Geschichte von Kloster Heilsbronn/Die zur Zeit der Klosterauflösung vorhandenen Votiv- und Porträtbilder

« Die zur Zeit der Klosterauflösung vorhandenen 26 Altäre Geschichte von Kloster Heilsbronn
Freskomalereien »
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[254]
Die zur Zeit der Klosterauflösung vorhandenen Votiv- und Porträtbilder.

Dergleichen waren damals, außer den bereits besprochenen Malereien, folgende vorhanden.

1. Votivbild des 17. Abts Friedrich von Hirschlach, jetzt bei Nr. 41, Folgendes darstellend: Christus der Gekreuzigte, jedoch nicht am Kreuz hängend, sondern vor dem Kreuz stehend, lebensgroß, die Arme über der Brust kreuzend, an Händen und Füßen die Nägelmale, Blutstropfen nicht nur am Haupt, sondern am ganzen Körper, die Augen geöffnet; am Kreuz oben, nicht auf dem Haupt des Heilands, die Dornenkrone, drei Nägel, weiter unten die Geißel und die Lanze. Zu den Füßen des Heilands kniet der genannte Abt (s. dort), welcher während seiner nur fünfjährigen Regierungszeit, 1345 bis 1350, dieses sein Gedächtnißbild malen ließ: unter den in Heilsbronn vorhandenen Gemälden das zweitälteste und, wie das vorhin beim 22. Altar besprochene von 1284, noch mit Temperafarben gemalt. Es dokumentirt, wie mangelhaft man noch um 1350 in Heilsbronn oder Nürnberg malte. Die beiden Figuren des Heilands und des Abts sind verzeichnet, die Gliedmassen verrenkt, das ganze Bild macht einen widrigen Eindruck. Die Darstellung aber ist [255] originell und darum beachtenswerth. Neben dem Abte steht: Apt Friedereich von Hirzlach. Auf einem Spruchband: Miserere mei Deus. Man hätte den Maler Thiem, welcher 1854 das Bild restaurirte, anweisen sollen, zwar das theilweise abgefallene Gewand zu ergänzen, aber nichts zu übermalen, nichts abzuändern, sondern Alles in seiner dürftigen Originalität zu lassen, insonderheit den Untergrund. Dieser war, wie noch jetzt, nicht Gold, sondern Silber und ganz ausgefüllt durch dichtaneinander gedrängte erhabene Rauten, in der Mitte einer jeden Raute ein kleines, alternirend roth und grünes Glasquadrat, die Farbe aber nicht im Glase eingeschmolzen, sondern auf der Rückseite mit einem Pinsel aufgetragen. Die Glasquadrate wurden vom Restaurator insgesammt beseitigt und die Erhöhungen, worauf sie lagen, verschiedenfarbig lasirt. Das Bild hing zur Zeit der Klosterauflösung in der Ritterkapelle, ursprünglich aber wohl an der Grabstätte des Abts, im Kapitol. Vgl. Stillfried S. 36.

2. Votivbild des Arztes Mengos[1], jetzt bei Nr. 122. Über Mengos und seine Schenkungen ist oben beim 13. Abt ausführlich berichtet worden. Sein Votivbild ist das drittälteste Gemälde in Heilsbronn, mit Temperafarben gemalt, beachtenswerth als Nachweis, daß man i. J. 1370 in Nürnberg oder Heilsbronn noch ebenso mangelhaft gemalt hat, wie in den Jahren 1284 und 1350. Die Darstellung illustrirt ein Viergespräch zwischen Mengos, Maria, Christus und Gott Vater. Aus den von den vier Sprechenden ausgehenden Spruchbändern ergibt sich folgendes Gespräch: Mengos richtet fußfällig an Maria die Bitte: Te rogo, virgo pia, nunc me defende, Maria. Maria, auf ihre Brust deutend, spricht zu ihrem Sohne: Haec quia suxisti, fili, veniam precor isti. Christus, auf seine Wunden deutend, spricht zu Gott Vater: Vulnera cerne, pater, fac quod rogitat; mea mater. Der Vater, aus den Wolken schauend, antwortet dem Sohne: Quaeque petita dabo, fili, tibi nulla negabo. Die Umschrift am Bilde lautet: A. D. 1370 in die Agnetis [256] virginis et martyris obiit magister Mengotus, cujus anima req. i. p. An den vier Figuren erscheint Alles unschön: die Gliedmassen verrenkt, die Züge verzerrt.

