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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kotzeluch
Band: 13 (1865), ab Seite: 45. (Quelle)
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Kotzebue, August von (dramatischer Dichter, geb. zu Weimar 3. Mai 1761, ermordet[WS 1] durch den Studenten Sand zu Mannheim 23. März 1819). Der Sohn eines Weimarer Legationsrathes. Erhielt seine erste Bildung durch den berühmten Musäus. Erst zwanzig Jahre alt, wurde er durch Vermittelung des kön. preußischen Gesandten in Rußland, Grafen von Götz, der ein Freund seines Vaters war, als Secretär des Generals des Geniewesens v. Bawr in St. Petersburg angestellt. Diese Stelle versah er bis zu Bawr’s Tod und bewies [46] dabei solche Umsicht und Geschicklichkeit, daß ihn der General in seinem Testamente der Kaiserin empfahl. Bald darauf erhielt er den Titel eines Rathes, wurde 1783 – erst 22 Jahre alt – Beisitzer der obersten Gerichtstafel, dann Präsident des Administrations-Magistrats, welche Stelle er zehn Jahre bekleidete. Im Jahre 1795 nahm er seine Entlassung und zog sich auf sein kleines Landgut Friedenthal zurück, wo er ganz seinen poetischen Neigungen lebte. Schon früher hatte er sich mit dramatischen Arbeiten beschäftigt und mehrere Stücke für das Theater der Kaiserin geschrieben, die ihm deßhalb auch ihre besondere Huld zuwendete. Seine neuen Arbeiten machten seinen Namen nur noch vortheilhafter bekannt und so erfolgte 1798, nach Alxinger’s Tode, seine Berufung nach Wien als Dichter und Director des Theaters an der Wien. Auf diesem Posten erwarb er sich ein bedeutendes Verdienst durch die Bereicherung des Repertoirs, sowohl mit eigenen wie mit fremden Stücken, durch Zuziehung tüchtiger darstellender Kräfte und überhaupt durch Hebung des seiner Leitung anvertrauten Kunstinstitutes. Es ist für die Geschichte dieser Bühne nicht unwichtig, zu sehen, wie Kotzebue durch 6 Jahre, also ein paar Jahre vor seinem Ein- und ein paar Jahre nach seinem Austritte so zu sagen das Repertoire der Wiener Hofbühne beherrschte. Die chronologische Folge von Aufführungen Kotzebue’scher Stücke auf derselben ist: 1794: „Die Sonnenjungfrau“; – 1795: „Die Spanier in Peru“, Trauerspiel in 5 Acten (13. Juni); – „Der Mann von 40 Jahren“, Lustspiel in 1 Act (28. Juli); – „Der Graf von Burgund“, Schauspiel in 4 Acten (31. December); – 1796: „Menschenhass und Reue“, Schausp. in 5 Acten; – „Das seltsame Testament“, Lustsp. in 1 Act (22. Februar); – „Falsche Scham“, Schausp. in 4 Acten (28. März); „Bruderzwist“, Schausp. in 3 Acten (19. November); – 1797: „Die Verwandtschaften“, Lustsp. in 5 Acten (13. März); – „Der Opfertod“, Schausp. in 3 Acten (22. Juni); – „Ueble Laune“, Lustsp. in 5 Acten (1. August); – „Der Wildfang“, Lustsp. in 2 Acten; – „Die Corsen in Ungarn“, Schausp. in 5 Acten (9. December); – 1798: „Die silberne Hochzeit“, Schausp. in 5 Acten (26. März); – „Das Dorf im Gebirge“, Schauspiel in 2 Acten (17. April); – „Das Epigramm“, Lustsp. in 4 Acten (25. September); – „Das Schreibepult“, Schausp. in 4 Acten (15. October); – „Der Gefangene“, Lustsp. in 1 Act (22. October); – „Lohn der Wahrheit“, Schausp. in 5 Acten (5. November); – „Die Unglücklichen“, Lustsp. in 1 Act (9. November); – 1799: „Johanna von Montfaucon“, Schausp. in 5 Acten (25. Jänner); – „Die beiden Klingsberg“, Lustsp. in 4 Acten (7. März); – „Die kluge Frau im Walde“, Zauberspiel in 4 Acten (17. März); – „Der Schreiner“, Lustsp. in 1 Act (18. Juli); – „Das neue Jahrhundert“, Lustsp. in 1 Act (31. December); – 1800: „Gustav Wasa“, Schausp. in 5 Acten (18. October); – „Der Besuch“, Lustsp. in 4 Acten (3. December); – 1801: „Die Glücklichen“. Lustspiel in 1 Act (18. März). Diese Reihe seiner Stücke spricht für die Beliebtheit derselben. Aber nicht lange behielt K. seinen Posten. Umtriebe, die sich von mehreren Seiten entspannen und die durch K. selbst mehr oder minder veranlaßt sein mochten, zwangen ihn, seine Entlassung zu nehmen, die ihm auch mit Belassung einer jährlichen Pension von 1000 fl., ungeachtet seiner kurzen Dienstleistung, gegeben wurde. Kotzebue begab sich nun nach Weimar, wo er in der Schrift: „Mein [47] Aufenthalt in Wien und meine erbetene Dienstentlassung“ dem Publicum Rechenschaft über sein Verhalten und einen nicht uninteressanten Beitrag zur Geschichte der Wiener Bühne