BLKÖ:Schaffgotsch, das Grafengeschlecht, Genealogie

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 29 (1875), ab Seite: 68. (Quelle)
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I. Zur Genealogie des Grafengeschlechtes Schaffgotsch. Indem wir die Versuche einiger Genealogen, die Schaffgotsche ihrem Ursprunge nach zu den Römern zu versetzen und von der Familie der Ovinia abzuleiten, dahingestellt sein lassen, halten wir uns an die greifbaren urkundlichen Belege, wenn wir auch für das Alter der Familie einige Jahrhunderte einbüßen. Im 12. Jahrhundert erscheinen im südlichen Deutschland mehrere Familien, welche ein (silbernes) Schaf im (rothen) Felde führten, und im Frankenlande war ein vornehmes Geschlecht Namens Schaf (ScafSchof) seßhaft, von welchem in einem Contract Erwin’s Grafen von Gleichen im Jahre 1174 ein Hugo de Schoff, Domherr und Sacristan zu Würzburg, als Zeuge mit angeführt erscheint. Verschiedene Glieder dieses Geschlechtes kommen als Capitulare damaliger Domstifte vor. Im 13. Jahrhundert erscheinen die Schaf in Thüringen, Meißen, in der Ober- und Niederlausitz und in Schlesien. Andere Familien aber, wie z. B. die Kotzau im Voigtlande, werden ihres Wappens wegen für Stammverwandte gehalten. Zu dieser Zeit führten die Schaf, wie ja das auch bei vielen anderen Adelsfamilien vorkommt, nach ihren Besitzungen, Schlössern und Wohnsitzen verschiedene Namen, wie die Schaf zu Jeser, Mikenberg (mons myconis), Senftenberg, Solgast, Taucel u. s. w. Im Jahre 1300 kommt in lausitzischen Urkunden der Name Dalewic oder Dalwitz-Schof häufig vor. Da nun die noch heute blühende Familie Dallwitz (und Storzedel) zudem ein Wappen führt, welches mit dem der alten Schaffe völlig übereinstimmt, so ist dieselbe allem Anscheine nach mit dem Geschlechte der Schaffgotsch eines Stammes. Auch noch in Polen finden sich Wappen- und Stammverwandte der Schaffgotsch, so z. B. das Haus Junosza, von welchem der alte polnische Genealog Okolski an 30, Paprocki aber über ein halbes Hundert Zweige, darunter Familien wie die Poniatowski, Zaluski, Karnkowski, Saniawski, Zukowski u. A. aufzählt und deren gemeinschaftliches Stammwappen der mit dem Schaf in engster Verbindung stehende Widder (baran) ist. In Schlesien erscheint urkundlich der erste Schaff um die Mitte des 13. Jahrhunderts, es ist Siboto Schaff (Siboto de nobili familia Ovium), und zwar in einem Schenkungsbriefe, mittelst welchem Herzog Boleslaus der Kahle (calvus) in Schlesien gedachtem Siboto, für die ihm und seinem Vater, dem Herzog Heinrich dem Frommen, geleisteten Dienste, das Schloß Kemnitz im Riesengebirge im Jahre 1243 schenkt. Daselbst war auch Siboto seßhaft und nannte sich selbst Siboto de nobili familia Ovium, Ritter und Castellan zu Kemnitz. Von Siboto führen die Genealogen das Geschlecht in ununterbrochener Stammreihe fort und es erscheinen ein Peczko Schoff in Thomaswalden 1278, ein Ulrich Sch. 1295, ein Gozko 1303, ein Peter Ovis 1318, ein Ulrich Schoff, Burggraf zu Kinsberg, 1369, u. A. Allmälig verbreitete sich die Familie in mächtiger Weise und es entstanden besondere Linien derselben in den Fürstenthümern Glogau, Sagan, Münsterberg, Schweidnitz, Jauer, Neisse. Sie hießen aber alle Schoff und auch die, so von Siboto unmittelbar abstammen. Dessen Nachkommen nannten sich bis auf Gotthard (II.) – im Volksmunde Gottsche, Gotsch – immer Schaff; Gotsche’s (II.) Tapferkeit im Felde – er lebte zu Ende des 14. und Anbeginn des 15. Jahrhunderts und starb 1420 – hatte ihn zu solchem Ruhm und Ehren gelangen lassen, daß seine Enkel, um sein Andenken zu ehren und stolz auf ihren Ahn, ihrem Namen Schaff seither den Taufnamen Gotsch ihres Urahns anhingen und sich seither