Einsegnungsstunden 1916/9. Stunde

« 8. Stunde Wilhelm Eichhorn
Einsegnungsstunden 1916
10. Stunde »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
9. Stunde
am Dienstag, den 28. November nachmittags 4 Uhr.
Lied 323, 1. 5. 6. 8. Psalm 26. Kollekte 223. 49.
Wie hoch Gott den Menschen gestellt, wie wert er ihn geachtet hat, das tritt uns auf die mannigfaltigste Weise entgegen. Wir sehen es auf dem Gebiet der Schöpfung. Im 8. Psalm wird des näheren ausgeführt, wie Gott zwar seinen Ruhm ausbreitet über den Himmel, wie Mond und Sterne am nächtlichen Himmel seine Ehre verkündigen, wie er aber doch den schwachen geringen Menschen über alles hochgestellt hat, er hat ihn, wie es dort wörtlich heißt, nur wenig unter Gott gestellt, hat ihn zum Herrn gemacht über seiner Hände Werk, alles hat er unter seine Füße getan. Wir sehen es aber nicht minder am Werk der Erlösung. So teuer sind die Menschen vor ihm geachtet, daß er um ihrer Errettung willen seinen Sohn dahingegeben hat in den Tod. So hoch hat sie unser hochgelobter Herr und Heiland geschätzt, daß er sie mit seinem kostbaren Blut teuer erkauft hat. Aber es läßt sich nicht minder ableiten aus dem Werk des heiligen Geistes. Was ist es doch auch Großes, Anbetungswürdiges, daß der ewige Gottesgeist in uns Menschen sein Werk hat, ja in uns Menschen, in unserem Geiste Wohnung nimmt. Er gibt unserem Geist Zeugnis| durch sein Innewohnen, er wohnt in uns, um uns das Unterpfand unseres Erbes und unserer Erlösung zu sein. Ja, sogar der Leib des Menschen, der allerdings mit dem Geistesleben untrennbar zusammenhängt, auch der Leib wird ein Tempel des heiligen Geistes genannt. Welch eine Ehre, welch ein Zeugnis dafür, daß der Mensch wirklich nach Gottes Ebenbild geschaffen war, daß er zum Höchsten, zur Gemeinschaft Gottes bestimmt ist! Und welch eine Mahnung zugleich, doch ja würdig zu wandeln dieses hohen Berufes und uns heiligen zu lassen durch den heiligen Geist durch und durch. Es ist etwas Großes, daß wir das alles so dürfen ansehen und doch gibt es noch einen herrlicheren Tempel des heiligen Geistes, als den des einzelnen Menschen und Christen. Nicht allein sollte der Mensch bleiben, eine Menschheit zu werden war er bestimmt. Nicht Einzelne hat der Herr Jesus erlöst, sondern alle Menschen sich zum Eigentum erkauft und nicht Einzelne nur will der heilige Geist Christo zuführen, sondern eine Gemeinde will er ihm sammeln, die ihm Ehre gibt. Die Kirche, die Christenheit auf Erden ist das große Haus des Herrn. An der Lehre von der Kirche wollen wir auch diesmal nicht vorübergehen und da wir doch alles unter den Gedanken der heiligen Liebe unseres Gottes gestellt haben, so reden wir
von der Kirche als dem schönsten Liebesgedanken des Herrn.

Und zwar betrachten wir:

