RE:Ichthyophagoi

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IX,1 (1914) Sp. 844
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Ichthyophagoi s. die Nachträge.

Nachträge und Berichtigungen

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Ichthyophagi (Ἰχθυοφάγοι), Kollektivbezeichnung von Küstenvölkern Äthiopiens, Arabiens, West- und Ostasiens. Am häufigsten genannt und deshalb die bekanntesten sind die äthiopischen I. am Roten Meere; zuerst erwähnt sie Herodot. III 19–25. 30 im Berichte über den gegen die Äthiopen gerichteten Feldzug des Kambyses, der aus Elephantine äthiopisch sprechende [2525] I. kommen ließ, um sie als Kundschafter mit Geschenken an den König der ,langlebigen‘ (vgl. den Art. Ῥαψιοι o. Bd. I A S. 237) Äthiopen zu schicken. Begreiflich ist, daß von den I., deren Wohnsitz die Küste des Roten Meeres war, diejenigen, welche sich auf Elephantine aufhielten, auch die Sprache der im Niltal wohnenden νομάδες Αἰθίοπες (Herodot. III 19) verstanden. Über die Lage und Ausdehnung des Gebietes der I. läßt sich aus Herodot, der ihren eigentlichen Wohnsitz gar nicht nennt, nichts Genaueres gewinnen, ebenso nicht aus Paus. I 33, 4, der äthiopische I. am Roten Meere, speziell am κόλπος Ἰχθυοφάγων anführt, sondern erst aus Strabon, der hierüber nach Artemidor an mehreren Stellen bestimmtere Angaben macht und zwei Küstenstriche der Trogodytike als von I. bewohnt erwähnt; von diesen kann nur der nördliche als Heimat der von Herodot genannten I. gedacht werden. Strab. XVI 770 nennt zahlreiche Stämme von I. und Nomaden als Bewohner der äthiopischen Küste südlich von der Insel Ophiodes bis zum Soteira-Hafen, also südlich von der Insel Zemerget 23° 36’ nördl. Breite bis höchstens Mirsa Barūd 19° 35’. Südlich davon bezeichnet Strab. XVI 772 gleichfalls nach Artemidor den äthiopischen Küstenstrich zwischen dem Hafen des Eumenes, vor welchem er 771 die Hafenstadt Sabai erwähnt hat, bis Deire und der Meerenge bei den Ἕξ νῆσοι, welche gewöhnlich mit der Inselgruppe Les six frères 12° 30’ nördl. Breite identifiziert werden (K. Müller Geogr. gr. min. I LXVIII und Tafel VIII des Atlas), als Gebiet der I., Κρεοφάγοι und Κολοβοί. Eine Ergänzung zu dieser Angabe bildet Strabons Bemerkung nach Eratosthenes 769, daß I. das Städtchen Deire beim gleichnamigen Vorgebirge bewohnen. Unmittelbar an diesen Küstenstrich der I. (ἐφεξῆς) schließt sich südlich von Deire das Gewürzland, die ἀρωματοφορος, an, und zwar zuerst das Myrrhen tragende (πρῶτον μὲν ἡ τὴν σμύρναν φέρουσα), dessen Bewohner nach Artemidor bei Strab. XVI 773 gleichfalls I. und Kreophagen waren. Somit hatte nach Artemidors Vorstellung dieser Küstenteil der I., der südlich von dem zuvor bezeichneten I.-Lande lag und bedeutend kleiner war, seine Nordgrenze südlich von dem heutigen Asab an der Meerenge von Bāb el-Mandeb, wo die Hafenstadt Sabai anzusetzen sein dürfte (s. den Art. Sabai Nr. 3 o. Bd. I A), etwa beim Ras Sintiār, und reichte über das Rās Bir hinaus bis gegen die Ḥarab-Bai (Ḡibūti); der nördlichste Punkt des Gesamtgebietes der von I. bewohnten Trogodytike ist nach Strabons Angaben in der Höhe der Insel Zemerget zu suchen. Zu dieser Vorstellung Artemidors stimmt Strabons Angabe II 96, daß I. in den zwei Nebenzonen unter den Wendekreisen wohnen, welche Poseidonios nebst den fünf Hauptzonen seiner Erdkarte annahm. Strab. XVI 773 berichtet über die Hauptbeschäftigung der I. südlich vom Eumeneshafen, den Fang und die Zubereitung von Fischen, über den Aufenthalt der I. in Höhlen und primitiven Hütten und andere Einzelheiten ihrer Lebensweise, welche den Tiefstand ihrer Kultur erkennen lassen.