Schaff-Gottsch, später Schaffgotsch schrieben. Gotsche’s (II.) Sohn Johannes (gest. 1469) hatte aus zwei Ehen mit a) einer von Chotonitz und b) Hedwig von Zedlitz eine zahlreiche Nachkommenschaft. Die [69] Nachkommenschaft von seiner ersten Frau erlosch in den Enkeln Johann (gest. 1500) und Peter (gest. 1503), hingegen wurden die Söhne aus zweiter Ehe, Antonius, Kaspar und Ulrich, die Stifter dreier Linien. Anton (gest. 1508) mit seiner Gemalin Anna Freiin von Schumberg ist der Stammvater der ältesten (böhmischen) Linie, welche auf der diesem Lexikon beigegebenen I. Stammtafel von der Mitte des 17. Jahrhunderts, 1650, von Johann Wilhelm bis auf die Gegenwart fortgeführt erscheint. Die Stammesfolge von Johann Wilhelm bis Anton zurück weisen Hübner und andere genealogische Werke nach. – Die von Ulrich (geb. 1453, gest. 1543) mit Anna von Zwole gestiftete jüngste (schlesische) Linie erlosch mit dessen vierter Generation, mit Wolfgang Ulrich (geb. 1629), der am 18. Jänner 1661 in einem Duelle geblieben war. – Die Nachkommen Kaspar’s (gest. 1534) aus seiner Ehe mit Anna von Liebenthal auf Giersdorf (gest. 1527) bildeten mehrere Linien, von denen jene seiner Söhne, Wenzel’s auf Schwarzbach (gest. 1556) und Kaspar’s auf Kemnitz (gest. 1575), bereits in ihren Enkeln Gotthard (gest. 1590), Wenzel (gest. 1596) und Johann Ulrich (gest.) erloschen; die Nachkommen seines jüngsten Sohnes Balthasar auf Langenau (gest. 1567) und seiner Gemalin Magdalena Freiin von Kittlitz bilden aber die noch heute blühende schlesische Linie, welche von Balthasar’s ältestem Sohne Christoph (geb. 27. März 1652, gest. 9. Jänner 1601) aus zwei Ehen mit a) Magdalena von Schaffgotsch (gest. 1584) und mit b) Eleonore Gräfin Promnitz, nachmals vermälte Johann Georg Graf Hohenzollern (gest. 1611), abstammen. Der einzige Sohn dieser zweiten Ehe ist der aus Confessionshaß zu Regensburg am 23., n. A. am 24. Juli 1635 enthauptete Johann Ulrich S., mit welchem unsere II. Stammtafel anhebt und bis auf die Gegenwart fortgeführt wird. – Was die Standeswürden und verschiedenen Auszeichnungen der Familie betrifft, so sind dieselben nach und nach und bei den einzelnen Zweigen derselben in die Familie gelangt. Wie bemerkt worden, so gehört sie seit den ältesten Zeiten zum Landadel im Frankenlande, später in Thüringen, dann in Schlesien und in den übrigen Ländern, wohin sich das Geschlecht ausgedehnt hatte. Schaff-Gotsche (Gotthard), nach welchem dessen Enkel sich Schaffgotsch zu schreiben begonnen, wurde für seine auf dem Schlachtfelde bewiesene Tapferkeit vom Kaiser zum Ritter geschlagen und für sein altes Wappen – das Schaf im Felde – mit den vier Fingern der blutigen Hand – das ist mit den vier Balken in Silber – begnadet. Später wieder erhielt ein Enkel desselben, Ulrich, für seine im Treffen auf der Bunzlauer Haide bewiesene Tapferkeit im Jahre 1488 – er war damals 35 Jahre alt – den Ritterschlag. Am 5. Juli 1592 bestätigte Kaiser Rudolph II. sieben Enkeln und Urenkeln des Kaspar (I.) Schaffgotsch aus dem Hause Fischbach-Langenau (gest. 1534), Landeshauptmanns der Fürstenthümer Schweidnitz und Jauer, der im Jahre 1513 die Freiheit erhielt, Schmiedeberg zu einer Stadt zu machen, ihre freiherrlichen Prärogative und verlieh ihnen außerdem Reichsfreiherrnstande und einer Wappenvermehrung auch noch den gemeinschaftlichen Titel: „Schaffgotsch, genannt von Kynast und Griffenstein, Freiherren zu Trachenberg“. Die Namen Kynast und Greiffenstein stammen von dem ersten Erwerber dieser Herrschaften, eben von jenem Gotthard Schaff, der die Veranlassung des späteren Namens Schaffgotsch geworden. Trachenberg aber erwarb jener unglückliche Hanns Ulrich, der, ein Opfer der