3. Votivtafel für den Kurfürsten Friedrich I. Eine solche hing in Heilsbronn zur Zeit der Klosterauflösung an einer der runden Säulen mit der Inschrift: „A. D. 1440 an St. Matthaei des Evangelisten Tag, da starb der durchleuchtig hochgeborne Churfürst und Herr, Herr Fridrich, Morggraue zu Brandenburg, des heil. röm. Reichs Erzkämmerer und Burggraue zu Nurnberg, der hie begraben ligt, dem Gott gnädig sei“. Die Kopisten, welche dieses vor 273 Jahren abschrieben, bemerkten dabei: „Ein sehr alt Täfelein, übel zu lesen.“ Der Schreiber des vorliegenden Buches fand in Heilsbronn das Täfelein nicht mehr, auch kein Votivbild des Kurfürsten, wohl aber ein höchst ruinoses Brustbild, welches man für das des Kurfürsten ausgab und neuerlich nach Berlin ablieferte. Vom Kopf und Gesicht sieht man daran nur noch die äußersten Umrisse und den Bart. Was an der Ordenskette hängt, scheint ein St. Christophorus und ein Delphin zu sein. Das Bild ist (wie der burggräfliche Löwe) roth und weiß umrahmt. Die vorhandenen, den Kurfürsten darstellenden Holzschnitte sind unbefriedigend. Befriedigend aber ist ein der Kirche in Kadolzburg angehöriges Bild,[2] welches man für das des Kurfürsten hält. Dieser erscheint mit dem Kurhut und das Schwert tragend. Eine von Jarwart gefertigte Kopie findet sich in der heilsbronner Kirche bei Nr. 54. Auf einem andern Bilde in Kadolzburg ist St. Valerianus abgemalt, welcher den Gesichtszügen nach dem Manne auf dem erstbeschriebenen sehr ähnlich ist; dagegen unterscheidet sich St. Valerianus durch einen anders geformten Bart, durch das gesenkte Schwert und durch den Heiligenschein. Unter dem Bilde steht: „Renovirt 1662.“ Der Renovator, vielleicht schon ein früherer Maler, setzte dem heiligen Valerian einen Kurhut auf, beließ aber den Heiligenschein [257] und kombinirte sonach einen Kurfürsten mit einem Heiligen. Auf einem andern, die Kreuzigung darstellenden Bilde sieht man unter Maria den Kurfürsten Friedrich I.[3] knieend an einem Betstuhl, dessen Vorderwand das kombinirte burggräflich-, zollern-brandenburgische Wappen zeigt; unter Johannes sieht man die Kurfürstin Else, knieend an einem Betstuhl, dessen Vorderwand die Rauten des bayerischen Wappens zeigt. Vermuthlich ließ Friedrich dieses Votivbild zur Zeit seiner Vermählung für die Kirche in Kadolzburg malen. Es wurde i. J. 1873 von der Gemeinde Kadolzburg dem kaiserlichen Kronprinzen in Berlin zum Geschenk gemacht. Im Todtenkalender heißt es beim 21. September: Anniv. domini Friderici Marchionis brandenburgensis. Eine spätere Hand schrieb bei: Friderici primi, anno 1440. Man hatte nun in Kadolzburg angeblich zwei Bildnisse vom Kurfürsten Friedrich I., aber nur eines von seiner Gemahlin. Man suchte nach einem zweiten Elsebild und vermeinte, es auch unter den dortigen Bildern aufgefunden zu haben. Allein das aufgefundene Bild stellt nicht die schöne Else dar, sondern die heilige Cecilie, die Schutzpatronin der Kadolzburger Kirche. Die Heilige erscheint in der Märtyrerkrone, mit Palmzweig und Schwert; ein herabschwebender Engel trägt in seinen Händen einen Blumenkranz.

