen Wien, u. z. die innere Stadt fortgesetzt und beendet. Der dreiwochentliche Waffenstillstand, welcher der Einnahme Wiens folgte, wurde zur Ausrüstung und Organisirung der Armee benützt. Am 16. December wurde der Feldzug gegen die Ungarn eröffnet. Am genannten Tage überschritt der Ban und sein Corps an zwei Puncten die ungarische Grenze, vertrieb den Feind aus seiner Stellung bei Parendorf und zwang ihn großen Theils zum Rückzuge gegen die Sümpfe des Neusiedler See’s. Den Feind verfolgend, rückte die Armee, am 17. December, gegen Sommerein vor, worauf der Ban selbst an der Spitze von 6 Escadronen und einer Cavallerie-Batterie eine Recognoscirung gegen Altenburg und Wieselburg vornahm und beide Städte stark vom Feinde besetzt fand. Dieser, eine Umgehung durch das Corps des Banus fürchtend, zog sich, ein heftiges Geschützfeuer eröffnend, rasch zurück und die Truppen des Banus besetzten beide Städte. Die gegen Raab, wo der Feind nunmehr stand, bereits am 25. begonnenen Operationen endeten am 27. mit der Einnahme Raabs, aus welcher eine Deputation dem Feldmarschall Windischgrätz die Schlüssel der Stadt überbrachte. Indeß schickte der Ban dem weichenden Gegner, der sich zum Schutze der Hauptstadt gegen dieselbe zurückzog, die Reiter-Brigade Ottinger nach, welche am 28. Morgens halb 6 Uhr bei Kapolna die 7 Bataillone und eine Batterie starke feindliche Nachhut erreichte, angriff und ihr eine vollkommene Niederlage beibrachte, 1 Fahne, 70 Officiere und 700 Mann nebst Munition fielen in die Hände der Sieger. Während das Gros der Armee gerade auf Ofen-Pesth marschirte, machte der Ban, der in Erfahrung gebracht, daß der Insurgentengeneral Perczel mit einem 8000 Mann, 6–800 Reiter und 24 Geschütze starken Corps bei Mór stehe, eine Diversion, ging, sich an die Spitze der Avantgarde stellend, gegen Mór vor, traf in Sarkany auf feindliche Vorposten, welche bei dem beginnenden Angriffe sich langsam zurückzogen, worauf der Ban die ihm nachrückenden Brigaden Ottinger und Hartlieb erwartend, nach ihrer Ankunft zum Hauptangriffe schritt und dem Gegner eine furchtbare Niederlage beibrachte. Das Schlachtfeld war von Todten bedeckt, außerdem fielen 6 Geschütze, 23 Officiere und 2000 Mann in die Hände der Unseren. Noch kam es beim weiteren Vorrücken am 3. Jänner 1849 bei Tetény zu einem blutigen Zusammenstoße, welcher aber auch mit dem Rückzuge der Insurgenten endete. Am 4. Jänner befand sich die ganze Armee auf einem kleinen Raume zusammengedrängt, zwei Stunden vor Ofen aufgestellt; am 5. begann die Vorrückung gegen die Hauptstadt und noch am nämlichen Tage der Einmarsch in Pesth-Ofen, der Feldmarschall Windischgrätz und ihm zur Seite der Ban an der Spitze des 1. Armeecorps. Nach der Einnahme der Hauptstadt trat ein längerer Stillstand in den Operationen der Armee ein. Die Insurgenten hatten sich in zwei Richtungen, in jener gegen Waitzen und in jener gegen Szolnok zurückgezogen. Nachdem die Operationen wieder aufgenommen und die Schlacht bei Kapolna am [146] 26. und 27. Februar geschlagen worden, erhielt der Ban Befehl, mit dem ihm unterstehenden 1. Armeecorps in Eilmärschen nach Fenszaru zu marschiren. Sein Corps war bis dahin in Szolnok, Nagy-Kőrös, Abony, Czegled und Pesth dislocirt gewesen. Auf diesem Marsche wurde die Brigade Rastic, welche die Nachhut des Bans bildete, am 4. März von Klapka auf drei Seiten zugleich angegriffen. Der Bajonnetangriff der Otočaner entschied für die Unseren den Sieg. 10 Geschütze, 20 Officiere und 123 Mann nebst Munition fielen in die Hände der Sieger. Dieser Kampf hatte eine Aenderung der bisherigen Dispositionen zur Folge; statt nach Fenszaru, erhielt der Ban Befehl, gegen Gödöllö zu marschiren. Auf diesem Marsche traf er am 6. März Vormittags mit