Viel eingehender schreibt über ihre Lebensweise ein älterer Gewährsmann, Agatharchides, dessen Bericht bei Diod. III 15–20 und im [2526] Auszug des Photius (vgl. Müller a. a. O. I 129–141) erhalten ist Obwohl Diodor im Eingang seiner Beschreibung erklärt, über die I. erzählen zu wollen, welche die Meeresküsten von Karmanien und Gedrosien an bis an den innersten Winkel des Arabischen Meerbusens bewohnen, zeigt doch der Vergleich seiner Darstellung mit der Strabons, daß er in erster Linie die äthiopischen I. im Auge hat. Kapitel 15 hebt ihren niedrigen Kulturzustand und ihre mitunter tierischen Gewohnheiten hervor und handelt eingehend über ihre Wohnungen und den Fischfang, 16 über die Zubereitung der Fische und andere Nahrungsmittel, 17 über Einzelheiten ihrer sonstigen Lebensweise, 18 über eigentümliche Lebensgewohnheiten von I., die in einiger Entfernung vom Arabischen Meerbusen wohnen, ohne genauere Bestimmung ihrer Wohnsitze, die letzten zwei Kapitel über Verschiedenheiten der Wohnungen der I.; Kapitel 20 erwähnt, jedoch gleichfalls ohne jede genauere Ortsbestimmung, einen besonderen Stamm der I., welcher in so unzugänglichen Schluchten wohnen soll, daß er als autochthon gilt. Diese ausführliehe Beschreibung Diodors stimmt mit dem weit kürzeren Berichte Strab. XVI 773 in so charakteristischen Einzelheiten überein, daß Gemeinsamkeit der Quelle, nämlich Abhängigkeit Artemidors von Agatharchides, dem Gewährsmanne Diodors, angenommen werden muß (vgl. Müller a. a. O.; 129); diese steht auch sonst sicher (zu Diodors Ausführungen III 46. 47 über die Sabäer und ihre Hauptstadt s. die Art. Saba Nr. 1 Bd. I A S. 1389f. und Sabai Nr. 1). Diodors Erwähnung der I. und νομάδες Τρωγλοδῦται III 40 an der Küste südlich von der Insel Ophiodes bis zum Soteirahafen stimmt völlig zusammen mit der oben angeführten Angabe bei Strab. XVI 770 über den Hauptteil der von I. bewohnten Küste der Trogodytike. Diod. III 40 extr. überliefert eine alte bei den I. erhaltene sagenhafte Tradition, daß der durch grünliche Färbung ausgezeichnete Meeresteil südlich vom Soteirahafen einst bei einer starken Ebbe zu Festland, dieses aber später durch heftige Flut wieder Meeresgrund geworden sei. Die I. παρὰ τὸν Ἀσταβάραν des Agatharchides bei Phot. 50 gehören zum südlicheren Küstenstriche nach der Einteilung Artemidors (südlich von Deire). Die Beschreibung des Baumwuchses an der Küste der I. bei Diod. III 19 verglich Bretzl Botanische Forschungen des Alexanderzuges 1903, 102f. mit dem Reisebericht Heuglins (Reise in Nordostafrika und längs des Roten Meeres im J. 1857, Petermanns Mitt. 1860, II 340) und bestimmte nach dessen Angaben die ἐλαῖαι πάνυ πολλαί des Agatharchides als Mangrovebäume (Avicennien, Schora). Agatharchides’ Beschreibung des Landes der I. erscheint durch den lehrreichen Vergleich nicht nur mit Heuglins Bericht, sondern auch mit Schweinfurths Mitteilungen über dieses Küstengebiet (Pflanzengeographische Skizze … der Uferländer des Roten Meeres, Petermanns Mitt. 1868, 247) als zu schön gefärbt. Auf Grund von Schweinfurths Beobachtungen schreibt Bretzl 109: ,Mit der guten Luft, die die Trogodyten im Schatten ihrer Avicennien nach Agatharchides stark und kräftig werden läßt, ist es also nichts‘. Die I. gehörten der kuschitischen Urbevölkerung an. Ihr Name [2527] ist ebenso von der Hauptnahrung hergenommen wie die anderer wilder Nachbarvölker, von denen die Griechen melden, der Elephantophagen, Chelonophagen, Struthophagen, Rhizophagen, Akridophagen, Hylophagen, Spermatophagen usw. An Agatharchides Schilderung ihrer Lebensweise erinnern lebhaft ältere und neuere Reiseberichte über die Schangalla, eine der rohesten Völkerschaften Nubiens (vgl. bereits Niebuhr Über die Troglodyten in Tigre, Mus. f. Alt.-Wiss, 1810, II 2. Bruce Travels III 348f. Salt Trav. 441. 588 u. a. und die noch immer brauchbare Zusammenstellung bei Ritter Erdk. I 190. 246f. und Forbiger Handbuch II 808f.). Die Kultur dieser und anderer Jäger- und Fischervölker ist seit Agatharchides’ Zeiten dieselbe geblieben.