4. Votivtafel für den Markgrafen Johannes Alchymista, welcher von seinem Vater, dem ebengenannten Kurfürsten Friedrich I., die Provinz Kulmbach erhielt, in Baiersdorf starb und in Heilsbronn begraben wurde. Die Schrift auf einer zur Zeit der Klosterauflösung und noch im 18. Jahrhundert an einer der runden Säulen hängenden Votivtafel lautete: „Nach Christi Geburt 1464 Freitag nach St. Martintag ist tod der durchleucht. hochgeb. Furst und Herr Johannes Marggraf zu Brandenburg und Burggraf zu Nürnberg, d. G. g.“ Ob auf der nicht mehr vorhandenen Tafel auch etwas gemalt war, kann nicht angegeben werden. Vgl. Stillfried S. 134.

[258] 5. Votivbild des Kurfürsten Friedrich II., vormals an einer der runden Säulen, jetzt bei Nr. 68. Zwei Engel tragen den von dem Kurfürsten gestifteten Schwanenorden. Darüber stehen die Worte: „A. D. 1471, am Sonntag nach St. Scholasticatag ist der durchleucht. und hochgeb. Fürst und Herr Friederich Marggrau zu Brandenburg, des heil. röm. Reichs Erzkammerer und Churfürst, zu Stettin, Pommern, der Cassuben, Wenden Herzog, Burggrau zu Nurmberg und Fürst zu Rugen etc. gestorben, der diese unser lieben Frauen Gesellschaft aufgerichtet und dazu ein Stift auf unser lieben Frauen Berg zu Brandenburg gestift hat, daselbst man die Bruderschaft derselben Gesellschaft begert. Das Seel und aller der Seel, die in dieser Bruderschaft verschieden sind, der allmächtig Gott barmherzig sei. Amen.“ Der Kurfürst stiftete den Schwanenorden in dem längst niedergerissenen Prämonstratenserkloster auf dem Frauenberge bei Alt-Brandenburg. Näheres hierüber siehe in den Beitr. S. 99–102. Man hätte im Restaurationsjahre 1853 dieses Votivbild genau nachbilden und kopiren, übrigens aber in seiner ursprünglichen, höchst einfachen Ausstattung belassen sollen; allein es wurde Alles, die Köpfe der Engel ausgenommen, übermalt und dadurch das Ursprüngliche verwischt. Vgl. Stillfried S. 134.

6. Votivtafel und Votivbild des Kurfürsten Albrecht Achilles, vormals an einer der runden Säulen, jetzt bei Nr. 67 und Nr. 71. Die Goldschrift auf der Votivtafel ist oben beim 24. Abt mitgetheilt worden. Das dazu gehörige unbeschriftete Votivbild[4] zeigt den von des Kurfürsten Bruder gestifteten Schwanenorden, getragen von zwei Engeln. Bei den vorhin besprochenen älteren heilsbronner Bildern hieß es: „Verzerrt, verrenkt, Alles unschön;“ dieses Bild ist schön in allen seinen Theilen: Antlitz, Kopfschmuck, Faltenwurf etc. Maler nicht bekannt; Zahler vermuthlich die Söhne Albrechts.

7. Votivbild des Markgrafen Sigmund von Bayreuth, vormals an einer der runden Säulen, jetzt bei Nr. 69, [259] gefertigt 1497. Zwei Engel tragen die Schwanenordenskette. Darunter die oben beim 24. Abt mitgetheilte Inschrift. Vgl. Stillfried S. 150.

