Bemerkungen über einige kirchliche Einrichtungen im Wirzburgischen

Textdaten
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Autor: B. A. R. [Anonym]
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Titel: Bemerkungen über einige kirchliche Einrichtungen im Wirzburgischen
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 5, S. 206-222
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Originalsubtitel:
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Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
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V.
Bemerkungen über einige kirchliche Einrichtungen im Wirzburgischen von B. –A. –R. –
Wenn je bey der Hinwegräumung verjährter Vorurtheile Klugheit nöthig ist, so ist sie es bey der Abschaffung oder Abänderung gewisser gottesdienstlicher Gebräuche. Der gemeine Haufen in der Stadt und auf dem Lande hängt so vest an den einmahl eingeführten Gewohnheiten, daß er sich eher alles andere, als hierin eine Abänderung gefallen läßt. Oft ist es dem Landesherrn etwas leichtes, eine neue Auflage zu machen; aber wenn er einen Hagelfeyertag abstellen will, weil in demselben Monate nebst 4 Sonntagen noch 4 oder mehrere Tage der Heiligen gefeyert werden, so geräth gleich alles in Gährung. Man darf eine Wallfahrt nach Waldthürn oder zu einem andern benachbarten Gnadenbild abstellen, und es soll in dem Laufe der Natur liegen,| daß im nächsten oder gegenwärtigen Jahre ein Kieselschlag die Früchte in dieser Gegend verwüstet, so ist es gleich eine augenscheinliche Strafe Gottes wegen der sinkenden Religion, der allgemein eingerissenen Freydenkerey etc. etc.

 Es wäre noch auszustehen, wenn dieß die Meinung des Pöbels allein wäre: aber es gibt noch andere Männer, welche diese Vorurteile nicht nur unterhalten, sondern sie auch noch geflissentlich zu verbreiten suchen. Sie verkleistern ihre irrigen, aberglaubischen, oft verläumderischen und aufrührerischen Reden mit ascetischen Blumen, und bedecken sie mit dem Mantel der ehrwürdigen Religion. Ihre Machinationen sind um so bedenklicher, je mehr sie öfters noch das Herz der Großen und Kleinen in Händen haben, am meisten aber das Herz des Pöbels, der nicht selten den Ausschlag gibt. Weise Regenten und kluge Vorsteher können daher oft das nicht erreichen, weswegen sie sich so sehr bemühen, und was zum innern und äussern Wohl des Staates unumgänglich nothwendig wäre.

 Nirgends scheinet man die Mängel in verschiedenen Einrichtungen und Anstalten besser einzusehen, nirgends scheint der größere| Theil die nöthigen Verbesserungen mehr zu wünschen: aber nirgends geht man auch mit mehr Vorsicht und Klugheit zu Werke, als in W. Thatsachen in Menge könnte ich zum Beweise meiner Behauptung anführen, aber ich will mich mit wenigen begnügen, und zeigen, daß das auswärtige Publicum mit Recht ein günstiges Urtheil von der aufgeklärten Denkungsart der Wirzburger hat.
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 Erst vor einigen Tagen erschien ein aus der Fürstl. Residenz Bamberg vom 8 Junius d. J. datirter Hirtenbrief des allgemein geliebten und weisen Fürstbischoffs, worin derselbe eine neue Anstalt zur Gottesverehrung an Sonn- und Festtagen für diejenige Classe der Einwohner W. empfiehlt, welche durch häusliche Geschäffte gehindert werden, dem gewöhnlichen Pfarrgottesdienste beyzuwohnen. Man sah schon ehemahls ein, daß der Christ noch nicht genug gethan habe, wenn er an jenem Tage nur eine stille Messe gehört, allen übrigen Gottesdienst aber und die Anhörung des Worts Gottes vernachlässiget hatte. Schon vor mehrern Jahrzehnten traf man daher die Einrichtung, daß an Sonn- und Feyertagen auch Nachmittag in gewissen Kirchen und zu verschiedenen Stunden Predigten für diejenigen| gehalten wurden, welche des Vormittags dem Pfarrgottesdienste nicht beywohnen konnten. Allein die gute Absicht wurde aus mancherley Ursachen wieder größtenteils vereitelt, entweder weil die Prediger nur dem Namen nach Prediger waren, oder selbst die wahre Absicht dieser Anstalt nicht kannten, oder weil nun auch die Lebensart beynahe ganz abgeändert ist. Ein großer Theil der bürgerlichen Einwohner, die Handwerkspursche und Dienstboten weiblichen Geschlechts durchgehends, kommen höchst selten in eine Predigt, wenn ihnen auch Geschäfftlosigkeit an den Sonn- und Feyertagen des Nachmittags erlaubt in eine zu gehen, sondern vertändeln auch den Frühgottesdienst mit Plaudern und Schwätzen oder in den Armen des Geliebten auf Promenaden, auf dem Wall und andern Plätzen der Ergötzung; und doch ist es dringendes Bedürfniß, daß man es bey dieser Classe nicht bey dem ersten oberflächlichen Unterricht in der Religion bewenden lasse.