1. Den Gedanken der Kirche,
2. Die Erscheinung der Kirche und
3. Die Wirklichkeit der Kirche.


I.
 Vom Gedanken der Kirche reden wir zuerst. Wir gehen von dem Namen aus. Das deutsche Wort Kirche ist noch nicht mit voller Sicherheit aufgeklärt. Es wird meist von dem griechischen Wort kyriake = das dem Herrn gehörige Haus abgeleitet, obwohl diese Ableitung manchen Beanstandungen unterliegt. Andere leiten es aus der keltischen Sprache ab = Cylch ein Versammlungshaus bedeutend. Dafür spricht auch, daß Luther in seiner Uebersetzung an mehreren Stellen des alten Testamentes Kirche im Sinn von Versammlungshaus gebraucht hat und daher von Kirchen Baals, z. B. beim Propheten Amos spricht.[1] Luther hat in der Bibelübersetzung des neuen Testamentes das Wort| „Kirche“ vermieden, vielmehr überall „Gemeinde“ gesetzt, um das Zusammenhängende auf gemeinsamem Grund Stehende recht hervorzuheben. Im Glaubensbekenntnis, das schon vor ihm in deutscher Sprache vorhanden war, ließ er das Wort Kirche stehen und erklärt es im Katechismus als die ganze Christenheit auf Erden. Das griechische Wort Ekklesia bedeutet eine zusammengerufene Versammlung. Es entspricht dem hebräischen Wort Rahal, was ebenfalls Versammlung bedeutet und in der griechischen Uebersetzung des alten Testamentes auch öfter mit dem griechischen Wort Synagoge wiedergegeben wird. Die heiligen Apostel vermieden das Wort Synagoge, weil es zu sehr an das Judentum, die Versammlungshäuser der Juden für den sabbathlichen Gottesdienst erinnert hätte und wählten das andere Wort Ekklesia. Wann kommt nun der Gedanke einer solchen Zusammengehörigkeit erstmals vor? Im alten Testament ist wiederholt von der Gemeine Israels, den Versammlungen Israels die Rede. Das Volk gehörte zusammen und weil es zusammengehörte, nicht nur als Volksgemeinschaft, sondern auch als gottesdienstliche Gemeinschaft, so sollte es sich auch tatsächlich versammeln. Es sollte sich zusammenfinden dreimal im Jahr, um seiner inneren Zusammengehörigkeit bewußt zu werden. Wie ist es nun im neuen Testament? Da beginnt der Herr, wie schon erwähnt, seine Predigt mit dem Zeugnis vom Reich im Anschluß an Johannes den Täufer, der auch seine Botschaft mit den gleichen Worten begann: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Und beide, Johannes und Jesus selbst schließen sich an die Erwartungen Israels an, die ganz besonders auf ein Reich gingen, das sie erwarteten und erhofften. Zugleich wird gesagt werden müssen: Reich Gottes ist tatsächlich der umfassendste Ausdruck dessen was Gott von Anfang an gewollt hatte. Ein Reich wollte er haben unter den Menschen und durch sie eine Herrschaft Gottes über die Welt. Weislich hat der Herr seine Apostel in seiner Unterweisung vorwärts geführt. Der Fortschritt in seiner öffentlichen Verkündigung und in der Unterweisung seiner Jünger läßt sich leicht aufzeigen. Er hat erst begonnen mit der Predigt vom Reich, allmählich spricht er mehr von sich selbst, als dem Bringer des Heiles und des Reiches. Einen wichtigen Abschnitt finden wir im zweiten Jahre der galiläischen Tätigkeit des Herrn. Nachdem der Herr ein Jahr lang in Galiläa in der vollsten Oeffentlichkeit geredet hatte, machte er um die Zeit des Osterfestes, ein Jahr vor seinem Leiden, einen Abschnitt. Er beginnt sich mehr vom Volk zurückzuziehen, wenn er sich auch demselben nicht völlig entzieht. Er widmet sich fortan mehr seinen Jüngern, um dann je länger je mehr sich und sie vorzubereiten auf sein Leiden. Den Wendepunkt macht der Vorgang in Cäsarea Philippi, wo der Herr eine förmliche Prüfung mit seinen Jüngern anstellt, ob| sie etwas gelernt haben in seiner bisherigen Unterweisung, ob sie nun wissen, wer er sei. Da sie sich durch Petrus Mund freudig zu ihm, als dem Sohn Gottes, dem Messias Israels bekennen, so hat er von dem an mehr begonnen, von seinem Leiden zu reden. Zugleich in diesem wichtigen Augenblick spricht er erstmals von seiner Gemeinde Matth. 16. „Auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde“ und kurz darnach Matth. 18 noch einmal: „Sage es der Gemeinde,“ „hört er die Gemeinde nicht.“

 Was ergibt sich nun für das Verhältnis vom Reich Gottes und der Kirche oder der Gemeinde Christi? Reich Gottes ist der umfassendere Begriff. Es ist da nicht gemeint die Herrschaft Gottes über das Weltall, das er lenkt und leitet, sondern davon ist die Rede, daß er unter den Menschen ein Reich, eine Herrschaft herstellen wollte, wie er es von Anfang an hatte und einst wieder haben wird in der Vollendung, in der Herrlichkeit. Er hat es vorbereitet im Volk Israel, vorbildlich in der Unvollkommenheit der Volksgestalt, um dadurch dem kommenden Heil den Boden zu bereiten und Israel auf das kommende Heil hinzuführen. Aber nun, seit Christus kam, ist das Reich Gottes wirklich vorhanden. Mit ihm, seinem Zeugnis, seiner Botschaft ist es ganz nahe herbeigekommen und seit er sein Werk vollbracht, seit er sich gesetzt hat zur Rechten Gottes in der Höhe besteht sein Reich und zwar besteht es in Form seiner Gemeinde auf Erden. So ist denn das Reich Gottes der umfassendste Begriff, der von der Ewigkeit ausgehend, bis in die Ewigkeit hineinreicht.