8. Votivbild des 24. Abts Haunolt, oben bei diesem Abt ausführlich besprochen, ursprünglich im Kapitol an der Grabstätte des Abts befindlich, jetzt bei Nr. 49, gefertigt i. J. 1494. Es stellt die Jungfrau dar, auf ihren Armen das Kind, unter ihrem schützenden Mantel der Abt und sein Konvent. Vgl. Stillfried S. 231.

9. Votivbild des 1365 gestorbenen Burggrafen und Bischofs Berthold. Ein Marienbild, vormals an einer der runden Säulen, jetzt bei Nr. 27, im J. 1497 ganz übermalt, beim 24. Abt besprochen. Vgl. Stillfried S. 117.

10. Votivbild des 30. Abts Wirsing, die Ausführung nach Golgatha darstellend, um 1552 von Lukas Gruenberg und Konsorten gemalt, ursprünglich in der Katharinenkirche, jetzt in der Klosterkirche bei Nr. 99, oben beim 30. Abt ausführlich besprochen. Gruneberg und Konsorten, darunter sein Schwager Seitensticker, arbeiteten fast 30 Jahre lang in und für Heilsbronn nicht nur als Maler, sondern auch als Bildhauer. Auch das nun zu besprechende Marmorepitaph wurde von ihnen gefertigt. Vgl. Stillfried S. 47.

11. Das Marmorrelief-Epitaph[5] der Markgrafen Georg und Friedrich, ursprünglich bei Nr. 63 eingemauert und mit einem rothen Vorhang bedeckt, bei der neuesten Restauration aber von dort entfernt und bei Nr. 51 eingemauert. Man sieht unter einem Kruzifix die beiden Markgrafen knieend, links und rechts 16 kleine Wappenschilde ohne Helmschmuck, auf jeder Seite 8, mit den Aufschriften: Brandenburg, Meisen, Bayern, Mailand, Sachsen, Braunschweig, Österreich, Mosen; an der [260] andern Seite wieder acht Aufschriften, nämlich Brandenburg, Sachsen, Bayern, Österreich, Polen, Österreich, Mosen, Böhmen. Unten vier größere Wappen mit den Aufschriften: Polen, Sachsen, Münsterberg, Frangipan. Darunter die folgenden, für eine Lapidarschrift allzulangen lateinischen und deutschen Verse:

Inclitus ingenua virtute Georgius Heros,
Brandenburgiaca Marchio stirpe satus.
Hic ubi fortis avus fratresque paterque quiescunt
Luce senex functus post sua fata, jacet.
Qui licet excelsae praestaret robore mentis,
Attamen innocuae pacis amator erat.
Bella nec alla domi sed publica et externa gessit,
Noxio nec patriae justa sed arma tulit.
Hinc sibi Pannoniae regnum devinxit amorem
Praemia Slesiacos laudis adeptus agros.
Adde, quod et titulis accessio Brussia avilis,
Facta per hunc gelido subdita terra polo,
Tum vero patriam tranquilla pace gubernans
Fortiter asseruit dogmata vera Dei.
Hacque fide referens constanti et pectore toto
Confessus coram Caesare saepe fuit.
Justitiae custos et castus caetera princeps
Subjecti meruit civis amore coli.
Hunc, quia te coluit, quia te constanter amavit,
Salvator, gremio suscipe Christo tuo.

Der hochgeboren Fürst, Marggraff Georg aus Gottes gaben,
Ligt alhie bey seinen vorfaren begraben.
Er war eins hohen und manlichen muts,
Dennoch friedts begierig und nit bluts.
In offentlichen kriegen sich gehalten wie ein held,
Mit recht angefangenen sachen wenig im sieg feldt,
Erworben der könige zu Ungern grose gnad,
Auch treflich land und leut zu einer gab,
Preussen zum haus Brandenburg gebracht,
Dasselb geaussert mit grossem gewalt und macht,

[261]

Seine furstenthumb in ruhe und fried regiert,
Mit rechtschaffener christlicher religion ziert,
Offentlich das Evangelium bekant
Vor keiserlicher Majestät und gemein Reichsstand,
Recht, zucht und tugend gehanthabt und gemehrt,
Von seinen unterthonen als ein vatter geliebt und geehrt
Den Christus zu den himlischen freuden uffgenommen,
Dahin er allein durch den seligmachenden Glauben kommen.