Glaubenswuth, unter’m Henkerbeil verblutete [S. 75, Nr. 18]. Eben dieser erhielt auch für sich und seine Nachkommen als Lohn seiner Waffenthaten, welche ihn jedoch nicht gegen die Anschuldigung des Verrathes zu schützen vermochten, den einzig dastehenden Titel: „Semperfrei des heiligen römischen Reichs“ von Kaiser Ferdinand II. mit Diplom vom 4. December 1627. Kneschke im „Allgemeinen deutschen Adels-Lexikon“ (Bd. VIII, S. 82) gedenkt noch eines böhmischen Freiherrn-Diploms ddo. 31. October 1658 für Johann Ernst von S. und eines Diploms des alten böhmischen Herrenstandes vom 23. September 1696 für Johann Wilhelm S., welche zwei Angaben sich in keiner Weise mit den genannten Namensträgern vereinigen lassen, da Johann Ernst erst 27 Jahre nach obiger Verleihung (1685) geboren worden, Johann Wilhelm aber fünf Jahre (1691) vor der oben angegebenen Diplomverleihung gestorben ist. Der Grafenstand gelangte mit dem schon oben erwähnten Johann Wilhelm in das Haus, zugleich mit allen Freiheiten [70] und Vorzügen, deren die Fürsten in Schlesien genießen. Das böhmische Grafen-Diplom erhielt am 15. December 1703 Christoph Wilhelm, Landeshauptmann von Liegnitz, und dessen Bruder Johann Ernst Anton. Der gräfliche Titel wurde dann wieder dem Christoph Leopold, dem Sohne des obigen Johann Ulrich, im Jahre 1650, ferner mit Diplom ddo. 7. September 1682 das ungarische Indigenat und Baronat und mit 12. März 1674 von Kaiser Leopold I. das damals fürstliche Prädicat „Hochgeboren“ verliehen. Das letzte Reichsgrafen-Diplom der Familie Schaffgotsch datirt vom 15. April 1708, wurde von Kaiser Joseph I. dem Johann Anton Gotthard S. [s. d. S. 79] verliehen und ihm darin auch alle „von vielen saeculis her“ seinen stiftsmäßigen Vorfahren verliehenen fürstlichen Vorrechte, „wie derer sich die Fürsten in Schlesien erfreuen“, und das Prädicat „Hochgeboren“ bestätigt. Gleichzeitig wurden ebenso seinen sämmtlichen ehelichen Leibeserben acht reichsgräfliche Ahnen ertheilt und das Wappen der erloschenen Herzoge von Liegnitz und Brieg (wegen der Großmutter väterlicher Seits) mit dem angestammten Familienwappen zu einem neuen reichsgräflichen vereinigt. Graf Johann Anton Gotthard errichtete nach dem Vorbilde der von seinem Großvater Johann (Hanns) Ulrich im Testamente vom 2. April 1632 angeordneten, aber später, nachdem er einem so unglücklichen Schicksale verfallen war. vereitelten Familienstiftung ein Majorat, wie eines früher Adam Freiherr von S. [S. 72, Nr. 1] im Jahre 1600 errichtet hatte, welches noch gegenwärtig fortbesteht. An Aemtern und Würden bekleideten die S. jene von Landes-Kanzlern und Hofrichtern zu Schweidnitz, von Landeshauptleuten und Amtsverwaltern der Fürstentümer Schweidnitz und Jauer, von Directoren des Herzogthums Schlesien und andere wichtige einflußreiche Stellen in genannten Ländern. Der Graf Christoph Leopold erhielt auch im Jahre 1651 das schon früher von der Familie innegehabte Oberst-Erbhofmeisteramt in den Fürstenthümern Schweidnitz und Jauer und das Erbhofrichteramt in den Weichbildern Schweidnitz, Striegau und Bolkenhayn. An sonstigen Auszeichnungen ist noch des nur für Personen des höchsten Adels bestimmten Goldenen Vließ- und des für die ausgezeichneteste Tapferkeit gestifteten Maria Theresien-Ordens zu gedenken. Maria Theresien-Ritter weist die Familie Schaffgotsch nur Einen auf, den 1866 verstorbenen General der Cavallerie Johann Franz Graf S. [S. 82], hingegen sind mehrere dieses Geschlechtes mit dem goldenen Vließ ausgezeichnet worden, so der Graf Anton Gotthard [S. 67], Johann Anton Gotthard [S. 80], Christoph Leopold [S. 72, Nr. 4] und Johann Ernst Anton [S. 75, Nr. 13]. Außer den oben bereits angeführten amtlichen Würden, welche