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originell und darum beachtenswerth. Neben dem Abte steht: Apt Friedereich von Hirzlach. Auf einem Spruchband: Miserere mei Deus. Man hätte den Maler Thiem, welcher 1854 das Bild restaurirte, anweisen sollen, zwar das theilweise abgefallene Gewand zu ergänzen, aber nichts zu übermalen, nichts abzuändern, sondern Alles in seiner dürftigen Originalität zu lassen, insonderheit den Untergrund. Dieser war, wie noch jetzt, nicht Gold, sondern Silber und ganz ausgefüllt durch dichtaneinander gedrängte erhabene Rauten, in der Mitte einer jeden Raute ein kleines, alternirend roth und grünes Glasquadrat, die Farbe aber nicht im Glase eingeschmolzen, sondern auf der Rückseite mit einem Pinsel aufgetragen. Die Glasquadrate wurden vom Restaurator insgesammt beseitigt und die Erhöhungen, worauf sie lagen, verschiedenfarbig lasirt. Das Bild hing zur Zeit der Klosterauflösung in der Ritterkapelle, ursprünglich aber wohl an der Grabstätte des Abts, im Kapitol. Vgl. Stillfried S. 36.

2. Votivbild des Arztes Mengos[1], jetzt bei Nr. 122. Über Mengos und seine Schenkungen ist oben beim 13. Abt ausführlich berichtet worden. Sein Votivbild ist das drittälteste Gemälde in Heilsbronn, mit Temperafarben gemalt, beachtenswerth als Nachweis, daß man i. J. 1370 in Nürnberg oder Heilsbronn noch ebenso mangelhaft gemalt hat, wie in den Jahren 1284 und 1350. Die Darstellung illustrirt ein Viergespräch zwischen Mengos, Maria, Christus und Gott Vater. Aus den von den vier Sprechenden ausgehenden Spruchbändern ergibt sich folgendes Gespräch: Mengos richtet fußfällig an Maria die Bitte: Te rogo, virgo pia, nunc me defende, Maria. Maria, auf ihre Brust deutend, spricht zu ihrem Sohne: Haec quia suxisti, fili, veniam precor isti. Christus, auf seine Wunden deutend, spricht zu Gott Vater: Vulnera cerne, pater, fac quod rogitat; mea mater. Der Vater, aus den Wolken schauend, antwortet dem Sohne: Quaeque petita dabo, fili, tibi nulla negabo. Die Umschrift am Bilde lautet: A. D. 1370 in die Agnetis


  1. Vgl. Stillfried S. 228.
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Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 3). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1880, Seite 255. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_3).pdf/257&oldid=- (Version vom 31.7.2018)