Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section/H16

Heft 15 des Meissner Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.)
Heft 16 der Section Meissner Kreis
Heft 17 des Meissner Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Pillnitz
  2. Lockwitz
  3. Oberkreischa
  4. Borthen
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Pillnitz.


Pillnitz liegt an steilen Bergen und zum Theil an einem Nebengrunde, 1¼ Meile südöstlich von Dresden am Lohmer Wege, in des Landes reizendster Gegend, nicht hart am rechten Elbufer.

Hier giebt es einen ausgezeichneten Gasthof und mehre Schenken, 1 Forsthaus, 2 Mühlen, mehre Villen. Pillnitz hat 59 bewohnte Gebäude, 125 Familienhaushaltungen mit 553 Einwohnern, worunter sich 18 Winzerinnen befinden.

Auch ist daselbst eine schöne neue Presse, eine bedeutende Brauerei, und ausserdem existiren noch 3 Ziegel- und Kalköfen.

Pillnitz, ehemals Belonitz, Beulnowitz, hatte ursprünglich eine Felsenburg, nach Einigen auf der Stelle der heutigen Ruine, nach Andern auf dem Hausberge. Der Erbauer dieser Felsenburg ist unbekannt. Nur so viel steht fest, dass im 13. Jahrhundert ein Heinrich von Baulnowitz solche besass, von welchem Geschlecht es zu Anfang des 15. Jahrhunderts an die Familie von Carlowitz kam, welche die Hälfte davon im Jahre 1435 an die Gebrüder von Ziegler verkaufte, deren Name schon im 14. Jahrhundert vorkommt. In der Mitte des 15. Jahrhunderts gab es der Burgen zwei. So wurden laut Urkunde von 1443 und 1444 Einige aus der Familie der Ziegler von Pillnitz mit dem sogenannten halben Hofe (oder Vordersitze) zu Billonitz und mit dem Fach (Fähre) uff der Elben belehnt. Im Jahre 1547 besass das Gut die Ziegler’sche Familie ebenfalls noch. Erst im Jahre 1569 verkaufte Christoph von Ziegler dasselbe an den Reichspfennigmeister Christoph von Loss. Der Hofmarschall Ernst von Loss, der 1609 starb, erbaute die ehemalige Schlosskirche zu Pillnitz unten an der Elbe. Im Jahre 1616 gründete der Reichspfennigmeister und Hofmarschall Christian von Loss das sogenannte alte Schloss, von welchem nur noch ein Theil auf die neuesten Zeiten kam. In der Mitte des 17. Jahrhunderts kam Pillnitz durch Günther von Bünau, der in das von Loss’sche Geschlecht heirathete, an die Bünau’sche Familie. Damals bediente sich der Hof, wenn in den oberen Gegenden Jagden veranstaltet waren, des Pillnitzer Schlosses, um daselbst kalte Küche einzunehmen; erst im Jahre 1693 kaufte es Johann Georg IV. gegen Vertauschung von Lichtenwalde von Heinrich von Bünau und schenkte es darauf dem Fräulein von Neidschütz, der Gräfin von Rochlitz, von welcher es kurz darauf der geh. Rath von Einsiedel für 60,000 M. Gl. kaufte; doch trat derselbe solches der Kammer wieder ab, und nun belehnte August der Starke die Gräfin Kosel im Jahre 1765 damit. Nach dem Fall dieser Gräfin kam es abermals an die Kammer, welche es dem Feldmarschall Rutowski zum Sommeraufenthalt einräumte. Bald aber bezog es August der Starke selbst in der schönen Jahreszeit wieder, und baute hier neben dem alten Loss’schen Schlosse bis zum Jahre 1734 noch zwei grosse Paläste, welche nach seinem bekannten Geschmacke eingerichtet und seit dieser Zeit immer von der regierenden Familie bewohnt wurden. Eine neue, schönere Gestalt bekam das Ganze erst im Jahre 1788 bis 1792. Nun bilden vier grosse, einzeln stehende Pavillons, aus Pirna’schem Sandstein erbaut, die Flügel eines grossen Quadrats, an welches nach Abend der königliche Garten, so wie Promenaden und Alleen, nach Morgen zu aber die alten Schlossgebäude grenzen. Zwei der Pavillons stehen gegen die Weinberge und die beiden andern ihnen gegenüber nach der Elbe zu. Zwischen den beiden letzten oder südlichen Pavillons steht das sogenannte Wasserpalais, zwischen den nördlichen aber das Bergpalais. Die Pavillons sind in ganz einfachem Style erbaut, nicht hoch, mit chinesischen Kupferdächern und mit toskanisch geordneten Säulengängen versehen. Drei waren schon im August 1791 fertig, der vierte aber wurde erst im Jahre 1800 vollendet, wodurch sich der (jedoch nordwestwärts offene) neuere, meist mit Bowling greens, Spielvorrichtungen und der Orangerie bedeckte, sehr grosse Hof gestaltete. Der geöffnete Theil des weitläuftigen Gartens stösst an die offene Seite dieses Hofs und verbindet sich durch eine vierfache, vortreffliche, 800 Schritt messende, Kastanienallee (sonst Maillebahn) mit dem Dorfe Hosterwitz. Als am 11. Mai 1818 die Burg abgebrannt war, errichtete man auf der Südostseite des neuern Schlosses seit 1819 ein grosses, mit Säulen decorirtes Gebäude, welches ausser dem prächtigen Speisesaal, der eine erleuchtende Kuppelöffnung hat und das [122] Uhrthürmchen trägt, eine gefällige, durch Vogels Meisterhand gezierte Capelle, ein Theater, die Localien für Küche und Keller, Geistlichkeit und Dienerschaft enthält. Der Saal ist übrigens schön decorirt und das daran stossende Zimmer, worin der Hof nach aufgehobener Tafel Caffee trinkt, grandios. In der Capelle hat der Maler Vogel die königliche Familie portraitirt. Besonders sprechend sind die verstorbenen Könige Friedrich August und Anton und der Prinz Max, weniger getroffen der letztverstorbene König Friedrich August. Der geschlossene oder nordöstliche Theil des Gartens enthält unter anderen einen durch Kunstwerke, botanische Sammlungen u. s. w. interessanten Pavillon, reiche Gewächshäuser, 1 botanisches Gärtchen. Im Südosten befindet sich die Wache, die schön erneuerte Restauration für Hofleute und Fremde und jenseits des Gutes die 3 grossen Stall- und Wagengebäude.