in der Familie so oft vorkommen, daß sie fast in derselben erblich oder doch an den Namen geknüpft erscheinen, bekleideten die S. hohe Aemter und Würden im Dienste des Staates und der Kirche, und auch in den Annalen der Wissenschaft steht ihr Name ausgezeichnet. So seien von den Kriegshelden nur beispielsweise erwähnt der schon mehrerwähnte Gotsche Schaff, nach dem sich die Familie durch Anhängung des Taufnamens an den Familiennamen Schaffgotsch nannte; der unglückliche Johann Ulrich (I.) [Nr. 18], der seine Waffengenossenschaft mit Wallenstein mit dem Leben büßte; der durch seine Soldatentreue unvergeßliche Christoph Leopold [Nr. 4] und der unserer Zeit angehörige General der Cavallerie Johann Franz Graf S. [S. 82]. Noch größer ist die Menge der um den Staat und im Rathe des Fürsten verdient gewordenen Männer dieses Hauses, von denen nur beispielsweise Anton Gotthard Graf S. [S. 67][WS 1], Johann Anton Gotthard [S. 80], Adam Freiherr von S. [Nr. 1], Johann Ernst Anton [Nr. 13], vor Allen aber Christoph Leopold S. [Nr. 4], in der Jugend berühmt als Krieger, im Mannesalter als Staatsmann, im Greisenalter als Diplomat erwähnt seien. Unter den Männern der Kirche erwarb der Graf Johann Prokop, Bischof von Budweis [S. 83], als wahrer Seelenhirt seiner Diöcese ein unvergängliches Andenken, ein weniger löbliches hinterließen der unserer Zeit angehörende, jüngst (1870) verstorbene Brünner Bischof Johann Anton Ernst Graf S. [S. 79] und der durch seine Manteldreherei übel beleumundete Breslauer Bischof zur Zeit Friedrich’s des Großen, Graf Philipp Gotthard [Nr. 20]. Und was das der Wissenschaft gelieferte Contingent dieser Familie betrifft, so ist hier zunächst des als Genealog bekannten Breslauer Domherrn Gotthard Franz [Nr. 9] und der beiden [71] Naturforscher Franz Ernst Graf S. [S. 78] und Franz Gotthard [Nr. 7] zu gedenken. – Was den noch zur Stunde mächtigen Grundbesitz des Hauses betrifft, so ist es interessant zu erfahren, daß das älteste Stammschloß der Familie, Kemnitz an der Lausitzischen Grenze, durch das Mißgeschick Johann Ulrich’s Grafen S. (hingerichtet am 23. Juli 1635) nebst der damals Schaffgotsche’schen Baronie Trachenberg in andere Hände gerieth. Kynast, bestehend aus 14 Rittergütern und am 15. April 1825 zu einer freien Standesherrschaft erhoben, gehört den S. urkundlich seit 1360, also seit fünf Jahrhunderten. Der jedesmalige Besitzer dieser Herrschaft ist seit 1. December 1786 Erblandhofmeister im Herzogthume Schlesien, hat seit 2. Juni 1827 eine Curialstimme im Stande der Fürsten und Herren auf dem schlesischen Provinzial-Landtage, und ist seit 12. October 1854 erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses. Greiffenstein, die bedeutendste Veste des Vorgebirges gegen die Lausitz hin, wurde 1418 durch Kauf ihr Eigenthum. So sind die Sch. gegenwärtig fast das einzige Geschlecht vom alten hohen Landesadel – Gotsche (II.) Schaff führte schon 1405 das Prädicat „Wohlgeboren“, welches nur dem alten Herrenstande zukam – das noch zur Stunde blüht und sich im Besitze des größten Theiles seiner Stammgüter erhalten; jene aber, die es nicht besitzt, nur widerrechtlich eingebüßt hat.