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 Diesem Bedürfnisse nun abzuhelfen, hat der weise Fürstbischoff verfüget, daß in Zukunft an allen Sonn- und Feyertagen| frühe um 6 Uhr[1] in verschiedenen Kirchen allezeit eine hell. Messe unter lautem Beten| und Singen gelesen, und darauf eine halbstündige Predigt gehalten werden, und damit | am ersten Julius der Anfang gemacht werden soll. Die ganze Ermahnung, worin die Anstalt den Einwohnern empfohlen wird, ist mit so vieler Gründlichkeit, mit so vieler Salbung und Wärme geschrieben, daß man unmöglich den für das Wohl seine Unterthanen eifernden Bischoff darin nicht finden sollte.
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 Aber diese Anstalt ist nicht die einzige unter denen, die seit einem Zeitraume von etlichen Jahren in den gottesdienstlichen Einrichtungen getroffen worden sind, und die alle von Aufklärung und Klugheit zeigen. Ich will nur einige hersetzen, die den Geist der Zeit im hellesten Lichte darstellen, und einige Winke geben, die man noch in die Zukunft mit Vortheil benützen könnte. Nur wünschte ich vor allen, daß man meine Absicht, welche in nichts bestehet, als auch mein Schärflein zur Bezweckung des Guten beyzutragen, nicht verkennen, sondern dieselbe beherzigen möchte. Da es der Gelegenheiten,| Gutes zu thun, so viele gibt, da jeder das Seinige nach dem Wirkungskreise, in welchem er stehet, thun muß, so wird man mir es zu gut halten, daß ich gegenwärtigen Weg eingeschlagen habe.

 Menschenkenner wissen, wie man es anfangen müsse, wenn man den gemeinen Haufen von einem Vorurtheil abbringen will, an dem er mit ganzem Herzen hängt; und wenn sie ihr Project denn doch nicht durchsetzen können, so warten sie ruhig andere Zeiten und Umstände ab, worin sich dasjenige von selbst gibt, was man vorher nicht anders als mit äusserster Mühe und einer gewissen Gefahr hätte erhalten können. Dieses Schicksal trifft große Männer und denkende Philosophen eben so oft, als jene, die meistens nur mechanisch handeln, und deren hervorgebrachte Handlungen nicht selten zufällige Ereignisse sind.

 Unter den verbesserten kirchlichen und gottesdienstlichen Einrichtungen sind die abgestellten schon bekannten Krämereyen bey den P. P. Augustinern und Franciscanern, der zum Theil hinweggeschaffte groteske Putz hölzerner Bildnisse der Heiligen in den Kirchen, die kindische Vorstellung der Auffahrt| Christi, und der Ankunft des H. Geistes,[2] die Abstellung mancher Mißbrauche bey öffentlichen| Processionen,[3] die geschmackvolle kirchliche Einrichtung vom vorigen Prior der Reuerer P. Gabriel, die Modification, welche das Chorsingen der Canoniker und Vicarier in Stiftern erlitten hat u. d. g. nicht die geringsten. Weniger bedeutende übergehe ich hier mit Stillschweigen, so wie dessen, was mit dem Sebastians-Pfeile und den Fischen und Tauben vorgegangen ist, schon ein anderer Correspondent in diesem Journale gedacht hat. Nur von den Processionen und dem Chorsingen der Canoniker und Vicarier will ich noch einiges sagen.