gibt. Im Jahre 1800 begab er sich auf dringendes Verlangen seiner Gattin nach Rußland zurück, wo zwei seiner Söhne zu St. Petersburg im Cadetenstifte erzogen wurden. Bald nach seiner Ankunft in Rußland wurde er aus bisher noch nicht aufgehellten Gründen verhaftet und nach Sibirien verbannt. Auf dem Wege dahin entfloh er und irrte einige Zeit in den liefländischen Wäldern umher, wurde aber wieder ergriffen und über Tobolsk nach Kuryan, dem Orte seiner Bestimmung, gebracht. Die Nachrichten über diese seine widrigen Schicksale beschrieb er selbst in dem Buche: „Das merkwürdigste Jahr meines Lebens“. Masson, dessen „Mémoires secrets sur la Russie“ Kotzebue scharf angegriffen, bestritt die Wahrheit von Kotzebue’s Mittheilungen, worauf dieser mit einer besonderen Vertheidigungsschrift: „Kurze und gelassene Antwort auf eine lange und heftige Schmähschrift des Herrn von Masson“ (Berlin, Sander, 8°.) erwiderte. Bald wendete sich das Blatt. Kaiser Paul, wie es heißt, durch eine von Kotzebue’s Schriften anderen Sinnes geworden, begnadigte ihn, rief ihn aus der Verbannung zurück, überhäufte ihn mit Gnadenbezeugungen, übertrug ihm die Direction des deutschen Theaters in St. Petersburg und verlieh ihm die Würde eines Hofrathes, später auch jene eines Collegienrathes. Nach dem Tode des Kaisers entlassen, kehrte er 1801 nach Weimar zurück, wo er sich bald mit den dortigen literarischen Persönlichkeiten bitter verfeindete. Kotzebue, der nie ein Maß in seinen Angriffen kannte, schrieb einen größeren Aufsatz, worin er zu beweisen suchte, daß Goethe eigentlich kein Deutsch verstehe (!). Auch die beiden Schlegel[WS 2] hatte er sich früher schon auf den Hals gehetzt, durch sein im Jahre 1800 in Leipzig gegebenes Stück: „Der hyperboräische Esel oder die heutige Bildung“, in welchem die Aphorismen Friedrich Schlegel’s aus dem „Atheneum“ und der „Lucinde“ einem starkgeistigen Jünglinge in den Mund gelegt werden, dieser aber in Folge dessen von aller Welt verhöhnt und endlich in’s Tollhaus abgeführt wird. Schlegel rächte sich dafür, als Kotzebue in Verbannung geschickt worden, durch das Pamphlet: „Ehrenpforte für den Theater-Präsidenten Kotzebue“, in welcher Burleske Schlegel einen großen Theil von Personen aus Kotzebue’s Stücken auftreten läßt, um ihren Vater und Erzeuger aus Sibirien zu befreien. So gestaltete sich Kotzebue’s Aufenthalt in Weimar eben nicht erquicklich. Und als er gar, nachdem Goethe’s „Natürliche Tochter“ mit geringem Erfolge in Weimar gegeben worden, die Anhänger Schiller’s zu einer Demonstration gegen Goethe zu vereinigen suchte, und dieses Unternehmen fehlschlug, übersiedelte er 1802 von Weimar nach Berlin, wo er mit großen Ehren empfangen und sogar in die dortige Akademie aufgenommen wurde. Im Jahre 1803 begann er die Herausgabe des „Freimüthigen“ und über seine Verbindung mit Merkel gibt Merkel selbst in seinen „Darstellungen und Charakteristiken“ wichtige, die bisherigen Versionen über ihre Gemeinschaft wesentlich berichtigende Aufschlüsse. In den folgenden Jahren gründete K. noch mehrere andere Journale, und zwar: 1808 „Die Biene“, 1809 den „Geist der Journale“ und 1811 „Die Grille“. Die Kriegsjahre 1812 und 1813 sahen ihn als Verfasser [48] mehrerer politischer Schriften, nebstdem einer großen Anzahl von Proclamationen und diplomatischen Actenstücken, welche zu jener Zeit von Seite des russischen Cabinets bekannt gemacht wurden, und sämmtlich gegen Napoleon gerichtet wurden. Im Jahre 1813 ernannte ihn Kaiser Alexander zum General-Consul in Königsberg, welche Stelle er bis 1816 bekleidete, worauf er zum Staatsrathe im Bureau der auswärtigen Angelegenheiten erhoben wurde. Im Jahre 1817 erbat er sich vom Kaiser die Erlaubniß zur Rückkehr nach Deutschland, welche ihm mit Belassung seines ganzen Gehaltes, jedoch unter der Bedingung ertheilt wurde, von Zeit zu Zeit Bericht über Wesen und Bestand der Literatur und Kunst in Deutschland zu erstatten, eine Aufgabe, welche an jene Grimm’s[WS 3] und Laharpe’s[WS 4] aus den Zeiten Katharinens und Paul’s I. erinnert und durchaus nichts Verfängliches in sich faßt. Damals gründete Kotzebue das „Literarische Wochenblatt“. Man hatte in Erfahrung gebracht – es war ein Paket Kotzebue’s an seinen Hof entwendet und, wie es scheint, eröffnet worden – daß er in seinen Berichten an den russischen Hof über den