– Was endlich die Heirathen der Grafen Schaffgotsch betrifft, so sind sie mit dem höchsten Adel Ungarn-Oesterreichs und Preußens verschwägert und man begegnet in den Stammtafeln den Namen Aichelburg, Althan, Berchtold, Czernin, Götz, Kinský, Kollonitz, Lamberg, Opalinski, Pálffy, Pejacsevich, Révay, Schönborn, Szepessy, Waldstein, Wallis u. A. – Schließlich sei hier noch einer besonderen Eigenthümlichkeit der Familie und einiger anderen bemerkenswerthen Umstände gedacht. In der schlesischen Linie des Hauses fügen alle männlichen Sproßen desselben zur Erinnerung an den berühmten Gotthard (II.) (Gotsche) Schaff ihrem gewöhnlichen Taufnamen den Namen Gotthard bei, und die weiblichen den Namen Hedwig zum Andenken an ihre Ahnfrau Hedwig von Zedlitz, Gemalin Johann’s von Schaffgotsch, des gemeinschaftlichen Stammvaters aller Zwerge des Hauses. – In den letzten Jahren (1866) hat ein Verirrter, der durch Leichtsinn immer tiefer gesunken und so den Namen einer geachteten Familie gebrandmarkt hat – es ist der Sohn eines preußischen Generals, der in den Tagen der Napoleon’schen Kriege eine Rolle gespielt – zu einem kolossalen Betruge den Namen der Schaffgotsch mißbraucht. Nachdem ihm der Betrug bereits gelungen war, wurde der Betrüger, der sich in den Briefen „Graf Schaffgotsch, Kämmerer Sr. Majestät des Königs von Preußen“ zeichnete, entdeckt. Das Wiener „Neue Fremden-Blatt“ 1866 erzählt in einer der Nummern vom 1. bis 8. August unter der Aufschrift: „Ein preußischer Kämmerer als Betrüger verhaftet“, den ganzen Vorgang. – Endlich brachten mit dem Widerstande, welchen der Bischof von Linz, Rudigier, gegen die Staatsgesetze consequent leistet, die Journale (u. a. das Kremser Wochenblatt 1871, Nr. 30, im Feuilleton: „Maria Theresia und ihr Rudigier“) eine Reminiscenz an einen Brünner Bischof in Verbindung, welcher ähnlichen Widerstand gegen die Kaiserin Maria Theresia erhob und der von den Journalen „ein sicherer Graf Schaffgotsch, der auf den Namen eines Bischofs von Brünn hörte“, genannt wird. Das ist ganz unrichtig. Zu Maria Theresiens Zeiten gab es keinen Brünner Bischof Namens Schaffgotsch. Die Bischöfe von Brünn heißen in ihrer Aufeinanderfolge: Matthäus Franz von Chorinsky-Ledske 1777–1786; Johann Baptist von Lachenbauer 1786–1799; Vincenz Joseph Franz Salis von Schrattenbach 1800–1816; Wenzel Urban von Stuffler 1816–1831; Franz Anton Gindl 1831–1841; Anton Ernst von Schaffgotsch 1842–1870.

Quellen zur Genealogie. Gryphius (Christian), Hochgräflich Schaffgotschisches Ehrenmahl (Liegnitz 1708, 8°.). – Krause (Theodor), Miscellanea gentis Schaffgotschianae, oder historisch-genealogischer Bericht von dem uralten Geschlechte der Herren von Schaffgotsch (Striegau 1715, 4°.). – Ludewig (Johann Christian), Ehrendenkmal des Geschlechtes von Schaffgotsch (Hirschberg 1781, Fol.). – Tralles (Johann), Mausoleum Schaffgotschianum (Lips. 1621, 4°.). – Hochverdientes Lob der Schaffgotschischen Hoheit (Breslau 1704, 8°.) – Schönfeld (Ignaz Ritter v.), Adels-Schematismus des österreichischen Kaiserstaates (Wien, Schaumburg u. Comp., 8°.) II. Jahrg. [72] (1825). S. 99–106. – Lucae (Fridericus). Schlesiens curieuse Denkwürdigkeiten (Frankfurt a. M. 1689, Friedr. Knoch, 4°.) S. 285, 955, 1646, 1651, 1720, 1770, 1781, 1841, 2136.– Hübner’s Genealogische Tafeln, Theil III, Tafeln 910–916. – Kneschke (Ernst Heinrich Prof. Dr.), Neues allgemeines deutsches Adels-Lexikon (Leipzig 1859, Fr. Voigt, 8°.) Bd. VIII, S. 82. – Historisch-heraldisches Handbuch zum genealogischen Taschenbuche der gräflichen Häuser (Gotha 1855, Justus Perthes, 32°.) S. 854. – Genealogisches Reichs- und Staats-Handbuch auf das Jahr 1804 (Frankfurt a. M., Varrentrapp, 8°.) I. Theil, S. 688–692. – Stillfried (Rudolph Graf) Beiträge zur Geschichte des schlesischen Adels (Berlin, Decker, Roy. 4°.) Heft I, enthält die „Stammtafel und Beiträge zur älteren Geschichte der Grafen Schaffgotsch“. – Austria. Oesterreichischer Universal-Kalender (Wien, bei I. Klang, gr. 8°.) Jahrg. 1858, S. 6.

[68a] [WS 2]
I. Stammtafel des Grafenhauses Schaffgotsch.
(Böhmische – Ernestinische Linie.)
Johann Wilhelm
geb. 12. August 1650, † 3. Februar 1691.
Eva Maria Freiin von Zedlitz
geb. 27. Juni 1665, † 9. December 1732.