Die Angabe des Periplus mar. Erythr. 2, daß die Küste südlich von Berenike (Ruinen bei Sekket Bender el-Kebīr 23° 55’ nördl. Breite) Gebiet der in μάνδραι hausenden I. ist, trifft mit Strabons Bestimmung des Nordpunktes der von I. bewohnten Küstenstrecke, der, wie erwähnt, ungefähr 23° 36’ anzunehmen ist, genau zusammen. Rücksichtlich der Hütten dieser I. verweist Fabricius in den Erläuterungen seiner Periplusausgabe 116 mit Recht auf analoge Hüttenbauten, wie sie z. B. Hildebrandt Ztschr. d. Ges. f. Erdk., Berlin X 1875, 8 für das Land der Afern an der Westküste des Arabischen Meerbusens beschrieben hat; doch ist der vom Anonymus gewählte Ausdruck μάνδραι nicht auch von ihm geprägt und der Gedanke überhaupt nicht sein Eigentum, wie Fabricius annehmen läßt; denn denselben bezeichnenden Ausdruck gebraucht eben zur Benennung der Wohnungen der I. bereits Strab. XVI 773 nach Artemidor.

Eine Ergänzung der auf Artemidor zurückeilenden Nachrichten über Wohnsitze der I. verdanken wir dem Zeugnisse des Peripl. 4, wo I. als Leute erwähnt werden, welche von den νῆσοι Ἀλαλαίου λεγόμεναι Schildkröten nach dem Handelsplatze Adulis bringen. Über diese Inseln, welche mit den insulae Aliaeu bei Plin. n. h. VI 173 identisch sind, und welche wir in der Hauākilbai suchen, während sie gewöhnlich mit den Dahlakinseln identifiziert werden, verweisen wir auf den Art. Eratanos, in welchem wir uns unter anderem gegen K. Müllers Deutungen (vgl. Saba Nr. 2) sowie gegen Fabricius’ Annahme einer Textverderbnis bei Plinius aussprechen mußten. Jene Angabe setzt, ungezwungen gedeutet, I. an einer Stelle zwischen den beiden Küstenstrichen voraus, welche nach Artemidor von I. bewohnt waren, also auf der Strecke zwischen dem Soteirahafen und dem Eumeneshafen, das ist ungefähr zwischen Mirsa Barūd 19° 35’ und dem Ras Sintiār 12° 54’. Es ist auch im vorhinein nicht wahrscheinlich, daß innerhalb dieser so ausgedehnten Küstenstrecke keine I. gewohnt hätten.

Unter den genta Trogodytarum nennt Plin. n. h. VI 176 (nach Iuba) Ichthyophagi natantes ceu maris animalia ohne jede genauere Ortsbestimmung.