Dann folgen die Worte: Vixit annos 59, menses 9, dies 23. Mortuus est 5. Cal. Jan. A. D. 1543. Requiescit in spe resurr. mortuorum et vitae aeternae. Des Markgrafen Friedrich wird in diesen Inschriften nicht gedacht. Der lateinische Verskünstler (angeblich Stigelius) machte seine Sache besser als der deutsche. Verfertiger des Epitaphs ist Lukas Gruenberg.

12. Porträtbilder des Markgrafen Kasimir und dessen Frau, vormals an einer der runden Säulen, jetzt bei Nr. 66. Beide Personen sind klösterlich gekleidet und tragen den Schwanenorden. Rechts das bayerische Wappen, links das brandenburgische, Adler, Greif. Die Unterschriften lauten: „In dem Jahr als man zalt nach Christi geburt 1527 Jahr an dem 21. tag Septembers an St. Mathestag zu morgens zwischen drey und vieren starb der durchleuchtig hochgeborne Fürst und Herr, Herr Casimir, Marggrave zu Brandenburg, Stetin, Pommern, der Cassuben und Wenden Herzog, Burggrave zu Nürnberg und Fürst zu Rügen, der hie begraben leydt, dem Got vom himmel gnedig und barmherzig sey. Amen.“ Daneben: „Nach Christi unsers lieben Herrn und Seligmachers geburt 1543 am tag Georgii zwischen 8 und 9 Uhr nachmittag ist zu Neuburg an der Thonau in Got verschieden die durchleuchtig hochgeborn Fürstin und Frau, Frau Susanna, Markgrävin zu Brandenburg, gebohrne Herzogin in Obern und Nidern Bayern, und ist ihrer F. G. Leib zu München in unser Lieben Frauen Kirchen fürstlich zu der Erden bestatet. Der allmächtig Got woll I. F. Gnaden Seelen in dem ewigen Leben gnedig und barmherzig seyn. Amen.“ Vgl. Stillfried S. 151.

[262] 13. Porträtbild des Markgrafen Albrecht, Großmeisters des deutschen Ordens, dann Herzogs von Preußen[6]; in brauner Ordenstracht mit weißem Skapulier, Deutschordenskreuz und Schwanenorden; das Gesicht defekt, daher das ganze Bild von Jarwart kopirt. Das Bild, vormals an einer der runden Säulen, hängt jetzt bei Nr. 56. Neben dem Bilde die Worte: Aetatis suae anno 32. Anno Domini 1522.