seinem Corps in Isaszég ein. Nach einer Rast von wenigen Stunden machte sich der Feind bemerkbar, der mit zwei von Klapka und Damianich befehligten Corps den Banus angriff. Die Insurgenten waren dem Ban an Stärke weit überlegen, aber der Ban leistete hartnäckigen Widerstand, wenn auch die Ueberlegenheit des Feindes und namentlich dessen starkes Geschützfeuer ihn nöthigten, sich auf die hinter seiner Aufstellung gelegenen Berghöhen zurückzuziehen. Indessen war der Feldmarschall Windischgrätz mit dem Hauptcorps angerückt, unterstützte den Ban und es kam zur mörderischen Schlacht, in welcher der Ort Isaszég in Flammen aufging. Das Resultat dieses Kampfes war ein Rückzug der Unseren, welche sich am 7. hinter dem Kakosbache vor Pesth postirten. Ein Armeebefehl rief den Fürsten Windischgrätz, an dessen Feldherrntalente an maßgebender Stelle Zweifel aufgestiegen waren, an das kais. Hoflager und in der zweiten Hälfte des Monats April übernahm Feldmarschall-Lieutenant Welden den Oberbefehl. Der in der Zwischenzeit zum Feldzeugmeister beförderte Ban erhielt sofort den Oberbefehl der aus dem 1. Armeecorps und aus den an der unteren Donau zerstreut operirenden einzelnen Corps zu bildenden Südarmee. Dieses Corps zählte 15.800 Mann, 5100 Reiter und 74 Geschütze und war nach vorher vereinbartem Operationsplane am 24. April längs der Donau nach Essegg abgerückt. Auf diesem Marsche war des Bans nächste Aufgabe, den sich überall erhebenden Landsturm niederzuhalten; nach Fünfkirchen, wo die Aufständischen die größte Thätigkeit entwickelten, entsendete er unter General Ottinger ein starkes Detachement und ließ die Schuldigen standrechtlich aburtheilen. Die Nachrichten aus Croatien machten indessen seine Anwesenheit in Agram nothwendig, welche jedoch nur von kurzer Dauer war. Es galt die Stimmung, welche durch gewaltige Bemühungen der Insurgenten und durch zahllose Emissäre aufgestachelt, umzuschlagen drohte, für die kaiserliche Sache in ihrer früheren Begeisterung zu erhalten und das Vertrauen allseitig zu beleben. Indessen hatte man den Oberbefehl Welden abgenommen, Haynau übertragen und war durch die bisherigen Mißgriffe der Oberbefehlshaber die österreichische Armee in eine solche Lage versetzt worden, daß von einem gemeinschaftlichen Operiren mit der Südarmee keine Rede sein und sich dieselbe vor der Hand nur in der Defensive halten konnte. In der zweiten Hälfte des Mai rückte der Ban von Essegg nach Vukovar, Illok, Karlowitz, Towarnik und Ireg vor und bezog selbst das Hauptquartier in Ruma. Seine Lage [147] war keine beneidenswerthe; alle Ungeschicklichkeiten und Tactlosigkeiten der bisherigen Oberfeldherren, welche zuletzt Oesterreich nöthigten, russische Hilfe in’s Land zu rufen, wirkten wie auf anderen Seiten auch im Süden nach, wo er sich mit seinem Heere befand. Dasselbe litt überdieß Mangel an Kleidung, Waffen und anderen Ausrüstungsgegenständen. Die Cholera wüthete im Heere in Entsetzen erregender Weise. Die Serben unter Theodorović waren durchaus nicht schlagfertig; überdieß gewann der Gegner immer mehr Vortheile, er verstärkte Peterwardein, zog von allen Seiten Unterstützungen an sich und fand im insurgirten Lande, dessen Bevölkerung entweder heimlich oder offen zu ihm stand, Verpflegung die Hülle und Fülle. Der Banus, von aller Unterstützung weit entfernt, sich selbst überlassen, konnte nun nichts thun, als sich in der Defensive halten. Der Ueberfall einer vor Peterwardein befindlichen Redoute, welcher glückte, zwei zurückgeschlagene Angriffe des Gegners auf das Plateau von Titl und ein abgeschlagener Ausfall aus der Festung Peterwardein nebst der übrigens nur sehr langsam bewerkstelligten Ueberschiffung der Truppen bei Slankamund waren die einzig bemerkenswerthen Unternehmungen