 Dagegen die Dauer der Kirche ist nach zwei Seiten hin, was Anfang und Ende anlangt, begrenzt. Die Kirche hat ihren Anfang genommen am Tage der Pfingsten. Die bisher Jünger des Herrn waren, werden nun zu seiner Gemeinde geeint durch den Geist, den sie empfingen, der in ihnen wohnte und wirkte. Und diese Kirche wird bleiben bis zum Ende, sie wird nicht vergehen, aber sich dann verklären zur vollendeten Kirche. So kann man wohl den schönen Unterschied gutheißen zwischen streitender und triumphierender Kirche: die Kirche jetzt im Streit und einstmals die vollendete, die den Sieg erlangt hat. Sie sind in Wahrheit eins, doch werden wir sagen dürfen: dann ist die Kirche zum Reich Gottes vollendet worden; dann ist das Reich erschienen, das verheißen ist von Anbeginn der Welt, dann ist nicht mehr zu unterscheiden zwischen der Herrschaft des Vaters über die Welt und der sonderlichen Herrschaft des Sohnes als des Oberhauptes der Gemeinde, zu dem er gesetzt ist; dann wird, wie der Apostel 1. Kor. 15 so tiefsinnig sagt, der Sohn das Reich dem Vater überantworten, auf daß Gott sei alles in allem. Dann ist alles zur letzten Vollendung gelangt. – Die Kirche selbst in ihrem eigentlichen Verstand ist also nichts anderes als die dermalige Gestalt des Reiches Gottes in der Zeit, da Jesus| in der Unsichtbarkeit im Himmel thront. Dazu wollte der Herr nach Vollendung seines Werkes nicht auf Erden bleiben, sondern zurückkehren in die Herrlichkeit, weil er nur durch den Glauben erkannt sein wollte, wie er denn die Losung ausgab: Nicht sehen und doch glauben. Und so sammelt sich dem gen Himmel erhöhten Herrn seine Gemeinde, das ist die Kirche. Die Kirche ist die Gesamtheit aller der Menschen, die durch den Glauben verbunden sind mit Christus, dem erhöhten Haupte und darum im Zusammenhang stehen untereinander. Die Kirche kann genannt werden, wie Melanchthon sagt: die Gemeinschaft des Glaubens und des heiligen Geistes in den Herzen der Menschen, sie kann genannt werden die Gemeinde der Gläubigen oder der Heiligen. Jedenfalls will sie und soll sie sein eine Glaubensgemeinschaft. Es ist etwas Großes um die Zusammengehörigkeit eines Volkes, das verbunden ist durch das Einheitsband der Muttersprache, durch die Geistesschätze, die ein Volk in seiner Sprache, in seiner Literatur niedergelegt hat. Es ist etwas Großes um den Staat, der zusammengehalten wird durch gemeinsam durchlebte Geschichte, durch gemeinsame Ordnungen und Gesetze. Die Volksgemeinschaft bezieht sich mehr auf die natürliche Seite des Menschen, das staatliche Leben mehr auf die persönliche Seite des Menschen und deswegen mag man staatliche Gemeinschaft höherstellen als Volksgemeinschaft. Aber das ist unzweifelhaft: die herrlichste Einigungsmacht, die es gibt, ist die Kirche. Hier eint nicht die Sprache nur oder äußere Ordnungen und Gesetze, hier schließt zusammen der eine Glaube. Damit ist ein Sinn vorhanden. Es stehen alle auf einem Grund, es gehen alle denselben Weg, es streben alle einem Ziel entgegen. Aber eben damit ist die Kirche eine Liebesgemeinschaft und man darf sie wohl mit Löhe „den schönsten Liebesgedanken des Herrn“ nennen. In Liebe sind die verbunden, die in Wahrheit der Kirche angehören; denn das ist uns auch nun klar, daß in Wahrheit nur die zur Kirche gehören, die in einem Glauben stehen. Die alle können zur Kirche gehören, die dem Herrn Christus durch die Taufe einverleibt sind und wenn sie ihn im Glauben für ihren Herrn erkennen, dann gehören sie in Wahrheit dazu. Eine Liebesgemeinschaft ist die Kirche. Kein Mensch darf von dem andern sagen: er geht mich nichts an, weil jeder Mensch unser eigen Fleisch und Blut ist, teilhaftig derselben einen Menschennatur. Kein Christ kann vollends vom Mitchristen sagen: er geht mich nichts an. Haben wir nicht einen Gott mit ihm zum Vater, einen Herrn Jesus Christus zum Erlöser und Mittler und ist es nicht ein Geist, der in den Herzen wirkt? Wie nachdrücklich hat darum der Herr den Seinen anbefohlen, daß sie sich untereinander lieb haben. Wie hat er für sie gebetet im letzten großen Gebet, das anzuhören er die Jünger würdigte, daß sie doch alle in Liebe möchten verbunden bleiben. Wie nachdrücklich regen dazu an die| heiligen Apostel, Johannes besonders, daß sie sich untereinander sollen liebhaben, nicht minder aber auch Petrus: Tut Ehre jedermann, habt die Brüder lieb, fürchtet Gott, ehret den König. Und in der 2. Epistel spricht er davon, daß man die brüderliche, dann auch die allgemeine Liebe betätigen soll. Und Paulus sagt: die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich, es heißt geradezu sei zärtlich, so wie Verwandte sich untereinander liebhaben. Und noch in der Offenbarung macht im ersten der Sendschreiben, der Herr der Haupt- und Muttergemeinde Kleinasiens, die unter Johannes, des Jüngers der Liebe, Leitung stand, den Vorhalt: Ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verläßest.

