Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,2 (1899), Sp. 22702272
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Cherusci. Das germanische Volk der Cherusker wird zuerst von Caesar erwähnt, dem berichtet wird (b. g. VI 10), dass Sueben und Cherusker durch die Bacenis silva (s. d.) von einander geschieden seien. Da uns die Geschichte das Volk als zahlreich und mächtig zeigt, so hat es sicherlich einen weiten Raum besetzt gehabt; aber die Angaben der Alten hierüber sind spärlich und unsicher. Strabon VII 291 nennt als kleinere germanische Völker (ἐνδεέστερα ἔθνη Γερμανικά) Χηροῦσκοι τε καὶ Χάττοι καὶ Γαμαβρίουιοι καὶ Χαττουάριοι; Plinius n. h. IV 100 führt als Teile [2271] der Hermionen auf Suebi, Hermunduri, Chatti, Cherusci; Tacitus Germ. 36 setzt sie an die Seite der Chauci und Chatti. Genauer giebt ihre Wohnsitze Ptolem. II 11, 10 an: südlich von den an beiden Ufern der Elbe sitzenden Calucones bis zum Harz (ὑφ᾿ οὗς Χαιρουσκοὶ καὶ Καμανοὶ μέχρι τοῦ Μηλιβόκον ὄρους). Also werden wir sie zwischen Weser und Elbe (vgl. Vib. Sequester Albis Germaniae, Suevos a Cheruscis dividit) nördlich vom Harz anzusetzen haben. Dass sich ihr Gebiet auch noch auf die Westseite der Weser erstreckte, zeigen die Berichte über die Römerzüge bei Vell. Pat. II 105 subacti ... Bructeri, recepti Cherusci ... transitus Visurgis. Dio LIV 33 (Drusus) ἐς τὴν τῶν Συγάμβρων ἐνέβαλε καὶ δι᾿ αὐτῆς καὶ ἐς τὴν Χερουσκίδα προεχώρησε μέχρι τοῦ Οὐισούργου. LV 1 πρὸς τὴν Χερουσκίδα μετέστη καὶ τὸν Οὐίσουργον διαβὰς ἤλασε μέχρι τοῦ Άλβίον (auch LVI 8). Nördlich waren sie von den Angrivariern durch einen Wall geschieden (Tac. ann. II 19 silvas quoque profunda palus ambibat, nisi quod latus unum Angrivarii lato aggere extulerant, quo a Cheruscis dirimerentur). Gegen die Römer haben sich die Ch. wehrhaft behauptet. Die Erfolge des Drusus (im J. 12 und 9 v. Chr.) und Tiberius (im J. 4 n. Chr.) waren vorübergehend (Liv. epit. 140. Dio LIV 33. LV 1. Florus II 30, 24. Oros. VI 21, 15; Vell. II 105 recepti Cherusci). Unter der ruhmvollen Führung des Arminius haben sie durch die Schlacht im Teutoburger Wald (9 n. Chr.) die römische Macht in Germanien vernichtet (Vell. II 117ff. Dio LVI 18ff. Florus II 30; die Zeugnisse bei Riese Rhein. Germanien 68ff.). Nicht minder bestanden sie die Rachekriege, welche Germanicus, um die Schmach der Varusschlacht zu tilgen, mit mehr Einsicht und Geschick als glücklichem Erfolg führte (Tac. ann. I 55ff. II 8ff.), wenn er auch (Tac. ann. II 41) de Cheruscis Chattisque et Angrivariis quaeque aliae nationes usque ad Albim colunt triumphierte (vgl. Strab. VII 291). Ebenso waren es die Ch., welche der Unterdrückung der germanischen Völker durch Marbod Einhalt thaten (Tac. ann. II 44–46). Es versteht sich von selbst, dass sie in diesen Kämpfen nicht allein standen, sondern an der Spitze eines Völkerbundes handelten (Strab. VII 291 Χηροῦσκοι καὶ οἱ τούτων ὑπήκοοι. Tac. ann. II 45 Cherusci sociique eorum, vetus Arminii miles); u. a. gehörten die Fosi zu ihren Bundesgenossen (Tac. Germ. 36). Näheres über ihre Kämpfe unter Augustus und Tiberius in dem Artikel Arminius Bd. II S. 1190ff. Mit Arminius endete im J. 19 n. Chr. ihr Kriegsglück. Innere Fehden hatten schliesslich ihr ganzes Fürstengeschlecht hinweggerafft. Als sie sich den letzten von Arminius Stamme, Italicus, von den Römern zum König erbaten, brach der innere Zwist wieder aus (Tac. ann. XI 16. 17) und schwächte das Volk immer mehr. Einer seiner Nachfolger, der König Chariomerus, wurde schliesslich von den Chatten vertrieben und rief die Intervention Domitians vergeblich an (Dio epit. LXVII 5. Mommsen R. G. V 132). Tacitus Germ. 36 schildert das Volk als sehr heruntergekommen und von ihren alten Gegnern, den Chatten, besiegt: Qui olim boni aequique Cherusci, nunc inertes ac stulti [2272] vocantur: Chattis victoribus fortuna in sapientiam cessit. tracti ruina Cheruscorum et Fosi, eine Nachricht, die übertrieben scheint (Zeuss Die Deutschen 106). Denn noch nach Ptolemaios werden die Cherusker erwähnt (Nazar. paneg. Constantino Aug. d. 18 [hierzu Müllenhoff Deutsche Altertumsk. III 212]. Claudian. de IV cons. Honorii 450ff. venit accola silvae Bructerus Hercyniae latisque paludibus exit Cimber et ingentes Albim liquere Cherusci; de bello Gothico 420 Chattos inmansuetosque Cheruscos. Zeuss a. O. 382f.). Die Crhepstini (s. d.) der Tab. Peut. sind vielleicht die Cherusker. Zur Deutung des Namens Zeuss a. O. 105. Much Deutsche Stammsitze 60f. (,die jungen Hirsche‘). Vgl. J. Grimm Gesch. der deutschen Sprache II³ 426ff. Eduard Heyck Die Staatsverfassung der Cherusker, Neue Heidelberger Jahrb. V 1895, 131ff.

[Ihm.]