Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,1 (1903), Sp. 407–410
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5) T. Didius T. f. Sex. n. (Acta. triumph.), vermutlich Sohn von Nr. 1, war Münzmeister zwischen 640 = 114 und 650 = 104 (Mommsen Münzw. 540 nr. 138; Trad. Blac. II 349 nr. 158), dann Volkstribun im J. 651 = 103, wo er mit seinem Collegen L. Aurelius Cotta gegen die Anklage des Q. Servilius Caepio durch einen andern Tribunen C. Norbanus intercedieren wollte, aber gewaltsam daran verhindert wurde (Cic. de or. II 197). Wenig später wurde er Praetor und Statthalter von Makedonien; als solcher erfocht er einen Sieg über die wilden Skordisker, die von Thrakien aus die Provinz beständig heimsuchten, und erwarb dadurch die Ehre des Triumphes. Da die Zeit seiner Statthalterschaft nicht ausdrücklich überliefert wird, müssen die Zeugnisse zunächst zusammengestellt werden. Erstens sagt Cic. Pis. 61 von der Provinz Makedonien: Ex qua provincia T. Flamininus, L. Paullus, Q. Metellus, T. Didius, innumerabiles alii levitate et cupiditate commoti triumpharunt; zweitens bezeichnen die Triumphalacten den spanischen Triumph des D. im J. 661 = 93 als seinen zweiten; drittens haben wir drei aus derselben Epitome des Livius geflossene Übersichten über die mit den thrakischen Skordiskern in jener Zeit geführten Kriege. Der ausführlichste ist Flor. I 39, 4–6: Non fusus modo ab his (scil. Scordiscis) aut fugatus, sed … omnino totus interceptus exercitus quem duxerat Cato. Didius vagos et libera populatione diffusos intra suam reppulit Thraciam. Drusus ulterius egit et vetuit transire Danuvium. Minucius toto vastavit Hebro, multis quidem amissis, dum per perfidum glacie flumen equitatur. Volso Rhodopen Caucasumque penetravit. Curio Dacia tenus venit, sed tenebras saltuum expavit. Appius in Sarmatas usque pervenit, Lucullus ad [408] terminum gentium Tanain lacumque Maeotin. Dasselbe geben kürzer und von Florus etwas abweichend, doch unter einander genau übereinstimmend Ammian. XXVII 4, 10 und Ruf. Fest. breviar. 9, indem sie der Reihe nach die Siege des D. (von beiden mit dem Praenomen M. bezeichnet), des Drusus, des Minucius, des Ap. Claudius (von beiden als Proconsul bezeichnet) und des Lucullus aufzählen. Nun steht fest, dass der Consul C. Porcius Cato von den Skordiskern 640 = 114 geschlagen, und dass dann der Krieg mit ihnen geführt wurde von M. Livius Drusus als Consul 642 = 112 und im folgenden Jahre und von Minucius Rufus als Consul 644 = 110 und in den beiden folgenden Jahren, während die Feldzüge des Ap. Claudius Pulcher (o. Bd. III S. 2849) und des M. Licinius Lucullus einer weit späteren Periode angehören; demnach müsste der des D. nach Florus u. s. w. ins J. 641 = 113 gesetzt werden. Diese von Pighius aufgestellte Ansicht ist von den meisten Gelehrten bis in die neueste Zeit hinein, z. B. noch von Perdrizet Bull. hell. XX 1896, 490, wiederholt worden, obgleich ihre Unhaltbarkeit von Haackh an dieser Stelle in der alten Realencyklopaedie erwiesen worden ist (vgl. Borghesi Oeuvres I 97, 4. Henzen CIL I² p. 54 zum J. 661). Es spricht gegen sie Folgendes: Nach anderen zuverlässigen Quellen hat 641 = 113 nicht D., sondern der Consul C. Caecilius Metellus