BLKÖ:Schaffgotsch, Philipp Gotthard Graf

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 29 (1875), ab Seite: 77. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Philipp Gotthard von Schaffgotsch in der Wikipedia
GND-Eintrag: 104243244, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Schaffgotsch, Philipp Gotthard Graf|29|77|}}

20. Philipp Gotthard Graf Schaffgotsch (geb. am 3. Juli 1716, gest. am 5. Jänner 1795), ein Sohn des Grafen Johann Anton Gotthard aus dessen zweiter Ehe mit Anna Therese Gräfin Kolowrat-Nowohradsky. Widmete sich dem geistlichen Stande und wurde schon im Jahre 1747, damals erst 32 Jahre alt, Fürstbischof von Breslau. Bei Ausbruch des siebenjährigen Krieges ließ er seine österreichischen Sympathien als preußischer Bürger zu laut werden. Schon im Sommer 1757, als die österreichischen Truppen in Schlesien sich ausdehnten, war sein Benehmen so geartet, daß ihm der König in einem Handschreiben ddo. 22. September 1757 sein Befremden darüber deutlich zu erkennen gab. Aber je mehr die Oesterreicher siegreich vorrückten, desto ungeberdiger benahm sich der Bischof. Nachdem die Oesterreicher Breslau genommen, hielt er im Dom ein feierliches Te Deum für die Sieger ab; schmähte in öffentlicher Gesellschaft den König Friedrich II., riß sich den Adler-Orden von der Brust und erregte durch sein ostentatives Verhalten selbst das Befremden der kaiserlichen Generale. Aber nach der für den König Friedrich II. siegreichen Schlacht bei Leuthen (5. December 1757) änderte sich die Scene, der Prälat verließ, den Zorn des Königs fürchtend, Breslau und suchte Schutz in Oesterreich. In Wien aber, wo man sein Verhalten ganz und gar nicht ehrenhaft befunden hatte, war ihm nichts weniger als eine Aufnahme zu Theil geworden, wie er sie erwartet hatte. Da der König ihm nun gar alle seine zahlreichen Güter hatte sequestriren lassen, sah sich der Bischof in einer wenig erquicklichen Lage und richtete nun ein demüthiges Schreiben an den König, in welchem er alle seine Handlungen kurzweg in Abrede stellt. Der erbitterte König aber gab ihm in der Antwort[WS 1] darauf unverholen seine Verachtung über dieses Benehmen kund. Beide interessanten Briefe, die des Bischofs aus Nikolsburg, wo er sich in das dortige Kapuzinerkloster zurückgezogen, bis er Bescheid vom Könige erhielt, ddo. 30. Jänner 1758, und der des Königs ddo. Breslau 15. Februar 1758, stehen in den unten bezeichneten Quellen abgedruckt. Graf Philipp Gotthard nahm bis 1795 den Breslauer Bischofsitz ein. [Neues Wiener Tagblatt (4°.) 1868, Nr. 260, im Feuilleton: „Der Bischof von Brünn und seine Ahne“ [daselbst wird der Breslauer Bischof Philipp Gotthard Graf von Schaffgotsch irrig Johann Graf von Schaffgotsch genannt]. – Wanderer (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1868, Nr. 180, im Feuilleton: „Friedrich der Große und der Fürstbischof von Breslau“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Anwort.