14. Porträtbild des Markgrafen Georg[7], Albrechts Bruder. Das Bild, jetzt bei Nr. 64, hing vormals an derselben runden Säule, an welcher das des Bruders Albrecht hing. Georg trägt ein Barett und eine werthvolle goldene Ordenskette, nicht die des Schwanenordens. Neben dem Bilde die Worte: Aetatis suae anno 39. Anno Domini 1522. Auf der Rückseite der Name des Malers Henneberg von Königsberg. Wie sich die Gebrüder Georg und Albrecht in den Jahren 1505 und 1510, Jeder in seinem 21. Lebensjahre, in Heilsbronn verabschiedeten, berichten die Beitr. S. 120 und 123. Albrecht ging als Großmeister des deutschen Ordens nach Königsberg, Georg an den königlichen Hof nach Ungarn. 1522 trafen Beide wieder in der Heimath zusammen, und bei diesem Wiedersehen ließen sie sich Beide porträtiren, vermuthlich in Heilsbronn, da ihre Porträts im Burggrafenhause daselbst aufgehängt wurden, und daselbst blieben, bis das Burggrafenhaus aufhörte, eine fürstliche Herberge zu sein, worauf man die beiden Porträts in die Kirche verbrachte. Georg und Albrecht saßen vor der Staffelei des Malers reich kostümirt und augenfällig gut gelaunt. Daher bemerkt ein Kopist, welcher um 1600 diese Porträts betrachtete und besprach: „Sehr lustig gemalet!“ Der Maler Henneberg von Königsberg scheint im Gefolge Albrechts gewesen zu sein. Schreiber Dieses kann über diesen Maler nichts Näheres berichten. 1535 ließ Georg seinen Vater Friedrich, seine Mutter Sophia, seine dritte Frau Emilie und sich selbst porträtiren. Diese vier in Heilsbronn nicht [263] mehr vorhandenen Porträts hingen zur Zeit der Klosterauflösung an der Rückwand des vorhin besprochenen achten Altars Trium Regum. Daneben standen folgende Worte: „Homo: Ich fleuch aus großer Noth, denn ich fürcht den bittern Tod. Mors: Mir kann Niemand entfliehen. Georg von Gottes Gnaden, Markgraf zu Brandenburg, hat diese Abconterfeiung lassen machen im 1535. Jahr.“ Im Jahr darauf wurde der Vater Friedrich in Heilsbronn begraben, wo ihm schon bei Lebzeiten von seinem Sohne eine Ruhestätte zugedacht war; siehe Beitr. S. 146 und 147. Anstatt jener vier Porträts hängen an der Rückwand des Altars jetzt Ölbilder, welche von andern Altären bei deren Abtragung genommen und dorthin verbracht wurden.

15. Votivbild des Markgrafen Albrecht Alcibiades[8], vormals bei Nr. 62, jetzt bei Nr. 53, gemalt von dem wiederholt genannten Lukas Gruneberg. Es befindet sich in einem zweithürigen Schranke. Auf der Außenseite der zwei Thürflügel sind vier Wappen mit den Überschriften: Brandenburg, Bayern, Bayern, Mailand; auf der Inseite 16 Wappen, und zwar acht auf der einen Seite: Brandenburg, Bayern, Sachsen, Österreich, Littauen, Polen, Österreich und Ungarn; acht auf der andern Seite: Bayern, Mailand, Braunschweig, Österreich, Mas, Portugal und ein spanisches Allianzwappen mit den Überschriften: Castilien, Legion, Granada. Auf dem Bilde zwischen den beiden Thürflügeln erscheint der Markgraf fast lebensgroß, gepanzert, mit einer Hand das Zepter, mit der andern den Degenknopf umfassend, spitzig der lange rothe Bart, spitzig der Hut, zu den Füßen der Helm. Die Schrift unter dem Bilde lautet: „Nach Christi unsers lieben Herren geburth 1557 Jar den 8. tag des monats Januarii ist der durchleuchtigst hochgeborne Fürst und Herr, Herr Albrecht der Jünger Markgraff zu Brandenburg, in Preussen, zu Stettin, Pommern, der Cassuben und Wenden, auch in Schlesien zu Opeln und Rattiboren Hertzog, Burggraff zu Nurnberg und Fürst zu Rügen, der streitbar und berumt Held, der umb die Freiheit [264] teutscher Nation mannlich gestritten und daruber sein land und leut auch all sein Vermögen leibs und guts gewaget, zu Pfortzheim bei seiner fürstl. Durchl. schwager Marggraff Carln zu Baden und Hochberg und seiner fürstl. Durchl. Schwester, Frawen Kunigund, geborne Marggräffin zu Brandenburg, seliglich und christlich gestorben. Gott verleyhe ihm und allen Christen ein selige Urstand. Und ligt der enden in der Pfarrkirchen begraben.“ Auf der Außenseite der Thürflügel stand: Epitaphium illustrissimi principis domini Alberti marchionis, qui obiit Pforzhemii in arce marchionum badensium A. 1557, 8. Jan. Auctore Georgio Tillio:

Octavus medium cum sol peragraret olympum,
Jane biceps mensem viseretque tuum,
Ereptus terris concessit ad astra beatus
Albertus princeps marchio magnanimus.
Lachesis heu misero quid non tu surripis orbi?
Divaque quam nulli parcere saeva potes?
DILeCtI CeCIDIt CapItIs nostrI ergo Corona
NaMqVe abIt ALbertVs regna beata. patrIs.