Johann Ernst Anton [13][1]
Ritter des goldenen Vließes,
geb. 27. December 1685[2],
† 9. Juli 1747.
Maria Elisabeth Gräfin Waldstein
geb. 3. März 1679,
† 23. Juli 1748.
Christoph Wilhelm
geb. 19. November 1687
† 9. Mai 1710.
Susanna Katharina Freiin
von Novack
geb. 1. October 1690,
† 1. Februar 1724.
Ferdinand
geb. 19. December 1688,
† 2. August 1709.
N. N.

Ernst Wilhelm †.
Ernst Wilhelm
geb. 7. Jänner 1704,
† 21. Februar 1766.
Maria Maximiliana Gräfin Götz
geb. 2. März 1709,
† 7. März 1772.
Wenzel Ernst
geb. 17. September 1702,
† 24. März 1753.
Maria Anna Gräfin Althann
geb. 17. Juli 1702,
† 21. September 1771.
Joseph Willibald
geb. 7. Juli 1706, †.
1) Maria Barbara Gräfin Waldstein
geb. 27. December 1715,
† 29. Februar 1742.
2) Maria Franziska Gräfin Wieznik
geb. 6. Juli 1721,
† 4. October 1769.
Maria Barbara
geb. 11. Mai 1721, † 11. November 1789,
vm. a) Franz Gotthard Gf. Schaffgotsch
† 3. Mai 1738.
b) Hermann Jacob Gf. Czernin
† 15. November 1784.
Anton Joseph
geb. 16. November
1722,
† 9. Juli 1773
Johann Ernst
geb. 4. Februar
1729,
† 25. September
1763.
Maria Elisabeth
geb. 7. Jänner 1727,
1734.
31. August
1789,
Nonne.
Ernestine
geb. 13. April
† 19. September
1797.
Maria Anna
Maximiliana
geb. 6. Februar
1741,
† 26. December
1814,
vm. Franz Ernst
Gf. Wallis
† 18. Juni 1784.
Johann Ernst
geb. 23. August 1742, †.
1) Maria Anna Gräfin
Khevenhüller
geb. 20. December 1742,
† 13. November 1789.
2) Johanna Gräfin
Blümeggen
geb. 3. October 1765,
† 7. Februar 1816.
Johann Prokop [S. 83]
geb 24. Mai 1748,
† 8. Mai 1817,
Bischof von Budweis.
Barbara
geb. 27. März
1750. †,
vm. Philipp Gf.
Aldringen.
Amabilia
geb. 13. Mai 1752,
† 17. April 1810,
vm. Joseph Adam
Gf. Lengheim.
Aloisia
geb. 10. October
1735, †.
vm. Franz Freih.
v. Bieschin.
Wenzel Ernst
geb. 2. Juli 1733,
† 17. October
1764.
Maria Anna
Gräfin Kinsky
geb. 18. Juli
1744, †.

Josepha Christina
geb. 3. Jänner
1764,
vm. Alois Friedr.
Graf Brühl
† 1793.
Maria Anna Elisabeth
geb. 9. October
1738,
† 27. November
1787,
vm. Ambros Marchese
d’Andrada
† 11. November
1770.
Joseph
geb. 19. März
1740, †.
Maria Wilhelmina
Gräfin Berchtold,
verwitwete Gräfin
von der Dilft
geb. 30. Juni 1739,
† 31. December 1817.
Johann Joseph
geb. 17. October
1741,
† 28. August
1806.
Johanna Studniczka
geb. 8. October
1771, †.
Franz Ernst [S. 78]
geb. 26. December 1743,
† 26., n. A. 27. März 1809.
Franziska Maria Gräfin Kavanagh
geb. 18. April 1746, †.
Maria Anna
geb. 29 März 1776,
vm. Ludwig Chev. de Piers.
Gabriele
geb. 29. Sept. 1782, vm. Franz Gf. Deym.
Franz Joseph
geb. 6. Juli 1785,
† im October 1843.
Rosalia von Piers.
Maria Anna
geb. 14. August
1791, †,
vm. Johann Wenzel
Freiherr von
Wrazda.
Johann Franz [S. 82]
geb. 30. Juni 1792,
† 3. November 1866.
Ernestine Gräfin
Lamberg
geb. 8. Mai 1791,
† 29. April 1858.
Rudolph
geb. 7. September
1793.
Johann Joseph [15]
geb. 17. September 1794.
Maria Philippine
Landgrafen Fürstenberg
geb. 15. Jänner 1792,
† 18. Juli 1863.
Johann Heinrich
geb. 17. December
1795,
† 1. Jänner
1796.
Sidonie
geb. 1797,
† 1799.