Dicht hinter dem Dorfe Pillnitz öffnet sich der Pillnitzer Grund, in welchen der sogenannte Friedrichsweg nach dem berühmten Borsberge, der 458 Ellen über der Elbe sich erhebt, leitet. Am Eingange zum Grunde ist eine Eisgrube und ein seit 1796 verschönerter Weinberg angelegt, der so bedeutend ist, dass 16 Winzer hier arbeiten. Von der Eisgrube weg führt ein geschlängelter Pfad auf den Schlossberg (das Pillnitzer Vorgebirge) wo das sogenannte Raubschloss, welches im Jahre 1788 der Hofconducteur Schade künstlich anlegte, sich befindet. Diese Ruinen sind mit geschmackvollen Zimmern versehen, in welchem der Hof während des Sommers einige Male zu speisen pflegt. Die Aussicht von hier auf die Elbe und deren Thal gehört zu den schönsten, zu den entzückendsten. Von diesen Ruinen gelangt man zu einer zwischen Laub- und Nadelholz versteckten Brücke und dann an einen Wasserfall, der im Jahre 1778 angelegt wurde, und 500 Fuss hoch ist. Derselbe erhält sein Wasser aus einem Teiche, der Maxmühle und aus mehrern Quellen, die man in drei grossen Behältern sammelt. Der Wassersturz geschieht nur durch Aufziehen der Schütze in den Bassins. Thau und Regenwetter müssen die Kunst oft unterstützen.

Eine in künstliche Felsen versteckte Grotte, mit Zimmern und breternen Zellen umgeben, Eremitage genannt, ziert die höchste Spitze des Borsberges, zu welcher man auf romantischem Wege in einer Stunde gelangt. Ueber der Grotte ruht auf dem Felsen ein Altan, von wo aus man das Elbthal, von Meissen bis Königstein hinauf, begränzt von den Gebirgen des Meissner Hochlandes, Böhmens und des Erzgebirges übersehen kann. Den Rückweg nach Pillnitz macht man durch das hochgelegene Dorf Borsberg.

Pillnitz selbst auch ist historisch denkwürdig durch die am 25.–27. August 1791 hier gehaltene Convention des Kaisers Leopold, des damaligen Erzherzogs Franz, der Könige Friedrich Wilhelm II. und III., des Grafen von Artois, Sachsens Regenten, des Prinzen von Nassau-Siegen gegen die französische Revolution, eine Convention, die in der neueren Geschichte Europas so wichtige Folgen hatte. Bei dieser Gelegenheit fanden prächtige Feste, grosse Erleuchtungen und herrliche Feuerwerke Statt, die auf der hier befindlichen Insel der Elbe abgebrannt wurden. Man prägte auf diese Zusammenkunft eine eigne silberne Medaille, die jetzt zu den numismatischen Seltenheiten gehört.

Die Schlosskirche zu Pillnitz, früher in dem alten, 1818 abgebrannten Pillnitzer Schlosse befindlich, ist von dem frühern Besitzer des Gutes, Christoph von Loss, erbaut, nachdem er Pillnitz 1596 von Hosterwitz ausgepfarrt hatte. Bis zum Jahre 1638 hatte Pillnitz nun auch seinen eignen Schlossprediger. Von diesem Jahre an ist die Schlosspredigerstelle mit dem Pfarramte zu Hosterwitz verbunden. Der Gottesdienst wird abwechselnd in beiden Kirchen gehalten; auch wird jährlich zehn Mal des Nachmittags in Pillnitz gepredigt. Bei Abtragung der alten Schlosskirche 1724 fand man viele Denkmäler, ziemlich gut erhaltene Särge, Pretiosen und Bücher, welche letztere aber alle, ausser einem einzigen, verfault waren, das schwarz gebunden und mit kostbaren Perlen umwunden war. Alles, sowie auch die Särge mit ihrem Inhalte, wurden in ein Behältniss bei der neuen Kirche geschafft.

Der erste Schlossprediger zu Pillnitz war M. Jacob Daniel Stark von Mühlhausen im Jahre 1597 angestellt; unter M. Gottfried Rüdiger ward die Schlosskirche mit der Hosterwitzer vereinigt. Die neue Kirche ist hinter dem Dorfe am Fusse der königlichen Weinberge auf August I. Kosten 1725 neu erbaut.

Das Collaturrecht mit dem zu Hosterwitz stand nach der Kirchenvisitation dem Rittergute Pillnitz zu und wird jetzt vom Cultusministerium ausgeübt.

M. G.     



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Lockwitz.