deutschen Patriotismus widerliche Dinge sage. Noch mehr aber sein Auftreten gegen das lose Treiben der Burschenschaften auf den deutschen Universitäten hatte den Haß gegen ihn rege gemacht. Rücksichtslos griff er es unaufhörlich in seinem Journale an, und ein Student, Karl Sand, von krankhaft exaltirter Phantasie, vollführte, indem er am 23. März 1819 K. in seiner Wohnung mit dem Dolche erstach, jene folgenschwere Unthat, die dann von der politischen Reaction, insbesondere durch von Berstett’s unlautere Bestrebungen, wie dieß Varnhagen in Prutz’s „Museum“ 1850 ausführlich darstellt, ausgebeutet wurde. Um sich aber von der in jenen Tagen in Deutschland herrschenden Aufregung der Gemüther und der dadurch verrückten Anschauung aller Rechtsverhältnisse nur einigermaßen einen Begriff zu machen, genüge die Thatsache, daß ein Mann wie Steffens nach Sand’s Unthat sich nicht entblödete, zu schreiben und drucken zu lassen: „Nach dieser Mordthat müsse sich das Publicum mit Grauen von Kotzebue abwenden!“ – Lange Zeit herrschte eine solche Verwirrung der Ansichten über Kotzebue, daß es schwer war, zu einem richtigen Bilde dieses in seiner Art als Mensch und Schriftsteller gleich merkwürdigen Mannes zu gelangen. Erst Rudolph Gottschall hat, ungeachtet der erst in den Fünfziger Jahren in den „Grenzboten“ erschienenen, ebenso befangenen als ungerechten Charakteristik Kotzebue’s, der Erste den Muth gehabt, alle die Nebel nichtiger Vorurtheile und die Lächerlichkeiten der Befangenheit zu verscheuchen und eine gerechte Charakteristik K.’s zu entwerfen. Kotzebue ist nach Lessing der erste Lustspieldichter der Deutschen, einer der lebendigsten und trefflichsten Zeichner der Schwachen seiner Zeit, einer der die wirksamsten Charaktere wie Situationen mit leichtester sprudelnder Erfindungsgabe gestaltenden Komödiendichter. Auch als Schauspieldichter hat er große Verdienste; er verstand zu rühren, das Interesse des Zuschauers in der ersten Scene zu gewinnen und bis zum Schlusse festzuhalten, so daß wir auch für viele seiner ernsten Stücke, besonders für seine bürgerlichen Familiengemälde, einen bleibenden Werth in Anspruch nehmen dürfen. Kein deutscher Bühnendichter ist so oft wie er in seinen Werken über die Bretter gegangen und keiner hat – die praktische Seite [49] in’s Auge gefaßt – die Bühnenleitungen so wirksam gestützt und für die Unterhaltung des Publicums im Theater mit so unermüdlicher Thätigkeit und so massenhaften Erfolgen durch dreißig Jahre Sorge getragen, als A. v. Kotzebue. Manche seiner Schöpfungen werden, so lange als ein deutsches Theater besteht, auf der Bühne gegeben werden und vom Publicum freundlich aufgenommen sein. Der Umstand, daß er der Mann der Polemik, der Parteigänger in allen literarischen Fehden seiner Zeit von seinen Gegnern geschmäht, wie er andererseits von seinen Freunden oft maßlos bewundert wurde, darf unser Urtheil nicht irre führen. Nachdem bald über ein halbes Jahrhundert Gras über seine Ruhestätte gewachsen, ist es an der Zeit, zu einer ruhigen parteilosen Anschauung über ihn zu kommen. Noch heut werden Stücke wie sein: „Abbé de l’Epée“, „Der arme Poet“, „Das Epigramm“, „Der Ritter ohne Furcht und Tadel“, „Der Graf Benjowski“, „Das Kind der Liebe“, „Johanna von Montfaucon“, „Menschenhass und Reue“, „Das Schreibepult“, „Der Schutzgeist“, „Die Stricknadeln“ ihre Wirkung auf das theaterliebende Publicum nicht verfehlen; Lustspiele, wie: „Pächter Feldkümmel“, „Die deutschen Kleinstädter“, „Die beiden Klingsberg“, „Der Landjunker zum ersten Male in der Residenz“, „Die Pagenstreiche“, „Don Ranudo di Colibrados“, „Der Schauspieler wider Willen“, „Sorgen ohne Noth und Noth ohne Sorgen“, „Der Vielwisser“, „Der Verschwiegene“, „Die Zerstreuten“, „Der häusliche Zwist“, „Der Rehbock“, „Der Wirrwarr“, „Der gerade Weg ist der beste“, „Der Wildfang“, „Die Organe des Gehirns“, „Des Esels Schatten“ das Publicum ergötzen und wie einst Ludwig Devrient, Wurm, Krüger, Döring, eine Händel-Schütz, Bethmann, Sophie Schröder u. A. in den Hauptrollen der genannten und vieler anderer Stücke Kunstgebilde von höchster Vollendung den Augen der entzückten Zuschauer vorgeführt, so werden noch immer und noch lange jüngere und begabte Künstler an vielen derselben ihre geniale Gestaltungskraft üben und prüfen, und die alten Charaktere in neue Formen gießen.