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 Gleich nach dem Hintritt des seel. Domdechants von Guttenberg, eines Mannes, der seines guten Leumuths wegen noch länger das Haupt des ehrwürdigen Corps der Väter des Vaterlandes zu seyn verdient hätte, und dessen Verlust nicht genug beweinet werden könnte, wenn an seine Stelle nicht ein so einsichtsvoller, ein so redlicher, guter und ausserordentlich thätiger Mann aus vielen würdigen Competenten erhoben worden wäre (ich meine den jetzigen Herrn Domdechant und Statthalter Freyherrn von Zobel) wurde durch die Wahl eben dieses Herrn Domdechants| ein wichtiger Schritt zur zweckmäßigen Verbesserung einiger Anstalten gemacht. Ein Mann wie von Zobel, der unternehmend ist und den Gang der menschlichen Herzen kennet, weiß, welchen Weg man einschlagen, welche Mittel man vorkehren soll, wenn man die Gemüther dahin führen will, wo man sie haben möchte, wenn man Gutes stiften will. Ich wüßte nicht eine einzige Handlung von ihm zu erzählen, die seinem Kopfe und Herzen nicht Ehre machte. Aber ich will kein Lobredner eines lebenden Sterblichen, noch weniger ein Schmeichler werden! – Um die Gemüther der Einwohner zu seinem grossen Plane vorzubereiten, fing er damit an, daß er den Dom, diese majestätische Kirche, ausweißen, mit neuen Fenstern versehen, und durch Modernisirung der altfränkischen Altäre, bessere Rangirung der Betstühle, dann durch das jetzt immer offen stehende Silber im Chore, demselben das prächtigste Ansehen wieder geben ließ. Von Guttenberg (insgemein der Fromme genannt) von Fechenbach Domdechant zu Mainz – der allgemein beliebte große Rothenhahn – von Kerpen – von zu Rhein, – von Heüßlein waren es, die den großen Mann im Capitel in allen seinen Vorträgen unterstützten; und| wenn sie das nicht alles bewirken konnten, was ihre Absicht war, so liegt die Schuld in der Zeit, die noch nicht gekommen zu seyn scheinet, ob sie gleich nicht mehr ferne seyn kann. Gegen die Modernisirung der Altäre haben zwar mehrere, deren Anherren die Stifter derselben waren, protestirt: allein die Mehrheit der Stimmen im Capitel drang durch, und der Entschluß wird mit nächsten ausgeführt werden.
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 Nun ging es an die Processionen. Es war gebräuchlich, daß die Kirche in dem Chor mit allerhand Kräutern und Blumen bestreuet wurde, welches zu nichts anders diente, als auf platten Steinen dem Gehenden einen unsichern Tritt zu verursachen und durch den heftigen Geruch den Kopf schwindelnd zu machen. Dieß ist nun abgeschafft. Der Geistliche, welcher bey einer Procession das Venerabile trägt, der Diakon und Subdiakon samt den 4 Akoluthen wurden mit aus Rosmarin gewundenen vergoldeten Kränzen, die sie auf dem Kopfe tragen mußten, geziert, und da dieses nichts als sehr häufige Kopfschmerzen verursachte, so schaffte er auch diese hinweg. Anderer Verbesserungen hiebey gar nicht zu gedenken, wende ich mich zu einer seiner ersten Beschäfftigungen, welche das| Chorsingen betraf. Im Singen herrscht freylich noch manche Unordnung, welcher bisher noch nicht mit Nachdruck hat vorgebeugt werden können, da unter den Hn. Vicariern noch manche sind, die aus Abgang der Kenntniß vom Choral und musicalischen Gehöres auch vom Singen keine richtigen Begriffe haben wollen; aber es ist doch auch hierin schon vieles durch Handanlegung des tiefgegründeten Succentors und Seniors Herrn Werner abgeändert worden, was lobenswürdig ist, und sicher noch manches zur Folge haben wird. – So wurden z. B. auf Befehl des Herrn Domdechants die Responsorien zwey Jahre hindurch nicht mehr