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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Benkert, Anton
Band: 1 (1856), ab Seite: 275. (Quelle)
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Karl Maria Kertbeny in der Wikipedia
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Benkert, Karl Maria, pseudonym Kertbény[BN 1][BN 2] (Schriftsteller, insbesondere Uebersetzer ungarischer Poesien, geb. zu Wien 28. Febr. 1824). Sohn des Vorigen; kam mit seinen Eltern bereits im 2. Jahre seines Lebens nach Ungarn zurück, besuchte die Normalschulen zu Pesth und Erlau, machte 1837 eine Reise nach dem Orient mit, lernte hierauf von 1838–40 den Buchhandel bei Gustav Heckenast in Pesth, hielt sich bis 1841 in Wien, Prag und Dresden auf, trat sodann als Cadet in’s k. k. 5. Feldartillerie-Regiment, diente bis 1843, lebte dann einige Zeit in Pesth, ging auf Reisen und hielt sich von 1845–53 in Italien, der Schweiz, Frankreich, England und Deutschland auf. Zurückgekehrt nach Oesterreich, lebt er seitdem in Ungarn und in Wien. Bereits 1845 gab er unter seinem Familiennamen ein „Jahrbuch des deutschen Elementes in Ungarn“ heraus, von dem jedoch nur die erste Hälfte erschien. Im nämlichen Jahre gestattete ihm die Pesther Comitatsbehörde auf gesetzlichem Wege seinen Namen Benkert in Kertbény zu verändern, und mit solchem erschienen von ihm bisher in Druck: „Zweiundfünfzig Gedichte aus zweiundfünfzig fremden Sprachen“ (Jena 1848, Mauke); – „Gedichte von Alexander Petöfi. Aus dem Ungarischen“ (Frankfurt 1849, Lit. Anst.); – „Der Held Janós. Von Petöfi. Aus dem Ungarischen“ (Stuttgart 1850, Hallberger); – „Vierhundert ungrische Volkslieder. Metrisch übersetzt“ (Darmstadt 1851, Leske): – „Des Henkers Strick. Roman nach Petöfi“ (Halle 1851). – „Erzählende Dichtungen von Johann Arany. Aus dem Ungarischen,“ 2 Bde. (Leipzig 1851, 2. Aufl. 1853); – „Volksliederquellen in der deutschen Literatur“ (Halle 1652); – „Ungrische Nationallieder. Metrisch übersetzt“ (Braunschweig 1852); – „Das Echo von Tihany. Märchen von Pompéry. Aus d. Ungr.“ (Pesth 1853); – „Die heil. ungarsche Krone und ihre Schicksale“ (Pesth 1853); – „Album hundert ungrischer Dichter. In eigenen und fremden Uebersetzungen“ (Dresden 1854, Schäfer, 2. Aufl. 1855); – „Dichtungen von Johann [276] Garay. Aus d. Ungr.“ (Pesth 1855, 2. Aufl. Wien 1856, C. Helf); – „Ungrische Malerrevue. 1. Heft“ (Pesth 1855); – „Gedichte von Michael Vörösmarty. Aus d. Ungr.“ (Pesth 1856). Ferner zahlreiche, meist Ungarn betreffende Journalartikel in in- und ausländischen Zeitungen. Im Frühjahre 1856 kündigte er „Neuere Gedichte um Alex. Petöfi. Metrisch übersetzt von Kertbény. Herausgegeben von Friedrich Bodenstedt“ an. Auch ist B. seit zwei Jahren für die Realisirung eines, wenn es zu Stande kommt, wirklich sehr schätzbaren Unternehmens, nämlich der „Ungrischen Bibliographie des neunzehnten Jahrhunderts, 1801–1856, oder Verzeichniss aller in irgend welcher Sprache, sowohl in Ungarn selbst gedruckten, wie im Auslande erschienenen, doch durch ihren Stoff, Autor, Verleger u. s. w. auf Ungarn Bezug habenden Bücher, Broschüren, Musikalien, Kunstartikel u. Landkarten. Mit danebenstehender deutscher Uebersetzung aller ungarischen wie slawischen Büchertitel u. s. w.,“ ein Werk, das über 40,000 Nummern umfassen und dem sich ein „Repertorium der ungrischen Journalistik von 1777–1856“ anschließen soll, vielseitig thätig; doch kann dasselbe unserer Ansicht nach nicht ohne ausgiebige und dauernde Unterstützung reicher und freigebiger Wissenschaftsfreunde zu Stande gebracht werden.