 So ist in der Kirche eine Liebesgemeinschaft vorhanden, so ist sie wirklich der schönste Liebesgedanke des Herrn. Es ist etwas Großes, Verbindung in der Liebe mit Christus dem himmlischen Haupt durch den heiligen Geist. Ja, wer Christus angehört, muß auch seiner Kirche angehören. Christus ist ein König und will nicht nur einzelne Gläubige haben, sondern ein zusammengehörendes Ganzes, ein Reich, eine Kirche. Und so ist auch engste Verbindung vorhanden untereinander. Innerhalb der Kirche soll ausgeglichen sein der soziale Unterschied, der sonst die Menschen voneinander scheidet. Hier ist nicht Mann noch Weib, nicht Sklave noch Freier, nicht Grieche noch Jude. Es sind ausgeglichen die Unterschiede von Raum und Zeit, denn mit allen Gläubigen überall wissen wir uns in Liebe verbunden, auch mit den Gläubigen aller Zeiten, auch mit denen, die schon zur Vollendung eingegangen sind. So kann die Kirche im Glaubensbekenntnis genannt werden, „eine heilige allgemeine und apostolische Kirche.“

 So wollen wir uns denn auch den hohen Gedanken der Kirche aufs neue einprägen. Wir wollen nicht vergessen, daß über der Kirche das Reich Gottes steht. Aber über dem weiteren Gedanken des Reiches Gottes wollen wir auch nicht vergessen, daß das Reich Gottes in der Gestalt der Kirche in der Gegenwart bestehen soll. Es gab und gibt engherzige Lutheraner, die über der Kirche den Reichsgottesgedanken allzusehr zurückgestellt haben. Als seinerzeit die Halle’schen Pietisten, die übrigens in ihrem damaligen Stande zweifellos auf dem Bekenntnis der lutherischen Kirche standen, das Missionswerk begannen, haben engherzige Lutheraner das für Schwärmerei gehalten, denn der Beruf dazu fehle. So haben manche, als der Gedanke der inneren Mission aufkam, mißtrauisch sich zurückgehalten und wir erkennen Löhes wahrhaft weiten ökumenischen Sinn, daß er die Bedeutung der Werke der inneren Mission, die zu seiner Zeit aufkam, erkannte und selbst übte in der rechten Weise, im Sinn der lutherischen Kirche. Aber noch mehr wird jetzt über dem Gedanken des Reiches Gottes oft vergessen, daß das Reich Gottes eben in Gestalt und Form der Kirche nach| Gottes Willen existiert. So viele reden nur von Reichgottesarbeiten und von persönlichem Christentum und vergessen, daß der Einzelne an die Kirche gebunden ist, weil sie die Verwalterin der Gnadenmittel ist und weil in ihr die Gläubigen sich sammeln sollen in einem Bekenntnis und daß auch die Arbeiten für das Reich Gottes an das Bekenntnis der Kirche sollen gebunden sein, wenn wir wirklich ernstlich halten wollen nach dem Wort des Herrn, was wir haben, bis daß er kommt.


