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frühe um 6 Uhr[1] in verschiedenen Kirchen allezeit eine hell. Messe unter lautem Beten


  1. Eine Anstalt, die in aller Rücksicht unter die vortrefflichsten in W. gerechnet zu werden verdienet! Indessen dürfte doch wohl, was die bestimmte Zeit angehet, hierin bald wieder eine Abänderung vorzunehmen seyn, und ich sage es hier öffentlich, nicht in der Absicht, die Anstalt zu tadeln (denn wer wollte das dadurch bezweckte Gute verkennen! So lange die Fürsten und ihre Räthe Menschen bleiben, sind ihre Anstalten immer mancherley Modificationen unterworfen) sondern weil es wirklich nothwendig und der allgemeine Wunsch aller Einwohner W. ist, die insgesammt das Gute der Verfügung mit Dank erkennen. Dieser Gottesdienst sollte nämlich im Sommer seinen Anfang um 5 Uhr, im Winter gleichwohl um halb 6 Uhr nehmen. Die Gründe sind folgende: Die Dienstboten weiblichen Geschlechts und höchstens jene Frauen, denen der Mann keine Magd halten will oder kann, sind es, für welche diese Anstalt zunächst bestimmt zu seyn scheinet. Man durchgehe alle Stände, vom Geheimenrathe bis zum letzten Handwerker, so wird man finden, daß jeder seine Magd zu einer gewissen Stunde des Morgens im Hause nöthig hat. Wenige Familien sind ohne Kinder, manche hat deren mehrere, und noch dazu einen oder den andern Hausgenossen: da muß dann die Magd sorgen, daß jene angekleidet, mit einem Frühstücke versorgt, jetzt in die Schul, ein andermahl zu einer Procession gefördert werden. Diese haben sich nicht selten auch einige Bedienung ausbedungen, welches alles eine einzige Magd nicht leisten kann, wenn sie erst um 7 Uhr aus der Kirche kommt. Im Winter ist es noch weniger thunlich, weil oft mehrere Öfen zu heizen sind, und doch Niemand aus dem warmen Bette in ein kaltes Zimmer will. Dieß setzt freylich voraus, daß die Frau sich zu keiner solchen