Lockwitz, ein zum Theil stadtähnliches Dorf an den Strassen nach Dohna, Liebstadt und Kreischa, eine Meile südsüdöstlich von Dresden, am Ausgange des reizenden und durch Spazierwege verschönten Lockwitzer Grundes in die Elb-Aue, und an der Lungwitz oder Lockwitz überaus angenehm gelegen, war ehedem gegen die Dohna’schen Güter ein Gränzort.

Der Ort kommt bereits in einer Urkunde des Jahres 1288 unter dem Namen Lucawitz, und im Jahre 1311 unter der heutigen Benennung vor.

Er bildet eigentlich ein aus zwei Theilen bestehendes Rittergut, nämlich Lockwitz obern Theils und Lockwitz untern Theils. Zu dem ersteren gehörten auch das Dorf Kleinluga und Antheile von Leuben und Rippgen, zum letztern Niederlockwitz, Gaustritz und Antheile von Kauscha und Kleinsedlitz.

Von den Zeiten der Reformation bis zum Jahre 1620 gehörte das Rittergut Lockwitz der Familie Allnpeck. Es ist dies dieselbe Familie, welche im Jahre 1493 durch ihre Glieder Stephan, Hans und Georg Allnpeck in Grünthal, 4½ Stunden östlich von Marienberg, dicht an der böhmischen Grenze die sogenannte Saigerhütte anlegten, wo man durch Blei, welches dem Schwarzkupfer zugeschlagen wird, nicht nur das Silber von dem Kupfer, sondern beide Metalle auch von den, ihnen im Schwarzkupfer beigemischten Halbmetallen und andern Unarten reinigt oder saigert.

Die Familie Allnpeck stammte aus Ungarn und hatten sich des Bergbaues wegen nach Sachsen gewendet. Die Gründer dieser Saigerhütte und deren Nachkommen, mit denen noch einige Künstler aus Nürnberg sich verbanden, besassen dieselbe bis zum Jahre 1567, wo sie Kurfürst August kaufte und seit dieser Zeit immer mehr verbessert und erweitert worden ist.

Von der Familie Allnpeck kam Lockwitz an den Hofmarschall von Osterhausen, welcher es, nebst Nickern, von Leubnitz auspfarrte, im Jahre 1622 auf seine Kosten eine Kirche bauete, und 3000 Gulden zur Besoldung des Pfarrers und Schullehrers legirte.

In der Folge besassen dieses Rittergut nach und nach die Familien von Schönberg, von Dallwitz, von Recknitz, der Graf Schall und von Wirsing.

Die alte Burg mag wohl auf dem offenbar planirten Adams- oder Mückersberge gestanden haben. Die nächsten Berge am Grunde mit vortrefflichen Aussichten, tragen noch Spuren alter Befestigung.

Das jetzige Schloss mit Colonade und Balcon erhielt seine jetzige schöne Gestalt durch die Grafen von Dallwitz und Schall, welcher letztere auch den Garten im englischen Geschmacke anlegte, das ohnedem schöne Lockwitzer Thal noch durch Promenaden mit Brücken, Banken, Tempeln und Ruinen verschönerte, welche aber durch feindliche Truppen und durch den Zahn der Zeit nach und nach wieder zerstört worden sind.

Das Schloss ist drei Etagen hoch und 17 Fenster breit mit freien Säulen geziert, gehört zu den grössten und schönsten Privatschlössern Sachsens.

Zum Gute gehört eine starke Brauerei, Schäferei und Ziegelei, so wie auch eine 1836 begründete Runkelrübenzuckerfabrik.

Das Gut selbst gehört schon seit längerer Zeit der Familie Preusser in Leipzig.

Eine Merkwürdigkeit ist der hübsche Thurm, welcher Schloss und Kirche mit einander verkettet.

Schon gegen 300 Jahre hat Lockwitz neben einer starken Strohflechterei (worüber wir uns bei Kreischa weiter verbreiten werden) neben Zwirn- und Butterhandel 30 sogenannte Freizeichen, oder das Recht des freien Mehl- und Brodhandels nach Dresden.

Im Anfange des sechszehnten Jahrhunderts wüthete die Pest in Dresden, die Thore waren gesperrt und Hungersnoth griff um sich; da wagten sich dennoch die gutmüthigen Lockwitzer bis an die Ringmauern der Stadt und warfen Brod und Mehl den unglücklichen Dresdnern über die Thore hinein. Deshalb bekamen sie vom damaligen Fürsten 30 Freizeichen, um ungehindert Brod und Mehl nach Dresden verkaufen zu können. Die Urkunden darüber datiren sich von den Jahren 1522 und 1527.

Im 30jährigen Kriege gingen die Lockwitzer Weiber hinter den Mehl- und Brodwägen her und verteidigten sie mit Steinen, die sie in ihren Schürzen bei sich trugen, so lange gegen Streifpartheien, bis sie Hülfe von Bauern oder befreundeten Soldaten erhielten. Während der Pest des Jahres 1680 verbot zwar die Lockwitzer Herrschaft jenen Handel nach Dresden, das dortige Gouvernement aber forderte ihn, und da es mit Verlust des Privilegiums drohte, so erzwang es ihn auch. Die damit verbundenen Vortheile vermehrten bald die Theilnehmer so, dass endlich die Müller und Bäcker in Dresden sich darüber beschwerten und deshalb wurde die Zahl der Freizeichen nun festgesetzt.

[124] Wenn durch Todesfälle eines derselben vacant oder auch nur verloren wurde, so musste solches bei der Herrschaft von neuem gelöst werden. In der Regel überliess es die Herrschaft den Meistbietenden und der Preis stieg von 30 bis 80 Thaler.