II.
 Wir reden weiter von der Erscheinung der Kirche. Gewiß, wenn die Kirche nichts anderes ist als die Gesamtheit der Gläubigen, die Gesamtheit der Menschen, die durch den Glauben in Verbindung stehen mit dem himmlischen Haupt, so ist die Kirche ihrem Wesen nach unsichtbar. Deshalb und insofern werden wir nie und nimmer mit Sicherheit wissen können, wer in Wahrheit der Kirche zugehört. Es ist ja bekanntlich gesagt worden, daß einst in der Vollendung, wenn Gott seine Auserwählten sammelt von den vier Winden, von allen Oertern der Erde, aus allen Zeiten, wir uns über ein dreifaches wundern werden, wundern darüber, daß manche nicht da sind, von denen wir mit Sicherheit gedacht hätten, sie müßten unter den Auserwählten sein, wundern darüber, daß manche da sind, von denen wir nie und nimmer geglaubt hätten, sie zu finden und am meisten werden wir uns darüber wundern, daß wir selbst durch Gottes Gnade und Christi Blut hindurchgerettet sind. Die Kirche als Gesamtheit der Gläubigen ist jetzt in der Gegenwart unsichtbar. Das ist eben die Signatur der gegenwärtigen Zeit, daß das Reich Gottes wirklich vorhanden ist, aber noch nicht erschienen, was es sein soll, noch in der Unsichtbarkeit und Verborgenheit. Daß wir das so entschieden festhalten, scheidet uns von der römischen Kirche, welche die Kirche wie ein rein sichtbares Reich ansieht, mit einem Oberhaupt, das eine dreifache Krone trägt und sich für hocherhaben hält auch über Könige und Kaiser dieser Erde. Und doch kann die Kirche nicht nur unsichtbar sein; man muß doch angeben und wissen können, wo sie auf Erden zu finden ist. Das unterscheidet uns von der Reformierten Kirche, welche die Kirche im wesentlichen als nur unsichtbar faßt. Man kann sich auf die unsichtbare Kirche zurückziehen und das geschieht in der Gegenwart so oft, wenn man auf eine Ausgestaltung der Bekenntniskirche verzichtet. Das ist der Geist des Unionismus, der die Kirche einigt und zusammenbringt, ohne wirkliche Glaubens- und Bekenntnisgemeinschaft. Da zieht man sich auf die unsichtbare Kirche zurück und gibt die sichtbare Kirche gleichsam Preis, verzichtet auf die Erscheinung der sichtbaren Kirche in der Welt. So steht Herrnhut und die Evangelische| Allianz. So hat sich auch neulich ein Mann geäußert, der in dem Kreis der Diakonissenhäuser mit Recht hoch angesehen ist, der frühere Leiter des Kaiserwerther Diakonissenhauses D. Zöllner, den man als lutherisch gesinnt innerhalb der Union anzusehen gewohnt war. Der hat in Verzweiflung über die gegenwärtige kirchliche Lage den Rat gegeben, es bleibe nichts anders übrig, als daß man innerhalb des Protestantismus die beiden Richtungen, die gläubige und die moderne mit gleichen Recht nebeneinander hergehen lasse, denn es sei unmöglich, die Modernen aus der Kirche hinauszudrängen. Wer so steht, verzichtet auf Ausgestaltung der sichtbaren Kirche und zieht sich lediglich auf die unsichtbare zurück. Dann ist die Kirche überhaupt nicht mehr da, denn sie ist keine Gemeinschaft des Glaubens und des Bekenntnisses mehr. Man kann vieles tragen an Mißständen, aber unter stetem Protest dagegen und mit der Einschränkung, daß man es nur solange tragen kann, als das Bekenntnis noch klar zu Recht besteht. Nein, die Kirche, die als Gemeinschaft des Glaubens gewiß unsichtbar ist, ist zugleich sichtbar. So sehen es die Apostel an, die den bestehenden vorhandenen Kirchen und Gemeinden Benennungen gaben, die nur der heiligen Kirche selber zustehen, wie denn der Apostel Paulus der Korinthischen Gemeinde, in der so viele Mängel waren, dennoch bezeugt und ihr entschieden ins Gewissen schreibt: „Ihr seid Gottes Ackerwerk, ihr seid Gottes Gebäu, der Tempel Gottes ist heilig, der seid ihr.“ Nicht um sie damit zu beruhigen, sondern um sie an ihre Pflicht zu erinnern, die Kirche so auszugestalten, daß sie ihres Namens würdig sei. Ja, die Kirche muß zugleich sichtbar sein, es muß gesagt werden können, wo sie auf Erden zu finden ist.

 Wo ist die Kirche auf Erden zu finden? Wo und wie tritt sie in die Sichtbarkeit? Die Römische Kirche sagt: „Da, wo unter dem Papst in Rom und unter den Bischöfen Christen zusammengefaßt sind, da ist die Kirche wahrhaftig.“ Sie wird als sichtbar angesehen, wie ein irdisches Königreich. Es ist dies ein Rückfall in das Alte Testament, ein Zurückgehen auf die Stufe der Vorbereitung, wo allerdings Israel in äußerer Volksgemeinschaft verbunden war. Aeußere Gleichheit erzielt die römische Kirche gewiß auf diesem Wege, vollständige Einheit und Gleichheit bis ins letzte, eine Sprache im Gottesdienst, dieselben Ordnungen; soweit die römische Kirche reicht, gebietet nur ein Wille. Aber freilich ist damit die Kirche zu einem weltlichen Reich herabgesunken. Welch weltlicher Mittel bedient sich die römische Kirche um ihre Einigung zu wahren, ja auch vor Anwendung von Gewalt, wo sie die Macht dazu hat, schreckt sie nicht zurück, wie man in der Inquisition erkennen kann, um die äußere Einigkeit zu erzwingen.