Ungenau ist auch die Angabe bei Markian. peripl. mar. ext. I 11, daß an einem Busen Ägyptens nördlich von der eigentlichen Trogodytike Ἂραβαιγύπτιοι I. wohnen, also nördlicher als nach der Vorstellung Artemidors und der von ihm [2528] abhängigen Berichterstatter. Über I. am Rās Muhammed s. Ritter XIV 195 (nach de Laborde). Zeugnisse neuerer Reisender für den Verkehr des nordwestarabischen Fischervolkes der Ḥatēmi auf den Inseln des Roten Meeres und an den gegenüberliegenden Küstenteilen Ägyptens sind im nachstehenden angeführt.

I. in Arabien erwähnt Plin. n. h. VI 149 nach den Epimaranitae; der Sitz dieser Völkerschaft ist im südlichen Teile der Westküste Arabiens etwa oberhalb der Elisares anzunehmen, wie im Art. Epimaranitae vermutungsweise ausgesprochen wurde, in welchem wir es auch als sehr unwahrscheinlich erklären mußten, daß diese Völkerschaft mit den Μαρανῖται bei Strab. XVI 776 (nach Artemidor) und bei Diod. III 43 identisch sei, eine Ansicht, die auch Müller a. a. O. I 177 verfocht. Schon nach den Angaben des Plinius selbst sind diese I. in der Nachbarschaft der Epimaranitae zu suchen; sie sind wohl mit den Hatēmi, einem arabischen Fischervolk, identisch, welches Wellsted, der sie Hutēmi nennt, an der nördlichen Westküste Arabiens bis gegen Gidda um den 20° nördl. Breite vorgefunden hat, und von welchem er (‚Reisen in Arabien‘ herausgegeben von Rödiger 1842, II 201f.) berichtet, daß Fisch- und Schildkrötenfang seine Hauptbeschäftigung ist. Über dunkelfarbige Völkerschaften, die auf ihren Barken den Fischfang als Lebensunterhalt betreiben, berichtet auch Idrīsī, jedoch nur für den nördlichen Teil der Küste und die gegenüberliegenden Inseln, deren größte Noʿmän ist (vgl. Ritter Erdk. XII 174). Der Bericht des arabischen Geographen wurde durch Rüppell, der das Fischervolk, bei dem er sich drei Monate aufhielt, Tehmi nennt, bestätigt (vgl. Abyssinische Reise I 145, wo jedoch Idrīsī nicht erwähnt wird), ebenso durch Wellsted II 148. Rüppell bezeugt auch, daß dieses Volk auf seinen Fischerbarken, sandal, nördlich vom 27° Breitegrade die zahlreichen Inseln und auch die ägyptische Küste aufsucht (Ritter XIII 218f. 307f.). Über dieses Fischervolk vgl. auch noch Niebuhr Arabien 310 und Wilkinson Journ. of the Roy. geogr. soc. London II 37. Daß die I. des Plinius die arabischen Hatēmi sind, erkannte bereits Müller I LXII; doch ist seine Annahme (ebd. und 179), daß auch die Βαθυμανεῖς des Agatharchides bei Phot. 89 (nicht erwähnt von Diodor) zu den Hatēmi gehören, sehr zweifelhaft. Sie sind wohl die Bathyni des Plinius (s. den Art. Bathyni), diese aber mit den von Plinius besonders genannten I. kaum zusammenzuwerfen; sicherlich falsch ist Sprengers Annahme (Die alte Geographie Arabiens 1875, 124), ,die Bathyni dürften die Bewohner der Küste Baṭina in ʿOman sein‘; dagegen sprach mit Recht bereits Glaser Skizze der … Geographie Arabiens 1890, II 85.