seines Corps bis Anfangs Juni. Verpflegungsrücksichten, da die erschöpften Gegenden Slavoniens und Syrmiens nichts mehr zu leisten im Stande waren, veranlaßten den Ban, seine, eine Verbindung mit der Hauptarmee bezweckende Vorrückung längs des Bacser (oder Franzens-) Canals vorzunehmen und die Linie von Zombor bis Földvár zu besetzen. Am 5. Juni begann der Marsch in dieser Richtung. Am 6. stand der linke Flügel bei Kaacs, das Centrum (Reiterei und Geschützreserve) hinter dem Kaacser Walde und der äußerste rechte Flügel bei Josephsdorf. Gegen Kovil ward ein Detachement entsendet und Kničanin blieb zur Sicherung des Plateau’s von Titl zurück. Der Gegner, davon in Kenntniß gesetzt, hatte keinen geringeren Plan, als das Corps in der Fronte, in Flanke und Rücken zugleich anzugreifen; er rückte also in der Nacht vom 6. auf den 7. Juni von Neusatz gegen Kaacs, drängte die Vortruppen des Corps zurück und unternahm einen heftigen Angriff auf dessen rechten Flügel. Da brachen aus dem Kaacser Walde unsere Reitercolonnen, die bis dahin versteckt waren und von dem Feinde gar nicht vermuthet wurden, mit Ungestüm hervor, das Geschütz fuhr auf, ein mörderisches Feuer entwickelnd und der Feind, zuerst einen allgemeinen Rückzug antretend, wendete sich dann zu regelloser Flucht. In der Nacht vom 11. zum 12. griff der Ban die vor Neusatz liegenden Verschanzungen an, nahm sie nach heftigem Kampfe und zwang die Besatzung zum eiligsten Rückzuge in den Brückenkopf. Neusatz selbst wurde bei diesem Kampfe in einen Trümmerhaufen verwandelt. Als nun der Ban Nachrichten erhielt, daß ein feindliches Corps bei O’Becse stehe und an der dortigen Schiffbrücke die Verschanzungen und Batterien an beiden Theißufern beschütze, beschloß der Ban den Angriff dieses Corps und begann in der Nacht vom 24. auf dem 25. Juni bei Szt. Tomas den Uebergang über den Franzenscanal. Am 25. Morgens halb 8 Uhr stieß der Ban, welcher die Hauptcolonne führte, auf den Feind. Sogleich entspann sich ein hartnäckiger Kampf. Das wirksame Feuer seines Geschützes zwang den Gegner zum Rückzuge. Darauf rückte des Banus Heer in Sturmcolonnen vor und trieb den Gegner bei O’Becse über die [148] Brücken, welche beide von den Unsrigen sofort besetzt wurden. Noch hatte Mitte Juli das blutige Gefecht bei Hegyes Statt, wo sich der Feind, bedeutende Abtheilungen auf seinen Flügeln an der Donau und Theiß vorschiebend, in ansehnlicher Stärke gesammelt hatte. Der Ban nahm seine Aufstellung bei Kis-Bér, entschlossen, so schwach er war, den weit überlegenen Gegner anzugreifen, dessen treffliche Dispositionen auch das Schlimmste besorgen ließen. Als sich der Kampf am 14. Juli entspann und die Batterien des Feindes ihr vernichtendes Feuer eröffneten, wurde bereits das erste Treffen seiner Aufstellung zum Wanken gebracht. Nun drängte der Feind auf des Banus rechten Flügel und schon begannen zwei erst neu organisirte Bataillone zu schwanken. In diesem Augenblicke drängender Gefahr stellte sich der Ban persönlich an die Spitze der Weichenden, redete sie in ihrer Muttersprache an, Stand zu halten und führte sie neuerdings dem Feinde entgegen, den er auf diesem Puncte bis Szeghégy zurückwarf. Da indessen die Insurgenten sich immer mehr verstärkten und ihren wachsenden Massen länger Widerstand entgegen zu stellen unmöglich ward, war der Ban auf die Sicherung der Rückzugslinie bedacht und vollzog auch den Rückzug in bester Ordnung. Es hatten an diesem Tage von 3 Uhr Morgens bis Mittag auf der Seite des Banus 7000 Mann mit 73 Geschützen einem Gegner von weit über 15.000 Mann mit 100 Geschützen den hartnäckigsten Widerstand geleistet. Mit diesem Kampfe bei Hegyes schließt die Reihe der Ereignisse, in welchen der Ban mit der bis dahin bestandenen Südarmee