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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Frank, Ignaz
Band: 4 (1858), ab Seite: 316. (Quelle)
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Frank, Gustav Ritter von[BN 1][BN 2] (Schriftsteller, geb. zu Wien 22. März 1807). Sein Vater Johann Jakob (gest. 15. März 1828) bekleidete ein höheres Bankamt, besaß eine Münzsammlung und als Kupferstichsammler einen großen Ruf. Der Sohn studirte in Wien die Philosophie und die Rechte, erhielt in Padua die juridische Doctorswürde (1828) u. widmete sich der Advocatur; heiratete, trat aber nach dem bald erfolgten Tode seiner Frau in ein Chevauxlegers-Regiment ein, wo er Officier [317] wurde. In Folge eines Duellprocesses stand er in mehrjähriger Haft, verließ dann die Armee und beschäftigte sich nunmehr mit literarischen Arbeiten. Die Ergebnisse eines Ausfluges nach Montenegro veröffentlichte die „Allgemeine Zeitung“ im Aufsatze: „Ein Besuch beim Vladika von Montenegro“ und jene seiner Reise nach Algier enthalt sein Buch: „Mittheilungen aus den Papieren eines Wiener Arztes“ (Leipzig 1846, noch einmal 1851). Im J. 1841 übernahm er in Gemeinschaft mit dem Schauspieler Forst – nachmaligen Theater-Director in Prag – die Leitung des ständischen Theaters in Pesth, daselbst heiratete er seine zweite Frau, die Sängerin Frl. Wirnser, trat aber in Folge von Mißhelligkeiten mit seinem Collegen schon 1843 zurück und ging nach Wien, wo er 1845 die Redaction der unter Schickh und Witthauer einst so trefflich redigirten „Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur und Mode“ übernahm, welche er aber schon Anfangs 1847 wieder aufgab. In Folge seiner Betheiligung an den Wiener Ereignissen des J. 1848, in welchem er das „Wiener Bürgerblatt“, später Wiener „Demokratisches Bürgerblatt“ herausgab, eine höhere Charge in der akadem. Legion bekleidete und in den October-Tagen auf der St. Marxer Linie gegen das Einrücken der Truppen des Fürsten Windischgrätz mit bewaffneter Hand Widerstand leistete, wurde er aus Oesterreich flüchtig u. begab sich nach Leipzig, wo er einige Zeit das Blatt „Wiener Bote“ herausgab; dann aber, um der Gefahr der Auslieferung durch die sächsische Regierung zu entgehen, nach London ging, wo er mehrere Jahre verweilte und durch Porträtmalen in Aquarell seiner Familie den Unterhalt sicherte. Im Jahre 1858 erhielt er über sein Ansuchen die Erlaubniß, in den Kaiserstaat zurückzukehren. Außer den bereits genannten Schriften gab er heraus: „Gedichte“ (Wien 1828); – „Dramatische Zeitbilder“ (Leipzig 1837), diese unter dem Pseudonym G. F. Ranck; die darin enthaltenen Stücke: „Der Emporkömmling oder Bürger und Aristokrat“ und „Die Patricier“ erschienen (1846) in zweiter Auflage; – ferner „Belisar, tragische Oper nach Cammarano“ (Wien 1836). – Von 1837–42 gab er das „Taschenbuch dramatischer Originalien“ (Leipzig, Brockhaus, 8°.) heraus, und enthalten die 6 Jahrgänge dieses elegant ausgestatteten Theater-Almanachs dramatische Beiträge von Albini, Bauernfeld, Castelli, Gutzkow, Halm, Immermann, Pannasch, Zahlhaas und von Frank selbst. Von diesem: „Autorsqualen“; – „Der Herr im Hause“; – „Der Telegraph“; – „Der Bräutigam aus Hayti“; – „Worcester“; – „Die Sylvesternacht“. – Mehrere andere seiner Stücke – die noch nicht gedruckt sind – als die „Gesandtschaftsreise nach China“; – „Das Forsthaus im Walde“; – „Glücksvogel und Unglückskind“ wurden auf mehreren Bühnen gegeben. Letzteres ist das unter anderem Titel bekannte Stück: „Der Malheurschorschel“, eine Posse, die von ihm gemeinschaftlich mit Al. Baumann verfaßt ward und im Theater an der Wien eclatant durchfiel. Frank war ein trefflicher Gesellschafter u. unterhielt häufig durch seine Escamoteurkünste. In neuester Zeit meldeten mehrere Wiener Blätter die auf einer Bühne in London stattgefundene beifällige Aufführung eines in’s Englische übersetzten Stückes von Frank. – Alfred Ritter von[WS 1], ein Bruder des Obigen, war noch im J. 1855 Hauptmann im Inf.-Reg. Nr. 12, und als Professor in der Wiener-Neustädter Akademie zugetheilt. Der (neue) österr. Kunstverein brachte von ihm in der August-Ausstellung des Jahres 1853 eine Folge von 25 mit Bleistift gezeichneten Landschaften, welche einen großen Meister in der Kunst beurkunden. Auch hatte F. Sr. Majestät dem jetzt regierenden Kaiser [318] in früherer Zeit Unterricht im Zeichnen ertheilt. Er ist mit einer Tochter des berühmten Komikers Wenz. Scholz (s. d.) verheiratet.