I. Kotzebue’s Werke. Es kann nicht die Aufgabe dieses Lexikons sein, ein vollständiges bibliographisches Verzeichniß seiner zahlreichen Schriften, von denen K. einen verhältnißmäßig sehr kleinen Theil während seines Aufenthaltes in Wien für die Hofbühne geschrieben, zu geben. An dessen Stelle aber soll für Freunde derselben ein Nachweis folgen, wie sie zur vollständigsten Kenntniß seiner Werke gelangen können. Christian Gottlob Kayser’s „Vollständiges Bücher-Verzeichniß“ gibt im III. Theile, S. 404 und 405 alle nicht dramatischen Werke K.’s an und macht auch alle nicht unter seinem Namen oder aber unter seiner Redaction erschienenen Werke und Journale namhaft. Weitere Ergänzungen bringen desselben „Bücher-Lexikons“, VII. Theil, S. 536; IX. Theil, S. 525; XI. Theil, S. 576, und XIII. Theil, S. 554; seine Romane führt an desselben Bücher-Lexikons apart ausgegebener, oft auch dem VI. Theile angeschlossener Anhang, welcher bloß die „Romane“ enthält, u. z. S. 75 u. 76, und das reiche Verzeichniß seiner dramatischen Werke desselben „Bücher-Lexikons“, apart ausgegebener, oft gleichfalls dem VI. Theile angeschlossener Anhang, welcher bloß die „Schauspiele“ enthält, u. z. S. 53, 54 und 55. Noch vollständiger aber dürfte das Verzeichniß sämmtlicher Schriften Kotzebue’s sein, welches die „Bibliothek der schönen Wissenschaften, zuerst herausgegeben von Theod. Christ. Friedr. Enslin, gänzlich umgearbeitet von Wilh. Engelmann“, I. Bd. (umfassend die Schriften älterer und neuerer Zeit bis zur Mitte des Jahres 1836) S. 198–204, und II. Bd. (umfassend die Schriften von der Mitte des Jahres 1836 bis zur Mitte des Jahres 1846) S. 162–164, mittheilt. Eine andere reiche Quelle zur „Kotzebue-Literatur“ fließt in Karl Heinrich Jörden’s „Lexikon deutscher Dichter und Prosaisten“ (Leipzig 1808, Weidmann, gr. 8°.) Bd. III, S. 60–106, und Bd. VI, S. 423–439. – Die französischen Uebersetzungen [50] finden sich angegeben in J. M. Quérard: La france littéraire, Tome IV, p. 313–315; und in der von F. Bourquelot und Alfred Maury besorgten Fortsetzung, Tome IV, p. 475.
II. Biographien und Biographisches, a) Selbstständige Schriften. Kotzebue (Aug. v.), Das merkwürdigste Jahr meines Lebens, 2 Bde. (Berlin 1801, ebd. 1802 u. ebd. 1803, 8°.) [in’s Englische übersetzt von Benjamin Beresford, 3 Bde. (London 1802, 12°.); in’s Französische zweimal, und zwar von einem Anonymus, 2 Bde. (Paris, an X [1802], 18°.) und dann von Catherine Ferdinand Joseph G(irard) de P(ropiac), 2 Bde. (Paris 1802, 8°., mit 2 Portr.). – Kotzebue (Aug. v.), Erinnerungen aus Paris im Jahre 1804 (Berlin 1804, 8°.). – Becker (Gottfr. Wilhelm), Skizze seines Lebens und Wirkens (Leipzig 1819, 8°.) [ein erbärmliches Machwerk; Buchhändlerspeculation, unmittelbar nach vollbrachtem Morde]. – (Cramer, Friedrich) Leben August von Kotzebue’s. Nach seinen Schriften und nach authentischen Mittheilungen dargestellt (Leipzig 1820, Brockhaus, 8°.). – Döring (Heinrich), A. v. Kotzebue’s Leben (Weimar 1830, 12°., mit Portr.). – (Geiser, Johann Daniel Christian) August v. Kotzebue als Knabe, Jüngling, Mann, Schriftsteller und Exulant (Breslau 1802, 8°., mit Portr.). – Kaffka (Joh. Christ.), Interessante Beiträge zu den nöthigen Erläuterungen über Kotzebue’s merkwürdigstes Jahr seines Lebens (Leipzig 1803, 8°.). – Levensschets von A. v. Kotzebue (Hage 1819, 8°., mit Portr.). – (Plumptre, Anne) Sketch of the life and literary career of A. v. Kotzebue etc. to which is subjoined an appendix including a general abstract of his works (London 1800, 8°.). – Somerhausen (Henri), Coup d’oeil critique et historique sur la vie et les productions de Kotzebue (Brux. 1820, 8°., mit Portr.). – Vita di F. A. di Kotzebue (Padova 1819, 8°.; auch Venezia 1828, 12°., mit Portr.). – Kotzebue’s Leben, Wirken und tragisches Ende; biographische Skizze (Frankfurt 1819, 8°.). [Unter anderen nicht unwichtigen Einzelnheiten zu Kotzebue’s Leben erfährt man hier, daß das Original zu dem beliebten Lustspiele: „Die beiden Klingsberg“ das französische Lustspiel von Andrieux: „Le vieux fat on les deux vieillards“ sei. Auch enthält diese Schrift ein – vielleicht das vollständigste – Verzeichniß von Kotzebue’s Schriften]. – Kotzebue’s vollständige Biographie oder Leben und Thaten, Schicksale und trauriges Ende des großen deutschen Dichters (Leipzig o. J. [1819], 8°.). – Kotzebue, aus seinen eigenen schriftlichen Mittheilungen wahrhaft und treu dargestellt von einem seiner Jugendfreunde (Weimar 1819, 8°.). – Kotzebue’s ausführliche Lebensbeschreibung, aus seinen eigenen Schriften dargestellt und bis zu seinem Tode fortgeführt (Cöln 1819, 8°.); davon erschien eine holländische Uebersetzung mit K.’s Bildniß (Amsterdam 1820, 8°.). – Ueber Kotzebue in den vorzüglichen Verhältnissen als Mensch, Dichter und Geschäftsmann (Frankfurt a. M. 1802, 8°.). – Kotzebuana oder Anekdoten und Charakterzüge aus A. v. Kotzebue’s Leben, nebst den lustigen Schwänken, Bonmots etc. über und aus seinem Leben (Hamburg 1809, 8°.). – Kotzebue’s Selbstbiographie (Wien 1811, 8°.) [apokryph].