activ mitgewirkt hatte. Nach dem Siege bei Temesvár suchte er seine Vereinigung mit der von Haynau befehligten Hauptarmee zu bewerkstelligen; eine Abtheilung seines Corps zur Cernirung Peterwardeins zurücklassend, trat er mit dem Reste seinen Marsch gegen Temesvár an. Nachdem mit der Waffenstreckung bei Villagos die Kriegsereignisse ein Ende genommen, wurde der Ban Ende August unmittelbar vom Schlachtfelde an das kaiserliche Hoflager nach Wien berufen und den Berathungen beigezogen, welche die Reorganisation von Croatien, Slavonien und der Militärgrenze betrafen, über welche Länder er genaue Kenntnisse besaß und ein entscheidendes Wort dabei mitzusprechen in die Lage kam. Nach wieder hergestelltem Frieden kehrte J. in sein Vaterland zurück, welches seinen Sohn als den Erretter des Gesammtvaterlandes bei allen Anlässen feierte. Sein Herr und Kaiser belohnte den ritterlichen Krieger mit dem Commandeurkreuze des Maria Theresien-Ordens, welches ihm in der 153. Promotion (vom 29. Juli 1849) verliehen wurde, mit dem militärischen Verdienstkreuze, dem Großkreuze des Leopold-Ordens, mit der Erhebung in den Grafenstand (24. April 1854), welcher nach seinem Tode durch kaiserliche Gnade auf seine beiden jüngeren Brüder Anton und Georg überging, durch Verleihung der geheimen Raths-, Kämmerer- und Inhaberswürde, welch’ letztere er für 3 Regimenter, u. z. für das Infanterie-Regiment Nr. 46 und 2 Banater Regimenter (das 10. und 11.) erhalten hatte. Den bisher angeführten Auszeichnungen hatten noch fremde Fürsten, als der Kaiser von Rußland, die Könige von Hannover und Sachsen, der Herzog von Parma, ihre Decorationen beigefügt. Nach der dem Bürgerkriege gefolgten ersten Organisation des Kaiserstaates kehrte der Ban als Gouverneur und commandirender General in Croatien, Slavonien und Dalmatien [149] und Gouverneur von Fiume nach Agram zurück, wo er – von Zeit zu Zeit in Fragen der Politik an den kais. Hof berufen – bis an seinen Tod verblieb. Der Ban hatte sich am 23. Juli 1850 mit Sophie, geborne Gräfin Stockau, vermält, aus welcher Ehe jedoch keine Nachkommen vorhanden sind. Nach dem Kriege wendete der Ban seine Muße der Ordnung seiner in früheren Jahren geschriebenen Gedichte zu, welche ein warmes Gefühl für das Schöne beurkunden; sie sind in prachtvoller Ausstattung, mit dem Porträte des Bans geschmückt, unter dem einfachen Titel: „Gedichte“ (Wien 1851, Braumüller, mit 5 Stahlstichen und eingedruckten Holzschnitten, gr. 8°.) erschienen. Allgemein war die Trauer im Lande, als der Ban nach längerer Krankheit starb, die sich als eine Geistesstörung zu erkennen gab, deren sich immer heftiger wiederholende Anfälle einen tödtlichen Ausgang nehmen mußten. Schon den folgenden Tag nach seinem Tode, am 21. Mai, fand die Einbalsamirung seiner Leiche Statt, die in einem zinnernen und hölzernen Sarge nach seinem eigenen Wunsche in der Capelle zu Novidvori beigesetzt wurde. Bis zum erfolgten Begräbnisse blieb das Theater in Agram geschlossen.

I. Biographien und Biographisches. Hirtenfeld (J.), Ban Jellacić. Biographische Skizze (Wien 1861, Geitler, gr. 8°.). – Pejaković (Stephan), Aktenstücke zur Geschichte des kroatisch-slavonischen Landtages und der nationalen Bewegung vom Jahre 1848. Mit einem Anhange, enthaltend: die wichtigsten Landtags-Akten vom Jahre 1861 u. s. w. (Wien 1861, Mechitharisten, gr. 8°.). – Le généralfeldzeugmestre baron Jellachich de Busin, ban de Croatie, d’Esclavonie et de Dalmatie (Paris 1852, 4°.)Oesterreichischer Courier (allgemeine Theater-Zeitung), herausg. von Ad. Bäuerle (Wien, gr. 4°.) XLI. Jahrg. (1848), Nr. 233, S. 938; Nr. 267, S. 1074; Nr. 287–295: „Biographie". – Oesterreichischer Soldatenfreund, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien, 4°.) I. Jahrg. (1848), Nr. 24. – Leptír za godinu 1860. Izdao Ljudevit Vukotinović (Agram 1860, Dr. L. Gaj, 12°.) p. VII-XLII. – Rittersberg, Kapesní slovníček, d.i. Kleines Conversations-Lexikon (Prag 1850, 12°) Theil I, S. 809–870. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 1420 u. 1752. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon (Wien 1850 u. f., gr. 8°.) Bd. III, S. 312. – Männer der Zeit. Biographisches Lexikon der Gegenwart (Leipzig 1859, C. B. Lorck, 4°.) I. Serie, S. 325. [In diesem Artikel heißt es: J. kam in die Theresianische Militär-Akademie; soll heißen: in das Theresianum, wo der Ban eine Ausbildung für den Civilstaatsdienst erhielt und nach deren Beendung erst trat er in ein Cavallerie-Regiment ein.] – Magazin für die Literatur des Auslandes, herausg. von Lehmann (Berlin, kl. Fol.) 1848, Nr. 127: „Jellachich der Kroatenhäuptling“; Nr. 129–131: „Kossuth und Jellachich“. [Aus der „Revue des deux mondes“ übersetzter Artikel des Herrn E. von Langsdorff.] – (Steger, Fr. Dr.), Ergänzungs-Conversations-Lexikon (Ergänzungsblätter) (Leipzig und Meißen, gr. 8°.) Bd. IV, S. 87. – Zur Geschichte des ungarischen Freiheitskampfes (Leipzig 1851, Arnold’sche Buchhandlung, 8°.) Bd. II, S. 27, 45. – Die Gegenwart. Eine encyklopädische Darstellung der neuesten Zeitereignisse für alle Stände (Leipzig 1848 u. f., Lex. 8°.) Bd. I, S. 499. – Didaskalia. Blätter für Geist, Gemüth und Publicität (Frankfurt a. M., 4°.) 1848, Nr. 278 [aus Steiermark 20. September]; 1859, Nr. 147 u. 148. – Luna. Belletristisches Beiblatt zur Agramer Zeitung, 1851, Nr. 7–11: „Erinnerungen aus dem Feldzuge in Ungarn. Von einem k. k. Officier" [betrifft ausschließlich den Ban J.). – Strack (Joseph), Die Generale der österreichischen Armee (Wien 1850, Jos. Keck, kl. 8°.) S. 324–364. – Freiherr von Jellachich, Banus von Kroatien. Kurze und wahrhafte Lebensbeschreibung dieses interessanten Mannes (Wien, im October 1848 gedruckt bei Franz Edlen von Schmid, kl. Fol. [höchst seltenes Flugblatt]. – Manifest, unterzeichnet: Jelaćić, Ban (Datum des Druckers: Wien im September 1848, gedruckt bei Carl Gerold, Imp. Folio) [höchst seltenes und interessantes Actenstück]. [150]Kaatzer’s Album (Aachen 1848, kl. 4°.) S. 359: „Jellachich als Dichter“. – Vehse, Oestreichs Hof und Adel (Hamburg, Campe 8°.) Bd. XI, S. 58, 60. – Der Demokrat (vorm. Wanderer) (Wiener Journal, 4°.) 1848, Nr. 220. – Austria. Österreichischer Universal-Kalender (Wien, Klang, gr. 8°.) X. Jahrgang (1849), S. 384, 354. – Allgemeine Modenzeitung, herausg. von Diezmann (Leipzig, Baumgärtner, 4°.) 1848, S. 199. – Die Geißel. Tageblatt aller Tageblätter. Redigirt von J. F. Böhringer (Wien, 4°.) 1848, Nr. 68 und 78. – Pannonia. Beiblatt zur Preßburger Zeitung, 1848, Nr. 19 „Jellachich als König der Kroaten“. – Blaze de Bury (Henry), Souvenirs et récits des campagnes de l’Autriche – Balleydier (Alph.), Histoire de la guerre de Hongrie. – Nouvelle Biographie générale … publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 8°.) Tome XXVI, p. 646. – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és leszármazási táblakkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1859, Mor. Ráth, 8°.) Bd. V, S. 330 [ein in Vergleich zu anderen Artikeln dieses Werkes höchst oberflächliches Machwerk]. – Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser (Gotha, Perthes, 32°.) V. Jahrg. (1855), S. 284. – Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser (Gotha, Perthes, 32°.) Jahrg. 1858, S. 364; Jahrg. 1860, S. 382; S. 382; Jahrg. 1862, S. 382. – Die Jellacsichiade. Heldengedicht in 5 Gesängen (Leipzig 1850, Keil u. Comp., 15°.) [der Verfasser, dieses unsaubern Gedichtes wird in den Kreisen der Wiener Schriftsteller vermuthet].