Ein im J. 1856 im Mai (bei L. C. Zamarski in Wien) erschienenes Flugblatt, alle bereits gedruckten und noch zu erwartenden Schriften B.’s enthaltend. – Privatmittheilungen.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Benkert, Karl Maria (unter dem Schriftstellernamen Kertbeny) [s. d. Bd. I, S. 275][WS 1]. In den Jahren 1856 bis 1858 lebte K., mit literarischen und journalistischen Arbeiten beschäftigt, in Wien, wo namentlich seine in M. Auer’s Zeitschrift „Faust“ erschienene Besprechung der zur Zeit der Naturforscher-Versammlung in Wien veranstalteten Kunstausstellung im September 1856 Aufsehen und in Künstlerkreisen der darin enthaltenen unläugbaren Wahrheiten wegen Gereiztheit und Verstimmung erregte. Von Wien begab er sich nach München, von dort in die Schweiz und hielt sich theils in Genf, theils in Paris auf, in neuester Zeit aber übersiedelte er nach Brüssel, wo er mit der bei Wigand erscheinenden, einzig autorisirten Uebersetzung des „Lebens Jesu“ von Renan beschäftigt sein soll, eines Buches, dem die Verfolgung der Geistlichkeit zu Ehren verholfen hat, die es in der That nicht verdient. Die deutschen Gelehrten haben nach dieser Richtung hin lange früher Wissenschaftliches geleistet. Die „ungarische Bibliographie des neunzehnten Jahrhunderts“, deren bereits in der Lebensskizze des ersten Bandes dieses Lexikons gedacht worden, ist noch immer nicht erschienen und dürfte allem Anscheine nach nicht sobald das Licht der Welt erblicken. Uebrigens entwickelte K. auf anderen Gebieten eine ungemein große schriftstellerische Fruchtbarkeit. Sein „Album hundert ungrischer Dichter“ ist bereits in 4. Auflage erschienen. Sonst noch gab er heraus: „Dichtungen von Alexander Petöfi. Aus dem Ungarischen in eigenen wie fremden Uebersetzungen“ (Leipzig 1858, Brockhaus, XXII u. 592 S. 8°.) diese Ausgabe ist nicht zu verwechseln mit der weiter unten angegebenen Stereotyp-Ausgabe von Petöfi’s Gedichten; – „Gedichte von Koloman Lisznyai. Aus dem Ungarischen“ (München 1859, Miniatur-Ausgabe); – „Erinnerung an Graf Stefan Szecsenyi“ (2. Aufl., Basel 1860, Georg, 8°.); – „Erinnerungen an Graf Ladislaus Teleki“ (Prag 1861, Kober, mit T.’s Porträt, 8°.); – „Silhouetten und Reliquien“. 2 Bände (Wien und Prag 1861, Kober und Markgraf, 8°.) – und „Ungarns Männer der Zeit. Biographien und Charakteristiken hervorragenster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen“. 2 Bände (Prag 1802, A. G, Steinhausser, 8°.), dieses letztere Werk gab er anonym heraus; es enthält außer einer unverhältnißmäßig langen Biographie eines eigenen Ichs, noch ausführliche Lebensskizzen über Johann Arany, Franz von Deák, Joseph Baron Eötvös, F. K. Horn, Maurus Jókay, Georg Klapka, Karl Marko, Franz Aurel von Pulßky und Dr. Franz [369] Toldy. Auch die in sehr anregender Weise geschriebenen „Silhouetten“ sind meistens biographischen Inhalts; – „Alexander Petöfis Dichtungen. Nach dem Ungarischen, in eigenen wie fremden Uebersetzungen“ (Berlin o. I. [1860] A. Hofmann u. Comp., Stereotyp-Ausgabe, 8°.); – „Erzählende Dichtungen von Alexander Petöfi (I. Zaubertraum, II. Held János, III. Istók