Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,2 (1899), Sp. 2107–2108
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Chamavi. Dieses germanische Volk bewohnte nach Tac. ann. XIII 55 am Niederrhein den Strich Landes, den vorher die Tubanten und Usipier, später die Amsivarier (s. d.) innegehabt hätten. Später sassen sie weiter östlich im Gebiet der Bructeri, die angeblich von ihnen und den Angrivariern (s. d.) aufgerieben worden sein sollen (Tac. Germ. 33. 34), was übertrieben ist (Zeuss Die Deutschen 91f.). In diesen Sitzen nennt sie noch Ptol. II 11, 10. 11 neben den Cheruskern südlich von den Calucones (der Name ist überliefert Καμαυοί, Var. Καυμαοί; anscheinend identisch sind die II 11, 9 genannten Χαῖμαι, C. Müller zur Stelle. Much Deutsche Stammsitze 148; Zeuss a. O. 93. 103 fasst die Χαῖμαι als Hermiones). Die Tab. Peut. setzt sie wieder an den Niederrhein und zwar als einen Teil der Franken (Chamavi qui el Pranci d. h. qui et Franci. {{SperrSchrift|Zeuss} a. O. 326. 334. Desjardins Table de Peut. 3; mit den Franci zusammen nennt sie auch Auson. Mos. 434 Chamāves). In diesen Gegenden (Nachbarn der Friesen) kennen sie auch die Panegyriker p. 138. 227 ed. Bährens. Einzelne Abteilungen sollen damals nach Gallien verpflanzt worden sein (ein pagus Chamavorum am Südabhang der Vogesen, Zeuss a. O. 335. 582). Zur Zeit Iulians waren sie auch auf der Westseite des Rheins verbreitet, Iulian trieb sie wieder zurück (Amin. Marc. XVII 8, 5 Chamavos itidem ausos similia adortus eadem celeritate partim cecidit, partim . . . compegit in vincula. XVII 9, 2. Iulian. ep. ad Athenienses p. 361 H. καὶ παρεστώτων θεῶν ὑπεδεξάμην μὲν μοὶραν τοῦ Σαλίων ἔθνους, Χαμάβους δὲ ἐξήλασα κτλ.. Eunapios frg. 12 Hist. gr. min. I p. 218 ὅτι τοῦ Ἰουλιανοῦ ἐς τὴν πολεμίαν χωροῦντος καὶ τῶν Χαμάβων ἱκετευόντων φείδεσθαι κτλ., Scene zwischen Iulian und dem Chamavenkönig Nebisgast; auch bei Zosim. III 6 und 7 wird der Name der Chamaven herzustellen sein, Riese Rhein. Germanien 286ff. Schiller Gesch. d. röm. Kais. II 313). Auf dem rechten Ufer des Rheins findet sie dann gegen Ende des 4. Jhdts. Arbogast auf seinem Zuge von Köln gegen die rechtsrheinischen Frankenvölker (Sulp. Alex. bei Gregor. Turon. hist. Franc. II 9 transgressus Rhenum Bricteros ripae proximos, pagum etiam quem Chamavi incolunt, depopulatus est). Dass Chamaven in späterer [2108] Zeit den Römern Kriegsdienste leisteten, zeigt Not. dign. or. XXXI 61 cohors undecima Chamavorum (unter dem Dux Thebaidos). Später werden sie nicht mehr genannt, doch lebt ihr Name ohne Zweifel fort im Namen des Gaues Hameland oder Hamaland (um Deventer), Zeuss a. O. 91. 336. J. Grimm Gesch. d. deutschen Sprache I³ 370f. Förstemann Namenbuch II 361. Die Camari der Veroneser Völkertafel XIII 10 Seeck (zwischen Saxones und den unbekannten Crinsiani) sind wohl = Chamavi (Müllenhoff Deutsche Altertumsk. III 313). Dass aber auch die Hamii, die wir in Britannien und Africa in römischen Kriegsdiensten finden (CIL VII 748 coh. I Hamiorum sagittariorum u. ö. VIII 10654 coh. II Amiorum, vgl. Hübner CIL VII p. 134 und die dea Hamm. CIL VII 750), Chamaven sein sollen, wie R. Much Deutsche Stammsitze 148 vermutet, ist ganz unwahrscheinlich. Vgl. auch, die (Matronae) Hamavehae.

[Ihm.]