Anders ist Albrecht Alcibiades in den Beitr. S. 170 und 171 charakterisirt.

16. Votivbild für König und Kienlein, jetzt bei Nr. 110, Maria und Johannes unter dem Kreuz darstellend, gleichfalls von Lukas Gruneberg oder einem seiner Gehilfen ziemlich gut gemalt, wenn man von den verzeichneten Füßen absieht, 1854 restaurirt. König und Kienlein waren, wie beim 30. Abt berichtet wurde, Mönche in Heilsbronn und miteinander innig befreundet. Sie verfaßten die gleichfalls oben mitgetheilte lateinische Schrift unter dem von ihnen gestifteten Votivbilde, starben beide i. J. 1558 und wurden auf dem Begräbnißplatze vor der Kirche beerdigt. Vgl. Stillfried S. 230.

17. Votivbild für Baureis, die Auferstehung Christi darstellend, jetzt bei Nr. 108. Baureis war Küchenmeister in Heilsbronn, dann Wirth und Verwalter im heilsbronner Hofe zu Nürnberg und starb 1560. Vgl. Stillfried S. 230.

[265] 18. Votivbild des Magisters Preu, die Taufe Christi am Jordan darstellend, 1571 von Lukas Gruneberg und Konsorten gemalt, 1854 von Thiem restaurirt, jetzt bei Nr. 115. Über den Stifter und sein Votivbild ist beim 33. Abt und Bd. II., 106 berichtet worden. Vgl. Stillfried S. 232.

19. Votivbild für den Mönch Oeder, Pauli Belehrung darstellend, 1574 gleichfalls von Gruneberg und Konsorten gemalt, 1845 renovirt, jetzt bei Nr. 117. Über Oeder und sein Votivbild ist beim 34.  Abt berichtet worden. Vgl. Stillfried S. 227.

20. Votivbild, vermuthlich für den 1561 gestorbenen 34. Abt Beck bestimmt, jetzt bei Nr. 121. Es illustrirt die Heilsordnung, vom Fall im Paradies an bis zur Erlösung auf Golgatha. Oben beim 30. Abt ist berichtet worden, daß der 34. Abt Beck sein Votivbild, vermuthlich das in Rede stehende, von Gruneberg malen ließ, aber vor der Kostenberichtigung starb, weßhalb das Kloster dem Maler einen Schuldschein über 200 fl., die er für gelieferte Arbeiten noch zu fordern habe, einhändigte. Vgl. Stillfried S. 232.

21. Votivbild, das Weltgericht darstellend, Nr. 119. Beim ersten Anschauen macht das Bild den Eindruck des Unfertigen; bei näherer Betrachtung erscheint es beachtenswerth. Die zahlreichen Figuren sind gut gezeichnet und gruppirt. In den Wolken der Weltenrichter, Engel mit goldenen Posaunen; die durch eine Kluft von den Verdammten bereits getrennten Auserwählten erheben preisend die Hände; ein Engel umfaßt ein Kind; die Verdammten sind in den Klauen der Teufel, welche noch in die Reihen der Auserwählten zu dringen suchen; einer derselben durchbohrt sein Opfer mit solcher Gewalt, daß sich das Mordinstrument biegt. Ein anderer schleift mit der einen Hand zwei Angekettete fort, während er in der andern ein aufgeschlagenes Buch hält. Im Hintergrunde ein Rad, durch welches Verdammte in die Höhe gezogen und dann in die Tiefe hinabgelassen werden. Aus einem Pfuhl qualmt durchsichtiger Rauch, welcher sich über dem Erdboden hinzieht. Die häßlichste Figur ist ein [266] zweiköpfiger Teufel mit einem Gesicht auf der Brust. Ein anderer umgreift einen Kopf mit einer Tonsur. Links ein Wappen, darin ein geharnischter Ritter; ein solcher auch oben im Helmschmuck. Rechts ein Wappen, darin drei rothe Vögel. Wem diese Wappen angehören und für wen das Votivbild gemalt wurde, meldet keine Aufschreibung. Jedenfalls ist das Bild auch von Gruneberg und Konsorten gemalt worden.