Inseln der I. führt Plin. n. h. VI 150. 151 an, zuerst insulae Ichthyophagorum nach der Insel Cachinna und vor den Clari, dem litus Hamaeum und der regio Canauna. Da sowohl das litus Hamaeum als auch die regio Canauna bei Konfuda gewesen sein dürfte (s. den Art. Hamaeum) und auch die Clari (s. d.) in dieselbe Gegend weisen, darf man vermuten, daß die fragliche Inselgruppe gegenüber dem heutigen Konfuda [2529] zu suchen ist. Auf anderem Wege, dem wir nicht folgen können, kam zu dem gleichen Ergebnisse Müller, der a. a. O. LXXIII die Inseln des Plinius in Serrain und anderen um den 20. Breitegrad erblickte. Dieser Ansatz wird bestens durch die Tatsache bestätigt, daß Wellsted die Ḥatēmi in der Gegend des 20° nördl. Breite (in el-Līd) nachgewiesen hat (a. a. O. II 201f.) und dasselbe Fischervolk auch noch südlicher nachweisbar ist (vgl. Ritter XII 176. XIII 307f. 1 und Stieler Atlas 9. Aufl. Karte 60). Dagegen ist das von Plinius genannte Cachinna, das Müller für ‚Cichran‘ (vgl. noch Tafel VIII seines Atlas), richtig Ḳišran, hielt, nicht genau bestimmbar. Glaser erkannte nicht einmal, daß es eine Insel ist, und seine Übersetzung der Pliniusstelle ,Cachinna, das auch von I. bewohnt wird‘ (II 85) ist ebenso verfehlt wie seine Vermutung, daß es ,mit dem bekannten Hafen Ḳaḥma an der Küste von ʿ'Asīr identisch sein könnte‘.

Auch die Ichthyophagen multae (insulae) im folgenden Paragraphen des Plinius lassen sich, wofern keine Dublette vorliegt, nicht bestimmen, können jedoch von den zuvor genannten nicht zu weit entfernt gewesen sein. Auch darauf möge hingewiesen werden, daß ,die Bucht, welche gegenüber den Farasāninseln beginnt, … zahlreiche Inseln enthält, die … noch heute von I. bewohnt werden‘ (Glaser II 33). Auch nach dem Peripl. mar. Erythr. 20 war die Westküste Arabiens von Hütten der I. besetzt; über ihre Lage sagt der Anonymus nichts, doch meint er wahrscheinlich dieselben Stämme wie Plinius an der oben erwähnten Stelle. Mit diesem Zeugnisse hat bereits Ritter XII 176. XIII 307 die Erwähnungen der arabischen Fischervölker bei Idrīsī und den neueren Reiseberichten zusammengestellt und nur das Zeugnis des Plinius übersehen, übrigens auch die von Agatharchides genannten I. Äthiopiens und die arabischen I. des Periplus nicht voneinander geschieden.

Peripl. 27 verzeichnet Nomaden und I., welche in Dörfern wohnen, an der Südküste Arabiens östlich von Arabia Eudaimon (Aden, s. den Art. Eudaimon Arabia Nr. 2); sie dürften sich von Aden bis Bāl-Ḥāf erstreckt haben. Peripl. 33 setzt die Einwohner der Insel Sarapis (Maṣīra) zu den I. in Zusammenhang: in welchen, läßt sich nicht mehr sagen, da das überlieferte ανθρώποις ἱεροῖς Ἰχθυοφάγοις verderbt ist und eine Besserung nicht sicher steht; die Änderungen von ἱεροῖς in πονηροῖς oder ὁμοίοις helfen nichts. I. in Südarabien und auf den gegenüberliegenden Inseln finden sich noch heute; von den südarabischen Mahra sagt Sprenger a. a. O. 267, daß sie ,uns vorzüglich als Küstenbewohner, Insulaner (in Sokotra, Maṣīra usw.), Ichthyophagen und Seefahrer entgegentreten‘. Auch die Bewohner der Insel Hallanīa (56° östl. Länge Greenwich, 17° 33’ nördl. Breite) in der Kuriān-Muriāngruppe (vgl. über diese Hulton Account of the Curia Muria Isles, in Journ. Roy. Geogr. Soc. XI 1841, 156f.) sind ,wahre Ichthyophagen‘ (Ritter XII 342).