II. Porträte. 1) F. Randel sc. (Leipzig. L. Rocca, Fol.). Kniestück. – 2) Stahlstich im Taschenbuche der freiherrlichen Häuser, 4°. – 3) Gez. von Mirovich, lith. von E. Kaiser (Wien, Paterno, Fol. u. 4°.). – 4) Gez. und lithogr. von Lanzedelli (Wien, Paterno, kl. Fol.). – 5) Gez. von Th. Heinrich, lith. von Stohe (Agram, Supan, gr. Fol.), Tondruck. – 6) Nach Heicke (Wien, Neumann, gr. Fol., auch 4°.), zu Pferde. – 7) Lithogr. von Kriehuber (Wien, Neumann, gr. Fol.). – 8) Mit der Unterschrift: Grof Josip Jelacić, ban hrvatski i slavonski (Litografijski zavod Jul. Hähne u Zagrebu, 4°.). – 9) Holzschn. v. H. Rückling, Kniest., unten mit dem Facsimile seiner Devise und seines Namens.
III. Wahlspruch.

Wer’s recht meint, der versucht und prüft
Mit Gotteshilf’ sein gutes Schwert,
Ist auch der Ausgang nicht verbrieft,
Das Wollen hat den Mann geehrt.

Ein anderer, den er auf dem Wappen führt, lautet: „Sto Bog dade i sreća junacka“, d. i. Was Gott gibt und Soldatenglück.
IV. Genealogie, V. Heutiger Familienstand, VI. Wappen. Siehe in den Quellen zu Franz Freiherrn von Jellačić [S. 138–140].
VII. Zur Charakteristik des Banus. Dieselbe ist von allen Parteien entworfen worden. Hier folgen die bemerkenswerthesten, und jene, welche ein Bild seiner Persönlichkeit geben. Sein Porträt (in Worten) entwarf eine Feder zur Zeit seines Auftretens im Jahre 1848 in folgender Weise: „J. ist von mittlerer Statur, stark und untersetzt; der Scheitel schon sehr entblößt, nur noch mit einem Kranze, von sonst gewiß sehr schönen schwarzen Haaren versehen. Hohe Stirne, starke Braunen, gebogene Nase, feiner Mund, sicher und fest geschlossen, aber beweglich und stets zur Rede bereit. Der Stempel des ganzen Gesichts hat etwas Südliches, ohne dessen Leidenschaftlichkeit, der Ausdruck ist jener der heiteren feinen Milde, der in sich selbst gegründeten Sicherheit. Die Stimme ist weich im gewöhnlichen Gespräche, und wird nur scharf im Affect. Er spricht das Deutsche wie seine Muttersprache mit dem gewöhnlichen österreichischen Accent, aber doch so gemildert, wie man es bei den gebildeten Oesterreichern jetzt schon öfters bemerkt. Seine Bildung ist eine ganz deutsche, er liebt die Sprache und die Literatur wie keine andere. Deutsch ist die Sprache, in welcher er sich am sichersten ausdrückt, in der er denkt und dichtet, in der er den Ausdruck zuerst sucht, wenn er etwas Ungewöhnliches in der eigenen Sprache sagen will. Hört man ihn aber Croatisch oder Ungarisch, ja Italienisch reden, so hält man jede dieser Sprachen für die, welche er wohl am besten spricht.“ – Diese Schilderung seiner äußeren Erscheinung dürfte das Nachfolgende aus dem Munde seines ehemaligen Zimmerkameraden, der mit ihm sieben Jahre in einem Regimente gedient, ergänzen. „Jellačić (damals 44 Jahre alt) ist geistreich, energisch, durch und durch Soldat und durch und durch Mann. Im Wiener Theresianum erzogen, wurde er eigentlich für die Civillaufbahn gebildet und er ist Jurist. Croat von Geburt, Abkömmling von einer sehr in den Grenzländern verehrten Familie, seit Jahren in der Grenze dienend ist [151] er mit den Bedürfnissen, Sympathien und Antipathien des dortigen Volkes genau bekannt und eben deßhalb der Mann, den das Land braucht und sucht. Jellačić ist keineswegs ein „Haudegen“ wie er genannt worden, sondern vielmehr ein geist- und witzsprudelnder Gesellschafter und zugleich der fleißigste kenntnißreichste Beamte, ein wissenschaftlich strategisch gebildeter Officier und tapferer Soldat, was er bewiesen hat. Er ist dabei Dichter und Schriftsteller und hat soviel von dem Staatsmanne, als dem Generale an sich und spricht Deutsch, Französisch, Italienisch, Griechisch, Lateinisch, Ungarisch und Slavisch. Bei ihm vereint sich Genie, Wissen, Erziehung und Bildung, und wenn seinem sonst so festen energischen Charakter etwas vorzuwerfen, so ist es eine fast zu weiche Gutherzigkeit“. – Das politische Glaubensbekenntniß des Banus dürfte aus seinen eigenen Worten am klarsten hervortreten, um so mehr, da Jellačić zu jenen wenigen Männern zählt, die, wie man zu sagen pflegt, das Herz auf der Zunge haben. „Windischgrätz, bemerkte der Croatengeneral bald nach der Einnahme Wiens, ist ein Aristokrat; er haßt alle Revolutionen aus inniger Ueberzeugung eben so gut, als aus Professionsrücksichten (dieses Wort sprach der Banus lächelnd). Die Frankfurter hat er schon in Prag abgekanzelt und mit Schulmeister Welcker machte er auch kein Federlesens. Den bußfertigen Revolutionären ist er überaus gram. Ein recht eingefleischter Revolutionsteufel fände bei ihm noch eher Gnade; die Extreme berühren sich. Außer