der Narr). Aus dem Ungarischen metrisch übersetzt“ (München 1860, Georg Franz, 8°.); – „Gedichte von Johann Arany. Versuch einer Musterübersetzung“ (Genf 1861, J. W. Fick, 8°.); jeder dieser drei letztgenannten Schriften ist eine „Uebersicht der literarischen Thätigkeit Benkert’s (Kertbeny’s)“ beigeschlossen. Die ausführlichste ist die der Uebersetzung Arany’s angehängte, sie umfaßt auf 15 Seiten nicht nur die selbstständig erschienenen Bücher, sondern auch die in verschiedenen Zeitschriften enthaltenen umfangreicheren Artikel; – „Genf und die Genfer seit zwei Jahrtausenden. Historisch-biographisches Lexikalwerk in fünf Büchern“ (Genf 1862, Pfeffer und Puky, gr. 8°.), davon ist nur das erste Heft als Probeheft erschienen; wegen eines die Spielhöhlen Fazy’s betreffenden, von B. verfaßten Aufsatzes war seine persönliche Sicherheit bedroht, er mußte Genf heimlich und plötzlich verlassen, und in Folge dessen mußte auch die weitere Ausgabe dieses Werkes unterbleiben; – „Graf von Cavour. Skizzen und Erinnerungen von William de la Riva. In’s Deutsche übertragen“. 2 Bände (Leipzig 1863, O. Purfürst, 8°.): – „Zwei Novellen“ (Genf 1862, Pfeffer und Puky, 8°.). Wie mir eben von dritter Seite mitgetheilt wird, arbeitet B. an einer deutschen Uebersetzung des in jüngster Zeit in Ungarn vielbesprochenen Gedichtes von Emerich Madach: Die Tragödie des Menschen, und an einem „Dekameron auf der Eisenbahn. Diskrete und indiskrete Geschichten“. Auch wurde vor wenigen Tagen das Programm zu nachstehender Schrift von B. übersendet: „Die ungarische Emigration seit 1849. Tausend Skizzen biographischen, historischen, statistischen und bibliographischen Inhalts“, mit welchen B. Europa den Beweis liefern will, daß der Ungar auch in der Fremde seiner Nation meist Ehre macht. Benkert besaß – oder besitzt noch – eine werthvolle Sammlung von Photographien, welche über 6000 Porträte in Visitkartenformat fassen soll.
    Didaskalia (Unterhalt. Beilage des Frankfurter Journals, 4°.) 1860, Nr. 134. [Da Herr Benkert, von dessen offenen und heimlichen Angriffen der Herausgeber dieses Lexikons seit Jahren zu leiden hat, für seine Unsterblichkeit durch Selbstbiographien und Verzeichnisse seiner Schriften ungemein thätig ist, so ist diese Correspondenz aus München als bengalische Feuerbeleuchtung der Altäre, die er sich überall selbst errichtet, von großer Wichtigkeit]. – Die Donau (Wiener polit. Blatt) 1856, Nr. 156. – Arader Zeitung 1856, Nr. 61. – Ost-Deutsche Post 1856, Nr. 155. – Der Aufmerksame (Gratzer Blatt) 1858, Nr. 50. – Presse 1862, Nr. 245 Abendblatt. – Breslauer Zeitung 1862, Nr. 415. [Bd. 11, S. 368 f.]
  2. E Benkert, Karl Maria (Pseudonym K. M. Kertbeny) [Bd. I, S. 275; Bd. XI, S. 368][WS 2].
    Bibliographie der Werke, publicirt von K. M. Kertbeny, 1846–1866 (gedruckt bei Sam. Lucas in Elberfeld, 4 S. 8°.) [I. Originalwerke 1–19; II. Uebersetzungen 20–45; III. Sammlungen 46–56; IV. Druckfertige Manuscripte 57–95, u. 12 Nummern Porträte]. [Bd. 22, S. 480.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [s. d. Bd. I, S. 274].
  2. Vorlage: [Bd. I, S. 274; Bd. XI, S. 368].