Caprarius in Thrakien glücklich gefochten; wenn D. schon damals Praetor gewesen wäre, so wäre zwischen seiner, noch obendrein besonders ruhmvollen Praetur und seinem Consulat eine unerklärlich lange Frist verstrichen; nach den erhaltenen Resten des Triumphverzeichnisses dieser Zeit kann D. nicht vor 650 = 104 triumphiert haben. Bei der ganzen Anordnung der Feldzüge in der Quelle des Florus u. s. w. ist überhaupt nicht die chronologische Folge der römischen Statthalter zu Grunde gelegt – denn auch C. Scribonius Curio war nicht der Vorgänger, sondern der Nachfolger des Ap. Claudius –, vielmehr die sich steigernde räumliche Ausdehnung des Kriegsschauplatzes. Der Vorname M. des D. bei Ammian. und Ruf. Fest. beruht auf einem einfachen Irrtum und darf nicht etwa zu dem Versuch verleiten, zwei verschiedene Didii zu unterscheiden, was gänzlich ausgeschlossen ist. Der Feldzug des D. kann nach allem Gesagten nicht vor 650 = 104 fallen, und Haackh hat mit Recht die Notiz des Eusebios (chron. II 132 b. 133f. Schoene) zu Ol. 170, 1 = 654 = 100: Thraces a Romanis subacti sunt auf ihn bezogen. Deshalb wird auch von Cicero a. O. nur der Triumph des D. über die Skordisker und kein solcher eines seiner Vorgänger erwähnt und mit den bedeutendsten früher aus Makedonien heimgebrachten zusammengestellt, weil er die eigentliche Beendigung des Skordiskerkrieges bezeichnete; denn fast zwei Jahrzehnte lang war dieser trotz aller römischen Erfolge, auch der von Perdrizet vielleicht überschätzten des Minucius, stets wieder emporgelodert, während jetzt wenigstens für ein Jahrzehnt, bis zu der Statthalterschaft des L. Scipio Asiagenus (s. o. Bd. IV S. 1484) Ruhe eintrat. Die Praetur wird D. schon 653 = 101 bekleidet haben, wenn er auch erst im nächsten Jahre den Krieg beendete und triumphierte. [409] Zum Dank erhielt er das Consulat für 656 = 98 mit Q. Caecilius Metellus Nepos und gab mit ihm die nach beiden Consuln benannten Leges Caeciliae Didiae (Belegstellen s. o. Bd. III S. 1216 Nr. 95). Noch in demselben Jahre ging er nach Hispania citerior ab und eröffnete den Krieg gegen die Keltiberer (Obseq. 47), hauptsächlich kämpfte er im folgenden Jahre 657 = 97 gegen sie mit vielem Glück (Liv. ep. LXX. Obseq. 48), behielt aber das Commando auch noch in den drei nächsten. Er führte den Krieg mit List, Heimtücke und Grausamkeit; Obseq. spricht von mehreren Schlachten, Frontin. strat. II 10, 1 von einer sehr heissen und verlustreichen, Appian. Ib. 99 von der Niedermachung von 20 000 Arevakern. Der letztere Ib. 99f. erzählt ferner, dass die grosse Bergfestung Termesos von D. geschleift und ihre Bewohner zur Ansiedlung in der Ebene gezwungen wurden, dass die Festung Kolenda nach neunmonatlicher Belagerung zur Übergabe genötigt und sämtliche Einwohner in die Sclaverei verkauft wurden, dass die als Räuber berüchtigten Bewohner einer anderen benachbarten Stadt hinterlistig in sein Lager gelockt, umzingelt und mit Weib und Kind zusammengehauen wurden. Eine weitere Kriegslist des D. erzählt Frontin. strat. I 8, 5; dass Q. Sertorius in Spanien unter ihm als Kriegstribun diente, sagt Sallust. hist. I 57 Kr. = I 88 Maur. (bei Gell. II 27, 2), daraus Plut. Sert. 3, 3; eine Grabschrift bei Karthago Nova nennt einen T. Didi(us) P. f. Cor(nelia tribu), dessen römisches Bürgerrecht und römischer Name auf Verleihung durch diesen D. zurückgeht (CIL II 3462). Erst im J. 661 = 93 kehrte D. nach Rom zurück und feierte einen Triumph ex Hispania de Celtibereis (Acta triumph. Appian. Ib. 100; Anspielung auf die beiden Triumphe des D. Cic. Planc. 