Bemerkenswerth sind auch die im Lockwitzer Grunde reizend gelegenen vier Mahlmühlen, die diesem Grunde selbst im Winter, wenn der Sang der Vögel schweigt, ein reges Leben geben. Hier war es auch, wo schon zwei Verbrecher ihre Strafe fanden; der Eine, ein gewisser Schuster, welcher einen Sattler aus Lockwitz ermordete, wurde vor 92 Jahren beim Eingange in den Grund gerädert: der Andere mit Namen Richter, ein Brandstifter, 1809 auf derselben Stelle enthauptet.

Die Frohnen wurden den guten Lockwitzern schon im Jahre 1812 durch den damaligen Besitzer, Herrn Preusser, erlassen. Der dermalige Besitzer des Gutes ist der Sohn des verstorbenen Kaufmanns Preusser. Herr Lieutenant Preusser, eine Familie, die in den Herzen ihrer Untergebenen viele hundert Tempel der Dankbarkeit sich erbaut hat. – Jetzt aber noch einiges Wenige vom Erbau der Kirche. Auf der Stelle, wo die jetzige Kirche steht, war früher eine katholische Capelle mit zwei Altären, in welcher der Pfarrer zu Leubnitz jährlich mehrere Male Messe lesen musste. Seit dem Jahre 1538 lag sie jedoch wüste. Erst im Jahre 1622 wurde sie, wie oben schon erwähnt worden, von dem damaligen Besitzer von Lockwitz, Hans Georg von Osterhausen, Hofmarschall und Oberkammer- und Bergrath erneuert und auf seine Kosten Lockwitz und Nickern von Leubnitz ausgepfarrt.

Im Jahre 1700 wurde vom damaligen Besitzer, dem Oberconsistorialpräsidenten, Friedrich von Schönberg, die Kirche neu gebaut und da dieser zweite Bau mehrere Jahre dauerte, ward während dieser Zeit in einem Saale des herrschaftlichen Schlosses der Gottesdienst gehalten.

Die Kirche selbst ist ein schönes Gebäude, das mit dem Schlosse zusammenhängt und eine von dem berühmten Orgelbauer Silber neu gebaute Orgel hat.

In der Kirche hängt neben der Orgel das Bildniss des am 1. November 1627 verstorbenen Herrn von Osterhausen, wie er auf dem Paradebette liegt und zur Seite eine Tafel, welche das Nähere des Kirchenbaues besagt.

Der erste an hiesiger Kirche angestellte Prediger war M. Gabriel Ursinus.

Der Gottesacker liegt hinter dem Dorfe auf einer Anhöhe und hat manches schöne Denkmal aufzuweisen.

Der jedesmalige Besitzer des Gutes ist auch Collator von Kirche und Schule.

Eingepfarrt hierher ist, wie oben schon gesagt worden, das Dorf Nickern, welches bis 1681 mit Lockwitz verbunden war. Der Geburtsort des berühmten Instrumentenmacher Horn, welcher in der Zeit von 1739 bis 1797 lebte.

Die sonstigen kirchlichen Nachrichten über Lockwitz und Nickern sind durch einen Brand verloren gegangen, der im siebenjährigen Kriege durch einen preussischen Soldaten in einem Bauerngute veranlasst wurde, wodurch Pfarrwohnung nebst allen Schriften den Flammen erlagen, so dass die eigentliche sichere Kunde von der Kirche erst mit dem Jahre 1757 beginnt.

Die hiesige Pfarrwohnung war deshalb längere Zeit ein Bauergut, dessen Steuern und Gaben die gesammte Kirchfahrt übertrug.

Pfarre und Schule stehen unter der Inspection Dresden.

Lockwitz mit seinen 127 bewohnten Gebäuden, mit seinen 315 Familienhaushaltungen, mit seinen 1315 Einwohnern gehört jetzt zum Gerichtsamt – zum Bezirksgericht – zur Amtshauptmannschaft – zum Regierungsbezirk Dresden.

M. G.     



[125]
Oberkreischa.


Kreischa besteht aus Ober-, Mittel- und Nieder-Kreischa und wird gewöhnlich zum Unterschiede von dem einige hundert Schritte von Lungwitz gelegenen Klein-Kreischa – Grosskreischa genannt.

Richtiger ist es überhaupt, wenn man spricht: Kreischa zerfällt eigentlich in zwei Theile oder Dörfer, von denen der grössere Gross- oder Oberkreischa und der kleinere unten auf beiden Seiten der Lockwitz gelegene Klein- oder Nieder-Kreischa genannt wird, wovon drei halbe Hüfner und elf Häusler nach Zehista gehörten und Mittelkreischa bildeten.

Kreischa erstreckt sich fast 2000 Schritte lang von Ost nach West, wo es an das schöne und reiche Dorf Quohren stösst und mit ihm einen Ort von ⅝ Stunden Länge ausmacht; der kleine Bach, welcher beide Dörfer durchfliesst, und sich in Niederkraischa mit dem Grimmischen Wasser vereinigt, entspringt auf Possendorfer Gebiet. Durch Kreischa führt der Weg von Dohna und Pirna nach Dippoldiswalde und Freiberg, und liegt ungefähr 4 Stunden an und unfern der Lockwitz.

Das Kreischer Thal gehört zu den angenehmsten der Gegend und bietet, von den südlichen und westlichen Höhen angesehen, einen eben so reichen, als schönen Anblick dar; südlich wird es vom Hermsdorfer Berge mit dem Wilisch, östlich von den Magener und Saydischen, und nördlich von den Theisewitzer Höhen begrenzt.