Die bisher erwähnten I. wohnten an beiden Küsten des Roten Meeres und am Arabischen Meer; andere Zeugnisse berichten über I. am Persischen Meerbusen. So verzeichnet Ptolem. VI 7, 14 Ἰχθυοφάγων κόλποι, welche in seiner Karte den [2530] östlichsten Teil der arabischen Küste des Persischen Meerbusens bildeten. Als Ostpunkt dieses Gebietes ist demnach das Ras Musandam anzunehmen; die Westgrenze dieser Buchten, welche nach Ptolemaios eine weite Strecke einnahmen (ἐπὶ πολὺ διήκοντες), läßt sich nur mutmaßlich bestimmen. Im Westen schloß sich das Land der Ἀναρεῖται an, von deren Küstenpunkten Ptolemaios in der Richtung nach Westen zuerst die Stadt Ῥεγαμα und die Ἱερὰ Ἡλίου ἄκρα anführt. Sprengers Lokalisierung dieser Völkerschaft und seine Zusammenstellung ihres Namens mit dem arabischen Inselnamen Abū Neir (123) ist schon darum unhaltbar, weil sie auf der falschen Lesart Ναρεῖται beruht; für weitere Einzelheiten verweisen wir auf den Art. Regma Nr. 2. Die Lage der Stadt Regama kann auch nicht mehr genau festgestellt, sondern, wie im genannten Artikel bemerkt ist, nur die von Blau ZDMG XXII 666 vorgeschlagene Gleichung mit Riğām an der Grenze zwischen ʿOmān und Baḥrain als beste unter allen vorgetragenen Vermutungen bezeichnet werden. Damit stimmt, daß die Form Ῥέγαμα, welche Wilberg aufgenommen hat, auch durch die hsl. Verhältnisse an der Ptolemaiosstelle besser empfohlen wird als die gewöhnlich zitierte Form Ῥέγμα (s. den Nachtrag zum Art. Regma Bd. I A S. 509, 4f.). Mit Rücksicht auf die mutmaßliche Lage von Regama, der östlichsten Anareitenstadt, an der Grenze zwischen ʿOmān und Bahrain ergibt sich die Annahme, daß die Westgrenze der Buchten der I. mit der Westgrenze ʿOmāns zusammenfiel. – Diese Buchten erkannte Sprenger 122 im ,Labyrinth von Buchten bei Ras Musandam‘; er hatte bei seiner Bootfahrt von Maṭraḥ nach Masḳaṭ Gelegenheit, den Fischreichtum des Meeres, das ʿOmān bespült, mit eigenen Augen wahrzunehmen und zur Erkenntnis zu gelangen, daß ,seit die ersten Bewohner jene Küsten betraten, Fischfang die vorzüglichste Unterhaltsquelle sein mußte‘. Er hebt auch den Fischexport aus diesen Gegenden und den lebhaften Fischhandel in Basra hervor und hält es mit Recht ,für eine glückliche Beobachtung, daß die Alten, obschon es I. an allen Küsten Arabiens gibt, in diesen versteckten Buchten ihren Hauptsitz erblickten‘. – Auch Bent konnte gelegentlich seines Aufenthaltes in Manāma auf Moḥarrek (Baḥrain) bezeugen: The gulf well deserves the name given to it by Ptolemy of the Ichthyophagorum sinus (Southern Arabia 1900, 4). Außergewöhnlichen Fischreichtum zeigt auch der Euphrat (Ritter XI 1069, nach Fontanier). – Die Vermutung Müllers I 179, daß die Θαῖμαι bei Ptolem. VI 7, 17 die arabischen Tehmi oder Ḥatēmi seien, ist hinfällig; die Θαῖμαι sind vielmehr die arabischen Taim (vgl. den Art. Eithar).

Die Ἰχθυοφάγοι Αἰθίοπες, welche Ptolem. IV 9 mit den Ἑσπέριοι Αἰθίοπες an den Μέγας κόλπος, also nach Westafrika an den Atlantischen Ozean in die Äquatorialgegend versetzt, dürften ihr literarisches Dasein nur einer mißverständlichen Verlegung der I. Äthiopiens nach dem Westen zu verdanken haben. Der Bericht bei Diod. III 53, 6 über die I. in der Stadt Mene auf der Insel Hespera im See Tritonis ist Fabelei (vgl. Müller Ptol. I 789).