II. b) In Encyklopädien und Sammelwerken Zerstreutes. Biographie des hommes vivants (Paris, L. G. Michaud, 8°.) Tome III, p. 523. – Der Humorist, herausgegeben von M. G. Saphir (Wien, 4°.), IV. Jahrg. (1840), Nr. 66, S. 262: „Kotzebue in Paris. Eine wunderliche, aber wahre Anekdote“. – Literarisches Wochenblatt. 1818, Nr. 42 u. 51: „Erste und letzte Erklärung wegen der dem Unterzeichneten entwendeten Handschrift“. [Diese zwei, wenige Monate vor Kotzebue’s Ermordung von ihm mitgetheilten Aufsätze sind in mancherlei Hinsicht wichtig, vornehmlich aber durch Kotzebue’s eigene Aussage: „daß er von seinem Hofe beauftragt sei, demselben von den merkwürdigsten Erscheinungen der deutschen Literatur von Zeit zu Zeit Bericht zu erstatten“.]; 1819, Nr. 1, 2 u. 3: „August von Kotzebue“; 4. Band, Nr. 41: „Hermes“ [wird eine Charakteristik Kotzebue’s von Krug, die Letzterer nach des Ersten Ermordung veröffentlicht[WS 5] hatte, energisch zurückgewiesen]; 1820, Nr. 17: „Kotzebue an den Herausgeber“ [anläßlich der in Leipzig 1820, wenn ich nicht irre, von Cramer erschienenen Biographie Kotzebue’s und manche Stellen darin berichtigend und glossirend]; S. 256: „Eine bestimmte Nachricht, die nicht wahr ist“ [wird die Nachricht widerrufen, welcher zufolge Kotzebue’s Mutter, nachdem sie die vielen Lebensbeschreibungen ihres Sohnes gelesen, beabsichtigt[WS 6] hätte, um die darin vorkommenden Unrichtigkeiten, Irrthümer [51] zu widerlegen u. dgl. m., selbst eine Biographie ihres Sohnes zu schreiben]. – Neuer Plutarch oder Biographien und Bildnisse der berühmtesten Männer und Frauen aller Nationen und Stände. Mit Verwendung der Beiträge des Freiherrn Ernst von Feuchtersleben, neu bearbeitet von Aug. Diezmann (Pesth, Wien, Leipzig 1858, Hartleben, 8°.) Bd. IV, S. 179. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la dir. de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., Didot, 8°.) Tome XXVIII, p. 135 bis 143 [insbesondere wegen der französischen Uebersetzung Kotzebue’scher Schriften bemerkenswerth]. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 263. – Pappe’s Lesefrüchte (Hamburg, 8°.) Jahrgang 1827, Bd. IV, S. 280: „Noch Einiges aus A. Klingemann’s Erinnerungsblättern“ [mit interessanten Einzelnheiten über Kotzebue’s Tod]. – Theater-Zeitung, herausgegeben von Adolph Bäuerle (Wien, kl. Fol.) Jahrgang 1852, Nr. 45, S. 183: „Kotzebue’s Familie“. – Wallner (Franz), Rückblicke auf meine theatralische Laufbahn und meine Erlebnisse an und außer der Bühne (Berlin 1864, Gerschel, 8°.) [ein Abschnitt in diesem Buche beschreibt „Kotzebue’s Aufenthalt in Reval]. – Wigand’s Conversations-Lexikon, Bd. III, S. 523. – Der Zwischen-Akt (Wiener Theaterblatt, kl. Fol.) IV. Jahrgang (1861), Nr. 134: „Festrede zum 3. Mai 1861, dem hundertjährigen Geburtstage August von Kotzebue’s. Verfaßt von A. Woltersdorf“.