 Die reformierte Kirche sieht die Kirche wesentlich als unsichtbar an. Sie läßt sie etwa – da sie doch irgendwie in die Erscheinung| treten muß – sichtbar werden im Staat. So standen die Väter der reformierten Kirche: Zwingli und Calvin. Das ist nach anderer Seite auch wieder Rückfall ins alte Testament, wenn man meint, in der gegenwärtigen Welt schon einen Gottesstaat einrichten zu können, wie Israel ein Gottesstaat sein sollte, aber nur vorbildlich. Noch hat die reformierte Kirche, denken wir an England, diesen Gedanken nicht ganz aufgegeben. Allerdings ist auf reformiertem Boden mehr der andere Gedanke herrschend geworden, daß die Kirche da sei, wo gläubige Kinder Gottes sich zusammenfinden. Das führt aber schließlich zur Sekte, zu der Behauptung, daß es Gemeinden von lauter Heiligen geben könne. Die beiden Abwege, der römische und der sektiererische, haben etwas Lockendes und Anziehendes. Die stolze Einheit der römischen Kirche, wo es nicht diesen Widerstreit der Richtungen und den steten kirchlichen Kampf gibt, hat es schon genug evangelischen Christen angetan. Dagegen bleiben wir beim Zeugnis der Augsburgischen Konfession im 7. Artikel, daß es nicht not ist zur wahren Einigkeit der Kirche, daß allenthalben gleichförmige Zeremonien, von Menschen eingesetzt, gehalten werden. Die wahre Einigkeit liegt tiefer: Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. Noch anziehender für viele ist der sektiererische Gedanke einer Sammlung der Kinder Gottes, was schon Zinzendorf mit der Brüdergemeinde gewollt hat und was so viele sektiererische Richtungen auf ihre Fahne schreiben. Sie stellen die Behauptung auf: Da ist die Kirche, wo gläubige Kinder Gottes sich zusammenfinden, die sich als solche erkennen in ihrer Aussprache, in der Weise sich zu äußern und in Erzählung ihrer Erfahrungen. Wir erinnern dagegen an das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, wo der Herr deutlich gesagt hat, daß die Kirche, solange sie der großen Vollendung entgegenreift, immer dem Acker gleichen wird, auf dem Unkraut und Weizen untermischt sind und es ist in der Kirche nicht möglich, was auf dem natürlichen Acker wohl möglich ist, Unkraut und Weizen zu scheiden vor der Ernte.
.
 Worin besteht dann der Kirche sichtbare Erscheinung, was sind ihre Kennzeichen? Das sind die Gnadenmittel, Wort und Sakrament und darin bestätigt sich Luthers richtige Erkenntnis von der Bedeutung der Gnadenmittel. Wo sie gebraucht werden, da wirkt der heilige Geist, da ist der erhöhte Herr wirklich unter den Seinen gegenwärtig, da müssen auch wahre Gläubige sein. Ich glaube, daß überall, wo das Wort Gottes gepredigt wird und die Sakramente verwaltet werden, der heilige Geist wirksam ist und ich glaube, daß, wo der heilige Geist in Wort und Sakrament wirksam ist, daß da auch gläubige Christen sein müssen und wären es auch nur, wie Luther sagt, „die Kindlein in der Wiege“; denn es muß allezeit eine heilige christliche Kirche sein und bleiben. Damit ist die wahre Einheit der Kirche gewahrt. Bei diesem Kirchenbegriff ist| wahre Duldung möglich. Wenn die Kirche überall ist, wo Gottes Wort und Sakrament sind, so können wir auch unter Römischen und unter den reformierten Sekten die Kirche finden, solange auch da das Wort, ob auch mit manchem Irrtum vermischt, gepredigt und die heiligen Sakramente, wenn auch mit manchem Mißbrauch vermengt, verwaltet werden. Da ist innere Einheit vorhanden bei Freiheit im übrigen. Nicht einerlei Ordnungen müssen sein, auch nicht einerlei Verfassung. So tritt die Kirche in die Erscheinung. Sie tritt in die Erscheinung, vor allem durch die Lehre des göttlichen Wortes und hier ergibt sich die Notwendigkeit und Bedeutung des kirchlichen Glaubensbekenntnisses. Zu Glaubensbekenntnissen ist die Kirche geführt, geworden schon in früher Anfangszeit durch die Taufe. Ein Taufbekenntnis wollte und mußte sie haben. Die Bekenntnisse bekamen dann noch mehr Bedeutung im Gegensatz zu Irrlehren, die auftraten. Sie sind noch wichtiger geworden, seit sich die Kirche getrennt hat in verschiedene Bekenntniskirchen, weil dieselben aussagen müssen, was eine Kirche glaubt und lehrt, im Unterschied von andern. Innere Notwendigkeit treibt die Kirche das auszusagen, was sie erkenntnismäßig erfaßt hat aus dem Schatz der göttlichen Offenbarung. Das Bekenntnis ist zugleich die wichtige Regel für den Lehrstand, der an das Bekenntnis der Kirche muß gebunden sein. Das Bekenntnis ist ferner die Anleitung zum Verständnis der Heilswahrheiten für die Kirchenglieder. Die Kirche tritt ferner in die Erscheinung durch ihre Gottesdienste und darum sind die Kirchenordnungen so wichtig. Die römische Kirche hat einerlei Gottesdienstordnung im missale romanum. Es kommt gewiß darauf an, daß eine Ordnung der Gottesdienste besteht, durch die die Predigt und reine Verwaltung der Sakramente gewährleistet ist, aber es wird hier die Aufgabe sein Gebundenheit und Freiheit in der rechten Weise zu vereinigen. Die Kirche tritt in die Erscheinung besonders durch die Feier der Sakramente, der heiligen Taufe und des heiligen Mahles, weil dieselben kirchenbildend sind, die Taufe, weil sie, wie in die Gemeinschaft mit Gott, so auch in die Gemeinschaft seiner Kirche aufnimmt, das heilige Mahl, weil es wie in der Gemeinschaft mit Christo, so auch in der Gemeinschaft der Gläubigen uns stärkt. Wichtige Zeugnisse für die Erscheinung der Kirche sind die Kirchenordnungen, die wir erst einzeln durch Luther erhielten: das Taufbüchlein von 1523, die deutsche Messe von 1525, das erste Gesangbuch von 1524 und für den Unterricht der Jugend sein Katechismus von 1529, dann aber zusammengefaßt in der brandenburgisch-nürnbergischen Kirchenordnung von 1535. Und wie viele sonstige geisterfüllte Schriften hat die Kirche hervorgebracht in ihrer reichen Erbauungsliteratur. Da brauchen wir nicht zu suchen, wo die Kirche auf Erden vorhanden ist. In ihrer Predigt, im Gottesdienst, in der| Verwaltung der Sakramente, im Unterricht und Seelsorge, in ihren Kirchenordnungen findet sie sich und umfaßt uns und führt uns liebend an der Hand von der frühsten Kindheit an. Und so gibt es eine Kirche auf Erden, die auch in die Erscheinung tritt als der schönste Liebesgedanke unseres Herrn und die ihm durch den kirchlichen Dienst seine Schäflein, die er lieb hat, leitet und weidet zu den lebendigen Wasserbrunnen.