gesungen, sondern nur cursiret. Schon unser weiser Fürstbischoff ist als Capitular damit beschäfftiget gewesen, die Responsorien abzuschaffen, wie man aus dessen Äusserungen gegen noch lebende Personen sicher weiß, und zu Bamberg sind sie wirklich durch ihn abgeschafft worden, und werden nicht mehr gesungen. Ob allenfalls das Einreden der Jesuiten, oder die allzuängstliche Gewissenhaftigkeit, man möchte dem Stiftungsplan entgegen handeln, oder der Abgang hinlänglicher Kenntnisse daran Schuld sind, daß sie jetzt hier wieder gesungen werden, will ich nicht untersuchen, sondern| nur diejenigen, bey denen die Abänderung steht, auf den großen Fürstbischoff als Muster hinweisen. Wie kann Geistesversammlung bey einem Manne seyn, wenn er auf Noten und Text sehen muß, deren er nicht ganz mächtig ist? Es ist auffallend zu hören, wie zellenlange A und E und I und O und U mit ungleichem Tempo und mit Abstossung der Stimme, durch Drücken und Fallen von disharmonischen Stimmen herausgeschrieen werden, und in gewisser Rücksicht ist es unzweckmäßig, daß man noch immer etwas wesentliches vom Gottesdienst aus den Responsorien machen will, da viele derselben, wie z. B. die in Festo S. Martini – S. Agathae etc. nicht einmahl schriftmäßig sind.
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 Mehrere Männer von den gründlichsten Einsichten und der besten Religion wünschen eine gänzliche Reform des Breviers, welche man leisten könnte, ohne dem Brevier einen Abbruch zu thun, und verwundern sich im Stillen, daß nicht längstens, wenigstens in dem 2ten Nocturn, eine Abänderung getroffen worden ist. Eben diese Männer hatten schon wie ich vernahm) vor einiger Zeit einen Plan entworfen, nach dem man das Brevier mehr zur Erbauung und Rührung einrichten könnte, und wobey doch nichts Wesentliches| von demselben wegbleiben sollte. Aber die Furcht auf der einen Seite, daß dieser Vorschlag doch nicht angenommen werden dürfte, und die Besorgniß auf der andern, wider ihre gute Absicht als unzeitige Reformatoren ausgeschrieen zu werden, haben sie bisher zurück gehalten, mit demselben hervor zu treten. Überhaupt glaube ich, daß eine Verbesserung des Breviers wohl noch so lange ein frommer Wunsch bleiben dürfte, als es Geistliche gibt, die orare et recitare für Worte von einerley Bedeutung halten. Was noch insbesondere das gebräuchliche Singen des Breviers angehet, so ist es gewiß für manchen ruinirend,[4] wenn er des| Morgens von halb 6 Uhr bis 7, dann wieder von 8 bis dreyviertel auf 10 Uhr, Nachmittags aber von 3 bis gegen 4 Uhr, und wenn die Metten anticipirt wird, an eben diesem Tag von 5 Uhr bis gegen 7 Uhr im Chor sitzen, und beständig aus vollem Halse singen muß, und ich möchte wohl noch manchen derselben aus dem Sprichworte, Cantores amant humores, entschuldigen, wenn sie bisweilen über die Schranken gleiten, die den Menschen von der Natur gegeben worden sind. Vielleicht dachten die weisen Vorsteher schon lange hieran und ändern durch ihr Machtwort noch manches hierin ab. Selbst die Herren Vicarier werden wohl damit zufrieden seyn, und gute Köpfe, deren, es so viele unter ihnen gibt, (mögen auch Leute aus andern Ständen dagegen sagen, was sie wollen,) würden die Zeit gerne zu gemeinnützigen Arbeiten verwenden, wenn man sie nur dazu gebrauchen wollte. Ich schließe hier mit der Versicherung, daß ich noch manches von den guten| Einrichtungen in den Kirchen zu W. hätte sagen können, wenn ich gewollt hätte – wenn ich nicht gefürchtet hätte, das Publicum mit Sachen zu unterhalten, die zu local sind, ob sie gleich einer philosophischen Betrachtung würdig wären.