Ujabb kori ismeretek tára, d. i. Ungr. Conversations-Lexikon der neueren Zeit (Pesth 1850, G. Heckenast, 8°.) III. Bd. S. 486. – Meyer (J.), Das große Conversat.-Lexikon (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., Lex. 8°.) X. Bd. S. 894. – Rittersberg, Kapesni slovniček, d. i. Taschenwörterbuch (Prag 1850) I. Bd. S. 433. – Oestr. Parnaß, bestiegen von einem heruntergekommenen Antiquar (Frey-sing, bei Athanasius & Comp. (Hoffmann und Campe in Hamburg) S. 17 [läßt ihn 1798 geboren sein]. – Seidlitz (Julius Dr.), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im Jahre 1836 (Grimma 1837, Gebhardt, 8°.) I. Bd. S. 68.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Frank, Gustav Ritter von [s. d. Bd. IV, S. 316], gestorben zu London im Jänner 1860. Wohl hatte er die Erlaubniß zur Rückkehr in sein Vaterland erhalten, und dieselbe stand auch nahe bevor, aber es war ihm nicht vergönnt, in heimischer Erde begraben zu werden. Frank lebte die letzteren Jahre in London, wo er vom Morgen bis in die späte Nacht mit maßloser Arbeit beschäftigt war. In den letzten Jahren wendete er sich wieder der dramatischen Muse zu, in deren Dienste er in früheren Jahren manchen Erfolg gewann. In London wurde ihm die für einen deutschen Schriftsteller seltene Genugthuung, mehrere seiner Stücke auf Londoner Bühnen in englischer Sprache und mit Beifall aufgeführt zu sehen. Sein Haupterwerb bestand aber in künstlerischen Arbeiten, da er, wie dieß bereits im Hauptwerke erwähnt, sehr geschickt Porträte in Aquarell malte. Schließlich sei noch bemerkt, daß er nach seiner Flucht aus Wien nach Leipzig dort verhaftet wurde und ausgeliefert werden sollte. Aber durch eine auf fast räthselhafte Weise aus dem Leipziger Stadtgefängnisse bewerkstelligte Flucht, welche nur durch den Muth und die Klugheit seiner Frau ermöglicht worden war, entging er dem Lose der Auslieferung und dem wohl noch traurigeren, das ihn wegen Theilnahme mit bewaffneter Hand an dem Aufstande in Wien erwartete.
    Presse (Wiener polit. Blatt) 1860, Nr. 18 Abendbl. – Theater-Chronik, herausgegeben von Sachse, 1860, Nr. 6, S. 23. – Neuigkeiten (Brünner polit. Blatt) 1860, Nr. 17: Nekrolog. – Kertbeny (K. M.), Silhouetten und Reliquien (Wien und Prag 1861, Kober u. Markgraf, 8°.) Bd I, S. 190. [Bd. 11, S. 408.]
  2. E Frank, Gustav Ritter von [Bd. IV, S. 316; Bd. XI, S. 408].
    Konstitutionelle Vorstadt-Zeitung (Wien) 1867, Nr. 233, im Feuilleton: „Erinnerung eines Amnestirten“. [Bd. 26, S. 380.]

Anmerkungen (Wikisource)