Johann Ludwig
geb. 1. Febr.
1799.
Walburgis
geb 1801,
† 1807.
Johann Anton
Ernst [S. 79]
geb. 16. Februar
1804,
† 31. März 1870, Bischof von Brünn.
Barbara
geb. 13. Februar
1788, †,
vm. Franz Georg
Freih. Burckhardt
v. d. Klee.
Anna
geb. 10. August
1789,
vm. Anton
Freih. Szepessy
† 1. August
1817.
Johann Nepomuk
geb. 1792,
† 1807.
Antonia Ludmila
geb. 19. October
1796,
vm. Anton Freiherr
von Stillfried
† 4. Juni 1841.
Josepha Sophie
geb. 29. September
1800. †,
vm. Alphons
Gabriel Graf
Aichelburg.
Barbara
geb. 1815,
vm. Thomas
Donaldson.
Franz [S. 78]
geb. 21. Juni
1820,
† 6. Jänner
1872.
Karolina
geb. 13. September
1820,
vm. Jaromir
Gf. Czernin.
Franz de Paula
geb. 22. Juni
1829.
Maria Anna
Gräfin Schönborn
-Buchheim
geb. 27. August
1836.
Ernst
geb. 16. October
1818, †.
Johanna Nep.
geb. im Februar
1819.
Ernestine
geb. 29. Jänner
1818.
Josephine
geb. 14. November
1819,
vm. Hermann
Freiherr von
Diller-Heß.
Friedrich
geb. 22. Juli
1822.
Therese Gräfin
Pálffy
geb. 24. Jänner
1824.
Karolina
geb. 23. August
1857.
Franz
geb. 27. April
1859.
Eugenie
geb. 10. October
1860.
Antonia
geb. 18. December
1850.
Maria
geb. 24. Juni
1856.
[68b] [WS 2]
II. Stammtafel des Grafenhauses Schaffgotsch.
(Schlesische Linie, Secundogenitur zu Wildschütz.)
Johann Ulrich (I.) [18][3]
der erste Schaffgotsch von Semperfrei,
geb. 25. März 1595, enthauptet 23. Juli 1635.
Barbara Herzogin v. Brieg und Liegnitz
† 1631.
Anna Elisabeth
geb. 1622 † 1650,
vm. Jacob Gf. Weyer.
Johann Ulrich (II.) [19]
geb. 1624, † 1660.
Cäcilia Eleonora Gräfin Weyer,
später verm. a) Gf. Schönkirch.
b) Gf. Breuner.
Christoph Leopold Gotthard[4][4]
Ritter des gold. Vließes,
geb. 8. April 1623,
† 30. Juni 1703.
Agnes Freiin von Racknitz,
verwitw. Gräfin Promnitz
geb. 18. Juli 1634,
† 8. Februar 1693.
Gotthard Franz [9]
geb. 1629; † 1668,
Domherr in Breslau.
Leopold
geb. 1657,
† 1659.
Abraham
geb. u. † 1659.
Agnes
geb. 3. November
1660.
† 29. Mai 1737,
vm. Christoph Joh.
Gf. Althann
† 8. December
1706.
Johann
geb. u. † 1663.
Georg
geb. 1664,
† 1667.
Leopold
geb. u. † 1665.
Agnes Hedwig
geb. u. † 1666.
Elisabeth
geb. 1667,
† 1669.
Eleonore
geb. 1670,
† 1688.
Johann Anton
Gotthard [S. 80]
Ritter des gold. Vließes,
geb. 19. April 1675,
† 19. März 1742.
1) Maria Franziska Gräfin Sereny
geb. 28. August 1619,
† 10. August 1707.
2) Anna Therese Gräfin Kolowrat-
Novohradsky
geb. 9. September 1690,
† 29. August 1759.
Friederike
geb. 1. Jänner 1678,
† 3. Juli 1721,
vm. a) Adam Anton Gf.
Opalinski
† 6. October 1695.
b) Anton Christoph
Gf. Proskau
† 9. Juli 1717.
Joseph Wilhelm
geb. u. † 1704.
Karl Gotthard
geb. 27. Juni
1706, †.
Maria Anna Gräfin
Hatzfeld.
Franz de Paula
geb. 23. April 1711,† 3. Mai 1738.
Maria Barbara
Gräfin Schaffgotsch
geb. 11. Mai
1721,
† 4. November
1789.

Ein Sohn †.
Christoph
geb. 1712, †.
[BLKÖ:Schaffgotsch, Johann Nepomuk Gotthard|Johann Nepomuk]]
[16]
geb. 15. Mai
1713,
† 18. Mai
1775.