Das Dorf Oberkreischa, wozu auch das Vorwerk zu Saida oder Kastanien-Dörfel gehört, ist sehr nutzbar angelegt, wenn auch nicht sehr stark. Ein Schloss war hier schon in den frühesten Zeiten und gehörte solches wohl zu den Besitzungen der Grafen von Dohna. In späteren Zeiten ist solches restaurirt worden und gewährt jetzt, wie dies in der Abbildung zu ersehen ist, eine liebliche Landschaft. Die jetzige Einrichtung des Schlosses nach innen und aussen ist nur eine zweckmässige und schöne zu nennen, und die dabei befindlichen Parkanlagen gehören schon zu den sehenswertesten von Sachsen. An den Park stösst der nachher unten zu erwähnende elegante sächsische Hof. Das Gut selbst gehörte mit Niederkreischa lange Zeiten hindurch der Familie von Reinhold, welche es von Kammerrath Göbler überkommen hatte im Jahre 1785. Die Kriegsräthin von Reinhold, welche es von 1785–1824 besass, war eine geb. Göbler. Im Jahre 1824 erbte es der Letzteren Tochter, die Kammerherrin Mezrath, und diese besass es bis zum Jahre 1842. Dann kam es an Lieutenant Klette 1843–1845, von welchem es auf dessen Erben überging. Im Jahre 1847 besass das Gut Herr Stephan Schmidt: dann Gottlob Borisch von 1847–1852, von welchem es die dermalige Besitzerin Frau Pauline Thomann erkaufte.

Zum Gute gehören bedeutende am Wilischberge gelegene Waldungen, Schäferei, Ziegelei und Brauerei.

Der Boden ist zwar von mehr als mittelmässiger Güte, aber doch schon merklich schlechter, als bei Dresden, besonders am Abhang des Wilischberges, von dessen nordöstlicher Seite ein grosses Stück hierher gehört.

Zu Oberkreischa gehören übrigens auch 4 Mühlen von 7 Gängen, und wie der Ort noch seine eignen Patrimonialgerichte hatte, wurden zu demselben gerechnet Kleinkreischa zum Theil, Saida, ein Gut in Babisnau und sechs Gärtner im Dorfe Lungwitz.

Im Jahre 1769 besuchte der damalige Kurfürst von Sachsen das hiesige romantische Thal, und ihm zu Ehren wurde Kreischa ein Jahrmarkt gegeben, der seit hundert Jahren nicht gehalten worden war.

Eine von dem verstorbenen Mosbeck gegründete Kattunfabrik, welche seit 1792 hier florirte und 1802 der Hofmedicus Dr. Quaas erbte, ist nun über dreissig Jahre bereits in einen Gasthof, in den sogenannten „Sächsischen Hof“ umgewandelt, welchen die Dresdner Welt, durch Kreischa’s herrliche Gegend angelockt, häufig besucht, und die neben einem Gesundbrunnen hier alle Bequemlichkeiten zur Erheiterung des Lebens findet.

Ein Hauptnahrungszweig des Ortes ist Strohmanufaktur, die sich bis Altenberg und Reichstädt, sowie andrerseits bis über die Elbe verbreitet hat und deren Muttersitz Kreischa sein dürfte.

Das Alter dieser Manufaktur reicht wenigstens bis ins sechszehnte Jahrhundert. So viel weiss man gewiss, dass vor 130 Jahren ein Lockwitzer Schulmeister das Strohflechten, worauf dessen Frau sich gut verstand, als eine in seiner Gegend von uralten Zeiten her bekannte Arbeit nach Trebitz in den Wittenberger Kreis, wohin er versetzt wurde, verpflanzte.

Damals fertigte man blos grobe Strohhüte, Pferdeköpfe genannt, und die Arbeit, welche nur die Abendstunden und die Winterzeit ausfüllte, lohnte wenig, so dass eine Flechterin oder Näherin täglich höchstens zwei Groschen verdiente. Dagegen standen die mit der Waare Handelnden sich bei weitem besser, weil die Mode nicht so oft wie jetzt wechselte und vorhandene Vorräthe nicht so leicht, wie jetzt, Ladenhüter wurden.

Bei den höheren Ständen der Vorzeit scheint der Strohhut nur zuweilen in Aufnahme gewesen zu sein. Im Jahre 1711 klagt der Prediger Gerber in Lockwitz, der Luxus setze den Frauen lieber Gold und Seide, als Stroh auf den Kopf, und so verfalle das Geschäft der Stroharbeit immer mehr.

Erst vom Jahre 1797 begann die Strohmanufaktur sich grossartig zu heben und zwar durch die Geschwister Engelhardt aus Dresden, welche nach Art der Italiener, das Stroh durch Auseinanderschlitzen, Glätten und Färben verfeinerten und verarbeiteten. Man fertigte zahllose Formen und Arten von Hüten und Hauben, Körbchen, Vasen, Blumen, Federn und Kästchen, ohne beim Uebermasse eingehender Bestellungen die Käufer befriedigen zu können. Wohl bis auf’s Dreifache gestiegen ist seitdem die Zahl der Arbeitet und Händler, und weit hat sich die Fabrikation ausgebreitet.

Die sächsischen Strohhüte sind geschmackvoller an Form, auch weisser und wohlfeiler als die feineren und dauerhafteren italienischen, und der Handel mit sächsischen Strohhüten erstreckt sich über ganz Europa bis nach Amerika. Die Strohmanufaktur beschäftigt, gleich dem Spitzenklöppeln, [126] meist nur weibliche Hände. Viel tausendarmige Männerstärke und riesenhafte Maschinen sind beim kostspieligsten Aufwande von Bauholz erforderlich, um Gestein in Silber zu verwandeln, und auf die leichteste Weise machen gleichsam hier schwache weibliche Hände aus dem gewöhnlichsten Düngerstoffe Silber, welches uns für ihre Stroharbeiten in bedeutenden Summen aus dem Auslande zufliesst.