61). Im Bundesgenossenkriege stellte sich der erprobte Feldherr der Regierung zur Verfügung und commandierte im J. 664 = 90 als Consularlegat auf dem südlichen Kriegsschauplatz unter dem Consul L. Iulius Caesar (Appian. bell. civ. I 40). Auch im folgenden Jahre nahm er in selbständigerer Stellung an den Kämpfen in Campanien Anteil; nach Vell. II 16, 2 hat er, unterstützt von einem Hülfscorps der treugebliebenen Hirpiner, Herculaneum erstürmt, und nach Ovid. fast. VI 567f. hat er am 11. Juni 665 = 89 im Kampfe den Tod gefunden; die Annahme, dass er bei dem Sturme auf die Stadt gefallen sei, hat Marcks Überlieferung des Bundesgenossenkrieges (Marburg 1884) 85f. zurückgewiesen; er hält es für wahrscheinlicher, dass D. nach der Einnahme von Herculaneum und während Sullas Einfall in Samnium die Belagerung von Nola und von Pompeii fortsetzte und dabei getötet wurde.

Der Name des D. findet sich auf Denaren späterer Zeit. Sie zeigen auf der Vorderseite den Kopf der Concordia mit der Inschrift des Münzmeisters: P. Fonteius Capito IIIvir, wohl desselben Mannes, von dem sich P. Clodius 695 = 59 zum Schein adoptieren liess, der demnach gegen 700 = 54 Münzmeister war, auf der Rückseite ein dreistückiges Gebäude mit Säulenreihen und die Umschrift T. Didi imp. vil. pub. Dass T. Didius imperator nur der Consul von 656 = 98 sein kann, der wahrscheinlich nach seinen [410] Siegen in Spanien den Imperatortitel annahm, ist sicher; gewöhnlich bezieht man die Münze auf eine von ihm vorgenommene Wiederherstellung der hier dargestellten Villa publica im Marsfeld und ergänzt vil(lam) pub(licam refecit), so Mommsen Münzw. 638 nr. 284; Trad. Blac. II 509 nr. 290. Allerdings ist von einer solchen Restauration des Gebäudes durch D. nichts bekannt und ebensowenig etwas von verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Didiern und Fonteiern, die es rechtfertigten, dass einer von diesen D. und sein Werk verherrlichte. Deshalb hat Klügmann (Ztschr. f. Numismatik VI 40f.) vermutet, dass der Denar von zwei Collegen geprägt sei, jenem Fonteius, der auch allein welche geprägt hat, und einem jüngeren T. Didius, der seinen berühmten Vorfahr, den gleichnamigen Imperator, verherrlichte; vil(la) pub(lica) im Nominativ benenne nur das dargestellte Bauwerk und habe nichts mit D. zu thun. Viel befriedigender als die ältere Erklärung ist auch diese nicht, und das gegen jene geltend gemachte Schweigen der Überlieferung fällt bei deren Trümmerhaftigkeit nicht eben entscheidend ins Gewicht.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S III (1918), Sp. 336
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S. 406ff. zum Art. Didius:

5) Für die Zeit der makedonischen Statthalterschaft vgl. noch Gabler Ztschr. f. Numism. XXIII 167—169; Die antiken Münzen Nordgriechenlands III 6, für die Teilnahme am Bundesgenossenkriege Cic. Font. 43, wo das Pränomen T. zu P. entstellt ist.