III. Zur Geschichte seiner Ermordung. a) Selbstständige Schriften. [Bei der Leidenschaftlichkeit, vorgefaßten Meinung, Parteilichkeit und der Absichtlichkeit hinter der Unthat eine ganze Verschwörung zu argwöhnen einerseits, und im Hinblick auf die Bemühungen Berstett’s, aus dieser unglückseligen That eines fanatischen Schwärmers für sich und seine Zwecke möglichst viel Capital herauszuschlagen andererseits, müssen alle diese Schriften über Kotzebue’s Mord mit größter Vorsicht benützt werden.] Actenstücke aus dem Untersuchungsprocesse gegen Sand, nebst anderen Materialien zur Beurtheilung derselben und August von Kotzebue’s (Leipzig 1821). – Beckedorf (Ludolph Dr.), An die deutsche Jugend. Ueber die Leiche des ermordeten Kotzebue (1819, 8°.). [Vergleiche den Protest gegen diese Schrift im „Bemerker“ Nr. 5, Beilage zu Nr. 88 des „Gesellschafters“ von Gubitz. Der Protest ist von Hundt-Radowsky.] – Fouque (Friedrich de la Motte), Der Mord Aug. v. Kotzebue’s. Freundes Ruf an Deutschlands Jugend (Berlin 1819, 8°.). – Hundt-Radowsky (Johann v.), A. v. Kotzebue’s Ermordung, in Hinsicht ihrer Ursachen und ihrer wechselseitigen literarischen Folgen für Deutschland betrachtet (Berlin 1819, 8°.). – Kotzebue’s Tod am 23. März 1819 (ohne Angabe d. O. u. J. [Dresden 1819], mit Portr., 8°., zwei Auflagen in einem Jahre). – La vérité sur les sociétés secrètes en Allemagne. A l’occasion de l’ouvrage ayant pour titre: Des sociétés secrètes en Allemagne et en d’autres contrées; de la secte des Illuminés, du Tribunal secret, de l’assassinat de Kotzebue etc. Par un ancien Illuminé (Paris 1819, 8°.). – Marées (Heinrich Ludwig de), Ueber Kotzebue’s Ermordung und deren Veranlassung (Dessau 1819, Ackermann, 8°.) [diese Schrift besitzt ein vorherrschend pädagogisches Interesse]. – Noch acht Beiträge zur Geschichte A. von Kotzebue’s und Carl Sand’s (Mühlhausen 1821, 8°.). – Steffens (Heinrich), Ueber A. v. Kotzebue’s Ermordung (Breslau 1819, 8°.). [Diese Schrift besitzt für uns Oesterreicher noch ein weiteres Interesse, weil Steffens Kotzebue’s Ermordung zum Anlaß nimmt, um gegen die gräuelvollen Schicksalsstücke, gegen Müllner’s[WS 7] Criminalszenen und Grillparzer’s „Sappho“ zu eifern, welche letztere nichts als eine „Vergötterung weiblich geistiger Eitelkeit sei, wo eine innerlich hohle Sehnsucht mit aller äußeren Pracht der zeitigen Sprache hervortritt“!]. – Vollständige Uebersicht der gegen Sand geführten Untersuchung (Stuttgart 1820, 8°.). – b) Aus Journalen. Der Freimüthige. Herausgegeben von Dr. Aug. Kuhn, 1820, Nr. 76–87 und 99 und 112: „Görres’ Aeußerungen über Kotzebue’s Ermordung“, beleuchtet von Christian Moriz Pauli. [Görres hatte sein Verdammungsurtheil über Sand’s That in der ihm eigenen energischen Weise in seinem Werke: „Deutschland und die Revolution“ ausgesprochen.] – Der Gesellschafter, herausgegeben von Gubitz, 1819, „Bemerker“ Nr. 5 (Beilage zu Nr. 88 des „Gesellschafters“): „Die Tüchtigkeit der „Isis“ [Ueber Sand’s Unthat]; S. 288 [theilt einige Urtheile französischer Blätter über K.’s Ermordung mit]. – Literarisches [52] Wochenblatt, Jahrgang 1820, Nr. 69, S. 234 [Nachrichten aus London über K.’s Ermordung]. – Morgenblatt (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1819, Nr. 75, S. 308: „Correspondenz aus Mannheim“ [erste Nachricht über Kotzebue’s Ermordung, sehr interessant].
IV. Kotzebue’s Grabdenkmal zu Mannheim. Die Idee hiezu ist, auf Antrag der Gattin des Verblichenen, das Werk des Professors Pozzi. Das Denkmal stellt einen Felsen dar, der den Grabhügel in angemessener Höhe deckt. Auf demselben ist ein großer Würfel auf der Eckseite so aufgestellt, daß die eine Spitze auf dem Felsen ruhend, jener in der Höhe entgegensteht, und auf beiden Seiten von zwei kolossalen tragischen Masken, einer männlichen und einer weiblichen, getragen wird. Auf der vorderen Würfelfläche liest man: „Hier ruhet August von Kotzebue, geboren zu Weimar den 3. März 1761, gestorben zu Mannheim den 23. März 1819“. Auf der rückwärtigen Fläche folgt die Grabschrift, die er selbst in seinem Leben auf sich abgefaßt hat:

Die Welt verfolgt’ ihn ohn’ Erbarmen,
     Verläumdung war sein trübes Loos;
Glück fand er nur in seines Weibes Armen,
     Und Ruhe in der Erde Schooß.
Der Neid war immer wach, ihm Dornen hinzustreuen,
     Die Liebe ließ ihm Rosen blüh’n –
Ihm wolle Gott und Welt verzeihen!
     Er hat der Welt verzieh’n.

V. Porträte. 1) (Arndt sc.) 8°. – 2) F. Tischbein p., J. P. Bitheuser sc. (Fol.). – 3) Unterschrift: August von Kotzebue. Geboren am 3. Mai 1761. Meuchelmordet (sic) von C. F. Sand am 23. Merz 1819. Friede seiner Asche! Erkenntniss und Reue seinem Mörder! M. S. Lowe fc. Berol. 1819 (Büste) [ein durch Lowe’s Manier, eine Zeichnung auf die Kupferplatte zu übertragen, interessantes Blatt]. – 4) J. G. Mansfeld sc. (8°.). – 5) Jagemann p., H. Pinhas sc. (4°.). – 6) F. Deurer p. 1818, J. Selb lithogr. (Thondruck, Fol.). [Deurer hat sein in Oel gemaltes Bildniß Kotzebue’s auch selbst auf Stein gezeichnet; dieses Blatt ist wohl das ähnlichste Porträt des Dichters.] – 7) In dem von der Metzler’schen Buchhandlung in Stuttgart herausgegebenen Werke: „Bildnisse der berühmtesten Menschen aller Völker und Zeiten“ (4°.). – 8) Ueberschrift: Tod des russ. Staatsrath A. v. Kotzebue in Mannheim d. 23. März 1819 (bei den Verfertigern Gebr. Henschel, Berlin). – Wiener Theater-Zeitung, herausg. von Adolph Bäuerle (Wien, 4°.) 1855, Nr. 37. [Aus dem daselbst abgedruckten 16. Capitel des Bäuerle’schen Romans „Ferdinand Raimund“ erfahren wir, daß in Wien nach Kotzebue’s Ermordung für sein in Weimar erschienenes Porträt 50–100 fl. bezahlt wurden.]