Die Strohmanufaktur erfordert namentlich zweierlei, nämlich ein gutes dazu geeignetes Weizenstroh – wie es nicht überall, am geeignetsten blos in hiesiger Gegend zu finden ist – und geschickte fleissige Hände. Diese beiden Umstände sicherten unserm Sachsenlande bisher den ausschliesslichen Besitz dieses schönen Erwerbszweiges. Schon Kinder von drei bis vier Jahren lernen gewöhnlich ohne Unterricht durch blosse Nachahmung das Strohflechten und nur durch einen so zeitigen Anfang wird in dieser Arbeit eine lohnende Fertigkeit erreicht. Das Stroh muss, um der erforderlichen Eigenschaften nicht zu ermangeln, weiss und fleckenrein, weich und geschmeidig sein. Nicht der ganze Strohhalm wird verarbeitet, sondern nur dessen bester Theil. Dieser beste Theil wird ausgeschnitten, geschwefelt, gewässert, auch wohl gerüffelt und durch Maschinen geschlitzt, dann zu Band ähnlichen Streifen geknüpft oder geflochten und dieses Geflecht endlich zu Hüten vernäht. Das Flechten bringt weniger Lohn als das Nähen, welches bei feinem Stroh sehr mühsam ist, bei grobem aber sehr häufig blutige Finger erzeugt, indem die hervorragenden Enden der Halme umgedrückt und eingebrochen werden müssen.

Für die Erlernung des Hutnähens, als einer vorzüglichen Fertigkeit, lassen sich Meisterinnen, welche Strohfräuleins genannt werden, Lehrgeld zahlen, und, besetzt von den Lernenden, gleicht die Stube eines solchen Fräuleins nicht selten der einer städtischen Putzmacherin.

In den sogenannten Strohdörfern gesellen sich während des Winters die Stroharbeiterinnen zahlreich zusammen, eben so, wie in andern Gegenden mit dem Klöppelsacke oder Spinnrade die Mädchen gegenseitige Besuche zu machen pflegen. Im Sommer sitzt, mit Ausschneiden, Flechten und Nähen beschäftigt, vor der Thüre der Häuser Alt und Jung. Der Hirt folgt Stroh flechtend, wie im Erzgebirge mit dem Strickstrumpf in der Hand, seiner Heerde und der Vogelsteller hat das Strohgeflecht bei sich.

Die eigentliche Fruchtzeit der Manufaktur dauert gewöhnlich nur vom Februar bis höchstens zum Juni. In diesen Monaten kann kaum genug geschafft werden. Dann aber stockt auf einmal der Vertrieb. Die Ernte fordert den grössern Theil der Hände, und erst nach derselben kehrt man wieder zum Flechten und Nähen auf Vorrath für’s künftige Jahr zurück.

In dieser Periode wird aber mehr Bauern- als Modehut gemacht, weil bei letzterem die künftig eintretende Mode noch nicht bekannt ist.

Die Strohmanufaktur hat so gut wie jede andere ihre ganz eignen Gebrechen. Am nachtheiligsten für dieselbe ist die starke Ausfuhr des rohen Geflechts. Auch klagt man über die grosse Zahl der Arbeiter, wodurch dem Landbaue die nöthigen Kräfte häufig entzogen werden.

Die Licht-Seiten dieses Gewerbes sind unbedingt die, dass damit grosse Summen dem Lande erhalten und noch grössere hereingezogen werden; dass es viele tausend Personen vom Kindes- bis zum Greisenalter ernährt; dass es nie ins Stocken gerathen kann, wie andere Manufakturen, da dieses Gewerbe nicht vom Auslande rücksichtlich des rohen Stoffes abhängt; dass es wenig mit dem Auslande zu rivalisiren braucht; denn es scheint fast, als sei nirgends geeigneterer Boden dafür da, als gerade hier. Es wurden Auswanderungen von geschickten Arbeiterinnen unternommen, die durch die Hoffnung, Fleiss und Fertigkeit anderswo höher belohnt zu sehen, sich forttreiben liessen. Aber kein Wort des Gehofften ist von solchen Arbeiterinnen zurückgedrungen in die heimathlichen Thäler. Sie sind verschollen und vielleicht traurig untergegangen.

Kreischa, wie Dresden, Dohna, Lockwitz und Possendorf sind Hauptversendungsorte der Strohwaaren.

In die Kirche von Kreischa sind eingepfarrt Saida, Zscheckwitz, Gombsen, Kautzsch, Hermsdorf, ¾ Stunde südwestlich von Kreischa, Lungwitz und Wittgersdorf. Die Kirche ist ebenfalls wie das Schloss sehr alten Ursprungs, doch fehlen die nähern Nachrichten darüber. Nur so viel ist gewiss, dass sie vor der Reformation im Jahre 1514 in ihrer jetzigen baulichen Gestalt bestanden hat und nur der viereckige Thurm wurde durch eine achteckige Erhöhung im Jahre 1749 verschönert. Merkwürdig ist der à jour gearbeitete Altaraufsatz.

Der dasige Prediger hat zwei das Gestift in Lungwitz[1] berührende Stiftspredigten alljährlich zu halten und vertheilt, ebenfalls durch diese Stiftung begründet, jährlich zwölf Bibeln und zwölf Gesangbücher unter die Einwohner in Lungwitz und Hermsdorf.