Der Reichtum des Persischen Meeres an Fischen macht es erklärlich, daß wie Sprenger 122 [2531] hervorhebt, ,auch die gegenüberliegenden Karmanier vom Fischfang lebten‘; er verweist zugleich auf Mela III 8 (Carmanii … piscium cute se velant, carne vescuntur). In der Tat werden I. an der Küste Karmaniens und Gedrosiens von Diod. III 15 flüchtig erwähnt, an der Küste Gedrosiens, der Landschaft östlich von Karmanien, eingehend von Arrian. anab. VI 28, 5 und Ind. 26, 2–32, 2, wo das Küstenland und seine Bewohner ausführlich behandelt und die Ausdehnung der von Nearchos bei der Umschiffung der Küste der I. zurückgelegten Strecke mit ca. 1100 Stadien angegeben wird. Arrians Schilderung der Lebensweise der I. ist durch Reisende der Neuzeit, so bereits durch Kempthorne Notes made on a survey along the Eastern shores of the Persian Gulf, Journ. Roy. Geogr. soc. V 1835, 264f. bestätigt worden (Einzelheiten über diesen Menschenschlag, der fast nur von Fischspeisen lebt, bei Ritter XII 428f. und Müller I 343f.). I. an der Küste Gedrosiens, westlich von den Oriten, nennt auch Strabon (XV 720f. 726), der (nach Agatharchides) über Land und Leute kurz berichtet und (nach Artemidor) die Ausdehnung ihres Küstengebietes mit 7400 Stadien angibt, einer Zahl, welche mehr der absoluten Entfernung der beiden Endpunkte dieser Küstenstrecke entsprechen dürfte (Müller I 350). Das Küstenland dieser I. hatte in Wahrheit eine Ausdehnung von höchstens 5000 Stadien, ungefähr vom Rās Ğask bis gegen das Rās Aruba. Strab. II 133 (vgl. 131) bemerkt, daß die Parallele von Syene durch das Land der I. in Gedrosien geht. Auch Plin. n. h. VI 95 führt I. Oritae an; 97 betont er die große Ausdehnung ihrer Küste und meldet (nach Iuba), daß die Flotte Nearchs XX dierum spatio praeternavigaverint; die meisten Hss. bieten die Zahl XXX (vgl. über die Differenz Müller I 349). Auf die I. Gedrosiens, westlich von den Oriten, bezieht sich auch Steph. Byz. s. Ἀλεξάνδρειαι; unbestimmt ist seine Notiz s. Δαμαῖοι. Dieses von den Griechen generell Αἰθίοπες Ἰ. und χελωνοφάγοι genannte Volk sind die Ureinwohner, die Brahūi, welche heute im Aussterben sind. Den I. am Indus gilt die Notiz bei Plut. fluv. 25, 1; von Indern, welche ἰχθύας σιτέονται ὠμούς, spricht allgemein Herodot. III 98, was das indische Epos bestätigt (Lassen Ind. Altertumskunde II 635); über neuzeitliche Fischesser am Indus s. Ritter V 545. VII 150. – Flüchtig und ohne genauere Ortsbestimmung erwähnt Strab. XVI 746 I. in Assyrien, ,die ein ähnliches Leben führen, wie die in Gedrosien‘. Die fernsten Stämme der I. sind die ἄνδρες Ἰ., welche nach Aelian. n. a. XV 8, der ihren Fischfang beschreibt, die Stadt Perimula bewohnten (auf der Halbinsel Malakka), und im äußersten Osten der den Alten bekannten Erde die Ἰ. Αἰθίοπες; nach Ptolem. VII 3, 1. 3 am κόλπος τῶν Σινῶν und Ἰ. Σῖναι nach Ptolem. VII 3, 4 (daraus Markian. peripl. mar. ext. I 44), Völkerschaften, welche die Küstenstrecke Chinas vom Meerbusen Tong-King bis zur Mündung des Jang-tse-kjang bewohnt haben dürften.