III.

 Aber dürfen wir wirklich die Kirche den schönsten Liebesgedanken des Herrn nennen, ohne zu erröten und uns schämen zu müssen? Denken wir daran, daß die christlichen Völker, die miteinander verbunden sein sollten, sich jetzt im blutigen Krieg zerfleischen! Doch hat uns Christus vorhergesagt, daß Krieg und Kriegsgeschrei nicht aufhören, sondern fortgehen und je mehr das Ende kommt zunehmen werde. Innerlich wissen wir uns auch jetzt jederzeit mit allen wahren Christen eins, auch wenn die Einigkeit gar nicht betätigt werden kann. Schwerer ist das andere, daß die Kirche nicht mehr einig ist in sich wie sie sein sollte, sein muß, ihrem Wesen nach.

 Darum müssen wir in Kürze reden:

von der Wirklichkeit der Kirche, die oft dem Gedanken der Kirche widerspricht und ihn nur unvollkommen in die Erscheinung treten läßt. Sehr weise hat die Augsburgische Konfession in zwei Artikeln, dem 7. und 8., von der Kirche geredet, in Artikel 7 hat sie das Wesen der Kirche gekennzeichnet, daß sie die Gesamtheit der Gläubigen ist, bei der Gottes Wort gepredigt und die Sakramente recht verwaltet werden, im 8. aber gezeigt, daß die Kirche auch da noch vorhanden sei, wo Ungläubige und Gottlose beigemischt sind und daß die Sakramente giltig bleiben, auch wenn die Priester nicht fromm sind. Und die Apologie gibt die Unterscheidung, daß es eine Kirche gibt im eigentlichen Sinn nach ihrem Wesen und eine Kirche im weiteren Sinn nach der tatsächlichen Wirklichkeit. Es verhält sich ähnlich wie beim Einzelchristen, so wie 1. Joh. 3, 2 gesagt ist: „Wir sind nun Gottes Kinder und es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden.“ So gibt es eine Kirche und sie tritt auch in die Erscheinung, aber freilich in ungenügender Weise wirkt sie sich aus und ist sie ausgestaltet in der Wirklichkeit in der Gegenwart. Der Herr Jesus hat das vorausgesehen und vorausgesagt, daß der Acker der Kirche auch Unkraut tragen wird, das der Feind säet. Und wie ist es dem Herrn im hohenpriesterlichen Gebet am Herzen gelegen, daß die Kirche möge eins bleiben und daß sie heilig möge sein! Der Herr sagt voraus, daß die Wirklichkeit der Kirche ihren Gedanken nicht völlig entspricht und darum ihre Erscheinung nur unvollkommen sich gestaltet. Das darf uns aber| nie ein Ruhekissen der Entschuldigung, sondern muß Antrieb zu treuester Arbeit sein. Viele Unvollkommenheiten treten uns in der Wirklichkeit der Kirche entgegen. Denken wir an die landeskirchliche Verfassung, wie sie sich in Deutschland nach geschichtlicher Notwendigkeit in der Reformationszeit bilden mußte. Dieselbe konnte an sich dem Wesen der Kirche nicht entsprechen, wie Luther sehr wohl wußte, sondern nur um der Not willen ließ er den Fürsten als hervorragenden Kirchengliedern und darum dazu Berufenen die äußere Leitung der Kirche, was dazu geführt hat, daß bei uns ein katholischer König der Landesbischof er evangelischen Kirche ist. Aber wir sehen andererseits auch in den Freikirchen wie viel Trennung und Spaltung dort vielfach vorhanden ist. So ist es wichtig, eine Kirche der Zukunft vorzubereiten und wir wissen, daß Löhe in seiner Diakonissenschar auch eine solche Sammlung treuer Glieder der Kirche beabsichtigte, die ein Samen sein sollte für die Kirche der Zukunft. Und wo man Jungfrauen und andere kirchliche Glieder der Kirche zusammenschließt, hilft man die Kirche der