Die Schule zu Kreischa, als einzige des Kirchsprengels, wird von 250 Kindern besucht. Die Collatur über Kirche und Schule steht der jedesmaligen Gerichtsherrschaft des Rittergutes Oberkreischa zu.

Nicht weit von hier erhebt sich die sogenannte Quohrener oder Kohrener Koppe. Diese Höhe von 1150 Pariser Fuss über dem Meere gewährt eine reizende Uebersicht von Quohren und Kreischa, sowie auf einen grossen Strich des Elbthals, von Pirna bis unter Pillnitz. Auf dieser Höhe, die Koppe genannt, hatten in den früheren Zeiten die Burggrafen von Dohna ein Schloss, wovon die Spuren noch jetzt vorhanden sind.

Kreischa, worunter Ober-, Mittel-, Nieder- und Kleinkreischa mit Eichberg begriffen ist, gehört jetzt mit seinen 119 bewohnten Gebäuden, seinen 287 Familienhaushaltungen und 1236 Einwohnern zum Gerichtsamt Dippoldiswalde – zum Bezirksgericht – zur Amtshauptmannschaft – zum Regierungsbezirk Dresden.

M. G.     



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Borthen.


Borthen liegt 2¼ Stunde von Dresden gegen Südsüdosten, 2 Stunden von Pirna, kaum ¼ Stunde von Dohna am Abhange des gegen Süden immer höher ansteigenden Saidaer oder Maxener Gebirges, in zwei Gruppen, von deren östlicher, Grossborthen genannt, sich ein kurzer Grund nordwärts zum schönen Thal des Grimmaischen oder Lockwitzer Baches herabzieht, in der andern Gruppe. Kleinborthen mit Jägerhaus und Schenke bildet das schöne thurmlose Schloss das tiefste Gehöfte.

Borthen mit seinen 30 bewohnten Gebäuden, mit seinen 46 Familienhaushaltungen und seinen 259 Einwohnern gehört zum Regierungsbezirk Dresden, zur Amtshauptmannschaft Pirna, zum Bezirksgericht und zum Gerichtsamt Pirna, und ist somit bei seiner frühern Behörde geblieben.

Die ersten Bewohner des vormaligen Amtsbezirks Pirna mögen Hermunduren gewesen und die natürliche Beschaffenheit desselben eben so rauh als die des übrigen Deutschlands gewesen sein. Ihnen folgten die Sorben, welche das Land mehr und mehr cultivirten, Sümpfe austrockneten, Wälder ausrodeten, Wiesen und Felder anlegten, Dörfer und Städte erbauten. Die Namen der meisten Orte und Bäche dieses frühern Amtsbezirks sind sorbischen Ursprungs. Das frühere Amt Pirna soll aus dem Gau Nisani entstanden sein. Nach Besiegung der Wenden fiel dieser Landstrich an das Bisthum Meissen. Im Jahre 1249 kam Pirna durch Heirath mit Agnese von Böhmen an Heinrich den Erlauchten. Im Mittelalter litt die hiesige Gegend viel, besonders von den Burggrafen von Dohna und den Birken von der Duba. Auch in der Nähe von Borthen haben diese Burggrafen von Dohna gehaust; denn das blos ⅛ Stunde von Borthen entfernt gelegene Burgstädtel soll ehemals eine burggräfliche Dohnaische Burg oder Grenzfestung gewesen sein und Borthen selbst auch zu der grossen Dohnaischen Herrschaft gehört haben.

Die Nachrichten selbst gehen indess blos bis ins fünfzehnte Jahrhundert zurück, wo dieses Gut Borthen von Heinrich Lange besessen wurde, von welcher Familie es im Jahre 1558 an Hans Christoph von Bernstein gekommen ist, der es bis 1574 behauptet hat. Durch Kauf acquirirte es dann der Rath Christoph von Loss, welcher noch 1636 damit beliehen war. Später erwarben es die Herren von Schönberg. Unter diesen ist der Oberberghauptmann von Schönberg berühmt, der das von Schönberg’sche Haus zu Freiberg baute. Dann folgte im Besitze das Geschlecht derer von Neidschütz auf Röhrsdorf. Der Generalmajor von Neidschütz starb hier im Jahre 1682, dem sein Bruder der Landesdirector Karl August von Neidschütz folgte, welcher aber schon im Jahre 1687 mit Tode abging und derselbe von Neidschütz war, dem auch Mannichswalde gehörte. Nach dessen Ableben überkam das Gut dessen Tochter, Helena von Neidschütz, welche sich im Jahre 1705 mit dem Baron Christian von Meusebach verheirathete, der im Jahre 1716 mit Borthen selbst belieben wurde. Im Jahre 1752 acquirirte es die Frau Oberlieutenant von Troyff und im Jahre 1816 war Graf von Flemming im Besitze des Gutes, von welchem es der Kammerherr, Friedrich Sebastian Leberecht Graf von Wallwitz erkaufte, von welchem es sein Herr Bruder, Georg Friedrich Graf von Wallwitz seit dem 22. Juli 1840 überkommen hat und solches nun mit Gross- und Kleinborthen ganz besitzt.

Das Schloss von Borthen zeigt ein zehn Fenster breites, schönes, bequem eingerichtetes, erst im sechszehnten Jahrhundert neu entstandenes Gebäude mit trefflicher Aussicht, wie es denn auch im Elbthale weit und breit gesehen wird. Der daran stossende Garten – im französischem Geschmacke – ist erst vor 150 Jahren angelegt, und die Parkanlagen erstrecken sich bis in das herrliche Lungwitzthal. Das Gut selbst hat auch eine vortreffliche Schäferei und grosse Brauerei. Es gehört überhaupt zu den stärkeren Gütern Sachsens.