  1. Eine Anstalt, die in aller Rücksicht unter die vortrefflichsten in W. gerechnet zu werden verdienet! Indessen dürfte doch wohl, was die bestimmte Zeit angehet, hierin bald wieder eine Abänderung vorzunehmen seyn, und ich sage es hier öffentlich, nicht in der Absicht, die Anstalt zu tadeln (denn wer wollte das dadurch bezweckte Gute verkennen! So lange die Fürsten und ihre Räthe Menschen bleiben, sind ihre Anstalten immer mancherley Modificationen unterworfen) sondern weil es wirklich nothwendig und der allgemeine Wunsch aller Einwohner W. ist, die insgesammt das Gute der Verfügung mit Dank erkennen. Dieser Gottesdienst sollte nämlich im Sommer seinen Anfang um 5 Uhr, im Winter gleichwohl um halb 6 Uhr nehmen. Die Gründe sind folgende: Die Dienstboten weiblichen Geschlechts und höchstens jene Frauen, denen der Mann keine Magd halten will oder kann, sind es, für welche diese Anstalt zunächst bestimmt zu seyn scheinet. Man durchgehe alle Stände, vom Geheimenrathe bis zum letzten Handwerker, so wird man finden, daß jeder seine Magd zu einer gewissen Stunde des Morgens im Hause nöthig hat. Wenige Familien sind ohne Kinder, manche hat deren mehrere, und noch dazu einen oder den andern Hausgenossen: da muß dann die Magd sorgen, daß jene angekleidet, mit einem Frühstücke versorgt, jetzt in die Schul, ein andermahl zu einer Procession gefördert werden. Diese haben sich nicht selten auch einige Bedienung ausbedungen, welches alles eine einzige Magd nicht leisten kann, wenn sie erst um 7 Uhr aus der Kirche kommt. Im Winter ist es noch weniger thunlich, weil oft mehrere Öfen zu heizen sind, und doch Niemand aus dem warmen Bette in ein kaltes Zimmer will. Dieß setzt freylich voraus, daß die Frau sich zu keiner solchen Arbeit bequemen will: aber was thut denn die Frau für die Magd, der sie Kost und Lohn geben muß? Zweitens ist gerade um diese Zeit bey den Dominicanern, die Rosencranz Andacht, – man weiß, wie sehr die niedere Volksclasse für diese Andacht eingenommen ist, womit so viele Ablässe etc. verbunden sind, wo das Venerabile ausgesetzt ist, und welche die Dominicaner den Leuten nicht genug empfehlen können, dann werden diese Herren selbst, damit die Leute nicht von ihnen abgezogen werden, die treffliche Anstalt beständig Neuerung nennen, und das Wort ist dem Volke schon verhaßt. – Auch die Rorate im Winter werden diese schöne Anstalt vereiteln, da in denselben so viele Lichter brennen, Charlatanerien von Musik aufgeführt werden, man nicht zur Ordnung und Stille, wie in dem pfarrlichen Gottesdienst, angehalten wird etc. Diese Erinnerung muß nothwendiger Weise in Betrachtung gezogen werden, wenn die Anstalt nicht schon in ihrem Werden stocken soll. – Auch für die Prediger wäre hier eine Bemerkung zu machen. Gewöhnlich werden die Predigten den Mönchen anvertrauet, die oft wechseln und selten ganz von jenem Geiste beseelet sind, der bey einer solchen Anstalt herrschen sollte. Mönche sollen ihr Brod nicht umsonst essen, sollen und wollen auch nützlich seyn, und man kann sie wirklich zu nichts bessers verwenden, als zu solchen Arbeiten; nur müßten die Prediger Männer von geprüften Kenntnissen, reinen Religionsbegriffen und ausgebreiteter Menschenkenntniß seyn. Ist einmahl ein Mann auf seinen, Posten, so sollte man ihn so lange dabey lassen, bis man einen eben so geschickten dahin stellen könnte. Nebst dem sollte jeder seinen Plan über alle Predigten des ganzen Jahrs machen, denselben der Geistlichen Regierung und vordersamst dem Pfarrer im Viertel vorlegen, aber auch demselben alsdann immer getreu bleiben, nicht nur einige Wahrheiten der Religion in Gemeinsätzen, sondern praktische Lebensregeln eines Christen vortragen, alle Pflichten nach dem Stand und der Fassungskraft der Zuhörer zergliedern und so dieselben ans Herz legen etc. Zur Belehrung hierüber könnte des Herrn Prof. Andres Magazin für Prediger vortrefflich dienen.