Aristokrat ist er noch militärischer Pedant ……… Anders steht es mit mir: Ich liebe die Freiheit; ihr Credo ist das meine. Der Wiener Versammlung hatte ich meine Freundschaft angeboten, sie hat aber dieselbe schimpflich zurückgewiesen, das duldet kein rechter Mann. Croatien hat die Verträge des zwölften Jahrhunderts, die es mit Ungarn verbanden, mit gleichem Rechte als Deutschland die alte Bundesacte zerrissen. Die Wiener nahmen davon keine Kenntniß und wollten die croatischen Abgeordneten nicht in die sogenannte „Constituante“ aufnehmen. Ich weiß wohl, daß sie es darum thaten, weil sie das slavische Uebergewicht in der Versammlung fürchten und nebenbei, weil sie die Magyaren für bessere Verbündete Deutschlands ansehen, als die slavischen Croaten, welche den Russen näher stehen, oder stehen sollen. Als Croat geht mich aber das nichts an. Ich sage, daß der Kaiser eben so gut König von Croatien, als Erzherzog von Oesterreich, oder König von Illyrien ist. Im österreichischen Völkerverbande müssen alle gleiche Rechte haben. Ist es dann natürlicher, daß die Slaven das Schutzrecht über die Gesammtheit haben als die Deutschen, so muß es also geschehen. Ich darf die Rechte meines Volkes und meines Stammes nicht opfern, den deutschen Berechnungen zu gefallen. Das wußten die Minister …… recht gut, darum unterstützten sie heimlich die Feindseligkeit der Versammlung gegen mich, damit ich genöthigt werde, mich ihrem Plane anzuschließen. Ich durchschaute das Doppelspiel, aber im Interesse meines Landes mußte ich mich darein fügen, mit den Feinden meiner Feinde gemeinschaftliche Sache zu machen. Von der Wiener Versammlung war nichts zu hoffen, besonders nach den Vorfällen vom 6. October. Latour war mein Freund, d. h. mein politischer Freund. Ich konnte nur gleichzeitig ihn rächen, Genugthuung für grobe Beleidigungen mir verschaffen und den Magyaren einen Hauptstützpunct rauben. Ich wäre Verräther an meiner Sache, an der Sache Croatiens und an mir selbst geworden, wenn ich nicht nach Wien gezogen wäre. Die schwarz-roth-goldene Fahne mußte in Wien zurückgeworfen werden, weil ein slavisches Oesterreich, dem auch Ungarn angehören muß, eine nothwendige Folge der jetzigen Lage der Dinge ist. Die Kremsierer werden die croatischen Abgeordneten wohl aufnehmen; wir haben jetzt persönliche Bekanntschaft gemacht. Die Tugend der deutschen Mädchen in Oesterreich croatisirt sich auch schon (???); das gute Einverständniß ist erfolgt (?). Was die Frankfurter beschließen oder nicht beschließen, kümmert uns wenig. Sehen Sie dort die österreichische Fahne auf dem Stephansthurme? Das hat man auch nicht – wenigstens nicht offen – in Frankfurt beschlossen. Wenn Welcker aufrichtig wieder sagt, was Windischgrätz ihm darüber als ehrlicher Soldat zu erkennen gegeben hat, so müssen die Frankfurter bereits wissen, wie wir die Sache verstehen. Ich läugne nicht, daß ein großes Deutschland zu den Möglichkeiten gehöre, aber das läugne ich, das es jetzt ein solches wirklich gebe. Wir können und wollen nicht darauf warten; daher werden wir vor der Hand ein mächtiges slavisches Oesterreich erschaffen! Dabei wollen wir aber doch keineswegs den Frankfurter Redeübungsverein in seinen täglichen Unterhaltungen stören“. Aus allen Aeußerungen J.’s leuchtete die größte Verachtung für die Ränkemacher in Deutschland, [152] Ungarn, Frankfurt u. s. w. hervor. Mit Achtung sprach er von seinen entschiedensten Feinden. „Man sei Aristokrat oder Demokrat, schloß er seine Rede, Feind oder Freund, aber man sei doch um Gotteswillen ganz, was man ist oder sein will.“ – Ein Zug aus seinem Soldatenleben charakterisirt ihn aber zugleich als Soldaten und Menschen. Sein Regiment – als die Aushebungen für den Krieg in Italien begannen – stand in Karlstadt zur Musterung bereit. Es war im Februar, die Kälte beißend und die Mannschaft harrte in Reihe und Glied vor der Wohnung des Generals der vorzunehmenden Revue. An zwei Stunden schon war das Regiment, seinen Oberst an der Spitze, in der strengsten Kälte dagestanden, der General saß indeß ruhig und bequem im wohlgeheizten Zimmer und ließ die Mannschaft unnütz warten und frieren. Endlich riß dem Obersten Jellačić die Geduld und er befahl dem Regimente einzurücken. Nun erschien der General, ließ den Obersten mit harten Worten an, und berief sich auf seine Pflicht, die Musterung abzuhalten. „Euer Excellenz, rief J., auch ich habe meine Pflichten, und kann nicht zugeben, daß dieses arme Volk um nichts und wieder nichts unter freiem Himmel friere. Wollen Euer Excellenz die Musterung wirklich abhalten, so lasse ich sofort das Regiment antreten“.