22. Votiv-Glasgemälde für den 1297 gestorbenen Burggrafen Friedrich III.[9] Die in den Jahren 1466–72 vom 23. Abt Wegel für den Kreuzgang angekauften Glasgemälde in sechzehn Fensterflügeln sind bei diesem Abt ausführlich besprochen worden. Sie waren zur Zeit der Klosterauflösung noch unversehrt in Heilsbronn, kamen aber 1770 nach Onolzbach, wohin von dortaus, ist nicht bekannt. In der Klosterkirche waren nur die hintersten Fenster des östlichen Chors mit Glasgemälden geschmückt. Keine Aufschreibung meldet, wer diese fertigte, wer sie anschaffte und was sie darstellten, eine einzige zur Zeit der Klosterauflösung verfaßte Aufschreibung ausgenommen, lautend wie folgt: „Am rothen Fenster hinter dem obern Altar im mittlern Fenster sind die Bildnus Burggrafs zu Nürnberg, so zu Kaiser Rudolfs Zeiten gelebt, und über ihm der Zollerische Schild und Namen Fridericus, gegenüber aber seiner beiden Gemahlinnen Bildnus, über denen auch der Zollerische Schild mit diesen Worten: Duae Dominae Burggraviae.“ Dieser Notiz zufolge ist das Glasgemälde ein Votivbild für den 1297 in Heilsbronn begrabenen Burggrafen Friedrich III. Es steht bei Nr. 140, wo es auch ursprünglich stand. Es ist unter den Glasgemälden der Kirche das einzige, welches man im zerstörungslustigen 18. Jahrhundert der Aufbewahrung werth achtete: man nahm es bei der damaligen verunglückten Restauration der Kirche heraus, verwahrte es sorgfältig und setzte es dann wieder ein. Näheres über das Bild siehe in den Beitr. S. 63.

23. Das Porträt des 27. Abts Schopper, jetzt bei [267] Nr. 116, ursprünglich und noch zur Zeit der Klosterauflösung in der Abtswohnung, erst späterhin in die Kirche verbracht. Über den Abt und sein mitabgebildetes Lieblingshündchen Paris siehe Beitr. S. 151. Vgl. Stillfried S. 46.

24. Das Porträt des 35. und letzten Klosterabts Wunder, jetzt bei Nr. 121, ursprünglich gleichfalls in der Abtswohnung, gemalt von Gruenberg, auf einem Zettel in der Hand des Abts die vermuthlich vom Abt selbst verfaßten Verse:

Qui sua committunt lachrymantes semina terrae,
Hi laeti messis tempore farra metent.
Ibant et flebant metentes semina, verum
Far jam demessum quisque ferabat ovans.

Nach Wunders Tod schrieb man auf seinen vorhin besprochenen, nicht mehr vorhandenen Leichenstein die Worte Psalm 26, 5, welche der Abt beim Schreiben der eben mitgetheilten Verse vor Augen hatte. Vgl. Stillfried S. 48.



  1. Vgl. Stillfried S. 228.
  2. Nach Stillfried S. 130 vielleicht Friedrich II., da Friedrich I. keinen Bart trug.
  3. Siehe Stillfried S. 128.
  4. Vgl. Stillfried S. 137.
  5. Vgl. Stillfried S. 154, wo nachgewiesen wird, daß hier nicht Georg und sein Bruder Kasimir, sondern Georg und sein Vater Friedrich abgebildet sind.
  6. Vgl. Stillfried S. 159.
  7. Vgl. Stillfried S. 152.
  8. Vgl. Stillfried S. 159.
  9. Vgl. Stillfried S. 98. 104.
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