  2. Es wird nicht unschicklich seyn, hier eine kleine Beschreibung der Ceremonien an diesen beyden Tagen einzuschalten. Am ersten dieser beyden Feste wurde unter dem Zulauf von Kindern, Mägden, muthwilligen Purschen und allerhand Gesindel um 12 Uhr das mit Blumen gezierte Bildniß des auferstandenen Herrn Jesus in der Kirche an einem Seile hinaufgeschwungen, und dann unter einem gräßlichen Froh-Geschrey mehrere Dutzend Oblaten herabgeworfen. Desgleichen geschah auch mit dem Bildnisse des heil. Geistes am Pfingstfeste, welches im Dom unter dem Hochamte und der Vesper geschwungen wurde. Das Bildniß war eine ziemlich große Maschine von 3 Schuhen, ringsherum mit Blumen und Schilden bekränzt und verpallisadirt, inwendig mit einer lebendigen Taube und Lichtern versehen, und am Ende mit einem 2 Fuß langen Schweife von Rauschgold. Ich erinnere mich noch, daß an manchen Orten nebst Oblaten auch angezündetes Werg, als eine Vorstellung der feurigen Zungen, herabfiel, worauf dann gleich ganz natürlich, wegen Staub, und noch zum größern Tumult, auch einige Kübel Wasser folgen mußten. Ich dachte mich immer beym Anblicke dieser Ceremonie in jene finstere Zeiten zurück, wo der Geistlichkeit größte Wissenschaft war, alle Glaubensgeschichten dem Pöbel recht sinnlich vorzustellen – Der vortreffliche Herr Domdechant von Zobel sah das Unschickliche davon ein, und stellte sie ab. Nachdem man aber bereits 2 Jahre lang diese Maschine nicht mehr gesehen hatte, wurde sie doch, obwohl unter lauter Widerrede, nur mit wenigen Abänderungen erst heuer wieder eingeführt. Diese Ceremonie hat sicher der Schwachheit der Kleinen ihre Wiederauflebung allein zu verdanken.
  3. Sollten denn noch nicht die sogenannten Sacraments-Geiger bey Manchem Eindruck gemacht haben?
  4. Man muß vor allem wissen, daß der äusserst trockene Choral beynahe durch alle Horas ohne Orgel gesungen werden muß. Es wäre gewiß wohl gethan, wenn man einen geschickten Organisten, allenfalls einen Mann, wie der unnachahmliche P. Stephan Hammel in der Abtey gleiches Namens, der mit der aufgeklärtesten Religiosität und andern verfeinernden Wissenschafaften bekannt ist, als guten Compositeur anstellen und demselben eine erledigte Vicarie verleihen wollte. Dieser müßte dann die Horas mit der Orgel begleiten, wobey es eben nicht darauf ankäme, ob die Verse in den Psalmen alternative gesungen würden, wie es bey einigen Mönchsorden gebräuchlich ist, welches alsdenn zur Folge hätte, daß man gefühlvoll zu seinem Gott singen würde, und daß sonst gesunde Männer nicht vor der Zeit untüchtig gemacht und sich und andern zur Last würden. [221] Die Musik und das jetzige Geigen und Singen, das zur Ehre Gottes und Erbauung gar nichts beyträgt, müßte ausser den höchsten Festen unterbleiben. Leiden müßte zwar mancher gute und arme Stümper und Fiedler darunter, wenn man aber allezeit darauf Bedacht nehmen wollte, so hätte deßwegen noch gar nichts vorgenommen werden dürfen.