VIII. Die Jellačić-Stiftung. Diese ist von dem k. k. Rechnungsofficialen Paul Schulz aus gesammelten patriotischen Beiträgen gegründet, u. z. für invalide Grenzer aus den Feldzügen der Jahre 1848 und 1849 und ihre verwaisten Familien und wenn keine mehr vorhanden sind, für andere Grenzer von Verdienst und guter Conduite, aber stets mit besonderer Rücksicht auf die verheiratheten Familienväter. Das Stammcapital beträgt dermalen 40.300 fl. CM. und 135 fl. WW. in Obligationen. Das Verleihungsrecht stand dem Banus J. zu, so lange er lebte, nach seinem Tode und in Zukunft dem jeweiligen Ban oder Gouverneur von Croatien. [Militär-Schematismus für 1859, S. 556.]
IX. Denkmünze. Avers: Das Porträt des Banus en face in Huszaren-Uniform und Mantel. Umschrift: Joseph Freiherr von Jellachich, Banus von Kroatien. Geboren d. 16. October 1801. Revers: In freier Bewegung erhebt sich kühn der österreichische Doppeladler, die Nattern des Aufruhrs mit seinen kräftigen Fängen erdrückend und im Begriffe, solche gegen eine Felsenspitze zu schleudern. Im Hintergrunde erblickt man die Prospecte von Wien und Ofen und Pesth, bezüglich der Ermordung der beiden unglücklichen Grafen Latour und Lamberg. Ueber dem Doppeladler schwebt, von einer Sonnenglorie umgeben, die Kaiserkrone Oesterreichs. Umschrift: Für Kaiser, Gesetz und Gleichberechtigung der Nationalitäten. Ich besitze ein Exemplar von Zink. Diese Medaille, wie noch mehrere andere in eine Suite gehörige, auf den Kaiser Franz Joseph I., den Erzherzog Johann, Haynau, Radetzky, Schlik, Windischgrätz, auf die Verfassung Oesterreichs, auf den deutschen Bund im Jahre 1848 sind, mit Ausnahme jener auf Windischgrätz, von August Neuß, Graveur in Augsburg, und die letzte auf den deutschen Bund von J. J. Neuß, k. k. Hofgraveur, gleichfalls in Augsburg, und wohl des Vorigen Vater, verfertigt. Die Medaille auf den Fürsten Windischgrätz ist von dem Augsburger Graveur Drentwett.

  1. Ban oder Banus bezeichnet ein altes Erzamt in Ungarn, von dem slavischen Ban (pan), das ist Herr. Der Ban von Croatien ist unter den Erz-, Kron und Reichsbeamten des Königreichs Ungarn der Dritte. Bei der Krönungsfeier trägt er den Reichsapfel. Ehemals hatte er die Pflicht, die Grenzen von Ungarn zu beschützen und in Friedenszeiten dem Volke Recht zu sprechen. In der Folge gerieth dieses wichtige Amt in Verfall und ob es gleich im 17. und 18. Jahrhunderte mit bedeutenden Rechten wieder hergestellt worden, ist sein Wirkungskreis theils durch die eingeführte Grenzverfassung, theils durch andere Veränderungen weit beschränkter. Sonst gab es in Ungarn mehrere Bane und ihr Bezirk hieß Banat.