VI. Kotzebue in der Literatur. Kotzebue im Schlafrocke oder der Redacteur in tausend Aengsten (Arnheim 1803, 8°.). – Krug (Professor), Kotzebue und die deutschen Universitäten. Zweite verbesserte Auflage (Leipzig 1819, Brockhaus, 8°.) [vergleiche darüber die treffende Anzeige im Morgenblatte 1819, Literaturblatt Nr. 38, S. 151]. – (Nicolai, Carl) Kotzebue’s literarisches und politisches Wirken (Tobolsk [Leipzig] 1819, 8°.), davon erschien auch eine englische Uebersetzung (London 1819, 8°.). – (Rabe, N. N.) Der vertheidigte Kotzebue oder letzter gelungener Versuch, die Werke des besagten Mannes gleichsam zu entschuldigen (ohne Angabe d. O. u. J. [Leipzig 1819], 8°.). – Schlegel (Aug. Wilh. v.), Ehrenpforte und Triumphbogen für den Theater-Präsidenten v. Kotzebue bei seiner gehofften Rückkehr in’s Vaterland (Braunschweig 1809, 8°., mit einer Musikbeil.) [ein Schlegel’s unwürdiges Pamphlet]. – Unser Planet. Blätter für Unterhaltung, Zeitgeschichte u. s. w. (4°.) IV. Jahrg. (1833), Nr. 125: Kotzebue [unter anderen wird darin mitgetheilt, daß sich K. zu dem komischen Fehlgriffe verleiten ließ, in seiner „Octavia“ alle Acte mit Hexametern zu schließen!!]. – Ueber und an Herrn Kotzebue. Nebst einem Postscriptum an die heil. Inquisition (Hannover und Reval 1792 [Leipzig, Hartknoch], 8°.). [Verfasser dieser Schrift ist ein H. Rudow.] – Europa. Herausgegeben von Gustav Kühne (Leipzig, schm. 4°.) Jahrg. 1850, S. 61: „Brief Kotzebue’s an Herrn Emil Devrient in Dresden“ [eine treffliche Mystification – auch eine treffende]. – Der Europäische Aufseher, herausgegeben von Dr. Bergk, 1819, Nr. 28: „Ueber Kotzebue’s Ermordung“. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter, Jahrg. 1843, S. 154: „Kotzebue“, von Gräffer; ebenda S. 333: „Kotzebue oder Körner“. – Grenzboten (Leipzig, 8°.) XIII. Jahrg. (1854), Bd. II, S. 321: „Erinnerungen an Kotzebue“ [eine sehr befangene und durch die Parteifarbe stark getrübte Charakteristik Kotzebue’s]. [53]Iris (Mode- und Musterblatt, Gratz, schm. 4°.) 1858, Nr. 6 des III. Bds.: „Zu Kotzebue’s Charakteristik“. – (Landshuter) Literatur-Zeitung 1819, Heft 3: „Kotzebue und die Jesuiten“. [Auf diesen Aufsatz erschien im „literarischen Wochenblatt“ 1819, Nr. 23, eine Entgegnung mit dem Motto:

„Gar grausam ist der fromme Bär,
Wenn er von Landshut tappt daher“.] –

Literarisches Wochenblatt 1818, Nr. 40: „Nachricht von einem Urtheil wider Herrn v. Kotzebue“ [betrifft die Polemik Kotzebue’s mit Prof. Luden in Jena]. – Merkel (G. Dr.), Darstellungen und Charakteristiken (Riga 1839), Bd. III [dieser Band enthält einen Aufsatz, betitelt: Zur Geschichte des „Freimüthigen“, eine lehrreiche Episode aus der Geschichte der deutschen Journalistik, in welcher Kotzebue auch eine eben nicht dankbare Rolle spielt]. – Oesterreichischer Zuschauer, herausg. von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrgang 1839, Bd. 1, besondere Beilage zu Nr. 9 des „Oesterr. Zuschauers“: „Kotzebue und das deutsche Lustspiel“, von A. G. Polz. – Weimarisches Jahrbuch, Zweiter Bd. 1, Heft: Findlinge. [Enthält eine ebenso kurze als treffende Charakteristik Kotzebue’s, die deßhalb hier folgt: Kotzebue ist „als Dichter mehr ein Dichter der Schönen – als des Schönen, mehr ein Dichter aller Nationen als irgend einer Nation. Kein Mann von großem Genie, aber ein Mann von großem Talent. Weniger hervorstechend durch die Originalität seiner Ideen, als durch Witz, Reichthum und seltene Productionskraft. Nicht ungeübt im Colorit; kein Neuling in Farben; ein Meister in der Situation, unübertroffen im Dialog, aber ohne Richtigkeit und Verdienst in der Zeichnung; ohne ächt idealen Aufflug in Charakteren; ohne Natur und Kraft in ihrer Haltung, ohne Naivität in der Darstellung. In der Philosophie ein Dilettant, in der Kunst ein Raisonneur und in der Kritik unter aller Kritik“.] – Tieck urtheilt über Kotzebue wie folgt: „Kotzebue hat die Natur in allen ihren Erscheinungen entstellt! Gleichwohl hat die Natur, die menschliche, die Volksnatur, sich darin überall wieder erkannt, das beweist der Reiz dieser Stücke“. – Die Gesammtproduction Kotzebue’s auf dramatischem Gebiete umfaßt: 15 Trauerspiele in 49 Acten, 60 Schauspiele in 174 A., 73 Lustspiele in 153 A., 30 Possen und Schwänke in 53 A., 11 Parodien und Travestien in 14 A., 13 Vor- und Nachspiele in 15 A., 17 Opern und Singspiele in 33 A.; zusammen 219 dramatische Stücke mit 491 Acten. Einschließlich der Uebersetzungen aus dem Französischen, Englischen und Dänischen erhebt sich aber die Zahl der Stücke auf 234. – Morgenblatt für die gebildeten Stände (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1819, Intelligenzblatt Nr. 19. [Paul Gotth. Kummer gibt Nachricht von Kotzebue’s Nachlaß, in welchem sich 1) der „Almanach dramatischer Spiele für das J. 1820“, 2) der „Neuen Schauspiele 23. Band“, 3) der „Geschichte des deutschen Reichs 3. Band“ und 4) „Switrigal, ein Beitrag zu den Geschichten von Litthauen, Rußland, Polen und Preußen“ vorfanden. Auch bemerkt Kummer: „Es ist gewiß merkwürdig, daß er als dramatischer Dichter damit seine Laufbahn endigte, womit er sie anfing. Sein erstes Schauspiel nämlich war „Menschenhaß und Reue“ und sein letztes ganz vollendetes Schauspiel ist wieder: „Menschenhaß und Reue“, gänzlich verändert und umgearbeitet.