Leopold
geb. 19. Mai
1714,
† 16. Februar
1787.
Wenzel
geb. 1715, †.
Philipp Gotthard
[20]
geb. 3. Juli
1716,
† 5. Jänner
1795,
Bischof von
Breslau.
Maria Anna
geb. 21. Februar
1719,
† 19. Juli 1765,
vm. Johann Karl
Freih.[WS 3]von Rebentisch
† 20. August 1765.
Joseph
geb. u.
† 1720.
Emanuel
geb. 2. Juni
1723.
Anton Gotthard [S. 67]
Ritter d. gold. Vließes,
geb. 16. April 1721,
† 1., n. A. 28. Jänner
1811.
Maria Anna Gräfin
Kollonitz
geb. 25. September 1744,
† 28. Juni 1802.
Theresia
geb. 13. Februar
1725,
† 17. April 1759,
vm. Christian Freih. Biberstein
† 30. September
1764.
Ceslaus
geb. 8. November
1725,
† 17. October
1781,
Domherr.
Johann Nep.
Gotthard
geb. 1732,†.
Marie Charlotte
geb. 1733, †.
Marie Hedwig
geb. 1735, †.
Joseph
geb. 1736, †.
Franz Xav.
geb. 1737, †.
Joseph Gotthard
geb. 17. November
1767,
† 7. Mai 1844.
Maria Josepha
Freiin Skrbensky
geb. 9. September
1778.
Maria Anna
geb. 27. December
1766, †.
Franz
geb. 21. Juni 1769,
⚔ 17. Juni
1796.
Ladislaus
geb. 29. Juli
1770.
Antonia
geb. 11. September
1711, †,
vm. Laurenz Marquis
Trotti.
Johann
geb. 1772,
† 1776.
Johann Nepomuk
geb. 1773,
† 1776.
Karl
geb. 5. Mai
1774,
⚔ 9. Juni
1793.
Maria
geb. 13. März
1776,
† 21. November
1816.
Franz Anton
geb. 18. Mai
1797.
Agathe Freiin
von Stillfried
geb. 29. Juni
1797,
† 17. Mai 1864.
Eleonore
geb. 14. März
1799.
Anton
geb. 23. Mai 1860.
Katharina Gräfin Pejacsevich
geb. 1813.
Eugen Philipp
geb. 7. Juni
1802, †.
Joseph
geb. 5. Juni
1805.
Maria Vancina.
Maria
geb. 21. September
1806,
vm. Emil Freiherr
von
Beust.
Karolina
geb. 16. Mai
1809.
Agnes
geb. 3. November
1810,
vm. Octav.
Gf. Kinsky.
Hugo
geb. 23. Februar
1812.
Rudolph
geb. 1. October
1813,
† 30. December
1848.
Therese Freiin
Révay.

Rudolph
geb. im April
1848.
Hermann
geb. 1833.
Auguste Gräfin
Auersperg.
Maria
geb. 1836,
vm. Gabriel
Gf. Festetics.
Ludovica
geb. 1839.
Octavia
geb. 1844.
Karl
geb. 31. October
1841.
Helena
geb. 12. April
1847.
Victor
geb. 31. August
1850.
Maria
geb. 29. December
1828.
Agatha
geb. 14. September
1829,
vm. Adolph Gf.
Pejacsevich.
Rudolph
geb. 21. October
1830.
Josepha Franziska
Baronin
Beust.
Franz
geb. 3. April 1832.
Johanna von
Pott.

Rudolph
geb. 18. Jänner
1860.
Josephine
geb. 4. Jänner
1834.
Franziska
geb. 27. November
1835.
Anna
geb. 26. Juli
1841.

  1. Die in den Klammern [ ] befindlichen Zahlen weisen auf die kürzeren Biographien, welche auf Seite 72–77 (Nr. 1–20) sich befinden, wenn aber ein S. voransteht, auf die Seitenzahl, auf welcher die ausführlichere Lebensbeschreibung der Betreffenden steht.
  2. Nach Zedler’s UniversaI-Lexikon bereits 1675 geboren.
  3. Die in den Klammern [ ] befindlichen Zahlen weisen auf die kürzeren Biographien, welche sich auf S. 72–77 (Nr. 1–20) befinden, wenn aber ein S. voransteht. auf die Seitenzahl, auf welcher die ausführlichere Lebensbeschreibung des Betreffenden steht.
  4. Alle Sproßen männlichen Geschlechts führen mit ihren Taufnamen den Namen Gotthard, jene weiblichen Geschlechts den Namen Hedwig.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [S. 70].
  2. a b In der Vorlage ohne Seitenzahl.
  3. Vorlage: Freiin.