Zukunft, die eine freie Bekenntnis- und Glaubensgemeinschaft sein wird und sein muß, vorzubereiten. Das gottesdienstliche Leben in unserer Kirche ist auch vielfach unrichtig ausgestaltet. An vielen Orten unserer Landeskirche fehlen die liturgischen Ordnungen vollständig, die Beteiligung der Gemeinde am Gottesdienst ist meist nur auf den Gesang der Lieder beschränkt, es gibt kein gemeinsames Bekenntnis der Sünde, kein lautes Bekenntnis des Glaubens, wenig gemeinsame Anbetung. In Diakonissenhäusern kann die liturgische Ausgestaltung des Gottesdienstes am leichtesten ins Leben eingeführt werden und darin hat auch unser Haus doch einen besonderen Beruf. Löhe sagt: „Konfirmation, Beichte und Zucht, das sind die drei größten Schäden, welche die Kirche Gottes in der Gegenwart, freilich nicht die lutherische allein, aufweist.“ Denken wir, wie ungünstig sich die Beichte gestaltet. In Diakonissenhäusern ist die Privatbeichte doch noch bekannt und kann gesucht und geübt werden, wovon in den meisten Gemeinden nicht mehr die Rede ist und ebenso wahre Seelsorge und Kirchenzucht. Die Bedeutung des heiligen Abendmahls ist in Bezug auf seine Wertung furchtbar zurückgegangen. Die reine Lehre hat zwar unsere Kirche in vielen Kämpfen sich gewahrt, aber wie wenig wird segenbringender Gebrauch davon gemacht: auch hier haben Diakonissengemeinden ihren besonderen Beruf. Aber der schwerste Mangel, an dem wir tragen, ist die Lehrverschiedenheit, die Trennung, die in der Kirche eingetreten ist. Leider, daß auch die Kirche der Reformation in die lutherische und schweizerische sich trennte und daß dann durch die Union tatsächlich aus 2 Kirchen drei gemacht wurden und daß dadurch das Bekenntnis vollends in Unsicherheit gestellt wurde. Wie wichtig ist es da für uns, festzuhalten im rechten Glauben auch in der Gemeinschaft des Altars| und jede Union auch in der Abendmahlfeier zu vermeiden. Es kann das als gegen die Liebe verstoßend erscheinen, wenn wir erklären, wir können nur solche zum Tisch des Herrn zulassen, die mit uns eins sind in der Lehre; aber im Gegenteil, wir werden sagen dürfen, daß wahre Liebe das fordert. Die wahre Liebe gebietet es, andern zu zeigen, wie mangelhaft und unsicher ihre kirchliche Stellung sei und die Treue fordert von uns, daß wir das Bekenntnis festhalten, bewahren und es nicht als gleichgültig hinstellen lassen. Aber freilich, das erfordert die Liebe, daß wir in Treue arbeiten und beten für die Besserung des kirchlichen Standes, beten insbesondere, daß doch alle eins sein möchten, wie der Herr es gewollt hat. „Auf daß sie alle eins seien, gleichwie du Vater in mir und ich in dir“.

 Ja, wollen wir rechte Liebe üben, wie im engsten Kreis unserer Gemeinschaft, so die rechte treue Liebe üben in der weiteren kirchlichen Betätigung, auch auf dem besonderen Gebiet der kirchlichen Liebestätigkeit, von dem wir morgen noch reden wollen. Wir wollen dabei festhalten den Grundsatz, den der Apostel Johannes aussprach: „Lasset uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.“

Ps. 87. Lied 317.





  1. In der sogen. berichtigten lutherischen Übersetzung, die jetzt in den Händen der Meisten ist, findet sich das Wort Kirche an den bezeichneten alttestamentlichen Stellen nicht mehr.


« 8. Stunde Wilhelm Eichhorn
Einsegnungsstunden 1916
10. Stunde »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).