VII. Leichenfeier. Gedichte auf ihn. Einzelnes. Morgenblatt für die gebildeten Stände (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1819, S. 607; Correspondenz aus Berlin vom 16. Juni mit der Nachricht über die auf königlichen Befehl zu Kotzebue’s Ehren veranstaltete Todtenfeier und dem Abdrucke eines bei dieser Gelegenheit gesprochenen längeren Prologes, dessen Verfasser jedoch nicht genannt ist; – dasselbe, Nr. 180, S. 720: Correspondenz aus Berlin über Kotzebue’s Todtenfeier; Nr. 113: „Abschiedsgruß“ von Kotzebue [nach Kotzebue’s Ermordung in dessen Rocktasche gefunden. Man vergleiche darüber das Morgenblatt d. I., Nr. 139, S. 556, in welchem in einer „Berichtigung“ mitgetheilt wird, daß dieses Gedicht nicht von Kotzebue, sondern von Pfeffel verfaßt sei, und Ersterer es vielleicht, weil es seine eigenen Empfindungen aussprach, copirt und in eine große Brieftasche gelegt habe, wo es nach seinem Tode von seiner Witwe gefunden und, da es von seiner Hand geschrieben war, als seine letzte Dichtung angesehen wurde]. – Der Freimüthige. Unterhaltungsblatt für gebildete Leser. Herausgegeben von Dr. August Kuhn. XXV. Jahrg. (1828), Nr. 1: „Den Heimgegangenen! Elegie, vorzugsweise den Manen August von Kotzebue’s gewidmet“, von Kuhn. – Hoffmann von Fallersleben, Findlinge. Zur Geschichte [54] deutscher Sprache und Dichtung (Leipzig 1860, Wilh. Engelmann, gr. 8°.) S. 181: „August von Kotzebue an Ludwig Ferdinand Huber“ [der Brief ist vom 21. Jänner 1803 datirt und gibt Belege, wie es K. mit der Kritik gehalten wissen will, und von K.’s Eitelkeit]. – Interessant ist eine Prophezeiung Kotzebue’s, welche für seinen politischen Scharfblick einen glänzenden Beweis gibt. Im 6. Bande seines „Literarischen Wochenblattes“ (1820), Nr. 53, S. 212, schreibt Kotzebue: „In zwanzig bis dreißig Jahren werden die Juden bei völlig gleichen Rechten und überwiegendem Reichthume im Besitze vieler Rittergüter des verarmten Adels sein, und der Christ muß dann für sie das Feld bauen“. Die gleichen Rechte wären nun da, der überwiegende Reichthum wäre auch vorhanden, auch viele Rittergüter dürften sich in einzelner Israeliten Händen befinden. Die Prophezeiung ist also wahr geworden. – Der Freimüthige. 36. Jahrg. (1839), Nr. 150: „Beweis, daß Herr von Göthe kein Deutsch versteht“ [ein historisches und moralisches Curiosum]. – Omnibus (Brünner Unterhaltungsblatt[WS 8], 8°.) 1856, Nr. 68, S. 544: „Knigge und Kotzebue“.
VIII. Kotzebue’s Wappen. Mit seiner Anstellung als Präsident des russischen Gouvernements zu Reval war der persönliche Adel verbunden; jedoch mußte ihm der erbliche bald darauf verliehen worden sein, denn sein zweiter Sohn, der bekannte Seefahrer Otto von K., kommt schon zeitig mit dem Adel vor. Das Wappen: in Silber – nach Anderen in Blau – drei (1 über 2) rothe goldbesaamte Rosen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: ermordert.
  2. August Wilhelm und Friedrich Schlegel.
  3. Friedrich Melchior Grimm (Wikipedia).
  4. Jean-François de La Harpe (Wikipedia).
  5. Vorlage: veöffentlicht.
  6. Vorlage: beachsichtigt.
  7. Vorlage: Müller’s.
  8. Vorlage: Unterhaltungblatt.