Borthen wird von Dresden aus wegen seiner vortrefflichen Lage häufig besucht und zur Frühjahrszeit und in schönen Herbsttagen zieht Jung und Alt hieher, um an den frischen Blüthen, an den gereiften Früchten sich zu ergötzen und zu laben. Dabei wird bei dieser Wanderung das nahe dabei auf steiler Bergeshöhe liegende Burgstädtel mit der südwärts von diesem Oertchen gelegenen Hummelmühle nicht vergessen und neben heiteren Gesprächen über vergangene Zeiten der Gegenwart sich erfreut und sogar botanisirt. Die Hummelmühle nämlich befindet sich in einem der freundlich schönsten Thäler um Dresden, wo die Tris Sibirica [128] wächst und wo man nicht weit davon noch andere bemerkenswerthe Pflanzen findet, besonders aber: Verbascum Thapsus, Astrantia major, Daphne Mezereum, Prenanthes purpurea, Orchis mascula, Orchis ustalata, Epipactis latifolia, Epipactis ovata, Cypripedium calceolus, Trifolium alpestre, Carex pilulifera u. a. m.

Die hiesige Gegend litt weniger durch den 30jährigen Krieg als durch den siebenjährigen; am schrecklichsten wurde solche aber im Jahre 1813 von den Plagen des Krieges heimgesucht. Ganze Dörfer wurden verbrannt, alle Einwohner geplündert, alles Vieh weggeführt, alle Lebensmittel aufgezehrt, und zuletzt raffte noch die Kriegspest viele, viele Menschen dahin, so dass man auf den ganzen vormaligen Amtsbezirk Pirna den vierzehnten Theil berechnet hat.

Obst wird auch hier, wie in der ganzen benachbarten Gegend, in Menge gebaut. Aepfel, Birnen und Pflaumen sind die gewöhnlichsten Sorten; Kirschen kommen seltener vor. Die Cultur der Wiesen hat in der neuern Zeit sehr zugenommen und der Anbau der Futterkräuter, besonders des Klees, ist bedeutend. Doch könnte die Wirthschaftspflege noch auf einer viel höheren Stufe hier stehen, wenn nicht mit verschiedenen Hindernissen zu kämpfen wäre. Mangel an Gesinde ist ein Haupthinderniss, weil die Schifffahrt, das Strohflechten, welches bis in hiesige Gegend sich erstreckt, und die Pirnaischen Steinbrüche so viel Hände wegnehmen.

Der Korn- und Weizenbau ist hier schon ein vortrefflicher zu nennen und an Flachs gewinnt man den Hausbedarf.

Gross- und Klein-Borthen ist mit Birkwitz, Bosewitz, Burgstädtel, Falkenhain, Gomig, Gommern, Gorknitz, Gross- und Klein-Luga, Gross- und Klein-Sedlitz, Gross- und Klein-Zschochwitz, Heidenau mit der Hofaue, Kottwitz, Krebs, dem Kux, der Lochschenke mit Meisslitz, Meuscha, Mügeln, Nieder- und Ober-Meusegast, Ploschwitz, Sporbitz, Sürssen, Thronitz, Tschieren, Welkau, auch das Dörfchen Weesenstein (aber nicht das Schloss) in die Kirche zu Dohna eingepfarrt, eine Kirche, die sonst sehr reich war und wozu viele Dörfer bei Dresden gehörten.

Diese Kirche zu Dohna, welche im Jahre 1833 meist ganz umgebaut worden ist, besitzt einen 370 Jahre alten, schönen und hohen Flügelaltar. In der mittelsten Abtheilung stehen beinahe in natürlicher Grösse die fünf heiligen Jungfrauen, als: Anna, Katharina, Margaretha, Magdalena, in ihrer Mitte die Maria. Sämmtliche Figuren tragen rothe Gewänder mit goldnen Mänteln, an deren Besatz sich abgebrochene Namen und Worte befinden, und sind, sowie das ganze Altarstück, von Holz geschnitzt und stark vergoldet. Die beiden äusseren Figuren stehen jedoch in einer zu beiden Seiten angebrachten beweglichen Flügelthüre, wodurch während des Katholicismus dieser Altar wahrscheinlich bei gewissen Festen geöffnet und wiederum verdeckt werden konnte. Auf der Rückseite dieser beiden Flügelthüren sind rechts die Verkündigung Maria’s zu Nazareth und die Geburt Jesu zu Bethlehem und links die Erscheinung der Weisen zu Bethlehem und die Heimsuchung Maria’s gemalt. Unter dieser Abtheilung ist die Enthauptung Johannis dargestellt, jedoch mit einem Oelgemälde, das heilige Abendmahl vorstellend, verdeckt. Der sächsische Alterthums-Verein hat eine Copie dieses Kunstwerkes zeichnen lassen und dies Altarstück der Dohnaischen Kirche zu erhalten sich bemüht, was jeder Kunstfreund lobend anerkennen muss.

Das Kunstwerk selbst rührt von der Familie von Bünau auf Weesenstein her.

M. G.     




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  1. Die verw. Hofräthin Bennemann, geb. Achard, als letzte Besitzerin von Lungwitz, hat dieses Gut durch Testament vom 18. August 1760 als milde Stiftung theils für die nächsten Glieder ihrer Familie, theils für Fremde bestimmt.